Tagesarchiv für den 20. Februar 2010

Ein verschenkter Sieg

20. Februar 2010

Das war zu erwarten. Nur 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Die Spitze rückt immer mehr in weite Ferne, der HSV muss sehen, dass er Platz fünf immer im Auge behält. Für mich ist mit diesem Spiel die Jagd auf einen Platz in der Champions League beendet, der traditionsreiche Hamburger Sport-Verein sollte in der nächsten Saison einen neuen Anlauf nehmen. Während die Hessen den Punkt mit ihren Fans wie einen Sieg feierten, gingen die HSV-Spieler mehr oder weniger mit hängenden Köpfen in die Kabine. Ihre Gedanken? Ein verschenkter Sieg. Immerhin: Platz vier sieht weiterhin nicht überragend, aber doch gut aus.

Den ersten richtigen Schock gab es schon vor dem Anpfiff im Volkspark: Ruud van Nistelrooy konnte nicht mit von der Partie sein. Am Freitag hatte er das Training vorzeitig beendet, da sagte er nur: „Es reicht mir.“ Alles ganz normal, also? War es wohl nicht so ganz. Vor der Partie gegen die nur auf einen Punkt spielenden Frankfurter musste sich „Van the man“ einem Härtetest unterziehen, den er um 11 Uhr nicht bestand: Der Oberschenkel zwickte, und weil auch in der kommenden Woche zwei Spiele anstehen, wollte der HSV kein Risiko eingehen: Pause. Pech für Bondscoach Bert van Marwwijk, der wohl auch wegen Ruud van Nistelrooy auf der Tribüne in Hamburg saß. Vergeblich. Er wird so enttäuscht gewesen sein, wie viele HSV-Fans schon vor dem Spiel.

„Altmeister“ Klaus Zaczyk sagte noch vor dem Anpfiff optimistisch: „Gegen Frankfurt haben wir doch immer gewonnen. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass wir das nicht geschafft haben.“ In der Tat ist es so, der HSV hat seit elf Jahren in Hamburg nicht mehr gegen den Lieblingsgegner aus Hessen verloren, in den letzten sieben Spielen im Volkspark gab es sogar nur ein Pünktchen für die Eintracht, aber diesmal war alles anders.

Der HSV hatte das Eindhoven-Spiel hinter und auch vor sich, und er hatte mit einigen personellen Problemen zu kämpfen: David Jarolim gesperrt, Dennis Aogo saß auf der Bank, er hat vier Gelbe Karten auf seinem Konto, sollte sich vor dem Bayern-Spiel keine fünfte abholen – und sollte sicher auch noch einmal geschont werden – so vermute ich es jedenfalls. Zudem hatte Bruno Labbadia auf Tunay Torun gesetzt, der zuletzt nicht gerade in bester Form war. Und: Ze Roberto spielte von Beginn an, obwohl er eigentlich noch lange nicht bei 100 Prozent ist. Weil es diese Probleme gab, durfte gegen diese unbequeme Eintracht aus Frankfurt, immerhin auf Tabellenplatz sieben, gezittert werden.

Um es vorweg zu nehmen: Torun zog sich relativ gut aus der Affäre, ließ auf jeden Fall einen leichten Aufwärtstrend erkennen und enttäuschte keinesfalls. Das, obwohl er (oft) gegen die „Kampf-Maschine“ Maik Franz zu spielen hatte. Apropos Franz: Wann eigentlich lernen es die deutschen Schiedsrichter, was dieser Herr mit ihnen veranstaltet? Es ist unfassbar, wie sie immer auf die Masche dieses Mannes hereinfallen. Franz lässt sich oft so theatralisch fallen, dass es eigentlich jedem Unparteiischen auffallen müsste – aber sie merken nichts. Wie dieser Herr Wingenbach, der in Hamburg sein erstes Erstliga-Spiel pfiff. Franz’ Masche: Er führt den Ball, stoppt, lässt dadurch den Gegner auflaufen – und fällt. Und der Schiedsrichter fällt auch – auf diese Nummer rein. Und dieser Herr Wingenbach: Er hätte sein erstes Erstliga-Spiel besser in Unterhaching, in Emden oder Dresden gepfiffen, als hier in Hamburg. Null Ausstrahlung, dieser Mann, der auf jeden Fall kein Heim-Schiedsrichter sein wollte – Kompliment, er war es nicht! Zur Premiere wurde er dann noch mit einem ordentlichen Pfeifkonzert bedacht, aber es wird ihn wahrscheinlich nur aufgemuntert haben. . .

Zum Fußball:
Ze Roberto begann gut, sogar dominierend – das war schon ein wenig überraschend. Sein vorgelegtes Tempo konnte der Brasilianer zwar nicht konstant halten, er tauchte phasenweise auch mal ab, aber er machte es doch insgesamt viel besser, als ich vorher gedacht hatte – weil ich ihn erst bei 60 Prozent sehe.

Kraftprobleme gab es beim HSV trotz der nur 40-stündigen Pause offenbar aber nicht, dennoch war der eine oder andere Spieler sicherlich nicht in bester körperlicher Verfassung. Was (natürlich) nicht auf Tomas Rincon zutreffen konnte, der im Mittelfeld fast alles abräumte, was ihm vor die Füße kam. Dieser junge Mann ist fast schon unheimlich, er wirkt auf mich irgendwie wie „Popeye“, der vor Kraft nur so strotzt. Motto: Wo steht das Klavier . . ? Rincon – ein überragender Typ!

Wieder einmal mit von der Partie war auch Piotr Trochowski. Der Nationalspieler begann unauffällig, fand aber dann doch noch ins Spiel, ohne allerdings so richtig glänzen zu können, Immerhin, ein, zwei, drei Szene hatte er, in denen er sein immer noch überdurchschnittliches Können andeuten konnte.

Ebenfalls wieder mal in der Stammformation: Jerome Boateng, erneut auf der von ihm ungeliebten Verteidiger-Position. Nach hinten gerade noch solide, nach vorne besonders in der zweiten Halbzeit mit einigen erstaunlichen Abspielfehlern, mit denen er einige Male Gefahr vor dem HSV-Tor herauf beschwor. Er kann es besser. Obwohl er seine Mannschaft auch vor dem 0:1 bewahrte, als er einen Meter vor der Torlinie klärte – Frank Rost, der erneut überragend hielt, lag schon chancenlos am Boden.

Das galt auch für die HSV-Angreifer, die in der ersten Halbzeit drei fast „Hundertprozentige“ ausließen:
24. Minute: Flanke Jerome Boateng, Kopfball Marcus Berg aus zehn Metern – daneben, das war kümmerlich und fahrlässig.
37. Minute: Flanke Boateng, Tunay Torun köpft aus zwei Metern daneben – das war der reine Wahnsinn, eine solche Chance muss ganz einfach genutzt werden, zumal bei einem so engen Spiel.
44. Trochowski mit einer flachen Eingabe von links, der Ball landet abgefälscht am zweiten Pfosten, und dort bekam Mladen Petric die Kugel nicht mehr unter Kontrolle – vorbei.
Dem stand lediglich eine Frankfurter Möglichkeit in der ersten Halbzeit gegenüber:
32. Minute: Teber schoss aus 20 Metern knapp vorbei.

In der 64. Minute wechselte Bruno Labbadia dann doppelt aus: Boateng und Torun raus, für sie kamen Guy Demel und Jonathan Pitroipa. Die Frankfurter beschränkten sich weiter auf Konter, ihnen war zunächst wichtig, nicht zu verlieren. Und der HSV? „Auf geht’s Hamburg schießt ein Tor“, sangen die Fans im Norden, aber die Kräfte schwanden (natürlich). Aufregend wurde es erst Sekunden vor Schluss. Zweimal forderten die Zuschauer Elfmeter. In der 87. Elfer gerieten Ochs und Demel aneinander, aber das war keiner. In der 89. knallten Torwart Nikolov und Petric zusammen, aber auch hier würde ich sagen, dass es keiner war.

So blieb es beim 0:0. Ein Punktverlust, ganz klar, wenn ich so die Chancen der ersten Halbzeit zu Grunde lege.

Kurz noch zur ersten Matz-ab-Party am Freitag in der Raute. Dazu werde ich morgen etwas schreiben, ich möchte zunächst die Beiträge sacken lassen, die es hier von den Beteiligten schon gegeben hat – oder die auch noch kommen. Vorab nur eines schon: Vielen Dank für diesen tollen Abend.

17.41 Uhr