Tagesarchiv für den 26. März 2010

Optimistische Ansätze trotz Jansens Aus

26. März 2010

Schöne Bescherung. Da hatte ich Euch gerade gestern einen voller Optimismus strotzenden Beitrag geschrieben, der mir im Hinblick auf Sonntag eine gehörige Portion Optimismus verschafft hat, und nun müsste ich heute schon wieder wild zurückrudern. Die Personallage des HSV liest sich mal wieder grausam: Zwar stehen Jerome Boateng und Paolo Guerrero wieder im Kader (letzteres hatte ich ja schon geschrieben), aber dafür drohen mit David Jarolim (Wadenprobleme), Dennis Aogo (Zerrung) und Joris Mathijsen (Magen-Darm-Infekt) wichtige andere Stützen wegzubrechen. Ganz ehrlich: Ich finde es zum Aus-der-Haut-Fahren, wenn ich jedes Mal solche schlechten Nachrichten überbringen soll und muss. Dass Frank Rost die heutige Einheit vorsichtshalber auch etwas früher abbrach, ignoriere ich lieber absichtlich. Denn wenn ich mir diese Mannschaft jetzt auch noch ohne „Fäustel“ vorstellen soll, dann dreht sich bei mir alles um…

Schlimm genug, dass es in Sachen Marcell Jansen eine Hiobsbotschaft gibt. Gestern beim Training war der Linksallrounder noch mehr oder weniger harmlos umgeknickt. Und was höre ich heute: Ausfall bis zum Saisonende, Syndesmosebandriss! Das gibt es doch nicht. Ausgerechnet Jansen, der als einer der wenigen Hamburger Profis auch in 2010 eine hervorragende Rolle gespielt hat, der sich aus dem Niemandsland zurück auf Joachim Löws WM-Zettel gespielt hat, der sich mit Toren und seinem eigenartigen Skorpion-Jubel in die Herzen der Fans manövriert hat. Nun droht ihm auch das Aus im Rennen um die letzten WM-Plätze. Oder seien wir mal realistisch: Diese Verletzung müsste eigentlich ganz sicher sein WM-Aus sein. Jansen tut mir leid. Der Junge muss sich angesichts seines Pechs mit Verletzungen und Erkrankungen echt mal in die Hände eines Teufelsaustreibers begeben – so einen Negativlauf kann es nämlich gar nicht geben. Geht es Euch eigentlich auch so wie mir, dass Ihr diese Misere nicht mehr sehen, hören und lesen mögt? Wie soll es da wieder bergauf gehen?

Ich möchte mich trotz all dieser deprimierenden Meldungen – wobei ich fest davon ausgehe, dass Jarolim („Die Chancen stehen 50:50!“) und Mathijsen dabei sein werden – mit einigen positiven Ansätzen versuchen, um den Auftakt der sechs fußballerischen Superwochen bis zum Saisonende erträglich zu gestalten. Fangen wir also beim heutigen Training an. Erst gab es verschiedene Passübungen, bei denen die beteiligten zwei Gruppen mit zunehmender Zeit immer besser in Fahrt kamen und sich offensichtlich steigerten, was die betreuenden Co-Trainer Eddy Sözer und Ricardo Moniz („Mehr Präzision, bitte! Härtere Pässe!“) mit Wohlwollen registrierten. Vor allem der Rückkehrer Guerrero zeigte erstaunliche Ball- und Annahmefähigkeit. Mein Kollege Christian Pletz hat Sözer genau beobachtet und festgestellt, dass er den Peruaner besonders intensiv unter die Lupe genommen hat. Wahrscheinlich kam das Grüne Licht in Sachen Kadernominierung daher auch von Sözer – er hält den Stürmer für einsetzbar, wenn auch vorerst nur für kurze Zeit.

Weiter mit den positiven Aspekten. Nach den Passübungen ohne Abschluss folgten welche mit verschiedenen Schussmöglichkeiten. Dabei zeigten sich zwei Dinge ganz besonders: Erstens waren Guerreros Versuche mit links an Harmlosigkeit nicht zu überbieten, aber das tut in diesem positiv getränkten Beitrag ja nichts zur Sache, und zweitens zeigte Piotr Trochowski mehrere grandiose Schüsse aus 15 bis 20 Metern, die Rost einige Male passierten und im Netz landeten. Na, es geht doch! Solche Schüsse sind im Borussen-Park dringend em(p)fohlen!

Mein letzter Zuversicht-schürender Punkt spielte sich erst nach dem offiziellen Trainingsende ab. Ruud van Nistelrooy war längst in der Kabine (Was ist eigentlich mit ihm los? Er wirkte gestern und heute ziemlich zerknirscht.), als ein paar Spieler noch eine intensive Pass-Flanken-und-Abschluss-Einheit dranhängten: Rincon, Trochowski, Reinhardt, Guerrero und Torun waren unter anderem dabei – als Verteidiger fungierte Technik-Trainer Moniz. Ich denke, dass solche Zusatzgeschichten der Mannschaft gerade in dieser Phase der Saison nur gut tun können. Übung macht den Meister – naja, wenigstens den Europa-League-Qualifikanten.

Was erwartet Ihr in Gladbach? Ich behaupte: Wenn sich die Mannschaft mental „hochfahren“ kann, wenn die Spieler die Personalmisere verdrängen, sich auf ihr Spiel konzentrieren, fußballerisch endlich wieder zulegen und dank eines frühen Gegentreffers nicht gleich wieder in Rückstand geraten, können sie was holen. Trainer Bruno Labbadia muss nur eine Frage beantworten, die entscheidend sein kann: Wie gestaltet er die Abwehrreihe, falls Aogo und Mathijsen ausfallen. Die Innenverteidigung wäre dann mit David Rozehnal und Jerome Boateng besetzt, für rechts und links stünden mit Guy Demel und Rincon eigentlich nur „Notbesetzungen“ parat. Oder gibt es diesbezüglich eine Überraschung?

18:25 Uhr