Tagesarchiv für den 19. Januar 2010

Das Warten auf Verstärkung

19. Januar 2010

Heute soll es einen neuen Stürmer geben? Ich kann nur das tun, was zurzeit die meisten meiner Kollegen machen: mit den Schultern zucken. Kann sein, kann aber auch nicht sein. Ich behaupte aber, so weit konnte ich mich immerhin informieren, dass an diesem Mittwoch nichts passieren wird. Das ist keine offizielle Auskunft, aber eine aus guter Quelle. Wie Ihr sicher, bis auf ein, zwei Ausnahmen, mitbekommen habt, haben sie beim HSV bestens gelernt, sich abzuschotten. Das war zumindest in den letzten Wochen und Monaten so. Und ich habe jetzt den Eindruck, als wenn diese „HSV-Mauer-Taktik“ ganz allmählich perfektioniert wurde – von den Verantwortlichen um Bernd Hoffmann. Es sind ja auch, das macht es für den Klub vielleicht etwas leichter, nur noch wenige Entscheidungsträger in Sachen Spieler-Ein- und Verkäufe involviert.

Wir haben übrigens noch immer den 19. Januar, in einem Monat steigt unser erstes „Matz-ab-Treffen“ in der Raute. Noch immer gibt es Anfragen, ob sich eine jede oder ein jeder zum 19. Februar anmelden muss, aber noch einmal: Jeder kann kommen und ist auch willkommen. Am Programm des Abends wird schon gebastelt, wobei wir natürlich in erster Linie Eure Unterhaltungen und Euer gegenseitiges Kennenlernen in den Vordergrund stellen möchten. Es wird aber sicher die eine oder andere Prominenz vorbeischauen, an diesem Abend – lasst Euch überraschen. Die Frage nach den Namensschildern wurde zuletzt auch gestellt, das ist ein Punkt, der angesprochen werden muss: Ich werde keine Namensschilder anfertigen, das Abendblatt auch nicht, aber Ihr solltet es vielleicht jeder für sich selber machen. Es muss ja nicht gleich von Beginn an getragen werden, um so eventuell die Spannung zu erhalten, wer nun wer ist.

So, zum Sport: Einer, der nun etwas früher als geplant kommen wird, nämlich schon in einigen Tagen, ist Jonathan Pitroipa. Der schnelle Dribbler war bei der 0:1-Niederlage seines Landes Burkina Faso gegen Ghana der beste Spieler seiner Mannschaft, konnte die Niederlage aber nicht verhindern. Die Elfenbeinküste und Ghana kamen in dieser Gruppe weiter, Burkina Faso muss nun die Koffer packen und nach Hause fliegen – Pitroipa natürlich nach Hamburg. Noch ein personeller Lichtstreif am Horizont.

Wenn unter Euch zuletzt bemängelt (und auch nur festgestellt) wurde, dass es zuletzt keine Bewegungen auf dem Transfersektor gegeben hat, so trifft das natürlich zu. In Sachen Guy Demel und FC Sunderland gibt es in der Tat keine neue Entwicklung, und es ist auch tatsächlich so, dass es zuletzt keine Gespräche mehr gegeben hat. Die Engländer wissen anscheinend nicht, was sie wollen. Und der HSV kann dieses Thema ganz locker und in aller Ruhe angehen, er kann es nach allen Regeln der Kunst aussitzen, denn Demel hat noch einen Vertrag in Hamburg. Bliebe allerdings die Problematik: Wer sollte dann verkauft werden, um einen neuen, oder um neue Spieler, zu holen, wenn nicht Guy Demel? An Joris Mathijsen, der im Dezember mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht wurde (weil die Wölfe große Defizite in der Defensive haben) ist von meiner Seite aus kein einziger Gedanke zu verschwenden.

Vielleicht aber wird diese Rolle ja Alex Silva übernommen? Der Brasilianer hatte doch schon immer den Traum vom AC Mailand, vielleicht meldet sich ja jetzt noch ein Not leidender englischer Verein? Oder eventuell einer aus Brasilien (Palmeiras?)? Nichts ist unmöglich.

Fest steht aber (für mich) immer noch: Der HSV muss verkaufen, wenn er einkaufen will. Schalke 04 hat es übrigens umgekehrt getan, was natürlich ein gewisses Risiko in sich birgt. Was ist, wenn der Magath-Klub nicht alle Spieler verkaufen kann, und auch nicht jeden Spieler zu einem Preis, der den Schalkern jetzt noch vorschwebt?

Übrigens: Auch ich habe mich einmal mit der Frage beschäftigt, die zuletzt bei Euch diskutiert wurde: Welcher junge HSV-Spieler hat den Klub verlassen, um nach den Sternen zu greifen, um dann doch nur auf den Bauch zu fallen? Ich habe seit der Bundesliga-Gründung im Jahre 1963 zurück geblickt, aber keinen gefunden. Einzig der Name Khalid Boulahrouz fiel mir ein (heute 28, war er jung genug für diese Statistik?), der 2004 als relativ Unbekannter zum HSV kam, dann 2006 zum FC Chelsea wechselte – und auf den Bauch fiel. Natürlich, die Millionen, die bei diesem Transfer rollten, die wird er noch heute auf dem Konto haben(wenn er schlau ist!), aber so richtig glücklich (sportlich gesehen) haben sie ihn nicht gemacht. Und heute schwächelt er still und leise beim VfB Stuttgart zwischen Stamm-Formation und Bank hin und her.

Es gab, um das noch einmal schnell zu bekunden, aber jede Menge junger Spieler, die voller Hoffnungen zum HSV kamen, aber dann doch eher als „Rohrkrepierer“ in die Vereinsgeschichte eingingen.

Hier meine kleine Auswahl an „Gegenbeispielen“. Junge Leute, die in Hamburg Karriere machen wollten und kläglich scheiterten. Die meisten Namen, so denke ich, werden Euch nicht viel bis gar nichts sagen, wobei ich diejenigen Spieler, die aus den eigenen HSV-Reihen kamen, nicht berücksichtig habe – die Liste wäre zu lang geworden:

Jugend-Weltmeister Bernhard Scharold (ASV Herzogenaurach) kam 1981, danach folgten in den 80er-Jahren: Ralf Brunnecker (St. Pauli), Michael Schmidt (SC Charlottenburg), Werner Rusche (VfL Herzlake), Manfred Wasner (FC Vilshofen), Michael Enders (Preußen Berlin), Helmut Heininger (FC Vilshofen), Josef Klos (ASC Dudweiler), Roland Hirsch (VfL Kirchheim/Teck) und Michael Koch (Altona 93).
In den 90er-Jahren waren dabei: Thomas Lässig (Hansa Rostock), Michael Mason (Hessen Kassel). Ein riesiges Talent kam 2000 nach Hamburg, scheiterte aber ebenso glanzlos: Marcel Ketelaer (Borussia Mönchengladbach). Es folgten Namen wie Kim Christensen (Lyngby FC, 2001), Stephan Kling (FC Bayern-A, 2002), Alexander Meier (St. Pauli, 2003, heute wertvoller Bundesliga-Spieler bei Eintracht Frankfurt), Vyacheslav Hleb (VfB Stuttgart-A, 2003), Mustufa Kucukovic (VfL Bochum-A, 2004), Mario Fillinger (Chemnitzer FC, 2005), Markus Karl (Greuther Fürth, 2005), Vadis Odjidja-Ofoe (RSC Anderlecht, 2007), Anton Putsilo (Dynamo Minsk, 2007) und sicher noch der eine oder andere mehr.

Der Nachtschicht eine gute Nacht. Morgen ist um 10 Uhr Training im Volkspark.

22.28 Uhr

An diesem Jansen kommt Löw nicht vorbei

19. Januar 2010

Zum Glück hatten die Greenkeeper des HSV heute Vormittag genug zu tun mit den Vorbereitungen der Neurasenverlegung im Stadion. Hätten sie gesehen, was Bruno Labbadias Profis auf dem Trainingsplatz veranstalteten – beim obligatorischen Dienstagszirkel -, dann hätten sie womöglich den Kopf in einen der vielen Schneeberge im Volkspark gesteckt. Eine Wildschweinrotte hätte den Rasen nicht besser beackern können als David Jarolim und Co. An drei Stationen tummelten sich die Spieler. Zweimal hieß es Gewichte stemmen, einmal mit Medizinbällen in der Hand über einen kleinen Kasten springen, dann folgten Lauf-, Koordinations- und Dribbelübungen mit jeweiligem Abschluss aufs Tor. Besonders erfreulich angesichts des anstrengenden Parcours: Marcell Jansen, am Vortag noch vergrippt ausgefallen, absolvierte die gesamte Einheit komplett mit und traf aus allen Lagen. Der Junge macht echt Spaß. Und ich lege mich jetzt mal fest: Sollte er sich nicht mehr verletzen und sein Leistungsniveau in etwa beibehalten (bis März, April), dann wird Bundestrainer Joachim Löw nicht an ihm vorbeikommen. Dann muss er ihn mit nach Südafrika nehmen, denn einen wie Jansen mit diesem Offensivdrang über die linke Bahn, den gibt es weltweit höchst selten.

Es gab heute aber noch eine erfreuliche und höchst amüsante Auffälligkeit: Eljero Elia. Der Holländer trainierte zwar nicht mit seinen Kollegen auf dem Platz, dafür spulte er aber rundherum ein gezieltes Laufprogramm gemeinsam mit Collin Benjamin ab. Bei den unterschiedlichen Belastungsläufen wirkte Elia fast schon unterfordert. Und wenn es auf der langen Geraden zum Sprintduell zwischen ihm und „Collo“ kam, dann hatte das etwas vom 100-Meter-Vorlaufprogramm bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Im US-Stil demonstrierte Elia dem kämpfenden Benjamin zunächst seine Überlegenheit und zog davon, um auf den Schlussmetern mit „angezogener Handbremse“ und gezieltem Blick zur Seite und einem Lächeln auf den Lippen auszutrudeln. Später ließ er dem Mann aus Namibia auch mal einen gehörigen Vorsprung, um dann mit der Leichtigkeit eines Supersprinters doch noch im Endspurt vorbeizuziehen. Elia kann froh sein, dass Benjamin ein netter Kerl ist. Ein Mann wie Thomas Gravesen hätte sich trotz der spaßintensiven Demonstration bei einer der letzten Runden mit Sicherheit zu einem Bodycheck oder einer Rempelattacke hinreißen lassen – „nur so zum Spaß“ natürlich.

Jetzt bin ich gespannt, wie das weitere Wochenprogramm bei Elia aussehen wird. Sollte er am morgigen Mittwoch ins Mannschaftstraining einsteigen können, dann käme er mit Sicherheit für den Kader am Sonnabend in Dortmun in Betracht. Und das wäre wirklich grandios, denn als „Joker“ könnte einer wie Elia beim BVB richtig wertvoll sein. Ich habe mir am Sonntag im Fernsehen das Spiel der Dortmunder in Köln angesehen – und da gab es in der Borussen-Abwehr das eine oder andere Geschwindigkeitsproblem. Das könnte sowohl für Jansen als auch für Elia Chancen bringen.

Auch wenn es vielleicht noch etwas zu früh für eine Vorschau auf das Duell bei den Westfalen ist. Ich muss ehrlich gestehen, dass mich der Höhenflug dieser Dortmunder überrascht. Die Mannschaft hat am Ende der Hinserie eine beeindruckende Form gehabt und sich auch beim jüngsten 3:2-Sieg in Köln erstaunlich forsch präsentiert. Obwohl das Sturmduo Valdez/Barrios nicht überragend harmoniert, stehen die beiden Südamerikaner doch für Torgefahr und sind unbequeme Gegenspieler. Hinzu kommt, dass Motivator Jürgen Klopp mit Sahin derzeit einen sehr guten Taktgeber für den Offensivbereich hat.

Genau da knüpft nun eine entscheidende HSV-Frage an: Was macht Bruno Labbadia nach der Rückkehr von Jerome Boateng? Setzt er den Nationalspieler im Abwehrzentrum ein? Dann müsste wohl David Rozehnal zurück auf die Bank. Setzt er ihn rechts hinten ein? Dann würde Tomas Rincon entweder auf die Bank müssen oder im defensiven Mittelfeld neben David Jarolim agieren, dafür wäre Robert Tesche draußen. Von den Spielertypen her würde ich auf Rincon neben Jarolim setzen, auch um Sahins Kreise einzuengen. Und Boateng ist rechts hinten stabiler als Rincon, zudem sind seine Vorstöße mitunter ein echter Augenschmaus.

Da schließt sich dann auch der Kreis mit dem heutigen Training. Boateng gehörte eindeutig zu den Besten des Teams. Während einige Spieler größte Mühe hatten, den Kasten mit zwei Medizinbällen zu überwinden (sechsmal sollten sie, einige schummelten und vergaßen ein bis zwei Durchgänge), hüpfte „Boa“ mit lockerem Zwischensprung in Windeseile hin und her. Und seine anschließenden Torschüsse – bei den Erschöpften waren es eher präzisionslose Rückgaben – waren so stramm, dass sie von den Torleuten kaum zu bändigen waren. Ich freue mich schon auf Boateng in Dortmund.

13:20 Uhr