Tagesarchiv für den 17. März 2010

Nur “Van the Man” ist fraglich

17. März 2010

Nur noch etwas mehr als 24 Stunden, dann wissen wir endlich, was die Pleite in Leverkusen und die Schelte des Trainers in den Köpfen der HSV-Profis bewirkt haben. Vorab hat sich Zé Roberto ja schon mal wohltuend geäußert. Er denke momentan gar nicht an einen Vereinswechsel, sagte der Brasilianer meinen Kollegen, schließlich sei seine Familie doch gerade erst nach Hamburg gekommen, und zudem habe er noch große Ziele mit dem HSV, wo er einen Vertrag bis 2011 besitzt.

Ich weiß, dass es den meisten von Euch bei der Lektüre dieser Kommentare ähnlich gegangen sein dürfte wie mir. Eine gewisse Portion Skepsis mischt sich dazu, wenn man solchen Zitaten begegnet. Ich habe nur einmal durchgeschnauft und „Abwarten“ zu Frau M. gesagt. Gleiches habe ich auch schon bei den öffentlichen Treuebekundungen von Jerome Boateng geäußert. Wir dürfen alle gespannt sein, was nach dieser Saison passieren wird. Dreht sich das Personalkarussell (mal wieder) in Windeseile, weil ja auch Profis wie Piotr Trochowski oder Eljero Elia noch zur Disposition stehen könnten, oder entpuppen sich die vermeintlich vielen Interessenten für Hamburger Fußballer als dubiose Schattenmänner? Lassen wir uns überraschen.

Partien wie die morgige in Anderlecht werden sicherlich einen erheblichen Beitrag leisten, was die Kaderplanung für die nächste Spielzeit betrifft. Natürlich nicht alleine. Aber stellt Euch mal vor, der HSV setzt sich grandios durch und legt im Europapokal eine Siegesserie sondergleichen hin – was wünschenswert wäre -, dann würden sich zwar einerseits mehr Vereine für die Profis aus Hamburg interessieren, aber andererseits würden sich die Kicker dann auch zu einer verschworenen Gemeinschaft auf das nächstjährige Erreichen der Champions League einstimmen. Denn seien wir doch alle mal ganz ehrlich: So richtig zufrieden ist man in Hamburg und unter den meisten HSV-Fans erst, wenn endlich mal wieder ein Pokal oder eine Schale (sorry, sorry, ich war schon ein wenig zu weit bei Schalke) auf dem Rathausmarkt präsentiert werden könnte – und eine Teilnahme an der Königsklasse ist eben wie Balsam für die strapazierte HSV-Seele.

Angesichts meiner Erinnerungen an das Hinspiel gegen die Belgier ist mir vor der morgigen Partie nicht sonderlich bange. Natürlich waren die RSC-Kicker nicht ungefährlich, und sie haben gerade in Heimspielen in dieser Saison schon manche beeindruckende und überzeugende Torshow hingelegt, aber gerade jetzt, da sich die Hamburger Defensivabteilung dermaßen viele leichte Fehler wie in Leverkusen erlaubt hat, die intern und extern auch entsprechend thematisiert wurden, glaube ich nicht an eine weitere Minusleistung dieser Art. Frank Rost wird seinen Vorderleuten schon ordentlich den Marsch blasen, damit alle auf den Punkt genau heiß sind. Und Abwehrchef Joris Mathijsen, der mir in der jüngsten Vergangenheit wirklich das eine oder andere Kopfschütteln abverlangt hat (mit so vielen Schwächen habe ich ihn eigentlich noch nie gesehen), wird auch alles daran setzen, dass dieser Negativtrend in der Bewertung der Hamburger Abwehr (das war schließlich mal DAS Prunkstück dieser Mannschaft) endlich ein Ende findet.

Ich habe Mathijsen in Leverkusen mal genau beobachtet. Ist es nur ein Zufall? Oder vielleicht Ausdruck seiner Unzufriedenheit? Jedenfalls war der Holländer nach fast jeder heiklen Defensivszene schimpfend zu sehen. Und der Adressat seiner deftigen Worte war fast immer sein Nebenmann David Rozehnal. Damit kämen wir zu einem meiner früheren Beiträge, in dem ich auf die sportliche Harmoniebeschaffenheit zwischen Mathijsen und Rozehnal eingegangen bin. An meiner Einschätzung hat sich seither nicht viel geändert. Sicherlich ist es richtig, dass Rozehnals Formkurve einen deutlichen Aufwärtstrend hinter sich hat. Dennoch passt er von seiner Spielanlage nicht wirklich gut zu Mathijsen. Hauptgrund: Beide sind nicht schnell genug und offenbaren gerade bei rasch vorgetragenen Kontern des Gegners extreme Schwächen. Das war in Leverkusen ja auch einige Male deutlich erkennbar.

Allerdings kann ich Bruno Labbadia auch keinen Vorwurf machen, dass er dieses Duo spielen lässt. Denn was wäre die Alternative? Jerome Boateng, der mal spielt, mal nicht, mal trainiert, mal nicht, ist seit Wochen auf dem Sprung zwischen Stammelf, Bank und Tribüne. Und wenn er sich jetzt im Endspurt der Saison nicht sputet und mit guten Leistungen auf sich aufmerksam macht, dann wird seine von mir eigentlich als sicher eingestufte WM-Nominierung auch noch in Gefahr geraten. Langfristig, da bin ich mir aber sicher, gehört Boateng neben Mathijsen – denn mit seiner Geschwindigkeit kann „Boa“ manch Davongeeilten noch abfangen.

In Belgien hat es gerade eine Pressekonferenz des RSC gegeben, in der Anderlechts Trainer eine kuriose Statistik präsentiert hat. Angeblich hätte sich nur in 6 Prozent der Fälle die Mannschaft für das Finale qualifiziert, die aus der Stadt der Austragungsstätte kommt. Er wertet das offenbar als gutes Zeichen für sein Team. Ich kann da nur sagen: Wird höchste Zeit, dass die Prozentzahl zweistellig wird. Und einen Tipp habe ich heute auch parat: 1:1 nach einer 1:0-Führung des HSV in den ersten 25 Minuten.

Ein Mann aus den Reihen des HSV ist übrigens noch fraglich: Ruud van Nistelrooy. Er ist aber mitgeflogen, hatte nach seinen jüngsten zwei Einsätzen ein paar Zimperlein. Und ich gehe davon aus, dass er morgen auf der Bank sitzen wird. Dafür dürfte entweder Elia neben Mladen Petric auflaufen – oder Marcus Berg.

17:30 Uhr