Tagesarchiv für den 22. Januar 2010

Es geht voran

22. Januar 2010

Zum Training, zwei Stunden in der Kälte stehen, eine Stunde auf Interviews warten, dann in die Redaktion und für „Matz ab“ schreiben. Wenn das so einfach gehen würde, was für ein Traum! Aber so geht es leider nicht. Allein das Lesen der Mails kostet und kostet Zeit. Und dazu hier ein Telefonat, dort eine Konferenz, dann ein Interview – im Moment ist reichlich Hektik angesagt. Doch nun lasse ich mich nicht mehr bremsen, nun geht es los. Mit Ruud van Nistelrooy. Und wie! Es gab ja schon so manchen Skeptiker, auch bei „Matz ab“, aber die Recherchen haben ergeben, dass es alles seinen normalen Gang geht. Die vertraglichen Dinge zwischen dem Niederländer, dem HSV und Real Madrid sollen geklärt sein – es fehlt nur noch die sporttaugliche Untersuchung.

Komisch, dass ich dabei spontan an Uli Hoeneß denken muss. . . Hoffentlich nicht. Für alle, die es nicht wissen: Hoeneß sollte einst als Spieler zum HSV, wurde von Mannaschaftsarzt Dr. Uli Mann in Hamburg untersucht, dabei wurde ein Knieschaden festgestellt  – der Transfer platze noch in letzter Sekunde.

Am Sonntag wird van Nistelrooy in Madrid verabschiedet, und zwar vor dem Heimspiel gegen Malaga, das um 21 Uhr angepfiffen wird. Danach, so denken wir, wird er die Hühner satteln und nach Hamburg fliegen. Ob er allerdings schon am Freitag gegen den VfL Wolfsburg mitspielen wird, das dürfte wohl Wunschdenken bleiben, denn noch ist van Nistelrooy leicht verletzt (muskuläre Probleme). Angeblich soll es noch eine Woche dauern, bevor er wieder ins Mannschaftstraining wird einsteigen können.

Egal, seine neuen Kollegen freuen sich auf den „Neuen“. Kapitän David Jarolim schwärmte schon einmal: „Das wäre sensationell, wenn ein solcher Star käme. Er hatte sicher viele internationale Angebote, da ist das schon ein kleiner Beweis dafür, dass der HSV sich international etabliert hat. Van Nistelrooy ist ein Torjäger der Extraklasse. Auf so einen muss man sich einfach freuen.“ Der künftige Sturm-Partner van Nistelrooys, Mladen Petric, sieht es ähnlich: „Ein super Spieler, der unglaublich viele Tore für die größten Klubs der Welt geschossen hat. Für mich wäre das von Vorteil, weil das Augenmerk der Gegner sicher vermehrt auf ihm läge. Ich hoffe, dass das klappt und wir uns gut ergänzen. Er würde auch vom Typ her super zu uns passen. Wir haben mit Ze Roberto im Sommer als Verein ein Zeichen gesetzt, jetzt folgt das nächste. Genau so hat es sich unsere Mannschaft gewünscht. Allerdings muss auch klar sein, dass sich die Ziele verändern. Nur international reicht nicht, bei so einem Namen muss jedes Jahr die Champions League erreicht werden.“

Mit van Nistelrooy befreundet ist Joris Mathijsen. Der Abwehrspieler zu dem bevorstehenden Wechsel: „Ruud ist einer der besten Torjäger Hollands, ich hoffe sehr, dass er hier daran anknüpfen wird.“ Jerome Boateng gab zu: „Eljero Elia und ich haben über diesen Transfer schon vor drei Wochen gesprochen.“ Van Nistelrooy ist einer der sich bei den größten Klubs der Welt durchgesetzt hat. Ihn habe ich mir bei meinem Computer-Spiel immer als erstes in die Mannschaft geholt.“ Nationalspieler Marcell Jansen und seine Vorfreude: „Allein der Name bringt schon viel mit. Es ist ein Anreiz, von so einem Mann zu lernen. Ich freue mich darauf.“ Ähnlich denkt Piotr Trochowski: „Den Spieler kennt jeder, ´ne richtige Tormaschine über Jahre. Das sind Weltklassestars. Von solchen Stars profitiert in den eigenen Reihen jeder. Und es zeigt den Stellenwert des HSV.“ Und der künftige Nationalspieler Dennis Aogo sagte zu diesem Thema: „Dieser Transfer wäre ein Riesenerfolg. Als ich noch ein Kind war, war van Nistelrooy schon ein Idol bei Manchester United. Es würde mich stolz machen, neben ihm aufzulaufen. Das wird für mich ähnlich wie mit Zé Roberto sein.“

Beim HSV gab es nun schon bereits etliche Anfragen, wann es das Van-Nistelrooy-Trikot geben wird? Egal, welche Nummer der Niederländer auch immer auf dem Rücken tragen wird, das Jersey wird ein Renner, es wird alle Rekorde brechen, das steht bereits jetzt fest.

Beim HSV gab es aber bislang keinen Verantwortlichen, der sich zum Thema Ruud van Nistelrooy (offiziell) äußern wollte. Bruno Labbadia befand: „Wir bleiben dabei: In dem Moment, wo es Fakten gibt, werden wir sie auch mitteilen. Damit sind wir immer bestens gefahren, dabei bleibt es auch jetzt. Weil sonst schon vorher immer sofort alles auseinander gepflückt wird. Gibt es aber Fakten, dann kann sich daran jeder orientieren.“ Auch zu Klaas-Jan Huntelaar wollte Labbadia nichts sagen. Der 26-jährige Holländer (Marktwert 20 Millionen Euro) hat vom AC Mailand die Freigabe erhalten, und nach wie vor hält sich auch das Gerücht, dass Huntelaar ebenfalls zum HSV kommen wird.

Der Trainer wollte aber lieber über seine Vorfreude über das Dortmund-Spiel reden. Was er dann auch tat. Die gute Nachricht: Eljero Elia ist fit für Sonnabend, kann also gegen die Borussia spielen. Labbadia wollte die Katze aber noch nicht aus dem Sack lassen, ob er Elia von Beginn an stürmen lässt: „Die Jungs, die gegen Freiburg gewonnen habe, die haben ihre Sache doch sehr gut gemacht. Und bei Elia muss überlegt werden, ob es besser ist, ihn von Anfang zu bringen, bis er dann nicht mehr kann, oder erst gegen Ende des Spiels, wenn er noch für frischen Wind sorgen könnte.“ Genau diese Überlegungen hat der Trainer noch nicht angestellt, beziehungsweise, er hat sie für sich noch nicht beendet. Mein Tipp: Das Abschlusstraining hat Elia bestens überstanden, er stand zwar nur im Reserve-Team, aber ich rechne damit, dass der HSV-Angriff in Dortmund aus dem Duo Mladen Petric/Eljero Elia bestehen wird.

Und Tunay Torun geht auf die Bank. Diese Variante würde ich nach dieser Trainingswoche bevorzugen, aber es ist natürlich auch möglich, dass Labbadia dem Frieden (mit Elias Knöchel) noch nicht traut und deshalb auf Nummer sicher geht: Torun/Petric. Der Coach wird es auch ganz sicher nicht verraten, weil er ja doch noch das eine oder andere kleine Geheimnis vor den Dortmundern bewahren möchte.

Immerhin: Jerome Boateng rückt in die Start-Elf, für ihn wird Tomas Rincon neben David Jarolim auf die „Doppel-Sechs“ gehen, Robert Tesche nimmt dafür wieder auf der Reservebank Platz. Neben ihm wird auch Jonathan Pitroipa sitzen, der am Freitag um 12.30 Uhr in Hamburg gelandet ist. Da er zurzeit mit im Zug Richtung Westen sitzt, wird seine Knie-Verletzung, die er sich beim Afrika-Cup zugezogen hatte, wohl nicht so schlimm sein, als dass sie ihn an einem (Kurz-)Einsatz in Dortmund hindern könnte. Wäre sie von schwerwiegender Natur, hätte ihn Labbadia doch wohl eher zur Pflege in Hamburg gelassen.

Apropos Hamburg: Guy Demel, das ging nun fast unter, hat sich offenbar dazu entschlossen, in Hamburg bleiben zu wollen, er will mit dem HSV verlängern. Kommentar Labbadia: „Wir hatten das Thema mit dem Vereinswechsel nie angeschoben. Ich kenne seine Qualitäten, wenn er die zu 100 Prozent einbringt, dann ist er ein sehr wichtiger Mann für uns. Ich hoffe sehr, dass er gesund vom Afrika-Cup zurückkommt, damit wir ihn schnellstens wieder einbinden können.“

Damit dieser HSV noch viel stärker wird.

18.01 Uhr