Tagesarchiv für den 27. Februar 2010

Zittern um Petric, Jansen fehlt

27. Februar 2010

Die Stimmung im Volkspark heute um 13.30 Uhr war gut. Jedenfalls auf dem Trainingsplatz des HSV. Die Spieler scherzten, lachten und waren voller Freude und Eifer bei der Sache. Den Kiebitzen am Rande aber nicht unbedingt zum Lachen zu Mute, denn schnell hatten sie festgestellt: Marcell Jansen fehlt, Mladen Petric fehlt ebenfalls, und Ze Roberto dreht nur einsam seine Runden. Einen Tag vor dem Spitzenspiel beim FC Bayern in München hat sich die personelle Situation des HSV nicht entspannt. Im Gegenteil: Jansen fällt, wie bereits ja schon Ruud van Nistelrooy, definitiv für das Spiel am Sonntag (17.30 Uhr) aus, und Petric wird sich am Sonntagmorgen erst noch einem Härtetest unterziehen müssen. Erst dann wird entschieden, ob der Torjäger trotz eines Bänderanrisses im Knöchel (nach dem üblen Tritt von Eindhovens Engelaar) mit von der Partie in der Allianz-Arena sein kann.

Die gute Nachricht des Tages kam dann aber von Ze Roberto, denn der Brasilianer, der nur etwa 30 Minuten auf dem Platz zu sehen war, wird in München gegen seinen ehemaligen Klub spielen können. Die Laufeinheit gehörte zur Regeneration, die dem Mittelfeldspieler nach zwei intensiven Spielen (Frankfurt, Eindhoven) von Trainer Bruno Labbadia zugestanden wurde.

Eine Aufstellung für morgen ließ sich für die Fans, unter denen diesmal auch die „Matz-abber“ „Benno Hafas“, „Nordbert“, „Devildino“ und „Fips“ waren, an diesem Sonnabend noch nicht so recht erstellen. In einem Spiel acht gegen acht waren Stammspieler und Reservisten mehr oder weniger bunt gemischt. Das Team mit den roten Hemden spielte mit Frank Rost, Guy Demel, David Rozehnal, Joris Mathijsen, David Jarolim, Piotr Trochowski, Marcus Berg und Jonathan Pitroipa. Die „Grünen“ hatten Wolfgang Hesl, Henrik Dettmann, Jerome Boateng, Dennis Aogo, Tomas Rincon, Robert Tesche, Eljero Elia und Tunay Torun an Bord. Das Spiel auf kleinem Feld endete 2:2, für Rot hatten Piroipa (tatsächlich!) und Demel (auf Vorlage von Pitroipa), den Ausgleich stellten Rincon und Torun mit einem schönen Linksschuss her.

Eine kurze Schrecksekunde gab es noch für alle Beteiligten, als Rozehnal den dribbelnden Elia zu Boden schickte, der Niederländer legte sich laut schreiend auf den Rasen, konnte danach aber schnell wieder aufstehen und ohne jegliche Einschränkung weiterspielen. Mit dem Trainingsende allerdings gab es erneut eine Sorge, denn Frank Rost sprach erst einige Zeit mit Physiotherapeut Uwe Eplinius, der Keeper winkelte dabei sein linkes Bein an und dehnte es, danach humpelte Rost in Richtung Kabine. Gut sah das nicht aus, die medizinische Abteilung des HSV dürfte da am Sonnabend und Sonntag einmal mehr gefragt sein.

Was den Auftritt des HSV in München nicht unbedingt erleichtert. Obwohl es dort ja in der jüngeren Vergangenheit oft Erfreuliches aus Hamburger Sicht zu vermelden gab. Im alten Olympiastadion gab es in 23 Spielen zwischen dem FC Bayern und dem HSV nur fünf Unentschieden für die Hamburger, aber die Bilanz wird seit 2005 stetig verbessert, denn: Im neuen Münchner Stadion hat der HSV in der Bundesliga noch nicht verloren: Zwei Siege, zwei Unentschieden. Wobei ich mich besonders an einen Sieg erinnere, den ich dort erleben durfte, als Huub Stevens noch der HSV-Trainer war.

Das war am 28. April 2007, der 31. Spieltag einer Saison, in der der HSV fast abgestiegen wäre. Stevens war der Retter. Der knorrige Coach hatte mit seiner Defensivtaktik für die (von mir bereits abgeschriebene) Wende gesorgt. Mit dem Sieg in München war der HSV für mich gerettet. Und dann passierte etwas Einmaliges: Nach dem Spiel ging ich auf Huub Stevens zu und gab ihm spontan die Hand. Der Niederländer war völlig perplex und schlug ein. Ich sagte ihm dabei: „Herr Stevens, es wird einmalig bleiben, aber zur Feier des Tages, weil Sie den HSV gerettet haben, muss ich Ihnen ganz einfach mal per Händedruck gratulieren.“ Hintergrund: Als Stevens in Hamburg angekommen war und die erste Presserunde anstand, verweigerte der Trainer jedem Journalisten die Hand. Seine Begründung: „Das muss nicht sein, das mache ich nie.“ Auf den Einwand von mir, dass das ja auch eine gewisse Zeremonie sei, weil man bei einem Händedruck mit dem Trainer doch weiß, dass das Verhältnis (in jener Situation jedenfalls) ungetrübt sei, entgegnete Stevens nur: „Ich mache das nicht, und dabei bleibt es.“ Er hielt eisern durch – und war damit der erste HSV-Trainer seit der Happel-Ära, der mir (und uns) nicht die Hand gegeben hat. Recht hatte er ja, der Huub Stevens: Das muss nun wirklich nicht sein, denn es gibt Wichtigeres. HSV-Siege zum Beispiel.

Übrigens spielte der HSV damals mit Rost, Benjamin, Abel, Mathijsen, Atouba, Demel (56. Mahdavikia), Jarolim, de Jong (68. Guerrero), Sorin, van der Vaart (82. Laas) und Olic. Ganz gewiss keine überragende Hamburger Mannschaft, auch wenn van der Vaart mit von der Partei war. Ich behaupte aber, dass das Team, das morgen für den HSV in München auflaufen wird (trotz aller personellen Probleme), besser besetzt ist. Warum also sollte der „Angstgegner“ der Bayern nicht erneut eine Überraschung schaffen? Ganz nebenbei: Die Tore damals schossen van der Vaart und Guerrero. Thimothee Atouba sah in der Schlussminute noch Rot.

Beim Sonnabend-Training gab es, wie schon oft in den vergangenen Tagen, eine lebhafte Debatte um Demel. Spielt er wieder? Spielt er doch? Oder sitzt er zunächst nur auf der Bank? Morgen wäre der Ivorer eventuell die „halbe Miete“, denn: Zehn Mal spielte Guy Demel gegen den FC Bayern, und zehn Mal gab es keine Niederlage für ihn. Sieben Siege, drei Unentschieden. Zuletzt gab es ein 2:2, das war am 15. August 2008, damals wurde Demel von Trainer Martin Jol in der 30. Minute für den leicht indisponierten Jerome Boateng eingewechselt. Morgen könnte es eventuell wieder so laufen, denn eigentlich erwarte ich schon, dass diesmal Boateng von Beginn an in der ersten Elf des HSV stehen wird, denn der deutsche Nationalspieler bewies zuletzt, nach seiner Einwechslung in Eindhoven, dass es wieder bergauf geht mit ihm.

Deshalb nun schnell noch mein Tipp bezüglich der HSV-Aufstellung:
Rost – Boateng, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Rincon, Jarolim – Trochowski, Elia (oder Berg), Ze Roberto – Petric.

Und noch kurz ein kleiner Schwenk in Sachen Statistik: Morgen pfeift Routinier Lutz Wagner (Kriftel), der nie zur absoluten Spitze der deutschen Unparteiischen gehörte, die Partie in München. Das tat er bereits am 24. Februar 2008 an derselben Stelle – ein gutes Omen? Damals hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1, die Tore hatte Ivica Olic (HSV) und Ze Roberto (Bayern) erzielt. Ob sie wohl auch diesmal wieder zu den Torschützen gehören werden?

18.12 Uhr