Vor dem Wolfsburg-Spiel
29. Januar 2010
Das Spiel gegen Wolfsburg ist nicht gefährdet. Sagt der HSV. Und auch Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, mit dem ich deswegen eben gerade telefoniert habe. Allerdings könnte es wohl große Probleme bei der Anfahrt geben. Öffentliche Verkehrsmittel? Wäre wohl ratsam. Obwohl Shuttle-Busse diesmal nur ab Stellingen fahren. Trotzdem wohl die etwas angenehmere Variante. Am Vormittag kam der HSV noch mühelos zum Anschwitzen. So wird das leichte Training am Spieltag genannt. Mit von der Partie war auch Guy Demel, aber mein Eindruck bleibt bestehen: Ich glaube nicht, dass der Ivorer von Beginn an spielen wird.
Eventuell auch eine ganz, ganz kleine erzieherische Maßnahme? Kann ich nur vermuten, möchte ich aber dem Trainer nicht unterstellen, aber: Eigentlich sollte Demel ja schon einen Tag vorher, nämlich am Mittwoch, vom Afrika-Cup in Hamburg eingeschwebt sein, aber wie das Leben mit den Fliegern so spielt, der gute Guy blieb in der Heimat hängen. Warum auch immer? Als ich von diesem „Hängenbleiben“ hörte, dachte ich sofort an Tomas Rincon. Der Kämpfer vor dem Herrn flog im Januar aus Südamerika ins Trainingslager nach Belek, war über einen Tag lang unterwegs, enterte nachts gegen ein Uhr sein Hotelzimmer – und stand am Morgen darauf pünktlich um 7.45 Uhr auf der Matte, als es die erste Einheit gab. Und bei den beiden folgenden Einheiten auf dem Rasen marschierte Rincon immer vorne weg. Vorbildlich nenne ich das.
Wenn also Demel nur auf der Bank sitzt, dann bleibt es auch bei der Abwehr, die sich gegen Dortmund versuchen durfte. Was mich nicht stören würde. Störend finde ich es eher, wie sehr der gute David Rozehnal hier bei „Matz ab“ immer von „seinen“ HSV-Fans runter geputzt wird. Das ist echt schade, denn ich sah den Tschechen gegen den BVB nicht so schlecht, wie hier einige nun schreiben. Und wenn Ihr einmal darauf achtet (auch heue gegen Wolfsburg): An Rozehnal bleibt es meistens hängen, den Ball nach vorne zu befördern (ins Niemandsland), denn Joris Mathijsen hat es sich ein wenig angewöhnt, die Pille schnell noch einmal nach rechts zu befördern, damit Rozehnal die Kugel nach vorne schlagen darf, kann oder muss. Und dass die Pille in Dortmund niemals einen vorne postierten HSV-Profi fand, das lag nicht unbedingt (nur) an Rozehnal, denn allgemein kam doch jeder Ball postwendend in die Hamburger Hälfte zurück, egal wer ihn auch nach vorne beförderte.
Wobei ich zum zweiten Sorgenkind komme: Piotr Trochowski. Ich habe es unmittelbar nach der 0:1-Niederlage schon geschrieben, ich stehe nach wie vor dazu: „Troche“ begann gut, hielt als einer der wenigen Hamburger die Kugel in den eigenen Reihen, bevor er restlos unterging. Das ging ihm aber nicht alleine so, mit ihm tauchten auch (fast) alle anderen Kollegen ab. Zwei Ausnahmen möchte ich schnell noch einmal nennen: Rincon, dem fußballerisch auch nicht viel gelang, war der einzige Hamburger, der „kloppte“ und richtig schön dagegen hielt. Und der eingewechselte Marcus Berg bot ebenfalls eine sehr engagierte Leistung.
Auf eine solche Benotung, das weiß ich, hoffen viele von Euch, wenn es um Trochowski geht. Er schafft es im Moment nicht, noch nicht, über seinen Schatten zu springen. Obwohl ich ihm bescheinigen muss, dass er mir im türkischen Trainingslager den Eindruck vermittelt hatte, dass er begriffen hat, was alle (Fans, Kollegen, Trainer) von ihm erwarten. Aber es ist wohl im Moment noch so, dass er ebenfalls untergeht, wenn alle um ihn herum ums Überleben kämpfen. Übrigens: In Belek machte auch Rozehnal auf mich den Eindruck, als ginge es mit ihm steil bergauf. Und zu ihm und zum Dortmund-Spiel noch einmal ganz, ganz kurz zurück: Er hatte gewiss nicht die schlechtesten Zweikampfwerte der Hamburger Defensive . . .
Auf die hier gestellte Frage, wie sich Piotr Trochowski im Training bewegt, kann ich nur antworten: Nicht schlechter als seine Kollegen. „Troche“ fällt auf jeden Fall nie ab – wie zum Beispiel Mickael Tavares zuletzt. Und im Gegenteil: Liegt Trochowski in einer Pause (oder zum Beispiel beim Warmlaufen) ein Ball im Wege, so beginnt er sofort, Kunststücke damit zu machen, oder auch nur einen Torschuss zu wagen. Das zeugt von seiner Spiellust, die er zweifellos immer noch hat. Ginge es nur nach meinen Trainingseindrücken, müsste Piotr Trochowski eigentlich immer spiele. Ob er aber gegen Wolfsburg von Beginn an auflaufen wird? Ich würde ihn bringen, aber ich kann noch nicht in Bruno Labbadia hinein blicken. Auf einem schneebedeckten Boden wie heute allerdings würde ich ihn schon tanzen lassen, keine Frage.
Ich würde auch Eljero Elia neben Mladen Petric im Angriff bringen. Obwohl der Niederländer nach seiner Einwechslung in Dortmund schon einigen „Mist“ produziert hatte. Zu viele Dribblings, zuviel mit dem Kopf durch die Wand, zuviel Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Da war viel Brotloses im Spiel der Rakete, der es aber zum Beispiel gegen Werder Bremen (auf Schnee) gezeigt hat, wie wertvoll er sein kann, wenn er zu seinem Spiel findet. Sein Spiel: Ein, zwei Raum schaffende Dribblings, abspielen und abgehen wie Schmitz Katze, den Ball wieder fordern – so ist er mir am wertvollsten.
Ich bin gespannt, zu welcher Aufstellung sich Bruno Labbadia durchringen wird. Und ich wünsche allen, ob in der Arena oder vor dem Fernseher, viel Spaß. Und natürlich auch jenen HSV-Fans, die vor dem Radio sitzen werden. Wobei ich schnell noch eine Frage beantworten möchte, nämlich die, nach dem Werbepartner NDR 2. Ob der nicht ein wenig zu wenig machen würde? Ich habe mit HSV-Vorstand Katja Kraus gesprochen, die ehemalige Nationaltorhüterin sagt ganz klar: „Es ist alles bestens: Wir haben eine gute Präsenz im Programm, die Zusammenarbeit ist bestens.“ Sehe ich auch so. Dass in der Woche nicht viel läuft, ist logisch, der NDR hat ja nicht nur „seinen HSV“, sondern viele andere Dinge zu berücksichtigen. Ich liebe zum Beispiel die Bundesliga-Konferenz am Sonnabend, auch die Sendung am Sonntag – es gibt nichts Besseres. Und, so ganz nebenbei, auf NDR 90,3 sind ebenfalls ganz emsige Menschen am Werk (meine Nummer eins: Lars Pegelow), das wird doch praktisch jeden Tag über den HSV berichtet oder gesprochen – und 90,3 Ist ja auch ein „bisschen“ NDR. Oder täusche ich mich da, Ihr Damen und Herren in der Rothenbaumchaussee?
Und wo wir gerade beim Thema sind. Der NDR berichtet heute aus dem Volkspark wie folgt: NDR 2 wird ausführlich live vom Spiel HSV gegen Wolfsburg berichten. Reporter ist Rolf Rainer Gecks. Eine komplette Reportage der zweiten Halbzeit gibt es bei NDR Info Spezial im Webradio (http://www.ndrinfo.de/livestream152.html) und auf der Mittelwelle. Reporter sind Jan Didjurgeit und Alexander Bleick. Ja, das ist doch ein Service, oder?
Schnell noch zum Gewinnspiel. Ja, die Geister, die dort gerufen wurden . . . Es sollte ja schwerer werden, dieses Gewinnspiel, aber es ist offenbar zu schwer, denn es gab keine zwei richtigen Antworten. Die Spiele von Andre Breitenreiter haben sie alle gewusst, aber nicht, wer der ominöse Stürmer ist, der einst für Wolfsburg, den HSV und den 1. SC Norderstedt gespielt hat. Der Mann heißt Jens Fischer, gelegentlich auch Jens-Peter Fischer gerufen, stammt aus Tangstedt bei Hamburg und hat sogar im Europapokal für den HSV gespielt. Trotzdem wurde das Trikot und wurden die Karten an die Männer gebracht: Das Trikot erhielt Manfred Mahneke aus Uelzen, die Karten Philipp Reuß aus Hamburg. Herzliche Glückwünsche. Und das nächste Gewinnspiel, es steht schon bei “Matz ab”, wird leichter, versprochen.
17.13 Uhr
Kleine Ergänzung: Der frühere HSV-Kapitän Thomas von Heesen ist soeben als Trainer von Apollon Limassol (Zypern) entlassen worden.
