Tagesarchiv für den 6. Februar 2010

3:3 – das war der Wahnsinn!

6. Februar 2010

 

Das war bitter. 3:1 beim 1. FC Köln geführt, es ging nur noch um die Frage der Höhe des Sieges, und dann doch nur ein 3:3. Wie konnte das geschehen? Ein Wahnsinn! Wieder einmal ein verschenkter Sieg des HSV, der über weite Strecken besser war, aber es versäumte, rechtzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Und der es nicht schaffte, Ruhe in dieses Spiel zu bekommen. Ein abgefälschter Schuss von Chihi sorgte in der 88. Minute noch für ein 3:3, das von den Kölnern wie ein Sieg gefeiert wurde. Die HSV-Spieler dagegen gingen mit hängenden Köpfen in die Kabine. Die Chance auf Platz drei – von mehr ist ja gar keine Rede mehr – wurde wieder einmal vertan, so geht es nur darum, unter die ersten fünf zu kommen. Wahnsinn! Aber so ist Fußball! 

Die Frühstarter waren wieder unterwegs. Bereist in der ersten Minute legte David Jarolim den Ball von der Torauslinie zurück an die Strafraumgrenze, dort hatte Eljero Elia freie Schussbahn – und trat am Ball vorbei. 60 Sekunden später aber lag der Ball dann doch im Kölner Netz. Mladen Petric, der trotz eines Kapselanrisses im rechten Knie spielen konnte (er wurde vor dem Spiel getestet), schoss mit rechts, eigentlich nicht besonders gefährlich, aber Kölns Torwart Mandragon machte noch etwas aus diesem Schuss. Der Ball prallte ab, Marcell Jansen setzte nach und schoss auch mit rechts. Was heißt schoss? Er streichelte die Kugel über die Linie. Am liebsten hätte ich eine ganze Bäckerei hinter diesem Ball her geworfen, damit er nicht vor der Linie verhungert. Passierte zum Glück für Hamburg nicht.

Perfekter Start. Und der HSV gab weiter Gas, spielte überlegen, drückte, spielte schwungvoll. Und hatte in der 7. Minute das 2:0 auf dem Fuß. In Person von Marcus Berg. Guy Demel, der auf mich so wirkt, als hätte er einige Kilos verloren (gab es beim Afrika-Cup nichts zu essen?) schickte Berg, der kreuzte allein vor dem FC-Tor auf, doch der anschließende Schuss verfehlte sein Ziel, der Ball strich am langen Eck vorbei.

Der HSV machte zu diesem Zeitpunkt richtig Spaß. Bis auf Elia, der krass abfiel, waren alle bei der Sache, sprühten vor Spiellust, waren konzentriert und engagiert. Auffällig gut, wie Kapitän Jarolim antizipierte, er hat einen besonderen Blick dafür entwickelt, wie er dem Gegner den Ball abluchsen kann: Unmittelbar nach der Ballannahme (in diesem Fall eines Kölners) schnappt er zu, wenn der Gegenspieler die Kugel nicht unbedingt perfekt am Fuß hat. Der zweite Versuch, den Ball zu kontrollieren, der ist dann zu viel, weil „Jaro“ zur Stelle ist und – und ab geht die Post!

Sehr gut gefiel mir auch der zweite Eckstoß des HSV. Dennis Aogo von rechts, alles wartete in der Mitte auf den Ball, der wurde aber zurück auf Demel gelegt, und der flankte dann aus dem Halbfeld – wurde gefährlich.

Halb gefährlich jedenfalls. Am langen Pfosten spielte Berg dann wieder einmal unsauber (Ihr hattet es zuletzt angemerkt!), abgepfiffen, Chance vertan. Der Schwede leistet sich in der Tat zu viele kleine Unsauberkeiten, die abgepfiffen werden, und fatal ist dabei: Er hätte es gar nicht nötig.

Schmerzlich vermisst habe ich Piotr Trochowski, der neben Ruud van Nistelrooy auf der Bank saß. Dabei hatte ihn der Trainer in der Woche noch gelobt, ob seiner Reaktion nach der Verbannung gegen Wolfsburg. Und dann durfte Elia wieder einmal zeigen, dass er auf rechts keine große Lust hat. Obwohl? Rechts war Elia die wenigste Zeit. Er lief eigentlich immer frühzeitig in die Mitte. Und: Nichts gelang dem Niederländer dabei, nichts – aber er durfte zur zweiten Halbzeit wieder auf den Rasen – statt unter die Dusche.

Mitte des ersten Durchgangs übrigens ließ der HSV etwas nach, spielte ein wenig zu lässig, vielleicht auch zu pomadig. Prompt hatte Köln eine riesige Chance, doch Frank Rost rettete zweimal riesig gegen den Kölner Freis, der frei vor ihm aufgekreuzt war.

Ein Wort schon in dieser Phase zu Schiedsrichter Michael Weiner. Er beging keine großen Fehler, aber was mich sehr störte, das waren seine Nachlässigkeiten in Sachen Tatortbestimmung. Oft zeigte er den Kölnern genau, wo sie den Ball bei einem Freistoß hinzulegen hätten, aber die störte das in keiner Weise. Sie rollten die Kugel dorthin, wo sie sie haben wollten, und der Unparteiische blickte zur Seite. Schade. Wenn er konsequent gewesen wäre, dann hätten es die Kölner vielleicht frühzeitig begriffen, was Sache ist.

In der 31. Minute hieß es 1:1. Wieder einmal ein Freistoß für Köln (davon gab es entschieden zu viele!), wieder einmal ein gefährlicher Ball zur Mitte (das, was der HSV nicht besonders gut kann!), und wie schon gegen Wolfsburg verlor Joris Mathijsen ein entscheidendes Duell. Momamad köpfte den Ball unhaltbar ein. Der Anfang vom Ende?

Nein, der HSV schlug zurück. In Person von Jansen. Der schoss ein wahres „Zauberding“ zur Mitte, schlenzte den Ball in den Rücken der Kölner Abwehr, dort lauerte Petric, und der bekam die Kugel zum Glück im zweiten Versuch unter Kontrolle. Den Rest erledigte er mit der Routine eines abgeklärten, fast schon abgebrühten Torjägers, indem er den Ball über Torwart Mondragon ins Tor lupfte (36.) – die erneute Führung. Ein Super-Tor, schon von der Entstehung her.

Im zweiten Durchgang wurde es dann richtig heiß im nicht so kalten Köln. Wieder ein Frühstart des HSV: Flanke Aogo, der ein richtig gutes Spiel absolvierte, und der Kölner Geromel bekam den Ball an die Hand. Weiner gab – völlig berechtigt – einen Strafstoß. Den verwandelte Petric trotz eines höchst ungewöhnlichen Störmanövers von Torwart Mondragon. Der lief aus seinem Tor, bis hinüber zur Trainerbank, um sich dort zu erkundigen, in welche Ecke Petric wohl schießen würde. Und, was besonders schlimm war, er durfte es! Das war schon kurios.

Danach wurde der Schiedsrichter unter Druck gesetzt („Schieber, Schieber“), aber der HSV kam ganz gewaltig. Jansen hätte die Partie frühzeitig entscheiden können. Einmal lief er frei auf das FC-Tor zu, ließ sich aber noch abdrängen, statt 1:4 nur Eckstoß (54.). Und als Jansen kurz darauf auch schon Torwart Mondragon ausgespielt hatte, „vergaß“ der erneut starke Mittelfeldspieler völlig, das Tor zu machen – das war fast schon dramatisch fahrlässig (63.). Es wäre der „Fangschuss“ für die Kölner gewesen.

So wurde es noch einmal munter. Ich muss zugeben: Köln ist für Schiedsrichter ein ganz, ganz heißes Pflaster, ich möchte hier kein einziges Spiel leiten müssen. Es sei denn, Köln ist der klare Favorit und liegt nach fünf Minuten mit 6:0 vorne. . .

Hier lag der FC aber zurück. Und in der 75. Minute nur noch 2:3. Wieder ein Freistoß, natürlich (für mich übrigens umstritten!). Und den schlenzte Novakovic aus 24 Metern ins Tor. In der Mauer sprang kein Hamburger hoch, der Ball flog knapp über den Kopf von Petric gen Tor, und Frank Rost stand für meine Begriffe zu weit links. Es rächte sich damit bitter, dass der HSV so viele „Hundertprozentige“ hatte liegen lassen.

In der 80.Minute kam Trochowski dann doch noch. Für Berg, nicht für Elia. Der rückte in die Spitze, „Troche“ blieb rechts. Und zwei Minuten vor Schluss sollte Ruud van Nistelrooy dann sein Debüt geben, aber vorher fiel das 3:3, als Chihi mit Glück ins HSV-Tor traf. Der “Ruud” durfte dann zwar doch noch für eine Minute, mit ihm Robert Tesche (raus Elia und der den Kopf schüttelnde Petric), aber diese Premiere hatte sich van Nistelrooy sicher auch ganz anders vorgestellt.

17:29 Uhr