Monatsarchiv für Februar 2010

Ein Albtraum, dieser Trainingsbesuch

23. Februar 2010

Wisst Ihr, was ein Albtraum ist? Ich kann es Euch mal schildern. Stellt Euch vor, Ihr kommt zum Training und freut Euch auf die letzte Einheit des HSV vor der morgigen Reise nach Eindhoven. Erst wirkt noch alles ganz normal. Die Temperaturen steigen, es taut. Beim Olé-Spiel (5 gegen 2) jauchzen die Profis, während sich Bruno Labbadia mit einem Mann auf dem Rasen unterhält. Der Mann ist erst nicht ganz deutlich zu erkennen, doch beim näheren Hinschauen entpuppt er sich als Mannschaftsarzt Dr. Linewitsch. Das schürt die Neugier. Nach fünf Minuten geht der Doc, und der Trainer wirkt irgendwie bedröppelt. Liegt das alles nur an Ruud van Nistelrooy, dessen muskuläre Probleme offenbar doch schwerwiegender sind als zunächst angenommen? Der Niederländer war jedenfalls wieder nicht im Mannschaftstraining – also wird es wohl kaum etwas mit seinem Einsatz beim PSV.

Doch dann gibt es Aufklärung in Sachen Miesepeter-Gesicht Labbadias, und zwar in dem Moment, als sich die Mannschaft zum Aufwärmen in einer Gruppe versammelt. „Das sieht aber mager aus“, schoss es mir sofort durch den Kopf. Und ich meinte nicht Jonathan Pitroipa, sondern das gesamte Team. Nach Mützencheck und Hautfarben-Scan wird klar, dass nicht nur „Van the man“ fehlt, sondern neben ihm auch Marcell Jansen, Dennis Aogo und Zé Roberto aus der Stammbesetzung nicht dabei sind. Oha. Wenn man dann noch bedenkt, dass David Jarolim in den Niederlanden Gelb-gesperrt fehlen wird, kann es einem ganz anders werden…

Nun gut, es kann sich alles noch zum Positiven wenden. Zé Roberto hat in Absprache mit der medizinischen und sportlichen Abteilung nur ein leichtes Kraftprogramm drinnen absolviert, er wird also im Kader und wahrscheinlich sogar in der Startelf stehen. Van Nistelrooys Einsatz war eh unwahrscheinlich, aber die Komplettauflösung der linken Seite mit Aogo (Rückenprobleme) und Jansen (grippaler Infekt) war ja alles andere als erwartbar. Ein Albtraum eben.

Ich fühlte mich plötzlich an meine Kindheit erinnert. Wisst Ihr, wenn man ein Fußballspiel anschaut und das Gefühl hat, eine Mannschaft sei in Überzahl – und man versucht den herumtollenden Haufen an Spielern abzuzählen, was kaum gelingt. Ich landete immer wieder bei der Zahl 18 – plus drei Torhüter. Naja, dann kann es ja gar nicht so schlimm sein, dachte ich. Aber einer meiner Kollegen klärte mich auf, dass ich den mit Leibchen versehenen Techniktrainer Ricardo Moniz ebenso mitgezählt hatte wie den gesperrten Jarolim sowie die Amateurspieler Christian Groß, Henrik Dettmann und Gerrit Pressel. Ganz ehrlich: Bei jedem Spieler mehr spürte ich eine eisige Kälte in mir hochsteigen, und das lag bestimmt nicht an dem vereisten Untergrund neben dem HSV-Trainingsgelände.

Nun ist Bruno Labbadia kein Jammerlappen, daher wird er nicht in mein von Angst und Skepsis erfülltes Jammergeheul mit einstimmen. Aber wie, bitteschön, soll sich eine Restelf des HSV denn bitte in Eindhoven durchsetzen? Als sich Frank Rost dann auch noch während des Trainings zweimal von Physiotherapeut Uwe Eplinius behandeln ließ, weil ihn offenbar noch immer Nackenprobleme plagen, reichte es mir. Ich notierte mir einfach eine sichere erste Elf, die dann doch noch ein Remis erreichen könnte: Rost – Demel, Rozehnal, Mathijsen, Boateng – Rincon, Tesche – Trochowski, Elia – Petric, Berg. Und sollte Zé dabei sein, würde Tesche eben neben Pitroipa und Torun auf der Bank sitzen.

Nach der Einheit reduzierte das Trainerteam meine Befürchtungen wenigstens ein bisschen. Aogo und Jansen sollen auf jeden Fall mit nach Eindhoven fliegen, Zé Roberto sowieso. Und ihre Einsatzchancen sollen gar nicht so schlecht stehen. Na gut, warten wir es ab. Nur van Nistelrooys Einsatz ist ausgeschlossen. Er bleibt zum Aufbautraining in Hamburg und wird, so wünschen es sich alle Beteiligten, am Sonntag in München zum Kader stoßen – sofern sich die Muskelverhärtung bis dahin „erweichen“ lässt.

Ich habe Eure Beiträge zum Thema Innenverteidigung übrigens mit großem Interesse gelesen. Es gibt ja wirklich einige, die eine Verschnaufpause von Joris Mathijsen für sinnvoll halten. Denen möchte ich an dieser Stelle eines sagen: Dieses Risiko würde Trainer Labbadia niemals eingehen, da bin ich mir ganz sicher. Das liegt nicht nur daran, dass Mathijsen der Inbegriff solider Abwehrarbeit ist, das liegt auch an seinem Wirkungskreis außerhalb der puren sportlichen Aufgabe. Mathijsen ist ein Führungsspieler, der seine Nebenleute anfeuert, sie verbal auf eine Linie bringt, der ähnlich wie David Jarolim ein Siegergen in sich trägt. Für solche Typen sind Niederlagen wie Messerstiche. Unerträglich. Und das merkt man. Nicht nur in den Pflichtspielen.

Ihr müsst Euch echt mal den Besuch einer Trainingseinheit genehmigen, wenn Trainer Labbadia zu seinem beliebten „Ball aus der Luft“-Spielchen aufruft. Dann könnt Ihr fast sicher davon ausgehen, dass Mathijsen in einen Mini-Konflikt mit Schiedsrichter Eddy Sözer gerät. Der Grund sind meist zu Unrecht aberkannte Treffer seines Teams oder strittige Tore des Gegners. Mathijsen will gewinnen – um jeden Preis. Und damit ist er sogleich eine Antriebsfeder dieses HSV.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Hatte ich anfangs vom Albtraum in Form eines Trainingsbesuchs gesprochen, taucht an dieser Stelle ein Hoffnungsschimmer auf. Die gebeutelte HSV-Mannschaft wird bestimmt nicht als Favorit ins Duell nach Eindhoven fahren, schon gar nicht nach den jüngsten Hiobsbotschaften. Aber vielleicht wird diese Truppe ja umso leidenschaftlicher und hartnäckiger kämpfen. Ich setze darauf, denn ich liebe Happy Ends.

13:25 Uhr

“Frank der Schrank” statt “van the man”

22. Februar 2010

Die schlechten Nachrichten vorweg. Dennis Aogo ist für das Spiel am Donnerstag in Eindhoven fraglich. Er reiste heute nach München, wo er zur Behandlung bei Dr. Müller-Wohlfarth war. Wenn alles gut läuft, wird er morgen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Für den Fall, dass der Linksverteidiger nicht mitmischen kann, dürfte er auch kaum für das Match in den Niederlanden zur Verfügung stehen. Hinter der Nominierung von Ruud van Nistelrooy stehen ähnlich viele Fragezeichen. Beim Mannschaftstraining fehlte der Torjäger heute (und war doch anwesend, dazu später mehr…), dafür strampelte er auf dem Ergometer eine Dreiviertelstunde und wurde ob seiner muskulären Probleme intensiv behandelt. Heute soll eine Entscheidung fallen, ob er beim PSV dabei sein kann. Und zu guter letzt wäre da noch Eljero Elia. Der Offensivrenner machte heute problemlos mit, wurde im Abschlusstraining sogar zweimal hart von Joris Mathisen angegangen, und hinterließ dabei keinerlei Eindruck, dass er noch gehandicapt wäre.

Elia draußen, Elia drin, Elia draußen – jetzt also wieder drin. Bruno Labbadia hat zumindest eine Erklärung dafür, weshalb die Knöchelverletzung den Oranje-Nationalspieler dermaßen belastet. Er schiebt es auf Elias fehlende Erfahrung. „Tickt der noch ganz richtig?“, werden einige von Euch jetzt bestimmt denken. Dabei ist diese These gar nicht so abwegig. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass ich in jungen Jahren (lang ist’s her) auch nicht recht wusste, wie ich mit Blessuren umzugehen hatte. Als Jungspund denkt man halt oft: Ach, das geht schon irgendwie. Und wenn der Schmerz dann doch noch vorhanden ist, wirkt er wie eine Blockade. Dass Elia eine solche hatte, ist ja jedem von uns aufgefallen, bevor Labbadia ihn vor zwei Wochen aus dem normalen Wochenablauf strich und ihn ins individuelle Aufbautraining schickte.

Nun also der nächste Anlauf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Labbadia seine „Rakete“ mit nach Holland nehmen und dort als „Joker“ auf der Ersatzbank platzieren wird. Falsch machen kann er damit nichts, denn ohne Schmerzen ist „Eli“ einen Zehn-Minuten-Einsatz allemal wert. Und wer weiß, vielleicht wird seine Geschwindigkeit ja vonnöten sein, wenn der HSV beim Tabellenführer der Ehrendivision in der Endphase auf Konter spielen will. Beim Stand von 0:0 könnte das gut möglich sein.

Nun muss ich aber noch verraten, warum Ruud van Nistelrooy heute trotz seines Reha-Trainings irgendwie doch anwesend war. Jung spielte im Abschlussspiel gegen Alt. Im Angriff der Oldies agierte neben Mladen Petric ein Spieler, der zwar optisch so gar keine Ähnlichkeit mit „van the man“ hat, aber dafür beim Verhalten im Strafraum dessen Qualitäten offenbarte. Eine Flanke von rechts drückte er mit einem Knie-Beinschuss an die Latte, und trotz eines heiklen Rettungsmanövers zweier Jungspunde inklusive Torwart Tom Mickel köpfte Petrics Kollege den Ball unter dem Jubel seiner Teamgefährten ins Netz. Da applaudierten nicht nur die Zaungäste, sondern fast sämtliche Spieler der Mannschaft Alt. Na, könnt Ihr erahnen, von wem ich rede? Von Frank Rost alias „Frank der Schrank“. Der Keeper durfte auf dem Feld mitwirbeln und heimste sich viel Lob von den Kollegen ein. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Oldies mit zwei Toren Vorsprung gewannen. Torschützen neben Rost: David Jarolim und Piotr Trochowski.

Oh Mann, jetzt habe ich schon wieder so viel vom aktuellen Training erzählt, dass ich meinen eigentlichen Themenschwerpunkt vernachlässigt habe. Meinen heutigen Kommentar wollte ich nämlich ursprünglich David Rozehnal widmen, dem oft zitierten, weil oft kritisieren Innenverteidiger.

Ich gehörte kurz nach seiner Verpflichtung ja zu den HSV-Beobachtern, die den Tschechen mit am heftigsten kritisierten. Aber an dieser Stelle muss ich mich doch etwas zurücknehmen. Der lange Schlacks hat sich in den vergangenen Wochen zu einer grundsoliden Abwehrgröße entwickelt und in den meisten der vergangenen Partien hatte ich nicht den Eindruck, dass er sich in seiner Spielanlage oder seinem Leistungsniveau großartig von Abwehrchef Joris Mathijsen unterschieden hätte.

Oha, ich ahne schon, was jetzt auf mich zukommt. Keine Sorge, ich möchte damit keinesfalls am Thron von „König Joris“ kratzen. Wirklich nicht. Um mit dem Niederländer auf einer Ebene zu stehen, müsste Rozehnal schon 40 Spiele am Stück derartig solide agieren wie der Mann mit der Rückennummer fünf. Ich finde trotzdem, dass es nur fair ist, auch mal die Positiventwicklung eines „Langzeitverurteilten“ zu erwähnen.

Und ich bin sehr gespannt, wie sich Trainer Labbadia entscheiden wird, sobald Jerome Boateng wieder vollständig fit und einsatzfähig darstellt. Denn letztlich ist es doch so: Die beste Innenverteidigung besteht aus Boateng und Mathijsen, daran ändert auch Rozehnals Formanstieg nichts. Momentan profitiert der Tscheche natürlich auch noch vom formtechnischen Sturzflug des Rechtsverteidigers Guy Demel. Nur weiß ich nicht, ob Boateng nicht irgendwann aufmuckt, wenn er ständig als Notlösung rechts auf der Außenposition eingesetzt wird und sich dabei womöglich kostbaren Vorsprung in Sachen WM-Aufgebot (als Innenverteidiger) zunichte macht.

Nun gut, das ist alles Zukunftsmusik. Und hier im Blog steht ja der HSV an Nummer eins, nicht die deutsche Nationalmannschaft. Ich bin trotzdem sehr interessiert, was Ihr von der Position und der Entwicklung Rozehnals haltet. Bis morgen.

17:20 Uhr

Ein Spiel, ein Punkt, eine Feier

21. Februar 2010

Natürlich, nur 0:0. Das ist schon enttäuschend. Und dennoch muss ich sagen, dass mir dabei ein Umstand viel zu wenig Beachtung findet. Nämlich die Tatsache, dass der HSV nur rund 40 Stunden nach dem Europa-League-Spiel gegen Eindhoven schon wieder spielen musste. Das ist in meinen Augen schon immer der pure Wahnsinn gewesen, wenn die DFL so etwas mit einer absurden Ansetzung verlangt, aber heißt es immer so schön? Es ist ja wie es ist. Und dazu gehört, was Joris Mathijsen nach dem 0:0 feststellte: „Der zweite Tag nach einem Spiel ist immer viel schlimmer.“ Und an diesem zweiten Tag ging es nun mal gegen die unangenehmen Frankfurter, die zuletzt dort mit 3:2 gewonnen hatten, wo der HSV kurz zuvor noch regelrecht zerlegt wurde, obwohl es nur 0:1 hieß, nämlich in Dortmund.

Die Hessen konnten eine Woche auf den HSV lauern, und zwar in aller Ruhe. Das bitte ich mal zu bedenken. Ich will hier nichts schönreden oder schönschreiben, ich will Euch das nur einmal vergegenwärtigen. Und dazu sagt auch der Trainer etwas, was ich Euch nicht vorenthalten möchte. Bruno Labbadia zum unliebsamen 40-Stunden-Thema: „Es ist allgemein schon schwer am dritten Tag wieder zu spielen, und deswegen denke ich, dass man sich mal Gedanken machen sollte, Ausnahmen zuzulassen – und mal vier Mannschaften an einem Sonntag spielen zu lassen. Gerade in einer so wichtigen Phase der Meisterschaft, wo es für alle um viel geht, ist das ein Stück weit Wettbewerbsverzerrung.“

Das ist es sicher. Dennoch hat der HSV vor dem Spiel ja den Ball total flach gehalten, hat nicht gemeckert, nicht geflucht, nicht gejammert. Labbadia: „Wir haben es in der Öffentlichkeit extra nicht angesprochen, wir haben es auch intern nicht angesprochen, weil es uns einfach wichtig war, keine Ausrede zu haben. Man kann auch etwas tot diskutieren. Aber wir haben keine andere Chance gehabt, und, das muss ich schon sagen, wir haben in diesem Spiel eine gute Moral gezeigt, eine große Bereitschaft gezeigt.“

Es wurde ja hier schon gefragt, warum ich von „einem verschenkten Sieg“ geschrieben habe. Um das einmal zu erklären: Der HSV hatte drei sehr gute Tormöglichkeiten, eine davon war in meinen Augen hundertprozentig, die von Tunay Torun. Dazu hätten auch Marcus Berg und Mladen Petric treffen können. Chancen dieser Güte hatten die Hessen nicht, deswegen bin ich der Meinung, dass man in einem so engen Spiel, in dem der Gegner schon mit einem Unentschieden mehr als zufrieden ist, eben wenigstens eine dieser großen Chance nutzen muss. Wirklich muss. Auch Bruno Labbadia trauerte diesen Möglichkeiten nach: „Wenn man das 1:0 macht, dann hätte Frankfurt die Defensive lockern müssen, dann hätten wir sicher mehr Chancen bekommen. Das ist das einzige Manko in diesem Spiel bei uns gewesen.“

Gut war in jedem Fall, dass Ze Roberto wieder mit von der Partie war, und dass er volle 90 Minuten dabei war. Der Brasilianer begann stark, hatte viele Ballkontakte, über ihn lief viel, er hatte auch jene Ruhe, die ihn schon immer auszeichnet, am Ball. Labbadia zu diesem Thema: „Man hat gemerkt, wie wichtig er sein kann. In den ersten 25 Minuten war er sehr stark, dann musste er sich auch einige Pausen nehmen, hatte er einigen Leerlauf im Spiel. Trotzdem hielt er klug den Ball, das tat unserem Spiel gut.“ Der Coach gab zu, dass er Ze Roberto von vornherein keine 90 Minuten auf dem Platz lassen wollte, aber dann passierte es doch, weil andere Wechsel dringender waren: „Es tat Ze, so denke ich, ganz gut, weil er nur über Spiele wieder zu 100 Prozent kommen kann. Wir werden ihn jetzt ein wenig rausnehmen, damit er sich erholen kann.“

Wie Ze Roberto muss auch Ruud van Niostelrooy darauf hoffen, über so viele wie nur mögliche Spiele wieder in Bestform zu kommen. Diesmal aber musste der Niederländer passen: Oberschenkelprobleme. Labbadia: „Ruud hatte das Gefühl, nicht sprinten zu können.“ Die Fans waren deshalb schon vor dem Anpfiff enttäuscht, weil „ihr Ruud“ nicht einmal auf der Bank saß. Labbadia rechtfertigt diese Zwangspause aber wie folgt: „Er hatte eine lange Verletzungspause, die kann man ja nicht wegdiskutieren. Wenn wir nun länger was von ihm haben wollen, dann geht das nur, wenn er keinen weiteren Rückschlag erleidet. Gibt es den, dann wäre die Saison sicher für ihn gelaufen.“ Ob van Nistelrooy am Montag wieder mit der Mannschaft trainieren kann (14.30 Uhr), das ließ der Trainer noch offen.

Übrigens, wo ich gerade bei angeschlagenen Spielern bin: In Sachen Dennis Aogo habe ich Vermutungen weitergegeben, die wir vor dem Spiel im Kollegenkreis diskutiert hatten. Darunter fiel auch die Sache mit der „vierten Gelben Karte“, die eventuell zur Pause des Abwehrspielers geführt hat. Dem war aber nicht so. Laut Bruno Labbadia hatte Aogo erneut gesundheitliche Probleme (Rückenschmerzen, die in den Oberschenkel strahlen), deswegen saß er nur auf der Bank. Und noch eine weitere Personalie: Jerome Boateng wurde nicht wegen einer eventuellen Verletzung ausgewechselt. Offenbar war war der Nationalspieler (der, es ist mir nicht entgangen, zwei große Chancen des HSV vorbereitete) auf der rechten Seite ein ebensolches Defensiv-Risiko, wie vorher der Kollege Guy Demel.

Rechts scheint der HSV in dieser Saison auf keinen grünen Zweig zu kommen. Es ist schon kurios; Tomas Rincon hat dort zwar nicht restlos überzeugt, aber er war dennoch besser als die beiden Alternativen. Obwohl ich damit nicht sagen möchte, dass Rincon wieder nach hinten soll – bloß nicht. Der Südamerikaner ackert und rackert im Mittelfeld, dass es die reine Freude ist. Er ist aus diesem Mittelfeld einfach nicht mehr wegzudenken.

Was ich von Piotr Trochowski leider noch immer nicht behaupten kann, obwohl ich es so gern täte. „Troche“ war nicht schlecht, im Gegenteil, er war besser als zuletzt, aber er war eben immer noch nicht der, den wir uns wahrscheinlich alle erhoffen. Ob er das auf der linken Seite wäre? Ich vermute ja, kann es aber nicht beweisen. Verspreche aber, dass ich bei Gelegenheit mit dem Trainer darüber reden werde. Gegen Eintracht Frankfurt hätte ich wahrscheinlich auch so aufgestellt, wie Labbadia, denn Tunay Torun gegen Maik Franz hat für mich besser gepasst, als Trochowski gegen Franz. Wobei ich schnell noch einen Satz zu Torun sagen möchte: Ich habe dem jungen Mann ein ganz gutes Spiel bescheinigt, weil er lange nicht so schlecht war, wie bei seinen letzten Einsätzen. Er hatte durchaus schon wieder einige viel versprechende Szenen, in denen er andeutet, dass es wieder bergauf gehen könnte. Dass er es besser, sogar viel besser kann, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich gebe aber zu, dass ich total überrascht war, dass Torun gegen Frankfurt in der Startformation stand, ich hätte es, wenn ich HSV-Trainer gewesen wäre, nicht gemacht. Und jetzt hoffe ich, dass die von Tunay Torun ausgelassene „Hundertprozentige“ nicht erneut dazu führt, dass er zu sehr ins Grübeln verfällt – wie nach seiner vergebenen großen Chance vor Wochen gegen den SC Freiburg.

Zu etwas Erfreulicherem, zu unserem „Matz-ab“-Treffen am Freitag. Es ist jetzt 48 Stunden her, wir könnten sicher schon ein zweites Mal . . ., obwohl einige von Euch sicher auch sagen, dass der zweite Tag immer viel schlimmer ist, oder? Obwohl es ja keine (großen) Abstürze gegeben hatte, als wir alle noch in der Raute gefeiert haben. Um es auch einmal von meiner Warte aus zu schildern: Ich war vorher natürlich total aufgeregt, ich wusste ja nicht, was da auf mich zukommt. Aber als unser Chefredakteur Claus Strunz dann seine Ansprache (über die Monitore – tolle Idee!) gehalten hatte, und als später dann Lotto King Karl neben mir stand, da war jede Aufregung verflogen. Von da an lief es wie geschmiert.

Es war ein großartiger Abend. Obwohl ich jetzt nicht in Selbstlob verfallen möchte. Motto: Der Veranstalter lobt die Veranstaltung. Nein, aber Ihr habt es schon geschrieben und gesagt, ich schließe mich da nur an, ein solches Treffen macht ganz einfach Spaß, und es schreit geradezu nach mehr. Obwohl, das möchte ich bei dieser Gelegenheit auch schnell sagen („Devildino“!): Es muss nicht gleich im Frühling ein Grillfest in Harksheide sein. Und wenn doch, ich weiß nicht, ob „Eva“ einen Garten hat? Ich denke ja, im Herbst ein Grillfest (?) im Stadtpark (oder so), das hätte doch auch etwas.

Bedanken möchte ich mich bei Euch, die Ihr dabei wart. Und bedanken möchte ich mich bei der Prominenz, die gekommen war und die es lange bei uns ausgehalten hat. „Isa“ schrieb es schon in der Nacht: Die Gewinnerin des Abends, so sehe ich das auch, war Katja Kraus. Die Vorstandsfrau gewann Eure Sympathien im Fluge, ich fand die Ehrung von „Eiche Nogly“ und „Jacek Dembinski“ absolut klasse – vielen Dank dafür, Frau Kraus, vielen Dank auch an den HSV. Übrigens, bei der Gelegenheit möchte ich noch ein Geheimnis verraten, was niemand bislang zu wissen bekam: „Eiche Nogly“ schickte mir am 1. Februar (!) eine SMS mit dem Inhalt, dass Ur Siegenthaler neuer Sportchef des HSV werden würde. Es ist nachprüfbar, ich habe die SMS mit Datum und Uhrzeit noch immer, da ist nichts zu tricksen – auch in diesem Falle haben wir geschwiegen, um den „Transfer“ (vom DFB zum HSV) nicht zu gefährden. Von einem Siegenthaler-Trikot, lieber „Eiche“, würde ich in diesem Falle aber mal absehen. Und ich hoffe überhaupt, dass ich unser Geheimnis lüften durfte. Ich will auch nicht weiter bohren, woher Du diese Information wieder einmal hattest, Du Phänomen.

Zurück zu den Prominenten: Für Hermann Rieger habe ich mich tierisch gefreut, wie er von Euch abgefeiert wurde. Allen, die nicht dabei waren, sei gesagt, dass es ihm offenbar ganz gut zu gehen scheint, Hermann selbst sprach davon, dass „er fast schon wieder der Alte“ sei, und dass es ihm schon wieder sehr, sehr gut gehe. Wir alle drücken ihm die Daumen, dass dieses Hoch anhalten wird, dass er bald ganz über dem Berg ist.

Wie Hermann Rieger erzählte Bastian Reinhardt etliche Szenen aus seiner langjährigen Profi-Zeit, und alle hörten gebannt zu. Der Innenverteidiger kämpft zurzeit um den Anschluss ans Team, er will, er beißt, er lässt nicht nach. Und er versprach – ganz nebenbei – ein Kopfballtor am letzten Spieltag der Saison in Bremen. Natürlich zum HSV-Sieg. Was „Basti“, der Praktikant, noch versprach: Eine erneute Gast-Kolumne für „Matz ab“, obwohl ihr die von ihm -mehr oder weniger – „erpresst“ habt. Sei es wie es sei, er wird sie sicher schreiben. Und an Stoff scheint es ihm ja, wie er bekennt, nicht zu mangeln – großartig, Herr Kollege!

Kommen wir zu Lotto King Karl. Der „Herr König“ hatte den Gitarristen Jörn von den „Barmbek Dreamboys“ mitgebracht, was allein schon toll war – aber Jörn ist, ich finde das absolut großartig, begeisterter „Matz-abber“, hat damit sogar Lotto angesteckt. Bei der Gelegenheit möchte ich bekennen, dass ich große Fan der Dreamboys bin, und zwar bekenne ich das ganz ehrlich. Wer noch nie bei einem Lotto-Konzert war, der weiß nicht, was er bislang verpasst hat, denn die Band ist sensationell, ich würde sogar sagen: Weltklasse. Frau M. und ich standen einst auf den Stühlen der Color-Line-Arena, tanzten wie alle 16 000 Zuschauer ausgelassen herum und fragten uns irgendwann: „Was machen wir hier eigentlich auf den Stühlen? Wir gehen auf die 60 zu und stehen hier oben – total verrückt!“ Aber die Musik von Lotto und seinen Mannen reißt eben mit – solltet Ihr Euch echt einmal antun.

Mitreißend war Lotto natürlich auch schon am Freitag. Er hat, so habe ich es gesehen, den Laden super unterhalten, ich hätte dem Kultsänger noch Stunden zuhören können – vielleicht kommt er ja noch ein zweites Mal (im Herbst?), ich werde ihn in dieser Hinsicht beizeiten bearbeiten. Es war ohnehin schon super, dass er Freitag dabei war, denn am Sonnabend war er in der Arena, von dort aus ging es sofort nach Drochtersen zu einem weiteren Konzert. Lotto ist eben gefragt.

Am Ende unseres Abends stellte übrigens mein Sohn Andre fest: „Du wirst es verdammt schwer haben, dieses Treffen noch einmal zu toppen, wenn es ein zweites Mal geben sollte. So gute Gäste wir diesmal wirst du vielleicht nie wieder finden.“ Recht hat er wohl, aber ich werde mich anstrengen. Und Ihr werdet sicher mithelfen (wollen). Vielen Dank nochmals für Euer Kommen, viele hatten weite Wege zu bewältigen, das nötigt mir großen Respekt ab. Der „Trapper„, unsere „Edelfeder“, kam aus Berlin, Helmut Mette kam extra mit dem Zug aus Essen, fuhr um 0.30 Uhr per Zug nach Essen zurück, weil er am nächsten Tag eine Familienfeier zu besuchen hatte, „AvR“, unser Blog-Anwalt Alex, kam ebenfalls aus Berlin. Der schon legendäre „Jonny“ aus Richtung Stade, „Isa“ (der Mann!) aus Timmendorf, „Meier 2“, der Kernige, aus Meppen, und, und, und,

Vielen Dank auch dafür, dass sich alle bestens verstanden haben, dass alles total friedlich und absolut freundschaftlich über die Bühne gegangen ist. Einmalig. Das, genau das hat es so traumhaft gemacht. Kompliment, Ihr wart ganz große Klasse (dieses Lob hat Euch übrigens auch Frau Kraus am Tag danach gemacht!). Und vielleicht schaffen wir es ja beim nächsten Mal, dass wir „Hamburg meine Perle“, von „Meier 2“ kurz vor Mitternacht angestimmt, alle bis zum Ende textsicher mitsingen können – und das am besten, wenn Lotto noch da ist.

Ich hatte es ja schon an diesem Abend verkündet: Wenn unser kürzlich stattgefundenes Treffen beim Training an der Arena schon als „Elite“-Treffen bezeichnet wurde, so war das am Freitag ein „Giganten“-Treffen. Vielen, vielen Dank dafür an alle, Ihr seid großartig!

Und: Einen Punkt auf Schalke gut gemacht.

Nur der HSV!

20.06 Uhr

Pitroipa wird es weiter schwer haben

21. Februar 2010

Eine Nacht drüber geschlafen, und trotzdem finde ich nicht sonderlich viele positive Neuigkeiten mehr nach diesem trostlosen 0:0. Und nur eine kleine Anmerkung noch zu meinem gestrigen Spielbericht beziehungsweise der dazugehörigen Analyse: Ich habe den Schiedsrichter nicht als Schuldigen für diese Punktverluste aus HSV-Sicht ausgemacht. Ich fand ihn aber trotzdem nicht wirklich überzeugend. Und das galt ja auch für Fans, die den Unparteiischen mit einem Pfeifkonzert in die Kabine geschickt haben.

Nicht wirklich überzeugend – das ist das richtige Stichwort, um an dieser Stelle mal wieder etwas ausführlicher auf Jonathan Pitroipa zu sprechen zu kommen. Ich weiß ja, dass die meisten Matz-abber und auch die meisten anderen Fans des HSV ein – ich sage es mal diplomatisch – von Skepsis geprägtes Verhältnis zu dem Leichtgewicht für die Offensive haben. Und auch wenn ich solche „Prügelknaben“ wie Pit eigentlich lieber in Schutz nehme, muss ich der Pauschalkritik an seiner Person diesmal widerspruchslos zustimmen. Gestern hätte ich ihn am liebsten zurück nach Freiburg oder Burkina Faso gewünscht – ich habe mich so sehr über Pitroipas Stolperattacken und Abspielfehler geärgert. Der schlimmste davon war einer mitten in einer Angriffswelle innerhalb der letzten paar Minuten auf Zé Roberto, bei dem der Brasilianer aber schon zwei Schritte weiter war und frustriert abstoppte, um den Ball dann doch vorbeirollen lassen zu müssen.

„Was erlauben sich Pit?“, hätte Giovanni Trapattoni in dieser Szene wohl geschimpft. Und, ganz ehrlich, ich kann diese Frage auch nicht beantworten. Ich frage mich angesichts der jüngsten Entwicklung des Nationalspielers sogar, ob er ernsthaft eine Zukunft beim HSV haben kann. Mein Gefühl sagt mir, dass Trainer Bruno Labbadia nicht so sehr auf die Künste des „Springinsfeld“ setzt, und nach solchen Kurzauftritten wie gegen die Eintracht wird es Pitroipa immer schwerer haben, überhaupt auf Einsatzzeiten zu kommen. In Sachen Formtrend zeigt sein Pfeil jedenfalls deutlich nach unten.

Ja, ja, das klingt ein wenig deftig, nachdem ich Pitroipa in der Vergangenheit auch schon mal gelobt und seine Qualitäten hervorgehoben hatte. Aber Fakt ist, dass der Offensivallrounder von seiner einzigen echten „Waffe“, der geschwindigen Unberechenbarkeit, viel zu selten, nein, fast nie Gebrauch macht. Und eine sportliche „Waffe“ ist eben nur dann etwas wert, wenn man sie auch zu bedienen weiß. Seit Pitroipas Rückkehr vom Afrika-Cup betrachte ich das „Eichhörnchen“ von Tag zu Tag skeptischer. Und ich würde schon jetzt darauf setzen, dass sich die Wege des HSV und des Ex-Freiburgers im Sommer trennen werden. Auch hierbei gilt natürlich: Ich lasse mich liebend gerne eines Besseren belehren. Ein Pitroipa in Bestform kostet die Fans und die Verantwortlichen zwar auch Nerven (weil seine Beine manchmal gar nicht zu wissen scheinen, in welche Richtung sie wie schnell davon düsen), aber er ist eben auch immer für eine möglicherweise spielentscheidende Szene gut – von der Vorlage bis zum Strafstoß, ausgenommen Fernschüsse…

Was mir nach dem Remis gegen Frankfurt Mut für die nächsten Wochen und Hoffnungen bereitet, ist die Tatsache, dass einige wichtige Spieler hoffentlich bald wieder fit und voll belastbar zur Verfügung stehen. Ich denke da an Zé Roberto, der noch ein paar Partien brauchen wird, ehe er bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit ist, an den kurzfristig ausgefallenen Ruud van Nistelrooy, den ich schon in Eindhoven wieder im Kader erwarte, oder auch einen Eljero Elia.

Bei dem Niederländer mit dem „Raketenantrieb“ mag ich aber noch keine Prognose abgeben, wann es denn soweit sein wird mit dem Comeback. Heute, am eigentlich trainingsfreien Sonntag, drehte „Eli“ gemeinsam mit Reha-Trainer Markus Günther fast eine Stunde lang Runden auf dem Trainingsplatz neben der Nordbank-Arena. Als ein Fan ihn anschließend nach dem Termin seiner Rückkehr fragte, zuckte Elia die Schultern. „Das kann ich nicht sagen“, meinte er. Wobei die besondere Betonung des Wortes „ich“ dafür sprechen könnte, dass sich Elia schon wieder so gut fühlt, dass er in den Kader zurückkehren mag. Wer weiß, vielleicht ist es ja beim PSV oder spätestens in einer Woche am Sonntag bei den Bayern soweit.

So, das war es vorerst. Ein paar weitere Eindrücke von der grandiosen Matz-ab-Feier am Freitag wird es heute in den Abendstunden geben. Bis dahin verbleibe ich mit sportlichen Grüßen.

PS: Einen kleinen, aber nicht unwichtigen Nachtrag gibt es an dieser Stelle noch zum Eindhoven-Spiel, bei dem Zé Robertos Einwechslung ja eher verhalten von den Fans applaudiert worden war. Ein treuer Leser des Blogs mailte mir: “Sie erwähnen den zurückhaltenden Jubel bei der Einwechslung Ze Robertos. Da ich meine Dauerkarte direkt neben dem Block der Chosen Few habe und auch gestern im Stadion war, wollte ich Sie darauf hinweisen, dass zum Zeitpunkt der Einwechslung ein Zuschauer aus dem Fanblock medizinisch behandelt werden musste und der (ihnen sicherlich als lautstark bekannte) Fanblock im Nordwesten um Ruhe während der Durchführung der medizinischen Behandlung gebeten wurde. Ich bin mir sicher, dass er ansonsten ähnlich frenetisch bejubelt worden wäre wie damals Petric bei seiner Rückkehr.”

14:04 Uhr

Ein verschenkter Sieg

20. Februar 2010

Das war zu erwarten. Nur 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Die Spitze rückt immer mehr in weite Ferne, der HSV muss sehen, dass er Platz fünf immer im Auge behält. Für mich ist mit diesem Spiel die Jagd auf einen Platz in der Champions League beendet, der traditionsreiche Hamburger Sport-Verein sollte in der nächsten Saison einen neuen Anlauf nehmen. Während die Hessen den Punkt mit ihren Fans wie einen Sieg feierten, gingen die HSV-Spieler mehr oder weniger mit hängenden Köpfen in die Kabine. Ihre Gedanken? Ein verschenkter Sieg. Immerhin: Platz vier sieht weiterhin nicht überragend, aber doch gut aus.

Den ersten richtigen Schock gab es schon vor dem Anpfiff im Volkspark: Ruud van Nistelrooy konnte nicht mit von der Partie sein. Am Freitag hatte er das Training vorzeitig beendet, da sagte er nur: „Es reicht mir.“ Alles ganz normal, also? War es wohl nicht so ganz. Vor der Partie gegen die nur auf einen Punkt spielenden Frankfurter musste sich „Van the man“ einem Härtetest unterziehen, den er um 11 Uhr nicht bestand: Der Oberschenkel zwickte, und weil auch in der kommenden Woche zwei Spiele anstehen, wollte der HSV kein Risiko eingehen: Pause. Pech für Bondscoach Bert van Marwwijk, der wohl auch wegen Ruud van Nistelrooy auf der Tribüne in Hamburg saß. Vergeblich. Er wird so enttäuscht gewesen sein, wie viele HSV-Fans schon vor dem Spiel.

„Altmeister“ Klaus Zaczyk sagte noch vor dem Anpfiff optimistisch: „Gegen Frankfurt haben wir doch immer gewonnen. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass wir das nicht geschafft haben.“ In der Tat ist es so, der HSV hat seit elf Jahren in Hamburg nicht mehr gegen den Lieblingsgegner aus Hessen verloren, in den letzten sieben Spielen im Volkspark gab es sogar nur ein Pünktchen für die Eintracht, aber diesmal war alles anders.

Der HSV hatte das Eindhoven-Spiel hinter und auch vor sich, und er hatte mit einigen personellen Problemen zu kämpfen: David Jarolim gesperrt, Dennis Aogo saß auf der Bank, er hat vier Gelbe Karten auf seinem Konto, sollte sich vor dem Bayern-Spiel keine fünfte abholen – und sollte sicher auch noch einmal geschont werden – so vermute ich es jedenfalls. Zudem hatte Bruno Labbadia auf Tunay Torun gesetzt, der zuletzt nicht gerade in bester Form war. Und: Ze Roberto spielte von Beginn an, obwohl er eigentlich noch lange nicht bei 100 Prozent ist. Weil es diese Probleme gab, durfte gegen diese unbequeme Eintracht aus Frankfurt, immerhin auf Tabellenplatz sieben, gezittert werden.

Um es vorweg zu nehmen: Torun zog sich relativ gut aus der Affäre, ließ auf jeden Fall einen leichten Aufwärtstrend erkennen und enttäuschte keinesfalls. Das, obwohl er (oft) gegen die „Kampf-Maschine“ Maik Franz zu spielen hatte. Apropos Franz: Wann eigentlich lernen es die deutschen Schiedsrichter, was dieser Herr mit ihnen veranstaltet? Es ist unfassbar, wie sie immer auf die Masche dieses Mannes hereinfallen. Franz lässt sich oft so theatralisch fallen, dass es eigentlich jedem Unparteiischen auffallen müsste – aber sie merken nichts. Wie dieser Herr Wingenbach, der in Hamburg sein erstes Erstliga-Spiel pfiff. Franz’ Masche: Er führt den Ball, stoppt, lässt dadurch den Gegner auflaufen – und fällt. Und der Schiedsrichter fällt auch – auf diese Nummer rein. Und dieser Herr Wingenbach: Er hätte sein erstes Erstliga-Spiel besser in Unterhaching, in Emden oder Dresden gepfiffen, als hier in Hamburg. Null Ausstrahlung, dieser Mann, der auf jeden Fall kein Heim-Schiedsrichter sein wollte – Kompliment, er war es nicht! Zur Premiere wurde er dann noch mit einem ordentlichen Pfeifkonzert bedacht, aber es wird ihn wahrscheinlich nur aufgemuntert haben. . .

Zum Fußball:
Ze Roberto begann gut, sogar dominierend – das war schon ein wenig überraschend. Sein vorgelegtes Tempo konnte der Brasilianer zwar nicht konstant halten, er tauchte phasenweise auch mal ab, aber er machte es doch insgesamt viel besser, als ich vorher gedacht hatte – weil ich ihn erst bei 60 Prozent sehe.

Kraftprobleme gab es beim HSV trotz der nur 40-stündigen Pause offenbar aber nicht, dennoch war der eine oder andere Spieler sicherlich nicht in bester körperlicher Verfassung. Was (natürlich) nicht auf Tomas Rincon zutreffen konnte, der im Mittelfeld fast alles abräumte, was ihm vor die Füße kam. Dieser junge Mann ist fast schon unheimlich, er wirkt auf mich irgendwie wie „Popeye“, der vor Kraft nur so strotzt. Motto: Wo steht das Klavier . . ? Rincon – ein überragender Typ!

Wieder einmal mit von der Partie war auch Piotr Trochowski. Der Nationalspieler begann unauffällig, fand aber dann doch noch ins Spiel, ohne allerdings so richtig glänzen zu können, Immerhin, ein, zwei, drei Szene hatte er, in denen er sein immer noch überdurchschnittliches Können andeuten konnte.

Ebenfalls wieder mal in der Stammformation: Jerome Boateng, erneut auf der von ihm ungeliebten Verteidiger-Position. Nach hinten gerade noch solide, nach vorne besonders in der zweiten Halbzeit mit einigen erstaunlichen Abspielfehlern, mit denen er einige Male Gefahr vor dem HSV-Tor herauf beschwor. Er kann es besser. Obwohl er seine Mannschaft auch vor dem 0:1 bewahrte, als er einen Meter vor der Torlinie klärte – Frank Rost, der erneut überragend hielt, lag schon chancenlos am Boden.

Das galt auch für die HSV-Angreifer, die in der ersten Halbzeit drei fast „Hundertprozentige“ ausließen:
24. Minute: Flanke Jerome Boateng, Kopfball Marcus Berg aus zehn Metern – daneben, das war kümmerlich und fahrlässig.
37. Minute: Flanke Boateng, Tunay Torun köpft aus zwei Metern daneben – das war der reine Wahnsinn, eine solche Chance muss ganz einfach genutzt werden, zumal bei einem so engen Spiel.
44. Trochowski mit einer flachen Eingabe von links, der Ball landet abgefälscht am zweiten Pfosten, und dort bekam Mladen Petric die Kugel nicht mehr unter Kontrolle – vorbei.
Dem stand lediglich eine Frankfurter Möglichkeit in der ersten Halbzeit gegenüber:
32. Minute: Teber schoss aus 20 Metern knapp vorbei.

In der 64. Minute wechselte Bruno Labbadia dann doppelt aus: Boateng und Torun raus, für sie kamen Guy Demel und Jonathan Pitroipa. Die Frankfurter beschränkten sich weiter auf Konter, ihnen war zunächst wichtig, nicht zu verlieren. Und der HSV? „Auf geht’s Hamburg schießt ein Tor“, sangen die Fans im Norden, aber die Kräfte schwanden (natürlich). Aufregend wurde es erst Sekunden vor Schluss. Zweimal forderten die Zuschauer Elfmeter. In der 87. Elfer gerieten Ochs und Demel aneinander, aber das war keiner. In der 89. knallten Torwart Nikolov und Petric zusammen, aber auch hier würde ich sagen, dass es keiner war.

So blieb es beim 0:0. Ein Punktverlust, ganz klar, wenn ich so die Chancen der ersten Halbzeit zu Grunde lege.

Kurz noch zur ersten Matz-ab-Party am Freitag in der Raute. Dazu werde ich morgen etwas schreiben, ich möchte zunächst die Beiträge sacken lassen, die es hier von den Beteiligten schon gegeben hat – oder die auch noch kommen. Vorab nur eines schon: Vielen Dank für diesen tollen Abend.

17.41 Uhr

Achillesferse Demel

19. Februar 2010

Eure Sorgen teile ich. Ihr macht Euch Gedanken über Guy Demels Formverfall, ich ebenso. Was ist da los? Wieso kann ein Nationalspieler so dramatisch nachlassen, und zwar auch in Sachen Taktik? Der HSV hätte, um es einmal überspitzt zu formulieren, in der Zweiten Halbzeit des Eindhoven-Spiels auch ohne Rechtsverteidiger spielen können, die Flanken der Niederländer wurden ja ohnehin nicht verhindert. Das war der Wahnsinn, Brandbombe auf Brandbombe flog in den HSV-Strafraum. Dass es da nicht zu einem einzigen PSV-Tor kam, ist ein kleines Wunder. Demel stand viel zu weit weg von seinem Gegenspieler, er kam gar nicht erst in die Zweikämpfe, zudem wurden ihm die gegnerischen Pässe durch die Hosenknöpfe gespielt, ohne dass er es merkte. Im Heimspiel gegen Frankfurt rechne ich deswegen ganz verstärkt mit Jerome Boateng auf der Demel-Position.

Eure Sorgen, meine Sorgen – das sind auch die Sorgen des Trainers. Er befand über Guy Demel: „Guy hat schon die Unterstützung durch Robert Tesche gehabt, daran lag es nicht. Wenn der Gegner nur mit einer Spitze spielt, dann muss man von außen nicht so sehr einrücken. Das haben wir in den zwei Situationen, die alle gesehen haben, nicht gut gemacht. Wir haben so gespielt, als würden wir gegen zwei Spitzen spielen. In der ersten Halbzeit haben wir das noch gut gemacht, da hat Robert Tesche immer gut gedoppelt, in der zweiten Halbzeit hat das dann nicht mehr so gut gepasst.“

Was aber nicht an Tesche lag, sondern an Demel. Labbadia über sein Sorgenkind, dass ja schon seit Wochen die Achillesferse des HSV ist: „Guy ist vom Afrika-Cup gekommen, hatte keine große Pause, hatte Probleme mit den Adduktoren, hatte auch keine Vorbereitung – und das ist nie so optimal“, sagt Bruno Labbadia und fügt hinzu: „Er wurde auch deshalb aus dem Spiel genommen, weil er wieder Probleme mit den Adduktoren hatte.“ Erstaunlich war das schon, dass sich der Coach das Risiko Demel so lange gegönnt hatte . . . Aber es ging ja gut, wenn auch mit ein wenig Glück.

„Mit dem Ergebnis können wir gut leben, wir haben ein Tor erzielt und keines bekommen, jetzt wird es ein packendes Rückspiel geben“, sagte Bruno Labbadia und gab zu: „Eindhoven hatte sehr wohl zwei große Tormöglichkeiten.“ Das hatte sein PSV-Kollege Fred Rutten ganz anders gesehen: „Wir hatten drei Hundertprozentige und hätten mindestens ein Tor machen müssen. Was nützt uns unsere Überlegenheit, wenn wir die nicht in Tore umsetzen, von dem Lob, dass wir hier gut gespielt haben, dass wir besser als der HSV waren, können wir uns nichts kaufen.“

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff begann für den HSV bereits die Vorbereitung auf das Frankfurt-Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr). Die Spieler fuhren in der Kabine Fahrrad und ließen sich pflegen, zudem wurden die Laktat-Werte genommen. Danach fuhr die Mannschaft mit dem Bus ins Hotel, am Freitag stand zunächst langes Ausschlafen auf dem Programm, um 13.30 Uhr war das Training angesetzt. „Wir werden den Freitag zusammen verbringen, so können wir das Optimale heraus holen und uns gut auf Frankfurt konzentrieren“, sagte Bruno Labbadia zur Quick-Vorbereitung auf das nächste Bundesliga-Spiel. Der Trainer ergänzte noch: „Natürlich ist es ein Nachteil, wenn man nur so wenig Zeit hat. Aber wir werden nicht lamentieren und nicht diskutieren, die Situation ist nun einmal so, wir müssen das so annehmen.“ Regeneration steht absolut im Vordergrund. Aber es ist schon so: Frankfurt kann eine ganze Woche zur Vorbereitung auf das Spiel in Hamburg nutzen, der HSV wird dafür „bestraft“, dass er (immer noch) international am Start ist – nicht nur für sich, sondern auch für Deutschland und die Bundesliga.

Eine weitere Frage bezüglich des Frankfurt-Spiels ist die, wer David Jarolim ersetzen wird? Kommt Ze Roberto für den gesperrten Kapitän (der, ganz nebenbei, auch für das Rückspiel in Eindhoven gesperrt ist)? Bruno Labbadia überlegt etwas länger und antwortet dann: „Abwarten. Man hat schon gesehen, dass es nicht so einfach war für ihn. Man kann die letzten Monate, als er verletzt war, nicht weg diskutieren. Das braucht seine Zeit. Wir werden es beobachten, und dann aus dem Bauch entscheiden, wer spielt.“

In der Tat war es so, das mein Eindruck vom späten Donnerstag, dass bei Ze Roberto noch einiges fehlt. Das hat man nicht nur an jener Szene gesehen, als er kurz vor Schluss eine Torchance hatte – und glatt am Ball vorbei trat. So etwas ist eine absolute Rarität, einen solchen Ball zu treffen, das beherrscht der Brasilianer sonst eigentlich im Schlaf. Aber es zeigte eben auch deutlich auf, dass von ihm (noch) keine Wunderdinge zu erwarten sind. Ähnlich ist die Lage bei Ruud van Nistelrooy. Ich denke nicht, dass der Niederländer gegen die Eintracht von Beginn an spielen wird, sondern wieder über die Bank kommen muss. Ein Wort noch schnell zu Marcus Berg. Ich hatte geschrieben, dass der Schwede „blass blieb“. Recht habt Ihr, wenn Ihr ihm eine kämpferisch starke Leistung bescheinigt, er war tatsächlich viel unterwegs, hat enorm geackert. Nur, das war sein Manko an diesem Abend, nach vorne hat er kaum etwas bis nichts bewegen können. Daran habe ich ihn gemessen.

Eine andere, meine ganz persönliche Frage, die ich mir stelle: Was geschieht nun mit Piotr Trochowski? Der Nationalspieler wäre, im Gegensatz zu Ze Roberto, voll im Saft. Aber er scheint im Moment nicht die Lobby beim Trainer(team) zu haben. Obwohl Bruno Labbadia sagt: „Wir wollen ihn eigentlich noch rein bringen, er sollte noch einmal Druck in unser Spiel bringen.“ Aber dann waren andere Wechsel vorrangig. Und Labbadia sagt generell über „Troche“: „Ich weiß, dass wir ihn brauchen. Wenn er seine Qualitäten zeigt, die er zweifellos hat, die er aber momentan leider im Spiel nie so ganz auf den Platz bringt, wenn er die zeigt, dann würde er uns auch weiterhelfen.“

Der Trainer weiß, dass Trochowski zurzeit ein Härtefall ist, aber Labbadia sagt auch: „Es gehört dazu, wenn man einen so großen und guten Kader hat, dass auch Spieler seines Kalibers mal draußen sitzen. Das ist das, wo wir hinkommen müssen, dass wir einfach 15, 16 Leute haben, die wir auch mal austauschen können – wenn einer mal nicht so gut drauf ist. Und es geht zudem auch darum, dass Robert Tesche seine Sache bei seinem Kurz-Einsatz in Stuttgart sehr gut gemacht hat.“ Außerdem hat, das ist bekannt, Piotr Trochowski ja auch gewisse Schwächen in der Defensive. Und auch deshalb entschied sich Labbadia gegen den Dribbelkünstler: „Es musste gegen Eindhoven ja nicht nur nach vorne gedacht werde, sondern die Null musste stehen, und das war uns wichtig. Deswegen ging diese Entscheidung nicht gegen Trochowski, sondern war eine Entscheidung für Tesche, der beides kann, defensiv wie offensiv.“ Spielt Trochowski nun gegen Frankfurt? Labbadia: „Das kann ich jetzt noch nicht sagen.“

So, das war es von meiner Seite zu den sportlichen Dingen, die den HSV zurzeit bewegen. Jetzt, erst jetzt beginne ich mit den Vorbereitungen auf unser heutiges Treffen. Bitter genug, aber es ließ sich nicht ändern. Ich hoffe darauf, möglichst viele von Euch zu sehen und kennen zu lernen, das Wetter spielt mit, ich freue mich auf den Abend mit Euch. Nachdem ich gestern schon verraten habe, dass Kult-Masseur Hermann Rieger dabei sein wird, kann ich nun auch einen weiteren Gast ankündigen: Bastian Reinhardt wird ebenfalls mit von der Partie sein. Carsten Kober kommt am späten Abend (so hat er es versprochen), aber es wird, so wie es jetzt aussieht, auch noch ein weiterer „Hochkaräter“ von Beginn an einlaufen. Und auch HSV-Vorstandsfrau Katja Kraus wird vorbeischauen. Der Beginn in der Raute ist um 19 Uhr, der Eintritt, das sei noch einmal erwähnt, ist immer noch frei, lediglich für den Museumsbesuch müsste pro Nase ein Euro gelöhnt werden.

Bis nachher!

14.32 Uhr

Es darf weiter geträumt werden

18. Februar 2010

Die Ausgangsposition ist nicht schlecht, obwohl sie durchaus hätte besser sein können. Der HSV bezwang im Hinspiel des Sechzehntelfinals den in der Europa League noch unbesiegten PSV Eindhoven mit 1:0 und darf weiter von der nächsten Runde – und damit auch vom Endspiel am 12. Mai in Hamburg träumen. Der niederländische Spitzenreiter entpuppte sich vor nur 35 672 Zuschauern als die erwartet harte Nuss, es wird im Rückspiel sicher heiß und hoch hergehen. Eines aber hat der HSV geschafft, es gab kein Gegentor, und diese Tatsache könnte noch einmal an Wichtigkeit gewinnen. Sollte im Rückspiel ein Auswärtstor gelingen, so müsste der PSV schon dreimal treffen.

Was war das für ein rasanter Auftakt! Hin und her ging es, Torchancen auf beiden Seiten, die Bälle flogen nur so durch die Strafräume. Denkste! Abtasten war Trumpf. Die Niederländer hielten den Ball, der HSV wollte die Null halten. Und dann gibt es solche Spiele. Irgendwie hatte ich die Angst, dass der HSV voll auf die Karte „zweite Chance“ setzen würde, das heißt: Hier 0:0, und dann in Eindhoven versuchen, mit einem Auswärtstor in die nächste Runde zu kommen. Immerhin: Der HSV kam nach zehn Minuten endlich einmal auf die Idee, etwas Richtung PSV-Tor zu tun. Zweimal lief der Ball mustergültig über links, einmal flankte Dennis Aogo, dann auch Marcell Jansen. Torchancen aber blieben Mangelware.

In der 16. Minute gab es dann so etwas wie Aufregung vor dem PSV-Tor: Aogo gab den ersten Eckstoß zur Mitte, aber Gefahr kam dadurch nicht auf. Die erste Tormöglichkeit des Spiels hatten dann sogar die Niederländer: Kopfball des ehemaligen Schalkers Engelaar, der Ball flog Richtung Winkel, doch Frank Rost schraubte sich in die Luft, wurde lang und länger und lenkte die Kugel gerade noch um den Pfosten zur Ecke (21.) – eine riesige Parade.

Dann aber doch die 1:0-Führung des HSV. Irgendwie aus heiterem Himmel, aber das war egal. Mladen Petric drang in den PSV-Strafraum ein, lief auf Höhe Fünfmeterraum Richtung Torauslinie und wurde von Manolev zu Fall gebracht – Schiedsrichter Claudio Circhetta (Schweiz) zögerte keine Sekunde, Strafstoß. Petric wollte als Gefoulter nicht schießen, Trochowski saß draußen. Wer schießt? Jansen schnappte sich den Ball. Er schoss zum ersten Mal in einem HSV-Spiel (außer Elferschießen) einen Strafstoß, machte das aber ganz cool – 1:0 (26.). Fünf Minuten später forderten die Niederländer dann einen Elfmeter, als Joris Mathijsen Lazovic gefoult haben sollte. Trainer Fred Rutten haderte mit dem Unparteiischen, aber ich hätte den Elfmeter auch nicht gegeben, für mich hatte Lazovic „eingefädelt“.

Der zweite Schuss des HSV in der 33. Minute, als Petric aus 22 Metern abzog, der Ball aber mühelos gehalten wurde. Es blieb bis zum Halbzeitpfiff die einzige torgefährliche Szene. Obwohl sich Robert Tesche einmal eine Nachlässigkeit am HSV-Strafraum erlaubte und den Ball verlor, doch Engelaar schoss anschließend weit über das HSV-Tor hinweg (35.).

Zur Pause, das sei am Rande erwähnt, war Hermann Rieger dann Star-Gast und Interviewpartner von Tagesschausprecher Marc Bator. Der Kultmasseur wird übrigens auch am Freitag beim großen „Matz-ab-Treffen“ einer der Gäste sein. Was „Hermann the german“ lobte? Frank Rost: „Der hat, wie schon in Stuttgart, hervorragend gehalten, auf ihn ist Verlass.“ Kann ich nur bestätigen. Und „Hermann“ hat eben immer noch viel Ahnung von diesem Spiel.

Wer neben Rost überzeugte? Für mich bot Tomas Rincon eine starke Partie, der Südamerikaner eroberte eine Menge Bälle, er lief jeden Zentimeter Rasen ab und trat dabei unglaublich vielen Niederländern auf die Füße. Ein Fleißkärtchen für Rincon. Und auch für den Kapitän. David Jarolim ackerte wieder enorm, holte sich viele Bälle, hielt die Kugel mitunter auch klug und gekonnt – und er schoss sogar einmal aus 25 Metern „beherzt“ auf das PSV-Tor. Es entzieht sich nun aber meiner Kenntnis, ob der Ball die Torauslinie erreichte . . . Egal, Jarolim war trotz allem für mich der auffälligste Hamburger.

Der zweite Durchgang war dann aber wesentlich lebhafter. Eindhoven versuchte auf das 1:1 zu spielen, und der HSV spielte ebenfalls mutiger nach vorne. Petric schoss aus 14 Metern, aber Torwart Isaksson hielt super – nur Eckstoß. Dieser brachte Gefahr, David Rozehnal schoss aus zehn Metern mit links, aber wieder war Isaksson super am Boden – Chance vereitelt. Jetzt war es ein gutes Spiel, und die Fans im Norden sangen voller Begeisterung: „Europapokal, Europapokal, Europapokal. . .“ Es ging hin und her, diesmal aber tatsächlich.

In der 60. Minute erhielt Dennis Aogo als zweiter Hamburger eine Gelbe Karte (nach Mladen Petric), weil er Lazovic umgesenst hatte. Gelb war fast schon rötlich angehaucht. Und es sah nach Revanche aus, denn Aogo war zuvor zweimal von Lazovic gefoult worden. Bruno Labbadia erkannte die Gefahr, nahm Aogo vom Platz und brachte Ze Roberto, zog dafür den erneut offensiv sehr guten Marcell Jansen zurück. Ze Roberto wurde zwar mit Beifall begrüßt, aber im Gegensatz zu Petric, der sich im vergangenen Jahr nach langer Verletzungspause wieder mit einem Heimsspiel (6. Dezember gegen Hoffenheim) zurückmeldete, blieb diesmal ein richtig schöner Jubelsturm aus.

Den gab es in der 63. Minute. Da zog Ruud van Nistelrooy seine Trainingsklamotten aus. Was für eine Euphorie! Die sich in einen Orkan steigerte, als der Niederländer in der 64. Minute (für den diesmal blassen Marcus Berg) kam. Und nur Sekunden danach hatte van Nistelrooy schon seine erste Gelegenheit, doch er traf den Ball nicht richtig, Isaksson hatte keine Mühe, den Ball zu halten.

Dann kam Eindhoven. Mit Macht. Der HSV entblößte die Abwehr, ließ mehr und mehr die Konter der Niederländer zu – und bettelte einmal mehr um den Ausgleich. Es war nur Glück, dass es nicht zum Ausgleich kam. In der 74. Minute hätte es 1:1 stehen müssen, doch der Ball strich hauchdünn am langen Pfosten des HSV-Tores vorbei. Anschließend faltete Joris Mathijsen seinen Nebenmann David Rozehnal zusammen. Völlig berechtigt, denn der tschechische Innenverteidiger tobte nicht nur in dieser Szene ganz weit vorne um. Warum?

Ein (von Euch vielleicht erwartetes?) Wort zum Schiedsrichter: Der Schweizer war ganz sicher kein Mann für die Heimmannschaft, einen solchen Unparteiischen kann sich der HSV für das Rückspiel nur wünschen. Vier Gelbe Karten für den HSV: Petric, Aogo, Jansen und Jarolim, nur zweimal Gelb für Eindhoven (Pieters, Afellay), obwohl sich auch beim PSV durchaus einige Kandidaten mehr „angeboten“ hätten.

Zum Schluss noch ein Fingerzeig von Labbadia in Richtung Frankfurt-Spiel: In der 81. Minute kam Jerome Boateng für den erneut nicht fehlerfreien Guy Demel, der wieder sehr viele Flanken auf seiner Seite zuließ. Der diesmal für Piotr Trochowski spielende Robert Tesche enttäuschte nicht. Der ehemalige Bielefelder war zwar keine dominante Figur beim HSV, aber er spulte sein Pensum solide herunter.

23.12 Uhr

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