Monatsarchiv für Februar 2010

Ade, du liebe Champions League

28. Februar 2010

Das musste nicht sein, aber so spielt er nun einmal, der coole FC Bayern! Der HSV verlor erstmalig ein Bundesliga-Spiel in der Allianz Arena, doch diese 0:1-Niederlage war unnötig. Zwar waren die Münchner vor allem in Halbzeit eins meistens leicht überlegen, aber richtig gute Einschussmöglichkeiten hatten sie nicht. Die hatte eher der HSV, einmal in Person von Piotr Trochowski, einmal in Person von Mladen Petric. Durch diese unglückliche Niederlage allerdings steht endgültig fest, dass der HSV keine Chance auf eine direkte Qualifikation für die Champions League mehr hat. Und wohl auch keine mehr auf Platz drei! Da lehne ich mich mal aus dem Fenster. Es kann jetzt nur noch darum gehen, um Rang vier oder fünf zu kämpfen, mehr bleibt nicht – leider!

Und: Zuerst fehlte das Glück, dann kam auch noch Pech hinzu, denn: Frank Rost schied zur Pause verletzt aus, wie es heißt, wird ein Ellenbogenbruch befürchtet. Das wäre natürlich eine große, eine riesige Katastrophe.

Zum Spiel: Mutig, mutig, Herr Labbadia! Aber auch gekonnt. Der HSV-Trainer hatte einige Überraschungen parat. Und er ließ bei den Bayern durchaus mit offensiven Figuren spielen, auch wenn der HSV natürlich oft in die Defensive gedrängt war. Die Maßnahme, Jerome Boateng links gegen Robben verteidigen zu lassen, war ein hervorragender Schachzug – weil klug gedacht. Natürlich, bevor hier wieder ein lauter Aufschrei durch den Blog geht: Robben hatte durchaus auch seine Szenen, die dem HSV auch hätten gefährlich werden können, aber ich gebe zu bedenken: Robben auszuschalten ist fast unmöglich. Und Boateng hat deswegen seine Sache durchaus gut bis sehr gut gemacht. Robben wechselte sogar (aus Verzweiflung?) einige Male auf die linke Angriffsseite. Die Labbadia-Idee, einen Rechtsfuß (statt Linksfuß Dennis Aogo) gegen den über rechts kommenden Linksfuß Robben zu stellen, ist nicht nur nachvollziehbar, ich nenne sie sogar auch ausdrücklich großartig.

Guy Demel auf rechts zu lassen, das war zudem auch enorm, sogar sehr enorm mutig vom Trainer. War das Labbadias Überzeugung? Oder war es die mangelnde Alternative? Egal: Demel rechtfertigte dieses Vertrauen, er wirkte diesmal sehr konzentriert – und was war von Ribery zu sehen? Nichts! Bis zur 78. Minute jedenfalls. Dann „eierte“ er Demel doch noch einmal aus und traf. Auch deshalb, weil der zur Pause eingewechselte Wolfgang Hesl nicht besonders gut aussah, denn der Ball aus 14 Metern geschossene Ball schlug in der kurzen, in der Torwartecke ein. Ganz bitter! Demel hätte Ribery vor dem Strafraum stellen müssen, er hätte auf jeden Fall den Schuss abblocken müssen (enger am Mann!), aber im Moment ist er eben nicht fehlerlos. Aber: Eine kleine Nebenrolle spielte bei diesem Treffer auch David Rozehnal, der Demel im Duell mit Ribery durchaus auch doppeln hätte können, doch der Tscheche zog es vor, im lufleeren Raum zu stehen – denn die Mitte, die er wohl (halbherzig) abdecken wollte, war durch Joris Mathijsen gesichert. Aber: Typisch FC Bayern, denn zu diesem Zeitpunkt ging eigentlich nicht mehr viel für sie – und die Fans pfiffen schon.

Zurück zur HSV-Taktik: Diesmal auf Tomas Rincon zu verzichten? Ich hatte es schon nach dem Eindhoven-Spiel angedeutet, Bruno Labbadia hatte offenbar dieselbe Idee. Das Mittelfeld des HSV hatte in dieser Formation ein „gutes Gesicht“. David Jarolim ackerte wieder einmal unglaublich, Ze Roberto eroberte einige Bälle, verteilte sie klug, hielt sie auch gekonnt – das sah schon wieder ganz gut aus. Und: Spielt Ze Roberto mit, dann, so habe ich das Gefühl, dann spielt auch Piotr Trochowski viel besser. Das (ehemalige?) „Sorgenkind“ war auch diesmal (wie schon in Eindhoven) ein Aktivposten des HSV, bot sich immer wieder an, dribbelte gekonnt, schoss einige Male gut und arbeitete auch die meiste Zeit sehr aufmerksam nach hinten. Ihm sah man es an, dass er disziplinierter spielen wollte als sonst. In Halbzeit eins notierte ich, weil ich extra mal auf Trochowski achten wollte, fünf sehr gute Szene, und drei schlechtere.

Eljero Elia wirkte gegenüber dem Eindhoven-Spiel deutlich verbessert, stellte Lahm vor einige unangenehme Duelle, aber der Niederländer tauchte dann auch immer mal wieder ab. Logisch, er kann einfach noch nicht die Kraft für volle 90 Minuten haben. Dennoch war er für mich okay. Ist Elia demnächst mal wieder bei 100 Prozent, dann ist er für mich der „Robben“ des HSV.

Ein kurzer Blick noch einmal zurück: Die Innenverteidigung stand, bis auf das Tor des Tages, wirklich prächtig. David Rozehnal erfüllte seine Defensivaufgabe – bis auf den einen Aussetzer – gut, Joris Mathijsen war ein ganz dicker Pluspunkt und spielte für mich fast fehlerlos.

Im Angriff, das bleibt leider auch diesmal festzuhalten, ging nicht viel. Marcus Berg hatte kämpferisch wieder einige gute Szenen, aber er hat sie eben nicht in Sachen Torgefahr. Und wenn er mal gefährlich vor dem Bayern-Tor auftauchte, dann machte er sich sein bis dahin gutes Spiel durch ein kleines, aber unübersehbares Foul zunichte. Schade für ihn. Und Mladen Petric, der angeschlagen in diese 90 Minuten ging, war ganz sicher nicht bei 100 Prozent. Das zeigte er uns ganz deutlich, als er in der 45. Minute (auf Vorlage von Berg) einen Ball, den er sonst eigentlich „tödlich“ versenkt, weit über das Bayern-Tor schoss.

Wobei ich die Schuld, dass es in München kein HSV-Tor gab, nicht allein bei Berg und Petric suche, beileibe nicht! In der zweiten Halbzeit fehlte mir das druckvollere Nachrücken des Mittelfeldes, um die beiden Angreifer noch besser zu unterstützen. Wäre da der HSV vor dem Strafraum der Bayern präsenter gewesen, dann wäre sicher auch ein Tor – oder sogar mehr – drin gewesen mehr.

Bitter für den HSV war am Ende nur: Die Bayern nutzte ihre einzig gute Torchance, die sie in der zweiten Halbzeit hatten. Pech dazu, dass Rost, der schon beim Abschlusstraining am Sonnabend in Hamburg humpelnd den Platz verließ, zur Pause ausgewechselt werden musste. Mir war dabei zunächst unklar, ob es der Tritt war, der ihm von Bastian Schweinsteiger zehn Minuten vor dem Seitenwechsel verpasst worden war, der zu dem vorzeitigen Aus geführt hat. Ich glaubte vielmehr, dass Rost sich dabei verletzte, als er nach einer Rechtsflanke hechten wollte, den Ball aber ins Aus passieren lassen musste. Offenbar aber hat das ungestüme Nachsetzen Schweinsteigers zu dieser Verletzung geführt. Dass sich der Nationalspieler für seinen Tritt nicht einmal entschuldigte, dass er sogar noch eine etwas verächtliche Handbewegung in Richtung Rost machte, war natürlich höchst unfein – aber so geht es wohl zu im Profi-Fußball.

19.54 Uhr

Was vorher passiert

28. Februar 2010

Um Mladen Petric muss noch bis kurz vor dem Anpfiff um 17.30 Uhr gezittert werden. Erst in der Allianz Arena wird es den Härtetest geben, der darüber befinden soll, ob der Torjäger trotz seines Bänderanrisses im Fuß eingesetzt werden kann. Bis um 15.30 Uhr hält sich die HSV-Mannschaft noch im Münchner Hotel Kempinski (am Flughafen) auf, dann geht es mit dem Bus zur Arena.

Wie sieht ein Auswärtsspiel des HSV überhaupt aus? Wie zum Beispiel jetzt der Ausflug zu den Bayern? Am Sonnabend flog die Mannschaft um 17 Uhr aus Fuhlsbüttel nach München, um 18.30 Uhr wurde das Hotel bezogen. Das Abendessen stand für 19 Uhr auf dem Programmplan, anschließend haben die Spieler Freizeit. Die meisten Profis nutzen diese, um sich pflegen und massieren zu lassen. Abends trafen einige Hamburger Spieler noch Freunde und Bekannte, die zum Klönen ins Hotel gekommen waren, andere hielten sich auf ihren Zimmern auf und sahen fern. Es gibt bei Auswärtsfahrten (oder Trainingslagern) sowohl Zwei-Mann-Zimmer als auch Einzelzimmer. „Matz-abber“ hatten zuletzt beim Treffen in der Raute gehört, dass Routinier Bastian Reinhardt in den letzten Jahren stets allein auf einem Zimmer logierte – ein Privileg, dass meistens den erfahrenen Profis und den Führungsspielern zugestanden wird..

Eine Bettruhe, wie es sie zu Zeiten von Sepp Herberger einst gab, ist nicht (mehr) angeordnet, diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an. Jedem Spieler ist heute es selbst überlassen, wann er ins Bett geht und wann er dann auch das Licht ausknipst. Natürlich aber verlässt niemand mehr das Hotel, und selbstverständlich sitzt auch niemand von den Profis noch um Mitternacht vor einem Spiel in der Hotelbar.

Auch ein gemeinschaftliches Wecken, wie es das früher einmal gab, gibt es am Spieltag nicht. Dafür ist jeder Spieler selbst verantwortlich. Der erste Pflichttermin am Sonnatg war um 9.15 Uhr das Frühstück, da heißt es denn auch, absolut pünktlich zu erscheinen. Im Anschluss daran gibt es die Besprechung, die den Fokus aller Spieler auf das bevorstehende Match richten soll. Darin wird den Spielern von den Trainern (auch anhand von Videos) die Spielweise des Gegners näher gebracht, werden Stärken und Schwächen besprochen, und es werden zum Beispiel auch Standards gezeigt und beleuchtet. Ein so genanntes „Anschwitzen“ der Mannschaft, ein kurzes Aufwärmen und Ausschütteln auf einem Trainingsplatz oder auch im Stadion, gab es in München nicht, gibt es allgemein bei einem Bundesliga-Spiel (jedenfalls in den meisten Fällen) nicht. Das steht nur bei Spielen im Europapokal auf dem Programmplan.

Nach der ersten Besprechung, die in der Regel 15 bis 20 Minuten dauert, gab es in München einen kurzen Spaziergang. Neben dem Kempinski gibt es einen kleinen Park am Flughafen, durch den schlenderten die Hamburger Spieler, ihre Trainer und Betreuer (alle, das ist ein Pflichttermin), während zur selben Zeit aus dem Hotel der DSF-Doppelpass gesendet wurde.

Für 14 Uhr hatte Trainer Bruno Labbadia heute das Mittagessen anberaumt, danach gibt es noch einmal eine ganz kurze, etwa fünfminütige Besprechung, in der der Coach auch die Mannschaftsaufstellung bekannt geben wird. Was diesmal mit dem Fragezeichen Petric geschieht, denn noch weiß niemand, ob der Stürmer auch tatsächlich dabei ist.

Um 15.30 Uhr erfolgt dann die Abfahrt zur Allianz Arena, um 17.30 Uhr erfolgt der Anstoß der Partie gegen die Bayern – und so gegen 19.20 Uhr steht dann (wohl) der fünfte Auswärtssieg des HSV fest.

14.18 Uhr

Zittern um Petric, Jansen fehlt

27. Februar 2010

Die Stimmung im Volkspark heute um 13.30 Uhr war gut. Jedenfalls auf dem Trainingsplatz des HSV. Die Spieler scherzten, lachten und waren voller Freude und Eifer bei der Sache. Den Kiebitzen am Rande aber nicht unbedingt zum Lachen zu Mute, denn schnell hatten sie festgestellt: Marcell Jansen fehlt, Mladen Petric fehlt ebenfalls, und Ze Roberto dreht nur einsam seine Runden. Einen Tag vor dem Spitzenspiel beim FC Bayern in München hat sich die personelle Situation des HSV nicht entspannt. Im Gegenteil: Jansen fällt, wie bereits ja schon Ruud van Nistelrooy, definitiv für das Spiel am Sonntag (17.30 Uhr) aus, und Petric wird sich am Sonntagmorgen erst noch einem Härtetest unterziehen müssen. Erst dann wird entschieden, ob der Torjäger trotz eines Bänderanrisses im Knöchel (nach dem üblen Tritt von Eindhovens Engelaar) mit von der Partie in der Allianz-Arena sein kann.

Die gute Nachricht des Tages kam dann aber von Ze Roberto, denn der Brasilianer, der nur etwa 30 Minuten auf dem Platz zu sehen war, wird in München gegen seinen ehemaligen Klub spielen können. Die Laufeinheit gehörte zur Regeneration, die dem Mittelfeldspieler nach zwei intensiven Spielen (Frankfurt, Eindhoven) von Trainer Bruno Labbadia zugestanden wurde.

Eine Aufstellung für morgen ließ sich für die Fans, unter denen diesmal auch die „Matz-abber“ „Benno Hafas“, „Nordbert“, „Devildino“ und „Fips“ waren, an diesem Sonnabend noch nicht so recht erstellen. In einem Spiel acht gegen acht waren Stammspieler und Reservisten mehr oder weniger bunt gemischt. Das Team mit den roten Hemden spielte mit Frank Rost, Guy Demel, David Rozehnal, Joris Mathijsen, David Jarolim, Piotr Trochowski, Marcus Berg und Jonathan Pitroipa. Die „Grünen“ hatten Wolfgang Hesl, Henrik Dettmann, Jerome Boateng, Dennis Aogo, Tomas Rincon, Robert Tesche, Eljero Elia und Tunay Torun an Bord. Das Spiel auf kleinem Feld endete 2:2, für Rot hatten Piroipa (tatsächlich!) und Demel (auf Vorlage von Pitroipa), den Ausgleich stellten Rincon und Torun mit einem schönen Linksschuss her.

Eine kurze Schrecksekunde gab es noch für alle Beteiligten, als Rozehnal den dribbelnden Elia zu Boden schickte, der Niederländer legte sich laut schreiend auf den Rasen, konnte danach aber schnell wieder aufstehen und ohne jegliche Einschränkung weiterspielen. Mit dem Trainingsende allerdings gab es erneut eine Sorge, denn Frank Rost sprach erst einige Zeit mit Physiotherapeut Uwe Eplinius, der Keeper winkelte dabei sein linkes Bein an und dehnte es, danach humpelte Rost in Richtung Kabine. Gut sah das nicht aus, die medizinische Abteilung des HSV dürfte da am Sonnabend und Sonntag einmal mehr gefragt sein.

Was den Auftritt des HSV in München nicht unbedingt erleichtert. Obwohl es dort ja in der jüngeren Vergangenheit oft Erfreuliches aus Hamburger Sicht zu vermelden gab. Im alten Olympiastadion gab es in 23 Spielen zwischen dem FC Bayern und dem HSV nur fünf Unentschieden für die Hamburger, aber die Bilanz wird seit 2005 stetig verbessert, denn: Im neuen Münchner Stadion hat der HSV in der Bundesliga noch nicht verloren: Zwei Siege, zwei Unentschieden. Wobei ich mich besonders an einen Sieg erinnere, den ich dort erleben durfte, als Huub Stevens noch der HSV-Trainer war.

Das war am 28. April 2007, der 31. Spieltag einer Saison, in der der HSV fast abgestiegen wäre. Stevens war der Retter. Der knorrige Coach hatte mit seiner Defensivtaktik für die (von mir bereits abgeschriebene) Wende gesorgt. Mit dem Sieg in München war der HSV für mich gerettet. Und dann passierte etwas Einmaliges: Nach dem Spiel ging ich auf Huub Stevens zu und gab ihm spontan die Hand. Der Niederländer war völlig perplex und schlug ein. Ich sagte ihm dabei: „Herr Stevens, es wird einmalig bleiben, aber zur Feier des Tages, weil Sie den HSV gerettet haben, muss ich Ihnen ganz einfach mal per Händedruck gratulieren.“ Hintergrund: Als Stevens in Hamburg angekommen war und die erste Presserunde anstand, verweigerte der Trainer jedem Journalisten die Hand. Seine Begründung: „Das muss nicht sein, das mache ich nie.“ Auf den Einwand von mir, dass das ja auch eine gewisse Zeremonie sei, weil man bei einem Händedruck mit dem Trainer doch weiß, dass das Verhältnis (in jener Situation jedenfalls) ungetrübt sei, entgegnete Stevens nur: „Ich mache das nicht, und dabei bleibt es.“ Er hielt eisern durch – und war damit der erste HSV-Trainer seit der Happel-Ära, der mir (und uns) nicht die Hand gegeben hat. Recht hatte er ja, der Huub Stevens: Das muss nun wirklich nicht sein, denn es gibt Wichtigeres. HSV-Siege zum Beispiel.

Übrigens spielte der HSV damals mit Rost, Benjamin, Abel, Mathijsen, Atouba, Demel (56. Mahdavikia), Jarolim, de Jong (68. Guerrero), Sorin, van der Vaart (82. Laas) und Olic. Ganz gewiss keine überragende Hamburger Mannschaft, auch wenn van der Vaart mit von der Partei war. Ich behaupte aber, dass das Team, das morgen für den HSV in München auflaufen wird (trotz aller personellen Probleme), besser besetzt ist. Warum also sollte der „Angstgegner“ der Bayern nicht erneut eine Überraschung schaffen? Ganz nebenbei: Die Tore damals schossen van der Vaart und Guerrero. Thimothee Atouba sah in der Schlussminute noch Rot.

Beim Sonnabend-Training gab es, wie schon oft in den vergangenen Tagen, eine lebhafte Debatte um Demel. Spielt er wieder? Spielt er doch? Oder sitzt er zunächst nur auf der Bank? Morgen wäre der Ivorer eventuell die „halbe Miete“, denn: Zehn Mal spielte Guy Demel gegen den FC Bayern, und zehn Mal gab es keine Niederlage für ihn. Sieben Siege, drei Unentschieden. Zuletzt gab es ein 2:2, das war am 15. August 2008, damals wurde Demel von Trainer Martin Jol in der 30. Minute für den leicht indisponierten Jerome Boateng eingewechselt. Morgen könnte es eventuell wieder so laufen, denn eigentlich erwarte ich schon, dass diesmal Boateng von Beginn an in der ersten Elf des HSV stehen wird, denn der deutsche Nationalspieler bewies zuletzt, nach seiner Einwechslung in Eindhoven, dass es wieder bergauf geht mit ihm.

Deshalb nun schnell noch mein Tipp bezüglich der HSV-Aufstellung:
Rost – Boateng, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Rincon, Jarolim – Trochowski, Elia (oder Berg), Ze Roberto – Petric.

Und noch kurz ein kleiner Schwenk in Sachen Statistik: Morgen pfeift Routinier Lutz Wagner (Kriftel), der nie zur absoluten Spitze der deutschen Unparteiischen gehörte, die Partie in München. Das tat er bereits am 24. Februar 2008 an derselben Stelle – ein gutes Omen? Damals hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1, die Tore hatte Ivica Olic (HSV) und Ze Roberto (Bayern) erzielt. Ob sie wohl auch diesmal wieder zu den Torschützen gehören werden?

18.12 Uhr

Die Nörgler sind unter uns

26. Februar 2010

Der HSV hat das Achtelfinale der Europa League erreicht. Das ist schon mal erfreulich. Es bringt dem HSV Geld und Renommee, und es sollte der Mannschaft Selbstvertrauen geben – trotz der 2:3-Niederlage beim PSV Eindhoven. Der HSV steht also unter den letzten 16 Klubs der Europa League, und er nimmt immer noch Rang vier in der Bundesliga ein. Das bleibt festzuhalten. Das sind die Tatsachen. Und trotz allem wird hier gegen den Trainer und verschiedene Spieler geschossen, dass es einem ganz schummrig wird. Natürlich: Der HSV, der in der Bundesliga den zweithöchsten Etat aller Klubs hat, steht nicht dort, wo er stehen müsste, er hat auch in dieser Saison Platz eins verfehlt, auch Platz zwei, aber er spielt noch immer in Europa mit, und er spielt in der Bundesliga auch noch eine „gewisse“ Rolle. Trotzdem gibt es HSV-Fans, denen das alles nicht gefällt. Die Frage ist, die ich mir seit Wochen stelle, ist die: Was machen diese HSV-Fans eigentlich, wenn „ihr Klub“ am Ende das Europa-League-Finale am 12. Mai in Hamburg verfehlt hat, und zudem in der Bundesliga nur Platz sechs erreicht worden ist? Dann geht es wohl so richtig rund, oder? Vielleicht hören sie aber auch auf, HSV-Fans zu sein?

Natürlich läuft es in diesem Jahr noch nicht so rund, wie von vielen erwartet, von vielen erhofft, von manchen gewünscht. Über die Gründe aber ist auch hier schon unzählige Male philosophiert worden. Die meisten von Euch haben diese Gründe begriffen und akzeptiert, einige nicht – sie wollen es offenbar auch nicht. Ihnen ist keine Ausrede (jawohl, Ausrede!) gut genug. Für sie gibt es keine Erklärung, warum zum Beispiel Ze Roberto noch nicht in Bestform ist? Oder warum Eljero Elia nicht auf die Füße kommt? Oder weshalb Guy Demel nicht erst seit dem Afrika Cup seiner Form meilenweit hinterher läuft? Oder warum Paolo Guerrero nach seinem doppelten (!) Kreuzbandriss nicht fit wird? Das alles hat ganz offenbar keine Rolle zu spielen, der HSV hat einfach zu funktionieren, sonst ist er nicht der HSV.

Mich, das gebe ich ehrlich zu, mich macht ein solches „Schwarz-weiß-Denken“ fertig. Total fertig sogar. Der HSV ist immer noch in der Europa League, steht in der Bundesliga auf Platz vier – das alles wird mit einem Handstreich weggewischt, als wenn es nichts wäre. Unfassbar! Ganz sicher nicht nur für mich, aber eben auch für mich. Dass das Spiel in Eindhoven absolut nach Fußball aussah, dass der HSV nach einem 0:2-Rückstand eine großartige Moral bewiesen hat, dass in diesen 95 Minuten alles geboten wurde, was ein Klasse-Fußballspiel benötigt, dass vor den Bildschirmen massenweise Leute von ihren Sitzen hochsprangen, weil sie es vor Spannung und Dramatik nicht mehr aushielten – das alles zählt ganz offenbar nicht. Auch die Tatsache nicht, dass der PSV Eindhoven ja durchaus keine „Laufkundschaft“ in Europa ist, dass die Niederländer sonst eigentlich immer in der Champions League ihren Platz habe, dass sie – bis auf ein einziges Pokalspiel – immer noch ungeschlagen sind in dieser Saison, dass sie in der Europa League bislang daheim kein einziges Gegentor kassiert hatten – das alles juckt anscheinend nicht. Es wird – zum Glück ja nur von einer kleinen Minderheit – genörgelt.

Diesen Nörglern möchte ich hiermit aber auch sehr wohl zugeben und es auch schreiben: Mir ist nicht entgangen, dass Guy Demel zurzeit ein Schwachpunkt der HSV-Mannschaft ist. Mir ist auch nicht entgangen, dass mit Jerome Boateng ein aktueller deutscher Nationalspieler nur auf der Bank sitzt. Mir ist nicht entgangen, dass Ze Roberto immer noch nicht bei 100 Prozent ist. Mir ist auch nicht entgangen, dass Elia nur bei ungefähr 45 Prozent ist. Mir ist ebenfalls nicht entgangen, dass der junge (und talentierte) Tomas Rincon (22) immer mehr beißen muss, und dass bei ihm kaum noch etwas Vernünftiges nach vorne läuft. Mir ist auch nicht entgangen, dass Trainer Bruno Labbadia in Eindhoven, vor einem ganz, ganz wichtigen Spiel, seiner Mannschaft eine andere Taktik als sonst vorgegeben hat. Mir ist sehr wohl nicht entgangen, dass Frank Rost einmal mehr seine Mannschaft im Spiel (und damit im Wettbewerb) gehalten hat – aber ein Torwart gehört zu einem Team und darf auch über einige Spiele mal Weltklasse sein. Mir ist auch ferner nicht entgangen, dass Demel eventuell vor einer Gelb-Roten Karte hätte bewahrt werden können, indem er nach dem ersten Gelb vorsichtshalber ausgewechselt worden wäre. Mir ist darüber hinaus nicht entgangen, dass Jonathan Pitroipa in den Schlussminuten einen wunderbare Konterchance, als links und rechts drei Hamburger mitgelaufen waren und auf ein Anspiel warteten, fahrlässig vergeben hat, weil er sich wieder einmal verdribbelt hatte.

Aber mir ist auch nicht entgangen, dass der HSV im Achtelfinale der Europa Legaue steht. Und dass Millionen Fernsehzuschauer ein großartiges Fußballspiel gesehen haben müssen. Mit einem großartigen PSV Eindhoven. Und mit einem HSV.

Ich kann darüber hinaus auch nichts dafür, dass Bruno Labbadia Demel aufgestellt hat, und nicht Boateng. Das ist allein, so hieß es einst im Volksmund, allein Sache des „Bundestrainers“. Labbadia ist der Mann, der so etwas zu bestimmen hat, er allein muss auch damit leben, wenn seine Saat nicht aufgeht. Dann muss er, nicht ich, nicht Ihr, dann muss er ganz allein mit den Konsequenzen leben. So geht es jedem Trainer, egal in welchem Land, egal in welcher Spielkasse. In Hamburg aber scheint es HSV-Fans zu geben, die es überhaupt nicht interessiert, dass „ihr“ Klub auf Platz vier in der Bundesliga steht, dass „Ihr“ Klub noch in der Europa League vertreten ist: „Der Trainer gehört weg, und damit basta.“ Vielleicht sollten jene Zeitgenossen, die das fordern, einmal bei Bernd Hoffmann vorstellig werden,. Es ist jener Herr, der dem Trainer im Sommer 2009 einen Drei-Jahres-Vertrag gegeben hat, und es ist auch jener Herr Hoffmann, der das Sagen hat in diesem Hamburger Sport-Verein. Und er allein kann bestimmen: Daumen hoch, Daumen runter. Also, auf an alle diejenigen, die Bruno Labbadia nun, weil der HSV nur auf Platz vier steht und nebenbei auch noch in der Europa League spielt, vor die Tür setzen wollen. Packt es an! Bei Bernd Hoffmann. Nicht bei mir. Nur bei ihm. Bitte.

Übrigens: Ich habe Bruno Labbadia heute bei der Pressekonferenz gefragt, ob er im Nachhinein nicht überlegt hätte, Guy Demel mit einer vorzeitigen Auswechslung vor Gelb-Rot zu schonen? Die Antwort des Trainers im Wortlaut: „Die Art des Schonens gab es zur Halbzeit ja schon mit Robert Tesche. Wir mussten da eine Entscheidung treffen: wie stellen wir um? Wir haben uns dann dafür entschieden, ein Stück weit offensiver aufzutreten, und dann auch ein Stück Risiko zu gehen, mit Piotr Trochowski zentral, wo Eindhoven sehr stark war. Und es war die richtige Wahl. Und man kann natürlich nicht jeden Spieler der Gelb hat vom Platz nehmen. Wir müssen damit sorgsamer umgehen. Und ich muss als Spieler wissen, dass ich da nicht so einfach grätschen darf. Aber das passiert, ich denke, das gehört dazu. Es gibt auch Spieler, die zu Beginn des Spiels eine Gelbe Karte kassieren, und die kann man auch nicht jedes Mal herausnehmen. Das sind Dinge, die sind so.“

Dennoch denke ich, und damit komme ich zum Sonntagsspiel beim FC Bayern, dass diesmal in München Jerome Boateng von Beginn an zum Einsatz kommen wird. Rechts. In der Viererkette. Obwohl mir ein HSV-Mitarbeiter auch einen andere, für mich durchaus interessante Variante andiente: Boateng für den etwas müde wirkenden Rincon im defensiven Mittelfeld. Aber dann hätten wir wieder jene Situation, die von Euch schon vielfach kritisiert wurde: Der HSV hat immer noch keine Stamm-Elf gefunden. Immer wieder gibt es Veränderungen im Team. Das aber, so behaupte ich, liegt in den meisten Fällen an den immer wieder neuen personellen Ausfällen. Wie zuletzt mit David Jarolim (gesperrt) und Marcell Jansen (erkrankt).

Apropos: Jansen lief auch gestern nur auf dem Laufband, erst am Sonnabend (13.30 Uhr Trainingsbeginn) entscheidet sich, ob der Nationalspieler in München eingesetzt werden kann. Dass Ruud van Nistelrooy, der am Freitag Steigerungsläufe absolvierte, weiterhin ausfällt, das habt Ihr bestimmt schon mitbekommen.

Beim Training am Freitag, das zum Abschluss, trainierten nur jene Spieler, die in Eindhoven nicht oder nur begrenzt zum Einsatz kamen. Es war also wenig los, auf dem kleinen Platz hinter der Arena. Nach Beendigung der Einheit schob Marcus Berg noch eine Sonderschicht, indem er Schüsse auf das von Tom Mickel gehütete Tor abgab. Und am Rande unterhielten sich der Trainer und sein Kapitän bestimmt noch sehr angeregte zehn Minuten unter vier Augen. Ob es im Gespräch zwischen Labbadia und David Jarolim um die Aufstellung gegen die Bayern ging?

Ein Satz noch in eigener Sache: Wenn hier etwas von Zensur geschrieben wird (oder sich beschwert wird!), dann ist das nur die halbe Wahrheit. Ich finde es nicht lustig, im Gegensatz zu dem einen oder anderen von Euch (sehr lustig!), wenn hier statt über Fußball, oder über den HSV, über homosexuelle Menschen geschrieben wird. Wer das lustig findet, muss in der Tat völlig falsch gepolt sein. Der Springer Verlag wird das jedenfalls nicht dulden, denn sollten sich die betreffenden Persönlichkeiten per Anwalt bei uns melden, könnte das dem Unternehmen viel Geld kosten. Und ich bitte jeden, der das normale Denken noch nicht ganz eingestellt hat, das zu akzeptieren. Es ist nicht unsere Aufgabe, (prominente) Mitmenschen zu outen oder in einen total falschen Verdacht zu bringen. Und wer das auch noch lustig findet, sollte sofort den Blog wechseln. Bitte!

PS: Für Dauerkarten-Inhaber läuft der Vorverkauf für das Europa-Legaue-Heimspiel gegen Anderlecht (am 11. März) ab sofort bis zum 2. März, am 3. März läuft er für die HSV-Mitglieder, am 4. März beginnt dann der offene Verkauf. Die Preise liegen zwischen 15 und 48 Euro.

17.24 Uhr

Welch ein Krimi! Der Traum geht weiter

25. Februar 2010

Die schönste Niederlage seit Jahren! Was für ein Spiel, was für ein Kampf, was für ein tolles, nervenaufreibendes Auf und Ab! Der HSV war draußen, der HSV war weiter, der HSV musste zittern bis zum Schlusspfiff, aber dann war es geschafft: Der HSV verlor zwar sein Europa-League-Spiel beim niederländischen Tabellenführer PSV Eindhoven mit 2:3, steht aber dennoch in der nächsten Runde. Die Auswärtstore haben für die Hamburger entschieden, es darf in der Hansestadt weiter vom 12. Mai geträumt werden, vom Tag des Finals in der eigenen Arena.

Das war ganz sicher nichts für schwache Nerven, aber wenn es ein so gutes Ende nimmt, dann leidet jeder HSV-Fan gerne – oder? Das war Fußball pur, das waren 90 Minuten, die alles boten, was diesen Sport so sehenswert macht. Bravo, HSV!

Trainer Bruno Labbadia hatte überraschend aufgestellt: Mit Mladen Petric nur eine Spitze, dahinter mit Piotr Trochowski und Eljero Elia, der wie kai aus der Kiste kam, zwei offensive Mittelfeldspieler, und dahinter drei etwas defensiver eingestellte „Arbeiter“ im Mittelfeld, Robert Tesche, Tomas Rincon und Ze Roberto. Dahinter die Viererkette, in der rechts erneut Guy Demel den Vorzug gegenüber Jerome Boateng erhalten hatte. Boateng ist für mich das größte HSV-Rätsel. Für mich ist er im vergangenen Jahr der beste Abwehrspieler Deutschlands gewesen, nun ist er draußen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: Boateng spielt, wenn er denn rechts draußen zum Einsatz kommt, was er will. Für mich heißt es aber: Boateng spielt was er will, Demel spielt nicht was er kann.

Was sich bereits nach 80 Sekunden negativ bemerkbar machte. Eindhovens Ungar Dszudzsak wurde über die Demel-Seite geschickt, flache Eingabe, Lazovic schießt, trifft aber nicht richtig, doch der Ball kommt noch zu Toivonen. Abseits? Ich hätte im ersten Moment darauf gewettet, weil ich Demel nicht mehr im Bild hatte. Der Ivorer kam nicht schnell genug von der Torauslinie zurück, so dass er die Abseitsstellung des schwedischen Raunbeines aufhob – 1:0 nach Sekunden. Welch ein verkorkster Start!

Das frühe Ende des HSV? Es sah nicht gut aus. Und gelegentlich fehlte auch die Ordnung. Einzig Frank Rost behielt die Übersicht. Und er „donnerte“ seine Vorderleute einmal ganz gehörig zusammen, besonders Rincon (15.). Und irgendwie schien es sogar zu helfen. Nach 20 Minuten kam der HSV, fand endlich ins Spiel, rückte auf, spielte gefällig. Sogar Joris Mathijsen und David Rozehnal, die sonst immer wie angenagelt am eigenen Strafraum stehen, gingen abwechselnd mit nach vorne, was ich in dieser Saison noch gar nicht gesehen habe. Alle Achtung, HSV! Allerdings fehlte doch noch der letzte Druck. Nur zwei relativ harmlose Schüsse von Trochowski (35.) und Elia (39.) flogen auf das PSV-Tor, die Keeper Isaksson mühelos hielt.

Brisanter war es zuvor auf der Gegenseite zugegangen, als Dennis Aogo bei einer Rettungstat fast ein Eigentor erzielt hätte, doch ein Reflex von Rost verhinderte das 0:2.

Und so richtig gefährlich wurde es in der 43. Minute – für den HSV. Freistoß für Eindhoven, Entfernung zum Hamburger Tor 30 Meter. Dzsudzsak nahm Maß, drosch die Kugel in Richtung HSV-Mauer und traf Mladen Petric. Abgefälscht fand der Ball den Weg ins Netz, unhaltbar für Frank Rost, der bei Flanken gelegentlich mit dem schlechten Flutlicht des Stadions haderte. Ein frühes Tor, ein spätes Tor, nach einer Halbzeit schien das Schicksal des HSV bereits entschieden.

Schien aber nur, denn: Nach 45 Sekunden im zweiten Durchgang hieß es nur noch 1:2. Trochowski hatte Petric in den PSV-Strafraum geschickt, dort spitzelte der Kroate den Ball über den hinauslaufenden Isaksson ins Tor. Hoffnung für den HSV, da keimte neue Hoffnung auf. Zumal die Labbadia-Mannschaft nun offensiver ausgerichtet war, denn für Tesche kam zum zweiten Durchgang Jonathan Pitroipa. Und der PSV spielte von der 56. Minute an nur noch zu zehnt. Nach einem vermeintlichen Handspiel Aogos im HSV-Strafraum, das aber von gleich drei (!) Unparteiischen als regulär angesehen wurde, meckerten fast alle Niederländer minutenlang. Besonders schlimm Torschütze Dzsudzsak. Der erhielt gelb, worüber er noch mehr meckerte – und Schiedsrichter Dean mit beiden Händen schubste – Rot. Die Vorentscheidung für den HSV?

Nicht ganz. In der 65. Minute flog auch Demel mit Gelb-Rot vom Platz. Der Ivorer hatte Pieters gefoult. Ja, und so werden die Gegner eigentlich wieder ins Spiel geholt. In dieser Phase mussten die überragenden HSV-Fans, die in Eindhoven mächtig „Musik“ gemacht haben, um ihr Team bangen. Bis der eingewechselte Boateng das spielte, was er will. Der Nationalspieler dribbelte im PSV-Strafraum auf und wurde von Salcido gefoult – Elfmeter. Und den verwandelte Piotr Trochowski nervenstark zum 2:2. Apropos Trochowski: Er übernahm nicht nur in dieser Szene Verantwortung, und er gehörte diesmal ganz sicher zu den besten Hamburgern – oder? Gibt es auch diesmal gegenteilige Meinungen im Blog?

Spannend wurde es in den Schlusssekunden. Koevermans köpfte nach einem Rost-Fehler das 3:2, dem PSV fehlte plötzlich doch wieder nur noch ein Tor. Und dann fünf Minuten Nachspielzeit! Die berechtigt waren, das muss gesagt werden. Was für ein Krimi! Und: Der englische Schiedsrichter war hervorragend, der beste 23. Mann, den der HSV in dieser Saison hatte, da lege ich mich fest.

Die besten Spieler beim HSV? Frank Rost, trotz seines Fehlers beim 2:3, David Rozehnal als gnadenloser Zerstörer (mit etlichen Abspielfehlern – egal), Joris Mathijsen, der mit Auge abräumte, Dennis Aogo, der trickreich seine linke Seite beherrschte, dazu im Mittelfeld Ze Roberto, der einige Male klug die Bälle hielt, und dann Piotr Trochowski. Er kann es also doch noch! War das die Wende für ihn?

PS: Im Internet gibt es nun Video-Aufnahmen vom ersten „Matz-ab“-Treffen in der Raute vor einer Woche. Prädikat vom Blog-Chef: Besonders sehenswert! Und feiert schön! Und träumt vom 12. Mai!

 Nur der HSV!

Niederländische Erlebnisse

25. Februar 2010

„Wünsch mir kein Glück, wünsch lieber Können.“ Das hat mir Felix Magath immer zur Antwort gegeben, wenn ich ihm – schon als Spieler – vor einem Spiel viel glück gewünscht habe. Daran habe ich mich sofort erinnert, als ich eben noch bei Jörn Wolf, dem Medien-Chef des HSV, in Eindhoven angerufen habe. Auch ihm habe ich viel Glück gewünscht, aber er hat es abgelehnt: „Können ist gefragt, unser Können.“ Und dann, nach einer kurzen Pause, fügte er hinzu: „ Es wird eine Schlacht, davon kann man wohl ausgehen, aber wir werden beißen und uns dann das nötige Glück erarbeiten.“ Denn Glück hat bekanntlich immer (oder vor allem) der Tüchtige. Beim HSV wird übrigens, falls nichts mehr daziwschen kommt, Dennis Aogo spielen können, er hat ganz normal mit der Mannschaft trainiert.

Ansonsten war in Eindhoven bisher alles ganz ruhig vor dem Spiel, es gab keine besonderen Vorkommnisse. Das war einst anders, als ich vor jahren noch Richtung Niederlande und in Sachen Fußball unterwegs war. Ich erinnere an ein Länderspiel in Rotterdam, zu dem ich von der Redaktion geschickt worden war. Da ging es Stunden vor dem Spiel schon hoch her. In der Stadt herrschte Ausnahmezustand. Ich Wahnsinniger wollte Straßenschlachten fotografieren – und war mit einem Male fast mittendrin. Nur ein vorbeifahrender Bus, hinter dem ich mich verstecken konnte, rettete mich damals, sonst wäre dieser Ausflug wohl ganz übel für mich ausgegangen. Ich düste mit höchsten Tempo zurück in unser Hotel, einige vermummte Gestalten hinter mir her.  Zum Glück war ich schneller. Das Hotel war vom DFB für die Prominenz und die Presse angemietet worden, ein reiner Glaskasten inmitten der City. Draußen tobte eine unglaubliche Schlacht, alle deutschen Autos rund um das Hotel wurden zertreten, zerschlagen, zerkratzt. Zudem flogen die Fäuste, gab es auch irre Tritte. Und unser Glaskasten, also unser Hotel, wurde mit Steinen unter Beschuss genommen – es war der reine Irrsinn. Ich sehe ihn noch heute vor mir, unseren ehemaligen Nationaltorwart Hans Tilkowski, der plötzlich abtauchte wie eine Flunder, als dicke Bocken gegen die Scheiben prallten und unheimlich laute Knallgeräusche zur Folge hatten. Zum Glück gab es da noch keine Verletzten.

Vom Spiel habe ich später nichts gesehen, denn vor dem Stadion in Rotterdam tobten die Fans beider Nationen mit unglaublicher Härte aufeinander los. Man konnte die Nasenbeine knacken hören. Überall Polizei, Blaulicht, Unfallwagen, Hubschrauber. Mein damaliger Chef befahl: “Du machst das Länderspiel nicht, sondern versuchst, in einen Einsatzwagen der Rotterdamer Polizei zu gelangen, um zu sehen, was vor dem Stadion passiert.” Das klappte sogar. Ich klopfte an einen solchen Wagen, ein älterer Polizist begrüßte mich – und bat mich, als ich ihm mein Anliegen schilderte, freundlich zu sich rein. Dort sah ich an cirka 15 Monitoren, was draußen los war. Die Hölle.

So hatte ich es vorher übrigens schon im inneren Stadionring erlebt. Wir gingen mit fünf deutschen Journalisten Richtung Treppenaufgang, um zu unseren Sitzplätzen zu gelangen (hatte also schon sämtliche Kontrollen passiert!), als plötzlich ein älterer Polizist (mit einem Rundschnitt in Augenbrauenhöhe) auf einem Pferd angeritten kam und unserem ältesten Kollegen, dem Frankfurter Hartmut Scherzer, zwei, drei Hiebe mit dem Gummiknüppel an Kopf und Schulter versetzte. Ohne den geringsten Anlass dafür zu haben, und auch die geringste Vorwarnung, einfach nur aus Jux und Dollerei. Wir alle waren total entsetzt. Ich habe von diesem Vorfall durch Zufall ein Foto geschossen – es wurde Jahre später in der „Sport Bild“ veröffentlich, als es darum ging, die „Feindschaft“ zwischen Niederländern und Deutschen aufzuarbeiten.

Es passte zu diesem Tag, dass wir auf der Rückfahrt auf der Autobahn in Holland noch stundenlang im Stau stehen mussten, denn – oh Wunder und oh Zufall – die Autobahn Richtung Deutschland musste just in dieser Nacht neu geteert werden. Es dauerte Stunden, ehe wir weiterfahren durften (oder konnten).

Seit diesen Vorkommnissen habe ich um den Fußball in den Niederlanden immer einen großen Bogen gemacht, das gebe ich zu. Das heißt, ich war nur noch dann dort, wenn es dienstlich nicht zu vermeiden war. Das war zum Beispiel 2000 bei der EM der Fall. Auch dort ging es in Rotterdam ganz böse zur Sache, als Deutschland dort gegen Portugal spielte und hoch verlor. Für die heutige Partie allerdings hoffe und wünsche ich, dass diese schlimmen Zeiten längst der Vergangenheit angehören, dass dieses Spiel in Eindhoven ohne größere Zwischenfälle über die Bühne geht.

Nun komme ich schnell noch zu zwei weiteren Meldungen: Der HSV und Karsten Bäron haben sich auf die einvernehmliche Beendigung ihrer Zusammenarbeit geeinigt. Damit konnte die nach der Beurlaubung Bärons vom Cheftrainerposten der Regionalliga-Mannschaft des HSV zwischen den Parteien zwischenzeitlich entstandene Uneinigkeit um die Laufzeit des miteinander vereinbarten Arbeitsvertrages zur vollen Zufriedenheit beider Seiten gelöst werden. „Leider sind Trennungen im Profifußball in bestimmten Situationen unvermeidlich. Gerade bei einem verdienten HSVer wie Karsten Bäron liegt uns jedoch viel daran, dies freundschaftlich und einvernehmlich zu tun, wie dies letztlich auch gelungen ist“, so HSV-Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann und sagt weiter: „Er geht als Freund und wird beim HSV immer ein gern gesehener Gast sein. Jetzt wünschen wir Karsten Bäron, dass es ihm gelingt, seine vielversprechende Karriere als Fußballtrainer bei einem neuen Klub erfolgreich fortzusetzen.“ Kommentar Karsten Bäron: „Ich hatte eine tolle Zeit beim HSV und werde auch immer ein HSVer bleiben und freue mich, dass wir nun in Freundschaft auseinander gehen. Jetzt freue ich mich auf eine neue Herausforderung.“ Bäron war nach dem vorzeitigen verletzungsbedingten Ende seiner Karriere als Bundesliga-Stürmer des HSV ab Juni 2002 zunächst Trainer im Nachwuchsbereich des HSV. Zum 1. Januar 2006 übernahm er die Leitung der zweiten Mannschaft des HSV.

Auch zum Thema Bäron noch schnell ein Griff in die Erinnerungskiste: Der frühere Star-Journalist Horst Frese (Bild), ein in der gesamten Republik anerkannter und geschätzter Fachmann, sagte mir einst im Vertrauen: „Der Bäron sollte besser Basketballer oder Volleyballer werden, Fußballer wird der ohnehin nie . . .“ Da irrte sich Frese aber ganz gewaltig, obwohl Bäron die ganz große Karriere ja versagt blieb – aufgrund seiner Knieprobleme.

Und die zweite Meldung: Der HSV wegen unsportlichen Verhaltens seiner Zuschauer vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig, wie der DFB am Donnerstag mitteilte. In der Partie zwischen dem FSV Mainz 05 und dem HSV am 28. November 2009 wurde nach DFB-Angaben im Hamburger Zuschauerblock eine Rauchbombe gezündet. Auch im Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem HSV am 13. Februar 2010 seien HSV-Anhänger unmittelbar vor dem Beginn mit dem Entzünden einer Rauchbombe aufgefallen. Die Begegnung konnte erst mit zweiminütiger Verzögerung angepfiffen werden.

10 000 Euro, die wahrscheinlich nie ins Gewicht fallen werden, wenn demnächst ein neuer Spieler unter Vertrag genommen werden soll . . . Man gönnt sich ja sonst nichts.

Auf ein erfolgreiches Spiel in Eindhoven  – nur der HSV!

16.32 Uhr

Ohne Jansen, aber mit Optimismus

24. Februar 2010

Die Matz-ab-Apothekenrundschau lässt grüßen. Das Lazarett des HSV lichtet sich vorm morgigen Duell in Eindhoven ein wenig. Die Mannschaft hat die Reise in die Niederlande angetreten, und – wie mir einer meiner Kollegen vom Flughafen berichtet hat – von den gestern erwähnten Angeschlagenen fehlen Ruud van Nistelrooy und Marcell Jansen. Erster ist, wie schon oft geschrieben, keine Überraschung, und zweiter angesichts seines gestrigen Aussehens auch nicht. Jansen hat sich (mal wieder, das muss ich leider sagen) einen grippalen Infekt eingefangen und soll sich in der Nacht von Montag auf Dienstag sogar übergeben haben. Dann ist es doch kaum verwunderlich, wenn die Mediziner ihn zur Genesung erst einmal ins Bett stecken. Ich habe aber Hoffnung, dass er am Sonntag bei den Bayern wieder zum Kader gehören wird. Ein ansehnliches Spiel in Eindhoven dürfte die Rehabilitation beschleunigen.

Hinter Dennis Aogo, der mit im Flieger saß, steht ein Fragezeichen, das etwas größer als Piotr Trochowski ist. Einige von Euch, die regelmäßig Trainingseinheiten des HSV besuchen, werden es sicherlich schon mal beobachtet haben. Immer mal wieder dehnt Aogo seinen hinteren Oberschenkel und greift sich vor- und nachher in den unteren Rückenbereich. Diese Blockade oder Probleme haben ihn zu Wochenbeginn ja sogar nach München zu Doc Müller-Wohlfarth getrieben, wo er sich eine Spritze abgeholt hat. Aogo soll heute Abend beim Abschlusstraining einen Härtetest absolvieren, dessen Erkenntnisse den Ausschlag für das Rückspiel in der Europa League geben werden. Mein Tipp: Der Junge wird auflaufen.

Ich weiß, ich weiß: Die Grundlage dieses Tipps ist auch ein bisschen auf meine Hoffnung ausgerichtet. Ich weiß, dass der HSV in Eindhoven eine extrem stabile und konzentrierte Defensivabteilung benötigen wird, um die nächste Runde zu erreichen. Und da wäre es mehr als gut, wenn ein mittlerweile international erfahrener Aogo auflaufen könnte. Bei Jerome Boateng, einer der Alternativbesetzungen, hatte ich zuletzt in den Spielen und auch im Training das Gefühl, dass er nach seiner Verletzung noch nicht wieder ganz der Alte ist. Ihm unterlaufen ähnlich wie Guy Demel derzeit viel zu viele Leichtsinnsfehler. Und das könnte auf der ungewohnten linken Seite „tödlich“ sein.

Vielleicht überrascht uns Bruno Labbadia ja aber auch alle und wirft einen der Nobodys ins kalte Wasser. Sören Bertram und Henrik Dettmann sind mit nach Eindhoven gereist, vor allem Dettmann hat in den Trainingseinheiten mit den Profis häufig einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Er ist ruhig am Ball, spielt schnörkellose Pässe und lässt sich trotz seiner fehlenden Erfahrung auch von „alten Hasen“ selten mit Finten, Tricks oder härterer Gangart beeindrucken. Ich beobachte seine Entwicklung mit Vergnügen.

Einer, der aus meiner Sicht in Eindhoven das Zünglein an der Europacupwaage sein kann, ist Euer „Lieblingspolarisator“ Piotr Trochowski. Auch wenn er beim HSV in den vergangenen Wochen eine Art dauerhaftes Wechselspielchen betrieben hat – aus der Stammelf auf die Bank und umgekehrt -, weiß Trainer Labbadia um seine Qualitäten. Und gerade jetzt, da David Jarolim fehlt, man mit Zé Roberto nach seiner mehrmonatigen Pause noch Geduld haben muss, zudem Eljero Elia nach seiner Auszeit wie ein Überraschungsei daherkommt (mal sehen, was diesmal drin ist…), muss „Troche“ einfach mal wieder eine Galavorstellung hinlegen. Ja, ja, jetzt werden einige von Euch wieder mit dem Kopf schütteln und mir vorwerfen, ich sei ein unbelehrbarer Ignorant. Wie oft habt Ihr (und ich auch) auf einen Geistesblitz des begnadeten Dribblers und Schützen Trochowski gesetzt, und am Ende (meist schon nach einer halben Stunde) habt Ihr Euch geärgert und ihn dorthin gewünscht, wo der Pfeffer wächst.

Trotz alledem habt Ihr sicherlich auch Partien in Erinnerung, in denen Trochowski „goldene Tore“ markiert hat. Zum Beispiel gegen Wolfsburg kürzlich oder letzte Saison in Frankfurt. Und wisst Ihr was: Morgen in Eindhoven ist es mal wieder soweit. Ich habe gestern beim Albtraum-Training sogar eine Wette vorgeschlagen, bei der ich auf zwei Trochowski-Tore gegen den PSV setzen wollte. Aber irgendwie wollte keiner der Kollegen einschlagen. Die hielten mich wohl auch für etwas sonderbar. Und ich muss gestehen, dass ich das nach diesem Tag der personellen Hiobsbotschaften auch selbst ein bisschen gedacht habe.

Dennoch: Heute ist ein neuer Tag, und in Anbetracht des Wetters hier in Hamburg (es schneit endlich mal wieder…) habe ich keine Lust mehr auf Trübsalblasen. Ich nenne Euch jetzt fünf Gründe, warum der HSV in Eindhoven bestehen und die nächste Runde erreichen wird. Und ich wäre sehr dankbar, wenn Ihr sie durch weitere ergänzen würdet. Ein bisschen Optimismus hat noch nie geschadet.

1. Weil Piotr Trochowski all seine Kritiker überrascht und eine Galavorstellung mit mindestens einem Treffer hinlegen wird.
2. Weil Frank Rost seine Nackenprobleme total ausblendet und die Niederländer zur Verzweiflung treiben wird.
3. Weil Eljero Elia als Joker endlich einmal wieder an seine Leistungen der Hinrunde anknüpft und seine Landsleute in Grund und Boden rennt.
4. Weil Zé Roberto die nötige Erfahrung und Ruhe hat, um dem Anfangswirbel des PSV zu trotzen und schon in dieser Phase einen entscheidenden Pass auf Marcus Berg zu spielen, der zum 1:0 vollstreckt.
5. Weil Bruno Labbadia wie in Stuttgart mal wieder ein glückliches Händchen bei seinen Auswechslungen hat.

So, das war es vorerst von mir. Ich melde mich morgen wieder. Bis dahin erwarte ich noch mehr schlagkräftige Argumente für einen HSV-Erfolg.

12:15 Uhr

Ein Albtraum, dieser Trainingsbesuch

23. Februar 2010

Wisst Ihr, was ein Albtraum ist? Ich kann es Euch mal schildern. Stellt Euch vor, Ihr kommt zum Training und freut Euch auf die letzte Einheit des HSV vor der morgigen Reise nach Eindhoven. Erst wirkt noch alles ganz normal. Die Temperaturen steigen, es taut. Beim Olé-Spiel (5 gegen 2) jauchzen die Profis, während sich Bruno Labbadia mit einem Mann auf dem Rasen unterhält. Der Mann ist erst nicht ganz deutlich zu erkennen, doch beim näheren Hinschauen entpuppt er sich als Mannschaftsarzt Dr. Linewitsch. Das schürt die Neugier. Nach fünf Minuten geht der Doc, und der Trainer wirkt irgendwie bedröppelt. Liegt das alles nur an Ruud van Nistelrooy, dessen muskuläre Probleme offenbar doch schwerwiegender sind als zunächst angenommen? Der Niederländer war jedenfalls wieder nicht im Mannschaftstraining – also wird es wohl kaum etwas mit seinem Einsatz beim PSV.

Doch dann gibt es Aufklärung in Sachen Miesepeter-Gesicht Labbadias, und zwar in dem Moment, als sich die Mannschaft zum Aufwärmen in einer Gruppe versammelt. „Das sieht aber mager aus“, schoss es mir sofort durch den Kopf. Und ich meinte nicht Jonathan Pitroipa, sondern das gesamte Team. Nach Mützencheck und Hautfarben-Scan wird klar, dass nicht nur „Van the man“ fehlt, sondern neben ihm auch Marcell Jansen, Dennis Aogo und Zé Roberto aus der Stammbesetzung nicht dabei sind. Oha. Wenn man dann noch bedenkt, dass David Jarolim in den Niederlanden Gelb-gesperrt fehlen wird, kann es einem ganz anders werden…

Nun gut, es kann sich alles noch zum Positiven wenden. Zé Roberto hat in Absprache mit der medizinischen und sportlichen Abteilung nur ein leichtes Kraftprogramm drinnen absolviert, er wird also im Kader und wahrscheinlich sogar in der Startelf stehen. Van Nistelrooys Einsatz war eh unwahrscheinlich, aber die Komplettauflösung der linken Seite mit Aogo (Rückenprobleme) und Jansen (grippaler Infekt) war ja alles andere als erwartbar. Ein Albtraum eben.

Ich fühlte mich plötzlich an meine Kindheit erinnert. Wisst Ihr, wenn man ein Fußballspiel anschaut und das Gefühl hat, eine Mannschaft sei in Überzahl – und man versucht den herumtollenden Haufen an Spielern abzuzählen, was kaum gelingt. Ich landete immer wieder bei der Zahl 18 – plus drei Torhüter. Naja, dann kann es ja gar nicht so schlimm sein, dachte ich. Aber einer meiner Kollegen klärte mich auf, dass ich den mit Leibchen versehenen Techniktrainer Ricardo Moniz ebenso mitgezählt hatte wie den gesperrten Jarolim sowie die Amateurspieler Christian Groß, Henrik Dettmann und Gerrit Pressel. Ganz ehrlich: Bei jedem Spieler mehr spürte ich eine eisige Kälte in mir hochsteigen, und das lag bestimmt nicht an dem vereisten Untergrund neben dem HSV-Trainingsgelände.

Nun ist Bruno Labbadia kein Jammerlappen, daher wird er nicht in mein von Angst und Skepsis erfülltes Jammergeheul mit einstimmen. Aber wie, bitteschön, soll sich eine Restelf des HSV denn bitte in Eindhoven durchsetzen? Als sich Frank Rost dann auch noch während des Trainings zweimal von Physiotherapeut Uwe Eplinius behandeln ließ, weil ihn offenbar noch immer Nackenprobleme plagen, reichte es mir. Ich notierte mir einfach eine sichere erste Elf, die dann doch noch ein Remis erreichen könnte: Rost – Demel, Rozehnal, Mathijsen, Boateng – Rincon, Tesche – Trochowski, Elia – Petric, Berg. Und sollte Zé dabei sein, würde Tesche eben neben Pitroipa und Torun auf der Bank sitzen.

Nach der Einheit reduzierte das Trainerteam meine Befürchtungen wenigstens ein bisschen. Aogo und Jansen sollen auf jeden Fall mit nach Eindhoven fliegen, Zé Roberto sowieso. Und ihre Einsatzchancen sollen gar nicht so schlecht stehen. Na gut, warten wir es ab. Nur van Nistelrooys Einsatz ist ausgeschlossen. Er bleibt zum Aufbautraining in Hamburg und wird, so wünschen es sich alle Beteiligten, am Sonntag in München zum Kader stoßen – sofern sich die Muskelverhärtung bis dahin „erweichen“ lässt.

Ich habe Eure Beiträge zum Thema Innenverteidigung übrigens mit großem Interesse gelesen. Es gibt ja wirklich einige, die eine Verschnaufpause von Joris Mathijsen für sinnvoll halten. Denen möchte ich an dieser Stelle eines sagen: Dieses Risiko würde Trainer Labbadia niemals eingehen, da bin ich mir ganz sicher. Das liegt nicht nur daran, dass Mathijsen der Inbegriff solider Abwehrarbeit ist, das liegt auch an seinem Wirkungskreis außerhalb der puren sportlichen Aufgabe. Mathijsen ist ein Führungsspieler, der seine Nebenleute anfeuert, sie verbal auf eine Linie bringt, der ähnlich wie David Jarolim ein Siegergen in sich trägt. Für solche Typen sind Niederlagen wie Messerstiche. Unerträglich. Und das merkt man. Nicht nur in den Pflichtspielen.

Ihr müsst Euch echt mal den Besuch einer Trainingseinheit genehmigen, wenn Trainer Labbadia zu seinem beliebten „Ball aus der Luft“-Spielchen aufruft. Dann könnt Ihr fast sicher davon ausgehen, dass Mathijsen in einen Mini-Konflikt mit Schiedsrichter Eddy Sözer gerät. Der Grund sind meist zu Unrecht aberkannte Treffer seines Teams oder strittige Tore des Gegners. Mathijsen will gewinnen – um jeden Preis. Und damit ist er sogleich eine Antriebsfeder dieses HSV.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Hatte ich anfangs vom Albtraum in Form eines Trainingsbesuchs gesprochen, taucht an dieser Stelle ein Hoffnungsschimmer auf. Die gebeutelte HSV-Mannschaft wird bestimmt nicht als Favorit ins Duell nach Eindhoven fahren, schon gar nicht nach den jüngsten Hiobsbotschaften. Aber vielleicht wird diese Truppe ja umso leidenschaftlicher und hartnäckiger kämpfen. Ich setze darauf, denn ich liebe Happy Ends.

13:25 Uhr

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