Tagesarchiv für den 3. Januar 2010

Ze Roberto – die große Enttäuschung

3. Januar 2010

Einer fehlt beim Kurkonzert. So hieß einst ein ziemlich bekannter Film in Deutschland. In der Türkei könnte der HSV nun eine Fortsetzung drehen. Titel: Der große Ze fehlt! Was für eine Enttäuschung. Obwohl er ausdrücklich von Trainer Bruno Labbadia aufgefordert worden war, mit ins Trainingslager nach Belek zu kommen, zog es der verletzte Ze Roberto vor, in der Heimat zu bleiben. Welch ein Affront! Eine saftige Geldstrafe ist dem Mittelfeldstrategen sicher, sie wird sich mit jedem weiteren „Urlaubs“-Tag erhöhen. Ein Star macht was er will! Und der Klub hat nach seiner Pfeife zu tanzen? Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, denn einen Rauswurf seines vielleicht besten Spielers der Hinrunde kann sich der HSV kaum erlauben. Und was dann passiert, wenn Ze Roberto schmollen sollte und sich weiterhin verweigert, bleibt eben auch eine nicht unwesentliche Frage. Wer soll für Ze Roberto, der zurzeit noch unter einem Bänderanriss leidet, einspringen?

„Leider haben wir einen Spieler, der ausschert. Ze Roberto wird nicht kommen, und darüber sind wir enttäuscht, keine Frage. Es wird natürlich eine Geldstrafe geben, keine Frage, und ich werde, wenn er zurück ist, ein Gespräch mit ihm führen. Ansonsten konzentrieren wir uns jetzt auf die Spieler, die hier in Belek sind“, sagte Bruno Labbadia in der Mittagszeit und konnte seine riesige Enttäuschung nicht eine Sekunde lang verbergen. Dieser Tiefschlag brasilianischer Art hat Wirkung hinterlassen, nicht nur beim Coach, aber auch. Denn gerade Labbadia hatte der HSV-Neuerwerbung zu Beginn der Saison so manche Extrawurst gebraten, doch dieses Entgegenkommen machte sich nun nicht bezahlt, im Gegenteil. Ze Roberto nahm erst einen Finger des Trainers, dann die ganze Hand. Ein Skandal. „Es geht einfach nicht, dass Spieler allein für sich entscheiden, wann sie etwas machen wollen, so funktioniert das einfach nicht, es gibt Regeln, die haben alle einzuhalten“, sagte der HSV-Trainer mit großen Sorgenfalten auf der Stirn.

Wobei erschwerend hinzukommt, dass Labbadia nicht einmal persönlich von der Absage Ze Robertos erfuhr, sondern vom HSV-Dolmetscher Dennis Pauschinger, der mit HSV-Profi Alex Silva unmittelbar vor dessen Abflug nach Deutschland telefonierte und so erfuhr, dass Ze Roberto fehlt. Profihaft kann das Verhalten von Ze Roberto ganz sicher nicht genannt werden, es ist wohl eher sehr, sehr amateurhaft. Ein VIP-Fan, der mit dem HSV in die Türkei geflogen ist, fand drastischere Worte: „Millionen kassieren, aber amateurhaft die Mimose geben.“ Ein Vorbild verspielt seinen guten Ruf.

Bruno Labbadia wollte alle seine Spieler in der Türkei haben. Erstens weil es den Zusammenhalt der Gemeinschaft fördert, zweitens weil die Bedingungen hier optimal sind, auch für die verletzten Spieler. Es gibt in Belek Trainings-Möglichkeiten jeglicher Art.

Eine weitere Frage ist nun natürlich auch, wie sehr sich die Mannschaft von diesem Rummel um Ze Roberto anstecken und beeinflussen, eventuell sogar runterziehen lässt. Für Labbadia aber scheint das eher nebensächlich zu sein, denn er bemerkte: „Es gab in dieser Saison schon immer mal wieder einige Störfaktoren, doch das Team hat es auch stets geschafft, sich auf das Sportliche zu konzentrieren, Und so geht es nun weiter.“

Dazu gehört auch, dass die momentan verletzt fehlenden Marcus Berg (Kniereizung) und Eljero Elia (Knöchelverletzung) in den nächsten Tagen wieder an die Mannschaft herangeführt werden. Zurzeit trainieren sie lediglich mit Reha-Coach Markus Günther, laufen, fahren Fahrrad und sind im Kraftraum aktiv. Übrigens: Durch das Schneechaos in Deutschland verzögerte und erschwerte sich die Ankunft der drei noch fehlenden HSV-Spieler Tomas Rincon, Alex Silva und Collin Benjamin gewaltig. Rincon zum Beispiel konnte nicht in Frankfurt landen, sondern musste die Zwischenlandung in Düsseldorf hinlegen. Strapazen dieser Art hat sich Ze Roberto immerhin erspart . . .

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Die Spiele des HSV in der Türkei, am Donnerstag gegen Kayserispor (20.30) und den Sieger der Partie Besiktas Instanbul gegen Vitesse Arnheim am Sonnabend werden live von Eurosport übertragen.

Und dann noch eine Korrektur: Nicht Mladen Petric hatte am ersten Tag den Fotografen der Agentur Witters „abgeschossen“, sondern Piotr Trochowski. Der Nationalspieler entschuldigte sich und übergibt den Fall des demolierten Blitzlichtes seiner Versicherung. Fall erledigt.

In Belek um16.15 Uhr (in Hamburg 15.15 Uhr)