Tagesarchiv für den 9. Januar 2010

17:16 – ein historischer Sieg

9. Januar 2010

David Rozehnal schießt den HSV zum Titel! Nicht gleich zur deutschen Meisterschaft, aber immerhin zum Tuttur-Cup, dem Antalya-Pokal beim Trainingslager des HSV in Belek. Im Finale stand es gegen Besiktas Istanbul nach 90 Minuten 0:0, dann ging es ins Elfmeterschießen. Ein denkwürdiges Szenario, denn der HSV siegte sage und schreibe mit 17:16. Und erhielt damit den Pokal, mit dem es am Sonntag auf den Heimflug geht – ab in den Schnee. Dieser Erfolg geht in die Geschichte ein, es war ein historischer Sieg.

Mit einem kleinen Schock begann das Spiel schon vor dem Anstoß. Zweimal fiel im Stadion von Kundu das komplette Licht aus, es war dunkel wie die Nacht. Zum Glück bekamen die Hausmeister diese Geschichte noch rechtzeitig in den Griff.

Die Türken begannen dieses Endspiel zielstrebiger, druckvoller. Aber nur die ersten zehn Minuten. Dann meldete sich der HSV zu diesem Spiel an und gestaltete es ausgeglichen. Torchancen blieben Mangelware. Die beste Gelegenheit der ersten Halbzeit hatte Besiktas, doch Holosko köpfte den Ball in der 44. Minute unbedrängt über das von Wolfgang Hesl gehütete Tor.
Der HSV begann die Partie ohne Mladen Petric, der an einer (kleineren) Knieverletzung laboriert und deswegen vorsorglich geschont wurde. Für Petric stürmte Marcus Berg neben Tunay Torun. Im Tor erhielt Frank Rost diesmal eine Pause.

Ich muss Euch gestehen, dass ich dieses Spiel auf dem Laptop gesehen habe, das Bild war sehr klein, deswegen werde ich mich kritischen Beurteilungen der Spieler weitgehend zurückhalten.
Deswegen nur ganz kurz: Ich habe diesmal Piotr Trochowski sehr gut gesehen, er scheint begriffen zu haben, dass man mutigen Worten auch ein Spiel voller Taten folgen lassen muss. „Troche“ war für mich agil, trickreich, voller Ideen, zudem suchte er oft den Abschluss. Gut für mich auch Marcell Jansen, der in der Schlussphase für den ausgewechselten Dennis Aogo auf die linke Seite der Viererkette rückte. Eine starke Partie möchte ich Wolfgang Hesl bescheinigen, der im zweiten Durchgang zwei Eins-gegen-eins-Duelle siegreich bestand. Hesl ist reifer geworden, ruhiger und souveräner, er ist in diesem Spiel ein absolut vollwertiger Rost-Ersatz gewesen. Gut zu wissen, dass der HSV einen so großartigen zweiten Mann zur Verfügung hat.

Auf Tomas Rincon habe ich (diesmal) besonders geachtet, er stand besser als gegen Kayserispor – und er wird auch hinten rechts gegen den SC Freiburg spielen, davon bin ich nach diesen 90 Minuten absolut überzeugt. Rincon hatte auch die eine oder andere gute Aktion in der Offensive, hätte in der 83. Minute sogar das 1:0 schießen können, doch er beförderte den Ball aus 14 Metern in den Abendhimmel.

Zweimal beförderte der HSV in diesem Finale den Ball an die Torlatte des Besiktas-Gehäuses. Piotr Trochowski traf aus halbrechter Position und aus zehn Metern (63.), danach visierte Robert Tesche ebenfalls Aluminium an, als er einen Eckstoß am kurzen Pfosten artistisch mit dem rechten Fuß in Richtung langes Eck verlängerte (64.).

Der HSV gestaltete die zweite Halbzeit durchweg überlegen, es war ein höheres Tempo in diesem Match, als noch zwei Tage zuvor gegen Kayserispor. Auffällig war, wie gut die HSV-Mannschaft geschlossen bei einem Ballverlust nach hinten arbeitete. Alle Spieler waren bemüht, so schnell wie möglich in die Defensive zu eilen, um dort die Räume zu verengen. Das sah gut aus – und verfehlte die Wirkung nicht.

Bruno Labbadia wechselte gegen Ende des Spiels mutig aus. Pokalsieg hin, Pokalsieg her. Er wollte neue Leute testen, und die dankten es mit engagierten und zuverlässigen Leistungen. Keiner fiel ab. Schon zur Pause hatte der Trainer Tolgay Arslan für Torun (der gewiss nicht schlecht war) gebracht, dann folgten folgende Auswechslungen: Maximilian Beister für Aogo (67.), Mickael Tavares für David Jarolim (77.), Henrik Dettmann für Joris Mathijsen (85.). Und Dettmann sorgte nur Sekunden nach seiner Einwechslung mit einem schneidigen Vorstoß für eine Großchance des HSV, doch leider traf Berg seine flache Eingabe nicht. In der 90. Minute zog Beister links auf und davon, eine klasse Einzelleistung, doch Berg scheiterte nach der Eingabe mit seinem Elf-Meter-Schuss am ehemaligen Hoffenheimer Torwart Özcan. Dann folgte das dramatische Elfmeterschießen:
1:0 da Silva, 1:1 Trochowski, 2:1 Tabata, 2:2 Rincon, 3:2 Tello, 3:3 Berg, 4:3 Uysal, 4:4 Arslan, 5:4 Inceman (ehemals St. Pauli), 5:5 Jansen, 6:5 Köybasi, 6:6 Rozehnal, 7:6 Toraman, 7:7 Tesche, 8:7 Kas, 8:8 Tavares, 9:8 Güven, 9:9 Beister, 10:9 Nihat, 10:10 Dettmann, 11:10 Özcan, 11:11 Hesl. Dann begann es noch einmal von vorn: 12:11 da Silva, 12:12 Trochowski, 13:12 Tabata, 13:13 Rincon, 14:13 Tello, 14:14 Berg, 15:14 Uysal, 15:15 Arslan, 16:15 Inceman, 16:16 Jansen, dann hält Hesl den Schuss von Köybasi und Rozehnal verwandelt zum 17:16 und damit zum Pokalgewinn.

Kurze Anmerkung zum Elferschießen: Der HSV bewies endlich einmal Nervenstärke, wann hat es das einmal in dieser Form gegeben. Und erfreulich dabei ist, dass auch die ganz jungen Leute stets die Nerven behielten. Großartig. Und eine Erfahrung fürs Leben. Kurios: Weil das Elfmeterschießen so lange dauerte, verteilten beide Klubs während der Ballerei dicke Jacken, damit sich die Spieler nicht erkälten. Wahnsinn.

„Das war doch ein schöner Abschluss eines sehr guten Trainingslagers. Die Mannschaft hat hier in Belek großartig gearbeitet, und dieser Pokal wird die ohnehin schon sehr gute Stimmung noch einmal verbessern. So gestärkt werden wir in die Rückrunde starten, das Selbstvertrauen ist da – jetzt kann es losgehen“, sagte Bruno Labbadia nach dem Pokalgewinn.

Die HSV-Mannschaft soll am Sonntag gegen 17 Uhr in Fuhlsbüttel eintreffen.

Der HSV spielte mit: Hesl – Rincon, Rozehnal, Mathijsen (85. Dettmann), Aogo (67. Beister) – Jarolim (77. Tavares), Tesche – Trochowski, Jansen – Torun (46. Arslan), Berg.

Übrigens: Versprochen ist versprochen. Am Sonntag folgt die Gast-Kolumne von Basti Reinhardt. Ich kenne sie schon, ich bin begeistert. Lasst Euch überraschen.

Und eine kleine Entschuldigung zum Schluss: Da auf meinem Laptop ja das Spiel live lief, konnte ich nicht parallel dazu schreiben. Schneller ging es also nicht. Gute Nacht. Und der Nachtschicht ein herzliches Willkommen.

22.19 Uhr