Tagesarchiv für den 28. Januar 2010

Nicht vom Trubel anstecken lassen

28. Januar 2010

Im Volkspark herrscht weiterhin Van-Nistelrooy-Alarm. Die ersten Fans tauchten heute schon um 9 Uhr morgens beim Trainingsgelände auf, um den neuen Superstar vielleicht bei einer Spezialeinheit zu erwischen. Das ging sogar so weit, dass ein Trainingsgast während des normalen Mannschaftstrainings Bastian Reinhardt, der eine Einheit mit Markus Günther absolvierte, für den Angreifer hielt. Der junge Mann konnte glücklicherweise schnell aufgeklärt werden. Es ist trotzdem spannend zu sehen und mitzuerleben, welche Euphorie der neue Hoffnungsträger entfacht. Sogar die fleißigen Schneeschiebe-Helfer, die rund um die Arena alles für morgen Abend herrichten, diskutierten eifrig, wann „Van the man“ nun ENDLICH sein Debüt geben wird. Hallo!? Der Mann ist gerade einmal seit Wochenbeginn da, und vor dem Spiel in Köln wird es ganz sicher nichts mit seinem Aufgalopp.

Was bin ich erleichtert, dass sich Bruno Labbadia von dem Trubel um seinen neuen Angreifer nicht so verrückt machen lässt. Bei der Pressekonferenz wurde er auf van Nistelrooy angesprochen und sagte ganz ruhig und nüchtern, dass der Neuzugang eventuell nächste Woche ins Mannschaftstraining einsteigen wird, Mitte der Woche. Und ob van Nistelrooy in Köln dabei sei, könne er noch nicht einschätzen, dafür ist es zu früh.

Der Trainer hat mit Zufriedenheit registriert, dass sich die Mannschaft von dem Megainteresse an der Topverpflichtung nicht ablenken lässt. In der morgendlichen Einheit legte der Coach wie gewohnt großen Wert auf schnelles, präzises Passspiel, auf hohe Aufmerksamkeit und gezielte Vorstöße. Als sich Tunay Torun einen deutlich erkennbaren Lapsus erlaubte und dann auch noch gedankenverloren zusah, was mit dem Ball passierte, überschlug sich Labbadias Stimme in einer wortgewaltigen (und trotzdem sehr sachlichen) Schelte für den Offensivspieler.

Dass Torun gegen den nach dem Trainerabschied Armin Vehs noch unberechenbareren VfL wohl nicht von Beginn an auflaufen wird, dürfte mit dieser Trainingsszene aber nicht zu begründen sein. Bei den abschließenden Torschussübungen und dem Abschlussspiel im Stadion probte der Coach mehrere Varianten, von denen die mit Elia oder Berg an Stelle von Torun wohl die wahrscheinlichsten sein dürften. Labbadia, der die Wolfsburger unter der Regie des Interimstrainers Lorenz-Günther Köstner deutlich defensiver als zuletzt erwartet, will von seiner Mannschaft eine deutliche spielerische und kämpferische Steigerung im Vergleich zur Pleite in Dortmund sehen. Und, ganz ehrlich, das dürfte den HSV-Profis ja auch nicht schwer fallen.

Ob es, wie von Labbadia vermutet, allerdings „ein Spiel auf ganz hohem Niveau“ wird, das wage ich dann doch etwas zu bezweifeln. Dafür präsentierten sich die Niedersachsen in den vergangenen Wochen zu wechselhaft, und auch beim HSV gab es während der Partien in 2010 zu viele Aufs und Nieders.

Auf und Nieder ist das richtige Stichwort, wenn es um die neuesten Entwicklungen im Fall Paolo Guerrero geht. Wobei „Nieder“ es bei dem Peruaner besser trifft, denn er hängt ja nach wie vor in Lima fest. Beim HSV sind seit der Berichterstattung über Guerreros akute Flugangst mehr als 150 Bewerbungen von Flugangstexperten eingegangen, die ihre meist kostenintensive Hilfe anbieten. „Wir brauchen keine weiteren Bewerbungen“, sagt Pressesprecher Jörn Wolf. Wann Guerrero nun einschwebt, oder er womöglich doch zur Ein-Mann-Kajak-Tour aufbricht, werde ich Euch berichten, wenn es soweit ist.

Ich möchte mich lieber noch einmal den Personalfragen für das Spiel gegen den VfL Wolfsburg widmen. Guy Demel landete heute um 11.40 Uhr auf dem Flughafen Fuhlsbüttel, sein Abenteuer Afrika Cup ist damit beendet. Nun will sich Labbadia vom Fitnesszustand seines Rechtsverteidigers überzeugen, will ihn in Bewegung halten. Ein Einsatz in der Startelf gegen den VfL kommt aber eher nicht in Frage. Diese Rolle dürfte also noch einmal Jerome Boateng übernehmen. Demel wartet dann als Reservist auf der Ersatzbank.

Über Elias körperlichen Zustand wurde auch oft und lange diskutiert. Wie fit ist er schon? Was macht der Knöchel? „Ob es schon für 90 Minuten reicht, kann ich nicht sagen“, meint Labbadia. Die angeschlagene Kapsel schmerzt offenbar noch immer ein wenig, aber der rasante Offensivallrounder drängt voller Unternehmungslust ins Team. Ich kann mir vorstellen, dass Labbadia seinen „Eli“ von Beginn an aufstellt; alleine, um die mehr als verunsicherte Hintermannschaft der Wolfsburger immer wieder in Bewegung zu halten und sie vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Sollte Elia dabei auch mal wieder an seine besser postierten Nebenleute denken (nicht wie in Dortmund!), dann könnte das einer der Schlüssel zum Erfolg werden.

Da ich mir vor einem der letzten Spiele ja mal anhören musste, ich würde mich nicht auf eine potenzielle Anfangself festlegen wollen, mache ich es an dieser Stelle mal: Rost – Boateng, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Jarolim, Rincon, Jansen – Petric, Elia. Sollte Labbadia auf Berg setzen, würde Elia meines Erachtens ins rechte Mittelfeld rücken – dann müsste Trochowski zunächst auf der Bank Platz nehmen.

PS: Ein wichtiges Detail hätte ich fast noch vergessen. Labbadia und seine Männer haben ja heute zum Abschluss des Trainings den neuen Rollrasen in der Nordbank-Arena ausprobiert. Ich habe ihn mir auch angeschaut und kann Labbadias Eindruck bestätigen: Der Platz ist super und wird dem Spielstil des HSV bekömmlicher sein als das schmierige Grau-Grün gegen Freiburg vor zwei Wochen. Ich bin mal gespannt, wie lange der Rasen diesmal halten wird.

14:10 Uhr