Tagesarchiv für den 15. Januar 2010

Keine Love-Parade, jetzt zählt Freiburg

15. Januar 2010

Endlich wieder Bundesliga, die Pause ist vorbei. Mit dem heutigen Abschlusstraining neben der Nordbank-Arena endete auch das dauerhafte Vorgeplänkel. „Ist die Mannschaft gut in Schuss für das Duell gegen den SC Freiburg?“, fragte mich heute Vormittag ein guter Freund. Ich antwortete: „Ja, ich glaube schon! Aber das heißt noch lang nicht, dass sie das Team aus dem Breisgau an die Wand spielen wird.“ Er war mit dieser Antwort ganz und gar nicht zufrieden. Mit so einem „Wischiwaschi“ könne er nichts anfangen, sagte er, ich solle doch mal Farbe bekennen. Aber es ist doch nun mal wirklich so. So gut eine Vorbereitung auch war oder ist, so optimal die Vorzeichen sind – eine echte Standortbestimmung ist immer erst das erste Duell um Zählbares. Wer das gleich gewinnt, macht einen Riesensatz nach vorne, vor allem im Kopf. Das ist so etwas wie eine sportliche Anschubhilfe.

Um den Stellenwert des Heimspiels gegen Freiburg weiß natürlich auch Bruno Labbadia. Ich denke, dass das auch ein Grund dafür ist, warum er sich so frühzeitig auf seine Startelf festgelegt hat. Rost, Rincon, Rozehnal, Mathijsen, Aogo, Trochowski, Jarolim, Tesche, Jansen, Petric und Torun genießen das volle Trainer-Vertrauen und wissen das eigentlich schon seit Wochenbeginn. Als verschworene Einheit soll dieses Team den ersten Dreier in 2010 einfahren, möglichst einen flotten noch dazu.

Wenn Ihr morgen im Stadion oder am Bildschirm den Rasen der Nordbank-Arena seht, dann zuckt bitte nicht ängstlich zusammen. Mehr konnten die Green-Grau-Keeper wirklich nicht rausholen, und sie haben echt unermüdlich gearbeitet. Nach dem gestrigen Mini-Versuch der Profis auf dem schwer bespielbaren Untergrund hat das Stadion-Management sogar noch einmal nachgelegt. Resultat nach der Plattwalzaktion: Nun sieht der Rasen zwar noch ramponierter aus als vorher, aber dafür ist er wenigstens einigermaßen eben. Das wird dem Passspiel zu Gute kommen – und damit hoffentlich auch Petric und Co.

Ihr habt es ja selbst schon mehrfach geschrieben, jetzt nehme auch ich es als offiziell hin: Der Wechsel des Brasilianers Vagner Love an die Elbe ist geplatzt. Nun kann man lange darüber diskutieren, ob die Verantwortung dafür in Hamburg, Moskau oder in Rio liegt. Fakt ist: Der Stürmer hat sich höchstpersönlich gegen einen Wechsel zum HSV und für einen Transfer zu Flamengo ausgesprochen. Und seien wir doch mal ganz ehrlich: Wenn ein Spieler gegen seinen Willen hier her gekommen wäre (das ist in der Vergangenheit immer mal wieder der Fall gewesen), dann wäre das (Vagner) Love-Projekt doch vom ersten Tag an zum Scheitern verurteilt gewesen. Dann hätte es hier nie eine Love-Parade gegeben.
Mich würde nur interessieren, was nach dieser eigentlich fast totsicheren Transfernummer hinter den Kulissen intern beim HSV passiert. Für Aufsichtsratschef Horst Becker war gestrige Meldung seiner Bestätigung des Leihgeschäfts alles andere als imagefördernd. Klubboss Bernd Hoffmann dürfte nach den News aus Brasilien mit einer pochenden Halsschlagader umhergetigert sein. Und Bruno Labbadia, der so gerne eine namhafte Alternative für den nach wie vor verletzten Paolo Guerrero gehabt hätte, ist nun wieder genauso schlau wie vorher. Zumal Angreifer dieses Formats so rar gesät sind wie Palmen in Hamburg.

Mehrere von Euch haben es in ihren Kommentaren ja auf den Punkt gebracht. Vor zwei Tagen hieß es noch: Elia ist gegen Freiburg dabei, Vagner Love kann kommen. Nun wird Elia (nahm nicht am Abschlusstraining teil) in Zivil zuschauen, und Vagner Love hört brasilianische Sambaklänge statt Hamburger Platt. Labbadia ist gut beraten, sein Handy in den kommenden Tagen auf lautlos zu schalten. Denn so ein geplatzter Deal – vom Hickhack um Guy Demel, der vielleicht nach Sunderland geht, vielleicht aber auch nicht, ganz abgesehen – ruft die Berater- und vor allem die Spielervermittlerbranche auf den Plan, als gäbe es kein Morgen mehr.

Dabei ist für mich erst einmal die Frage zu klären, was für einen Spielertyp Labbadia überhaupt sucht. Will er einen spielerisch genialen Dribbler? Einen kantigen Bullen für das Zentrum? Einen Langen? Einen Wuseligen? Ich habe gehört, er sucht nach einem echten Torjäger, einem mit eingebauter Zehn-Treffer-Garantie pro Halbserie. Na, das werden noch spannende zwei Wochen bis zur Schließung der Transferliste. Eines ist aber sicher: Die gehandelten Namen dieser Angreifer-Kategorie werden wir vermutlich alle kennen, denn solche gibt es weltweit maximal 20-30. Und Labbadia, der selbst Torjäger war, wird sich nicht mit B-Ware abspeisen lassen. Dann bleibt er lieber beim aktuellen Kader und spart die Kohle für den Sommer.

Jetzt ist aber Schluss mit den Gerüchten, Spekulationen und Profilerstellungen. Jetzt beginnt die Vorbereitung auf den SC Freiburg. Alles andere muss ausgeblendet werden. Und zwar komplett. Habt Ihr eigentlich ein Ritual für dieses „Vorspiel“? Ich habe, obwohl ich ja nur auf der Tribüne dabei bin, wirklich ein bisschen Lampenfieber. Aber das ist nicht außergewöhnlich, weil es vor jedem Halbserienstart so ist. Ich melde mich dann nach dem Spiel wieder bei Euch – und am Sonntag steht ja auch noch die Mitgliederversammlung an.

Ups, fast hätte ich noch etwas vergessen. Okay, ich gebe zu, das letzte Gewinnspiel war schwer, sehr schwer sogar. Schwerer, als ich gedacht habe, denn es ließ in der Tat mehrere Antworten zu. Weil zum Beispiel Roda Antar vom HSV nicht direkt zum SC Freiburg wechselte, sondern erst, für einen Monat, zum FC Tadamon Sur Club. Und es gab Benjamin Kruse, der als „Quoten-Profi“ (ohne Erstliga-Einsatz) vom HSV nach Feiburg wechselte. Deswegen, bevor sich hier einer beschwert, ließen wir diesmal alle Antworten mit „Golz, Kruse und Antar“, auch nur „Golz“ oder auch „Golz mit Kruse“ als Antwort gelten. Es war verwirrend, sorry, soll nicht wieder vorkommen, war meine Schuld – Entschuldigung.
Hier die beiden Gewinner: Das Pitroipa-Trikot geht nach Wiesbaden zu Dirk Steinhoff. Die beiden Karten für das Freiburg-Spiel erhält Dirk Schemainda aus Itzehoe.

Und ein letztes Wort noch. In Sachen „Vorspiel“ kann ich Euch wärmstens empfehlen, das morgige Abendblatt zu lesen, vor allem das Magazin darin. Unter dem Motto „Einblick in die Welt der Raute“ gibt es eine große Fußballausgabe zum Rückrundenstart. Wer bei dieser Lektüre keinen Appetit bekommt, ist selber schuld…

17:31 Uhr