Tagesarchiv für den 22. Februar 2010

“Frank der Schrank” statt “van the man”

22. Februar 2010

Die schlechten Nachrichten vorweg. Dennis Aogo ist für das Spiel am Donnerstag in Eindhoven fraglich. Er reiste heute nach München, wo er zur Behandlung bei Dr. Müller-Wohlfarth war. Wenn alles gut läuft, wird er morgen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Für den Fall, dass der Linksverteidiger nicht mitmischen kann, dürfte er auch kaum für das Match in den Niederlanden zur Verfügung stehen. Hinter der Nominierung von Ruud van Nistelrooy stehen ähnlich viele Fragezeichen. Beim Mannschaftstraining fehlte der Torjäger heute (und war doch anwesend, dazu später mehr…), dafür strampelte er auf dem Ergometer eine Dreiviertelstunde und wurde ob seiner muskulären Probleme intensiv behandelt. Heute soll eine Entscheidung fallen, ob er beim PSV dabei sein kann. Und zu guter letzt wäre da noch Eljero Elia. Der Offensivrenner machte heute problemlos mit, wurde im Abschlusstraining sogar zweimal hart von Joris Mathisen angegangen, und hinterließ dabei keinerlei Eindruck, dass er noch gehandicapt wäre.

Elia draußen, Elia drin, Elia draußen – jetzt also wieder drin. Bruno Labbadia hat zumindest eine Erklärung dafür, weshalb die Knöchelverletzung den Oranje-Nationalspieler dermaßen belastet. Er schiebt es auf Elias fehlende Erfahrung. „Tickt der noch ganz richtig?“, werden einige von Euch jetzt bestimmt denken. Dabei ist diese These gar nicht so abwegig. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass ich in jungen Jahren (lang ist’s her) auch nicht recht wusste, wie ich mit Blessuren umzugehen hatte. Als Jungspund denkt man halt oft: Ach, das geht schon irgendwie. Und wenn der Schmerz dann doch noch vorhanden ist, wirkt er wie eine Blockade. Dass Elia eine solche hatte, ist ja jedem von uns aufgefallen, bevor Labbadia ihn vor zwei Wochen aus dem normalen Wochenablauf strich und ihn ins individuelle Aufbautraining schickte.

Nun also der nächste Anlauf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Labbadia seine „Rakete“ mit nach Holland nehmen und dort als „Joker“ auf der Ersatzbank platzieren wird. Falsch machen kann er damit nichts, denn ohne Schmerzen ist „Eli“ einen Zehn-Minuten-Einsatz allemal wert. Und wer weiß, vielleicht wird seine Geschwindigkeit ja vonnöten sein, wenn der HSV beim Tabellenführer der Ehrendivision in der Endphase auf Konter spielen will. Beim Stand von 0:0 könnte das gut möglich sein.

Nun muss ich aber noch verraten, warum Ruud van Nistelrooy heute trotz seines Reha-Trainings irgendwie doch anwesend war. Jung spielte im Abschlussspiel gegen Alt. Im Angriff der Oldies agierte neben Mladen Petric ein Spieler, der zwar optisch so gar keine Ähnlichkeit mit „van the man“ hat, aber dafür beim Verhalten im Strafraum dessen Qualitäten offenbarte. Eine Flanke von rechts drückte er mit einem Knie-Beinschuss an die Latte, und trotz eines heiklen Rettungsmanövers zweier Jungspunde inklusive Torwart Tom Mickel köpfte Petrics Kollege den Ball unter dem Jubel seiner Teamgefährten ins Netz. Da applaudierten nicht nur die Zaungäste, sondern fast sämtliche Spieler der Mannschaft Alt. Na, könnt Ihr erahnen, von wem ich rede? Von Frank Rost alias „Frank der Schrank“. Der Keeper durfte auf dem Feld mitwirbeln und heimste sich viel Lob von den Kollegen ein. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Oldies mit zwei Toren Vorsprung gewannen. Torschützen neben Rost: David Jarolim und Piotr Trochowski.

Oh Mann, jetzt habe ich schon wieder so viel vom aktuellen Training erzählt, dass ich meinen eigentlichen Themenschwerpunkt vernachlässigt habe. Meinen heutigen Kommentar wollte ich nämlich ursprünglich David Rozehnal widmen, dem oft zitierten, weil oft kritisieren Innenverteidiger.

Ich gehörte kurz nach seiner Verpflichtung ja zu den HSV-Beobachtern, die den Tschechen mit am heftigsten kritisierten. Aber an dieser Stelle muss ich mich doch etwas zurücknehmen. Der lange Schlacks hat sich in den vergangenen Wochen zu einer grundsoliden Abwehrgröße entwickelt und in den meisten der vergangenen Partien hatte ich nicht den Eindruck, dass er sich in seiner Spielanlage oder seinem Leistungsniveau großartig von Abwehrchef Joris Mathijsen unterschieden hätte.

Oha, ich ahne schon, was jetzt auf mich zukommt. Keine Sorge, ich möchte damit keinesfalls am Thron von „König Joris“ kratzen. Wirklich nicht. Um mit dem Niederländer auf einer Ebene zu stehen, müsste Rozehnal schon 40 Spiele am Stück derartig solide agieren wie der Mann mit der Rückennummer fünf. Ich finde trotzdem, dass es nur fair ist, auch mal die Positiventwicklung eines „Langzeitverurteilten“ zu erwähnen.

Und ich bin sehr gespannt, wie sich Trainer Labbadia entscheiden wird, sobald Jerome Boateng wieder vollständig fit und einsatzfähig darstellt. Denn letztlich ist es doch so: Die beste Innenverteidigung besteht aus Boateng und Mathijsen, daran ändert auch Rozehnals Formanstieg nichts. Momentan profitiert der Tscheche natürlich auch noch vom formtechnischen Sturzflug des Rechtsverteidigers Guy Demel. Nur weiß ich nicht, ob Boateng nicht irgendwann aufmuckt, wenn er ständig als Notlösung rechts auf der Außenposition eingesetzt wird und sich dabei womöglich kostbaren Vorsprung in Sachen WM-Aufgebot (als Innenverteidiger) zunichte macht.

Nun gut, das ist alles Zukunftsmusik. Und hier im Blog steht ja der HSV an Nummer eins, nicht die deutsche Nationalmannschaft. Ich bin trotzdem sehr interessiert, was Ihr von der Position und der Entwicklung Rozehnals haltet. Bis morgen.

17:20 Uhr