Tagesarchiv für den 24. Februar 2010

Ohne Jansen, aber mit Optimismus

24. Februar 2010

Die Matz-ab-Apothekenrundschau lässt grüßen. Das Lazarett des HSV lichtet sich vorm morgigen Duell in Eindhoven ein wenig. Die Mannschaft hat die Reise in die Niederlande angetreten, und – wie mir einer meiner Kollegen vom Flughafen berichtet hat – von den gestern erwähnten Angeschlagenen fehlen Ruud van Nistelrooy und Marcell Jansen. Erster ist, wie schon oft geschrieben, keine Überraschung, und zweiter angesichts seines gestrigen Aussehens auch nicht. Jansen hat sich (mal wieder, das muss ich leider sagen) einen grippalen Infekt eingefangen und soll sich in der Nacht von Montag auf Dienstag sogar übergeben haben. Dann ist es doch kaum verwunderlich, wenn die Mediziner ihn zur Genesung erst einmal ins Bett stecken. Ich habe aber Hoffnung, dass er am Sonntag bei den Bayern wieder zum Kader gehören wird. Ein ansehnliches Spiel in Eindhoven dürfte die Rehabilitation beschleunigen.

Hinter Dennis Aogo, der mit im Flieger saß, steht ein Fragezeichen, das etwas größer als Piotr Trochowski ist. Einige von Euch, die regelmäßig Trainingseinheiten des HSV besuchen, werden es sicherlich schon mal beobachtet haben. Immer mal wieder dehnt Aogo seinen hinteren Oberschenkel und greift sich vor- und nachher in den unteren Rückenbereich. Diese Blockade oder Probleme haben ihn zu Wochenbeginn ja sogar nach München zu Doc Müller-Wohlfarth getrieben, wo er sich eine Spritze abgeholt hat. Aogo soll heute Abend beim Abschlusstraining einen Härtetest absolvieren, dessen Erkenntnisse den Ausschlag für das Rückspiel in der Europa League geben werden. Mein Tipp: Der Junge wird auflaufen.

Ich weiß, ich weiß: Die Grundlage dieses Tipps ist auch ein bisschen auf meine Hoffnung ausgerichtet. Ich weiß, dass der HSV in Eindhoven eine extrem stabile und konzentrierte Defensivabteilung benötigen wird, um die nächste Runde zu erreichen. Und da wäre es mehr als gut, wenn ein mittlerweile international erfahrener Aogo auflaufen könnte. Bei Jerome Boateng, einer der Alternativbesetzungen, hatte ich zuletzt in den Spielen und auch im Training das Gefühl, dass er nach seiner Verletzung noch nicht wieder ganz der Alte ist. Ihm unterlaufen ähnlich wie Guy Demel derzeit viel zu viele Leichtsinnsfehler. Und das könnte auf der ungewohnten linken Seite „tödlich“ sein.

Vielleicht überrascht uns Bruno Labbadia ja aber auch alle und wirft einen der Nobodys ins kalte Wasser. Sören Bertram und Henrik Dettmann sind mit nach Eindhoven gereist, vor allem Dettmann hat in den Trainingseinheiten mit den Profis häufig einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Er ist ruhig am Ball, spielt schnörkellose Pässe und lässt sich trotz seiner fehlenden Erfahrung auch von „alten Hasen“ selten mit Finten, Tricks oder härterer Gangart beeindrucken. Ich beobachte seine Entwicklung mit Vergnügen.

Einer, der aus meiner Sicht in Eindhoven das Zünglein an der Europacupwaage sein kann, ist Euer „Lieblingspolarisator“ Piotr Trochowski. Auch wenn er beim HSV in den vergangenen Wochen eine Art dauerhaftes Wechselspielchen betrieben hat – aus der Stammelf auf die Bank und umgekehrt -, weiß Trainer Labbadia um seine Qualitäten. Und gerade jetzt, da David Jarolim fehlt, man mit Zé Roberto nach seiner mehrmonatigen Pause noch Geduld haben muss, zudem Eljero Elia nach seiner Auszeit wie ein Überraschungsei daherkommt (mal sehen, was diesmal drin ist…), muss „Troche“ einfach mal wieder eine Galavorstellung hinlegen. Ja, ja, jetzt werden einige von Euch wieder mit dem Kopf schütteln und mir vorwerfen, ich sei ein unbelehrbarer Ignorant. Wie oft habt Ihr (und ich auch) auf einen Geistesblitz des begnadeten Dribblers und Schützen Trochowski gesetzt, und am Ende (meist schon nach einer halben Stunde) habt Ihr Euch geärgert und ihn dorthin gewünscht, wo der Pfeffer wächst.

Trotz alledem habt Ihr sicherlich auch Partien in Erinnerung, in denen Trochowski „goldene Tore“ markiert hat. Zum Beispiel gegen Wolfsburg kürzlich oder letzte Saison in Frankfurt. Und wisst Ihr was: Morgen in Eindhoven ist es mal wieder soweit. Ich habe gestern beim Albtraum-Training sogar eine Wette vorgeschlagen, bei der ich auf zwei Trochowski-Tore gegen den PSV setzen wollte. Aber irgendwie wollte keiner der Kollegen einschlagen. Die hielten mich wohl auch für etwas sonderbar. Und ich muss gestehen, dass ich das nach diesem Tag der personellen Hiobsbotschaften auch selbst ein bisschen gedacht habe.

Dennoch: Heute ist ein neuer Tag, und in Anbetracht des Wetters hier in Hamburg (es schneit endlich mal wieder…) habe ich keine Lust mehr auf Trübsalblasen. Ich nenne Euch jetzt fünf Gründe, warum der HSV in Eindhoven bestehen und die nächste Runde erreichen wird. Und ich wäre sehr dankbar, wenn Ihr sie durch weitere ergänzen würdet. Ein bisschen Optimismus hat noch nie geschadet.

1. Weil Piotr Trochowski all seine Kritiker überrascht und eine Galavorstellung mit mindestens einem Treffer hinlegen wird.
2. Weil Frank Rost seine Nackenprobleme total ausblendet und die Niederländer zur Verzweiflung treiben wird.
3. Weil Eljero Elia als Joker endlich einmal wieder an seine Leistungen der Hinrunde anknüpft und seine Landsleute in Grund und Boden rennt.
4. Weil Zé Roberto die nötige Erfahrung und Ruhe hat, um dem Anfangswirbel des PSV zu trotzen und schon in dieser Phase einen entscheidenden Pass auf Marcus Berg zu spielen, der zum 1:0 vollstreckt.
5. Weil Bruno Labbadia wie in Stuttgart mal wieder ein glückliches Händchen bei seinen Auswechslungen hat.

So, das war es vorerst von mir. Ich melde mich morgen wieder. Bis dahin erwarte ich noch mehr schlagkräftige Argumente für einen HSV-Erfolg.

12:15 Uhr