Tagesarchiv für den 21. Februar 2010

Ein Spiel, ein Punkt, eine Feier

21. Februar 2010

Natürlich, nur 0:0. Das ist schon enttäuschend. Und dennoch muss ich sagen, dass mir dabei ein Umstand viel zu wenig Beachtung findet. Nämlich die Tatsache, dass der HSV nur rund 40 Stunden nach dem Europa-League-Spiel gegen Eindhoven schon wieder spielen musste. Das ist in meinen Augen schon immer der pure Wahnsinn gewesen, wenn die DFL so etwas mit einer absurden Ansetzung verlangt, aber heißt es immer so schön? Es ist ja wie es ist. Und dazu gehört, was Joris Mathijsen nach dem 0:0 feststellte: „Der zweite Tag nach einem Spiel ist immer viel schlimmer.“ Und an diesem zweiten Tag ging es nun mal gegen die unangenehmen Frankfurter, die zuletzt dort mit 3:2 gewonnen hatten, wo der HSV kurz zuvor noch regelrecht zerlegt wurde, obwohl es nur 0:1 hieß, nämlich in Dortmund.

Die Hessen konnten eine Woche auf den HSV lauern, und zwar in aller Ruhe. Das bitte ich mal zu bedenken. Ich will hier nichts schönreden oder schönschreiben, ich will Euch das nur einmal vergegenwärtigen. Und dazu sagt auch der Trainer etwas, was ich Euch nicht vorenthalten möchte. Bruno Labbadia zum unliebsamen 40-Stunden-Thema: „Es ist allgemein schon schwer am dritten Tag wieder zu spielen, und deswegen denke ich, dass man sich mal Gedanken machen sollte, Ausnahmen zuzulassen – und mal vier Mannschaften an einem Sonntag spielen zu lassen. Gerade in einer so wichtigen Phase der Meisterschaft, wo es für alle um viel geht, ist das ein Stück weit Wettbewerbsverzerrung.“

Das ist es sicher. Dennoch hat der HSV vor dem Spiel ja den Ball total flach gehalten, hat nicht gemeckert, nicht geflucht, nicht gejammert. Labbadia: „Wir haben es in der Öffentlichkeit extra nicht angesprochen, wir haben es auch intern nicht angesprochen, weil es uns einfach wichtig war, keine Ausrede zu haben. Man kann auch etwas tot diskutieren. Aber wir haben keine andere Chance gehabt, und, das muss ich schon sagen, wir haben in diesem Spiel eine gute Moral gezeigt, eine große Bereitschaft gezeigt.“

Es wurde ja hier schon gefragt, warum ich von „einem verschenkten Sieg“ geschrieben habe. Um das einmal zu erklären: Der HSV hatte drei sehr gute Tormöglichkeiten, eine davon war in meinen Augen hundertprozentig, die von Tunay Torun. Dazu hätten auch Marcus Berg und Mladen Petric treffen können. Chancen dieser Güte hatten die Hessen nicht, deswegen bin ich der Meinung, dass man in einem so engen Spiel, in dem der Gegner schon mit einem Unentschieden mehr als zufrieden ist, eben wenigstens eine dieser großen Chance nutzen muss. Wirklich muss. Auch Bruno Labbadia trauerte diesen Möglichkeiten nach: „Wenn man das 1:0 macht, dann hätte Frankfurt die Defensive lockern müssen, dann hätten wir sicher mehr Chancen bekommen. Das ist das einzige Manko in diesem Spiel bei uns gewesen.“

Gut war in jedem Fall, dass Ze Roberto wieder mit von der Partie war, und dass er volle 90 Minuten dabei war. Der Brasilianer begann stark, hatte viele Ballkontakte, über ihn lief viel, er hatte auch jene Ruhe, die ihn schon immer auszeichnet, am Ball. Labbadia zu diesem Thema: „Man hat gemerkt, wie wichtig er sein kann. In den ersten 25 Minuten war er sehr stark, dann musste er sich auch einige Pausen nehmen, hatte er einigen Leerlauf im Spiel. Trotzdem hielt er klug den Ball, das tat unserem Spiel gut.“ Der Coach gab zu, dass er Ze Roberto von vornherein keine 90 Minuten auf dem Platz lassen wollte, aber dann passierte es doch, weil andere Wechsel dringender waren: „Es tat Ze, so denke ich, ganz gut, weil er nur über Spiele wieder zu 100 Prozent kommen kann. Wir werden ihn jetzt ein wenig rausnehmen, damit er sich erholen kann.“

Wie Ze Roberto muss auch Ruud van Niostelrooy darauf hoffen, über so viele wie nur mögliche Spiele wieder in Bestform zu kommen. Diesmal aber musste der Niederländer passen: Oberschenkelprobleme. Labbadia: „Ruud hatte das Gefühl, nicht sprinten zu können.“ Die Fans waren deshalb schon vor dem Anpfiff enttäuscht, weil „ihr Ruud“ nicht einmal auf der Bank saß. Labbadia rechtfertigt diese Zwangspause aber wie folgt: „Er hatte eine lange Verletzungspause, die kann man ja nicht wegdiskutieren. Wenn wir nun länger was von ihm haben wollen, dann geht das nur, wenn er keinen weiteren Rückschlag erleidet. Gibt es den, dann wäre die Saison sicher für ihn gelaufen.“ Ob van Nistelrooy am Montag wieder mit der Mannschaft trainieren kann (14.30 Uhr), das ließ der Trainer noch offen.

Übrigens, wo ich gerade bei angeschlagenen Spielern bin: In Sachen Dennis Aogo habe ich Vermutungen weitergegeben, die wir vor dem Spiel im Kollegenkreis diskutiert hatten. Darunter fiel auch die Sache mit der „vierten Gelben Karte“, die eventuell zur Pause des Abwehrspielers geführt hat. Dem war aber nicht so. Laut Bruno Labbadia hatte Aogo erneut gesundheitliche Probleme (Rückenschmerzen, die in den Oberschenkel strahlen), deswegen saß er nur auf der Bank. Und noch eine weitere Personalie: Jerome Boateng wurde nicht wegen einer eventuellen Verletzung ausgewechselt. Offenbar war war der Nationalspieler (der, es ist mir nicht entgangen, zwei große Chancen des HSV vorbereitete) auf der rechten Seite ein ebensolches Defensiv-Risiko, wie vorher der Kollege Guy Demel.

Rechts scheint der HSV in dieser Saison auf keinen grünen Zweig zu kommen. Es ist schon kurios; Tomas Rincon hat dort zwar nicht restlos überzeugt, aber er war dennoch besser als die beiden Alternativen. Obwohl ich damit nicht sagen möchte, dass Rincon wieder nach hinten soll – bloß nicht. Der Südamerikaner ackert und rackert im Mittelfeld, dass es die reine Freude ist. Er ist aus diesem Mittelfeld einfach nicht mehr wegzudenken.

Was ich von Piotr Trochowski leider noch immer nicht behaupten kann, obwohl ich es so gern täte. „Troche“ war nicht schlecht, im Gegenteil, er war besser als zuletzt, aber er war eben immer noch nicht der, den wir uns wahrscheinlich alle erhoffen. Ob er das auf der linken Seite wäre? Ich vermute ja, kann es aber nicht beweisen. Verspreche aber, dass ich bei Gelegenheit mit dem Trainer darüber reden werde. Gegen Eintracht Frankfurt hätte ich wahrscheinlich auch so aufgestellt, wie Labbadia, denn Tunay Torun gegen Maik Franz hat für mich besser gepasst, als Trochowski gegen Franz. Wobei ich schnell noch einen Satz zu Torun sagen möchte: Ich habe dem jungen Mann ein ganz gutes Spiel bescheinigt, weil er lange nicht so schlecht war, wie bei seinen letzten Einsätzen. Er hatte durchaus schon wieder einige viel versprechende Szenen, in denen er andeutet, dass es wieder bergauf gehen könnte. Dass er es besser, sogar viel besser kann, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich gebe aber zu, dass ich total überrascht war, dass Torun gegen Frankfurt in der Startformation stand, ich hätte es, wenn ich HSV-Trainer gewesen wäre, nicht gemacht. Und jetzt hoffe ich, dass die von Tunay Torun ausgelassene „Hundertprozentige“ nicht erneut dazu führt, dass er zu sehr ins Grübeln verfällt – wie nach seiner vergebenen großen Chance vor Wochen gegen den SC Freiburg.

Zu etwas Erfreulicherem, zu unserem „Matz-ab“-Treffen am Freitag. Es ist jetzt 48 Stunden her, wir könnten sicher schon ein zweites Mal . . ., obwohl einige von Euch sicher auch sagen, dass der zweite Tag immer viel schlimmer ist, oder? Obwohl es ja keine (großen) Abstürze gegeben hatte, als wir alle noch in der Raute gefeiert haben. Um es auch einmal von meiner Warte aus zu schildern: Ich war vorher natürlich total aufgeregt, ich wusste ja nicht, was da auf mich zukommt. Aber als unser Chefredakteur Claus Strunz dann seine Ansprache (über die Monitore – tolle Idee!) gehalten hatte, und als später dann Lotto King Karl neben mir stand, da war jede Aufregung verflogen. Von da an lief es wie geschmiert.

Es war ein großartiger Abend. Obwohl ich jetzt nicht in Selbstlob verfallen möchte. Motto: Der Veranstalter lobt die Veranstaltung. Nein, aber Ihr habt es schon geschrieben und gesagt, ich schließe mich da nur an, ein solches Treffen macht ganz einfach Spaß, und es schreit geradezu nach mehr. Obwohl, das möchte ich bei dieser Gelegenheit auch schnell sagen („Devildino“!): Es muss nicht gleich im Frühling ein Grillfest in Harksheide sein. Und wenn doch, ich weiß nicht, ob „Eva“ einen Garten hat? Ich denke ja, im Herbst ein Grillfest (?) im Stadtpark (oder so), das hätte doch auch etwas.

Bedanken möchte ich mich bei Euch, die Ihr dabei wart. Und bedanken möchte ich mich bei der Prominenz, die gekommen war und die es lange bei uns ausgehalten hat. „Isa“ schrieb es schon in der Nacht: Die Gewinnerin des Abends, so sehe ich das auch, war Katja Kraus. Die Vorstandsfrau gewann Eure Sympathien im Fluge, ich fand die Ehrung von „Eiche Nogly“ und „Jacek Dembinski“ absolut klasse – vielen Dank dafür, Frau Kraus, vielen Dank auch an den HSV. Übrigens, bei der Gelegenheit möchte ich noch ein Geheimnis verraten, was niemand bislang zu wissen bekam: „Eiche Nogly“ schickte mir am 1. Februar (!) eine SMS mit dem Inhalt, dass Ur Siegenthaler neuer Sportchef des HSV werden würde. Es ist nachprüfbar, ich habe die SMS mit Datum und Uhrzeit noch immer, da ist nichts zu tricksen – auch in diesem Falle haben wir geschwiegen, um den „Transfer“ (vom DFB zum HSV) nicht zu gefährden. Von einem Siegenthaler-Trikot, lieber „Eiche“, würde ich in diesem Falle aber mal absehen. Und ich hoffe überhaupt, dass ich unser Geheimnis lüften durfte. Ich will auch nicht weiter bohren, woher Du diese Information wieder einmal hattest, Du Phänomen.

Zurück zu den Prominenten: Für Hermann Rieger habe ich mich tierisch gefreut, wie er von Euch abgefeiert wurde. Allen, die nicht dabei waren, sei gesagt, dass es ihm offenbar ganz gut zu gehen scheint, Hermann selbst sprach davon, dass „er fast schon wieder der Alte“ sei, und dass es ihm schon wieder sehr, sehr gut gehe. Wir alle drücken ihm die Daumen, dass dieses Hoch anhalten wird, dass er bald ganz über dem Berg ist.

Wie Hermann Rieger erzählte Bastian Reinhardt etliche Szenen aus seiner langjährigen Profi-Zeit, und alle hörten gebannt zu. Der Innenverteidiger kämpft zurzeit um den Anschluss ans Team, er will, er beißt, er lässt nicht nach. Und er versprach – ganz nebenbei – ein Kopfballtor am letzten Spieltag der Saison in Bremen. Natürlich zum HSV-Sieg. Was „Basti“, der Praktikant, noch versprach: Eine erneute Gast-Kolumne für „Matz ab“, obwohl ihr die von ihm -mehr oder weniger – „erpresst“ habt. Sei es wie es sei, er wird sie sicher schreiben. Und an Stoff scheint es ihm ja, wie er bekennt, nicht zu mangeln – großartig, Herr Kollege!

Kommen wir zu Lotto King Karl. Der „Herr König“ hatte den Gitarristen Jörn von den „Barmbek Dreamboys“ mitgebracht, was allein schon toll war – aber Jörn ist, ich finde das absolut großartig, begeisterter „Matz-abber“, hat damit sogar Lotto angesteckt. Bei der Gelegenheit möchte ich bekennen, dass ich große Fan der Dreamboys bin, und zwar bekenne ich das ganz ehrlich. Wer noch nie bei einem Lotto-Konzert war, der weiß nicht, was er bislang verpasst hat, denn die Band ist sensationell, ich würde sogar sagen: Weltklasse. Frau M. und ich standen einst auf den Stühlen der Color-Line-Arena, tanzten wie alle 16 000 Zuschauer ausgelassen herum und fragten uns irgendwann: „Was machen wir hier eigentlich auf den Stühlen? Wir gehen auf die 60 zu und stehen hier oben – total verrückt!“ Aber die Musik von Lotto und seinen Mannen reißt eben mit – solltet Ihr Euch echt einmal antun.

Mitreißend war Lotto natürlich auch schon am Freitag. Er hat, so habe ich es gesehen, den Laden super unterhalten, ich hätte dem Kultsänger noch Stunden zuhören können – vielleicht kommt er ja noch ein zweites Mal (im Herbst?), ich werde ihn in dieser Hinsicht beizeiten bearbeiten. Es war ohnehin schon super, dass er Freitag dabei war, denn am Sonnabend war er in der Arena, von dort aus ging es sofort nach Drochtersen zu einem weiteren Konzert. Lotto ist eben gefragt.

Am Ende unseres Abends stellte übrigens mein Sohn Andre fest: „Du wirst es verdammt schwer haben, dieses Treffen noch einmal zu toppen, wenn es ein zweites Mal geben sollte. So gute Gäste wir diesmal wirst du vielleicht nie wieder finden.“ Recht hat er wohl, aber ich werde mich anstrengen. Und Ihr werdet sicher mithelfen (wollen). Vielen Dank nochmals für Euer Kommen, viele hatten weite Wege zu bewältigen, das nötigt mir großen Respekt ab. Der „Trapper„, unsere „Edelfeder“, kam aus Berlin, Helmut Mette kam extra mit dem Zug aus Essen, fuhr um 0.30 Uhr per Zug nach Essen zurück, weil er am nächsten Tag eine Familienfeier zu besuchen hatte, „AvR“, unser Blog-Anwalt Alex, kam ebenfalls aus Berlin. Der schon legendäre „Jonny“ aus Richtung Stade, „Isa“ (der Mann!) aus Timmendorf, „Meier 2“, der Kernige, aus Meppen, und, und, und,

Vielen Dank auch dafür, dass sich alle bestens verstanden haben, dass alles total friedlich und absolut freundschaftlich über die Bühne gegangen ist. Einmalig. Das, genau das hat es so traumhaft gemacht. Kompliment, Ihr wart ganz große Klasse (dieses Lob hat Euch übrigens auch Frau Kraus am Tag danach gemacht!). Und vielleicht schaffen wir es ja beim nächsten Mal, dass wir „Hamburg meine Perle“, von „Meier 2“ kurz vor Mitternacht angestimmt, alle bis zum Ende textsicher mitsingen können – und das am besten, wenn Lotto noch da ist.

Ich hatte es ja schon an diesem Abend verkündet: Wenn unser kürzlich stattgefundenes Treffen beim Training an der Arena schon als „Elite“-Treffen bezeichnet wurde, so war das am Freitag ein „Giganten“-Treffen. Vielen, vielen Dank dafür an alle, Ihr seid großartig!

Und: Einen Punkt auf Schalke gut gemacht.

Nur der HSV!

20.06 Uhr

Pitroipa wird es weiter schwer haben

21. Februar 2010

Eine Nacht drüber geschlafen, und trotzdem finde ich nicht sonderlich viele positive Neuigkeiten mehr nach diesem trostlosen 0:0. Und nur eine kleine Anmerkung noch zu meinem gestrigen Spielbericht beziehungsweise der dazugehörigen Analyse: Ich habe den Schiedsrichter nicht als Schuldigen für diese Punktverluste aus HSV-Sicht ausgemacht. Ich fand ihn aber trotzdem nicht wirklich überzeugend. Und das galt ja auch für Fans, die den Unparteiischen mit einem Pfeifkonzert in die Kabine geschickt haben.

Nicht wirklich überzeugend – das ist das richtige Stichwort, um an dieser Stelle mal wieder etwas ausführlicher auf Jonathan Pitroipa zu sprechen zu kommen. Ich weiß ja, dass die meisten Matz-abber und auch die meisten anderen Fans des HSV ein – ich sage es mal diplomatisch – von Skepsis geprägtes Verhältnis zu dem Leichtgewicht für die Offensive haben. Und auch wenn ich solche „Prügelknaben“ wie Pit eigentlich lieber in Schutz nehme, muss ich der Pauschalkritik an seiner Person diesmal widerspruchslos zustimmen. Gestern hätte ich ihn am liebsten zurück nach Freiburg oder Burkina Faso gewünscht – ich habe mich so sehr über Pitroipas Stolperattacken und Abspielfehler geärgert. Der schlimmste davon war einer mitten in einer Angriffswelle innerhalb der letzten paar Minuten auf Zé Roberto, bei dem der Brasilianer aber schon zwei Schritte weiter war und frustriert abstoppte, um den Ball dann doch vorbeirollen lassen zu müssen.

„Was erlauben sich Pit?“, hätte Giovanni Trapattoni in dieser Szene wohl geschimpft. Und, ganz ehrlich, ich kann diese Frage auch nicht beantworten. Ich frage mich angesichts der jüngsten Entwicklung des Nationalspielers sogar, ob er ernsthaft eine Zukunft beim HSV haben kann. Mein Gefühl sagt mir, dass Trainer Bruno Labbadia nicht so sehr auf die Künste des „Springinsfeld“ setzt, und nach solchen Kurzauftritten wie gegen die Eintracht wird es Pitroipa immer schwerer haben, überhaupt auf Einsatzzeiten zu kommen. In Sachen Formtrend zeigt sein Pfeil jedenfalls deutlich nach unten.

Ja, ja, das klingt ein wenig deftig, nachdem ich Pitroipa in der Vergangenheit auch schon mal gelobt und seine Qualitäten hervorgehoben hatte. Aber Fakt ist, dass der Offensivallrounder von seiner einzigen echten „Waffe“, der geschwindigen Unberechenbarkeit, viel zu selten, nein, fast nie Gebrauch macht. Und eine sportliche „Waffe“ ist eben nur dann etwas wert, wenn man sie auch zu bedienen weiß. Seit Pitroipas Rückkehr vom Afrika-Cup betrachte ich das „Eichhörnchen“ von Tag zu Tag skeptischer. Und ich würde schon jetzt darauf setzen, dass sich die Wege des HSV und des Ex-Freiburgers im Sommer trennen werden. Auch hierbei gilt natürlich: Ich lasse mich liebend gerne eines Besseren belehren. Ein Pitroipa in Bestform kostet die Fans und die Verantwortlichen zwar auch Nerven (weil seine Beine manchmal gar nicht zu wissen scheinen, in welche Richtung sie wie schnell davon düsen), aber er ist eben auch immer für eine möglicherweise spielentscheidende Szene gut – von der Vorlage bis zum Strafstoß, ausgenommen Fernschüsse…

Was mir nach dem Remis gegen Frankfurt Mut für die nächsten Wochen und Hoffnungen bereitet, ist die Tatsache, dass einige wichtige Spieler hoffentlich bald wieder fit und voll belastbar zur Verfügung stehen. Ich denke da an Zé Roberto, der noch ein paar Partien brauchen wird, ehe er bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit ist, an den kurzfristig ausgefallenen Ruud van Nistelrooy, den ich schon in Eindhoven wieder im Kader erwarte, oder auch einen Eljero Elia.

Bei dem Niederländer mit dem „Raketenantrieb“ mag ich aber noch keine Prognose abgeben, wann es denn soweit sein wird mit dem Comeback. Heute, am eigentlich trainingsfreien Sonntag, drehte „Eli“ gemeinsam mit Reha-Trainer Markus Günther fast eine Stunde lang Runden auf dem Trainingsplatz neben der Nordbank-Arena. Als ein Fan ihn anschließend nach dem Termin seiner Rückkehr fragte, zuckte Elia die Schultern. „Das kann ich nicht sagen“, meinte er. Wobei die besondere Betonung des Wortes „ich“ dafür sprechen könnte, dass sich Elia schon wieder so gut fühlt, dass er in den Kader zurückkehren mag. Wer weiß, vielleicht ist es ja beim PSV oder spätestens in einer Woche am Sonntag bei den Bayern soweit.

So, das war es vorerst. Ein paar weitere Eindrücke von der grandiosen Matz-ab-Feier am Freitag wird es heute in den Abendstunden geben. Bis dahin verbleibe ich mit sportlichen Grüßen.

PS: Einen kleinen, aber nicht unwichtigen Nachtrag gibt es an dieser Stelle noch zum Eindhoven-Spiel, bei dem Zé Robertos Einwechslung ja eher verhalten von den Fans applaudiert worden war. Ein treuer Leser des Blogs mailte mir: “Sie erwähnen den zurückhaltenden Jubel bei der Einwechslung Ze Robertos. Da ich meine Dauerkarte direkt neben dem Block der Chosen Few habe und auch gestern im Stadion war, wollte ich Sie darauf hinweisen, dass zum Zeitpunkt der Einwechslung ein Zuschauer aus dem Fanblock medizinisch behandelt werden musste und der (ihnen sicherlich als lautstark bekannte) Fanblock im Nordwesten um Ruhe während der Durchführung der medizinischen Behandlung gebeten wurde. Ich bin mir sicher, dass er ansonsten ähnlich frenetisch bejubelt worden wäre wie damals Petric bei seiner Rückkehr.”

14:04 Uhr