Tagesarchiv für den 12. Februar 2010

Van Nistelrooys Premiere rückt näher

12. Februar 2010

Ich bin heute ziemlich spät dran. Entschuldigt das bitte, aber auf Hamburgs Straßen ging nicht viel, und das lag nicht nur an den paar Schneeflöckchen, die mal wieder vom Himmel rieselten. Dafür ging beim Training ja umso mehr, das hat mir mein Kollege Christian Pletz berichtet – vor allem in Sachen Spaß und Fußball. Trainer Bruno Labbadia bat seine Profis zum Duell „Alt gegen Jung“ zu seinem berühmt-berüchtigten und vor allem sehr beliebten „Ball aus der Luft“-Spiel. Für alle diejenigen, die es noch nicht kennen und auch nicht alle Kommentare zum letzten Blog-Eintrag gelesen haben, hier noch einmal schnell die Regeln und den Ablauf: Zwei Mannschaften werden eingeteilt. Diesmal eben die „Alten“ gegen die „Jungen“. Ein Junger steht im Tor (muss kein Torwart sein). Ein Alter wirft einem Alten einen Ball in ein abgestecktes Viereck etwa elf bis 15 Meter vorm Tor zu, den dieser dann per Kopfball versenken soll. Trifft er, stets 1:0 für alt. Nach seinem Versuch muss er blitzschnell umschalten und ins Tor gehen, denn dann ist der Alte Torwart, und die Jungen können ihrerseits einen Treffer erzielen. Ein Spiel endet bei zehn Toren für ein Team. Und alles geht rasend schnell, mit vielen kleinen Verbalattacken, Fehden, Kritik für den Co-Trainer und Schiedsrichter Eddy Sözer. Die Alten wurden diesmal  deklassiert. Bei fünf verschiedenen Aus-der-Luft-Varianten siegten die Jungspunde mit ihrem „Kopf“ Dennis Aogo 4:1 und ließen es sich am Ende nicht nehmen, einen Freudentanz im Kreise darzubieten. Die Alten mit einem herausragenden Schützen Ze Roberto (nur Kopfbälle lagen ihm nicht) und einem gelegentlich leicht indisponierten Torwarttrainer Claus Reitmaier (vergaß zweimal nach dem Abschluss ins Tor zu eilen) schauten bedröppelt drein.

Stimmungstechnisch geht es also durchweg positiv nach Stuttgart, und daran ändern auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Eljero Elia und Jerome Boateng (beide Sprunggelenkprobleme) nichts. Ich bin zwar kein Mediziner, aber wenn ich Elias Auftritte der vergangenen Wochen so betrachte und sie Revue passieren lasse, dann werde ich mehr und mehr den Eindruck nicht los, als ob er in den vergangenen Wochen gelegentlich mit leicht „angezogener Handbremse“ aufgelaufen ist, weil ihn vielleicht immer noch etwas gezwickt hat im lädierten Knöchel – und er gar nicht wie gewohnt den Turbo durchstarten konnte.

Eines ist jedenfalls ganz sicher: Piotr Trochowski wird morgen von Anfang an dabei sein. Er zeigte sich in den vergangenen Tagen in guter Verfassung und war beim Abschlusstraining der Mann für die Freistöße. Ich habe Bruno Labbadia bei den Hereingaben genau beobachten lassen. Entgegen vieler anderer Trainingseinheiten hat der Trainer diesmal vor allem die Verhaltensweisen der Verteidiger, deren Stellungsspiel und Kontaktbereitschaft zum Gegner unter die Lupe genommen. Das dürften die Folgen des Köln-Spiels gewesen sein. Solche „Windeier“ will sich Labbadia nicht noch einmal einschenken lassen.

Und noch etwas finde ich bemerkenswert. Zu Beginn der Trainingseinheit, als die meisten Spieler beim Fünf-gegen-zwei oder Olé-Spiel jauchzten, unterhielt sich Labbadia bestimmt acht Minuten lang abgeschieden mit Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer, der im Training wirklich kaum bis gar nicht auffällt (weder positiv noch negativ), zeigte dem Coach gestenreich einige seiner Vorstellungen von Anspielen im und am Strafraum. Der Trainer hörte aufmerksam zu und schien ihm auch seine Angriffsphilosophie detailliert zu erläutern.

„Bahnt sich da etwa eine Überraschung an?“, dachte ich bei mir im ersten Telefonat mit meinem Kollegen und hatte diesen Gedanken fast schon vergessen, bis van Nistelrooy im Abschluss-Spiel plötzlich neben Mladen Petric auftauchte – und Marcus Berg in der gegnerischen Mannschaft. Allerdings, das muss ich zugeben, spielten nicht Elf gegen Elf, daher kann van Nistelrooys Rolle auch nur ein weiterer Schritt zur Eingliederung gewesen sein. Denn wie soll der Niederländer zum Stammspieler werden und sein Startelf-Debüt feiern, wenn er dauerhaft neben Regionalliga-Spielern und Reservisten aufläuft und nie die Verhaltensweisen der Stammkräfte hautnah erlebt?

Weil es ja fast schon Tradition hat, werde ich mich jetzt auf eine Startformation für Stuttgart festlegen, aus Prinzip (und wider besseren Wissens) mal mit van Nistelrooy im Angriff: Rost – Demel, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Jarolim, Rincon, Jansen – Petric, van Nistelrooy. Was mir mein Gefühl für das Endergebnis sagt, ist eigentlich unerheblich. Ich weiß, dass die meisten Experten von einem weiteren Sieg des VfB ausgehen. Und ich weiß auch, dass der HSV in Stuttgart schon jede Menge richtig schlechte Partien abgeliefert hat. Aber ich weiß auch, dass die Schwaben defensiv anfällig sind. Also: 1:1.

Dass angesichts der Tabellenlage sogar ein Remis beim VfB eigentlich zu wenig wäre, um den Abstand zu den Topplatzierten nicht noch weiter wachsen zu lassen, ist mir klar. Aber wie das Phrasenschwein ja schon oft genug gehört hat (und dafür gefüttert wurde): Ist ja kein Wunschkonzert hier. Ich melde mich morgen wieder bei Euch. Schönes Wochenende schon mal im Voraus.

PS: Ich bin gestern wohlbehalten aus München zurückgekehrt.

18:25 Uhr