Monatsarchiv für Januar 2010

Vor dem Wolfsburg-Spiel

29. Januar 2010

Das Spiel gegen Wolfsburg ist nicht gefährdet. Sagt der HSV. Und auch Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, mit dem ich deswegen eben gerade telefoniert habe. Allerdings könnte es wohl große Probleme bei der Anfahrt geben. Öffentliche Verkehrsmittel? Wäre wohl ratsam. Obwohl Shuttle-Busse diesmal nur ab Stellingen fahren. Trotzdem wohl die etwas angenehmere Variante. Am Vormittag kam der HSV noch mühelos zum Anschwitzen. So wird das leichte Training am Spieltag genannt. Mit von der Partie war auch Guy Demel, aber mein Eindruck bleibt bestehen: Ich glaube nicht, dass der Ivorer von Beginn an spielen wird.

Eventuell auch eine ganz, ganz kleine erzieherische Maßnahme? Kann ich nur vermuten, möchte ich aber dem Trainer nicht unterstellen, aber: Eigentlich sollte Demel ja schon einen Tag vorher, nämlich am Mittwoch, vom Afrika-Cup in Hamburg eingeschwebt sein, aber wie das Leben mit den Fliegern so spielt, der gute Guy blieb in der Heimat hängen. Warum auch immer? Als ich von diesem „Hängenbleiben“ hörte, dachte ich sofort an Tomas Rincon. Der Kämpfer vor dem Herrn flog im Januar aus Südamerika ins Trainingslager nach Belek, war über einen Tag lang unterwegs, enterte nachts gegen ein Uhr sein Hotelzimmer – und stand am Morgen darauf pünktlich um 7.45 Uhr auf der Matte, als es die erste Einheit gab. Und bei den beiden folgenden Einheiten auf dem Rasen marschierte Rincon immer vorne weg. Vorbildlich nenne ich das.

Wenn also Demel nur auf der Bank sitzt, dann bleibt es auch bei der Abwehr, die sich gegen Dortmund versuchen durfte. Was mich nicht stören würde. Störend finde ich es eher, wie sehr der gute David Rozehnal hier bei „Matz ab“ immer von „seinen“ HSV-Fans runter geputzt wird. Das ist echt schade, denn ich sah den Tschechen gegen den BVB nicht so schlecht, wie hier einige nun schreiben. Und wenn Ihr einmal darauf achtet (auch heue gegen Wolfsburg): An Rozehnal bleibt es meistens hängen, den Ball nach vorne zu befördern (ins Niemandsland), denn Joris Mathijsen hat es sich ein wenig angewöhnt, die Pille schnell noch einmal nach rechts zu befördern, damit Rozehnal die Kugel nach vorne schlagen darf, kann oder muss. Und dass die Pille in Dortmund niemals einen vorne postierten HSV-Profi fand, das lag nicht unbedingt (nur) an Rozehnal, denn allgemein kam doch jeder Ball postwendend in die Hamburger Hälfte zurück, egal wer ihn auch nach vorne beförderte.

Wobei ich zum zweiten Sorgenkind komme: Piotr Trochowski. Ich habe es unmittelbar nach der 0:1-Niederlage schon geschrieben, ich stehe nach wie vor dazu: „Troche“ begann gut, hielt als einer der wenigen Hamburger die Kugel in den eigenen Reihen, bevor er restlos unterging. Das ging ihm aber nicht alleine so, mit ihm tauchten auch (fast) alle anderen Kollegen ab. Zwei Ausnahmen möchte ich schnell noch einmal nennen: Rincon, dem fußballerisch auch nicht viel gelang, war der einzige Hamburger, der „kloppte“ und richtig schön dagegen hielt. Und der eingewechselte Marcus Berg bot ebenfalls eine sehr engagierte Leistung.

Auf eine solche Benotung, das weiß ich, hoffen viele von Euch, wenn es um Trochowski geht. Er schafft es im Moment nicht, noch nicht, über seinen Schatten zu springen. Obwohl ich ihm bescheinigen muss, dass er mir im türkischen Trainingslager den Eindruck vermittelt hatte, dass er begriffen hat, was alle (Fans, Kollegen, Trainer) von ihm erwarten. Aber es ist wohl im Moment noch so, dass er ebenfalls untergeht, wenn alle um ihn herum ums Überleben kämpfen. Übrigens: In Belek machte auch Rozehnal auf mich den Eindruck, als ginge es mit ihm steil bergauf. Und zu ihm und zum Dortmund-Spiel noch einmal ganz, ganz kurz zurück: Er hatte gewiss nicht die schlechtesten Zweikampfwerte der Hamburger Defensive . . .

Auf die hier gestellte Frage, wie sich Piotr Trochowski im Training bewegt, kann ich nur antworten: Nicht schlechter als seine Kollegen. „Troche“ fällt auf jeden Fall nie ab – wie zum Beispiel Mickael Tavares zuletzt. Und im Gegenteil: Liegt Trochowski in einer Pause (oder zum Beispiel beim Warmlaufen) ein Ball im Wege, so beginnt er sofort, Kunststücke damit zu machen, oder auch nur einen Torschuss zu wagen. Das zeugt von seiner Spiellust, die er zweifellos immer noch hat. Ginge es nur nach meinen Trainingseindrücken, müsste Piotr Trochowski eigentlich immer spiele. Ob er aber gegen Wolfsburg von Beginn an auflaufen wird? Ich würde ihn bringen, aber ich kann noch nicht in Bruno Labbadia hinein blicken. Auf einem schneebedeckten Boden wie heute allerdings würde ich ihn schon tanzen lassen, keine Frage.

Ich würde auch Eljero Elia neben Mladen Petric im Angriff bringen. Obwohl der Niederländer nach seiner Einwechslung in Dortmund schon einigen „Mist“ produziert hatte. Zu viele Dribblings, zuviel mit dem Kopf durch die Wand, zuviel Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Da war viel Brotloses im Spiel der Rakete, der es aber zum Beispiel gegen Werder Bremen (auf Schnee) gezeigt hat, wie wertvoll er sein kann, wenn er zu seinem Spiel findet. Sein Spiel: Ein, zwei Raum schaffende Dribblings, abspielen und abgehen wie Schmitz Katze, den Ball wieder fordern – so ist er mir am wertvollsten.

Ich bin gespannt, zu welcher Aufstellung sich Bruno Labbadia durchringen wird. Und ich wünsche allen, ob in der Arena oder vor dem Fernseher, viel Spaß. Und natürlich auch jenen HSV-Fans, die vor dem Radio sitzen werden. Wobei ich schnell noch eine Frage beantworten möchte, nämlich die, nach dem Werbepartner NDR 2. Ob der nicht ein wenig zu wenig machen würde? Ich habe mit HSV-Vorstand Katja Kraus gesprochen, die ehemalige Nationaltorhüterin sagt ganz klar: „Es ist alles bestens: Wir haben eine gute Präsenz im Programm, die Zusammenarbeit ist bestens.“ Sehe ich auch so. Dass in der Woche nicht viel läuft, ist logisch, der NDR hat ja nicht nur „seinen HSV“, sondern viele andere Dinge zu berücksichtigen. Ich liebe zum Beispiel die Bundesliga-Konferenz am Sonnabend, auch die Sendung am Sonntag – es gibt nichts Besseres. Und, so ganz nebenbei, auf NDR 90,3 sind ebenfalls ganz emsige Menschen am Werk (meine Nummer eins: Lars Pegelow), das wird doch praktisch jeden Tag über den HSV berichtet oder gesprochen – und 90,3 Ist ja auch ein „bisschen“ NDR. Oder täusche ich mich da, Ihr Damen und Herren in der Rothenbaumchaussee?

Und wo wir gerade beim Thema sind. Der NDR berichtet heute aus dem Volkspark wie folgt: NDR 2 wird ausführlich live vom Spiel HSV gegen Wolfsburg berichten. Reporter ist Rolf Rainer Gecks. Eine komplette Reportage der zweiten Halbzeit gibt es bei NDR Info Spezial im Webradio (http://www.ndrinfo.de/livestream152.html) und auf der Mittelwelle. Reporter sind Jan Didjurgeit und Alexander Bleick. Ja, das ist doch ein Service, oder?

Schnell noch zum Gewinnspiel. Ja, die Geister, die dort gerufen wurden . . . Es sollte ja schwerer werden, dieses Gewinnspiel, aber es ist offenbar zu schwer, denn es gab keine zwei richtigen Antworten. Die Spiele von Andre Breitenreiter haben sie alle gewusst, aber nicht, wer der ominöse Stürmer ist, der einst für Wolfsburg, den HSV und den 1. SC Norderstedt gespielt hat. Der Mann heißt Jens Fischer, gelegentlich auch Jens-Peter Fischer gerufen, stammt aus Tangstedt bei Hamburg und hat sogar im Europapokal für den HSV gespielt. Trotzdem wurde das Trikot und wurden die Karten an die Männer gebracht: Das Trikot erhielt Manfred Mahneke aus Uelzen, die Karten Philipp Reuß aus Hamburg. Herzliche Glückwünsche. Und das nächste Gewinnspiel, es steht schon bei “Matz ab”, wird leichter, versprochen.

17.13 Uhr

Kleine Ergänzung: Der frühere HSV-Kapitän Thomas von Heesen ist soeben als Trainer von Apollon Limassol (Zypern) entlassen worden.

Nicht vom Trubel anstecken lassen

28. Januar 2010

Im Volkspark herrscht weiterhin Van-Nistelrooy-Alarm. Die ersten Fans tauchten heute schon um 9 Uhr morgens beim Trainingsgelände auf, um den neuen Superstar vielleicht bei einer Spezialeinheit zu erwischen. Das ging sogar so weit, dass ein Trainingsgast während des normalen Mannschaftstrainings Bastian Reinhardt, der eine Einheit mit Markus Günther absolvierte, für den Angreifer hielt. Der junge Mann konnte glücklicherweise schnell aufgeklärt werden. Es ist trotzdem spannend zu sehen und mitzuerleben, welche Euphorie der neue Hoffnungsträger entfacht. Sogar die fleißigen Schneeschiebe-Helfer, die rund um die Arena alles für morgen Abend herrichten, diskutierten eifrig, wann „Van the man“ nun ENDLICH sein Debüt geben wird. Hallo!? Der Mann ist gerade einmal seit Wochenbeginn da, und vor dem Spiel in Köln wird es ganz sicher nichts mit seinem Aufgalopp.

Was bin ich erleichtert, dass sich Bruno Labbadia von dem Trubel um seinen neuen Angreifer nicht so verrückt machen lässt. Bei der Pressekonferenz wurde er auf van Nistelrooy angesprochen und sagte ganz ruhig und nüchtern, dass der Neuzugang eventuell nächste Woche ins Mannschaftstraining einsteigen wird, Mitte der Woche. Und ob van Nistelrooy in Köln dabei sei, könne er noch nicht einschätzen, dafür ist es zu früh.

Der Trainer hat mit Zufriedenheit registriert, dass sich die Mannschaft von dem Megainteresse an der Topverpflichtung nicht ablenken lässt. In der morgendlichen Einheit legte der Coach wie gewohnt großen Wert auf schnelles, präzises Passspiel, auf hohe Aufmerksamkeit und gezielte Vorstöße. Als sich Tunay Torun einen deutlich erkennbaren Lapsus erlaubte und dann auch noch gedankenverloren zusah, was mit dem Ball passierte, überschlug sich Labbadias Stimme in einer wortgewaltigen (und trotzdem sehr sachlichen) Schelte für den Offensivspieler.

Dass Torun gegen den nach dem Trainerabschied Armin Vehs noch unberechenbareren VfL wohl nicht von Beginn an auflaufen wird, dürfte mit dieser Trainingsszene aber nicht zu begründen sein. Bei den abschließenden Torschussübungen und dem Abschlussspiel im Stadion probte der Coach mehrere Varianten, von denen die mit Elia oder Berg an Stelle von Torun wohl die wahrscheinlichsten sein dürften. Labbadia, der die Wolfsburger unter der Regie des Interimstrainers Lorenz-Günther Köstner deutlich defensiver als zuletzt erwartet, will von seiner Mannschaft eine deutliche spielerische und kämpferische Steigerung im Vergleich zur Pleite in Dortmund sehen. Und, ganz ehrlich, das dürfte den HSV-Profis ja auch nicht schwer fallen.

Ob es, wie von Labbadia vermutet, allerdings „ein Spiel auf ganz hohem Niveau“ wird, das wage ich dann doch etwas zu bezweifeln. Dafür präsentierten sich die Niedersachsen in den vergangenen Wochen zu wechselhaft, und auch beim HSV gab es während der Partien in 2010 zu viele Aufs und Nieders.

Auf und Nieder ist das richtige Stichwort, wenn es um die neuesten Entwicklungen im Fall Paolo Guerrero geht. Wobei „Nieder“ es bei dem Peruaner besser trifft, denn er hängt ja nach wie vor in Lima fest. Beim HSV sind seit der Berichterstattung über Guerreros akute Flugangst mehr als 150 Bewerbungen von Flugangstexperten eingegangen, die ihre meist kostenintensive Hilfe anbieten. „Wir brauchen keine weiteren Bewerbungen“, sagt Pressesprecher Jörn Wolf. Wann Guerrero nun einschwebt, oder er womöglich doch zur Ein-Mann-Kajak-Tour aufbricht, werde ich Euch berichten, wenn es soweit ist.

Ich möchte mich lieber noch einmal den Personalfragen für das Spiel gegen den VfL Wolfsburg widmen. Guy Demel landete heute um 11.40 Uhr auf dem Flughafen Fuhlsbüttel, sein Abenteuer Afrika Cup ist damit beendet. Nun will sich Labbadia vom Fitnesszustand seines Rechtsverteidigers überzeugen, will ihn in Bewegung halten. Ein Einsatz in der Startelf gegen den VfL kommt aber eher nicht in Frage. Diese Rolle dürfte also noch einmal Jerome Boateng übernehmen. Demel wartet dann als Reservist auf der Ersatzbank.

Über Elias körperlichen Zustand wurde auch oft und lange diskutiert. Wie fit ist er schon? Was macht der Knöchel? „Ob es schon für 90 Minuten reicht, kann ich nicht sagen“, meint Labbadia. Die angeschlagene Kapsel schmerzt offenbar noch immer ein wenig, aber der rasante Offensivallrounder drängt voller Unternehmungslust ins Team. Ich kann mir vorstellen, dass Labbadia seinen „Eli“ von Beginn an aufstellt; alleine, um die mehr als verunsicherte Hintermannschaft der Wolfsburger immer wieder in Bewegung zu halten und sie vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Sollte Elia dabei auch mal wieder an seine besser postierten Nebenleute denken (nicht wie in Dortmund!), dann könnte das einer der Schlüssel zum Erfolg werden.

Da ich mir vor einem der letzten Spiele ja mal anhören musste, ich würde mich nicht auf eine potenzielle Anfangself festlegen wollen, mache ich es an dieser Stelle mal: Rost – Boateng, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Jarolim, Rincon, Jansen – Petric, Elia. Sollte Labbadia auf Berg setzen, würde Elia meines Erachtens ins rechte Mittelfeld rücken – dann müsste Trochowski zunächst auf der Bank Platz nehmen.

PS: Ein wichtiges Detail hätte ich fast noch vergessen. Labbadia und seine Männer haben ja heute zum Abschluss des Trainings den neuen Rollrasen in der Nordbank-Arena ausprobiert. Ich habe ihn mir auch angeschaut und kann Labbadias Eindruck bestätigen: Der Platz ist super und wird dem Spielstil des HSV bekömmlicher sein als das schmierige Grau-Grün gegen Freiburg vor zwei Wochen. Ich bin mal gespannt, wie lange der Rasen diesmal halten wird.

14:10 Uhr

Wenn der Teufel los ist . . .

27. Januar 2010

Bei „Matz ab“ ist der Teufel los. So die Begrüßung beim Training an der Nordbank-Arena. Oh wie schön, der Teufel ist los. Ja aber. So wurde auch gesagt, es ist eher negativ, denn es gibt um die Ohren. Einer dem anderen. Und mittenmang auch einige Frauen. Also habe ich während des Schneetreibens für mich beschlossen: heute wird nichts gelesen. Das wird nachgeholt, weil ich es immer lese, aber so richtig negativ muss ich es jetzt nicht mehr haben. Es war stürmisch, es war eisig, es war ungemütlich im Volkspark, da muss ich mich jetzt nicht noch ein weiteres Mal ärgern. Wobei ich auch klar festhalten muss, dass ich mich trotz der widrigen Witterungsbedingungen sehr, wirklich sehr gefreut habe über das, was am Nachmittag beim Training passiert ist. Es gab nämlich ein kleines „Familientreffen“ von „Matz-abbern“. Benno Hafas war da, Eiche Nogly, Trainerglück, Devildino, HSVNils_reloaded, OlliWL, Peacock und Andre. So viel Besuch hatte ich noch nie, vielen Dank dafür. Auch dafür, dass mich alle gewarnt haben, dass der Teufel los sei. Fast hätte ich gestöhnt vor Glück . . .

Die Matz-Abber trainerglueck, andré, Eiche, Peacock, Blogfather, Benno, HSVNils_reloaded, Olli-WL, devildino

Was aber auch daran lag, dass am Vormittag, aus heiterem Himmel, Ruud van Nistelrooy erstmalig auf dem Acker war und mit Ball trainiert hat. Und kaum einer hat es gesehen. Der HSV ist eben voller Überraschungen. Um es gleich zu sagen: Macht Euch bitte keine Hoffnungen darauf, dass „Van the man“ schon am Freitag gegen Wolfsburg in irgendeiner Form eingreifen wird, das ist ausgeschlossen. Auch wenn er jetzt schon früher auf dem Rasen war, als am Tag vorher noch von den Verantwortlichen angekündigt. Co-Trainer Eddy Sözer: „Umso früher er auf den Platz gehen kann, umso früher er etwas mit dem Ball machen kann, umso positiver ist es für ihn und für uns. Das war heute ein erster Schritt, ein erster Einstieg.“ Es hat nichts gezwickt, es gab auch hinterher keine Beschwerden – es war einfach nur positiv.

Natürlich hatte es sich unter den Trainings-Kiebitzen herumgesprochen, dass van Nistelrooy schon einmal draußen war. Deswegen auch bestand bei vielen die Hoffnung, dass er auch am Nachmittag noch einmal auf dem Rasen auflaufen würde, aber diese Hoffnung zerschlug sich leider schnell. Der Torjäger absolvierte im Kraftraum seine zweite Einheit. Trotz allem, so sieht mein Fazit aus: Es geht eventueller doch schneller mit ihm, es gibt die Hoffnung, dass er tatsächlich im Köln-Spiel schon das erste Mal dabei sein könnte.

Eventuell auch Ze Roberto? Von den „Matz-abbern“, die beim Training waren, gab es schon das eine oder andere Wort der Skepsis bezüglich des Brasilianers zu hören. Es dauert ihnen, es dauert wohl auch Euch allen (den meisten jedenfalls), zu lange. Und nicht wenige vermuten, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht. „Eiche Nogly“ sprach es offen aus: „Ein Bänderanriss dauert doch nicht so lange, wie das jetzt schon gedauert hat. Da muss doch mehr sein . . .“ Aber da gibt es nichts. Sözer sagt: „Wir wünschen uns, dass er am Donnerstag vielleicht schon mit dem Ball arbeiten kann, mal raus gehen kann, individuell balltechnisch und fußballspezifisch arbeiten kann. Und dann müssen wir abwarten, ob er noch Schmerzen hat, um dann die nächsten Schritte zu machen. Ze arbeitet aber sehr gut, da gibt es keine Probleme.“ Und einen zweiten Test, ob die Wadenmuskulatur inzwischen wieder vollständig aufgearbeitet ist, den wird es in den kommenden Tagen auch noch geben.

Ob dann Paolo Guerrero schon wieder in Hamburg sein wird? Großes Fragezeichen sogar. Diesmal wollte er fliegen, aber sein Cousin, der ihn nach Deutschland begleiten sollte, hatte kein Visum. Also alles zurück, und morgen noch einmal ein Versuch. Eddy Sözer zu diesem Thema: „Wir sind bemüht darum, Hilfestellungen für Paolo zu finden.“ Das heißt, dass ihm ein Psychiater in Peru die Flugangst nehmen soll.

Ein etwas anderes Flugproblem hatte Guy Demel, der nach dem Aus der Elfenbeinküste beim Afrika-Cup in Afrika „hängen geblieben“ ist. „Da gab es mit dem Flieger Probleme. Das ist schade, denn wir hätten ihn schon gerne im Hinblick auf das Wolfsburg-Spiel am Mittwoch im Training gehabt“, sagt Labbadias Assistent. In der Nacht zum Donnerstag wird Demel in Paris landen, dann am frühen Morgen weiter nach Hamburg fliegen. Am Vormittag wird, so ist es jetzt vorgesehen, er eine individuelle Trainingseinheit absolvieren. Ob es noch für einen Einsatz gegen Wolfsburg reicht, bleibt aber abzuwarten. Ein Gerücht besagte schon, dass sich Guy Demel nicht ganz so gut bei Kräften fühle. Sözer aber hatte davon aber nichts gehört, räumte nur ein: „Klar ist ein Ausscheiden aus dem Afrika-Cup immer mit einer Enttäuschung verbunden . . .“

Erfreuliche Nachrichten gibt es bei Collin Benjamin zu vermelden. Ein Krafttest hat ergeben, dass der Allrounder erstaunliche Fortschritte (nach seinem Kreuzbandriss) gemacht hat. „Er hat gut gearbeitet, hat sich sehr gut weiter entwickelt, er kann jetzt beginnen, mit dem Ball zu arbeiten. Er ist voll im Soll, es ist auch ein positives Signal für ihn“, berichtete Sözer. Mitte bis Ende März ist damit zu rechnen, dass Benjamin wieder ins Mannschaftstraining einsteigen könnte.

Beim HSV aber scheint es personell wieder (leicht) bergauf zu gehen. Nun darf sich Hamburg überraschen lassen, wie sich der Gegner VfL Wolfsburg präsentieren wird. Nach dem Trainerwechsel wird der Meister sicherlich anders spielen, als zuletzt bei der 2:3-Heimpleite gegen den 1. FC Köln. Eddy Sözer sah diese 90 Minuten live und berichtet: „Natürlich hat Wolfsburg Stärken, aber es gibt zurzeit auch Schwächen beim VfL, und die haben die Kölner ausgenutzt. Aber bei uns wird die Wolfsburger Mannschaft ganz sicher anders auftreten, sie wird mit Sicherheit noch kompakter spielen, das war das Hauptproblem gegen Köln. Und wer den neuen Trainer Köstner kennt, der weiß, dass er auf Kompaktheit, auf Defensive und auch auf Festigkeit großen Wert legt. Wir erwarten eine andere VfL-Mannschaft in Hamburg.“

Dazu wäre es dann passend, wenn auch die Hamburger eine andere HSV-Mannschaft als noch zuletzt in Dortmund sehen würden. Ich wiederhole es gerne noch einmal, auch wenn es wehtut: Die Dortmunder liefen wie die Hasen, die HSV-Spieler hoppelten wie die Angsthasen über den Rasen. Wenn es gegen Wolfsburg nicht von Anfang an mit Herz, Leidenschaft und Engagement gehen sollte, dann ist die nächste Pleite programmiert. Denn der VfL wird sich nach dem Veh-Rausschmiss ganz sicher zerreißen. Da ist dann nichts mit spielerisch dagegen halten, da ist auch kein Abwarten, kein Abtasten und keine Pomadigkeit gefragt, da ist ganz klar Herz gefordert. Sonst kann auch diese Saison schon wieder abgehakt werden.

„Wir haben das Dortmund-Spiel sehr gut und sehr kritisch analysiert. Wir haben dort einige Fehler gemacht, aber darüber haben wir uns mit der Mannschaft beraten, es wurden ganz klar alle diese Themen besprochen. Wir müssen gegen Wolfsburg ganz anders auftreten, das wissen wir, wir müssen ganz anders dagegen halten, wir müssen unser Heimspiel gewinnen, das ist ein ganz wichtiges Spiel für uns“, sagt Eddy Sözer.

Im Training am Mittwoch war schon Feuer drin, auch wenn die Temperaturen die Freude am Fußball immer noch ein wenig hemmen. Ganz böse sah es um 15.16 Uhr aus, als bei einem Spielchen ohne Tore Tomas Rincon und Mladen Petric zusammengeprallt waren. Beide Spieler blieben einige Sekunden lang am Boden liegen, am Rande wurde schon das Schlimmste befürchtet, aber dann berappelten sie sich doch wieder. Erst stand Petric, dann Rincon, aber beide hielten sich noch einige Zeit die schmerzenden Hüften. Ein, zwei Minuten danach ging Rincon noch einmal mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden, doch dann ging es auch für den Spieler mit dem vielleicht größten Kämpferherz aller HSV-Profis weiter. Bleibt abzuwarten, wie sich die Verletzung in der Nacht, wenn alles zur Ruhe gekommen ist, „entwickelt“.

Die zusehenden „Matz-abber“ verfolgten nicht nur diese Szenen ganz gespannt. Und sie sahen auch diesem Bericht schon mit Spannung entgegen. Natürlich wurde – ganz nebenbei – auch über das bevorstehende Treffen (in der Raute) am 19. Februar gesprochen – und über die Unruhe des heutigen Tages. Was ich dazu gesagt habe, möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Matz ab gibt es nun seit dem 7. August 2009. Alles hat sich bestens entwickelt, besser, als viele vorher – auch ich – gedacht haben. Dennoch kommt hier keine Ruhe rein, weil es immer wieder Zeitgenossen gibt, die hier ihre ganz eigenen Erziehungsmaßnahmen durchführen wollen. Allen denen möchte ich sagen, dass ich von der Front genügend Rückmeldungen bekomme. Positive. Die meisten, wirklich die meisten User lieben Matz ab so, wie es jetzt ist. Es gibt hier Fußball, es gibt den HSV, es gibt auch Witze und, das gebe ich zu, so manche Sache, die hart an der Grenze ist, dazu gibt es Ironie und es gibt Biss, es gibt auch den einen oder anderen Gasmann, der hier sein Unwesen treibt, aber selbst diese Gasmänner werden toleriert. Das wurde nicht zuletzt auch an diesem Mittwoch deutlich (angesprochen). Nun sollten aber diese Gasmänner – oder auch Gasfrauen – ebenfalls so tolerant sein, Matz ab so zu nehmen, wie ist es ist. Oder sie sollten doch besser einen eigenen Blog aufmachen.“

Vielen Dank allen, die sich hier mit Freude engagieren. Ich bin begeistert von Euch, ich stöhne gelegentlich voller Freude – und ich freue mich schon sehr auf den 19. Februar.

19.24 Uhr (ich weiß, es hat zu lange gedauert!)

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