Tagesarchiv für den 24. März 2010

Geldstrafe für Elia

24. März 2010

Kein Buch heute – versprochen. Ich fasse mich kurz, was nicht etwa daran liegt, dass der Trainer heute nicht in Hamburg ist. Bruno Labbadia weilte aus privatem und traurigem Anlass in Darmstadt, wird aber am Donnerstag wieder bei der Mannschaft sein. Co-Trainer Eddy Sözer leitete die Einheit am Mittwoch. An der nahmen erstmals wieder Jerome Boateng und auch der lange verletzt fehlende Bastian Reinhardt erstmalig wieder teil. „Boa“ allerdings mit dick verbundenem linken Knöchel, der Nationalspieler lief überhaupt noch nicht rund – das sah noch gar nicht gut aus. Dennis Aogo fehlte dagegen erneut, der Abwehrspieler, der an einer Zerrung im Adduktorenansatz leidet, war im Kraftraum nur mit dem Fahrrad unterwegs. Ebenfalls nur auf dem Drahtesel fuhr David Jarolim, der Kapitän hat eine Verhärtung der rechten Wade.

Für einen Tag in Hamburg war Eljero Elia. Der am Knöchel operierte Niederländer holte sich im Volkspark einen „Einlauf“ ab, denn seine Aussagen, die er gegenüber meinem Abendblatt-Kollegen Kai Schiller getätigt hatte, die sorgten beim HSV nicht gerade für ein Freudengfest. „Eljero geht es vom Fuß her soweit ganz gut, er wird am späten Mittwoch nach Amsterdam zurückfahren, weil er dort im Krankenhaus noch weiter behandelt werden muss – dort werden auch die Fäden der Operationsnarbe gezogen“, sagt Eddy Sözer. Am Mittwoch wird Elja dann wieder in Hamburg sein, um mit der Reha zu beginnen. Sözer: „Wir hoffen, dass er so schnell wie möglich wieder einsatzbereit sein wird, denn wir haben noch eine sehr, sehr wichtige Phase der Saison vor Augen. Das heißt: Die nächsten fünf, sechs Wochen werden für uns sehr intensiv, deswegen benötigen wir jeden Spieler. Einen Zeitraum zu benennen, wann er wieder fit ist, das kann ich nicht, wir hoffen so schnell wie möglich.“

Wie groß das Donnerwetter gewesen ist, das sich Elia anhören musste, wollte Eddy Sözer nicht verraten. Der Assistent verriet nur so viel: „Wir haben einen jungen Spieler, er hat die Entscheidung so getroffen, etwas zu sagen – wir sehen das natürlich anders. Wir haben ihm das auch klar gemacht. Und Donnerwetter hin oder her, wichtig ist, dass man sich in die Augen schaut und diese Sachen klarstellt. Das haben wir gemacht, das war positiv, und ich denke auch, dass Eljero da auch aufnahmebereit ist.“ Sözer ergänzt dann auch noch: „Dass ein gewisser Unmut da war, bei beiden Seiten, das ist doch normal, wichtig ist, dass man wieder zusammenkommt, und das ist geschehen.“

Mit Elia sprach nicht nur Eddy Sözer, sondern auch der Vorstand. Und fest steht auch: Der Elia-Artikel im Abendblatt wird teuer, der Niederländer wird tief in die Tasche greifen müssen, um die Geldstrafe, die ihm aufgebrummt wurde, zu bezahlen. Und damit Ende. Oder doch nicht? Mal abwarten.

In der Mannschaft, so ist zu vermuten, kam das Vorpreschen Elias auch nicht so gut an. Der Kapitän jedenfalls kommentierte das wie folgt: „Es geht gar nicht, was Elia gemacht hat, darüber werden wir mit ihm sprechen. Er ist noch jung, er wird noch daraus lernen.“ Also haben auch die Kollegen wenig Verständnis für Elias Anklage. Aber für David Jarolim steht dennoch fest, dass die Unruhe, die es zurzeit im und um den HSV herum gibt, von außen herein getragen wird: „Es ist doch alles okay, wie stehen in der Europa League im Viertelfinale, und wir stehen in der Bundesliga auf einem Platz, der uns wieder international spielen lässt.“ Und dennoch: So ganz normal scheint im Moment nichts zu sein. Oder auf jeden Fall nicht sehr viel. Dazu passt auch, dass sich Piotr Trochowski wieder einmal mit einem Interview in der Sport Bild Luft verschafft hat. Ihm wird nicht die richtige Wertschätzung (durch den Trainer) entgegen gebracht. Sözer wollte das nicht kommentieren, Jarolim auch nicht, Er sagte nur: „Wir kennen ja die Medien, da wird aus einer Fliege schnell mal ein Elefant gemacht, ich glaube das nicht, dass das so gesagt wurde.“

Gesagt wurde aber immerhin, dass es in der Kabine zur Pause des Anderlecht-Rückspiels gekracht hat. Ruud van Nistelrooy soll Tunay Torun gepackt haben, es sollen Tränen geflossen sein, und es sollen wohl auch der eine oder andere Spieler dazwischen gegangen sein. Jarolim befand zu dieser ganzen Aktion: „Wir spielen Fußball, da ist es ganz normal, dass es mal zwischen dem einen und dem anderen Spieler kracht. Ich bin entsetzt, dass so etwas an die Öffentlichkeit gelangt, denn da waren nur ein paar Spieler dabei. Diese Indiskretion darf nicht passieren, denn noch einmal, es ist völlig normal, dass so etwas mal passiert.“ Schlusswort von David Jarolim: „Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Und: Wir brauchen jetzt auch kein Theater – wir können unsere Ziele noch erreichen.“

Dabei könnte auch schon sehr bald Paolo Guerrero wieder mithelfen. Der Peruaner macht im Training alles mit, obwohl er natürlich noch lange nicht bei 100 Prozent ist, aber das waren Elia, Ze Roberto und Ruud van Nistelrooy vor einigen Wochen auch nicht, und trotzdem spielen sie und kommen allmählich wieder auf Touren. Sözer über Guerrero: „Paolo hat uns sehr positiv überrascht, mit ihm sind wir mehr als zufrieden. Ich denke, mit ihm haben wir eine weitere Option im Offensivbereich, aber wir müssen diese Woche einmal abwarten, ob er das Training weiter so durchziehen kann. Wenn er gut durchhält, dann werden wir uns Gedanken darüber machen, ob Paolo schon am Sonntag in Mönchengladbach dazu gehören kann.“ Schön wäre es ja. Auch weil mit ihm dann der eine oder andere Spieler mal entlastet werden könnte – Mladen Petric zum Beispiel.

Zum Abschluss sei gesagt: Ein Sieg am Sonntag bei der Borussia könnte für viel Entspannung sorgen. Im Moment scheint es beim HSV zu brodeln, davon berichtet nun (am Mittwoch) ja auch schon die Bild. Es herrscht eine unheimliche Unruhe im Volkspark, und tatsächlich hat es den Anschein, dass nur ein Funken noch an einer Explosion fehlt. Siege sind das beste Mittel dagegen – Siege wären das beste Mittel dagegen. Aber von diesen Siegen hat es zuletzt relativ wenige gegeben. Und wenn ich so an den letzten Ausflug des HSV nach Mönchengladbach denke . . . Damals ging es eigentlich nur um die Höhe des Hamburger Sieges, und am Ende hieß es 1:4 (für BMG). Es gibt also aus HSV-Sicht noch etwas gut zu machen.

Vielen Dank übrigens wieder für die tolle Unterstützung beim Training, es waren acht „Matz-abber“ dabei – und entgeht nichts. Dank der großartigen Führung des „Masters of Elite“ (so wurde „Benno Hafas“ heute von den „Matz-ab“-Kollegen getauft). Letzteren Absatz aber bitte nicht (alle) auf die Goldwaage legen, es soll nur ein kleiner Scherz (mit ernstem Hintergrund) sein. Grundsätzlich möchte ich aber sagen: Ihr seid schon klasse!

16.14 Uhr