Tagesarchiv für den 11. Februar 2010

Zwei brachen ab, zwei fehlten

11. Februar 2010

Die Lust auf das Spiel in Stuttgart wächst, aber ganz sorgenfrei kann man als HSV-Begleiter in diesen Tagen auch nicht sein. Glücklicherweise dreht sich heute rund um die Nordbank-Arena alles nur um ein Thema: Urs Siegenthaler. Die Verpflichtung des neuen HSV-Sportchefs sorgt für regen Diskussionsstoff in und um Hamburg. Ein Freund und glühender HSV aus dem Ruhrpott rief mich an und fragte: „Dieter, der Siegenthaler soll ja wirklich ein gutes Auge für Talente und auch gute Drähte in die Welt haben, aber das macht ihn doch noch lange nicht zum Sportchefkandidaten. Wie soll der denn mit den abgezockten Beratern und Profis Millionenverträge einfädeln und eintüten?“

Ich konnte meinen Freund beruhigen. Wie so oft im Leben, hatte er nur die Nachricht „Siegenthaler neuer HSV-Sportchef“ gehört und gedanklich eine Eins-zu-eins-Nachfolge von Dietmar Beiersdorfer vollzogen. Dass Urs kein zweiter Didi wird, es gar nicht werden kann, steht aber außer Frage. Es soll doch vielmehr so laufen, dass Siegenthaler in Kooperation mit Trainer Bruno Labbadia neue Leute sportlich bewerten und überzeugen soll, dass sie beim HSV richtig aufgehoben sind und wären – den finanziellen Part werden dann wie zuletzt Klubboss Bernd Hoffmann und Vorstandsfrau Katja Kraus (auch in der nicht unwichtigen kommunikativen Funktion und Vermittlungsrolle) übernehmen. Das leuchtete meinem Kumpel dann auch ein, so dass er am Ende nur noch über den Schalker Pokalsieg und das erschütternde Halbfinal-Los von Werder Bremen (gegen Augsburg) klagte. Da konnte ich ihm dann nicht mehr behilflich sein.

Die Trainingseinheit heute Morgen bei Nasenspitzen-Abfrier-Temperaturen um gefühlte minus zehn Grad stand ebenfalls im Banne der Siegenthaler-Nachricht. Und das war auch gut so, sonst hätte manch Trainingskiebitz den Heimweg wohl mit einem grässlichen Grummeln im Bauch angetreten. Warum? Ganz einfach, weil die personellen Rückschlüsse aus der Einheit gen null tendierten. Der Reihe nach:

Torwart Frank Rost fehlte komplett, weil er sich einen Nerv eingeklemmt hatte und mit ziemlichen Nackenproblemen zu kämpfen hatte. Labbadia und Kollegen erwarten „Fäustel“ aber morgen zurück zwischen den Pfosten. Einsatzwahrscheinlichkeit in Stuttgart: 90 Prozent.

Zé Roberto war auch nicht dabei, obwohl der Brasilianer eigentlich für seine erste Einheit mit den Kollegen vorgesehen war. Grund: Er steigt erst morgen in die Übungen mit seinen Kollegen ein und soll nächste Woche voll beim Mannschaftstraining mitwirken. Sein Einsatz in Stuttgart ist ausgeschlossen, auf der Ersatzbank wird der Mittelfeldmann auch nicht sitzen.

Dennis Aogo griff sich während des taktisch geprägten und leicht eingefroreren Trainingsspiels etwa nach der Hälfte hinten an den Oberschenkel und stapfte nach kurzer Behandlung durch Physiotherapeut Uwe Eplinius vom Platz in die Kabine. Labbadia ist trotzdem optimistisch, dass es bis zum Spiel beim VfB etwas wird.

Jerome Boateng, der eigentlich problemlos mit den Kollegen mitgemischt hatte, saß nach einem Vorstoß fünf Minuten vor dem Spielende plötzlich hinter der Torauslinie und kühlte den lädierten Knöchel – er brach die Einheit wegen erneuter Schmerzen auch ab.

Als sich dann auch noch Mladen Petric an den Knöchel griff und ein paar Schritte humpelte, senkte sich sogar Labbadias Blick merklich. Doch der Kroate biss auf die Zähne und machte bis zum Ende weiter.

Als Erkenntnis nach der knapp 90-minütigen Fußball-Einheit – alle Übungen mit Ball auf dem neuen, sehr guten Rollrasen – blieb den Zuschauern nur der Aspekt, dass Eljero Elia bis zum Abschied Aogos in der B-Elf stand (dafür Piotr Trochowski im A-Kader) und auf der rechten Seite verkümmerte wie in den vergangenen Wochen. Er traf später zwar – aber da stand „Eli“ nach Aogos Abgang eben auch in der A-Elf und durfte Marcell Jansens Part links offensiv übernehmen und wirkte prompt wie beflügelt.
Ach ja, und dann wäre da noch Ruud van Nistelrooy. Immer wieder werde ich gefragt, wie sich der neue Superstar denn macht, ob er in Stuttgart von Beginn an aufläuft, ob er im Training reihenweise „Buden“ macht. Ich will ehrlich sein: Van Nistelrooy fällt in den Einheiten kaum auf. Er ist nicht sonderlich beweglich, ist keine Kämpfernatur wie Tunay Torun und auch kein „Zauberer“ wie Petric. Aber sobald er in Strafraumnähe oder darin den Ball zugespielt bekommt, wird offenbar sein Torhunger geweckt. Dann gibt er kaum einen Ball verloren, verschafft sich mit Herz und Seeler (und noch mehr Körpereinsatz) Platz und sucht den sofortigen Abschluss. Vorerst, so glaube ich, wird er dennoch weiter auf der Bank sitzen und über Kurzeinsätze kommen müssen. Ich bin aber jetzt schon gespannt, was mit van Nistelrooy passiert, sobald er seinen ersten Treffer markiert hat. Ich könnte mir vorstellen, dass er dann eine Art Leistungsexplosion demonstriert. Heute im Training blieb ihm diese allerdings mangels Torerfolg verwehrt.

Ich möchte aber auch nicht zu denjenigen gehören, die jetzt schon losnörgeln und „Van the man“ kritisieren. Der Holländer war lange verletzt, hatte kaum Spiel- und Wettkampfpraxis. Das dauert eben.

14:00 Uhr