Tagesarchiv für den 13. Februar 2010

Sensationell, dieser van Nistelrooy!

13. Februar 2010

Was für ein Tag in der HSV-Geschichte, dieser 13. Februar 2010! Ruud van Nistelrooy kam, sah, traf doppelt und der vierte Auswärtssieg der Saison war perfekt. Der in der 65. Minute beim Stande von 1:1 eingewechselte Niederländer sorgte mit seinen Toren innerhalb von Sekunden für den 3:1-Erfolg beim VfB Stuttgart – es darf an der Elbe weiter von der Champions League geträumt werden. Auch, weil Torwart Frank Rost einen waren Schokoladen-Tag erwischt hatte, der Keeper legte überragende 90 Minuten auf den Stuttgarter Rasen. Trainer Bruno Labbadia lief beim Schlusspfiff überglücklich auf das Spielfeld und gratulierte jedem seiner Spieler – besonders natürlich Ruud van Nistelrooy.

Eine personelle Änderung gab es beim HSV gegenüber dem 3:3 in Köln. Bruno Labbadia musste den verletzten Eljero Elia ersetzen, der Trainer schickte – erwartungsgemäß – Piotr Trochowski auf den Rasen. Das HSV-Team wurde dazu mit markigen Worten in diese Partie geschickt. Labbadia sagte vor dem Anpfiff: „Wir haben großes Vertrauen in diese Mannschaft, sieht ist vom Charakter her sehr, sehr gut.“ Zudem befand der Coach: „Wir denken ohnehin sehr, sehr positiv, wir lassen uns von Dingen, die von außen kommen, nicht beeinflussen.“ Etwas anders hatte es HSV-Boss Bernd Hoffmann schon in der Woche formuliert, als er die Spieler „aufmunterte“: „Reißt euch zusammen.“

Gesagt, getan, gehorcht. Der HSV begann couragiert. Zehn Minuten, dann fanden die Stuttgarter besser ins Spiel. Dennoch ging Hamburg – etwas überraschend – in Führung. Ein langer Pass von Guy Demel ins Zentrum der VfB-Defensive, wo sich Tasci und Delpierre wie Anfänger düpieren ließen, Marcus Berg schaltete schnell und schoss den Ball aus 15 Metern ins Tor (23.), das vierte Bundesliga-Tor des Schweden.

Ein großartiger Auftakt, der aber beeinträchtigt wurde von der frühen Verletzung, die Dennis Aogo zur Aufgabe zwang. Labbadia wechselte mutig aus: Tunay Torun kam ins linke Mittelfeld, Marcell Jansen rückte auf die Aogo-Position zurück. Ich hätte es anders gemacht, hätte Piotr Trochowski auf links gestellt, Torun nach rechts, aber ob es idealer und besser gewesen wäre? Hypothetisch.

Auf jeden Fall war die HSV-Defensive fortan sehr anfällig. Demel rechts hatte in Sachen Defensivverhalten erneut einen rabenschwarzen Tag erwischt, Trochowski vor ihm erging es nicht anders, und links erwies sich Torun zunächst als Achillesferse. Es ging nur deshalb gut, weil Frank Rost einen überragenden Tag erwischt hatte. Der HSV-Keeper rettete mit großartigen Reflexen gegen Molinaro( 26.), Khedira (38.) und Marica (42.). Dazu erwies sich der Unparteiische Deniz Aytekin keineswegs als Heimschiedsrichter, denn zwei Elfmeter reife Situationen pfiff er nicht. Pogrebnyak, ein Baum von einem Mann, ließ sich zu theatralisch fallen. Ich hätte da auch nicht auf Elfmeter entschieden.

Der HSV hatte noch zweimal die Möglichkeit, auf 2:0 zu erhöhen. Trochowskis 18-Meter-Schuss hielt Lehmann glänzend (30.), ebenso zeigte sich der VfB-Keeper auf der Höhe, als Berg allein vor ihm auftauchte (40.). Aber zur Pause hieß es 0:1.

Es war zu erwarten, dass im zweiten Durchgang der VfB auf das Tempo drücken würde. Und nicht nur das. Träsch erzielte den verdienten Ausgleich. Wieder lief der Stuttgarter Angriff über die schwache rechte Hamburger Seite, ein Rückpass, den David Jarolim verpasste – Tor (55.). Der Anfang vom Ende?

Berg hätte kontern können, doch sein Heber über Lehmann verfehlte weit das Ziel (60.). Dann aber schlug die große Stunde von Bruno Labbadia. Der HSV-Coach wechselte in der 65. Minute (!) doppelt. Trochowski und Mladen Petric raus, Robert Tesche und Ruud van Nistelrooy kamen auf den Rasen. Nie wieder werde ich Labbadia wegen eines verpassten Wechsels kritisieren, denn: Diesmal passte alles. Labbadia hatte ein goldenes Händchen, ein doppelt goldenes Händchen.

Tesche stärke die rechte Defensive, und er bereitete dann auch noch zwei Tore vor. Nach einem Freistoß von der Mittellinie, den David Rozehnal weit in Richtung VfB-Tor drosch, verlängerte Tesche per Kopf in den Lauf von van Nistelrooy, und der machte mit links in mit seiner dritten Ballberührung in diesem Spiel sein erstes Bundesliga-Tor. Es war exakt nach 74 Minuten und 33 Sekunden, als der Ball im Stuttgarter Tor lag.

Doch das war noch nicht alles. Die Van-Nistelrooy-Gala nahm Formen an. Eine Minute und 27 Sekunden später schoss der Niederländer das 3:1 für sein Hamburger Team. Berg zu Tesche, Tesche zu Berg, der zu van Nistelrooy – Tor (76.). Die Erlösung! Was für ein Einstand. So spielt man mit Studenten. Die Stuttgarter schienen den Weltstar nicht so richtig auf der Rechnung gehabt zu haben.

Was nach diesem Tor auf der Hamburger Bank passierte, das war sensationell. Alles stürmte auf van Nistelrooy ein, einen solchen hanseatischen Jubel habe ich noch nie erlebt, das war Weltklasse. Und zeugt von der guten Stimmung in der Mannschaft. Alle wollten „ihren Ruud“ einmal umarmen, und alle durften sie auch. Und der so Geherzte ertrug alle Liebkosungen mit der Gelassenheit eines Weltstars. Hut ab, Ruud van Nistelrooy! Allen Zweiflern hat der 33-jährige Niederländer die richtige Antwort gegeben. In Zukunft werden alle HSV-Gegner zittern, wenn sich van Nistelrooy von der Bank erhebt.

Zudem positiv: Der HSV führte, wie schon in Köln, 3:1. Diesmal aber brannte nichts mehr an. Der VfB schien resigniert zu haben.

„Das ist phantastisch, so ins Spiel zu kommen, ich bin bei 1:1 auf den Platz gekommen und habe versucht, gleich ein Tor zu machen, weil ich gewinnen wollte“, sagte van Nistelrooy, der anfügte: „Ich war schon beim Warmlaufen motiviert, ich hatte mir gedacht, dass ich noch ein Tor machen werde. Dass es zwei Treffer geworden sind, ist natürlich super.“

Von diesem Einstand werden die HSV-Fans noch ihren Enkeln erzählen. „Van the man“ verzaubert Hamburg.

Die weiteren Pluspunkte der Hamburger: Beide „Sechser“ erfüllten ihre Aufgaben fast fehlerfrei (Jarolim sah allerdings beim 1:1 nicht ganz so gut aus). Tomas Rincon kann offensiv sicher noch etwas mehr, aber defensiv erkämpfte er sich viele Bälle. Wie auch Jarolim, der zudem gefiel, wenn er Ruhe in das Spiel brachte. Das war eine Klasse-Partie des Tschechen. Auch sein Landsmann, David Rozehnal, konnte zunehmend gefallen, wobei beide Innenverteidiger ständig zulegten, denn auch Joris Mathijsen stabilisierte sich von Minute zu Minute.

Vorne überzeugte erneut Marcus Berg (neben einem leicht angeschlagenen Mladen Petric) nicht nur wegen seines Tores, sondern wegen seines Eifers, seines großen Pensums. Der Schwede hielt einige Male gekonnt die Bälle, er lief viel, kämpfte, es sah so aus, als wolle er sein Tor verteidigen, damit es wenigstens zu einem Punkt reicht. Ein Wort zu Marcell Jansen. Als er zurück musste, da war von dem Feuerwerk, das es sonst auf der linken Seite des HSV zu sehen gibt, nicht mehr viel erkennbar. Immerhin hatte der Nationalspieler seine Defensive ganz gut im Griff.

Bester Hamburger aber war, eindeutig, Frank Rost. Er muss der Torwart des Wochenendes werden, dass der HSV überhaupt noch um den Sieg spielen konnte, das war allein dem Routinier zwischen den Pfosten zu verdanken. Hervorragend, Frank Rost!

Kompliment übrigens an alle, die an diesen Auswärtssieg geglaubt haben, es waren mehr als sonst – Ihr habt mit Eurem großen Optimismus genau richtig gelegen.

Nur der HSV!