Tagesarchiv für den 4. Februar 2010

Wahrscheinlich ohne van Nistelrooy

4. Februar 2010

Bruno Labbadia wollte zu Beginn der Pressekonferenz nicht lange drum herum reden: Ruud van Nistelrooy wird in Köln nicht spielen. Die Begründung des Trainers: „Wir wollen diese zwei, drei Tage noch einmal nutzen, er soll in Hamburg intensiv trainieren. Ruud sieht es ähnlich, ich habe mit ihm gesprochen. Er hat nun drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft hinter sich, das Wochenende wird ihm sicher noch einmal gut tun und ihn voran bringen.“ Allerdings sagte Labbadia auch: „Es gibt aber noch eine kleine Einschränkung, denn Tunay Torun hat sich gegen Ende des Trainings verletzt. Sollte er ausfallen, dann wird Ruud doch mit nach Köln fahren.“ Torun stellt also van Nistelrooy auf.

Passiert war es gegen Ende des Trainingsspielchens. Ohne Fremdeinwirkung zog sich Torun die Verletzung im Knie zu. Er sagt: „Ich wollte den Ball mit dem Außenrist weiterspielen, plötzlich gab es einen Knacks – und ich hatte die Schmerzen.“ In der Kabine wurde er sofort untersucht, es ist nichts gerissen, es wird eine Zerrung oder Dehnung vermutet. Torun: „Ich glaube aber, dass ich am Freitag wieder trainieren kann.“ Dann wohl auch für Köln im Kader sein, oder? „In solchen Fällen muss man die Nacht abwarten, wie sich die Verletzung entwickelt“, sagt Labbadia, der mit van Nistelrooy ja nicht den schlechtesten „Ersatzmann“ parat hätte.

Beim Training erweckte der Niederländer noch nicht den Eindruck, dass er auch nur in der Nähe von 100 Prozent sei. Eher wirkte er beim Spiel fünf gegen fünf vor der Arena noch wie ein Fremdkörper, er hatte wenig Ballbesitz, lief der Musik oft hinterher. Und einmal prallte er sogar mit seinem eigenen Teamkollegen David Jarolim zusammen, der schreiend zu Boden stürzte. Auch van Nistelrooy lag auf dem Rasen, hatte sich aber schneller wieder berappelt. Labbadia sagte später zum körperlichen Zustand des Neueinkaufs: „Bei 100 Prozent wird Ruud van Nistelrooy in dieser Saison auch nicht mehr sein können, das geht gar nicht.“ Immerhin gefiel dem Trainer, dass sich der Niederländer, der nachmittags noch einmal zusätzlich in Sachen Ausdauer trainierte, fast schon rührend um seine (neuen) Kollegen kümmerte, sie motivierte, ihnen Tipps gab, sie aufmunterte. Der Weltstar als Teamplayer, das gibt Hoffnung auf ein Happy End.

Als die Mannschaft nach einer Stunde den Trainingsplatz verließ, um fortan in der Arena zu üben (die Spieleröffnung), stand van Nistelrooy in der B-Mannschaft. Übrigens gemeinsam mit Jerome Boateng und Piotr Trochowski. Auch auf dem größeren Feld hatte „Van the man“ dann kaum Ballberührungen, doch seine Mannschaft führte zu Pause 1:0. Eckstoß Trochowski, Kopfball Boateng – das sah sehr gut aus und wirkte wie einstudiert.

Beim Seitenwechsel tauschte Labbadia dann zwei Mann um: Trochowski kam für Eljero Elia in die A-Mannschaft, Boateng kam für Guy Demel. Und die Stamm-Elf gewann sogar noch. Trochowski schoss das 1:1, Marcus Berg das 2:1. Und fest hätte sogar noch ein Traumtor von Trochowski gezählt, als der Mittelfeldspieler den Ball mit links aus 35 Metern über Wolfgang Hesl hinweg ins Tor geschossen hatte, aber zuvor war das Spiel schon durch einen Pfiff des Trainers unterbrochen worden. Trotz allem ein großartiger Kunstschuss.

Und gut möglich, dass „Troche“ sich damit in die Elf für Köln geschossen hat, denn Labbadia lobte den Dribbelkünstler später: „Ich habe jegliches Verständnis, dass er nach dem Wolfsburg-Spiel sauer war. Aber er geht auf den Platz, will sich helfen, der Mannschaft helfen – das ist schön, so soll es sein. Zu einer guten Mannschaft gehört ein gesunder Konkurrenzkampf, gehört auch, dass mal der eine oder andere Top-Spieler auf der Bank sitzt.“ Trochowski käme dann wohl für Elia ins Team. Der Niederländer riss sich bei diesem Training kein Bein aus, hatte kaum eine Szene. Das, obwohl er im Spielchen auf seiner Lieblingsposition, nämlich links, spielte. Und noch ein Wort zur Aufstellung für Sonnabend: David Rozehnal wird wohl in jedem Fall Innenverteidiger bleiben. Es scheint im Moment nur darum zu gehen, ob Demel rechts in der Viererkette steht, oder doch Boateng.

Bemerkenswert die Szenen nach dem Spiel-Ende. Frank Rost raste geradezu aus seinem Tor, sammelte die Hütchen (seitlich als Linienbegrenzung) ein, holte auch die im Schnee liegenden Bälle zurück, schob sein Tor ganz allein an den Spielfeldrand, lief auf die andere Seite, um auch dort die Hütchen einzusammeln. Diese Momentaufnahme dokumentiert, wie vorbildlich der Keeper seine Arbeit verrichtet. Die meisten Spieler waren zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg unter die Dusche . . . Diese Einstellung von Rost ist nur vorbildlich zu nennen, damit hat er weitere Pluspunkte gesammelt – ganz sicher bei mir. Und wohl auch bei Benno Hafas, der zu diesem Zeitpunkt staunend neben mir stand.

Übrigens: Paolo Guerrero kündigte im Kicker an, dass er bereits im März wieder für den HSV spielen wolle. Kommentar Bruno Labbadia: „Das hat uns alle sehr überrascht, denn davon sind wir noch weit entfernt. Es ist ganz einfach eine falsche Einschätzung, er hat bislang ja auch kaum etwas gemacht, hat ja nicht die Muskulatur dazu. Für uns ist es schade, denn wir haben den Druck aus dieser Geschichte genommen, und er bringt den Druck nun wieder rein.“ Zwei HSV-Physiotherapeuten waren bei Guerrero in Peru, einer bleibt jetzt noch in den nächsten Wochen bei ihm, um mit ihm zu trainieren. Labbadia: „Aber sehr sachte, man muss Paolo erst einmal wieder aufbauen. Und so hoffen wir, dass wir ihn allmählich wieder etwas weiterbringen können.“ Labbadia zog dann auch noch einen Vergleich zu Collin Benjamin, der ja 2009 auch einen Kreuzbandriss erlitten hatte: „Collin ist viel weiter als Paolo, mindestens zwei, drei Stufen.“ Und Benjamin wird vor März wohl kaum wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können. Also wird es mit Guerrero wohl noch bis kurz vor Saisonende dauern – mindestens.

Zum guten Schluss noch eine kleine Geschichte um einen großen Torjäger, die noch ein wenig mehr Mut machen soll: Als alle Spieler bereits in der Kabine waren, legte Co-Trainer Eddy Sözer ungefähr 20, 25 Bälle an die Mittellinie. In der Nähe stand Ruud van Nistelrooy, mit dem Rücken zu den Bällen, vor van Nistelrooy stand Wolfgang Hesl im Tor. Dann schickte Sözer jeden Ball steil Richtung Keeper, van Nistelrooy musste hinterher rennen und schießen. Und das tat er wirklich sensationell. Da war so mancher Strich dabei, links wie rechts Ginge es nach diesen Schüssen, müsste Labbadia den Torjäger eigentlich sofort mit nach Köln nehmen, aber darum geht es ja nicht nur. Dazu gehört eben auch körperlich Fitness, und die ist noch nicht gegeben. Aber vielleicht sorgt ja Tunay Torun durch seinen Ausfall (ungewollt) noch dafür, dass van Nistelrooy quasi als Strohhalm doch mit an den Rhein fährt. Trainieren könnte er schließlich ja auch dort ein wenig. Oder auch ein wenig mehr.

18.19 Uhr