Tagesarchiv für den 5. Februar 2010

Van Nistelrooy dabei – Boateng nicht

5. Februar 2010

Als sich Frank Rost mit schmerzverzerrtem Gesicht hinter sein Tor verzog, brach Bruno Labbadia das Trainingsspiel ab. Vorsichtshalber? Wenn ja, wäre es nur allzu verständlich gewesen, denn dieses Abschlusstraining hatte es in sich. Aber die gute Nachricht zuerst: Ruud van Nistelrooy ist am Sonnabend in Köln nun doch dabei. Und dann die Hiobsbotschaften: Ganz  schlimm hat es Jerome Boateng erwischt. Der Nationalspieler wurde von Marcell Jansen regelrecht umgesenst. Es war 13.38 Uhr in der Nordbank-Arena, als es diesen üblen Tritt gab. Der Ball war schon weg, als Jansen doch noch zulangte. Kein schönes Duell, die Trainingskiebitze in der Raute waren jedenfalls entsetzt. Boateng lag lange auf dem Rasen, wurde von Physiotherapeut Lukas Ditczyk behandelt. Als er Verteidiger endlich mit dick verbundenem Knöchel aufstand und einige Meter humpelte, musste das Golf-Car kommen, um den Abwehrspieler in die Kabine zu fahren. Das sah ganz übel aus, morgen soll eine Kernspintomographie Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben.

Damit nicht genug. Sekunden später wälzte sich auch Tunay Torun auf dem Rasen. Er war mit dem Ball am Fuß allein auf Torwart Frank Rost zugelaufen, es erfolgte der Schuss – und der Sturz. Nach einigen Sekunden aber berappelte sich der kleine Türke wieder und machte weiter. Allerdings: Er lief nach seiner Knieverletzung, die er am Vortag erlitten hatte, schon während des gesamten Trainings nicht „rund“. Immer wieder einmal humpelte Torun. Was mir dazu auffiel: Nicht ein Trainer erkundigte sich einmal bei ihm, wie es wirklich um ihn steht. So geht es wohl zu, wenn man Profi ist.

Mit von der Partie war auch Mladen Petric, der in der A-Mannschaft neben Marcus Berg stürmte. Zugegeben, es war nicht viel von Petric zu sehen, nur einmal lief er allein auf Wolfgang Hesl zu, doch der Keeper wehrte den Schuss ab. Ansonsten agierte der Stürmer auffällig unauffällig. Was seinen Grund hat, denn er leidet an einer schmerzhaften Verletzung: Kapselanriss im rechten Knie. Sein Einsatz soll nicht (arg) gefährdet sein, er hat eben „nur“ dauerhaft Schmerzen (seit dem Dortmund-Spiel). Vielleicht geht er mit einer Spritze, die ihm vorher verabreicht wird, in das Spiel beim 1. FC Köln.

Um Petric muss also noch gebangt werden, Boateng fällt definitiv aus, Torun dürfte nach meiner Einschätzung auch nie und nimmer bei 100 Prozent und damit keine Alternative für Bruno Labbadia sein. Der Trainer muss sich aber entscheiden: Mit Eljero Elia im rechten (!) Mittelfeld, und das will der Niederländer nicht so ganz gerne, oder mit Piotr Trochowski, der am Freitag in der B-Mannschaft spielte. Was für Trochowski spricht: Nach dem Training versammelten sich Labbadia, Co-Trainer Eddy Sözer und Elia am Anstoßkreis und debattierten einige Minuten lang – sehr intensiv. Das sah aus der Ferne, aus der Raute, so aus, als hielten die Trainer dem Niederländer eine kleine Standpauke. Die wäre auch angebracht, denn während der Einheiten am Donnerstag und am Freitag war von Elia nichts, aber auch wirklich nichts zu sehen. Ginge es nach meinen Beobachtungen beim Training, müsste eigentlich Trochowski spielen – aber abwarten.

Auf jeden Fall wird Guy Demel in der Anfangsformation stehen, er spielte an diesem Freitag von Beginn an in der A-Mannschaft, während Boateng bei den Reservisten in der Innenverteidigung seinen Posten einzunehmen hatte. Die Frage, ob Labbadia auch für Köln so entschieden hätte, bleibt nun aber – wie schade – unbeantwortet. Aber vielleicht hing das Reservistendasein Boatengs ja auch noch mit dem Wolfsburg-Spiel zusammen? Da nämlich signalisierte der Nationalspieler, dass er an Krämpfen leide und ausgewechselt werden wolle. Wobei die Frage erlaubt sein muss: Krämpfe?

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Handverletzung von Frank Rost nicht als gravierend entpuppt. Der Keeper wurde von Verteidiger-Talent Gerrit Pressel, der allein auf das Tor zugelaufen war, regelrecht abgeschossen. Das Tor war so breit, aber Pressel drosch die Kugel genau auf den Torwart – und der wusste im ersten Moment nicht wohin mit seinen Schmerzen. Deshalb flüchtete er hinter sein Tor. . .

Kleine Notiz am Rande: Nach einer halben Stunde des Trainings sprach Bruno Labbadia mit den Talenten Christian Groß, Hanno Behrens und Maximilian Beister und schickte sie danach an den Rand des Platzes. Dort absolvierten die Spieler der Zweiten dann eine Sonderschicht mit Technik-Trainer Ricardo Moniz. Das hatte aber vielleicht auch nur damit etwas zu tun, dass Bruno Labbadia später in der Arena elf gegen elf spielen lassen wollte.

Bei allen Hiobsbotschaften bleibt aber die erfreuliche Nachricht, dass Ruud van Nistelrooy in Köln dabei sein wird. Schießen kann er schon wieder so wie früher, das zeigte er wiederum nach dem Trainingsende gegen Wolfgang Hesl – und vielleicht zeigt es der Ruud dann ja auch schon einmal in Müngersdorf.

16.38 Uhr