Tagesarchiv für den 19. Februar 2010

Achillesferse Demel

19. Februar 2010

Eure Sorgen teile ich. Ihr macht Euch Gedanken über Guy Demels Formverfall, ich ebenso. Was ist da los? Wieso kann ein Nationalspieler so dramatisch nachlassen, und zwar auch in Sachen Taktik? Der HSV hätte, um es einmal überspitzt zu formulieren, in der Zweiten Halbzeit des Eindhoven-Spiels auch ohne Rechtsverteidiger spielen können, die Flanken der Niederländer wurden ja ohnehin nicht verhindert. Das war der Wahnsinn, Brandbombe auf Brandbombe flog in den HSV-Strafraum. Dass es da nicht zu einem einzigen PSV-Tor kam, ist ein kleines Wunder. Demel stand viel zu weit weg von seinem Gegenspieler, er kam gar nicht erst in die Zweikämpfe, zudem wurden ihm die gegnerischen Pässe durch die Hosenknöpfe gespielt, ohne dass er es merkte. Im Heimspiel gegen Frankfurt rechne ich deswegen ganz verstärkt mit Jerome Boateng auf der Demel-Position.

Eure Sorgen, meine Sorgen – das sind auch die Sorgen des Trainers. Er befand über Guy Demel: „Guy hat schon die Unterstützung durch Robert Tesche gehabt, daran lag es nicht. Wenn der Gegner nur mit einer Spitze spielt, dann muss man von außen nicht so sehr einrücken. Das haben wir in den zwei Situationen, die alle gesehen haben, nicht gut gemacht. Wir haben so gespielt, als würden wir gegen zwei Spitzen spielen. In der ersten Halbzeit haben wir das noch gut gemacht, da hat Robert Tesche immer gut gedoppelt, in der zweiten Halbzeit hat das dann nicht mehr so gut gepasst.“

Was aber nicht an Tesche lag, sondern an Demel. Labbadia über sein Sorgenkind, dass ja schon seit Wochen die Achillesferse des HSV ist: „Guy ist vom Afrika-Cup gekommen, hatte keine große Pause, hatte Probleme mit den Adduktoren, hatte auch keine Vorbereitung – und das ist nie so optimal“, sagt Bruno Labbadia und fügt hinzu: „Er wurde auch deshalb aus dem Spiel genommen, weil er wieder Probleme mit den Adduktoren hatte.“ Erstaunlich war das schon, dass sich der Coach das Risiko Demel so lange gegönnt hatte . . . Aber es ging ja gut, wenn auch mit ein wenig Glück.

„Mit dem Ergebnis können wir gut leben, wir haben ein Tor erzielt und keines bekommen, jetzt wird es ein packendes Rückspiel geben“, sagte Bruno Labbadia und gab zu: „Eindhoven hatte sehr wohl zwei große Tormöglichkeiten.“ Das hatte sein PSV-Kollege Fred Rutten ganz anders gesehen: „Wir hatten drei Hundertprozentige und hätten mindestens ein Tor machen müssen. Was nützt uns unsere Überlegenheit, wenn wir die nicht in Tore umsetzen, von dem Lob, dass wir hier gut gespielt haben, dass wir besser als der HSV waren, können wir uns nichts kaufen.“

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff begann für den HSV bereits die Vorbereitung auf das Frankfurt-Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr). Die Spieler fuhren in der Kabine Fahrrad und ließen sich pflegen, zudem wurden die Laktat-Werte genommen. Danach fuhr die Mannschaft mit dem Bus ins Hotel, am Freitag stand zunächst langes Ausschlafen auf dem Programm, um 13.30 Uhr war das Training angesetzt. „Wir werden den Freitag zusammen verbringen, so können wir das Optimale heraus holen und uns gut auf Frankfurt konzentrieren“, sagte Bruno Labbadia zur Quick-Vorbereitung auf das nächste Bundesliga-Spiel. Der Trainer ergänzte noch: „Natürlich ist es ein Nachteil, wenn man nur so wenig Zeit hat. Aber wir werden nicht lamentieren und nicht diskutieren, die Situation ist nun einmal so, wir müssen das so annehmen.“ Regeneration steht absolut im Vordergrund. Aber es ist schon so: Frankfurt kann eine ganze Woche zur Vorbereitung auf das Spiel in Hamburg nutzen, der HSV wird dafür „bestraft“, dass er (immer noch) international am Start ist – nicht nur für sich, sondern auch für Deutschland und die Bundesliga.

Eine weitere Frage bezüglich des Frankfurt-Spiels ist die, wer David Jarolim ersetzen wird? Kommt Ze Roberto für den gesperrten Kapitän (der, ganz nebenbei, auch für das Rückspiel in Eindhoven gesperrt ist)? Bruno Labbadia überlegt etwas länger und antwortet dann: „Abwarten. Man hat schon gesehen, dass es nicht so einfach war für ihn. Man kann die letzten Monate, als er verletzt war, nicht weg diskutieren. Das braucht seine Zeit. Wir werden es beobachten, und dann aus dem Bauch entscheiden, wer spielt.“

In der Tat war es so, das mein Eindruck vom späten Donnerstag, dass bei Ze Roberto noch einiges fehlt. Das hat man nicht nur an jener Szene gesehen, als er kurz vor Schluss eine Torchance hatte – und glatt am Ball vorbei trat. So etwas ist eine absolute Rarität, einen solchen Ball zu treffen, das beherrscht der Brasilianer sonst eigentlich im Schlaf. Aber es zeigte eben auch deutlich auf, dass von ihm (noch) keine Wunderdinge zu erwarten sind. Ähnlich ist die Lage bei Ruud van Nistelrooy. Ich denke nicht, dass der Niederländer gegen die Eintracht von Beginn an spielen wird, sondern wieder über die Bank kommen muss. Ein Wort noch schnell zu Marcus Berg. Ich hatte geschrieben, dass der Schwede „blass blieb“. Recht habt Ihr, wenn Ihr ihm eine kämpferisch starke Leistung bescheinigt, er war tatsächlich viel unterwegs, hat enorm geackert. Nur, das war sein Manko an diesem Abend, nach vorne hat er kaum etwas bis nichts bewegen können. Daran habe ich ihn gemessen.

Eine andere, meine ganz persönliche Frage, die ich mir stelle: Was geschieht nun mit Piotr Trochowski? Der Nationalspieler wäre, im Gegensatz zu Ze Roberto, voll im Saft. Aber er scheint im Moment nicht die Lobby beim Trainer(team) zu haben. Obwohl Bruno Labbadia sagt: „Wir wollen ihn eigentlich noch rein bringen, er sollte noch einmal Druck in unser Spiel bringen.“ Aber dann waren andere Wechsel vorrangig. Und Labbadia sagt generell über „Troche“: „Ich weiß, dass wir ihn brauchen. Wenn er seine Qualitäten zeigt, die er zweifellos hat, die er aber momentan leider im Spiel nie so ganz auf den Platz bringt, wenn er die zeigt, dann würde er uns auch weiterhelfen.“

Der Trainer weiß, dass Trochowski zurzeit ein Härtefall ist, aber Labbadia sagt auch: „Es gehört dazu, wenn man einen so großen und guten Kader hat, dass auch Spieler seines Kalibers mal draußen sitzen. Das ist das, wo wir hinkommen müssen, dass wir einfach 15, 16 Leute haben, die wir auch mal austauschen können – wenn einer mal nicht so gut drauf ist. Und es geht zudem auch darum, dass Robert Tesche seine Sache bei seinem Kurz-Einsatz in Stuttgart sehr gut gemacht hat.“ Außerdem hat, das ist bekannt, Piotr Trochowski ja auch gewisse Schwächen in der Defensive. Und auch deshalb entschied sich Labbadia gegen den Dribbelkünstler: „Es musste gegen Eindhoven ja nicht nur nach vorne gedacht werde, sondern die Null musste stehen, und das war uns wichtig. Deswegen ging diese Entscheidung nicht gegen Trochowski, sondern war eine Entscheidung für Tesche, der beides kann, defensiv wie offensiv.“ Spielt Trochowski nun gegen Frankfurt? Labbadia: „Das kann ich jetzt noch nicht sagen.“

So, das war es von meiner Seite zu den sportlichen Dingen, die den HSV zurzeit bewegen. Jetzt, erst jetzt beginne ich mit den Vorbereitungen auf unser heutiges Treffen. Bitter genug, aber es ließ sich nicht ändern. Ich hoffe darauf, möglichst viele von Euch zu sehen und kennen zu lernen, das Wetter spielt mit, ich freue mich auf den Abend mit Euch. Nachdem ich gestern schon verraten habe, dass Kult-Masseur Hermann Rieger dabei sein wird, kann ich nun auch einen weiteren Gast ankündigen: Bastian Reinhardt wird ebenfalls mit von der Partie sein. Carsten Kober kommt am späten Abend (so hat er es versprochen), aber es wird, so wie es jetzt aussieht, auch noch ein weiterer „Hochkaräter“ von Beginn an einlaufen. Und auch HSV-Vorstandsfrau Katja Kraus wird vorbeischauen. Der Beginn in der Raute ist um 19 Uhr, der Eintritt, das sei noch einmal erwähnt, ist immer noch frei, lediglich für den Museumsbesuch müsste pro Nase ein Euro gelöhnt werden.

Bis nachher!

14.32 Uhr