Monatsarchiv für Dezember 2009

Hinrunden-Bilanz – Teil eins

28. Dezember 2009

Jetzt geht es auf die Schulbank. Bei „Matz ab“ werden Noten für das erste Halbjahr der Saison 2009/10 verteilt. Der Kollege Christian Pletz, der immer dann eingesprungen ist (und einspringen wird), wenn ich verhindert war (oder bin), und ich, wir haben uns Gedanken über eine Bewertung aller HSV-Spieler unter der Regie von Trainer Bruno Labbadia gemacht. Wir haben eifrig diskutiert und haben uns dann, gelegentlich nach einem kleinen Kampf, auf die Note geeinigt. Heute beginnt Teil eins mit der Defensivabteilung.

Frank Rost: Der Routinier hat bislang alle 17 Bundesliga-Spiele von der ersten bis zur letzten Minute bestritten. Und er war dabei stets ein großer und großartiger Rückhalt. Rost hat sich nicht einen einzigen großen Patzer erlaubt, hat aber seiner Mannschaft sehr wohl den einen oder anderen Punkt gerettet. Der 36-jährige Keeper spielt seine ganze Erfahrung besonders in den Duellen Mann gegen Mann aus, er zeichnet sich zunehmend durch seine große Ruhe aus, er motiviert und dirigiert aber immer dann, wenn er es für angebracht hält – Rost hat dafür das nötige Feeling.
Note zwei.

Wolfgang Hesl: Ganz klar, die Nummer zwei des HSV hat einen Sprung nach vorn gemacht, er hat sich in diesem Jahr weiterentwickelt. Das konnte er zwar nur in bislang vier Spielen der Europa League unter Beweis stellen, aber der HSV könnte sich – sollte Frank Rost einmal ausfallen – auf jeden Fall auf seinen Ersatzmann zwischen den Pfosten verlassen. Hesl beeindruckt zudem auch im Training mit hervorragenden Paraden, er fliegt teilweise meisterlich von Pfosten zu Pfosten, so dass auch die „Kiebitze“ ins Staunen kommen und ins Schwärmen geraten.
Note 2,5.

Collin Benjamin: Vier Einsätze in der Europa League, null in der Bundesliga – ein Kreuzbandriss stoppte den Allrounder. Der HSV hat mit seinem dienstältesten Profi bereits um ein Jahr verlängert, und das ist auch gut so. Auf Benjamin war und ist immer Verlass, der ehemalige Elmshorner kann auf jeder Position spielen, das hat ihm stets die Sympathien seiner Trainer eingebracht. Zudem ist „Collo“ ein Liebling der Fans, weil er nett, höflich und immer ein Mensch geblieben ist – ein Vorbild-Profi zum Anfassen.
Note 3.

Guy Demel: Er war, auch das muss festgehalten werden, schon einmal wesentlich besser als in dieser Saison. Der Ivorer hat (wahrscheinlich) hinten rechts seine Position gefunden, aber so richtig überzeugen konnte er bislang in keinem der 17 Erstliga-Spiele. Demel. Inzwischen auch ein Liebling der Nordtribünen-Fans (und nicht nur der), könnte ganz sicher noch viel, viel mehr. Wird er vom Gegner wütend gemacht, dann wiegt er „fünf Zentner“, dann ist er so richtig in Rage und fährt hart und eiskalt dazwischen. Dann, so hat es den Anschein, spielt er seinen bulligen Körper zu seinem Vorteil aus. Leider zu selten. Und: Auch im Offensivspiel verzettelt er sich zu oft, da müsste eindeutig viel mehr von ihm kommen, zumal er als technisch versierter Spieler gilt. Was auch auffällig war: Guy Demel war in einigen Szenen zu wehleidig.
Note 4.

David Rozehnal: Der Tscheche mit der „großen“ Vergangenheit. Der Innenverteidiger hat sich (bislang) in vielen Ländern und vielen, vielen Klub versucht, so auch beim FC Brügge, Paris St. Germain, Newcastle United und Lazio Rom, er hat zudem die stolze Zahl von 59 Länderspielen auf dem Buckel – aber (auch) in Hamburg scheint er immer noch nicht richtig angekommen zu sein. Viele Fans und einige Experten haben Rozehnal schon als Fehleinkauf eingestuft, allerdings sorgte er mit seiner Vorstellung gegen Werder Bremen (als Einwechselspieler) für etliche Grübeleien, denn da zeigte er erstmalig, was so richtig in ihm steckt. War das die Wende zum Guten?
Note 4,5.

Jerome Boateng: Deutschlands zurzeit bester Defensivspieler. Der ehemalige Herthaner hat sich innerhalb des vergangenen Jahres enorm verbessert, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken und dürfte auch in der Nationalmannschaft – bei der WM in Südafrika – seinen Platz sicher haben. Unter Martin Jol war Boateng in der vorangegangenen Spielzeit noch ein Wackelkandidat, weil der Trainer eine gewisse Lethargie an seinem Abwehrspieler erkannt hatte, dieses vermeintliche Manko hat Jerome Boateng aber zuletzt mehr und mehr abgelegt.
Note 2.

Joris Mathijsen: Der Dauerbrenner, denn er hat, gemeinsam mit Frank Rost und Dennis Aogo, alle 17 Bundesliga-Spiele von der ersten bis zur letzte Minute bestritten. In den meisten Fällen sehr souverän und routiniert, mit Ruhe und mit Übersicht, oft als Fels in der Brandung. Letzteres gilt vor allen Dingen für jene Spiele, in denen David Rozehnal sein Nebenmann war. Mit Jerome Boateng an seiner Seite wirkt Joris Mathijsen viel sicherer. Gelegentliche Schwächen in Sachen Schnelligkeit macht er durch gutes Stellungsspiel und durch kompromisslose Zweikampfführung wieder wett.
Note 2,5.

Dennis Aogo: Auch er ist aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Als Abwehrmann der linken Seite geht er mit einer fast schon überragenden Technik zur Sache, er hat sich in der Defensive stark verbessert und spielt seine große Stärke, die offensiven Vorstöße über die Linksaußenposition, immer häufiger aus. Viel Gefühl bei den Flanken, leicht verbesserungswürdig noch die Standards, obwohl er auch dort zuletzt zugelegt hat. Aogo dürfte der nächste Nationalspieler des HSV sein – die Fans drücken die Daumen, dass er für Deutschland spielen wird.
Note 2,5.

Bastian Reinhardt: Glänzt im Moment nur als Praktikant der HSV-Geschäftsstelle, aber das soll sich im Januar wieder ändern. Der eiserne Innenverteidiger sucht nach seinem zweiten Mittelfußbruch um Anschluss, der Start dazu soll im Trainingslager in Belek (Türkei) erfolgen. Der HSV dürfte, sollte Reinhardt wieder bei 100 Prozent landen, durch dieses Comeback eine weitere Verstärkung erfahren, denn auf den guten und routinierten „Basti“ war stets Verlass.
Ohne Note.

Alex Silva: Ähnlich wie bei Bastian Reinhardt, auch der Brasilianer kämpft nach seinem zweiten Kreuzbandriss immer noch um Anschluss, auch er dürfte in der Rückrunde wieder zur Mannschaft stoßen, wenn auch nicht gleich zu Beginn. Die Frage wird dann sein, wie sich Alex Silva wird in Szene setzen können, denn seine bisherigen Leistungen in Hamburg waren bislang keineswegs überzeugend. Er selbst träumte eins vom AC Mailand, aber bis dahin dürfte es noch ein langer und schwieriger Weg sein.
Ohne Note.

Die Talente:

Tom Mickel: Der 20-jährige Torwart trainiert ständig bei den Profis mit, und da, das wissen Insider, glänzt auch er teilweise mit großartigen und mitunter spektakulären Paraden. Ein Mann für die Zukunft des HSV.

Henrik Dettmann: Abwehrspieler der Zweiten, gefiel gelegentlich bei den Trainingsspielen zwischen den Profis und den Amateuren. Die Trainer werden den 19-Jährigen zu beachten haben.

Gerrit Pressel: Ebenfalls ein Mann der Zweiten, spielt in der Abwehr links und gefällt durch seine Schnelligkeit und seine gute Technik. Der 19-Jährige wird aber körperlich noch deutlich zulegen müssen, wenn er den Sprung zu den Profis schaffen will.

16.20 Uhr

Sprechstunde nach dem Fest

27. Dezember 2009

Mit einer Mischung aus Sprechstunde und Nähkästchen geht es in die letzten Tage von 2009. Es sind wieder einige Fragen aufgelaufen, und mit einer ganz besonderen, die „Bernhard“ gestellt hat, möchte ich beginnen. Gefragt wurde nach Cristian Ledesma, der einige Jahre für den HSV „spielte“, aber nur ganz kurz in Hamburg war, es auf lediglich neun Bundesliga-Einsätze brachte und dann nur noch ausgeliehen wurde. Der heute 31-jährige Argentinier wurde 2002 von Club Atletico River Plate vom damaligen HSV-Sportchef Holger Hieronymus verpflichtet, doch Ledesma wurde trotz der langen Laufzeit seines Vertrages in Hamburg (bis 2006) nur zum “Rohrkrepierer” für den HSV, in seinen neun Einsätzen wurde er zweimal ein- und zweimal ausgewechselt. Heute steht er bei Olympiakos Piräus unter Vertrag, hat in dieser Saison aber nur anfangs gespielt, bringt es bislang in dieser Spielzeit nur auf sieben Einsätze.

Das Thema Ledesma und der HSV ist aber ein ganz, ganz spezielles: Es ist nicht so, dass der Mittelfeldspieler nur aufgrund von DVD-Studien gekauft wurde. Der damalige Trainer Kurt Jara hatte seinen Assistenten Manfred Linzmaier mehrfach nach Argentinien geschickt, um Ledesma zu beobachten. Der ehemalige österreichische Nationalspieler Linzmaier, heute 47 Jahre alt, kam aber nach seinen Besuchen in Südamerika zum dem Fazit: Ledesma bitte nicht kaufen. Der HSV aber kaufte trotz allem.

Ich kann mich noch sehr genau an einen Gang in Ochsenzoll erinnern, den ich gemeinsam mit Kurt Jara und einigen Kollegen (Schreiberlinge wie ich) von ganz unten in Richtung Kabinentrakt antrat. Ich fragte den Trainer, und das Band meines Aufnahmegeräts lief, ich habe es heute noch (!), warum er denn Ledesma trotz der Aussage von Linzmaier verpflichtet hätte. Seine Antwort überraschte mich. Und zwar total.

„Was sollte ich machen? Ich wollte Ledesma auch nicht, aber der Sportchef wollte ihn. Er hat mir gesagt: Mit Cristian Ledesma kommen wir in den Uefa-Cup. Und was soll ich dazu dann sagen? Sage ich nicht ja zu Ledesma und wir geraten ins untere Drittel der Tabelle, so würde mir dann ewig vorgehalten werden, dass wir mit Ledesma in den Uefa-Cup gekommen wären. Und bei Misserfolg hätte ich dann gehen müssen. Also habe ich – wohl oder übel – dem Deal zugestimmt.“ Das sagte Jara damals. Und ich war entsetzt und verblüfft zugleich. So also sah das Verhältnis zwischen Sportchef und Trainer aus, so die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ zwischen zwei leitenden Angestellten des HSV. Ich erinnere mich auch noch genau an ein Vier-Augen-Gespräch mit dem damaligen HSV-Chef Werner Hackmann. Dieses Gespräch allerdings führte ich im Block-House am Gänsemarkt erst, als Hackmann schon DFL-Boss war. Und Hackmann gab seinerzeit zu, damals genauso entsetzt gewesen zu sein wie ich. Er bezeichnete es als seinen größten Fehler, diesem Transfer zugestimmt zu haben, seine Erklärung damals: „Ich kam aus dem Urlaub zurück, und eine meiner ersten Amtshandlungen war es, den Vertrag mit Ledesma zu unterschreiben. . .“

Ledesma hat dem HSV dann auch tatsächlich nicht geholfen. Vielleicht auch deshalb, weil Kurt Jara ihn nicht nur äußerlich (wie mir ja im Gespräch bestätigt), sondern auch innerlich abgelehnt hat. Und warum die Jara-Nachfolger danach alle darauf verzichteten, Ledesma in Hamburg nochmals vorspielen zu lassen? Das kann ich auch nicht genau beantworten, da kann ich nur Vermutungen anstellen: Ledesma war weit weg von Europa, er genoss innerhalb des Klubs keinen besonders guten Ruf, wobei sich das allerdings nur das Fußballerische bezog. Es hat niemals einen Vor- oder Zwischenfall der böseren Art mit ihm gegeben, er kann deshalb also nicht in Ungnade gefallen sein. Und auch innerhalb der Mannschaft war er nicht beliebter oder auch unbeliebter als andere Kollegen. Es hätte einer Bundesliga-Karriere von Cristian Ledesma also nichts im Wege gestanden, außer der Tatsache, dass schon sein Start in Hamburg grandios daneben gegangen war. Wer vom Trainer nicht gewollt ist, der hat es wahrscheinlich auf immer und ewig schwer, und zwar überall auf der Welt.

„HSVJonas“ fragte danach, warum Joris Mathijsen immer so viele lange Bälle spielen würde, die meistens ihr Ziel verfehlen? Das sehe ich inzwischen anders. Mathijsen überlegt sich inzwischen sehr genau, wann er einen langen Ball spielt, es ist, so sehe ich das, deutlich weniger geworden. Und meistens ist es so, dass er den Ball lieber noch zu seinem Nebenmann spielt (Jerome Boateng, David Rozehnal), damit der dann einen (besseren) Pass spielen kann, darf, soll oder muss. Achtet einmal darauf.

„Jan-Peter“ fragte danach, wie es der HSV mit den Hooligans hält, ob da ein härteres Vorgehen zu erwarten ist? Dieses Problem sehe ich gar nicht (mehr). Der letzte gravierende Zwischenfall, an den ich mich erinnere, war die Zwischenstation Bielefeld, bevor es weiter zum Auswärtsspiel nach Mainz ging. Aber waren das Hooligans? Das weiß man ja gar nicht. Das war, so sagte es mir ein einflussreicher HSVer, kein „Hooliganismus“, sondern purer „Vandalismus“. Auch das ist nicht natürlich als verwerflich zu bezeichnen, aber das gibt es immer wieder einmal – und damit wird im Laufe einer Saison auch fast jeder Bundesliga-Klub einmal konfrontiert. Oliver Scheel, Vorstandsmitglied für die Belange der Mitglieder, schreibt dazu in der neuesten Ausgabe der „Supporters News“. Mir gefällt besonders gut jene Passage, in der es um die Stadionverbote geht. Scheel: „Es ist mir wichtig zu betonen, dass wir beim HSV sehr umsichtig verfahren, was heißt, dass wir nicht mit Stadionverboten um uns werfen, sondern eher dem Gedanken des „Im Zweifel für den Angeklagten“ folgen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Ich sehe in der Tat nicht, warum der HSV härter gegen Hooligans vorgehen sollte, denn es gibt aktuell doch kein Problem, das wirklich unter den Nägeln brennt. Oder bin ich da zu weltfremd geworden?
„rautenträger“ fragte nach dem 19-jährigen Macauley Chrisantus: „Warum ist es mit ihm so gekommen, wie es gekommen ist?“ Auch da kann ich nur vermuten: Der Stürmer wurde ja mit großem Tam-tam in Hamburg begrüßt, welcher Klub war nicht hinter ihm her? Chelsea, Arsenal, ManU und, und, und. Und der HSV machte das Rennen. Ein Wahnsinn. Doch es folgte nichts.

Chrisantus fasste bei der Zweiten nie Tritt (nur zwölf Einsätze), und er konnte im Training bei den Profis kaum einmal mit einer positiven Aktion punkten – mir ist keine bekannt. Zudem war er zu ruhig, auf dem Platz, nach dem Duschen. Der brachte kaum einen Ton hervor. Sprach auch kein Wort Deutsch. Und dann sind aus solchem Holz Talente geschnitzt, die zum Scheitern verurteilt sind. Beim KSC spielt der bis zum Sommer 2010 ausgeliehene Chrisantus auch kaum eine Rolle, was allerdings auch an einer Roten Karte lag, nach der er für einige (vier?) Spiele gesperrt war. Es würde mich total überraschen, wenn Macauley Chrisantus (Vertrag mit dem HSV bis 2012) eines Tages doch noch einmal für den HSV in der Bundesliga stürmen würde – aber unmöglich ist auch oder vor allem im Fußball nichts. Ich hatte auch damals gedacht, dass ich Oliver Bierhoff nach seinem Abschied vom HSV nie wieder in der Bundesliga sehen würde, und dann legte er eine solche Weltkarriere hin. Bierhoff – mein größter Irrtum! Und vielleicht ist Chrisantus auch mal wieder einer.

Apropos „rautenträger“. Er erkundigte sich, ob Frau M. nicht schon sauer wäre – wegen der „Arbeitszeiten“ für „Matz ab“. Ich gebe zu, mein Laptop steht in unserer Stube ständig „unter Strom“, ist aus unserem Alltagsleben gar nicht mehr wegzudenken, aber noch erträgt sie es. Allerdings gab es Heiligabend auch schon den ersten Verweis von Frau M., weil ich in den Tagen zuvor ständig bis weit nach Mitternacht gearbeitet hatte. Da reimte ich mir mein HSV-Gedicht zusammen, und deshalb bin ich gleich auch bei „HSVboerni“: Ich habe diese beiden Teile allein gemacht, wie übrigens in der Jahren zuvor auch immer. Anders geht es auch gar nicht.

„DasProdukt“ fragt, ob und wie beim HSV auf die Ernährung der Spieler geachtet wird? Ja, es wird. Seit 2006 arbeitet Jana Dunkel für den Klub, sie ist Köchin. Und sie war auch zum Beispiel zuletzt, beim Europa-League-Spiel in Tel Aviv, mit auf Tour, um die Profis zu bekochen. Unter Martin Jol aßen die Spieler auch an gewissen Trainingstagen gemeinsam, dass ist, so wie ich weiß, nun nicht mehr der Fall, aber wer will, der kann sich in der Woche sportler-gerecht bekochen lassen. So soll es jetzt sein.
„Tante Käthe“ fragt, warum Deutschland sich eine Sommerpause gönnt, statt ein ganzes Jahr durchzuspielen? Erstens befinden sich die Länder, die eine Sommerpause einlegen, in der Mehrzahl, zweitens ist der deutsche Spielplan dem internationalen Rahmenterminkalender angepasst. Ausgeschert sind doch nur die skandinavischen Ländern sowie einige Nationen im einstmals so genannten Ostblock. Wenn ich aber so an die WM 2006 denke, so machten auch mir die sommerlichen Abendspiele durchaus großes Vergnügen, die hätten also durchaus etwas für sich. Aber es wird sich daran wohl auf lange Sicht nichts ändern.

„SingsangHSV“ und viele andere User fragten nach Matthias Sammer als Sportchef. Das kann ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen, ich halte es sogar für ausgeschlossen, denn Sammer ist ein ganz, ganz starker Mann, der will immer selbst das Rad drehen – und würde zum Beispiel nie zusehen wollen, wenn es Bernd Hoffmann für ihn drehen wollte. Und umgekehrt natürlich auch. Hoffmann könnte mit einem Sammer an seiner Seite niemals leben, denn unter einer solchen Konstellation wäre für das Umfeld unklar, wer denn nun den Verein führen würde. Nein, Sammer wird es auf keinen Fall, so sehr ich ihn auch schätze, denn er ist wirklich ein ganz hervorragender Fachmann, ganz sicher einer der besten Leute in Deutschland.

Generell wurden ja auch andere Namen bei Euch gehandelt, und zwar Spielernamen, die der HSV jetzt, in dieser Winterpause, holen könnte. Kerzhakov, Pandev, Cacau, Altintop, Diekmeier, Görlitz, Lell, Jelavic wurden genannt, andere auch, aber ich sehe die alle nicht in Hamburg. Und es sollte mich wundern, wenn doch auch nur einer an die Elbe käme. Sollte ein neuer Spieler kommen, müsste wohl vorher der eine oder andere gehen (Jonathan Pitroipa soll, so steht es beim DSF, ein Kandidat beim 1. FC Köln sein). Nur so würde und könnte es gehen. Immerhin: Bruno Labbadia hat keinen (Kurz-)Urlaub genommen, er sagte mir, dass er durcharbeiten würde, weil er noch so viel zu tun hätte. Ob diese Arbeit auch eine Neuverpflichtung beinhaltet, das hat er mir natürlich nicht auf die Nase gebunden.

Spaßig fand ich, das sei mir an dieser Stelle einmal gestattet zu schreiben, jene HSV-Mannschaft, die „Nordbert“ aufgestellt hat: Pralija, Zafirov, Simunic, Gravgaard, Ali II, Ledesma, Neves, Zarate, Schopp, Ordenwitz und Schmöller. Ich habe dabei Martin Dahlin und Niclas Kindvall vermisst. . . Und zur Bergedorfer Elf von „Billtal“ sei gesagt: Ich kenne sie alle, denn ich habe einst in Bergedorf, im Gojenbergsweg, gewohnt, und mein Onkel nahm mich damals auch mit ins Billtal-Stadion, als 85 in die Oberliga Nord aufgestiegen war und auf Grand um Punkte gegen den HSV spielte. Ein Erlebnis! „holag“ sei an dieser Stelle kurz gedankt für die Ergänzungen in Sachen „Ochsenzoll“.

„Digga“ schlug mir nach dem Brief an Florian Meyer das Thema Schiedsrichter für „Matz ab“ vor. Nehme ich auch dankbar auf, habe sogar versucht, den einen oder anderen Herren der Zunft zu erreichen – aber es ist ja Winterpause. Ich bleibe dran. Und am 11. Januar kommt – welch ein Zufall – Florian Meyer nach Hamburg, um vor Journalisten einen Vortrag zu halten, wie die Schiedsrichterei in der Bundesliga zu funktionieren hat. Ich werde, sofern nichts dazwischen kommt, Flagge zeigen. Und Euch berichten.

Dass mit Herbert Kühl hier inzwischen ein weitere „Alt-Internationaler“ schreibt, finde ich klasse. Er ergänzte zu meiner (und auch Eurer?) HSV-Mannschaft den Namen Jupp Posipal. Der fehlt bei mir, weil ich ihn leider nie habe spielen sehen. Von Herbert Kühl, heute Ehrenpräsident des SC Concordia, weiß ich aber noch eine wunderschöne Nähkästchen-Anekdote. Ich hoffe, lieber Herbert, dass ich sie einfach mal schreiben darf, ansonsten musst Du mir Deine Freundschaft kündigen (was schade wäre!). Der junge, ich glaube 18-jährige Herbert Kühl kickte mit dem SC Victoria in der Oberliga Nord, spielte an der Hoheluft gegen den HSV mit Posipal. Nach dem Spiel klönten einige Spieler beider Vereine noch eine gewisse Zeit in der Stadion-Gaststätte, dann fragte Posipal den jungen Kühl plötzlich: „Kommst du noch mit? Wir wollen noch ein bisschen weiterziehen.“ Kühl wollte. Und er setzte sich mit auf den Motorroller, den wer fuhr? Natürlich, Jupp Posipal. Und los ging es.

„Dylan1941“ (auch im gebührt mein Dank) erkundigte sich nach Ditmar Jakobs. Wäre das nicht auch ein geeigneter Sportchef-Kandidat? „Jako“ hat heute eine Versicherungs-Agentur, sein Büro ist in der Nähe des Hauptbahnhofes, ganz in der Nähe des Hotels „Atlantik“. Er betreut in dieser Eigenschaft auch HSV-Spieler. „Doerfels Eck“ fragte, ob Ditmar Jakobs seine damals im Bremen-Spiel erlittene Rückenverletzung vollständig auskuriert hat, aber das ist leider nicht der Fall, er hat immer noch seine gesundheitlichen Probleme damit. Hat sich und sein Leben aber darauf eingestellt, kann inzwischen damit umgehen und ganz gut leben.

„Sebert1974“ und ebenfalls viele, viele andere User erkundigten sich danach, warum die „Kicker“ dem Schiedsrichter Florian Meyer im Spiel gegen Bremen eine 1,5 als Note gegeben hat? Weiß ich auch nicht, ich weiß nur, dass das in meinem Freundes- und Bekanntenkreis einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Ihr werdet mir aber verzeihen, wenn ich mich da jeglichen Kommentars enthalte, denn Noten sind subjektiv. Ich maß mir nicht an, immer richtig zu liegen. Und seht es einmal so: Torsten Frings hat dem Unparteiischen auch eine katastrophale Leistung bescheinigt. Damit wären sich ja alle Seiten dann auch wieder einig – vom „Kicker“ einmal abgesehen.

„Nebraska63“, der uns hier mit dieser wunderschönen Weihnachtsgeschichte beglückte (auch ihm vielen Dank!), fragte nach Messi und Elia, ob die hier in Deutschland fußballerisch eher schlechter ausgebildet worden wären? Es ist zu vermuten, obwohl sich hierzulande schon sehr viel in Sachen Technik getan hat. Es gibt doch kaum noch einen richtigen „Klopper“, der nicht auch Fußball spielen könnte. Alle haben doch inzwischen ein gutes technisches Rüstzeug während ihrer Jugendzeit erhalten. Früher war das noch ganz anders, und das ist noch gar nicht so lange her.

Yordan Letschkov sagte mir einst zu seiner Hamburger Zeit, dass er nicht verstehen könne, dass Jugendtrainer ihren Spieler das Dribbeln verbieten. Er durfte in seiner Jugend spielen wie er wollte, er wurde nie ausgewechselt, angeschrieen oder eingeschränkt, und nur so lernte er auch das richtige Dribbeln. Ich dagegen habe hier noch Jugendspieler erlebt, die von wütenden Trainern, die völlig ihre Fassung verloren hatten, vom Platz geholt wurden, weil sie den Ball nicht abgaben. Ich hoffe (und glaube) aber, dass das heute anders geworden ist.

„devildino“ fragte, was ich von Nico Hoogma als HSV-Sportchef halte? Sehr viel. Nur der HSV, und der ist entscheidend, wohl nichts bis gar nichts. Sonst hätten sie mal bei ihm angefragt. Das aber ist nicht passiert. Ich denke bei Hoogma und dieser Frage spontan auch an Felix Magath. Als der 1986 seine Karriere als Spieler beendete, wurde er von einem Tag zum anderen Sportchef des HSV. Nun gut, er war es nicht lange, aber immerhin, der Klub hat ihm das zugetraut und ihm die Verantwortung übertragen. Damals ging das noch. . .

So, Sprechstunde und Nähkästchen wieder einmal beendet, in der kommenden Woche ziehen mein Kollege Christian Pletz und ich gemeinsam Bilanz der Hinrunde (was ja auch eine Bilanz von „Matz ab“ ist). Und sollte es doch – wieder Erwarten – einen neuen Spieler geben, dann melden wir es natürlich auch hier. Lasst die Weihnachtswoche gut ausklingen, und alles Gute für die letzten Tage des Jahres.

Weihnachtliches Nähkästchen

25. Dezember 2009

Frohes Fest! Wie versprochen ein ganz kleines Nähkästchen. Kurz deshalb, weil ja Weihnachten ist, da möchte ich Euch auch nicht überfrachten. Und erst noch ein kurzer „Abstecher über die Dörfer“. Wie Weihnachten muss es Marcell Jansen vorgekommen sein, dass der Bundestrainer einen Tag vor Heiligabend über den HSV-Profi und die WM in Südafrika gesprochen hat. Jogi Löw stellt Jansen die Teilnahme in Aussicht. Mir ist das, ehrlich gesagt, ein wenig zu wenig, denn wenn Marcell Jansen die Form beibehält, die er zuletzt an den Tag gelegt hatte, dann muss der Hamburger ganz einfach mit. Und Ende.

Dann möchte ich noch auf einen besonderen Termin hinweisen: Am 2. und 3. Januar findet in der Sporthalle Hamburg in Alsterdorf das große Turnier um den Schweinske-Cup statt. Seit einigen Jahren macht ja der HSV einen großen Bogen um diese Veranstaltung, doch das Team um Wolfgang Engelmann, Peter Sander und Horst Peterson fand nun eine Möglichkeit, einen Hauch von HSV in das Turnier zu bringen. „Nico and friends“ sind dabei: Nico Hoogma, Stig Töfting, Martin Groth, Roy Präger, Andreas Fischer und einige Altmeister mehr. Wer Lust auf Nostalgie hat, wer diese alte Recken noch einmal hautnah erleben will, der sollte sich in Alsterdorf einklinken, die Veranstaltung hat es verdient, denn es ist für mich immer das besondere „Turnier mit Herz“ gewesen. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe unzählige Hallen-Kicks mitgemacht, nirgendwo war es so herzlich wie in Alsterdorf.

Dann ist es mir ein Herzensbedürfnis, Euch für die vielen, vielen netten Weihnachtswünsche, Beiträge und Gedichte zu bedanken. Ihr seid einmalig, das ist sensationell! Wo soll das enden? Was geht hier ab? „Matz ab“ fördert ganz stark die deutsche Dicht-Kultur, wird hier ein neuer Goethe für die Abteilung Fußball geboren? Drohungen – zumal an den Festtagen – sind mir allerdings absolut zuwider, auch oder vor allem in Prosa, muss ich mal kurz und ganz nebenbei bemerken!

Vielen Dank auf jeden Fall denjenigen “Matz-abbern”, die sich dieser Sache positiv verschrieben haben, es macht riesigen Spaß, das alles zu lesen. Und auch Frau M. war gerührt, dass Ihr so oft an sie gedacht habt. Übrigens: Sie wird sich noch überlegen, ob sie am 19. Februar mit in die Raute kommt – ausgeschlossen ist das nicht mehr. Eventuell muss sie Lilo und Traute überreden, damit sie nicht so ganz allein ist – denn ich werde an diesem Abend ja ganz sicher „auf Wanderschaft“, hier ein Schnack, dort eine kleine Klönerei, um die Ecke auch ein tiefsinniges Gespräch (über Psychologie im Fußball?) usw., durch die Raute sein.

Apropos Gespräch. Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest traf ich im Herold-Center in Norderstedt den früheren HSV-Verteidiger Tobias Homp. Mit ihm beginnt nun dieses Nähkästchen, „Hompi“ war ein als Profi immer ein Mensch zum Anfassen, Arroganz war und ist ihm bis heute fremd, er ist einfach nur ein netter Kerl. Wir sprachen natürlich über alte Zeiten, was ich für fast unglaublich halte: Tobias Homp spielt mit seinen nun 46 Jahren immer noch Leistungsfußball, er kickt für den SV Henstedt-Rhen in der Oberliga Schleswig-Holstein.

Was mich immer mit Homp verband? Das war eine Begebenheit während seiner Zeit beim HSV. Er kam eines Tages aus der Kabine im Leistungszentrum Ochsenzoll und schimpfte still vor sich hin. Das war so ganz und gar nicht seine Art, Tobias Homp ist ansonsten still, ruhig, bescheiden, zurückhaltend. „Was hast du denn?“, fragte ich ihn, und es sprudelte aus ihm heraus: „Ich habe mich eben mit Manfred Kaltz angelegt. Der putzt sich immer bei laufendem Wasser die Zähne. Ich habe ihn schon oft darauf hingewiesen, dass das Wasser immer knapper wird, dass man es nicht einfach laufen lassen darf, denn Wasser ist kostbar geworden. Aber was macht Manni? Er putzt und lässt Wasser laufen. Das kann ich nicht begreifen.“

Ich gebe zu: In diesem Moment überkam auch mich das große Schweigen, zudem überfiel mich das schlechte Gewissen, denn: Ich hatte meine Zähne bis zu diesem Tag auf die Kaltz-Art geputzt: Wasser marsch. Ohne nachzudenken. Von diesem Tag an aber war das vorbei. Jeden Morgen, jeden Abend habe ich an Tobias Homp gedacht, ernsthaft. Und ich habe mich selbst erzogen. Seit diesem Tag lief nicht einmal mehr das Wasser beim Putzen, auch nicht im Hotel, auch nicht in fremden Ländern – denn Wasser ist in der tat ein kostbares Nass, das kein Mensch auf der Welt einfach so vergeuden sollte.

Übrigens: Tobias Homp verriet mir kürzlich auch, dass er im Trainingslager und auch vor den Spielen stets ein Hotelzimmer mit dem großen Manfred Kaltz teilte: Rechtsverteidiger und Linksverteidiger. Was niemand wusste, aber wohl viele ahnten: Beide sprachen ja auch im richtigen Leben nur das Notwendigste, doch auf dem Zimmer herrschte die totale Stille. Tobias Homp sagte zu meinem Erstaunen: „Manfred Kaltz hat erst nach zwei Jahren, die wir bis dahin auf einem Zimmer verbracht hatten, mit mir gesprochen. Vorher hatte immer Funkstille total geherrscht.“ Wer hätte das gedacht? Oder auch nur vermutet? Eigentlich eine unglaubliche Geschichte, aber wahr.

Um noch einmal auf Kaltz zurück zu kommen: Ich hatte ja vor einigen Tagen nach Eurer absoluten HSV-Mannschaft gefragt, also mit Spielern von heute, gestern und vorgestern. Es gab ja einige Namen, die da eingestreut wurden, aber eine richtige Mannschaft war das nicht. So mit „Butter bei die Fische“, konsequent nur elf Namen, und keinen mehr. Das ist schwer. Ganz sicher. Aber es geht. Hier nenne ich Euch einmal die HSV-Mannschaft meines Lebens:

Tor:
Horst Schnoor,

Abwehr:
Manfred Kaltz,
Ditmar Jakobs,
Willi Schulz,
Jürgen Kurbjuhn,

Mittelfeld:
Wolfgang Rolff,
Kevin Keegan,
Thomas Doll,
Felix Magath,

Angriff:
Uwe Seeler,
Gert Dörfel.

Und dann hätte ich da auch noch eine „B-Mannschaft“ anzubieten:

Tor: Uli Stein.

Abwehr:
Ivan Buljan,
Markus Babbel,
Peter Nogly,
Peter Hidien,

Mittelfeld:
David Jarolim,
Yordan Letchkov,
Sergej Barbarez,
Rafael van der Vaart,

Angriff:
Horst Hrubesch,
Ivica Olic.

So, das war das weihnachtliche „Matz ab“, genießt weiterhin die festliche Ruhe, die Stunden in der Familie, im Kreise Eurer Lieben.

Und zudem wünsche ich allen, die nun krank im Bett liegen, eventuell sogar im Krankenhaus (wie mein Freund Peter), eine gute und schnelle Besserung, dass es 2010 wieder steil bergauf geht – alles, alles Gute für Euch.

15.06 Uhr

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