Monatsarchiv für Dezember 2009

Ditmar Jakobs zieht Bilanz

21. Dezember 2009

So, nun haben wir ja fast schon Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens, und ich will eigentlich auch gar nichts mehr über Schiedsrichter Florian Meyer schreiben, aber, aber: Am Tag danach telefonierte ich mit Martin Jol, Trainer von Ajax Amsterdam. Weil dessen Spiel am Sonntag ausgefallen war, konnte er sich im Fernsehen live HSV gegen Werder Bremen ansehen. Und Martin Jol lobte erstens den HSV und sagte zweitens über den Platzverweis von Jerome Boateng: „Das war doch niemals eine Rote Karte. Was hat der Herr Meyer da gepfiffen? Dafür Rot zu geben – ich kann es nicht zu fassen, mir tat Jerome leid.“

Nun ja, der Deutsche Fußball-Bund schloss sich dieser Meinung ja offenbar auch an, Boateng wurde nur für ein Spiel gesperrt – weil dies nun einmal die Mindeststrafe für Rot ist. Und wo ich gerade bei guten Nachrichten bin: Der Vertrag mit Sören Bertram, dem vielleicht größten HSV-Talent, wurde nun verlängert, der HSV geht seinen Weg der jungen Nachwuchsspieler konsequent weiter. An Bertram waren auch andere Bundesliga-Klubs interessiert, ich glaube, wir werden in den nächsten Jahren noch sehr viel Gutes von dem Mittelfeldspieler hören.

Gutes, da sind wir uns ja wohl alle auch einig, gab es ja in dieser Hinrunde schon sehr, sehr viel. Platz vier trotz dieser unglaublichen Verletzungsmisere, das kann sich sehen lassen. Zumal es nun schon seit einem halben Jahr keinen Sportchef mehr gibt. Und wohl auch in den nächsten Wochen noch nicht. Aufsichtsrats-Chef Horst Becker befand nun erneut: „Ein Sportchef schießt ja keine Tore.“

Mein Tipp in Sachen Beiersdorfer-Nachfolge heißt beharrlich Horst Heldt. Der VfB-Manager eiert seit Tagen schon so konsequent um eine klare Aussage herum, so dass ihn niemand festnageln kann. Heldt kommt, so denke ich mir, in ein paar Wochen nach Hamburg. Dann, wenn sich Stuttgart sportlich wieder gefangen hat. Und wenn Heldt dann doch nicht kommen sollte, dann glaube ich ganz einfach, dass es Bruno Labbadia und Bernd Hoffmann im Duett machen. Das heißt, vielleicht noch mit einem Mann im Rücken, der das Vertrauen von Labbadia besitzt. Und: Vielleicht ist dieser Mann ja schon beim HSV? Ausgeschlossen ist das in meinen Augen nicht. Marinus Bester, Richard Golz, Bernd Wehmeyer? Das wären für mich die üblichen Verdächtigen, und mit dieser Nummer könnte ich sogar sehr gut leben. Sehr, sehr gut sogar. Vielleicht ja auch der HSV.

Ja, im Moment kann der Klub doch überhaupt nicht klagen. Sportlich läuft es, die Mannschaft hat die vielen Ausfälle bestens verkraftet, die K.o.-Runde in der Europa League ist erreicht worden, nachganz oben ist in der Bundesliga noch immer alles möglich, was ja auch der große Uli Hoeneß am Sonntag im Doppelpass bestätigte hat: „Wenn der HSV alle Spieler an Bord hat, dann spielt auch er sicher auch eine gewichtige Rolle in Sachen Meisterschaft.“

Wie ein „Ehemaliger“ des HSV über die nun abgelaufene Hinrunde denkt, erfahrt Ihr nun an dieser Stelle. Ich habe mit dem früheren Kapitän Ditmar Jakobs ein kleines Interview geführt, das nun beginnt:

Matz ab: Herr Jakobs, sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf des HSV?

Ditmar Jakobs: „Doch, eigentlich schon, wenn man mal davon absieht, dass die beiden Heimspiele gegen Mönchengladbach und Bochum verloren gegangen sind, obwohl das völlig unnötig war. Diese Niederlagen tun noch immer weh, denn wo würde der HSV wohl heute stehen?

Matz ab: Zumal es auch eine unheimliche Verletztenmisere zu überstehen gab. Haben Sie so etwas schon einmal mitgemacht?

Jakobs: Noch nie, wir hatten damals auch nie solche schweren Verletzungen. Und bei uns sind auch nie solche Schlüsselfiguren wie jetzt Ze Roberto so langfristig ausgefallen. Für mich ist der Brasilianer, das einmal schnell nebenbei, der Spieler der Hinrunde. Zurück zu den Ausfällen: Die vielen Verletzungen hatten, das sollte man nicht vergessen, auch etwas Gutes, denn es spielten sich einige Leute in den Vordergrund, die vorher keiner auf dem Zettel hatte. Ich nenne da mal Tunay Torun und Tomas Rincon.

Matz ab: Ich war, das gebe ich zu, im Sommer beim Kauf von Ze Roberto ja skeptisch. Hatten Sie auch Zweifel?

Jakobs: Nein, absolut nicht. Man wusste ja, dass er fit ist, und ich war davon überzeugt, dass er dem HSV spielerisch helfen könnte. Dass er allerdings eine so dominante Rolle spielen würde, das hat mich dann doch ein wenig überrascht. Er spielte zuletzt in der Form seines Lebens. Und ich denke auch, dass man einen Mann wie ihn einfach nicht ersetzen kann.

Matz ab: Hat der neue Trainer Bruno Labbadia den HSV fußballerisch schon weiter gebracht?

Jakobs: Von der Spielweise her ist es interessanter geworden. Und ich hoffe, dass es so weitergehen wird. Und das hoffe ich nicht nur, davon bin ich auch total überzeugt, denn in meinen Augen hat die Mannschaft in den Zeiten, als es die vielen Ausfälle gab, ein ganz starkes Wir-Gefühl entwickelt.

Matz ab: Dieses Wir-Gefühl zeichnete Ihre Mannschaft damals, die von 1983, doch auch aus Kann das heutige Labbadia-Team daran schon anknüpfen?

Jakobs: Wir hatten dieses Wir-Gefühl damals über sieben, acht Jahre, das war schon außergewöhnlich. Die jetzige Mannschaft wird noch wachsen, aber was ich sehe ist die Tatsache, dass sich die jungen Leute voll reinhängen, dass sie auch hervorragend integriert sind. Das ist schon fast optimal zu nennen.

Matz ab: Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass in diesem HSV-Team irgendwie mehr Zug ist als in den letzten Jahren?

Jakobs: Nein, das sehe ich nicht so. Disziplin war vorher auch drin. Ich sehe nur, dass sie unter Bruno Labbadia noch ein wenig enger zusammengerückt sind.

Matz ab: Wer ist für Sie, neben Ze Roberto, bislang die Entdeckung dieser Saison?

Jakobs: Jerome Boateng. Dass er als Innenverteidiger mit so viel Auge und so viel Klasse spielt, das ist überragend. Und dazu muss ich auch Tomas Rincon nennen, der gerade in den letzten Wochen einen enormen Sprung nach vorne gemacht hat.

Matz ab: Haben Sie es Rincon in dieser Form zugetraut, denn er hat vorher ja kaum gespielt?

Jakobs: Ja, ganz klar. Ich habe ihn einmal unter Martin Jol für 30 Minuten gesehen, da konnte man schon erkennen, dass er eine Stütze dieser Mannschaft werden kann. Er muss nur auf der Sechser-Position spielen, da ist er schon so gut wie einst Nigel de Jong. Rincon und de Jong sind vom Typ her ähnlich, sie sind beide unheimlich giftig, aber Rincon halte ich fußballerisch noch für etwas stärker – und er ist mit 22 Jahren ja auch noch ein ganz junger und entwicklungsfähiger Mann.

Matz ab: Wie beurteilen Sie die Vertragsverlängerung von Torwart Frank Rost? Kommt da Freude bei Ihnen auf, oder ist es aufgrund des Alters ein Risiko?

Jakobs: Das alles hat nichts mit Alter zu tun, sondern einzig und allein damit, ob ein Spieler gut ist und seine Leistungen bringt. Und das ist bei Frank Rost eindeutig der Fall, er hat Qualität, ist eine große Stütze des Teams – das ist ähnlich wie bei Ze Roberto.

Matz ab: Piotr Trochowski ist zuletzt ein wenig abgefallen. Muss von einem Nationalspieler nicht doch ein bisschen mehr kommen als das, was er zuletzt anbot?

Jakobs: Mir war klar, dass er zu kämpfen hat, wenn fast alle Spieler zur Verfügung stehen. Wen soll Bruno Labbadia denn sonst aus dem Team nehmen? Trochowski hat in der Defensive Schwierigkeiten, deswegen hat er seinen Platz in der Mannschaft verloren, und wenn erst Ze Roberto wieder dabei ist, dann dürfte es für Piotr Trochowski noch schwerer werden.

Matz ab: Wer wird der nächste deutsche Nationalspieler des HSV? Dennis Aogo, der ja auch für Nigeria spielen könnte?

Jakobs: Er muss es selbst wissen, zu welchem Land er sich hingezogen fühlt. Dennis hat ja für die deutsche U-21-Nationalmannschaft gespielt, deswegen denke ich, dass er sich im Grunde seines Herzens wohl doch für Deutschland und gegen Nigeria entschieden hat. Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass er A-Nationalspieler wird, auch wenn er sicher noch einiges lernen muss. Er ist aber ein großes Talent, und deutsche Verteidiger, die internationale Klasse haben, sind ja auch selten geworden. Was zudem für Dennis spricht: Er ist offensiv stark, schlägt gute Flanken, und er steht auch in der Defensive meistens sehr solide.

Matz ab: Sie waren einst HSV-Kapitän, wie sind Sie mit einem Ihrer Nachfolger zufrieden, mit David Jarolim?

Jakobs: Ob man seine Spielweise nun mag oder nicht, das sei mal dahingestellt, er ist auf jeden Fall ein vorbildlicher Kapitän, denn er gibt in jedem Spiel immer 100 Prozent.

Matz ab: Im Sommer verstärkte der HSV die Offensive, als Marcus Berg und Eljero Elia verpflichtet wurden – wie denken Sie über diese beiden Spieler?

Jakobs: Berg muss noch einiges lernen, aber ich plädiere dafür, dass man ihm diese Zeit gibt. Bei ihm muss man Geduld aufbringen, Marcus Berg hat sicher seine Qualitäten, aber er muss sein Talent noch weiter entwickeln. Und Elia? Was der spielt, das ist schon Extraklasse. Der ist kaum zu stoppen, weil er am Ball sehr stark ist, weil er schnell ist, und weil er dazu auch körperlich enorm robust ist.

Matz ab: Sollte der HSV Ihrer Meinung nach in der Winterpause noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen?

Jakobs: Wenn das Verletzungspech anhält, dann ja, aber nur dann. Eigentlich würde ich jetzt keine neuen Spieler mehr holen, denn: Spieler, die sofort helfen könnten, die sind rar und sind zudem sehr teuer. Schon deshalb würde ich darauf verzichten. Und beim HSV haben doch die Spieler aus der zweiten Reihe fast alle gezeigt, dass auf sie Verlass ist, wenn man sie braucht.

Matz ab: Eine Frage zum Werder-Spiel am Sonntag kann ich Ihnen einfach nicht ersparen: War das Foul von Jerome Boateng an Marin in Ihren Augen eine Rote Karte?

Jakobs: Wenn der Schiedsrichter pfeift, dann ist es Rot, so einfach ist das, so ist die Regel auszulegen. Boateng ist in dieser Szene der letzte Mann und vereitelt eine Torchance. Aber ich frage auch einmal ganz anders: Wenn Mertesacker oder auch Naldo das mit Elia gemacht hätten, was wäre dann gewesen? Dann hätten alle Hamburger doch auch Rot gefordert, oder? Dass Marin dann natürlich den Körperkontakt auch dankbar angenommen hat, das ist auch klar.

Matz ab: In der Europa League kommt es demnächst zum Duell mit dem PSV Eindhoven. Machbar? Oder nicht machbar?

Jakobs: Irgendwo habe ich gelesen, dass es jetzt keine schwachen Gegner mehr gibt. Das stimmt wohl. Umgekehrt ist es aber auch so, dass es kaum unschlagbare Gegner gibt, außer einem Klub, aber der spielt aber in der Champions League. Alle anderen Gegner sind machbar, ich glaube, dass in diesem Duell die Tagesform entscheidend sein wird.

Matz ab: Und was ist für den HSV in Sachen Bundesliga noch möglich?

Jakobs: Ich traue dem HSV eindeutig einen Platz unter den ersten drei Klubs zu, denn in dieser Mannschaft steckt wahnsinnig viel Potenzial. Die Mischung stimmt ganz einfach.

Matz ab: Also kann der HSV auch Meister werden?

Jakobs: Meister? Dann müsste es schon sensationell und optimal laufen, dann dürfte es keine weiteren Verletzte mehr geben, dann müsste man mit dieser Truppe auch das nächste halbe Jahr durchspielen können. Ist das der Fall, dann kann sie auch ganz große Ziele erreichen.

Soweit das Gespräch mit Ditmar Jakobs. Neben anderen hatte der frühere Nationalspieler ja auch von Tomas Rincon geschwärmt, der gegen Werder zu den besten Hamburgern gehörte. Der Südamerikaner stellte damit erneut seine erstaunliche Wandlung unter Beweis. Ihr erinnert Euch: Als hier bei „Matz ab“ im Herbst immer wieder gefragt wurde, warum Rincon keine Bewährungschance erhält, habe ich stets geantwortet, dass er dem Trainer wohl zu ungestüm und zu undiszipliniert sei. War er damals wahrscheinlich auch noch, aber das hat er längst abgestellt. Und dennoch gab es gegen Bremen einen ganz kleinen Rückfall: Gelb schon in der 12. Minute.

Bei jedem in der Arena gingen sofort die Antennen hoch: Wie soll der „Büffel“ Rincon die restlichen 78 Minuten ohne weitere Verwarnung überstehen? Er schaffte es. Grandios sogar. Geriet nicht einmal mehr in ernste Gefahr. Und verriet auch, warum: „Ich habe mich mit meinen Abwehrkollegen abgestimmt, und wir haben dann auch ein gutes Gleichgewicht gefunden.“ Dass er zum ersten Mal auf Schnee Fußball gespielt hat, bemerkte er quasi nebenbei. Und befand lachend: „Das war heiß, sehr heiß.“ Trotz der Minusgraden von sechs, sieben und acht Grad.

Immerhin gab Rincon zu: „Das war mein bislang schwerstes Spiel für den HSV. Was nicht so sehr an Gegenspieler Özil lag, sondern vielmehr daran, dass Jerome Boateng so schnell die Rote Karte gesehen hatte. Was für mich eindeutig keine Rote Karte war.“ Dass Mesut Özil nicht zu seinem Spiel fand und später ausgewechselt wurde, das empfand Rincon nicht als persönlichen Triumph: „Es war ein Erfolg der ganzen Mannschaft.“ Zurückhaltend und bescheiden ist er auch noch. Und ein wenig verträumt: „Irgendwie kommt es mir wie ein Weihnachtsmärchen vor, dass ich das Jahr so erfolgreich abschließen konnte.“

Dann wünschen wir ihm doch mal wunderschöne Festtage (in der Heimat), und dass er an diese ausgezeichnete Form im Januar auch wieder anknüpfen kann.

Kurz zum Abschluss noch ein Abstecher in eigener Sache, weil ich ja danach gefragt hatte: Auf dem Reim-Video für das Werder-Spiel sind tatsächlich die beiden ehemaligen HSV-Profis Nils Bahr und Tobias Homp zu sehen. Und noch ein kurzer Schwenk. Ihr habt Hermann Rieger am Rande des Werder-Spiels gesehen – ich auch. Und ich habe ihn bei der Gelegenheit gefragt, ob er am 19. Februar zum Matz-ab-Treffen in die Raute kommen möchte – und er will, er wird dabei sein. Seine Krankheit, so sagt er, hat er bis dahin abgehakt. Ich, und ich bin sicher auch Ihr alle, wir drücken ihm die Daumen.

22.55 Uhr

Lieber Florian Meyer . . .

21. Dezember 2009

Lieber Florian Meyer,

das ist ein offener Brief. Jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag. Sie, Herr Meyer, haben das am Sonntag aus nächster Nähe gesehen. Die Bremer Prödl, Marin und Hunt haben anfängerhaft hundertprozentige Torchancen vergeben, weil sie  aus vier, fünf Metern das HSV-Tor verfehlt haben. Diese Werder-Profis hatten also eindeutig einen schlechten Tag. Solche Tage gibt es. Und solche Tage kenne ich natürlich auch. Die kennt wohl jeder von uns. Und Sie, Herr Meyer, kennen einen solchen Tag nun auch, wenn Sie nicht vorher schon gelegentlich einen schlechten Tag hatten.  An diesem Sonntag aber hatten Sie ganz sicher einen grottenschlechten Tag. So schlecht, da bin ich ganz ehrlich, habe ich Sie noch nie gesehen. Noch nie. Was war nur los? Sie wirkten so, als würden Sie zum ersten Mal ein Spiel der Ersten Bundesliga pfeifen. So oft daneben wie diesmal lagen Sie und Ihre Herren an den Seiten wohl noch nie.

Ich hoffe sehr, dass Ihnen das auch vom offiziellen Schiedsrichter-Beobachter, wenn ich mich nicht irre, war es der Herr Siegfried Kirschen, deutlich gesagt wurde. Wenn nicht, würde ich, das sage ich ganz offen, die Fußball-Welt nicht mehr verstehen.

Herr Meyer, was war das bitte für eine Rote Karte, die Sie dem HSV-Spieler Jerome Boateng unter die Nase gehalten haben? „Diese Karte war ein Witz“, so hat es Matthias Sammer im Fernsehen ausgedrückt. Und Sammer hat durchaus ein bisschen Ahnung vom Metier. Ich gehe noch weiter als Sammer, ich sage: Diese Karte war ein Skandal. Ein Wahnsinn. Und mit dieser Ansicht stehe ich ganz sicher nicht allein. Nach dem Schlusspfiff gab es viele Menschen, die ob Ihrer Leistung, Herr Meyer, bestürzt und total sauer waren. Ich sah Menschen, die nur noch die Köpfe schüttelten. Wenn solche Roten Karten in Zukunft in der Bundesliga Mode werden würden, dann gute Nacht, lieber deutscher Spitzen-Fußball. Dann muss eigentlich nie wieder eine deutsche Mannschaft auf internationalem Parkett auflaufen, denn dort wird ja nur dann eine Karte (Gelb oder Rot ist egal) verteilt, wenn es einen offenen Bruch gegeben hat. Ich weiß, ich übertreibe, aber ich übertreibe bewusst, denn was ist das bitte für eine Pfeiferei in der Bundesliga, und was in der Champions und Europa League? Das müssen Sie, Herr Meyer, wenn Sie Ihre sonntägliche Leistung von Hamburg ganz nüchtern und objektiv beurteilen, doch zugeben.

Für mich ist es leider auch ein kleiner Skandal, dass nach den Regeln der Fifa jede Rote Karte automatisch eine Sperre nach sich ziehen muss. So war es früher jedenfalls, und mir ist nicht bekannt, dass sich daran etwas geändert hätte. In diesem Punkt sich die alten Herren wohl immer noch einig. Wäre es nicht so, würde ich im Fall Boateng ganz eindeutig auf Freispruch plädieren. Aber das wird (m)ein Wunsch bleiben. Schade eigentlich. Denn Menschen haben ja nicht nur mal einen schlechten Tag, sie können ja auch gelegentlich irren. Und dass das dann von Amts wegen nicht korrigiert werden darf, ist fast schon tragisch zu nennen.

Ich war, das muss ich Ihnen einmal kurz sagen, schon als Spieler (habe es leider nur bis zur Verbandsliga gebracht) und als Trainer (nur zur Landesliga) immer ein Freund der Schiedsrichter. Auf dem Spielfeld hat es zwar mitunter richtig gekracht, da ging es rund, da gab es auch einige lautstarke Auseinandersetzungen, da gab es auch pro Jahr einen Platzverweis – aber nach fast jedem Spiel waren selbst die lautesten Ausfälle vergessen. Da gab es einen versöhnlichen Händedruck, eine kurze und freundschaftliche Aussprache – und dann war es wieder gut. Auch als Berichterstatter habe ich in früheren Jahren kaum über Schiedsrichter geklagt, auch höchst selten etwas Böses geschrieben (Ausnahme Hoyzer). Weil ich der Meinung war, dass auch die Unparteiischen – wie jeder Spieler und Trainer – Fehler machen dürfen, denn sie haben ein besonders schweres Amt – das schwerste wohl überhaupt im Profi-Sport.

Herr Meyer, ich habe mit der Zeit viele Ihrer Kollegen aus der Bundesliga persönlich kennen lernen dürfen, ich habe diese Männer auch stets zu schätzen gewusst. Mit einigen bin ich, ich wollte gerade sagen befreundet, aber das wäre zuviel gesagt, aber wir sind immerhin gut bekannt und per Du. Sie, Herr Meyer, habe ich bislang nicht persönlich kennen gelernt, aber ich schätzte Sie stets aus der Ferne. Sie sind für mich der Gentleman unter den deutschen Schiedsrichtern. Und Sie waren für mich bislang auch der beste Mann, die Nummer eins Ihrer Zunft. Wahrscheinlich sind Sie es auch immer noch, denn einen schlechten Tag kann ja jeder, wie eingangs schon geschrieben, einmal haben. Ich werde morgen, drei Tage vor Heiligabend, darüber ganz genau nachdenken, im Moment aber bin ich immer nur noch fassungslos, was Sie für einen schlechten Tag in Hamburg erwischt haben. Aber daran ist ja jetzt ohnehin nichts mehr zu ändern.

Ich stehe ja mit meinen Eindrücken von Ihrer Spielleitung nicht allein auf weiter Flur. Etliche Kollegen haben sich wesentlich drastischer ausgedrückt, als ich jetzt. Und viele VIP-Fans in der Nordbank-Arena schilderten mir nach dem Spiel ihren Kummer. Es war schon mehr ein Klagen: „Der HSV musste mit zehn Mann gegen zwölf spielen.“ Und: „Der HSV hat in dieser Saison immer das Pech, dass er die schlechtesten Schiedsrichter ertragen muss.“ Ich aber glaube nicht, dass das Pech ist. Ich glaube vielmehr, und das ist jetzt ganz hart für Sie und Ihre Kollegen, dass die deutschen Schiedsrichter im Moment ein kleines (oder auch schon größeres) Leistungstief durchlaufen. Es gibt keinen Hellmut Krug, keinen Markus Merk, keinen Herbert Fandel mehr, und das merkt man. Ganz deutlich sogar. Da ist viel Qualität in Rente geschickt worden.

Ich werde im Jahre 2010 30 Jahre HSV-Reporter sein, habe also schon einige Bundesliga-Begegnungen erleben dürfen. Eine solche Phase an schwachen Schiedsrichter-Leistungen, auch das sage ich ganz ehrlich, habe ich aber noch nie erlebt. Und das halte ich für sehr bedenklich. Läuft da etwas schief? Ich glaube ja. Aber ich weiß nicht, wie man es beheben kann? Stehen die deutschen Schiedsrichter zu sehr unter Druck? Weil es zu viele Fernsehkameras in den Stadien gibt, die jeden Fehler gnadenlos analysieren und entlarven? Oder auch deshalb, weil viele Spieler unter die Schauspieler gegangen sind, weil sie  nicht mehr ehrlich und fair sind, sondern mit allen auch unerlaubten Mitteln den Erfolg wollen, selbst wenn diese Mittel noch so verwerflich sind?

Als ich die Trainer-Lizenz erwarb, musste ich auch den Schiedsrichterschein „machen“. Ich fand sogar Gefallen daran, Spiel zu pfeifen. Und ich habe einmal, schon als Reporter für Amateurspiele, ein Kreisliga-Punktspiel gepfiffen, weil keine Schiedsrichter erschienen waren. Ich stellte bei diesem Spiel einen Spieler der Heimmannschaft vom Platz, die Gäste-Elf gewann 4:1. Und trotzdem erhielt ich Lob vom Verlierer. Es hieß sogar wörtlich: „Sie können nächste Woche wieder kommen und unsere Liga pfeifen, das war okay, sogar sehr okay.“ Ich schreibe Ihnen das, weil ich damit bekräftigen möchte, dass ich eigentlich schon immer ein Herz für Schiedsrichter hatte und immer noch habe. Und das ich Verständnis dafür habe, wie schwer Sie und Ihre Kollegen es in diesen Zeiten voller (Übertragungs-)Technik haben. Dennoch muss ich Ihnen sagen: Als kurz vor Schluss der Bremer Frings den Hamburger Tomas Rincon umtrat, standen Sie, Herr Meyer, drei Meter daneben. Und sahen dennoch nichts. Es war ein klares Foul, aber Sie unterbanden das Spiel nicht. Das war, wie etliche andere Szene, schwach von Ihnen.

Nach einem solchen Spiel  schießt mir  der Gedanke durch den Kopf, dass es sich etliche Schiedsrichter selbst oft sehr schwer machen. Sie Herr Meyer nehme ich einmal davon aus, weil ich eigentlich ein “Fan” von Ihnen bin. Andere Kollegen von Ihnen aber pfeifen teilweise wie Roboter. Eiskalt, ohne jede menschliche Regung. Da ist kein sportliches Miteinander zu erkennen, da läuft alles unnahbar nach Schema F ab. Und? Ist das ein vernünftiges Klima unter Sportlern? Und ist das ein Klima, das die Schiedsrichter haben wollen, das sie so auch schätzen?

Ich behaupte mal nein. Wobei kein Spiel zu einer Plauderstunde ausarten soll, aber öfter einmal ein freundliches, nettes Wort zur richtigen Zeit (!) würde sicher helfen, das Eis auf dem Rasen und damit auch im Stadion zu brechen. Und ich glaube fest daran, dass man so als Schiedsrichter auch bessere Leistungen bringen kann. Wobei ich genau weiß, dass viele Spitzen-Schiedsrichter das bekannte Wort Fingerspitzengefühl ablehnen, doch es gibt einige Herren der Zunft, die sich sehr wohl dieses Wortes bedienen. Ich habe Ihnen, Herr Meyer, dieses Wort auch oft genug unterstellt. Ein Fehler?

Sie, Herr Meyer, waren für mich nie ein Roboter. Sie ließen bei Ihren Spielleitungen meistens auch den Menschen Florian Meyer erkennen – so weit Sie es vertreten konnten. Die Art hob (und hebt) Sie von den meisten Ihrer Kollegen so wohltuend ab. Und ich hoffe auch, dass Sie künftig Ihrer Linie treu bleiben werden, denn sonst würde Deutschland noch einen guten Schiedsrichter weniger haben.

Aber Sie sollten sich Ihr Spiel von Hamburg, die Partie HSV gegen Werder Bremen vom 20. Dezember 2009, auch ruhig noch einige Male anschauen und dann in sich gehen. Und nur für sich, ganz allein für sich befinden, dass das eine Schiedsrichter-Leistung war, die auch Sie ein wenig ins Grübeln bringt. Kommen Sie allerdings nicht zu dieser von mir erhofften Erkenntnis (und Selbstkritik), dann würde ich ernsthaft an meinem Fußball-Verstand (ich sage extra nicht Fachverstand) zweifeln.

Der HSV hat gewonnen. Also Ende gut, alles gut. Aber, Herr Meyer, so denke ich nicht. Sonst würde ich diese Zeilen auch nicht schreiben. Ich habe schon vielen Ihrer Kollegen ein Lob erteilt (erteilen dürfen), selbst dann, wenn der HSV das Spiel verloren hatte. Ich möchte, das war und ist stets mein Bestreben, die Leistung eines Unparteiischen immer fair und objektiv bewerten. Und genau deshalb schreibe ich Ihnen diese Zeilen. Fair und objektiv betrachtet muss ich Ihnen diesmal eine ganz schlechte Leistung attestieren. Was ja durchaus mal passieren kann. Pech war für mich nur, dass ich Sie am Tag vor dem Spiel noch als besten Schiedsrichter Deutschlands angekündigt hatte. Ich schrieb, dass ich gerade deswegen von einer Top-Leistung des 23. Mannes überzeugt bin, weil „der Herr Meyer dieses stets brisante Nordderby pfeift“. Und dann das. Das war Pech. Für mich. Und für Sie.

Für den HSV und Hamburg ist es, wie gesagt, gerade noch einmal gut gegangen, es ging mit einem 2:1-Sieg in die Winterpause. Die Frage ist für mich: Ist es auch für Sie gut gegangen? Ich sehe das als wahrscheinlich an, denn früher hieß es ja schon immer (als ich noch Spieler und Trainer war), dass sich unter den Schiedsrichtern nicht gegenseitig in den Rücken gefallen wird. „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, so hieß es unter uns Fußballern. Diesmal allerdings hoffe ich, dass Sie vom früheren DDR-Schiedsrichter Kirschen doch ein wenig „auf dem Pott gesetzt“ wurden, denn da waren doch einige Fehler zuviel mit im Spiel.

Wenn Sie denn aber daraus lernen, Herr Meyer, dann hat sogar ein solcher Auftritt wie der in Hamburg noch seine gute Seite. Ich hoffe es für Sie. Und für die Bundesliga. Und ich drücke Ihnen auch die Daumen, dass Sie in Ihrer bislang schon großartig verlaufenen Karriere noch weiter, noch bis ganz nach oben an die Spitze gelangen. Das hätten Sie als Gentleman der deutschen Schiedsrichter schon verdient. Ganz objektiv gesagt. Und trotz Ihrer Leistung vom Sonntag.

Ein schönes und stressfreies Fest wünsche ich Ihnen. Und für 2010 alles Gute, viel Erfolg – und bleiben Sie gesund.

Mit freundlichen Grüßen,
Dieter Matz vom Hamburger Abendblatt.

(der auch in Zukunft ein Freund der Schiedsrichter sein möchte – wenn sie ihn nach einem solchen Brief dann immer noch lassen)

PS: Geschrieben in der Nacht von Sonntag auf Montag, 1.58 Uhr. Weil immer noch an dieses Spiel und diese Leistung denkend

Das war ein Super-Sieg!

20. Dezember 2009

Herrlich, super, unglaublich. Der HSV gewinnt das Nordderby mit zehn Mann gegen Werder Bremen, Was für ein Spiel! Das war hervorragend, so intensiv, so spannend, so klasse, so hoch dramatisch – einfach nur sensationell. Ich gebe zu, ich hätte nie gedacht, dass der HSV noch einmal so viel aus sich herausholen könnte. Wie ich schon schrieb: Fußball wird im Kopf entschieden. Ein riesiges Kompliment an diese Mannschaft und ihren Trainer.  Der HSV überwintert nach all diesem Verletzungspech auf Rang vier, ein fantastisches Ergebnis. 2:1, die Nummer eins im Norden ist der HSV!

Entschuldigung. Ich hatte hier geschrieben, dass ich ganz beruhigt in dieses Derby gehe, weil Florian Meyer das Ding pfeift. Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung. Die Rote Karte gegen Jerome Boateng war zumindest zweifelhaft, aber es gab schon in Halbzeit eins drei andere Szenen, die der „Unparteiische“ zu Gunsten der Bremer auslegte. Nach vier Minuten schlug Pizarro mit dem Ellenbogen gegen die Brust von Dennis Aogo. Eine klare Tätlichkeit. Aber was macht der sanftmütige Herr Meyer? Er gibt Freistoß für den HSV, ermahnt Pizarro. Gibt es keine Regel, die eine solche Szene eindeutig regelt? Natürlich! Rot! Unfassbar.

In der 23. Minute wäre Tunay Torun frei auf das Werder-Tor zugelaufen, aber der Herr an der Linie, Carsten Kadach, hebt die Fahne. Abseits. War es aber nicht. Eine klare Torchance wurde verhindert.

In der 42. Minute wäre Eljero Elia ebenfalls allein auf das Werder-Tor zugelaufen, oben, genau auf Höhe von Kadach, parkte noch ein Werder-Spieler, doch der Linienrichter hebt trotzdem mal auf Verdacht die Fahne. Falsch. Völlig falsch, leider wieder zu Ungunsten des HSV. Drei ganz wichtige Entscheidungen, immer gehen Hamburg, nein, ein Heim-Schiedsrichter war der Herr Meyer hier auf keinen Fall. Das sollte man auch mal dem Deutschen Fußball-Bund mitteilen, der wäre sicher stolz auf einen so mutigen Mann!

Kommen wir zum Positiven aus HSV-Sicht. Für mich war Schneefloh Elia der überragende Mann auf dem Platz. Der Niederländer kam super mit dem eisigen Geläuf zurecht und spielte den langen Kerlen in der Werder-Abwehr immer wieder Knoten in die Beine. Das war überragend! Wie auch die Vorbereitung zum 2:0. Nein, die war sogar Weltklasse! Elia tanzte sie alle an der Mittellinie aus und legte den Ball mustergültig in den Lauf zu Marcell Jansen – Tor.

Großartig, das sei an dieser Stelle gleich erwähnt, wie der bärenstarke Jansen auf links immer wieder wie Schmitz Katze abging. Und dazu das 2:0, das war wieder die reinste WM-Bewerbung in Richtung Jog Löw.
Nach dem Jansen-Tor fragte ich mich allerdings, warum die HSV-Fans denn noch immer gegen Tim Wiese pfiffen, denn dieses 2:0 hatte der Werder-Torwart doch maßgeblich begünstigt, denn was wollte er denn eigentlich an der Mittellinie? Die Antwort kann nur lauten: das 2:0 vorbereiten. Hat er geschafft. Deswegen waren die Pfiffe überflüssig.

Super auch der HSV-Kapitän. David Jarolim gab nicht nur wieder einmal alles, das macht er ja immer, ist eine Selbstverständlichkeit für ihn. Nein, „Jaro“ hielt dagegen, er attackierte, er grätschte, er „kloppte“, er war einfach nur vorbildlich.

Und, ich muss es zugeben, beim 1:0 habe ich gejubelt. Endlich einmal ein Eckstoß, wie ich ihn schon seit Monaten „fordere“. Aogo von links mit links, am ersten Pfosten verlängert Jansen per Kopf in die Mitte, wo Joris Mathijsen sich und allen HSV-Fans ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk bereitete: Kopfball, 1:0. Überhaupt: Die Standards, zuletzt (und nicht nur zuletzt) heftig kritisiert, waren diesmal annehmbar. Sie waren nicht alle gut, aber ich hatte das Gefühl, sie wurden viel konzentrierter ausgeführt.

Angst hatte ich um Tomas Rincon, der früh, viel zu früh für mein Empfinden, die Gelbe Karte sah, als er Jensen umgrätschte (13.). Es spricht für Rincon, der erneut ein bärenstarkes Spiel abgeliefert hat, dass er dieses Spiel überstand, er hat es inzwischen gelernt, disziplinierter zu spielen – Kompliment. Auch dem Trainer-Gespann, das sicherlich auch einen großen Anteil daran hat.

Pech hatte Tunay Torun, der in der 36. Minute vom Platz genommen werden musste, weil Boateng ja vom Platz gestellt worden war. Für Torun kam Rozehnal, es war für Bruno Labbadia sicher keine leichte Entscheidung, denn Torun hatte bis dahin sehr gut gespielt. Was mir gefiel: Der junge Türke hat auch einen Blick für die Defensive, arbeitete viel nach hinten, das konnte sich wahrlich sehen lassen, er setzte in dieser kurzen Spielzeit die Reihe seiner guten Vorstellungen fort.

Schwer war es für Labbadia auch deshalb, weil in Halbzeit eins absolut nichts von Mladen Petric, der vor dem Platzverweis von Boateng einen völlig überflüssigen Fehlpass gespielt hatte, durch den die Bremer in Ballbesitz gekommen waren, zu sehen gewesen war. Viele Kollegen sagten sogar, sie hätten den nicht ganz gesunden Kroaten eher vom Platz genommen, als Torun. Spricht für den Türken. Und es spricht für Petric, dass er im zweiten Durchgang doch noch zulegen konnte. So gesehen hatte Labbadia doch wieder alles richtig gemacht.

Übrigens: David Rozehnal war Gold wert, er hat wohl sein bislang bestes Spiel für den HSV gemacht. Was er da hinten alles rausköpfte, war einfach unglaublich. Note eins für den Tschechen.

Glück hatte der HSV trotz der Schiedsrichter-Entscheidungen auch noch. Naldo traf die Torlatte (27.), Frank Rost hätte nichts zu halten gehabt. Und in der zweiten Halbzeit hätte Meyer, als insgesamt eine Stunde gespielt war, durchaus einen Elfmeter pfeifen können, als Guy Demel den einschussbereiten Pizarro festhielt. Und Glück auch, als Hunt in der 64. Minute aus sechs Metern den Ball nicht richtig traf, sonst wäre das Anschlusstor wohl unvermeidlich gewesen. Wie auch in der Schlussphase: Hunt gegen die Latte, Marin auch noch. Der HSV wankte, aber er fiel nicht!

Es passte zur Schiedsrichter-Leistung, dass Hunt gegen Demel tätlich werden durfte, nur weil der HSV-Spieler die schnelle Ausführung eines Freistoßes verhindern wollte. Hunt stieß Demel vor die Brust, der Linienrichter stand sechs Meter daneben, aber Sekunden später gab es Gelb für die beiden Streithähne. Unfassbar auch, als Meyer ein klares Foul von Frings (wo war er eigentlich in diesen 90 Minuten?) an Rincon nicht pfiff, obwohl er drei Meter neben dem Tatort stand. Es war einfach unglaublich. Dass das 1:2 zum Schluss noch fiel – wen juckt es?

Ganz zum Schluss noch ein Satz in eigener Sache. Auch in der Arena wurde ich wieder oft darauf angesprochen, ob „Matz ab“ auch weiterhin kostenlos bleibt. Ich kann es sagen: es bleibt. Keine Angst also. Es geht weiter wie bisher. Und viele, viele freuen sich schon – ganz nebenbei – auf den 19. Februar, das Treffen der „Matz-abber“ wird ganz sicher ein wunderschöner Abend. So wunderschön, wie dieser letzte Spieltag in diesem Jahr 2009. Ende gut, alles gut. Und wenn es doch etwas Kritisches von Eurer Seite aus anzumerken gäbe – lasst sie stecken, jetzt wäre es der absolut falsche Zeitpunkt. Der HSV gewinnt mit zehn Mann gegen Werder Bremen, wer hätte das gedacht?

17.25 Uhr

Fußball wird im Kopf entschieden

19. Dezember 2009

Bruno Labbadia und sein Assi Eddy Sözer liefen nach dem Trainingsende sofort in den Volkspark, und ich lief auch: zum Auto. So schnell konnte ich gar nicht zittern, wie ich gefroren habe. Auftauen war angesagt. Auch für das Trainerteam. Der schöne Bruno lief mit einer total roten Nase – und nach eigenem Bekunden mit eingefrorenen Füßen – los, ich kann nur hoffen, dass ihm am Sonntag ein Satz heißer Ohren in Form einer Heimniederlage erspart bleibt. Es sah auf dem beheizten Trainingsrasen neben der Arena nicht wirklich nach einem schönen Fußballplatz aus. Schiet-Wetter, Schiet-Winter. Aber keimt daraus nicht auch ein wenig Hoffnung auf? Darauf, dass die langen Kerls von Werder auf einem solchen Geläuf nicht so richtig Fuß fassen können? Abwarten.

Rückschlüsse auf die morgige Aufstellung ließ das Abschlussspiel am Sonnabend nicht zu, und das lag nicht an der einbrechenden Dunkelheit. Labbadia hatte die Spieler bunt durcheinander gewürfelt. Neun gegen neun lautete das Spielchen, ein Team bestand aus Rost, Demel, Rozehnal, Mathijsen, Jansen, Trochowski, Jarolim, Tavares, Pitroipa. Diese Truppe versuchte sich gegen Hesl, Rincon, Boateng, Aogo, Tesche, Elia, Arslan, Berg, Torun. Und das Ergebnis? Wahrscheinlich gewann die Hesl-Truppe 3:1, wahrscheinlich deshalb, weil nicht genau zu klären war, welche Tore wegen einer Abseitsstellung nicht gezählt wurden. Übrigens: Ein Linienrichter war Torwart-Trainer Claus Reitmaier, und der stand wie immer eisern in kurzer Hose am Rande. Nur die Harten komm’ in Garten. . .

Apropos: Bei einem Ausflug aus seinem Tor senste Frank Rost den glücklosen Stürmer Marcus Berg um, es gab ein wildes Geschrei, aber Berg stand nach wenigen Sekunden wieder auf, und der Zwischenfall zog weder einen Freistoß noch sonst eine Konsequenz auf sich. Wobei ich mich bei „wildem Geschrei“ frage, wieso es beim Training (eigentlich) sehr laut, sehr lebhaft und sehr motivierend zugeht, aber während eines Spiels davon recht, recht wenig zu hören und zu sehen ist. Vielleicht ein Ansatz für Bruno Labbadia, darüber mal zu Beginn der Rückrunde mit seinen Mannen zu sprechen, denn wenn man sich verbal gegenseitig unterstützt, ist das auf jeden Fall immer besser – weil hilfreich.

Dazu ist ganz passend, was ich auf dem Weg an die Arena gehört habe. Da traf ich den ehemaligen HSV-Profi Borisa Djordjevic, der ja in der Netzer-Ära geholt wurde, Mitglied der Meistermannschaft von 1983 ist und seit dieser Zeit in Norderstedt lebt. „Bora“ trainiert im Sommer oft jugendliche Fußballer, und denen sagt er immer: „Ihr müsst nach jedem Training oder Spiel Kopfschmerzen haben. Nicht vom Köpfen, sondern vom Denken, denn nur wer beim Fußball auch denken kann, der ist auch erfolgreich.“ Djordjevic sagte es mir heute noch einmal, weil er kürzlich Bayern-Trainer van Gaal im Aktuellen Sportstudio gesehen hatte: „Jetzt schätze ich ihn wirklich sehr, denn van Gaal sagte: ’Die Deutschen denken, dass Fußball mit den Beinen gespielt wird, aber ich sage ihnen, Fußball wird im Kopf entschieden.’ Und genau ist es, was ich auch immer sage.“ Vielleicht erinnern sich daran ja, die HSV-Profis, wenn es am Sonntag gegen den Nachbarn von der Weser geht.

Übrigens: Standards wurden an diesem bitterkalten Tag nicht trainiert, da regiert einmal mehr das Prinzip Hoffnung. Irgendwann muss es doch einmal so richtig flutschen, so denke ich mir, so können doch alle Fußball spielen, wieso ist keiner in der Lage, einen vernünftigen Freistoß und Eckball vor das Tor des Gegners zu befördern. Auch da muss, ja, ganz eindeutig muss, Bruno Labbadia in der Rückrunde den Hebel ansetzen. Ich würde es ja eiskalt so machen: An jenen Tagen, an denen nur vormittags geübt wird, würde ich mir die Experten, die die Standards treten sollen, zum Sondertraining bestellen. Und immer und immer wieder üben lassen. Nicht nur fünf Minuten, sondern mindestens eine Stunde. Und das mehrfach in der Woche. Damit kann eigentlich kein Profi überfordert werden, aber es könnte der Mannschaft und dem Verein helfen.

Es wird nicht leicht sein, dieses gravierende Manko abzustellen, aber was ist schon leicht. Und da bin ich beim Thema Europa League. Ich bin schon sehr erstaunt, wie in Hamburg das Los PSV Eindhoven aufgenommen wurde. Leicht? Naja, ich wüsste etwas anderes, und das werden alle erleben. Der PSV eilt in den Niederlanden seit Wochen von Sieg zu Sieg, ist nach 17 Spielen noch immer ungeschlagen (45 Punkte, 43:13 Tore) – wenn auch nur auf Platz zwei, hinter Twente Enschede.

Apropos oben: Schalke 04 mischt oben mit (Herbstmeister ist aber Bayer Leverkusen, 3:2 über Gladbach!), also hat Felix Magath auch bei seiner neuesten Trainer-Station wieder riesigen Erfolg. Ich gratulierte an diesem Vormittag einem Schalke-Reporter zum Geburtstag, bei der Gelegenheit sprachen wir natürlich auch kurz über Magath – und der Kollege geriet ins Schwärmen: „Ich bin seit Jahrzehnten Schalke-Reporter, deswegen kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass 04 noch keinen Trainer hatte, wie Magath. Der hat alles im Griff, dem folgen sie alle bedingungslos, dem liegen sie hier fast zu Füßen.“ Ich habe nichts anderes erwartet. Übrigens: Am 23. Dezember zeigt das DSF den Audi-Talk, und in dieser Sendung dreht sich dann alles nur um Felix Magath, der vom DSF zum Mann des Jahres gewählt wurde – auch keine Überraschung.

Und wo ich gerade dabei bin: Schiedsrichter des Jahres ist für mich der Mann, der am Sonntag das Derby pfeifen wird: Florian Meyer. Für mich der beste Unparteiische, den wir in Deutschland haben, und dass dieser Mann nun im Volkspark pfeifen darf, ist für mich eine große Beruhigung. Auch wenn es bei Euch sicher den einen oder anderen gibt, der auch an Meyer etwas auszusetzen hat – auch hier gilt: abwarten.

So, ich komme zum Ende. Beim Training fiel mir ein, dass wir in den nächsten Tagen eigentlich mal über Eure beste HSV-Mannschaft aller Zeiten schreiben könnten. Eine Mannschaft, die es nie so gegeben hat, also bei mir würden zum Beispiel Uwe Seeler und Kevin Keegan in einem Team spielen.

Zwei Männer, aber die nur als Beispiel. Zwei andere Herren sind im aktuellen Vierzeiler für das Bremen-Spiel zu sehen, die Ihr beim genaueren Hinsehen eigentlich erkennen müsstet. Ob Ihr es auch tatsächlich schafft? Da bin ich mal gespannt. Und ein Mann ist bei diesem Vierzeiler dabei, den Ihr dann am 19. Februar wieder treffen werdet – so Ihr denn dabei seid, wenn es das große „Matz-ab“-Treffen in der Raute gibt. Übrigens, weil ich immer gefragt werde: Es kann jeder dabei sein, es muss sich keiner vorher anmelden. Und, zu diesem Treffen noch gesagt: In der nächsten Woche setzen wir, Carsten Kober und ich, uns einmal zusammen, ob wir ein Programm machen, was wir machen, wie was laufen könnte. Schon jetzt kann ich sagen, dass es so manchen (großen) Überraschungsgast geben wird. Aber verraten wird nichts, denn ich würde schon schön dämlich aussehen, wenn dann hinterher doch keiner erscheint. Also deswegen gilt auch hier: abwarten.

Bis zum Werder-Spiel.

1725 Uhr

Werder ist Favorit – na und?

18. Dezember 2009

„Wer ist Fred Rutten?“ Für mich war die Auslosung der nächsten Europa-League-Runden eben eine Art Déjà-vu-Erlebnis. Erinnert Ihr Euch noch? Es ist gar nicht so lange her, dass in Hamburg eine intensive Trainersuche stattfand, in deren Zusammenhang Namen von Arsene Wenger über José Mourinho bis hin zu Fred Rutten diskutiert wurden. Und als ich vom DSF zu Rutten befragt wurde, habe ich ein wenig flapsig gesagt: „Wer ist Fred Rutten?“ Das war aber gar nicht despektierlich gemeint, sondern sollte im Zusammenhang mit all den klangvollen Namen der Superstars nur Rutten als Nobody herausstellen. Beim DSF kam dieser Satz damals aber so gut an, dass er immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen ausgestrahlt wurde. Und jetzt kommt ausgerechnet dieser Fred Rutten mit dem PSV Eindhoven im Sechszehntelfinale der Europa League zum HSV. Wenn ich Bernd Wehmeyers Mimik bei der Auslosung richtig gedeutet habe, dann wusste er auch nicht so recht, ob er sich über dieses Los freuen sollte oder nicht. Aber Trainer Bruno Labbadia hat schon Recht: Man muss es nehmen, wie es kommt. Und wenn der HSV wirklich ganz weit in diesem Wettbewerb kommen will, muss er nach den Holländern auch noch Bilbao oder Anderlecht als Gegner im Achtelfinale ausschalten.

Das ist aber alles Zukunftsmusik, schließlich stehen die Spiele gegen Eindhoven erst im Februar 2010 an. Und bis dahin gibt es noch allerhand Wichtigeres zu erledigen. Ich sag nur: Nordderby, Nordderby, Nordderby und noch einmal Nordderby. Danach folgen die Entscheidung in Sachen Sportchef, die Wintervorbereitung und eventuell auch noch die eine oder andere Personalfrage.

Gestern war im Hause Springer übrigens Weihnachtsfeier. Meine Kollegen haben mir berichtet, dass es dort auch ein paar verbale Scharmützelchen in Sachen Nordderby gab. „Wenn die HSV-Fans ein paar Papierkugeln geschickt in den Werder-Strafraum werfen, könnte Hamburg sogar ein Tor treffen“ – so lautete der Gipfel aller übermütigen und natürlich nicht ganz ernst gemeinten Frotzeleien.

Wenn ich nun die beiden jüngsten Auftritte der Kontrahenten im Europapokal betrachte, vergleiche und meine Schlüsse daraus ziehe, dann stelle ich folgende Behauptungen auf. Erstens: Werder (das mit Twente Enschede auch ein Oranje-Team als Gegner in der Europa League gezogen hat) kommt als Favorit in die Nordbank-Arena. Zweitens: Claudio Pizarro ist trotz gerade erst überstandener Verletzung in Topverfassung und vom Papier her einen Schritt weiter als Mladen Petric auf HSV-Seite. Drittens: Die Standards der Bremer von Özil sorgen dank kopfballstarker Spieler wie Mertesacker, Bönisch und Naldo für Dauergefahr und sind mit den leider meist megaharmlosen Hereingaben des HSV nicht ansatzweise zu vergleichen.

Klingt nicht gerade zuversichtlich, oder? Stimmt. Aber trotzdem glaube ich aus HSV-Sicht an einen gelungenen Jahresabschluss am Sonntag. Denn Nordderbys gehorchen ja nicht irgendwelchen Trends, Statistiken oder Experteneinschätzungen (die meisten glauben an einen Werder-Erfolg), sondern entwickeln stets eine gewisse Eigendynamik. Und sie haben es in sich.

Ich hoffe, dass sich Bruno Labbadias Schachzug von Tel Aviv auszahlen wird. Der Großteil der Hamburger Mannschaft, allen voran so wichtige Spieler wie David Jarolim, Dennis Aogo oder auch Jerome Boateng, wird am Sonntag total ausgeruht in das Prestigeduell gehen. Gegen die spielerisch etwas reiferen und variabler agierenden Bremer lässt sich mit einer kämpferischen und läuferisch intensiveren Leistung einiges bewegen. Wie das geht, hat ja gerade erst Schalke 04 – und das sogar in Bremen – demonstriert.

Was die Aufstellung betrifft, erwarte ich im Vergleich zum Sieg in Nürnberg maximal eine Veränderung in der Startelf. Das heißt: Vor Frank Rost werden mit Guy Demel, Boateng, Joris Mathijsen und Dennis Aogo vier gestandene Größen stehen, davor mit Tomas Rincon und Jarolim die „Sechser“, links Marcell Jansen, rechts Tunay Torun oder Piotr Trochowski – und vorne drin Mladen Petric und Eljero Elia.

Dass „Troche“ nach seiner mehr als durchwachsenen Leistung in Israel überhaupt in Frage kommen könnte, liegt am Gegner. Ich habe fast den Eindruck, dass der Nationalspieler gegen fußballerisch starke Mannschaften besser zur Geltung kommt als im Liga-Alltag. Allerdings wäre es für Torun nach seinem guten Auftritt beim FCN ein mittelgroßer Schlag ins Kontor, wenn der Trainer ihn nun im Jahresabschlussspiel auf die Bank setzen würde. Mehr dazu morgen, nach dem Abschlusstraining.

Zum Schluss noch schnell zum Gewinnspiel, bei dem es eine Rekordbeteiligung gab. Allerdings haben auch viele daneben gelegen, weil sie dachten, dass Uwe Seeler beim 9:1 am Rothenbaum gegen Werder vierfacher Torschütze war. Das war aber Klaus Neisner. Und die tragische Derbyfigur war Ditmar Jakobs (ohne „ie“ und mit „k“ statt „c“). Das Trikot hat Petra Ehrhardt gewonnen. Gewinner der Karten ist Barne Warnken.

14:35 Uhr

Die B-Elf verliert 0:1

17. Dezember 2009

Als Frau M. um 18.58 Uhr Mickael Tavares, Wolfgang Hesl, Robert Tesche und David Rozehnal beim Auflaufen in Tel Aviv erblickte, legte sie sich zurück in das Sofa. Ich erkannte ein kurzes Fragen in ihren Augen, und einen leichten Hauch von Entsetzen. Deshalb fragte ich sie: „Was ist denn los? Gefällt dir an dieser Aufstellung irgendetwas nicht?“ Sie, immer noch mit ganz unnatürlich großen, fast ängstlichen Augen: „Der HSV wollte doch eigentlich Gruppenerster werden. So hat es der Trainer doch eben noch vor dem Anpfiff angekündigt. Aber wie soll das denn gehen? Da habe ich aber meine leichten Zweifel.“ Und dann kam es so, wie befürchtet, der HSV verlor in Tel Aviv 0:1 und ist nun am Ende doch nur Zweiter der Gruppe C der Europa League. Schade, da war deutlich mehr drin.

Wenn schon, denn schon: Ich hätte ja gerne noch Maximilian Beister gesehen, dazu noch Sören Bertram. Beide von Anfang an. Das hätte zu diesem vorweihnachtlichen Betriebsausflug doch noch ganz gut gepasst. So oder so, Bruno Labbadia wollte mit dieser Aufstellung ein Zeichen setzen. Richtung Werder. Getreu dem Motto: „Seht her, ihr lieben Bremer, wir können unsere besten Spieler auch schonen. Und zwar von Anfang an.“

Der Start der Hamburger B-Elf konnte sich auch durchaus noch sehen lassen. Alle Spieler waren viel in Bewegung, jeder wollte sich zeigen, so hatte es sich Bruno Labbadia offensichtlich auch erhofft. Das sah nicht nach Niederlage aus. Marcell Jansen legte nach seinen zuletzt überragenden Auftritten einen guten Start hin, der HSV stand eher vor dem 1:0, so hatte ich den Eindruck, als die Israelis. Bis Jansen nach zehn Minuten einen Elfmeter haben wollte, weil er im Hapoel-Strafraum zu Boden gegangen war. Danach ging es aber wirklich bergab. Mit Jansen und auch mit dem HSV. Fast logisch deshalb das Führungstor der Hausherren. Jansen beging den entscheidenden Fehler, als er einen langen Pass nicht abfangen konnte, Yeboah (ausgerechnet ein Stürmer namens Yeboah!) schob gegen Hesl ein; den HSV-Torwart traf keine Schuld, er wollte am Eck des Fünfmeterraumes den Winkel verkürzen.

Die einzig gute Tormöglichkeit vergab Marcus Berg, der prächtig von Mladen Petric frei gespielt worden war. Der Schwede zog aus elf Metern ab, aber viel zu unplatziert, Torwart Enyeama konnte problemlos halten. Aber da war deutlich mehr drin. Es fehlte dem Strafraum-Stürmer in dieser Szene der „Killer-Instinkt“.

Was auffiel: Im Hamburger Mittelfeld lief kaum etwas zusammen. Ein Wunder? Eigentlich nicht, denn in dieser Zusammensetzung haben die Herren ja kaum einmal zuvor gespielt. Von Tesche und Tavares konnte man keine Wunderdinge erwarten, Frau M. (inzwischen ja eine absolute Fachfrau) tat es auch nicht, ich ebenfalls nicht. Von Piotr Trochowski hatte ich mir mehr erhofft – Frau M. wahrscheinlich auch, obwohl ich sie noch nicht gefragt habe – aber da kam nichts. Der ein wenig aufs Abstellgleis geschobene Nationalspieler spielte mir zu körperlos, schoss auch nur zweimal auf das israelische Tor. Logische Konsequenz zur Pause: Labbadia ließ „Troche“ in der Kabine. Wie auch Tavares. Schonung für Bremen? Eher nicht.

Von Mladen Petric war auch nicht viel zu sehen, aber das kam für mich erwartungsgemäß. Er kann ganz einfach noch nicht so weit sein, obwohl er, das war schon überraschend, kämpferisch gegen Ende des Spiels noch zulegen konnte. Dennoch, ich lege mich da fest: Es war wichtig, dass der Kroate 90 Minuten lang dabei war, denn jede Spielminute bringt ihn seiner Bestform wieder näher. Was ich von Berg nicht behaupten kann. Nach vorne ging kaum etwas, bei Berg ging gar nichts. Ein solches Spiel wirft ihn eher zurück, als dass es ihn nach vorne bringt.

Apropos Berg: Er wurde in der 36. Minute böse von hinten von Ben Dayan umgegrätscht, aber der russische Schiedsrichter Nikolajew tat das mit einer lässigen Handbewegung ab – so wie es unsere Unparteiischen in der Bundesliga so oft zu tun pflegen. Es gab nicht einmal Freistoß, es gab lediglich Einwurf. Zu dieser Szene passend: Als Jansen in der 76. Minute Zehavi umsäbelte, hätte ein etwas strengerer Schiedsrichter auch leicht mal Rot ziehen können. Für mich ist s nach wie vor ein Phänomen, dass die Unparteiischen international mehr durch gehen lassen, als in der eigenen Liga, obwohl ich auch nicht weiß, wie dieser Herr in Russland pfeift. Das gebe ich natürlich zu.

Dass Labbadia zur zweiten Halbzeit mit Eljero Elia und Tunay Torun zwei offensive Kräfte brachte, das zeugte davon, dass er dieses Spiel doch nicht abschenken wollte. Und Frau M. lächelte auch schon wieder etwas mehr, denn: Der HSV schien wacher, williger, entschlossener. Und er übernahm eindeutig das Kommando. Torun hätte das 1:1 erzielen könne, fast müssen, als er in de 58. Minute aus elf Metern frei zum Schuss kam, den Ball aber mit seinem schwächeren linken Fuß in die Wolken beförderte. Und nur Sekunden später hatte Elia Torwart Enyeama bereits überwunden, aber Badir rettete auf der Torlinie. Das war Pech.
Der HSV drückte, aber der letzte Pass war oft zu ungenau, das erlösende Tor wollte einfach nicht fallen. Für Sonntag aufgespart?

Schiet-Wetter, Schiet-Ergebnis – abhaken, Werder wartet!

20.50 Uhr

“Didi” hat ihn – und die Sprechstunde

16. Dezember 2009

Erster! Damit kann sich nun Dietmar Beiersdorfer rühmen. Der ehemalige Sportchef des HSV ist bekanntlich in österreichischen RB-Diensten und seine erste Amtshandlung war, einen Sportchef zu finden. Und er hat schon einen! Für die Fußballer der New York Red Bulls. Es ist sogar ein Bekannter. Der Norweger Erik Soler, inzwischen 49 Jahre alt, kickte einst in der Saison 1984/85 für den HSV, brachte es im Mittelfeld auf 25 Erstliga-Einsätze. Der ehemalige Profi war zuletzt – gemeinsam mit einem Kumpel – Inhaber des norwegischen Klubs Start Kristiansand, zudem gehörte Soler eine Sport-Agentur. An ihn erinnerte sich „Didi“ Beiersdorfer nun, verhandelte mit ihm und erzielte Einigkeit. Der ehemalige Hamburger Soler ist nun bereits für die New Yorker tätig, denn die neue Saison in Amerika beginnt im März.

So, Ihr werdet es nicht gemerkt haben, aber wir sind nun am Anfang einer Sprechstunde. Es liegt viel an, wobei ich zugebe, dass ich ganz sicher noch nicht alles lückenlos aufgearbeitet habe. Verzeihung. Und wer sich mit einer Frage noch nicht wieder gefunden hat, sie aber unbedingt beantwortet haben möchte, der sollte sich nicht scheuen, sie (bitte, bitte) noch einmal zu stellen.

Und wo ich gerade bei Abbitte leisten bin: „Nebraska63“ hatte mir kürzlich den Unterschied zwischen „viel und fiel“ vor Augen gehalten – ein ganz bitterer Moment in der noch jungen „Matz-ab“-Geschichte. Ich gehe in mich, aber ich kenne nach 25 Jahren beim Abendblatt sehr wohl den Unterschied, erinnerte mich nur aus Zeitgründen nicht mehr rechtzeitig genug daran – auch weil es ja einige Drängler unter Euch gibt, denen die lange Warterei auf den Geist geht. Dafür habe ich durchaus Verständnis, mein Bestreben ist es deshalb, so schnell wie möglich mit dem nächsten Beitrag vom Hof zu kommen. Und dann bin ich eben fiel zu flusig – nein, im Ernst, ein wenig viel zu flusig.

So, zurück in die Sprechstunde, die erste Frage kommt von „illuminatus“: Warum heißt die HSV-Anlage Ochsenzoll und nicht Norderstedt. Das liegt eventuell daran (genau weiß ich es leider nicht), dass dort, wo das Gelände ist, eigentlich Niemandsland war. Flaches Land, keine oder kaum Häuser. Und Ochsenzoll hieß damals schon das untere Land Richtung Hamburg. Heute würde ich es dem Norderstedter Stadtteil Harksheide zuordnen, damals, das heißt 1965, als der ehemalige HSV-Präsident Paul Hauenschild seinem Klub das Gelände schenkte, lag die Fläche oberhalb von Ochsenzoll – also hieß es wohl auch Ochsenzoll. Bei Gelegenheit werde ich mich aber bei einem Alt-Norderstedter ganz genau erkundigen.

„Peter“ fragte, ob David Jarolim seine Lobeshmyne über David Rozehnal tatsächlich ernst meinen würde? Ich glaube ja, das hat auch nichts damit zu tun, dass die beiden Spieler Landsleute sind. Immerhin hat der Innenverteidiger einige Länderspiele mehr auf dem Buckel als der HSV-Kapitän, diese Tatsache wird von „Jaro“ offensichtlich anerkannt. Und: Er kennt Rozehnal sicher auch um einiges besser.

„Eiche Nogly“ erkundigte sich nach Lothar Matthäus, ob der eventuell Sportchef werden könne? Ich hoffe nicht. Sage ich ganz ehrlich. Auch wenn ich damit in die Gefahr gerate, dass mir der „Loddar“ mangelnden Respekt – ihm gegenüber – unterstellen dürfte. Der Herr Matthäus ist ein „Dampfplauderer“, er redet viel und sagt wenig, so stelle ich mir einen HSV-Sportchef nicht vor. Und wenn ich sehe, dass er bei jedem Fernseh-Interview stets und ständig eine Hand in der Hosentasche hat, fällt mir ohnehin nicht viel mehr zu ihm ein. Matthäus, nein danke!

„HSV Jonny“ hat einst eine Frage gestellt, die ich unbeantwortet ließ (sorry), aber das war auch nur flusig, hat nichts mit einem „Kassenpatienten-Dasein“ zu tun. Also, „Jonny“, bitte wiederhole Deine Frage. „Macke“ wollte wissen, was aus de ausgeliehenen Spielern am Ende dieser Saison wird? Sidney Sam, derzeit überragender Spieler des 1. FC Kaiserslautern, hat noch eine Saison lang einen Vertrag mit den Pfälzern (also bis Mitte 2011), Eric-Maxim Choupo-Moting kehrt (wohl), so ist es vereinbart, im Sommer 2010 aus Nürnberg zurück nach Hamburg, Änis Ben-Hatira aus Duisburg ebenfalls – wenn nicht noch über eine Änderung verhandelt wird.

„Dr Jimmy 69“ fragte, ob der Franzose Gerard Houllier noch in der Verlosung für den neuen HSV-Sportchef ist? Ich habe den Namen damals (2008) nur als HSV-Trainer gehört, nicht aber als Beiersdorfer-Nachfolger.

In diesem Zusammenhang wollte „Horst Schlau“ wissen, was mit Dieter Hoeneß (ehemals Hertha BSC und VfB Stuttgart) ist? Nichts, so denke ich, denn von Berliner Kollegen weiß ich, dass der „Bruder“ nicht halb so gut sein soll wie der Uli, und zudem hat Bernd Hoffmann nicht gerade das beste Verhältnis zu Hoeneß, weil der HSV ja in den vergangenen Jahren etliche Talent von Hertha „abgezogen“ hat, wenn ich da nur an Jerome Boateng denke. Ebenfalls zu diesem Thema passen die Fragen nach Thomas von Heesen und Uli Stein. Der HSV-Aufsichtsrat schweigt ja beharrlich, deswegen weiß niemand etwas Bestimmtes, aber: Stein stand meines Wissens nie auf der Liste, von Heesen auch nicht – was ich für fahrlässig halte, aber das ist ein anderes Thema.

„Volker Schindler“ verglich Piotr Trochowski und Marcell Jansen, was meiner Meinung nach nicht sein darf, denn beide Spieler haben eine total andere Spielweise. Trochowski ist dribbelstark, ist technisch super, ist aber auch nur halb so schnell wie Jansen, der wesentlich dynamischer ist. Beide allerdings haben einen unglaublich harten und präzisen Schuss. Und was Trochowski seinem Nationalmannschafts-Kollegen voraus hat ist die Tatsache, dass er mit links und mit rechts schießen kann – da kann Jansen (noch) nicht mithalten. Ich denke aber, dass sehr wohl beide Spieler gemeinsam in der HSV-Mannschaft zu Einsatz kommen könnten, der eine links, der andere rechts.

Angefügt sei die Frage von „Lupo“, der wissen wollte, was mit Piotr Trochowski los ist? Ja, das weiß keiner ganz genau. Ich persönlich glaube ja, dass er sich viele, viel zu viele Gedanken macht, und dadurch nicht (immer) zu seinem Spiel findet. Ich weiß ja, dass er bei Euch den einen oder anderen „Gegner“ hat, weil er einst ein wenig zu optimistisch von anderen Klubs im Ausland geplaudert hat, aber diese Phase ist längst vorbei. Ihr werdet hoffentlich festgestellt haben, dass „Troche“ zuletzt kaum noch ein Interview gegeben hat, auch nicht vor der Kamera – und das macht er mit Bedacht. Er schweigt seit Wochen beharrlich, wenn er um ein Interview gebeten wird, er macht um jedes Mikrofon einen großen Bogen, um so verlorenen Boden wieder gut zu machen. Ich hoffe, dass Ihr das honorieren werdet.

Nochmals „Eiche Nogly“ (wie immer fleißig!) erkundigte sich nach Ricardo Moniz. Ob der Technik-Trainer nicht eher etwas für junge Leute sei. Ist er (wohl) in meinen Augen in der Tat, ich sehe es jedenfalls so. Und nicht nur ich, denn ich unterhielt mich zu Jahresbeginn (also schon etwas her) mit einem etwas älteren Stammspieler über Moniz, und der sah es ganz genau so. Zumal die mitunter sehr laute und auch schroffe Art des Niederländers nicht immer bei jedem Spieler ein offenes Ohr findet. Übrigens: Der Vertrag von Ricardo Moniz, der ja 2008 von Martin Jol „mitgebracht“ wurde, läuft im Sommer 2010 aus, wie es dann weiter geht, steht in den Sternen, es gab noch keine Gespräche (jedenfalls bis vor einigen Tagen nicht).

„Tante Käthe“ (und einige andere „Matz-abber“) hatte Angst, dass Joris Mathijsen in der kommenden Winterpause zum VfL Wolfsburg wechseln könnte, aber diese Angst teile ich nicht, denn: Mathijsen will sich doch wohl nicht verschlechtern, oder? Also ich erkenne da keinerlei Gefahr, weiß aber natürlich, dass die Wolfsburger dringend den einen oder anderen Abwehrspieler benötigen, denn bislang spielen sie in dieser Saison noch total ohne.

„HSVboerni“ wollte wissen, warum Tolgay Arslan zu Saisonbeginn nicht für die Europa League gemeldet wurde. Ich hoffe nicht, dass ich jetzt etwas Falsches erzähle: Arslan kam zu Saisonbeginn aus Dortmund, spielte nicht so die Rolle, um ihn international zu melden (es dürfen 25 Spieler bei der Uefa gemeldet werden), denn niemand ging beim HSV von einer so langen Verletztenliste aus. Dass nun Maximilian Beister und Sören Bertram nachgemeldet wurden, liegt daran, dass sie nicht älter als 19 Jahre sind, und dass sie, so die Voraussetzung, mindestens schon zwei Jahre für den HSV spielen (in der Jugend also). Dieses Kriterium wurde von Arslan nicht erfüllt, andernfalls hätte auch er nachgemeldet werden können.

„Dylan 1941“ fragte mich, welche „Siegsserie“ ich bei Werder Bremen gesehen hätte. Tut mir Leid, für mich waren 23 Spiele, in denen der Klub von der Weser ungeschlagen war, eine ganz, ganz kleine Siegsserie – muss aber auch nicht sein. Ich lege auf dieses Wort keinen gesteigerten Wert.

„Benno Hafas“ und „HSV Jonny“ erkundigten sich nach dem nächsten Nähkästchen, „Jonny“ vermutete schon, ich hätte es bei „ebay“ versteigert, dem ist aber nicht so. Das nächste Nähkästchen folgt bestimmt, aber ich denke auch an die Weihnachtszeit, das wird ein wenig weniger Fußball gespielt, und trotz allem sollte es ja ein bisschen „Matz ab“ geben. Oder? Außerdem hatte ich, sensibel wie ich bin, den Verdacht, dass hier die Nähkästchen nicht immer auf wohlwollendes Verständnis stoßen. . .

„AndyCap“ fragte nach den Standards, die ja im Training stetig geübt werden, im Spiel aber noch lange nicht genug Gefahr einbringen. So ist es wohl. Dennoch sage ich: Es wird immerhin geübt, mehr, und das ist erfreulich. als in den vergangenen Jahren, aber gut Ding will auch in diesem Falle Weile haben. Es ist Geduld erforderlich, über Nacht ist da wirklich keine Wunderheilung zu erwarten. Leider.

„Martin“ wollte wissen, ob es Kollegen unter den Schreiberlingen gibt, die mit Bedacht Noten an Spieler vergeben, um damit einen gewissen Zweck zu erfüllen. Ohne näher ins Detail gehen zu wollen muss ich eindeutig antworten: ja! Das wollte mir Felix Magath damals gesagt haben, als er mir gegenüber zu gab: „Du kannst jeden Spieler mit den Noten kriegen.“ Weil, das berichtete er mir damals auch, die Spieler am Sonntag nach den Sonnabends-Spiele morgens in die Kabine kamen, dort lag die Bild am Sonntag – und alle stürzten sich wegen ihrer Noten darauf. Einige frohlockten, andere wiederum fluchten laut. . . So geht’s.

Bei der Gelegenheit: „Tante Käthe“ fragte auch danach, ob ich der Schreiberling sei, der kürzlich von Manfred Kaltz beschimpft wurde. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wenn die ewige Nummer zwei und ich uns getroffen haben, waren wir (auch kürzlich noch) eigentlich immer ein Herz und eine Seele. Damals, zu seiner Zeit, war ich einer von drei Schreiberlingen, die ihn auch privat anrufen durften. Also ich denke, dass ich damit nicht gemeint sein kann, kann mir aber auch nicht vorstellen, wen er damit gemeint haben könnte. Werde ihn mal ansprechen, wenn wir uns mal wieder treffen.

Die schon sehr alte Frage nach dem Verbleib von „Nando“ (sorry, geändert, die Redaktion – also Matz ab selbst) kann ich immer noch nicht beantworten, da ich den Spielerberater, der ihn damals nach Hamburg vermittelt hatte, nicht erreiche. Immer noch nicht. Oft versucht, nichts erreicht. Nur eine Frauen-Stimme aus Brasilien hörte ich immer wieder, und die sagte mir, dass ich diesen Herren zurzeit nicht sprechen kann. Wird aber dran geblieben, versprochen.

Die ebenso alte Frage, ob der HSV noch einen Psychologen beschäftigt, kann ich mit einem klaren „nein“ beantworten. Der letzte Trainer, der einen Mann dieser Art beschäftigte, war Thomas Doll, er brachte einen Psychologen namens Jürgen Lohr mit, nahm ihn später auch mit nach Dortmund. Aber auch dort, wie schon beim HSV, stieß seine Arbeit nicht oft (genügend) Gegenliebe. Bruno Labbadia verzichtet (noch) auf psychologischen Beistand, er ist selbst der Mann, der mit viel Einfühlungsvermögen mit seinen Leuten spricht.

„Digga“ wollte wissen, warum seine Kommentare nicht immer sofort erscheinen, sondern teilweise freigegeben werden müssen. Also: „Neulinge“, die erstmalig schreiben, müssen freigegeben werden. Und dann gibt es solche Fälle, dass manchmal ein „Alteingesessener“ hängen bleibt. Das ist vielleicht bei jedem 50. Beitrag der Fall, meiner Meinung nach wahllos – und wird dann von mir bereinigt. Nicht immer sofort, aber auch mir sollte der eine oder andere User zugestehen, dass ich nicht immer „auf Sendung“ bin, sondern gelegentlich etwas anderes zu tun habe – auch privat sogar. Quintessenz: Verzweifelt nicht, wenn es mal hakt, bewahrt die Ruhe, bringt Geduld auf und habt Verständnis für mich, dass ich eventuell auch etwas anderes zu tun habe.

So, das soll es erst einmal gewesen sein. Übrigens, die neue Bundesliga-Saison 2010/11 beginnt am 20. bis 23. August – für alle, die danach ihren Urlaub planen möchten.

Übrigens: Werders 3:0-Spaziergang gegen nur im Meckern großartige spanische Bubis in Bilbao gefällt mir gar nicht so sehr. Die Bremer wurden von den Basken gar nicht gefordert, das ist ja nicht einmal ein Trainingspielchen. Hoffentlich gibt es da keine ungleichen Voraussetzungen – obwohl ich es stark vermute. Allein schon wegen des um einen Tag späteren Spiels. Und wenn dann noch die Israelis ordentlich zur Sache gehen sollten, dann. . . Ich will es nicht beschreien.

Und nun eine allerletzte Anmerkung: In dieser Woche hat es noch keinen richtigen Zoff unter uns gegeben – toll! Und weiter so. Hat die Toleranz gesiegt? Oder ist es einfach nur die Ohnmacht? Die Kapitulation? Egal, ich freue mich darüber, auch deshalb, weil es zuletzt auch viele, viele sehr lesenswerte und inhaltsreiche Beiträge gegeben hat. Weiter so!

Ich melde mich, falls nicht etwas ganz Wichtiges, Eiliges oder Unvorhergesehenes passiert, nach dem Spiel in Tel Aviv wieder. Bis dahin wünsche ich allen einen schönen und erfolgreichen Tag, der mit einem HSV-Sieg enden sollte.

23,24 Uhr

Die Suche nach dem “dritten Mann”

16. Dezember 2009

Die Sache mit dem Sportchef. Irgendwie unheimlich für mich. Unheimlich langatmig. Wie damals die Suche nach einem neuen Trainer – bis nach Monaten Martin Jol denn schließlich gefunden wurde. Immerhin ein im europäischen Spitzenfußball klangvoller Name. Wenn es denn mit dem neuen Sportchef ähnlich läuft, könnte ich mich damit anfreunden – wenn. Aber das ist ja nicht garantiert. Mir schwebt ja immer noch vor, was mit ein HSV-Rat schon vor Monaten, als es noch warm war in Hamburg, über den neuen Sportchef sagte: „Wir werden keinen Anfänger nehmen, sondern einen Mann, der Erfahrung hat, der unseren HSV dann wieder zurück in die internationale Spitze führen soll.“ Klang damals gut, klingt heute auch noch gut – aber die Namen, die nun gehandelt wurden?

Sind das die Namen, die den HSV wieder ganz nach oben, auf Augenhöhe zu Manchester United, Real Madrid, FC Barcelona, FC Chelsea oder auch Arsenal London führen? Horst Heldt, Martin Bader Jörg Schmadtke? Ich habe da meine leisen Zweifel.

Die Suche (oder doch eher die Posse?) kann sich nun, so die Räte, noch bis in den Februar hinziehen. Und trotz aller Dementi ist Horst Heldt auch weiterhin ein heißer Kandidat für den HSV. Mir scheint es so, als wolle der frühere Mittelfeldstratege nur Ruhe beim zurzeit schwer angeschlagenen VfB Stuttgart einkehren lassen, denn würde er jetzt nach Hamburg wechseln, so bräuchte er sich im Ländle ganz sicher nie wieder sehen lassen.

Was für Heldt sprechen würde ist die Tatsache, dass ihn eins der große Felix Magath zum Sportchef beförderte, nachdem es auf dem Rasen nicht mehr so gut lief für den kleinen Dribbelkünstler. Und noch etwas spricht für Heldt: Magath wollte ihn auch damals mit zum VfL Wolfsburg nehmen, doch Heldt und Stuttgart verweigerten die Zusage – dann machte es Magath in Personalunion selbst. Aber dass Felix ihn haben wollte, dass ist der Beweis, dass Heldt nicht ganz so schlecht ist, denn ein Magath holt sich ganz sicher keine „Laus in seinen Pelz“.

Ob Heldt aber nach Hamburg passen würde? Und vor allem zu Bernd Hoffmann? Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ich frage mich allerdings auch, und das schon eine geraume Zeit, warum die Aufsichtsräte nicht mehr nach einer „internen Lösung“ Ausschau gehalten haben. Ihr habt Namen vorgeschlagen, ich habe vor Monaten meine persönlichen Favoriten genannt, aber die wurden allesamt ignoriert. Weil es ein „gestandener Sportchef“ mit Erfahrung sein sollte. Dieses Argument halte ich geradezu für absurd, für total lächerlich. Wir erinnern uns: Kürzlich trat der Vater aller Manager ab: Uli Hoeneß. War der vorher, bevor er den Job beim FC Bayern übernahm, auch schon ein „gestandener“ Manager mit unheimlich „großer Erfahrung“? Natürlich nicht. Und was war mit Heldt? Der war VfB-Spieler – bis Magath befand, dass es für die Leistung auf dem Rasen nicht mehr ausreichte – und dann wurde der nun so vom HSV umworbene Horst Heldt von einem Tag zum anderen VfB-Manager. So geht das in diesem Metier.

Und deshalb frage ich mich, warum es beim HSV nicht so geht? Ich hatte damals Richard Golz vorgeschlagen, noch immer in Lohn und Brot beim HSV. Und auch Thomas von Heesen, der zurzeit Trainer auf Zypern ist. Namen, die Stallgeruch haben. Aus Eurem Kreise kam der Vorschlag Nico Hoogma. Kurios: Der war zuletzt Spieler bei Heracles Almelo, dann – von einem Tag zum anderen – Manager von Heracles Almelo. Und? Habt Ihr Euch einmal angesehen, wo der einstige Abstiegskandidat, der über Jahre nur um den Klassenerhalt kämpfen und zittern musste, heute steht? Hoogma scheint keinen ganz so schlechten Job zu machen, oder? Obwohl er keine große Erfahrung in seinem neuen Job hatte.

Ich behaupte ja, dass Männer, die über Jahre Erfahrungen im Profi-Fußball-Bereich gesammelt haben, und die dazu viel „in der Birne“ haben (wie Golz, von Heesen und Hoogma), geradezu prädestiniert dafür sind, als Manager zu arbeiten. Wenn sie dazu auch noch den HSV wie ihre Westentasche kennen, kann das ja nur von Vorteil sein. Dann allerdings müssten die Herren Räte, die nach dem ganz großen Namen fahnden, eben noch kurz über ihre Schatten springen und sich zu einer solchen internen Lösung durchringen. Das wollen sie aber ganz offensichtlich nicht.

Wobei ich mich frage, nach welchen Kriterien die Suche bislang ging – und wie sie nun weitergehen soll? Denn wer hatte einst die Idee, Roman Grill, einen „gestandenen und erfahrenen Manager“ (???) beim HSV als Sportchef zu installieren? Grill, der schon unheimlich viele Erfahrungen im Profi-Fußball gesammelt hat (???), fiel zum Glück durch das Raster, aber wer garantiert, dass es nicht irgendwann einen neuen „Grill“ geben wird?

Eine weitere Frage ist übrigens auch die: Braucht der HSV überhaupt einen neuen Sportchef? Funktioniert es nicht auch mit der Doppelspitze Hoffmann/Labbadia? Bislang klappte das doch, warum müssen Millionen ausgegeben werden, um den „dritten Mann“ zu finden? Und: Hat der HSV nicht eventuell schon einen Kandidaten, ohne dass er bisher entdeckt wurde? Ich meine nicht nur Richard Golz, sondern auch einen weiteren ehemaligen Profi: Marinus Bester. Er wurde mir kürzlich von einem einst ranghohen HSVer zugeflüstert – und ich muss sagen, dass ich Gefallen an diesem Namen und an dieser Vorstellung gefunden habe. Bester war Stürmer bei etlichen Vereinen, hat also eine gewisse Erfahrung gesammelt, und er bekleidet seit Jahren schon den Posten des HSV-Teammanagers, leistet auf dieser Position gute bis ausgezeichnete Arbeit – weil auch er „etwas in der Birne“ hat.

Meine Herren Räte, nehmt doch bitte, bitte einmal die Scheuklappen ab, sucht nicht nur nach den „ganz großen (???) Namen wie Heldt, Bader, Schmadtke oder Grill (statt Hoeneß, Netzer und Co), sondern seht Euch auch einmal in den eigenen Reihen um. Vielleicht könntet Ihr Euch dann eines Tages mit dem Prädikat schmücken, den Nachfolger von Uli Hoeneß entdeckt zu haben. Ihr, Ihr ganz allein.

Kleine Anmerkung am Rande: Das “Matz-ab”-Treffen am 19. Februar findet, das wurde ja kürzlich hier und an dieser Stelle beschlossen, um 19 Uhr (in der Raute)  statt. Und: Selbstverständlich könnt Ihr noch immer dabei sein, es gibt dafür keinen Anmeldeschluss.

12.50 Uhr

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