Monatsarchiv für Januar 2010

Van Nistelrooy – mehr nicht

31. Januar 2010

Was wurde hier nicht alles spekuliert? Viele, viele Namen wurden hier, bei „Matz ab“, rauf und runter gespielt. Kommt der zum HSV? Oder doch der? Vielleicht ein anderer? Bekannte und Unbekannte wurde gewälzt – und dann kam nur einer – und sonst keiner. Natürlich, bis zum Montag (1. Februar) wäre theoretisch noch alles möglich, aber nach meinen Informationen bleibt es ruhig. Still ruud der See. Van Nistelrooy – und sonst keiner mehr. Was in meinen Augen auch die absolut richtige Maßnahme ist, denn erstens kostet jeder Wintereinkauf viel Geld, zweitens ist eine Soforthilfe nicht unbedingt garantiert, und drittens werden auch die ganz schlimm verletzten HSV-Profis allmählich wieder den Weg zurück zur Mannschaft finden.

Und dann gibt es ja auch jene Spieler, die zwischen Stamm-Mannschaft und Ersatzbank hin und her pendeln. Piotr Trochowski ist so einer, und ich weiß inzwischen ja, dass wir hier an dieser Stelle auf keinen gemeinsamen Nenner mehr kommen werden, weil: 50 Prozent sind für ihn, 50 Prozent gegen ihn. Das war immer so, das wird auch immer so bleiben. Ich sprach an diesem Vormittag mit einem alten Freund, nämlich Herbert Kühl. Der ehemalige Oberliga-Recke (Victoria, St. Pauli) und einst erfolgreichste Amateurtrainer der Stadt begann das Thema „Troche“ von sich aus: „Ich verstehe die Leute in deinem Blog nicht. Wieso sind so viele gegen Piotr Trochowski? Der Mann hat tolle, hat überdurchschnittliche Fähigkeiten, wenn ich HSV-Trainer wäre, dann würde er bei mir immer spielen. Trochowski kann den Ball halten wie kaum ein anderer, er kann dribbeln wie kaum ein anderer in dieser Mannschaft, und er kann schießen wie kaum ein zweiter HSV-Profi.“

Wie gesagt, Herbert Kühl, der bei „Matz ab“ mitliest, fing davon an, und er lief, das sagte ich ihm natürlich auch, bei mir offene Türen ein. Wobei ein besonderer Umstand auch noch ganz kurz Gesprächsstoff war: „Welcher Spieler schnappt sich, nachdem er die beiden ersten Freistöße dermaßen verhauen hat, noch ein drittes Mal den Ball? Dazu gehört schon eine ganz gehörige Portion Mut, und auch diesen Mut hat er eben.“

Ansonsten möchte ich es damit (vorerst) bewenden lassen, denn ich möchte auch nicht versuchen, die anders denkenden „Matz-abber“ vom Gegenteil zu überzeugen. Wozu auch? Es ist ja doch als hypothetisch. Die Wahrheit, das sagte schon der gute alte Adi Preißler (und nicht Otto Rehhagel, habe ich nun gelernt!), liegt auf dem Platz. Und vielleicht wird mancher HSV-Fan auch erst dann wach, wenn Trochowski erst für einen anderen Verein kickt. . .

Ein zweiter Name, neben „Troche“, wird auch seit dem Wolfsburg-Spiel genannt: Marcus Berg. Auch in seinem Fall gibt es viel pro und contra. Wobei ich allen von Euch, die mir auch schon eine gewisse Hoffnungslosigkeit unterstellen, beipflichten muss: es war so. Ich hatte auch in Belek, im türkischen Trainingslager, kein allzu gutes Gefühl, denn erneut hatte der damals verletzte Schwede die Vorbereitung verpasst. Keine optimalen Voraussetzungen, um mit neuem Schwung in die Rückrunde zu starten.

Und dennoch kam der 23-Jährige gut aus den „Startlöchern“, denn nach seiner Einwechslung in Dortmund zeigte er bereits eine engagierte Leistung. Und auch gegen Wolfsburg gehörte Berg ganz sicher zu den besseren Hamburgern. Vornehmlich in der ersten Halbzeit war das so, da war er hinten und vorne zu finden, links und rechts. Leider vergab er dann eine Torchance (die er sich selbst herausgespielt hatte) recht, recht kläglich, als er in Halbzeit zwei aus spitzem Winkel völlig unmotiviert auf das VfL-Tor „ballerte“, statt kühlen Kopf zu bewahren. Der Ball flog hoch und weit am Gehäuse vorbei, in der Mitte beschwerte sich besonders Petric, der den Ball eventuell leicht und locker über die Linie hätte bringen können.

„Marcus hat Phasen hinter sich, in denen er wenig gespielt hat. Er hat sich die Einsätze aber jetzt durch gute Leistungen im Training erarbeitet. Das war deutlich zu sehen, und normalerweise schießt er eine solche Chance, die er da weit am Tor vorbei gesetzt hat, ins lange Eck. Aber dass es so gelaufen ist, das ist eine ganz normale Sache, das kommt eben dann, wenn ein Stürmer kein Top-Selbstvertrauen hat“, sagt Bruno Labbadia. Er weiß das ganz genau, denn er war Stürmer, und auch er hat solche Phasen gehabt. Auch oder besonders damals beim HSV. Labbadia: „Entscheidend ist, dass er weiter an sich arbeitet, denn er hat die Qualität, solche Möglichkeiten rein zu machen.“

Generell hat der HSV-Coach festgestellt, dass sich Marcus Berg jetzt besser bewegt. Und hätte er seine erste große Chance genutzt, als er allein auf VfL-Torwart Lenz zulief (17.), dann wäre sein Selbstbewusstsein sicherlich schon in diesem Spiel um einige Grade gestiegen. Bruno Labbadia: „Das war Pech, er hat den Ball leider nicht richtig mitnehmen können, plötzlich lag das Leder zwischen seinen Füßen.“ Dann sagt der Trainer generell zum Thema Berg: „Wir wollten Marcus ja von Anfang an in Ruhe wachsen lassen, neben Paolo Guerrero und Mladen Petric, aber dann kam es ja durch die Verletzungsmisere ganz anders. Zu Beginn der Saison, als er von der Bank kam, da hat er uns ja oft genug geholfen. Das, obwohl er auch damals keine vernünftige Vorbereitung hatte. Ich hoffe nun, dass er ganz einfach den nächsten Schritt macht.“

Denn jetzt könnte der ursprüngliche HSV-Plan mit Marcus Berg ja auch wieder aufgehen. Sollte demnächst Ruud van Nistelrooy neben Mladen Petric stürmen, dann könnte Berg wieder in aller Ruhe von der Bank kommen und sich entwickeln.

Ihr werdet sicher darauf hoffen, dass der niederländische Star-Einkauf schon beim nächsten Spiel, am Sonnabend beim 1. FC Köln, zum Einsatz kommt. Als mein geschätzter Kollege Matthias Linnenbrügger (Welt) die alles entscheidende Frage an Bruno Labbadia stellte („Wie planen Sie mit Ruud?“), huschte für den Bruchteil einer Sekunde ein Lächeln über das Gesicht des Trainers. Zufall? Oder die pure Vorfreude? Labbadia hatte sich jedenfalls schnell wieder gefangen und antwortete cool: „Das kann ich jetzt noch nicht sagen, ob er ein Thema für Köln wird. Wir müssen nun erst einmal sehen, dass wir beide Spieler, sowohl van Nistelrooy als auch Ze Roberto, in eine solche Verfassung bringen, dass sie uns auch tatsächlich helfen können. Egal wie hoch auch ihre Qualitäten sind, sie müssen schon gewisse Voraussetzung erfüllen, sonst werden sie es schwer haben.“ Dann ergänzt der Trainer noch: „Wenn wir das Gefühl haben, dass es ihm gut täte, wenn er dieses Wochenende noch einmal für sich arbeiten würde, dann werden wir uns so entscheiden und ihn nicht mit nach Köln nehmen, ganz klar.“

Das Thema van Nistelrooy streifte an diesem Sonntag auch Torwart Frank Rost am Rande. Bei Sky wurde er gefragt, ob der HSV denn noch eine Meisterschafts-Chance hätte. Der Keeper schmunzelnd: „Wenn alle Verletzten wieder da sind, und wenn Ruud van Nistelrooy seine Form der vergangenen Jahre wieder findet, dann haben wir noch eine kleine Mini-Chance.“ Und wieder gab es ein kurzes Schmunzeln.

Ja, der HSV legte an diesem Wochenende schon ein gutes Auftreten im Fernsehen hin. Denn auch Jerome Boateng glänzte durch seine Souveränität im ZDF-Sportstudio. Der Nationalspieler erzählte, dass die Vertragsverhandlungen mit dem HSV wieder aufgenommen wurden, und er bekannte auch, dass er gerne in Hamburg bleiben würde. Das klang sehr gut, das klang für mich vor allem auch glaubhaft. Und zum Abschluss der Nacht traf Jerome Boateng dann sogar noch viermal an der Torwand – dieser Auftritt konnte sich wahrlich sehen lassen.

19.55 Uhr

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