Tagesarchiv für den 7. Januar 2010

Ein sehr guter Test

7. Januar 2010

Einmal völlig losgelöst vom Resultat des Testspiels gegen den türkischen Tabellenvierten Kayserispor, losgelöst vom souveränen 3:0-Erfolg: Der HSV hat diese 90 Minuten richtig gut und engagiert bestritten. Gegen eine so heiße Mannschaft, die sich darauf freut, einen klangvollen Namen aus der Bundesliga aufs Kreuz zu legen, hielten die Männer von Trainer Bruno Labbadia immer voll dagegen. Schön zu sehen. Wobei ich, das möchte ich noch einmal extra betonen, nicht das fußballerische Element in diesem Spiel meine.

Dass der HSV kämpfte, grätschte, schubste, foulte, festhielt – so wie es die Türken machten, das war genau richtig. Da waren nicht wirklich „linke Dinger“ zu sehen, ganz sicher nicht, ich will da gar nicht mehr rein interpretieren als das war, aber Kayserispor spielte mitunter mit kleinen Haken und kleinen Ösen. Und hält eine Mannschaft dann nicht dagegen, wehrt sie sich nicht energisch genug, dann geht sie baden. Aber voll. Der HSV aber hat von der ersten Minute an gezeigt, dass er nicht mit sich spielen lässt, und das war gut so. Großes Kompliment an Bruno Labbadia, der diese Einstellung mit auf den Weg ins Spiel gegeben hatte, Kompliment auch, dass seine Spieler das so gut befolgt haben. Das haben wir, das habe auch ich schon unzählige Male ganz anders gesehen.

Eine Halbzeit lang bestimmte der HSV klar das Geschehen. Und zwar so deutlich, wie ich es vorher nicht erwartet hatte, denn: Schließlich spielte dort auf dem Rasen von Kundu das wirklich letzte Aufgebot. Aber der HSV spielte nicht nur teilweise recht gefällig, er spielte auch immer diszipliniert. Festzumachen ist das an Tomas Rincon, der rechts in der Viererkette getestet wurde. So „zahm“ habe ich den Südamerikaner noch nie gesehen, er sollte offensichtlich hinten „dicht machen“, und das machte er zu 90 Prozent auch ganz solide. Wobei er hin und wieder auch sein fußballerisches Können aufblitzen ließ. Spielt er so auch in einer Woche gegen Freiburg, wird diese Notlösung ganz gewiss nicht zur Achillesferse der HSV-Defensive.

Was mir zudem gut gefiel: Wie „giftig“ David Jarolim schon wieder spielte, wie lauffreudig zugleich. Und dass Tunay Torun viel versuchte, sich von seinen Landsleuten auch durch Härte nicht einschüchtern ließ, sondern immer wieder neu anlief. Er machte da weiter, wo er im Dezember aufgehört hatte.

Mit dem Schiedsrichter, um das auch schnell einmal los zu werden, haderte ich diesmal nur einmal. Das war in der 36. Minute, als Mladen Petric kurz vor dem Strafraum umgetreten wurde, aber der Pfiff ausblieb. Was ist da denn los, fragte ich mich, ist da Günter Perl am Wirken? Zum Glück blieb das die einzig große Fehlentscheidung. Petric hätte übrigens acht Minuten vor dieser Szene schon das 1:0 köpfen müssen, als er einen Aogo-Freistoß aufnahm, aber dieses Tor hat er sich vielleicht ja für das Spiel gegen Besiktas aufgespart.

Apropos Freistöße: Dass Dennis Aogo sich jetzt um die meisten Standards verdient macht, finde ich sehr gut, denn er hat viel Gefühl in seinem linken Fuß. Ich denke auch, dass er diese Standards immer besser tritt, ist zwar nur mein unwichtiges Gefühl, aber vielleicht ist ja (bald) einmal etwas (mehr) dran.

Was mir zudem aufgefallen ist: Während der Woche in Belek ließ Bruno Labbadia ja einige Automatismen trainieren. Unter anderem auch wie man gegen den Ball zu arbeiten hat. Ganz, ganz ehrlich, das habe ich in diesem Spiel eindeutig erkannt. Der Mann, der in der Spitze steht (beim HSV) gibt den Ton, die Richtung, das Ziel an. Das heißt: Er greift an, und die anderen müssen (!) mitmachen, müssen ihm zur Hilfe kommen, müssen ebenfalls attackieren und die Räume eng machen. Das hat einige Male ganz hervorragend geklappt, eben genau so, wie es Labbadia im Training hatten üben lassen. Eine ganz kleine Feinheit nur, aber trotz allem eine ganz wichtig. Das sah wirklich sehr, sehr gut aus.

Auffällig auch erneut, und das ist nun schon seit geraumer Zeit (auch in den letzten Bundesligaspielen) zu sehen: Bei Standards für den HSV sichert David Jarolim Richtung Mittellinie ab. Für mich nach dem Motto (nicht ganz bestimmt böse oder gar bösartig gemeint): Der „Schlumpfschütze“ ist der torungefährlichste HSV-Profi, deswegen soll er lieber auf die Defensive achten. Die Tore machen dann die anderen. Wobei mir dann der Dienstag einfällt, als „Jaro“ in Belek alle anderen Kollegen in Grund und Boden schoss, nein ballerte! Vielleicht wird es ja eines Tages doch noch etwas mit ihm, dass er nicht unbedingt nur als Absicherer fungieren muss.

Stark auch die Vorstellung von Frank Rost. Kein leichtes Spiel für ihn, denn er wurde in Halbzeit eins nur selten geprüft, war aber immer da. Zweimal in diesem Spiel lief er weit und mutig aus seinem Tor heraus, kam eigentlich zweimal auch etwas zu spät, aber trotz allem halfen diese Aktionen, Gegentreffer zu verhindern. Er spielt eben sehr gut mit, der Routinier, der im Training in Belek auch als Feldspieler mitmachen musste – und auch dort sein „Talent“ bewies. Zum Glück aber stellte er gegen Kayserispor auch seine hervorragende Klasse als Torwart unter Beweis.

Gut gefiel mir zudem, dass Bruno Labbadia zwar munter wechselte (im zweiten Durchgang), dass es diesmal aber – wie sonst so oft – keinen Bruch im Spiel gab. Nach dem Elfmeter-Tor von Piotr Trochowski (wie abgebrüht macht er diese Dinger rein, das ist schon sensationell!) trafen der eingewechselte Jerome Boateng und der eingewechselte Tolgay Arslan – jeweils auf starke Vorarbeit des ebenfalls eingewechselten Marcus Berg. Der Schwede kam für mich etwas überraschend ins Spiel, denn er hatte bislang kaum trainiert. Aber irgendwie liegt Labbadia damit schon richtig: Wenn Berg gegen Freiburg eine Alternative sein soll, dann muss er jetzt jeden Spielminute mitnehmen, um wenigstens noch etwas Spielpraxis zu bekommen.

Übrigens: Robert Tesche wurde nicht so früh ausgewechselt, weil er eventuell schwächer als andere war (war er nicht!), sondern weil er am Vortag im Training einen Pferdekuss erhalten hatte – der tat nun wieder weh.

„Das war ein sehr guter Test gegen eine sehr robuste Mannschaft. Wir hatten nur eine kleine Schwächeperiode nach der 1:0-Führung. Die Mannschaft hat viele Dinge sehr gut umgesetzt, das hatte sich im Training schon abgezeichnet“, sagte Bruno Labbadia in seinem Resümee. Der HSV-Trainer ergänzte dann auch noch: „Siege sind wichtig, denn dadurch bleibt die Stimmung in der Mannschaft gut. Jetzt haben wir gegen Besiktas ein reizvolles Finale, auch dieses Spiel wollen wir gewinnen.“

Der HSV spielte mit Rost – Rincon, Rozehnal, Mathijsen (ab 81. Groß), Aogo – Tesche (ab 46. Boateng), Jarolim (ab 77. Tavares) – Trochowski, Jansen (ab 66. Berg) – Torun, Petric (ab 80. Arslan).

In Belek 23.11 Uhr (in Hamburg 22.11 Uhr)

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