Tagesarchiv für den 9. März 2010

Keine Veränderungen in der Startelf

9. März 2010

Das Trainer-Thema hat jede Menge Reaktionen hervorgerufen. Nicht nur unter den Matz-Abbern, sondern auch draußen beim Training. Kann Labbadia die Mannschaft noch wirklich erreichen? Bekommt er noch die Kurve? Bricht sein Team möglicherweise nach der Saison an entscheidenden Stellen (Zé Roberto, Boateng, Trochowski) auseinander? Ist diese Mannschaft inklusive ihres Coaches überhaupt noch eine Einheit? So viele und noch viele Fragen mehr kursierten nicht nur bei der gut besuchten Trainingseinheit (man merkt deutlich, dass Hamburgs Schüler Ferien haben), sondern begegneten mir auch bei Telefonaten mit Freunden und anderen HSV-Beobachtern. Meine Antworten klangen immer ziemlich ähnlich: abwarten. Ich habe es ja gestern schon ziemlich deutlich geschrieben. Ich habe nur ein paar Fehler des Trainers aufgezählt, weil ich sie als solche wahrgenommen habe. Damit habe ich aber nicht Labbadias „Kopf“ gefordert, und ich denke sogar, dass ein junger Trainer wie er Fehler machen muss, um daraus gestärkt hervorzugehen und den nächsten Schritt in der eigenen Entwicklung zu meistern. Darum sage ich auch hier und jetzt: Lasst uns doch noch mal ein bisschen abwarten. Nach dieser Saison können wir dann gemeinsam ein Fazit des ersten Labbadia-Jahres ziehen, mit allen Defiziten, Problemchen und Hürden, aber ganz sicher auch mit allen positiven Aspekten.

Bis dahin ist es wahrscheinlich so, wie Torwart Frank Rost es heute nach seinem Besuch bei drei Azubis auf der Nordtribüne, die im Rahmen des Hamburger-Weg-Projektes „NeuStart“ aus den Steh- Sitzplätze machten (im Europapokal sind keine Stehränge erlaubt), erklärte: „Entscheidend sind die Ergebnisse. Schön zu spielen, ist zwar toll, aber unterm Strich wird im Profifußball auf die Resultate geschaut.“ Nun stellt Euch mal vor, was demnach in Hamburg los gewesen wäre, wenn der HSV den Tabellenletzten aus Berlin nicht bezwungen hätte…? Kaum auszudenken.

Zeit für großartige Rückblicke, tiefgründige Analysen und entsprechende Trainingsmaßnahmen bleibt den Verantwortlichen in diesen Tagen nicht. Auch wenn ich mit diesem Spruch eigentlich das Phrasenschwein zum Essen einladen müsste, sage ich, wie es ist: Nach dem Spiel ist immer gleich vor dem Spiel. Wen interessiert heute noch der maue Auftritt gegen Hertha mit all den Abspielfehlern, dem Gestochere, dem planlosen Aufbau und Ballverlusten noch und nöcher? Niemanden. Jetzt ist wieder Europa-League angesagt. Am Donnerstag gegen Anderlecht geht es um viel, um sehr viel sogar. Und langsam kommen wir in einen Abschnitt des Wettbewerbs, da auch die Gegner sich verstärkt für ihre Kontrahenten interessieren. Aus Belgien sind seit Wochenbeginn zwei Schreiberlinge, sorry: Journalisten, in Hamburg und begutachten die Einheiten des HSV.

Einer von ihnen war gegen Berlin im Stadion und bannig überrascht, als er die rechte Seite des HSV betrachtete. „Wollen die wirklich auch in dieser Besetzung gegen uns so spielen?“, fragte er. Bis heute hätte ich energisch mit dem Kopf geschüttelt und die Variante mit Tomas Rincon als Rechtsverteidiger und Tunay Torun als Mittelfeldmann zur Kategorie „Notlösung“ gezählt. Bis heute, denn im Training ließ Trainer Labbadia erneut mit der Startelf wie gegen Berlin agieren und clevere Spielzüge ausprobieren. Das heißt: Piotr Trochowski, der immer mal wieder seine enormen Schussqualitäten unter Beweis stellte – im B-Team, versteht sich -, der formschwache Guy Demel (kollidierte heute kurioserweise einmal mit Co-Trainer Eddy Sözer) und Ruud van Nistelrooy zählten erneut nicht zum Stammpersonal.

Eine Finte? Ein Trick? Oder eine Art Trotzreaktion des Trainers nach dem Motto: Ihr werdet schon sehen, diese Formation fährt gute Ergebnisse ein? Ich bin da noch nicht ganz so schlüssig. Sicher ist meines Erachtens nur, dass Jerome Boateng, den nach wie vor leichte muskuläre Probleme plagen, nicht in der Startelf stehen wird. Er will morgen sehen, ob er ins Training einsteigen kann. Tendenz: eher nicht.

Ansonsten hat Labbadia gegen die Belgier, die ich nach einigen gesehenen Ausschnitten ihrer bisherigen Partien und einiger Infos von Kollegen als „unbequem“ bezeichnen möchte, alle Mann an Bord. Demel natürlich ausgeschlossen, dessen Gelb-Rot-Drama in Eindhoven ist den meisten wohl noch bestens in Erinnerung.

Ich hatte bei der heutigen Trainingseinheit übrigens den Eindruck, dass Mladen Petric wieder ansteigende Form hat. Und wenn ich heute schon einen Tipp auf einen Torschützen abgeben müsste, würde ich auf den Kroaten setzen. 1:0 – innerhalb der ersten 15 Minuten nach einer Vorlage von Marcell Jansen.

Und da wir gerade beim Ausmalen schöner Momente sind, nenne ich Euch auch mein Wunschergebnis: 2:0. Sofern Frank Rost und seine Vorderleute, speziell die rechte Seite mit dem zuletzt wieder etwas zu ungestümen Rincon, für eine stabile Defensivabteilung sorgen, die Mittelfeldzentrale in Sachen Kreativität zulegt (speziell Zé Roberto), halte ich dieses Resultat für durchaus machbar.

Eine Frage hätte ich noch in die Runde: Wen haltet Ihr denn für eine ernsthafte Alternative für die Position des Rechtsverteidigers? Ich meine, außer Rincon (den ich auf diesem Posten nicht sehr passend finde) und Boateng. Ich mache Euch mal einen ganz gewagten Vorschlag (zum Diskutieren, versteht sich): Tunay Torun.

17:50 Uhr