Tagesarchiv für den 24. Januar 2010

Geduld mit van Nistelrooy

24. Januar 2010

Von Montag an ist Ruud van Nistelrooy Hamburger. Um und gegen13 Uhr soll er in Fuhlsbüttel landen, danach geht es ab zum HSV. Dann wird er sich das Trikot mit der Nummer 22 vor die Brust halten, in die Kameras lächeln – und hart daran arbeiten, dass er wieder fit wird. Denn fit ist der gute Ruud noch lange nicht. Gegen den VfL Wolfsburg am Freitag zum Beispiel kann er auf keinen Fall spielen, das steht jetzt schon fest. Ein kleiner Muskelfaserriss in der Wade muss erst noch auskuriert werden. Bruno Labbadia hält den Ball beim Thema van Nistelrooy auch deswegen noch flach. Total flach. Der Trainer sagt: „Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir daraus nicht eine zu große Geschichte machen. Er ist ein guter Spieler, der dort, wo er war, eine Super-Torquote hatte, aber wir konnten ihn nun deswegen bekommen, weil er erstens sich selbst beweisen will, dass er noch einmal auf hohem Niveau spielen kann, und zweitens weil er verletzt war.“

Eine vielsagende Erklärung. Der HSV-Trainer erklärend weiter: „Deswegen müssen die Euphorie um van Nistelrooy auch ein wenig bremsen, denn er war über ein Jahr verletzt, hatte im Anschluss daran auch noch zwei kleinere Verletzungen – er braucht noch eine Aufbauphase, und er braucht sicher auch noch zwei, drei Wochen, in denen er sich an die Mannschaft heran tastet.“

Der 33-jährige van Nistelrooy wurde für eineinhalb Jahre verpflichtet. Und Labbadia will zunächst einmal so tun, als wäre aus dieser Verpflichtung nichts geworden. Der Trainer und seine Überlegungen: „Es hätte ja auch sein können, dass wir keinen Spieler mehr geholt hätten. Dann hätten wir mit unserem Kader über die Runden kommen müssen. Und daran orientieren wir uns nun, so denken wir jedenfalls. Natürlich hat Ruud van Nistelrooy etwas Besonderes, aber er hat auch eine Geschichte hinten dran. Wir wissen, dass es auch noch ein paar Wochen mit ihm dauern kann, bis er in die Situation kommt, dass er mal über einen längeren Zeitraum spielen kann.“

Bruno Labbadia hat vor einigen Tagen ein sehr langes Telefonat mit seinem neuen Schützling geführt, um sich von diesem Weltstar ein abgerundetes Bild zu machen. „Wir haben sehr intensiv gesprochen, er weiß, was wir erwarten, er weiß auch, was auf ihn in Hamburg zukommen wird. Ich weiß, dass er unbedingt noch einmal will, er ist sehr klar in seinen Aussagen. Er hat Spaß am Fußball, er will noch einmal angreifen, will in seinem vierten Land als Spieler noch einmal für Furore sorgen“, sagt Labbadia. Dass van Nistelrooy auch für die nächste Saison unter Vertrag steht, wurde mit Bedacht gewählt. Der HSV-Coach über seine Gedankengänge: „Wir werden vielleicht nicht den kurzfristigen Erfolg mit ihm haben. Wenn er es aber schafft, dann kann er uns eventuell in der nächsten Saison weiterhelfen, mit der Einstellung die er hat, mit der Qualität, die er hat. Dann macht es wenig Sinn, jetzt mit ihm Aufbauarbeit zu betreiben, um dann zu sehen, dass er den HSV wieder verlässt.“

In den kommenden Tagen wird sich Ruud van Nistelrooy zunächst mit Reha-Trainer Markus Günther beschäftigen müssen, bevor der Niederländer, der bestens Deutsch spricht, dann an die Mannschaft herangeführt wird. Zweimal am Tag soll van Nistelrooy trainieren, um möglichst schnell wieder auf seinem alten Niveau spielen zu können. Labbadia: „Wir freuen uns auf unseren Neuzugang, wir wissen aber auch, dass da noch ein Haufen Arbeit auf uns wartet.“ Vier oder fünf Wochen könnte es durchaus noch dauern, bevor van Nistelrooy zum ersten Mal für den HSV antritt. Auch die Fans werden sich also noch in Geduld üben müssen.

Eines ist mit diesem spektakulären Transfer aber auf jeden Fall geschehen: Paolo Guerrero ist gehörig unter Druck gesetzt worden. Entweder der immer noch schwer verletzte Peruaner nimmt das Vertragsangebot des HSV demnächst an, oder greift bei einem anderen Klub nach den Sternen (und den Millionen). Ob es diesen anderen Klub (oder Klubs?) gibt, wage ich noch immer zu bezweifeln, aber das ist ein anderes Thema. Labbadia zur Situation um Guerrero: „Wir wollten uns nicht in die Abhängigkeit von Spielern begeben, wir können nicht bis zum Schluss warten, um erst dann etwas zu suchen. Wir müssen zweigleisig fahren, und das tun wir nun. Wir sind jetzt nicht mehr ganz so im Zugzwang, etwas machen zu müssen, wir haben jetzt schon ein Jahr gewonnen – wenn es jetzt mit Paolo nicht mehr klappen würde. Aber das ist ja auch noch offen.“

Für Marcus Berg ist die Verpflichtung van Nistelrooy zwar auch ein harter Schlag, aber der Schwede wird damit umgehen können, denn: Zu Saisonbeginn hatte er Guerrero und Mladen Petric vor der Nase, nun sind es, wenn alles gut geht, Petric und van Nistelrooy. Labbadia: „Das ist die gleiche Konstellation wie zu Saisonbeginn. Marcus Berg kann langsam reinwachsen, und das gilt auch für Tunay Torun.“

Für die beiden jungen Stürmer könnte es enger werden in Sachen Einsätzen. Gar nicht mehr für den HSV spielen werden (jedenfalls in dieser Saison) zwei andere Profis: Mickael Tavares (28) wird bis zum Ende der Saison an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, und Alex Silva (24) geht auf Leihbasis für 18 Monate zum FC Sao Paulo. Irgendwie plötzlich und doch erwartet. Wochenlang hatte Bruno Labbadia auf die dünne Spielerdecke beim HSV hingewiesen und ein Ausleihen strikt abgelehnt, nun aber hat sich das Blatt gewendet. Der Trainer zum Fall Silva: „Man hat ihm angemerkt, dass er sich nicht mehr so richtig wohl gefühlt hat bei uns. Er war noch nicht fit, aber er hat sich weiter gesehen als er in der Tat war, er wäre bei uns ein Stück hinten an gewesen – und in Brasilien kommt er doch eher zum Zuge.“

„Wir wissen, dass wir keinen riesig-breiten Kader haben, aber wir hatten auch schon schlimmere Situationen als jetzt“, sagt Labbadia zur jetzigen Situation und verweist auch darauf, dass ja auch Guy Demel demnächst wieder vom Afrika-Cup zurückkehren wird. Und Tavares? Der ja eigentlich bleiben sollte? Der Trainer: „Man hat in den letzten zwei Wochen deutlich gemerkt, dass er mit dem Kopf nicht mehr bei uns war, er wollte unbedingt zum 1. FC Nürnberg. Dann macht es keinen Sinn, wenn er nicht mehr mit 100 Prozent bei uns ist.“ Die Lücke Tavares will Bruno Labbadia mit einem Spieler aus den eigenen Reihen schließen (Sören Bertram, Hanno Behrens, Christian Groß).

Schlusswort Labbadia: „Und dann hoffen wir, dass wir mit diesem engen aber auch guten Kader über die Runden kommen werden.“

16.30 Uhr

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Labbadia