Tagesarchiv für den 3. April 2010

Wer ersetzt – vielleicht – Petric?

3. April 2010

Lüttich war gestern, nein, sogar vorgestern. Jetzt ist Nordderby-Zeit angesagt, wenn dieses Duell auch nicht den ganz großen Klang hat, weil ja „nur“ Hannover nach Hamburg kommt und nicht etwa die Bundesliga-Vertretung aus Bremen. Mein Kollege Christian Pletz, der heute beim Training war und eine bestens gelaunte Gruppe fachsimpelnder Matz-abber getroffen hat, wähnt sich langsam schon in einer persönlichen Negativserie. Wie das? Ganz einfach: Immer, wenn er zu den Einheiten geht, muss ich diese Beiträge mit einer Personalmisere beginnen. Diesmal wunderten sich die Zuschauer über das Fehlen von Mladen Petric und Piotr Trochowski. Aufklärung gab es erst nach dem Training. Beide plagen Adduktorenprobleme. Bei Petric stehen die Zeichen für den Ostersonntag nicht so gut, bei Trochowski sieht es wesentlich besser aus. Eine Entscheidung fällt am Spieltag.

Zum Training selbst, so hat mir mein Kollege berichtet, gibt es nicht sonderlich viel zu sagen. Erst ließ Trainer Bruno Labbadia unterschiedliche Spielzüge und Spieleröffnungen üben, wobei er großen Wert auf aktives Verhalten seiner Profis legte. Spielen, zeigen, fordern, passen – immer wieder gab es lautstarke Kommandos. Und als besonders aktiv präsentierte sich bei diesen Übungen Techniktrainer Ricardo Moniz. Als der Bald-Salzburger einen Flugball von den Verteidigern David Rozehnal, Joris Mathijsen, Bastian Reinhardt und Jerome Boateng forderte und bei den ersten beiden Durchgängen (von geschätzten zehn bis zwölf) nur halbherzige Ausführungen bekam, wurde Moniz in seiner energischen Art deutlicher: „Ihr sollt f…ing präzise Bälle spielen, alle!“ Fortan lief es deutlich besser.

Das vor allem von den knapp 400 Trainingskiebitzen ersehnte Abschlussspiel gab es nicht. Stattdessen wurden die Pass- und Abschlussübungen letztlich in einer Elf-gegen-zwei-Version mit den Mittelfeldgegenspielern Moniz und Eddy Sözer erprobt. Einige Ballstafetten waren wirklich ansehnlich. Da wurden die Außen einbezogen, da kamen sogar mal Flanken von der Grundlinie, was in den Spielen seit Marcell Jansens Verletzung ja eher zur Rarität verkommen ist. Einen Hinweis, wer im Falle einer Zwangspause für Petric in die erste Elf rutschen könnte, gab es nicht, jedenfalls keinen eindeutigen. Ruud van Nistelrooy versuchte sich im Wechsel mal mit Paolo Guerrero, mal mit Marcus Berg – und zwischenzeitlich sogar einmal mit Jonathan Pitroipa.

Nun glaube ich ja nicht, dass Labbadia sein neues „Shooting-Eichhörnchen“ Pitropia nach einer Gala-Vorstellung im Europapokal gleich im nächsten Bundesligaspiel in die Angriffsreihe beordern wird, darum favorisiere ich eine Anfangself mit van Nistelrooy und Berg. Nun werden einige von Euch bestimmt energisch den Kopf schütteln. Was? Nach so einer Minusleistung nach seiner Einwechslung gegen Lüttich soll er jetzt auch noch von Anfang an eingreifen? Mein Kommentar zu solchen Gedanken: Erstens ist es meist viel schwieriger als Joker in ein Spiel zu finden (und viel Zeit hatte er ja auch nicht), und zweitens hinterließ Berg zuletzt im Training nicht den schlechtesten Eindruck. Das soll er übrigens auch heute bestätigt haben, als es nach den Spielübungen noch Spezialtraining für einzelne Mannschaftsteile gab. Während Labbadia und Moniz die Innenverteidiger mit Flankenbällen von den Seiten bedienten und ihnen Abschlusschancen boten (die vier „Kanten“ Boateng, Mathijsen, Rozehnal und Reinhardt schädelten einige Bälle wuchtig in die Maschen), setzte Assistenzcoach Sözer die Offensivkräfte in Szene – und Berg unterstrich mehrfach seine hervorragende Schusstechnik.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich Hannover in Hamburg zeigen wird. Angriffslustig oder auf Konter ausgerichtet. So wie ich die Niedersachsen momentan einschätze, werden sie immer wieder versuchen, die zuletzt mehrfach wackelige Abwehrzentrale in Schwierigkeiten zu bringen. Mirko Slomka soll ja nach der Betrachtung des Lüttich-Spiels auch von einigen „Ansätzen“ fürs eigene Vorgehen gesprochen haben. Das stimmt mich – ehrlich gesagt – zuversichtlich, denn Boateng und Mathijsen, die gegen Lüttich ja in einigen Szenen wirklich noch nicht zu 100 Prozent aufeinander abgestimmt wirkten, werden sich rasch wieder aneinander gewöhnen und dann eine Festung aufbauen. Das kann schon gegen 96 der Fall sein. Schließlich liegt Mathijsens Magen-Darm-Infekt dann auch schon wieder anderthalb Wochen zurück.

So, mehr gibt es zum Spiel morgen erst einmal nicht zu sagen. Dass die Countdown-Uhr für das Europa-League-Finale über der Buseinfahrt gestern einige Zeit komplett ausfiel, werte ich mal als Zufälligkeit und nicht als schlechtes Omen für den HSV. Alles aus und vorbei – das soll bestenfalls für die Niedersachsen morgen nach 90 Minuten gelten. Ich glaube trotz aller Anstrengungen gegen Lüttich an einen Zu-Null-Erfolg – 1:0 oder 2:0. Und dann würden die heutigen Bundesligaergebnisse auch nicht mehr so viel Verstimmungen auslösen.

19:08 Uhr