Tagesarchiv für den 10. April 2010

Leicht und locker nach Bochum

10. April 2010

Jonathan Pitroipa kam mit der Sporttasche zur Nordbank-Arena, gerade so, als würde er mit seinen Kollegen an diesem Sonnabend zum Auswärtsspiel beim VfL Bochum fahren wollen. Um es kurz zu machen: „Piet“ fuhr nicht mit. Obwohl er im Spiel in Lüttich doch keinen Rippenbruch (oder einen Anbruch) erlitten hat. Es soll sich „nur“ um eine schwere Rippenprellung handeln – aber auch die ist sehr schmerzhaft.

Pitroipa trainierte nicht mit den Kollegen, und auch Ruud van Nistelrooy war draußen nicht zu sehen. Der Niederländer „erholte“ sich im Kraftraum der Arena, kann aber in Bochum wieder auf Torejagd gehen. Ebenso wie Mladen Petric, der ebenfalls nicht auf dem Trainingsplatz zu sehen war, der Kroate lief durch den Volkspark – kann morgen aber auch zum Einsatz kommen.

Die Stimmung passte zu dieser Trainingseinheit: Alles leicht und locker, es ging in erster Linie darum, die Muskeln auszuschütteln und keine unnötigen Kräfte zu vergeuden. Die Mannschaft drehte bei herrlichstem Sonnenschein, gemeinsam mit den vorne weg laufenden Trainern, einige Runden zum Aufwärmen. Auffällig: Piotr Trochowski lief immer mit einem Ball am Fuß. Anschließend wurde an drei Stellen im Kreis gespielt, auch bei dieser Übung mischten die Trainer mit. Ganz auffällig: Es wurde gelacht und gescherzt, es wurde sich auch nach gelungenen Aktionen abgeklatscht. Was ein solcher Auswärtssieg wie der in Lüttich so alles bewirken kann. Nach einer halben Stunde dann wurde das Passspiel mit anschließendem Torabschluss geübt. Zwei Spieler allerdings gingen noch vorher in die Kabine: Ze Roberto und Joris Mathijsen, die beide leicht angeschlagen sind, morgen aber sicher spielen werden.

Bei den Torschüssen gefiel mir am besten Wolfgang Hesl, denn der Keeper wehrte einige Schüsse mit traumhaften Flugeinlagen ab. Und wenn Hesl doch mal bezwungen wurde, dann war es meistens deshalb, weil die Angreifer viel zu dicht auf ihn zugelaufen waren. Oft winkte Hesl dann sauer ab, oder er meckerte still vor sich hin. Erfreulich aus meiner Sicht war, dass Bastian Reinhardt nicht nur das gesamte Programm mitmachen konnte, sondern das der Abwehrrecke durchaus einige spektakuläre Schüsse zu bieten hatte. Dieses Talent hat der „Basti“ oft und lange ganz geschickt verheimlichen können.

Morgen könnte Reinhardt übrigens zum ersten Mal in dieser Saison ein Spiel bestreiten, denn er sitzt in Bochum auf der Bank. Neben ihm Collin Benjamin, der auch zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz in dieser Saison kommen könnte. Reinhardt und Benjamin kamen für Pitroipa und den gesperrten Paolo Guerrero in den Kader.

Spannend ist wieder einmal die Frage, was der Trainer mit Trochowski plant? Ich gehe davon aus, dass der Nationalspieler, der nach dem Training noch an das Kopfballpendel ging, wieder nur auf der Bank sitzen wird. Als gegen Trainings-Ende von links und rechts geflankt wurde, gaben überwiegend Dennis Aogo (von links) und Tomas Rincon die Bälle zur Mitte. Bestnoten verdiente sich dabei Aogo, der viele gute Flanken schlug. Aber auch Rincon wusste in diesem Punkt zu gefallen, was für viele Trainingskiebitze (darunter wieder viele „Matz-abber“) etwas überraschend war.

Ich denke nach diesem Training, dass der HSV – bis auf Pitroipa – mit der Anfangsformation von Lüttich beginnen wird. Und wer kommt neu in die Start-Elf? Ich tippe auf Tunay Torun, mit dem sich die drei Trainer Bruno Labbadia, Co-Trainer Eddy Sözer und Technik-Coach Ricardo Moniz einige Minuten separat unterhielten. Und wenn doch nicht Torun, dann noch immer nicht Trochowski, sondern eher Rincon. Und zum Abschluss des Trainingsberichts noch einmal etwas Positives: Guy Demel ist für mich deutlich auf dem Wege der Besserung, er wirkt konzentrierter und auch wieder spielfreudiger, sicherer und engagierter.

Noch einmal kurz zurück zu meinem Bericht „Labbadias Befreiungsschlag“. Ich habe danach aus Eurer Mitte einige Giftpfeile um die Ohren bekommen. Darüber möchte ich mich keineswegs beschweren, im Gegenteil, ich habe immer gesagt, dass diese Kritik (so lange sie nicht beleidigend wird) willkommen ist – ich bin nicht allwissend und auch nicht unfehlbar. Nur frage ich mich, was ich Falsches geschrieben habe? Ich habe Euch das geschrieben, was der Trainer nach dem Spiel in Lüttich von sich gegeben hat. Ich habe aber keineswegs gefordert, dass Bruno Labbadia entlassen oder gefeuert werden soll. Schon vor dem Spiel habe ich mich deutlich dazu geäußert, dass ich fest der Meinung bin, dass es bis zum Saisonende keine Trainer-Entlassung beim HSV geben wird. Auch im Falle einer Niederlage in Lüttich übrigens, so hatte ich mich bei „Matz ab“ geäußert. Wenn mir nun unterstellt wird, ich würde zwischen den Zeilen die Entlassung Labbadias fordern, so ist das Eure Interpretation oder auch Eure Fantasie, aber ich habe davon nichts geschrieben. Und wenn mir vorgeworfen wird, dass ich über auf die Analyse von Bernd Hoffmann (am 13. Mai, oder um dieses Datum herum) verweise, dann schreibe ich das deshalb, weil der HSV-Boss ja diese Analyse auch schon mehrfach angekündigt hat. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Ich warte ab. Ganz klar. Und das sollten wir alle tun.

Ich habe darüber auch mit „Matz-abbern“ während des Trainings über die teilweise heftige Kritik, die ich einstecken musste, diskutiert – und auch am Telefon. Tenor dieser Gespräche: Ich kann es eben niemandem recht machen. Schreibe ich so, wird genörgelt, schreibe ich anders, wird auch genörgelt. Dazu gibt es ein Paradebeispiel: Wenn ich – wie zuletzt – einiges über Piotr Trochowski geschrieben habe, dann war das doch nur deshalb, weil ich meinen Informanten in die Elf schreiben wollte. Natürlich. Und wenn ich nach dem Lüttich-Spiel nichts mehr über Trochowski abgesondert habe, war das auch nicht recht: „Jetzt schreibt er schon nicht einmal mehr über seinen Informanten . . .“ So ist es, das Leben in der Marsch.

Wobei ich auch schreiben möchte: Heute kein Wort mehr zu und über Bruno Labbadia. Das überlasse ich gerne Euch. Stand jetzt. Auch deshalb, weil ich fest davon überzeugt bin, dass der HSV seine Aufgabe in Bochum ähnlich souverän lösen wird, wie zuletzt in Lüttich. Nur das Ergebnis wird etwas knapper ausfallen, ich tippe auf einen 2:1-Auswärtssieg. Und damit wird dann auch der VfB Stuttgart wieder vom sechsten Platz verdrängt werden. Wetten, dass . .?

19.56 Uhr (0:0)