Tagesarchiv für den 25. Januar 2010

Ein sympathischer Weltstar

25. Januar 2010

Freut Euch, ich habe “Van the man” gesehen.

Der erste Versuch, den Menschen in einem Weltstar zu beleuchten und zu beurteilen:

 
Das war er also, der erste Auftritt von Ruud van Nistelrooy in Hamburg, bei „seinem“ HSV. Pünktlich in Fuhlsbüttel gelandet, auf die Minute zur Pressekonferenz gebracht. Alles klappte wie am Schnürchen. Und er, der Weltstar, gab eine unglaublich gute Figur ab. Sympathisch, nett, höflich, eher ein wenig schüchtern. Und keine Spur von Arroganz. „Wie ist er?“, fragte ich Medien-Chef Jörn Wolf erwartungsfroh, und der antwortete kurz und knapp: „Einer wie du und ich.“ Wozu Ihr wissen müsst: Jörn Wolf ist ein Typ zum Pferdestehlen, einer, der in die Welt passt, einer, der das Herz am rechten Fleck hat, der niemals von oben herab ist, dem auch der kleinste Hauch von Überheblichkeit fremd ist. Und so einer ist Ruud van Nistelrooy auch. Ganz offensichtlich. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Er wirkte total ehrlich auf mich. Da gab es nicht eine gekünstelte Antwort. Auch keine Phrase, keine Ausflüchte – da saß der neue HSV-Star und gab offen Auskunft über sich, seine sportliche Vergangenheit, über seine Ziele. Beeindruckend, so nenne ich seinen Auftritt. Gelegentlich kratzte er sich verlegen hinter dem Ohr, oder auch an der Nasenspitze, wenn er eine Frage nicht sofort beantworten konnte, wenn er nicht sofort eine Antwort auf Deutsche parat hatte. Das machte ihn nur noch sympathischer. Auf der Bühne im Medienraum wurde es durch die Scheinwerfer immer heißer, doch ihm wurde nichts zuviel. Ruud van Nistelrooy lächelte tapfer, wobei auch nicht die kleinste Kleinigkeit davon aufgesetzt wirkte.

Bernd Hoffmann hatte die Mentalität des neuen Stürmers gelobt, freut sich darauf, dass van Nistelrooy den Verein und seine neue Mannschaft damit bereichert. Und das wird er ganz sicher tun. Da kommt keine Diva, da kommt kein Überflieger, da kommt ein Teamplayer. Einer, der sich einordnen will, der durch Leistungen überzeugen möchte, der sich durch sein sportliches Auftreten auch in Hamburg ein (kleines) Denkmal setzen möchte – so wie er es in Madrid und Manchester bereits getan hat.

Wie bescheiden Ruud van Nistelrooy an diesem Montag auftrat, das belegt auch die Frage nach seiner Rückennummer. Welche Beziehung er zu der 22 hat, wurde er gefragt. Keine, so seine Antwort. Ihm sei diese Nummer zugeteilt worden, also nahm er sie an. Und er sagte: „Als ich zu Real Madrid kam, war die Nummer 17 frei. Die bekam ich. Als Real mir nach einem Jahr die Nummer neun geben wollte, habe ich dies abgelehnt, ich blieb bei der 17.“

Er will nun „Vollgas“ gaben, hat er gesagt. Und das wird sicher keine Floskel sein – oder bleiben. Der Mann gibt Vollgas, keine Frage, denn er will. Van Nistelrooy ist, so denke ich nach seinem ersten Auftritt, kein Mann der großen Sprüche und Versprechungen, der will Fußball so erfolgreich wie möglich spielen, er will die Fans von seinem großen Können überzeugen. So hat er es in seinem ganzen Fußballer-Leben getan. Und: Da ist kein Mann nur mal so eben auf eine kurze Stippvisite in Hamburg vorbeigekommen, sondern einer, der ganz genau weiß, was die Leute hier von ihm erwarten. Und er ist gewillt, den Fans das zu geben, was sie sich von ihm erhoffen. So war er immer und überall.

Auch deswegen gab es in Madrid am Sonntag einen wunderbaren Abschied für ihn. Begleitet von herzlichen Worten der Medien. Die Zeitung „As“ schrieb: „Die Real-Fans haben mit ihren Ovationen einen Stürmer belohnt, dessen Leistungen trotz seiner Verletzungen unbestritten sind.“ Die „Marca“ schrieb: „Ein großer Fußballer verlässt Real. Ruud van Nistelrooy ist ein Beispiel für einen vorbildlichen Profi. Leute wie ihn gibt es in der heutigen Zeit immer weniger, er ist seriös, ehrlich und bescheiden. Nur seine Verletzungen haben ihn stoppen können. Er ist ein Mann, der auf der Höhe von Di Stefano, Puskas oder auch Hugo Sanchez steht.“ Und die „El Pais“ berichtete: „Ruud van Nistelrooy wurde mit der größten Ovation verabschiedet, die das Bernabeu-Stadion seit der Vorstellung Cristiano Ronaldos im Juli 2009 erlebte.“

Hamburg kann sich freuen. Auf einen tadellosen Sportsmann, der zuletzt nur ein wenig Verletzungspech gehabt hat. Hamburg wird ihm die Daumen drücken, dass er diese Verletzungsmisere mit dem Wechsel von Madrid an die Elbe hinter sich gelassen hat. Bleibt van Nistelrooy in Zukunft vom Pech verschont, und erreicht er dazu auch wieder 100 Prozent, dann darf sich Hamburg auf viele, viele Tore des Niederländers freuen. Und dazu dürften die Hamburger auch tatsächlich davon sprechen, dass ein Weltstar zum Anfassen die Leistungen gebracht hat, auf die sich alle HSV-Fans bei der Verpflichtung am 25. Januar 2010 fast schon enthusiastisch gefreut haben.

Ich freue mich (mit Euch) – der HSV hat sich verstärkt. Auch menschlich.

23.08 Uhr

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