Tagesarchiv für den 20. Januar 2010

Elia humpelt noch – gelegentlich

20. Januar 2010

Er trainierte von der ersten bis zur letzten Minute mit. Gegen Ende der Einheit beschäftigte sich Bruno Labbadia nur mit ihm und dem Kollegen Tunay Torun. Torschüsse aus allen Lagen – auf ein leeres Tor. Und nicht immer traf Eljero Elia ins Schwarze, einige Schüsse von ihm landeten auch nur im Schnee. Was auffiel: Der Niederländer humpelte gelegentlich zwischen Schüssen und Spielzügen. So, als wolle er allen zeigen, auch den Trainern: „Seht her, Jungs, ich bin noch nicht so weit.“ Irgendwie erinnerte mich das Stück, das da am Rande des Volksparks ablief, ein wenig an Molieres „Der eingebildete Kranke“. Ich weiß nicht genau, warum mir dieser Gedanke kam, aber wenn ein Spieler 100 Mal auf das Tor schießt, dann muss er eigentlich fit genug dazu sein. Ansonsten würde er, so denke ich als ehemaliger Amateur-Spieler und –Trainer, seinem Coach doch sagen: „Trainer, es hat keinen Zweck, es tut zu doll weh, ich gehe, bevor etwas ganz kaputt geht, besser in die Kabine.“

Das aber tat Elia nicht. Im Gegenteil, er blieb und schoss immer weiter. So dass ich davon ausgehe, wenn nicht wieder eine neue Verletzung (wie in der vergangenen Woche!) dazwischen kommt, dass die „Rakete“ am Sonnabend (18.30 Uhr) in Dortmund mit von der Partie sein wird. Labbadia zu diesem Thema: „Abwarten. Das ist mir noch zu viel Spekulation, erst einmal abwarten, ob er überhaupt mit in den Kader kommt. Die, die gegen Freiburg gespielt haben, die haben ihre Sache sehr gut gemacht, jetzt müssen wir erst einmal sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, Eljero mitzunehmen.“ Abwarten eben. In Sachen Ausdauer hat der kleine Flitzer zuletzt viel für sich getan, als er noch allein trainierte. Jetzt bleibt auch abzuwarten, wie er die ersten Spielminuten auf dem Platz übersteht, wenn er die kurzen, kleinen, schnellen Antritte und die Duelle mit den gegnerischen Abwehrspielern abzuliefern und zu bestehen hat. Sollte Elia von Beginn an in Dortmund spielen, so dürfte er es bis zu jenem Punkt, an dem ihm die Kräfte in den Beinen ausgehen. Und damit wäre dem HSV sicher auch schon geholfen, zumal es auswärts schnell nach vorne gehen sollte.

Ähnlich dürfte es bei Marcus Berg sein. Der Schwede trainierte am Mittwoch lange Zeit mit dem Team, er fiel nicht auf und nicht ab, zum Schluss aber schickte ihn Labbadia doch noch vorzeitig in die Kabine. Der Trainer aufklärend: „Zum Schluss hat er wieder ein bisschen im Knie gemerkt, da machte sich die Reizung wieder leicht bemerkbar, deswegen haben wir ihn dann vorsichtshalber rausgenommen. Das ist einfach ein Überlastungssyndrom, dass Marcus sich im Urlaub eingefangen hat, als er auf Schnee gelaufen ist – und keine Behandlung gehabt hat. Jetzt müssen wir sehen, dass wir das bis zum Wochenende in den Griff bekommen.“

Einer der ganz sicher wieder dabei ist, ist Jerome Boateng. Zu Beginn einer Übung, bei der Automatismen (in Sachen Spieleröffnung und Abschlüsse) geübt wurden, stand der deutsche Nationalspieler in der (von mir) angedachten B-Viererkette innen, und zwar neben Miroslav Stepanek. Später aber entschloss sich Bruno Labbadia, Boateng in die A-Viererkette zu stellen. Und die sah dann so aus – von rechts nach links: Boateng, David Rozehnal, Joris Mathijsen, Dennis Aogo. Ins Mittelfeld auf die Sechs (neben David Jarolim) rückte dann Tomas Rincon. Ein Fingerzeig für Dortmund? Labbadia: „Nein, nein, wir probieren beides, wir müssen flexibel bleiben. So machen wir es die ganze Zeit, wenn wir Abläufe trainieren, dann spielt Tomas Rincon mal rechts und mal im Mittelfeld.“

So, noch ein kurzer Schlenker auf die Gerüchteküche. Aaron Hunt soll ein Objekt der HSV-Begierde sein. So berichtet die „Welt“. Und wenn die so etwas berichtet, dann ist auch etwas dran. Allerdings soll das – zurzeit – erst für den Sommer angedacht sein. Medien-Chef Jörn Wolf vom HSV kommentierte es wie folgt: „Hunt ist ungefähr der 50. Name, den ich heute kommentieren musste. . .“ Soll wohl heißen, dass es wohl noch in der Entwicklungsphase ist, dieses Transfergeschäft. Wenn sich Werder allerdings keinen „Abtrünnigen“, zumal in Richtung Hamburg und HSV, in den eigenen Reihen erlauben will, dann setzen sie ihn vielleicht bei entsprechender Ablöse doch etwas früher in den Zug Richtung Elbe. Also, das bleibt noch abzuwarten, wie sich das mit Hunt entwickelt. Aber immerhin ist er aktueller deutscher Nationalspieler. Und in meinen Augen auch ein sehr guter.

Übrigens: Dietmar Beiersdorfer sucht für seinen „kleinsten Klub“, nämlich RB Leipzig, einen Präsidenten. Wer Interesse hat, bitte melden. Angeblich soll der bisherige Klub-Chef Andreas Sadlo seine Koffer gepackt haben, aber es hält sich auch das Gerücht, dass der „Didi“ ihn vor die Tür gesetzt haben könnte.

Und noch ein kurzer Blick voraus, Richtung Dortmund. Bruno Labbadias Einschätzung der Borussen: „Das ist eine Mannschaft, die sehr diszipliniert spielt, die eine sehr hohe Laufbereitschaft zeigt, die deswegen momentan sehr viel Erfolg hat. In diesem Team weiß jeder, was er kann und was er machen muss, die Elf ist toporganisiert und spielt seit Monaten auf einem sehr hohen Level, auf uns wartet ein sehr intensives Spiel.“

Der HSV wird, um diese Frage schnell zu beantworten, natürlich noch ohne Ze Roberto spielen. Der Brasilianer trainiert im Moment im Kraftrau am Aufbau seiner Wadenmuskulatur, aber die ist noch nicht bei 100 Prozent. Eventuell aber könnte der Mittelfeldspieler bereits im Laufe der nächsten Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, obwohl ein Einsatz dann im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg wohl so gut wie ausgeschlossen sein dürfte. Erst danach, wenn es auswärts in Köln und in Stuttgart um Punkte geht, könnte und dürfte das dann wohl klappen.

19.04 Uhr