Monatsarchiv für Januar 2010

Ein sympathischer Weltstar

25. Januar 2010

Freut Euch, ich habe “Van the man” gesehen.

Der erste Versuch, den Menschen in einem Weltstar zu beleuchten und zu beurteilen:

 
Das war er also, der erste Auftritt von Ruud van Nistelrooy in Hamburg, bei „seinem“ HSV. Pünktlich in Fuhlsbüttel gelandet, auf die Minute zur Pressekonferenz gebracht. Alles klappte wie am Schnürchen. Und er, der Weltstar, gab eine unglaublich gute Figur ab. Sympathisch, nett, höflich, eher ein wenig schüchtern. Und keine Spur von Arroganz. „Wie ist er?“, fragte ich Medien-Chef Jörn Wolf erwartungsfroh, und der antwortete kurz und knapp: „Einer wie du und ich.“ Wozu Ihr wissen müsst: Jörn Wolf ist ein Typ zum Pferdestehlen, einer, der in die Welt passt, einer, der das Herz am rechten Fleck hat, der niemals von oben herab ist, dem auch der kleinste Hauch von Überheblichkeit fremd ist. Und so einer ist Ruud van Nistelrooy auch. Ganz offensichtlich. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Er wirkte total ehrlich auf mich. Da gab es nicht eine gekünstelte Antwort. Auch keine Phrase, keine Ausflüchte – da saß der neue HSV-Star und gab offen Auskunft über sich, seine sportliche Vergangenheit, über seine Ziele. Beeindruckend, so nenne ich seinen Auftritt. Gelegentlich kratzte er sich verlegen hinter dem Ohr, oder auch an der Nasenspitze, wenn er eine Frage nicht sofort beantworten konnte, wenn er nicht sofort eine Antwort auf Deutsche parat hatte. Das machte ihn nur noch sympathischer. Auf der Bühne im Medienraum wurde es durch die Scheinwerfer immer heißer, doch ihm wurde nichts zuviel. Ruud van Nistelrooy lächelte tapfer, wobei auch nicht die kleinste Kleinigkeit davon aufgesetzt wirkte.

Bernd Hoffmann hatte die Mentalität des neuen Stürmers gelobt, freut sich darauf, dass van Nistelrooy den Verein und seine neue Mannschaft damit bereichert. Und das wird er ganz sicher tun. Da kommt keine Diva, da kommt kein Überflieger, da kommt ein Teamplayer. Einer, der sich einordnen will, der durch Leistungen überzeugen möchte, der sich durch sein sportliches Auftreten auch in Hamburg ein (kleines) Denkmal setzen möchte – so wie er es in Madrid und Manchester bereits getan hat.

Wie bescheiden Ruud van Nistelrooy an diesem Montag auftrat, das belegt auch die Frage nach seiner Rückennummer. Welche Beziehung er zu der 22 hat, wurde er gefragt. Keine, so seine Antwort. Ihm sei diese Nummer zugeteilt worden, also nahm er sie an. Und er sagte: „Als ich zu Real Madrid kam, war die Nummer 17 frei. Die bekam ich. Als Real mir nach einem Jahr die Nummer neun geben wollte, habe ich dies abgelehnt, ich blieb bei der 17.“

Er will nun „Vollgas“ gaben, hat er gesagt. Und das wird sicher keine Floskel sein – oder bleiben. Der Mann gibt Vollgas, keine Frage, denn er will. Van Nistelrooy ist, so denke ich nach seinem ersten Auftritt, kein Mann der großen Sprüche und Versprechungen, der will Fußball so erfolgreich wie möglich spielen, er will die Fans von seinem großen Können überzeugen. So hat er es in seinem ganzen Fußballer-Leben getan. Und: Da ist kein Mann nur mal so eben auf eine kurze Stippvisite in Hamburg vorbeigekommen, sondern einer, der ganz genau weiß, was die Leute hier von ihm erwarten. Und er ist gewillt, den Fans das zu geben, was sie sich von ihm erhoffen. So war er immer und überall.

Auch deswegen gab es in Madrid am Sonntag einen wunderbaren Abschied für ihn. Begleitet von herzlichen Worten der Medien. Die Zeitung „As“ schrieb: „Die Real-Fans haben mit ihren Ovationen einen Stürmer belohnt, dessen Leistungen trotz seiner Verletzungen unbestritten sind.“ Die „Marca“ schrieb: „Ein großer Fußballer verlässt Real. Ruud van Nistelrooy ist ein Beispiel für einen vorbildlichen Profi. Leute wie ihn gibt es in der heutigen Zeit immer weniger, er ist seriös, ehrlich und bescheiden. Nur seine Verletzungen haben ihn stoppen können. Er ist ein Mann, der auf der Höhe von Di Stefano, Puskas oder auch Hugo Sanchez steht.“ Und die „El Pais“ berichtete: „Ruud van Nistelrooy wurde mit der größten Ovation verabschiedet, die das Bernabeu-Stadion seit der Vorstellung Cristiano Ronaldos im Juli 2009 erlebte.“

Hamburg kann sich freuen. Auf einen tadellosen Sportsmann, der zuletzt nur ein wenig Verletzungspech gehabt hat. Hamburg wird ihm die Daumen drücken, dass er diese Verletzungsmisere mit dem Wechsel von Madrid an die Elbe hinter sich gelassen hat. Bleibt van Nistelrooy in Zukunft vom Pech verschont, und erreicht er dazu auch wieder 100 Prozent, dann darf sich Hamburg auf viele, viele Tore des Niederländers freuen. Und dazu dürften die Hamburger auch tatsächlich davon sprechen, dass ein Weltstar zum Anfassen die Leistungen gebracht hat, auf die sich alle HSV-Fans bei der Verpflichtung am 25. Januar 2010 fast schon enthusiastisch gefreut haben.

Ich freue mich (mit Euch) – der HSV hat sich verstärkt. Auch menschlich.

23.08 Uhr

Van Nistelrooys Ziel heißt Köln

25. Januar 2010

Er ist da! Und mit ihm kamen so viele Pressevertreter wie noch nie zum HSV. Als Ruud van Nistelrooy den diesmal extra vergrößerten Mediensaal in der Nordbank-Arena betrat, musste er ein unglaubliches Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen. Die Fotografen kämpften, schubsten und bepöbelten sich, und hinter ihnen waren 16 Kamerastative aufgebaut – Rekord! Sie alle kamen, um ihn zu sehen, um ihn zu hören. „Ruud, bitte einmal nach links!“ oder: „Ruud, einmal nach rechts.“ So ging es minutenlang: „Ruud, einmal hierher bitte.“ Und: „Ruud, jetzt bitte noch einmal hierher.“ Einen solchen Auftrieb hat Hamburg in Sachen Fußball und Neuverpflichtungen noch nie erlebt, und es wird wohl noch Jahre dauern, um diesen Nachmittag noch einmal zu toppen. Es war unglaublich! Medienchef Jörn Wolf scherzte: „Das erinnert mich an die Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den VfL Bochum . . .“

Bruno Labbadia war an diesem Nachmittag nicht dabei, weil er bei der Trainer-Tagung in Frankfurt weilte. Die Begrüßungsrede hielt HSV-Boss Bernd Hoffmann, der feststellte: „Wir sind sehr, sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, einen Spieler wie Ruud van Nistelrooy in die Bundesliga zu holen, natürlich ganz besonders zum HSV. Wir haben versucht, ganz besondere Qualität zum HSV zu holen, hatten dabei auch verschiedene Optionen, deswegen sind wir aber besonders froh, dass die aus unserer Sicht beste Option auch funktioniert hat.“

Hoffmann sagte weiter: „Was uns in den Gesprächen mit Ruud van Nistelrooy beeindruckt hat, das ist seine Professionalität, und ganz besonders auch seine Mentalität. Das ist für uns ein ganz wichtiger Punkt, gerade eine solche Mentalität in unsere Mannschaft zu bringen, in unseren Verein zu bringen, das war ein ganz entscheidender Faktor für uns.“

Am 2. August 2008, so hatte Jörn Wolf recherchiert, hatte Ruud van Nistelrooy ein ganz besonderes Tor geschossen. Nämlich das 1:0 von Real Madrid im Emirates-Cup-Spiel in London gegen den HSV. Wolf: „Wir sind froh darüber, dass das dein letztes Tor gegen den HSV war.“ Der Torjäger lachte entspannt und genoss anschließend die vielen Fragen, die auf ihn einprasselten. Er antwortete auf Deutsch, das hat er einst in der Schule gelernt.

„Ich habe einen sehr guten Eindruck von Hamburg, und auch einen sehr guten Eindruck vom HSV, der ein großer Traditions-Verein und auf der ganzen Welt bekannt ist. Es wird für mich eine sehr schöne Erfahrung werden, nach Spanien, nach England nun in Deutschland zu spielen, denn die Bundesliga gehört für mich zu den stärksten Klassen in Europa“, sagte van Nistelrooy. Er wird nun eine Woche mit Reha-Trainer Markus Günther arbeiten müssen, um sich von einem Muskelfaserriss zu erholen, dann möchte „van the man“ ins Mannschaftstraining einsteigen. Das Auswärtsspiel beim 1. FC Köln (6. Februar) nennt er als sein Ziel, wenn er von seinem ersten HSV-Spiel spricht. Schön wäre es ja.

Offenbar hat ihm die Überzeugungsarbeit des HSV-Trainers besonders gut gefallen. Van Nistelrooy sagt: „Ich habe eineinhalb Stunden mit Bruno Labbadia gesprochen, über seine Ideen, über meine Ideen – das war sehr positiv, und das war sehr wichtig für mich. Ich wollte in dieser Phase meiner Karriere einen Verein haben, der passt, und der HSV passt für mich. Ich denke sicher, dass ich hier eine sehr gute Mannschaft gefunden habe, deshalb bin ich sehr froh, hier zu sein. Das Team ist jung, und es ist auch sehr stark, auch fußballerisch sehr gut, und ich hoffe, dass wir in den kommenden Jahren einiges mit dem HSV gewinnen werden.“

Er will noch „einige Jahre hier auf sehr gutem Niveau“ spielen. Und er sagt weiter: „Ich will so lange wie möglich Profi sein, und ich will so lange wie auf hohem Niveau spielen. Ich denke, dass ich hier noch einige schöne Jahre in Hamburg erleben kann.“ Van Nistelrooy will noch mit zur WM in Südafrika, er hofft deshalb, dass er sich bis zum Sommer noch oft in bester Verfassung zeigen kann.

Der Torjäger war mit seiner Frau in Fuhlsbüttel gelandet, sein Vater ist hier, seine Schwiegereltern sind nach Hamburg gekommen. Moralische Unterstützung für die ersten Stunden in der neuen Heimat. Frau und Kinder kommen aber erst, wenn die Suche nach einer Wohnung oder einem Haus abgeschlossen ist, und auch die Suche nach Kindergartenplätzen erfolgreich war.

Dass nun ein großer Druck auf ihn lastet, sieht er nicht als besondere Last an, im Gegenteil: „Druck gab es überall für mich, ich sehe das aber nicht als Druck, sondern als Motivation. So habe ich es immer gesehen, so sehe ich das auch mit Hamburg.“ Er hat als Kind immer gemeinsam mit seinem Vater die Sportschau gesehen, saß sonnabends vor dem Fernseher, um die Bundesliga zu verfolgen, nun freut er sich darauf, alle diese Klubs und die Stadien persönlich kennen zu lernen. Bleibt aus Hamburger Sicht nur zu hoffen, dass diese Vereine dann einen HSV-Stürmer namens Ruud van Nistelrooy nicht gerade in bester Erinnerungen behalten. Er sagt aber auch: „Es braucht sicher noch etwas Zeit, bevor ich bei 100 Prozent bin. Meine Knieverletzung ist bestens verheilt, das ist wieder perfekt, aber ich habe lange nicht mehr gespielt, da muss ich noch etwas arbeiten, um wieder Vollgas geben zu können.“

Am Dienstag beginnt er mit der Arbeit. Gleich zwei Einheiten stehen auf dem Programm. Pack es an, Ruud!

18.04 Uhr

Geduld mit van Nistelrooy

24. Januar 2010

Von Montag an ist Ruud van Nistelrooy Hamburger. Um und gegen13 Uhr soll er in Fuhlsbüttel landen, danach geht es ab zum HSV. Dann wird er sich das Trikot mit der Nummer 22 vor die Brust halten, in die Kameras lächeln – und hart daran arbeiten, dass er wieder fit wird. Denn fit ist der gute Ruud noch lange nicht. Gegen den VfL Wolfsburg am Freitag zum Beispiel kann er auf keinen Fall spielen, das steht jetzt schon fest. Ein kleiner Muskelfaserriss in der Wade muss erst noch auskuriert werden. Bruno Labbadia hält den Ball beim Thema van Nistelrooy auch deswegen noch flach. Total flach. Der Trainer sagt: „Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir daraus nicht eine zu große Geschichte machen. Er ist ein guter Spieler, der dort, wo er war, eine Super-Torquote hatte, aber wir konnten ihn nun deswegen bekommen, weil er erstens sich selbst beweisen will, dass er noch einmal auf hohem Niveau spielen kann, und zweitens weil er verletzt war.“

Eine vielsagende Erklärung. Der HSV-Trainer erklärend weiter: „Deswegen müssen die Euphorie um van Nistelrooy auch ein wenig bremsen, denn er war über ein Jahr verletzt, hatte im Anschluss daran auch noch zwei kleinere Verletzungen – er braucht noch eine Aufbauphase, und er braucht sicher auch noch zwei, drei Wochen, in denen er sich an die Mannschaft heran tastet.“

Der 33-jährige van Nistelrooy wurde für eineinhalb Jahre verpflichtet. Und Labbadia will zunächst einmal so tun, als wäre aus dieser Verpflichtung nichts geworden. Der Trainer und seine Überlegungen: „Es hätte ja auch sein können, dass wir keinen Spieler mehr geholt hätten. Dann hätten wir mit unserem Kader über die Runden kommen müssen. Und daran orientieren wir uns nun, so denken wir jedenfalls. Natürlich hat Ruud van Nistelrooy etwas Besonderes, aber er hat auch eine Geschichte hinten dran. Wir wissen, dass es auch noch ein paar Wochen mit ihm dauern kann, bis er in die Situation kommt, dass er mal über einen längeren Zeitraum spielen kann.“

Bruno Labbadia hat vor einigen Tagen ein sehr langes Telefonat mit seinem neuen Schützling geführt, um sich von diesem Weltstar ein abgerundetes Bild zu machen. „Wir haben sehr intensiv gesprochen, er weiß, was wir erwarten, er weiß auch, was auf ihn in Hamburg zukommen wird. Ich weiß, dass er unbedingt noch einmal will, er ist sehr klar in seinen Aussagen. Er hat Spaß am Fußball, er will noch einmal angreifen, will in seinem vierten Land als Spieler noch einmal für Furore sorgen“, sagt Labbadia. Dass van Nistelrooy auch für die nächste Saison unter Vertrag steht, wurde mit Bedacht gewählt. Der HSV-Coach über seine Gedankengänge: „Wir werden vielleicht nicht den kurzfristigen Erfolg mit ihm haben. Wenn er es aber schafft, dann kann er uns eventuell in der nächsten Saison weiterhelfen, mit der Einstellung die er hat, mit der Qualität, die er hat. Dann macht es wenig Sinn, jetzt mit ihm Aufbauarbeit zu betreiben, um dann zu sehen, dass er den HSV wieder verlässt.“

In den kommenden Tagen wird sich Ruud van Nistelrooy zunächst mit Reha-Trainer Markus Günther beschäftigen müssen, bevor der Niederländer, der bestens Deutsch spricht, dann an die Mannschaft herangeführt wird. Zweimal am Tag soll van Nistelrooy trainieren, um möglichst schnell wieder auf seinem alten Niveau spielen zu können. Labbadia: „Wir freuen uns auf unseren Neuzugang, wir wissen aber auch, dass da noch ein Haufen Arbeit auf uns wartet.“ Vier oder fünf Wochen könnte es durchaus noch dauern, bevor van Nistelrooy zum ersten Mal für den HSV antritt. Auch die Fans werden sich also noch in Geduld üben müssen.

Eines ist mit diesem spektakulären Transfer aber auf jeden Fall geschehen: Paolo Guerrero ist gehörig unter Druck gesetzt worden. Entweder der immer noch schwer verletzte Peruaner nimmt das Vertragsangebot des HSV demnächst an, oder greift bei einem anderen Klub nach den Sternen (und den Millionen). Ob es diesen anderen Klub (oder Klubs?) gibt, wage ich noch immer zu bezweifeln, aber das ist ein anderes Thema. Labbadia zur Situation um Guerrero: „Wir wollten uns nicht in die Abhängigkeit von Spielern begeben, wir können nicht bis zum Schluss warten, um erst dann etwas zu suchen. Wir müssen zweigleisig fahren, und das tun wir nun. Wir sind jetzt nicht mehr ganz so im Zugzwang, etwas machen zu müssen, wir haben jetzt schon ein Jahr gewonnen – wenn es jetzt mit Paolo nicht mehr klappen würde. Aber das ist ja auch noch offen.“

Für Marcus Berg ist die Verpflichtung van Nistelrooy zwar auch ein harter Schlag, aber der Schwede wird damit umgehen können, denn: Zu Saisonbeginn hatte er Guerrero und Mladen Petric vor der Nase, nun sind es, wenn alles gut geht, Petric und van Nistelrooy. Labbadia: „Das ist die gleiche Konstellation wie zu Saisonbeginn. Marcus Berg kann langsam reinwachsen, und das gilt auch für Tunay Torun.“

Für die beiden jungen Stürmer könnte es enger werden in Sachen Einsätzen. Gar nicht mehr für den HSV spielen werden (jedenfalls in dieser Saison) zwei andere Profis: Mickael Tavares (28) wird bis zum Ende der Saison an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, und Alex Silva (24) geht auf Leihbasis für 18 Monate zum FC Sao Paulo. Irgendwie plötzlich und doch erwartet. Wochenlang hatte Bruno Labbadia auf die dünne Spielerdecke beim HSV hingewiesen und ein Ausleihen strikt abgelehnt, nun aber hat sich das Blatt gewendet. Der Trainer zum Fall Silva: „Man hat ihm angemerkt, dass er sich nicht mehr so richtig wohl gefühlt hat bei uns. Er war noch nicht fit, aber er hat sich weiter gesehen als er in der Tat war, er wäre bei uns ein Stück hinten an gewesen – und in Brasilien kommt er doch eher zum Zuge.“

„Wir wissen, dass wir keinen riesig-breiten Kader haben, aber wir hatten auch schon schlimmere Situationen als jetzt“, sagt Labbadia zur jetzigen Situation und verweist auch darauf, dass ja auch Guy Demel demnächst wieder vom Afrika-Cup zurückkehren wird. Und Tavares? Der ja eigentlich bleiben sollte? Der Trainer: „Man hat in den letzten zwei Wochen deutlich gemerkt, dass er mit dem Kopf nicht mehr bei uns war, er wollte unbedingt zum 1. FC Nürnberg. Dann macht es keinen Sinn, wenn er nicht mehr mit 100 Prozent bei uns ist.“ Die Lücke Tavares will Bruno Labbadia mit einem Spieler aus den eigenen Reihen schließen (Sören Bertram, Hanno Behrens, Christian Groß).

Schlusswort Labbadia: „Und dann hoffen wir, dass wir mit diesem engen aber auch guten Kader über die Runden kommen werden.“

16.30 Uhr

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Labbadia

Aogos Fehler entschied

23. Januar 2010

Gerissen. Die gute Auswärtsbilanz des HSV hat beim Gastspiel in Dortmund ihre erste negative Kerbe erhalten. Bei der 0:1-Niederlage gegen die lange Zeit deutlich besseren Borussen wachte der HSV viel zu spät auf, um noch etwas holen zu können. Erst als Bruno Labbadia gegen Schluss alles auf eine Karte setzte und die gesamte Offensive einwechselte, kam der HSV noch ein wenig besser ins Spiel, aber zuvor waren die Hamburger über eine Stunde lang hoffnungslos unterlegen gewesen. Schade, der HSV hätte durch das 2:2 der Schalker in Bochum Boden in Richtung Spitze gut machen können, doch an diesem Abend fand er in einem besseren Gegner seinen Meister. Dortmund zog mit diesem Sieg am HSV vorbei.

Es ging in Halbzeit eins gegen die gefürchtete schwarz-gelbe Wand, aber war das der Grund dafür, dass Dortmund so überlegen war? Und dass der HSV kein Bein an die Erde bekam? Der Rasen glich dem in Hamburg, von daher hätte es sogar ein Heimspiel werden können, aber sah es in den ersten Minuten noch so aus, als könne der HSV mithalten, so geriet er mit zunehmender Spieldauer immer mehr unter Druck. Die Borussen liefen nach einer Viertelstunde wie die Hasen, die Hamburger wie die Angsthasen immer nur hinterher. Da war nichts von Selbstvertrauen zu erkennen, obwohl der HSV doch auswärts noch ungeschlagen war.

Bruno Labbadia hat Mut bewiesen, indem er Tunay Torun, der in dieser Woche nicht so gut trainiert hatte, in der Mannschaft ließ. Auf der Bank saß Eljero Elia, der nur unregelmäßig trainiert hatte, weil er in der Woche zuvor umgeknickt war.

Woran das Spiel des HSV krankte? Das begann schon mit dem Aufbau. Da gab es meistens nur lange Dinger, die immer bei Schwarz-Gelb landeten. Grausam. Auffällig dabei: Joris Mathijsen, der einen schwachen Tag erwischt hatte, war offensichtlich bemüht, keinen weiten Ball nach vorne zu befördern, das überließ er meistens seinem Nebenmann David Rozehnal, dem er den Ball immer von links nach rechts in die Füße schob. Und der Tscheche war es dann, der die Dortmunder bediente. Der Wahnsinn hatte Methode. Anfangs hatte Jerome Boateng noch den einen oder anderen Ball gehabt, der bei einem Hamburger Fuß landete, aber mit dieser Herrlichkeit war auch spätestens nach einer halben Stunde Schluss.

Und links? Da war Dennis Aogo offensichtlich total überrascht davon, wie aggressiv die Dortmunder gegen ihn Forechecking spielten. Aogo wollte diese Attacken mit Lässigkeit abwehren, wurde dabei aber nur nachlässig. Der junge Mann ist 23 Jahre alt, hat gerade erfahren, dass er eine Chance hat, mit zur WM nach Südafrika zu fliegen, das könnte sich natürlich mental auf sein Spiel ausgewirkt haben. Statt auch aggressiv und konzentriert zu Werke zu gehen, versuchte er es spielerisch – und lag damit total daneben.

Es passte zu dieser total misslungenen Vorstellung, dass Dennis Aogo das Führungstor der Dortmunder mit einem katastrophalen Fehler begünstigte. Er legte den Ball mit dem rechten Fuß genau auf Valdez, der aus 16 Metern abzog – unhaltbar schlug die Kugel im Hamburger Tor ein (36.). Was für ein Fehler!

Der HSV ging in dieser Phase des Spiels total unter. Das war stellenweise eine Vorführung. Die Zweikampfwerte der Hamburger müssen am Boden gewesen sein, so schlecht lief es. Zudem waren die Borussen läuferisch wesentlich besser, ausdauernder und schneller. Und die vor einer Woche (gegen Freiburg) noch so gelobte linke HSV-Seite mit Aogo und Marcell Jansen fand diesmal über weite Strecken überhaupt nicht statt. So setzte sich das an diesem Tage lange Zeit überhaupt nicht passende HSV-Puzzle negativ fort: Jeder nach vorn gespielte Ball kam postwendend zurück, in der Offensive fand der HSV einfach nicht statt.

Was natürlich auch daran lag, dass der HSV im Mittelfeld hoffnungslos unterlegen war. Dort hielt niemand die Bälle (anfangs noch Piotr Trochowski, aber er ging dann schnell mit unter), alle liefen sie wie die aufgescheuchten Hühner über den nicht vorhandenen Rasen. Jeder war nur mit sich selbst beschäftigt, war darum bemüht, sein Spiel zu ordnen oder zu finden – vergeblich. Es fehlte ein Mann, der die Fäden in die Hand nimmt, der Tacheles redet, der mitreißen könnte, an dem sich die Kollegen hätten aufrichten können. Aber an diesem Tag gab es den nicht. Und, das muss festgehalten werden: So miserabel lief es in diesem Mannschaftsteil in dieser Saison noch nie – eventuell im ersten Spiel in Freiburg.

Zur zweiten Halbzeit erschien der HSV erneut mit Torun. Ich hatte, um ehrlich zu sein, schon zu diesem Zeitpunkt auf Elia gehofft. Aber immerhin: Torun hatte die erste HSV-Möglichkeit, nachdem Jansen im BVB-Strafraum einen Ball gegen Owomoyela erobert hatte. Tunay Torun aber kam nur mit der Stiefelspitze an die Kugel, Ziegler hielt mühelos.

In der 60. Minute gab es dann den längst fälligen Wechsel. Doppelt sogar. Marcus Berg und Elia kamen für Trochowski und Torun. Es wurde besser, der HSV witterte Morgenluft, merkte, dass auch diese vor Selbstbewusstsein strotzenden Dortmunder durchaus verwundbar sind. Berg hätte das 1:1 erzielen können, doch Ziegler zeigte sich in der 67. Minute von seiner besten Seite, er lenkte den aus fünf Metern geschossenen Ball mit einem Super-Reflex zur Ecke.

Zum Schluss lief dem HSV die Zeit davon. Er drückte, er war bemüht, aber dieser Spurt kam zu spät. Auch deshalb, weil der letzte Pass oft nicht genau genug gespielt wurde.

Ein Blick noch auf die Standards. Ich war beeindruckt, dass bei den Borussen jeder, wirklich jeder Freistoß in irgendeiner Form gefährlich für den HSV wurde. So müssen die Bälle geschlagen werden. Und ich kann nur hoffen, dass der HSV dazu auch eines Tages in der Lage sein wird.

Ein Wort noch zu Manuel Gräfe. Der Schiedsrichter war sichtlich darum bemüht, dem HSV keine Wiedergutmachung widerfahren zu lassen. Ihr erinnert Euch? Am 28. November hatte der Berliner Unparteiische das Spiel in Mainz gepfiffen, bei dem der 05-Abwehrspieler Noveski die HSV-Rakete Elia ganz böse umgetreten hatte. Ist ja auch okay, wenn ein Schiedsrichter die alten Geschichten ruhen lässt, aber dann das: Boateng begeht sein erstes Foul – und Gräfe zieht sofort Gelb (60.). Als Boateng nur vier Minuten von Breitkreutz von den Beinen geholt wird, schweigt die Pfeife. Aber wieso? Ungerechter kann ein 23. Mann nicht sein, das sage ich bewusst. Und das hat auch nichts mit der rosaroten HSV-Brille zu tun, diese beiden Szenen waren Tatsache. Und so etwas ärgert mich ganz einfach, und zwar gewaltig. Hat vielleicht auch etwas mit der Art eines Heim-Schiedsrichters zu tun . . . Obwohl ich auch gleich anmerken muss: An Gräfe hat es ganz sicher nicht gelegen, dass der HSV so schlecht auftrat.

Was mir gefiel: Die Hamburger Fans waren natürlich hoffnungslos in der Minderheit, sie sahen zudem ein schlechtes Spiel ihrer Lieblinge – aber sie mühten sich nach Kräften. Sie feuerten den HSV immer wieder an, zeitweise waren sie sogar lauter als die BVB-Fans, das war wirklich prima.

PS: Vielleicht hattet Ihr erwartet, dass es vor dem Spiel in Dortmund noch einen kleinen Bericht geben würde. Ich habe lange mit mir gekämpft, aber ich wollte diese ganze Van-Nistelrooy-Geschichte noch einmal so richtig sacken lassen. Für ich wie für Euch immer noch Wahnsinn, das gebe ich zu, vor allem, wie das alles gelaufen ist. Ich hoffe, dass ich – ganz in Eurem Sinne – „Eiche Nogly“ und „Jacek Dembinski“ genügend gewürdigt habe, es erschien ja auch ein kleiner Artikel in der HA-Print-Ausgabe. Sie haben es sich verdient. Die Häme und die vielen schlimmen Kommentare, die es dann gegeben hätte, wenn die Sache doch noch gescheitert wäre, hätte ich nicht lesen mögen.

So dicht liegen Vernichtung und Jubel beieinander. Denkt bitte noch einmal an Vagner Love zurück (mit dem Geplänkel von Guy Demel und dem FC Sunderland). Auch da waren User von „Matz ab“ ganz, ganz weit vorn, warum es letztlich dann doch nicht klappte, das wissen wir hier in Hamburg ja gar nicht mal ganz genau – aber Häme gab es auch nach diesem geplatzten Transfer schon genügend.

Und wie die Lage in unserem Berufsstand ist, habt Ihr daran erkennen können, wer sich an dieser Geschichte alles mit Ruhm bekleckert hat. Sie hatten alle – selbstverständlich – seit Tagen recherchiert, sie wussten alle schon seit Tagen ganz genau, was da läuft, sie hatten es nur nicht geschrieben. . .

Ihr könnt an diesem Musterbeispiel sehen, mit welchen Haien in diesem Job zu kämpfen ist. Mir taten vor allem „Jacek“ und „Eiche“ leid, denn die wussten doch schon eineinhalb Tage eher (!), was da hinter den Kulissen läuft, aber im Interesse des HSV haben sie es nicht veröffentlicht, weil der Deal sonst vielleicht doch noch geplatzt wäre. Vielen Dank auch für diese Geduld, ihr beiden „Vorbild-Matz-abber“, vielleicht wird es ja auch noch eines Tages vom HSV honoriert. Mit einem Van-Nistelrooy-Trikot? Das hätte doch was!

20.30 Uhr

Es geht voran

22. Januar 2010

Zum Training, zwei Stunden in der Kälte stehen, eine Stunde auf Interviews warten, dann in die Redaktion und für „Matz ab“ schreiben. Wenn das so einfach gehen würde, was für ein Traum! Aber so geht es leider nicht. Allein das Lesen der Mails kostet und kostet Zeit. Und dazu hier ein Telefonat, dort eine Konferenz, dann ein Interview – im Moment ist reichlich Hektik angesagt. Doch nun lasse ich mich nicht mehr bremsen, nun geht es los. Mit Ruud van Nistelrooy. Und wie! Es gab ja schon so manchen Skeptiker, auch bei „Matz ab“, aber die Recherchen haben ergeben, dass es alles seinen normalen Gang geht. Die vertraglichen Dinge zwischen dem Niederländer, dem HSV und Real Madrid sollen geklärt sein – es fehlt nur noch die sporttaugliche Untersuchung.

Komisch, dass ich dabei spontan an Uli Hoeneß denken muss. . . Hoffentlich nicht. Für alle, die es nicht wissen: Hoeneß sollte einst als Spieler zum HSV, wurde von Mannaschaftsarzt Dr. Uli Mann in Hamburg untersucht, dabei wurde ein Knieschaden festgestellt  – der Transfer platze noch in letzter Sekunde.

Am Sonntag wird van Nistelrooy in Madrid verabschiedet, und zwar vor dem Heimspiel gegen Malaga, das um 21 Uhr angepfiffen wird. Danach, so denken wir, wird er die Hühner satteln und nach Hamburg fliegen. Ob er allerdings schon am Freitag gegen den VfL Wolfsburg mitspielen wird, das dürfte wohl Wunschdenken bleiben, denn noch ist van Nistelrooy leicht verletzt (muskuläre Probleme). Angeblich soll es noch eine Woche dauern, bevor er wieder ins Mannschaftstraining wird einsteigen können.

Egal, seine neuen Kollegen freuen sich auf den „Neuen“. Kapitän David Jarolim schwärmte schon einmal: „Das wäre sensationell, wenn ein solcher Star käme. Er hatte sicher viele internationale Angebote, da ist das schon ein kleiner Beweis dafür, dass der HSV sich international etabliert hat. Van Nistelrooy ist ein Torjäger der Extraklasse. Auf so einen muss man sich einfach freuen.“ Der künftige Sturm-Partner van Nistelrooys, Mladen Petric, sieht es ähnlich: „Ein super Spieler, der unglaublich viele Tore für die größten Klubs der Welt geschossen hat. Für mich wäre das von Vorteil, weil das Augenmerk der Gegner sicher vermehrt auf ihm läge. Ich hoffe, dass das klappt und wir uns gut ergänzen. Er würde auch vom Typ her super zu uns passen. Wir haben mit Ze Roberto im Sommer als Verein ein Zeichen gesetzt, jetzt folgt das nächste. Genau so hat es sich unsere Mannschaft gewünscht. Allerdings muss auch klar sein, dass sich die Ziele verändern. Nur international reicht nicht, bei so einem Namen muss jedes Jahr die Champions League erreicht werden.“

Mit van Nistelrooy befreundet ist Joris Mathijsen. Der Abwehrspieler zu dem bevorstehenden Wechsel: „Ruud ist einer der besten Torjäger Hollands, ich hoffe sehr, dass er hier daran anknüpfen wird.“ Jerome Boateng gab zu: „Eljero Elia und ich haben über diesen Transfer schon vor drei Wochen gesprochen.“ Van Nistelrooy ist einer der sich bei den größten Klubs der Welt durchgesetzt hat. Ihn habe ich mir bei meinem Computer-Spiel immer als erstes in die Mannschaft geholt.“ Nationalspieler Marcell Jansen und seine Vorfreude: „Allein der Name bringt schon viel mit. Es ist ein Anreiz, von so einem Mann zu lernen. Ich freue mich darauf.“ Ähnlich denkt Piotr Trochowski: „Den Spieler kennt jeder, ´ne richtige Tormaschine über Jahre. Das sind Weltklassestars. Von solchen Stars profitiert in den eigenen Reihen jeder. Und es zeigt den Stellenwert des HSV.“ Und der künftige Nationalspieler Dennis Aogo sagte zu diesem Thema: „Dieser Transfer wäre ein Riesenerfolg. Als ich noch ein Kind war, war van Nistelrooy schon ein Idol bei Manchester United. Es würde mich stolz machen, neben ihm aufzulaufen. Das wird für mich ähnlich wie mit Zé Roberto sein.“

Beim HSV gab es nun schon bereits etliche Anfragen, wann es das Van-Nistelrooy-Trikot geben wird? Egal, welche Nummer der Niederländer auch immer auf dem Rücken tragen wird, das Jersey wird ein Renner, es wird alle Rekorde brechen, das steht bereits jetzt fest.

Beim HSV gab es aber bislang keinen Verantwortlichen, der sich zum Thema Ruud van Nistelrooy (offiziell) äußern wollte. Bruno Labbadia befand: „Wir bleiben dabei: In dem Moment, wo es Fakten gibt, werden wir sie auch mitteilen. Damit sind wir immer bestens gefahren, dabei bleibt es auch jetzt. Weil sonst schon vorher immer sofort alles auseinander gepflückt wird. Gibt es aber Fakten, dann kann sich daran jeder orientieren.“ Auch zu Klaas-Jan Huntelaar wollte Labbadia nichts sagen. Der 26-jährige Holländer (Marktwert 20 Millionen Euro) hat vom AC Mailand die Freigabe erhalten, und nach wie vor hält sich auch das Gerücht, dass Huntelaar ebenfalls zum HSV kommen wird.

Der Trainer wollte aber lieber über seine Vorfreude über das Dortmund-Spiel reden. Was er dann auch tat. Die gute Nachricht: Eljero Elia ist fit für Sonnabend, kann also gegen die Borussia spielen. Labbadia wollte die Katze aber noch nicht aus dem Sack lassen, ob er Elia von Beginn an stürmen lässt: „Die Jungs, die gegen Freiburg gewonnen habe, die haben ihre Sache doch sehr gut gemacht. Und bei Elia muss überlegt werden, ob es besser ist, ihn von Anfang zu bringen, bis er dann nicht mehr kann, oder erst gegen Ende des Spiels, wenn er noch für frischen Wind sorgen könnte.“ Genau diese Überlegungen hat der Trainer noch nicht angestellt, beziehungsweise, er hat sie für sich noch nicht beendet. Mein Tipp: Das Abschlusstraining hat Elia bestens überstanden, er stand zwar nur im Reserve-Team, aber ich rechne damit, dass der HSV-Angriff in Dortmund aus dem Duo Mladen Petric/Eljero Elia bestehen wird.

Und Tunay Torun geht auf die Bank. Diese Variante würde ich nach dieser Trainingswoche bevorzugen, aber es ist natürlich auch möglich, dass Labbadia dem Frieden (mit Elias Knöchel) noch nicht traut und deshalb auf Nummer sicher geht: Torun/Petric. Der Coach wird es auch ganz sicher nicht verraten, weil er ja doch noch das eine oder andere kleine Geheimnis vor den Dortmundern bewahren möchte.

Immerhin: Jerome Boateng rückt in die Start-Elf, für ihn wird Tomas Rincon neben David Jarolim auf die „Doppel-Sechs“ gehen, Robert Tesche nimmt dafür wieder auf der Reservebank Platz. Neben ihm wird auch Jonathan Pitroipa sitzen, der am Freitag um 12.30 Uhr in Hamburg gelandet ist. Da er zurzeit mit im Zug Richtung Westen sitzt, wird seine Knie-Verletzung, die er sich beim Afrika-Cup zugezogen hatte, wohl nicht so schlimm sein, als dass sie ihn an einem (Kurz-)Einsatz in Dortmund hindern könnte. Wäre sie von schwerwiegender Natur, hätte ihn Labbadia doch wohl eher zur Pflege in Hamburg gelassen.

Apropos Hamburg: Guy Demel, das ging nun fast unter, hat sich offenbar dazu entschlossen, in Hamburg bleiben zu wollen, er will mit dem HSV verlängern. Kommentar Labbadia: „Wir hatten das Thema mit dem Vereinswechsel nie angeschoben. Ich kenne seine Qualitäten, wenn er die zu 100 Prozent einbringt, dann ist er ein sehr wichtiger Mann für uns. Ich hoffe sehr, dass er gesund vom Afrika-Cup zurückkommt, damit wir ihn schnellstens wieder einbinden können.“

Damit dieser HSV noch viel stärker wird.

18.01 Uhr

Eilmeldung: van Nistelrooy kommt

21. Januar 2010

Er kommt! Er kommt tatsächlich! Ruud van Nistelrooy wird von Real Madrid zum HSV kommen! Es ist kein Witz, es ist auch keine warme Luft – es ist Tatsache! „Jacek Dembinski“ hat voll ins Schwarze getroffen, und auch „Eiche Nogly“ hat einen Volltreffer gelandet. Beiden ein großes Kompliment, sie sind die Helden von „Matz ab“. Beide lagen sie schon im „Fall Vagner Love“ ganz weit vorne, dass dieser Transfer nicht zustande gekommen ist, lag daran, dass der Spieler letztlich sein Land nicht verlassen wollte, um sich in der heimischen Liga für die Nationalmannschaft und damit für die WM 2010 anzubieten.

Ruud van Nistelrooy, 33 Jahre jung, soll ablösefrei zum HSV kommen. Eventuell sogar so schnell, dass er schon zum Aufgebot des Dortmund-Spiels gehören könnte – aber da will ich nichts versprechen. Und wenn ich bei Euch schon vom „Fall Sorin“ gelesen habe, so muss und kann ich Euch beruhigen: Angeblich wird der niederländische Nationalstürmer nach Einsätzen bezahlt. Das Risiko eines „Fehleinkaufs“ wurde somit vom HSV minimiert.

Jetzt sollten sich alle, die sich auf van Nistelrooy freuen, auch tatsächlich nicht mehr zurückhalten, sondern allmählich ihre Skepsis ablegen und ganz langsam (und dann heftig!) ihrer Freude freien Lauf lassen – er kommt. Es ist nur eine Frage von Stunden, wann das sein wird.

Kurios: Als ich am Donnerstag Bernd Hoffmann zum Geburtstag gratuliert habe, dachte ich so bei mir: „Mensch, wie gut ist der Boss denn drauf? Es fehlt ja jetzt nur noch, dass er mit einem Lied auf den Lippen durch den Saal dribbelt und alle vier, fünf Meter einen kleinen Luftsprung absolviert. Schon mittags hatte ich den Verdacht, dass sich da noch etwas tut.“

Und ein Angriff mit Ruud van Nistelrooy und Mladen Petric, da muss ich Euch einmal beipflichten, der hat schon was!!!!

Ich wünsche allen „Matz-abbern“ eine ausgezeichnete Nacht, träumt etwas Schönes. Vielleicht doch schon vom Rathausmarkt?

PS: Ich bin ehrlich stolz auf Euch, Ihr seid phantastische “Mitarbeiter”, Ihr seid schon wieder einmal ganz weit vorn – die Nummer eins! Riesiges Kompliment.

Und Kompliment auch dem Team um Bernd Hoffmann – natürlich!

22.36 Uhr

Verpatzte Generalprobe

21. Januar 2010

Der Benno Hafas hat ja schon sehr viel erzählt. Deswegen an dieser Stelle nur noch einen kurzen Trainingsbericht. Minus fünf Grad, gefühlte minus 15,  Bruno Labbadia ließ zunächst wieder, wie schon am Mittwoch, die Automatismen üben: Spieleröffnung – mit Abschluss. Stamm gegen Reserve. Es war, wie gesagt, eisig, sogar der stets mit kurzer Hose erscheinende Torwart-Trainer Claus Reitmaier gab zu, dass ihm ein wenig frösteln würde. Mir standen die Spieler immer dann, wenn Labbadia ihnen etwas erklärte, ein wenig zu lange in der Kälte herum, hoffentlich hat sich keiner erkältet. Eine Zerrung, die „Mann“ sich bei diesen Temperaturen schnell mal zugezogen hat, hat sich aber auf jeden Fall keiner eingefangen, denn alle gingen gesund vom Platz. Sogar Eljero Elia, aber dazu komme ich noch.

Die Reservisten führten in einem Spiel, in der die abwehrende Mannschaft nicht in eine gedachte und markierte Abwehrzone durfte, mit 2:0, aber nach kurzer Ansprache des Trainers gewannen die A-Männer noch mit 3:2. Siegtor Piotr Trochowski.

Es ging in zwei Spielen (später wurde frei gespielt, also ohne taktische Aufgabe) sehr munter zur Sache, da flogen auch schon mal verbal die Fetzen und es gab so manche Attacke, die hart an der Grenze war, es wurde sich nicht ein Millimeter Boden geschenkt. Elia spielte dabei in der B-Mannschaft, er musste immer wieder gegen den beim Stamm rechts in der Viererkette (neben David Rozehnal, Joris Mathijsen, Dennis Aogo) aufgestellten Jerome Boateng anlaufen – es knisterte bei jedem Duell, da ging es hart zur Sache. Jeder Kiebitz konnte sehen, dass Elia fit ist, dass er heiß ist, dass er will – dass er auch die Zweikämpfe annimmt. Bei einem Duell mit Boateng aber krachte es dann gewaltig, beide Spieler gingen kurz zu Boden, Elia schrie dabei laut auf. Zunächst war das Schlimmste zu befürchten, aber es war kein (!) Foul im Spiel, beide waren lediglich in eine Art Pressschlag verwickelt und die Stiefel waren aufeinander geknallt. Nach einigen Sekunden ging es dann auch weiter, und zwar für beide Spieler. Boateng, der unglaublich giftig und auch gut in diesem Spiel war (er wirkte wie beflügelt), gab dem Niederländer noch kurz einen Klaps auf die Schulter, damit war die Sache erledigt. Später, nach dem Trainings-Ende, gab Elia dann die Entwarnung: „Alles in Ordnung, es ist nichts passiert, ich kann am Sonnabend dabei sein.“

Ob und in welcher Form, das wird dann aber doch Bruno Labbadia zu entscheiden haben. Im Sturm der Stamm-Elf standen an diesem Donnerstag Mladen Petric und Tunay Torun. Der junge Türke mühte sich zwar nach Kräften, aber so richtig gelingen wollte ihm nichts.

Übrigens: Das Abschlussspiel gewann die Reserve 2:1 gegen das A-Team. Wie heißt es so schön? Einer verpatzten Generalprobe folgt eine gelungene Premiere?

19.52 Uhr

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