Tagesarchiv für den 15. Februar 2010

Ze Roberto ist eine Alternative

15. Februar 2010

Für diesen harten Winter war das Rekordbesuch: 200 Kiebitze verfolgten das Nachmittagstraining des HSV. Natürlich, es liegt auf der Hand, alle wollten sie ihn live und aus der Nähe sehen: Ruud van Nistelrooy. Wenn es wärmer wird, dann dürfte der kleine Trainingsplatz an der Arena ziemlich oft ein „ausverkauft“ melden, der Mann zieht die Massen an. Diesmal allerdings konnte „Van the man“ im Training nicht sonderlich glänzen oder auch nur Akzente setzen, er spielte in einer Truppe, die letztlich keine Chance gegen ihren Gegner hatte und hoch einging.

Bei dem Gewinner-Team beeindruckten vor allem David Jarolim (schoss einige Tore!) und der bewegliche und agile Piotr Trochowski. Natürlich, werden jetzt viele von Euch sagen, Trochowski der Trainingsweltmeister. Aber so ist es nun mal eben. Doch an diesem Nachmittag standen weder Jarolim noch „Troche“, auch nicht Tomas Rincon, der einige gute Szene hatte, im Blickpunkt, sondern Ze Roberto. Der Brasilianer war von Anfang bis Ende wieder mit von der Partie und deutete auf jeden Fall schon mal an, dass für eines der nächsten beiden Spiele mit ihm gerechnet werden muss. Ein Einsatz am Donnerstag im Europa-Legaue-Heimspiel gegen den PSV Eindhoven käme nach meinem Empfinden noch zu früh, deswegen denke ich, dass Ze am Sonnabend sein Comeback geben wird. Gegen Eintracht Frankfurt ist Jarolim gesperrt, von daher würde es optimal passen.

„Wir werden zunächst abwarten, wie Ze das Training übersteht, wir wollen die Intensität ständig steigern, so dass wir ihn bis Ende der Woche komplett eingliedern können“, sagt Co-Trainer Eddy Sözer über Ze Roberto. Das Trainergespann will genau beobachten, wie der Brasilianer die Zweikämpfe annimmt. Das sah am ersten Tag schon wieder ganz gut aus. Perfekt am Ball ist Ze Roberto ohnehin, das konnten alle Zuschauer ganz genau sehen, als die erste Übung anstand. Da ging es um das direkte Passspiel mit anschließendem Positionswechsel, und dabei hatte Ze Roberto nicht nur keinerlei Schwierigkeiten, er brillierte auch durch seine Leichtigkeit und durch seine Perfektion am Ball.

Mein Tipp: Der Brasilianer wird wohl erstmalig gegen Frankfurt spielen, Ruud van Nistelrooy dagegen könnte am Donnerstag wohl erstmalig von Beginn an stürmen. Es geht gegen seine Landsleute, da stünde der neue HSV-Torjäger besonders im Fokus. Und für den HSV gibt es in dieser Woche besonders zu bedenken: Erst gegen Eindhoven, dann 40 Stunden später gegen Frankfurt. Da könnte es ein gewisses Rotieren geben. Van Nistelrooy am Donnerstag in der Startelf, dann am Sonnabend wieder zunächst nur auf der Bank. Und bei Ze Roberto könnte es umgekehrt gehen.

„Unter Druck diese Leistung zu bringen, zu bestehen, der Mannschaft etwas zu geben – das war ein sehr wichtiger Impuls von ihm. Wir wissen um seine Fähigkeiten, er hat sie bestätigt, das zeigt seine Größe und seine Qualität, dass er sich auch unter Stress, unter Druck beweisen kann. Folgedessen ist er auch sehr, sehr gutes Vorbild für die jungen Spieler wie Tunay Torun und Marcus Berg“, lobte Sözer den Winter-Neuzugang van Nistelrooy noch einmal explizit. Ob van Nistelrooy schon von Anfang an beginnen kann, wollte Eddy Sözer nicht beantworten: „Das müssen wir die nächsten Tag noch abwarten. Er hat auf jeden Fall schon mal gezeigt, dass er jederzeit in die Mannschaft kommen kann, dass er keine Anlaufzeit benötigt. Und dass er sofort seine Chancen nutzen kann, das ist eine sehr gute Perspektive für uns.“

Auf jeden Fall hat Ruud van Nistelrooy seine erste 25 HSV-Minuten am Stück bestens überstanden, es gab danach keinerlei Beschwerden oder gar Schmerzen. Sözer: „Er hat diesen Auftritt nur genossen, die anschließende Medien-Arbeit dürfte ihm mehr Kraft gekostet haben, als dieser kurze Einsatz. Aber es ist schön zu sehen, wie ein Spieler wie er, der eine solche Größenordnung hat, sich so schnell in die Mannschaft eingegliedert hat. Das spricht für unser Team, das spricht aber auch für Ruud, der sehr offen ist und jedem entgegen geht.“

Ein besonderes Lob verteilte der Labbadia-Assistent dann noch an einen anderen HSV-Stürmer: Marcus Berg. Der Schwede knüpfte beim 3:1-Sieg in Stuttgart an die vorher bereits gezeigten guten Leistungen an und zeigte damit auch, dass er allgemein auf einem sehr guten Weg ist. Sözer: „Für Marcus hat es mich ganz besonders gefreut, dass er das Tor gemacht hat. Dass er mal wieder treffen würde, war abzusehen, denn er hat in den Spielen zuvor schon gesehen, dass er viel arbeitet, dass er viele Bälle behauptet, dass er in die Räume startet – er hat sich mit dem schönen 1:0 selbst belohnt.“

Erfreulich für den HSV: Nicht nur Ze Roberto trainierte wieder mit, auch Mladen Petric (Wade) und Jerome Boateng (Knöchel) waren wieder dabei – und hielten bis zum Ende durch. Mit beiden Spielern kann Trainer Bruno Labbadia sicher planen – auch für die beiden Spiele in dieser Woche. Boateng war zwar beim Trainingsspiel mit Robert Tesche zusammengeprallt, doch nach einer ganz kurzen Pause und kurzzeitigem Humpeln war dieser Zwischenfall auch bereits wieder abgehakt.

Drei kleine Probleme gibt es beim HSV dennoch bis zum Donnerstag zu beheben: Torwart Frank Rost erschien nicht zum Training auf dem Rasen, er blieb in den Katakomben der Arena, wie auch Dennis Aogo (Rückenschmerzen, die in den Oberschenkel ausstrahlen) und Eljero Elia, dessen Knöchelverletzung (aus dem Mainz-Spiel) immer noch Schmerzen verursacht. Von einem Einsatz der beiden Feldspieler gegen Eindhoven würde ich im Moment nicht ausgehen wollen, bei Rost bin ich absolut sicher, dass er gegen Eindhoven spielen wird.

Guter Aspekt am Rande: Collin Benjamin könnte nach seinem Kreuzbandriss bald wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, möglich ist sogar schon die kommende Woche. Das HSV-Lazarett scheint sich ganz allmählich zu lichten.

„Unser erster Fokus liegt in dieser Woche eindeutig auf Eindhoven“, sagt Eddy Sözer. Frankfurt wird zunächst nach hinten verdrängt, erst soll der Grundstein für das Weiterkommen in der Europa League in Hamburg gelegt werden. Der Co-Trainer sah den PSV kürzlich 3:0 im Heimspiel gegen NEC Nijmegen siegen und berichtete: „PSV-Trainer Fred Rutten lässt ein 4:2:3:1-System spielen, sehr geordnet, sehr diszipliniert, voller Laufbereitschaft, das Team hat eine große Stärke im Umschalten von Abwehr auf Angriff – das wird ein sehr, sehr harter Gegner für uns.“

Da ist auch der zwölfte Mann gefragt. Es gibt noch Karten für Donnerstag – und es könnte ja durchaus sein, dass Ruud van Nistelrooy erstmalig von Beginn an dabei sein.

17.40 Uhr