Monatsarchiv für Dezember 2009

Lieber Florian Meyer . . .

21. Dezember 2009

Lieber Florian Meyer,

das ist ein offener Brief. Jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag. Sie, Herr Meyer, haben das am Sonntag aus nächster Nähe gesehen. Die Bremer Prödl, Marin und Hunt haben anfängerhaft hundertprozentige Torchancen vergeben, weil sie  aus vier, fünf Metern das HSV-Tor verfehlt haben. Diese Werder-Profis hatten also eindeutig einen schlechten Tag. Solche Tage gibt es. Und solche Tage kenne ich natürlich auch. Die kennt wohl jeder von uns. Und Sie, Herr Meyer, kennen einen solchen Tag nun auch, wenn Sie nicht vorher schon gelegentlich einen schlechten Tag hatten.  An diesem Sonntag aber hatten Sie ganz sicher einen grottenschlechten Tag. So schlecht, da bin ich ganz ehrlich, habe ich Sie noch nie gesehen. Noch nie. Was war nur los? Sie wirkten so, als würden Sie zum ersten Mal ein Spiel der Ersten Bundesliga pfeifen. So oft daneben wie diesmal lagen Sie und Ihre Herren an den Seiten wohl noch nie.

Ich hoffe sehr, dass Ihnen das auch vom offiziellen Schiedsrichter-Beobachter, wenn ich mich nicht irre, war es der Herr Siegfried Kirschen, deutlich gesagt wurde. Wenn nicht, würde ich, das sage ich ganz offen, die Fußball-Welt nicht mehr verstehen.

Herr Meyer, was war das bitte für eine Rote Karte, die Sie dem HSV-Spieler Jerome Boateng unter die Nase gehalten haben? „Diese Karte war ein Witz“, so hat es Matthias Sammer im Fernsehen ausgedrückt. Und Sammer hat durchaus ein bisschen Ahnung vom Metier. Ich gehe noch weiter als Sammer, ich sage: Diese Karte war ein Skandal. Ein Wahnsinn. Und mit dieser Ansicht stehe ich ganz sicher nicht allein. Nach dem Schlusspfiff gab es viele Menschen, die ob Ihrer Leistung, Herr Meyer, bestürzt und total sauer waren. Ich sah Menschen, die nur noch die Köpfe schüttelten. Wenn solche Roten Karten in Zukunft in der Bundesliga Mode werden würden, dann gute Nacht, lieber deutscher Spitzen-Fußball. Dann muss eigentlich nie wieder eine deutsche Mannschaft auf internationalem Parkett auflaufen, denn dort wird ja nur dann eine Karte (Gelb oder Rot ist egal) verteilt, wenn es einen offenen Bruch gegeben hat. Ich weiß, ich übertreibe, aber ich übertreibe bewusst, denn was ist das bitte für eine Pfeiferei in der Bundesliga, und was in der Champions und Europa League? Das müssen Sie, Herr Meyer, wenn Sie Ihre sonntägliche Leistung von Hamburg ganz nüchtern und objektiv beurteilen, doch zugeben.

Für mich ist es leider auch ein kleiner Skandal, dass nach den Regeln der Fifa jede Rote Karte automatisch eine Sperre nach sich ziehen muss. So war es früher jedenfalls, und mir ist nicht bekannt, dass sich daran etwas geändert hätte. In diesem Punkt sich die alten Herren wohl immer noch einig. Wäre es nicht so, würde ich im Fall Boateng ganz eindeutig auf Freispruch plädieren. Aber das wird (m)ein Wunsch bleiben. Schade eigentlich. Denn Menschen haben ja nicht nur mal einen schlechten Tag, sie können ja auch gelegentlich irren. Und dass das dann von Amts wegen nicht korrigiert werden darf, ist fast schon tragisch zu nennen.

Ich war, das muss ich Ihnen einmal kurz sagen, schon als Spieler (habe es leider nur bis zur Verbandsliga gebracht) und als Trainer (nur zur Landesliga) immer ein Freund der Schiedsrichter. Auf dem Spielfeld hat es zwar mitunter richtig gekracht, da ging es rund, da gab es auch einige lautstarke Auseinandersetzungen, da gab es auch pro Jahr einen Platzverweis – aber nach fast jedem Spiel waren selbst die lautesten Ausfälle vergessen. Da gab es einen versöhnlichen Händedruck, eine kurze und freundschaftliche Aussprache – und dann war es wieder gut. Auch als Berichterstatter habe ich in früheren Jahren kaum über Schiedsrichter geklagt, auch höchst selten etwas Böses geschrieben (Ausnahme Hoyzer). Weil ich der Meinung war, dass auch die Unparteiischen – wie jeder Spieler und Trainer – Fehler machen dürfen, denn sie haben ein besonders schweres Amt – das schwerste wohl überhaupt im Profi-Sport.

Herr Meyer, ich habe mit der Zeit viele Ihrer Kollegen aus der Bundesliga persönlich kennen lernen dürfen, ich habe diese Männer auch stets zu schätzen gewusst. Mit einigen bin ich, ich wollte gerade sagen befreundet, aber das wäre zuviel gesagt, aber wir sind immerhin gut bekannt und per Du. Sie, Herr Meyer, habe ich bislang nicht persönlich kennen gelernt, aber ich schätzte Sie stets aus der Ferne. Sie sind für mich der Gentleman unter den deutschen Schiedsrichtern. Und Sie waren für mich bislang auch der beste Mann, die Nummer eins Ihrer Zunft. Wahrscheinlich sind Sie es auch immer noch, denn einen schlechten Tag kann ja jeder, wie eingangs schon geschrieben, einmal haben. Ich werde morgen, drei Tage vor Heiligabend, darüber ganz genau nachdenken, im Moment aber bin ich immer nur noch fassungslos, was Sie für einen schlechten Tag in Hamburg erwischt haben. Aber daran ist ja jetzt ohnehin nichts mehr zu ändern.

Ich stehe ja mit meinen Eindrücken von Ihrer Spielleitung nicht allein auf weiter Flur. Etliche Kollegen haben sich wesentlich drastischer ausgedrückt, als ich jetzt. Und viele VIP-Fans in der Nordbank-Arena schilderten mir nach dem Spiel ihren Kummer. Es war schon mehr ein Klagen: „Der HSV musste mit zehn Mann gegen zwölf spielen.“ Und: „Der HSV hat in dieser Saison immer das Pech, dass er die schlechtesten Schiedsrichter ertragen muss.“ Ich aber glaube nicht, dass das Pech ist. Ich glaube vielmehr, und das ist jetzt ganz hart für Sie und Ihre Kollegen, dass die deutschen Schiedsrichter im Moment ein kleines (oder auch schon größeres) Leistungstief durchlaufen. Es gibt keinen Hellmut Krug, keinen Markus Merk, keinen Herbert Fandel mehr, und das merkt man. Ganz deutlich sogar. Da ist viel Qualität in Rente geschickt worden.

Ich werde im Jahre 2010 30 Jahre HSV-Reporter sein, habe also schon einige Bundesliga-Begegnungen erleben dürfen. Eine solche Phase an schwachen Schiedsrichter-Leistungen, auch das sage ich ganz ehrlich, habe ich aber noch nie erlebt. Und das halte ich für sehr bedenklich. Läuft da etwas schief? Ich glaube ja. Aber ich weiß nicht, wie man es beheben kann? Stehen die deutschen Schiedsrichter zu sehr unter Druck? Weil es zu viele Fernsehkameras in den Stadien gibt, die jeden Fehler gnadenlos analysieren und entlarven? Oder auch deshalb, weil viele Spieler unter die Schauspieler gegangen sind, weil sie  nicht mehr ehrlich und fair sind, sondern mit allen auch unerlaubten Mitteln den Erfolg wollen, selbst wenn diese Mittel noch so verwerflich sind?

Als ich die Trainer-Lizenz erwarb, musste ich auch den Schiedsrichterschein „machen“. Ich fand sogar Gefallen daran, Spiel zu pfeifen. Und ich habe einmal, schon als Reporter für Amateurspiele, ein Kreisliga-Punktspiel gepfiffen, weil keine Schiedsrichter erschienen waren. Ich stellte bei diesem Spiel einen Spieler der Heimmannschaft vom Platz, die Gäste-Elf gewann 4:1. Und trotzdem erhielt ich Lob vom Verlierer. Es hieß sogar wörtlich: „Sie können nächste Woche wieder kommen und unsere Liga pfeifen, das war okay, sogar sehr okay.“ Ich schreibe Ihnen das, weil ich damit bekräftigen möchte, dass ich eigentlich schon immer ein Herz für Schiedsrichter hatte und immer noch habe. Und das ich Verständnis dafür habe, wie schwer Sie und Ihre Kollegen es in diesen Zeiten voller (Übertragungs-)Technik haben. Dennoch muss ich Ihnen sagen: Als kurz vor Schluss der Bremer Frings den Hamburger Tomas Rincon umtrat, standen Sie, Herr Meyer, drei Meter daneben. Und sahen dennoch nichts. Es war ein klares Foul, aber Sie unterbanden das Spiel nicht. Das war, wie etliche andere Szene, schwach von Ihnen.

Nach einem solchen Spiel  schießt mir  der Gedanke durch den Kopf, dass es sich etliche Schiedsrichter selbst oft sehr schwer machen. Sie Herr Meyer nehme ich einmal davon aus, weil ich eigentlich ein “Fan” von Ihnen bin. Andere Kollegen von Ihnen aber pfeifen teilweise wie Roboter. Eiskalt, ohne jede menschliche Regung. Da ist kein sportliches Miteinander zu erkennen, da läuft alles unnahbar nach Schema F ab. Und? Ist das ein vernünftiges Klima unter Sportlern? Und ist das ein Klima, das die Schiedsrichter haben wollen, das sie so auch schätzen?

Ich behaupte mal nein. Wobei kein Spiel zu einer Plauderstunde ausarten soll, aber öfter einmal ein freundliches, nettes Wort zur richtigen Zeit (!) würde sicher helfen, das Eis auf dem Rasen und damit auch im Stadion zu brechen. Und ich glaube fest daran, dass man so als Schiedsrichter auch bessere Leistungen bringen kann. Wobei ich genau weiß, dass viele Spitzen-Schiedsrichter das bekannte Wort Fingerspitzengefühl ablehnen, doch es gibt einige Herren der Zunft, die sich sehr wohl dieses Wortes bedienen. Ich habe Ihnen, Herr Meyer, dieses Wort auch oft genug unterstellt. Ein Fehler?

Sie, Herr Meyer, waren für mich nie ein Roboter. Sie ließen bei Ihren Spielleitungen meistens auch den Menschen Florian Meyer erkennen – so weit Sie es vertreten konnten. Die Art hob (und hebt) Sie von den meisten Ihrer Kollegen so wohltuend ab. Und ich hoffe auch, dass Sie künftig Ihrer Linie treu bleiben werden, denn sonst würde Deutschland noch einen guten Schiedsrichter weniger haben.

Aber Sie sollten sich Ihr Spiel von Hamburg, die Partie HSV gegen Werder Bremen vom 20. Dezember 2009, auch ruhig noch einige Male anschauen und dann in sich gehen. Und nur für sich, ganz allein für sich befinden, dass das eine Schiedsrichter-Leistung war, die auch Sie ein wenig ins Grübeln bringt. Kommen Sie allerdings nicht zu dieser von mir erhofften Erkenntnis (und Selbstkritik), dann würde ich ernsthaft an meinem Fußball-Verstand (ich sage extra nicht Fachverstand) zweifeln.

Der HSV hat gewonnen. Also Ende gut, alles gut. Aber, Herr Meyer, so denke ich nicht. Sonst würde ich diese Zeilen auch nicht schreiben. Ich habe schon vielen Ihrer Kollegen ein Lob erteilt (erteilen dürfen), selbst dann, wenn der HSV das Spiel verloren hatte. Ich möchte, das war und ist stets mein Bestreben, die Leistung eines Unparteiischen immer fair und objektiv bewerten. Und genau deshalb schreibe ich Ihnen diese Zeilen. Fair und objektiv betrachtet muss ich Ihnen diesmal eine ganz schlechte Leistung attestieren. Was ja durchaus mal passieren kann. Pech war für mich nur, dass ich Sie am Tag vor dem Spiel noch als besten Schiedsrichter Deutschlands angekündigt hatte. Ich schrieb, dass ich gerade deswegen von einer Top-Leistung des 23. Mannes überzeugt bin, weil „der Herr Meyer dieses stets brisante Nordderby pfeift“. Und dann das. Das war Pech. Für mich. Und für Sie.

Für den HSV und Hamburg ist es, wie gesagt, gerade noch einmal gut gegangen, es ging mit einem 2:1-Sieg in die Winterpause. Die Frage ist für mich: Ist es auch für Sie gut gegangen? Ich sehe das als wahrscheinlich an, denn früher hieß es ja schon immer (als ich noch Spieler und Trainer war), dass sich unter den Schiedsrichtern nicht gegenseitig in den Rücken gefallen wird. „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, so hieß es unter uns Fußballern. Diesmal allerdings hoffe ich, dass Sie vom früheren DDR-Schiedsrichter Kirschen doch ein wenig „auf dem Pott gesetzt“ wurden, denn da waren doch einige Fehler zuviel mit im Spiel.

Wenn Sie denn aber daraus lernen, Herr Meyer, dann hat sogar ein solcher Auftritt wie der in Hamburg noch seine gute Seite. Ich hoffe es für Sie. Und für die Bundesliga. Und ich drücke Ihnen auch die Daumen, dass Sie in Ihrer bislang schon großartig verlaufenen Karriere noch weiter, noch bis ganz nach oben an die Spitze gelangen. Das hätten Sie als Gentleman der deutschen Schiedsrichter schon verdient. Ganz objektiv gesagt. Und trotz Ihrer Leistung vom Sonntag.

Ein schönes und stressfreies Fest wünsche ich Ihnen. Und für 2010 alles Gute, viel Erfolg – und bleiben Sie gesund.

Mit freundlichen Grüßen,
Dieter Matz vom Hamburger Abendblatt.

(der auch in Zukunft ein Freund der Schiedsrichter sein möchte – wenn sie ihn nach einem solchen Brief dann immer noch lassen)

PS: Geschrieben in der Nacht von Sonntag auf Montag, 1.58 Uhr. Weil immer noch an dieses Spiel und diese Leistung denkend

Das war ein Super-Sieg!

20. Dezember 2009

Herrlich, super, unglaublich. Der HSV gewinnt das Nordderby mit zehn Mann gegen Werder Bremen, Was für ein Spiel! Das war hervorragend, so intensiv, so spannend, so klasse, so hoch dramatisch – einfach nur sensationell. Ich gebe zu, ich hätte nie gedacht, dass der HSV noch einmal so viel aus sich herausholen könnte. Wie ich schon schrieb: Fußball wird im Kopf entschieden. Ein riesiges Kompliment an diese Mannschaft und ihren Trainer.  Der HSV überwintert nach all diesem Verletzungspech auf Rang vier, ein fantastisches Ergebnis. 2:1, die Nummer eins im Norden ist der HSV!

Entschuldigung. Ich hatte hier geschrieben, dass ich ganz beruhigt in dieses Derby gehe, weil Florian Meyer das Ding pfeift. Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung. Die Rote Karte gegen Jerome Boateng war zumindest zweifelhaft, aber es gab schon in Halbzeit eins drei andere Szenen, die der „Unparteiische“ zu Gunsten der Bremer auslegte. Nach vier Minuten schlug Pizarro mit dem Ellenbogen gegen die Brust von Dennis Aogo. Eine klare Tätlichkeit. Aber was macht der sanftmütige Herr Meyer? Er gibt Freistoß für den HSV, ermahnt Pizarro. Gibt es keine Regel, die eine solche Szene eindeutig regelt? Natürlich! Rot! Unfassbar.

In der 23. Minute wäre Tunay Torun frei auf das Werder-Tor zugelaufen, aber der Herr an der Linie, Carsten Kadach, hebt die Fahne. Abseits. War es aber nicht. Eine klare Torchance wurde verhindert.

In der 42. Minute wäre Eljero Elia ebenfalls allein auf das Werder-Tor zugelaufen, oben, genau auf Höhe von Kadach, parkte noch ein Werder-Spieler, doch der Linienrichter hebt trotzdem mal auf Verdacht die Fahne. Falsch. Völlig falsch, leider wieder zu Ungunsten des HSV. Drei ganz wichtige Entscheidungen, immer gehen Hamburg, nein, ein Heim-Schiedsrichter war der Herr Meyer hier auf keinen Fall. Das sollte man auch mal dem Deutschen Fußball-Bund mitteilen, der wäre sicher stolz auf einen so mutigen Mann!

Kommen wir zum Positiven aus HSV-Sicht. Für mich war Schneefloh Elia der überragende Mann auf dem Platz. Der Niederländer kam super mit dem eisigen Geläuf zurecht und spielte den langen Kerlen in der Werder-Abwehr immer wieder Knoten in die Beine. Das war überragend! Wie auch die Vorbereitung zum 2:0. Nein, die war sogar Weltklasse! Elia tanzte sie alle an der Mittellinie aus und legte den Ball mustergültig in den Lauf zu Marcell Jansen – Tor.

Großartig, das sei an dieser Stelle gleich erwähnt, wie der bärenstarke Jansen auf links immer wieder wie Schmitz Katze abging. Und dazu das 2:0, das war wieder die reinste WM-Bewerbung in Richtung Jog Löw.
Nach dem Jansen-Tor fragte ich mich allerdings, warum die HSV-Fans denn noch immer gegen Tim Wiese pfiffen, denn dieses 2:0 hatte der Werder-Torwart doch maßgeblich begünstigt, denn was wollte er denn eigentlich an der Mittellinie? Die Antwort kann nur lauten: das 2:0 vorbereiten. Hat er geschafft. Deswegen waren die Pfiffe überflüssig.

Super auch der HSV-Kapitän. David Jarolim gab nicht nur wieder einmal alles, das macht er ja immer, ist eine Selbstverständlichkeit für ihn. Nein, „Jaro“ hielt dagegen, er attackierte, er grätschte, er „kloppte“, er war einfach nur vorbildlich.

Und, ich muss es zugeben, beim 1:0 habe ich gejubelt. Endlich einmal ein Eckstoß, wie ich ihn schon seit Monaten „fordere“. Aogo von links mit links, am ersten Pfosten verlängert Jansen per Kopf in die Mitte, wo Joris Mathijsen sich und allen HSV-Fans ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk bereitete: Kopfball, 1:0. Überhaupt: Die Standards, zuletzt (und nicht nur zuletzt) heftig kritisiert, waren diesmal annehmbar. Sie waren nicht alle gut, aber ich hatte das Gefühl, sie wurden viel konzentrierter ausgeführt.

Angst hatte ich um Tomas Rincon, der früh, viel zu früh für mein Empfinden, die Gelbe Karte sah, als er Jensen umgrätschte (13.). Es spricht für Rincon, der erneut ein bärenstarkes Spiel abgeliefert hat, dass er dieses Spiel überstand, er hat es inzwischen gelernt, disziplinierter zu spielen – Kompliment. Auch dem Trainer-Gespann, das sicherlich auch einen großen Anteil daran hat.

Pech hatte Tunay Torun, der in der 36. Minute vom Platz genommen werden musste, weil Boateng ja vom Platz gestellt worden war. Für Torun kam Rozehnal, es war für Bruno Labbadia sicher keine leichte Entscheidung, denn Torun hatte bis dahin sehr gut gespielt. Was mir gefiel: Der junge Türke hat auch einen Blick für die Defensive, arbeitete viel nach hinten, das konnte sich wahrlich sehen lassen, er setzte in dieser kurzen Spielzeit die Reihe seiner guten Vorstellungen fort.

Schwer war es für Labbadia auch deshalb, weil in Halbzeit eins absolut nichts von Mladen Petric, der vor dem Platzverweis von Boateng einen völlig überflüssigen Fehlpass gespielt hatte, durch den die Bremer in Ballbesitz gekommen waren, zu sehen gewesen war. Viele Kollegen sagten sogar, sie hätten den nicht ganz gesunden Kroaten eher vom Platz genommen, als Torun. Spricht für den Türken. Und es spricht für Petric, dass er im zweiten Durchgang doch noch zulegen konnte. So gesehen hatte Labbadia doch wieder alles richtig gemacht.

Übrigens: David Rozehnal war Gold wert, er hat wohl sein bislang bestes Spiel für den HSV gemacht. Was er da hinten alles rausköpfte, war einfach unglaublich. Note eins für den Tschechen.

Glück hatte der HSV trotz der Schiedsrichter-Entscheidungen auch noch. Naldo traf die Torlatte (27.), Frank Rost hätte nichts zu halten gehabt. Und in der zweiten Halbzeit hätte Meyer, als insgesamt eine Stunde gespielt war, durchaus einen Elfmeter pfeifen können, als Guy Demel den einschussbereiten Pizarro festhielt. Und Glück auch, als Hunt in der 64. Minute aus sechs Metern den Ball nicht richtig traf, sonst wäre das Anschlusstor wohl unvermeidlich gewesen. Wie auch in der Schlussphase: Hunt gegen die Latte, Marin auch noch. Der HSV wankte, aber er fiel nicht!

Es passte zur Schiedsrichter-Leistung, dass Hunt gegen Demel tätlich werden durfte, nur weil der HSV-Spieler die schnelle Ausführung eines Freistoßes verhindern wollte. Hunt stieß Demel vor die Brust, der Linienrichter stand sechs Meter daneben, aber Sekunden später gab es Gelb für die beiden Streithähne. Unfassbar auch, als Meyer ein klares Foul von Frings (wo war er eigentlich in diesen 90 Minuten?) an Rincon nicht pfiff, obwohl er drei Meter neben dem Tatort stand. Es war einfach unglaublich. Dass das 1:2 zum Schluss noch fiel – wen juckt es?

Ganz zum Schluss noch ein Satz in eigener Sache. Auch in der Arena wurde ich wieder oft darauf angesprochen, ob „Matz ab“ auch weiterhin kostenlos bleibt. Ich kann es sagen: es bleibt. Keine Angst also. Es geht weiter wie bisher. Und viele, viele freuen sich schon – ganz nebenbei – auf den 19. Februar, das Treffen der „Matz-abber“ wird ganz sicher ein wunderschöner Abend. So wunderschön, wie dieser letzte Spieltag in diesem Jahr 2009. Ende gut, alles gut. Und wenn es doch etwas Kritisches von Eurer Seite aus anzumerken gäbe – lasst sie stecken, jetzt wäre es der absolut falsche Zeitpunkt. Der HSV gewinnt mit zehn Mann gegen Werder Bremen, wer hätte das gedacht?

17.25 Uhr

Fußball wird im Kopf entschieden

19. Dezember 2009

Bruno Labbadia und sein Assi Eddy Sözer liefen nach dem Trainingsende sofort in den Volkspark, und ich lief auch: zum Auto. So schnell konnte ich gar nicht zittern, wie ich gefroren habe. Auftauen war angesagt. Auch für das Trainerteam. Der schöne Bruno lief mit einer total roten Nase – und nach eigenem Bekunden mit eingefrorenen Füßen – los, ich kann nur hoffen, dass ihm am Sonntag ein Satz heißer Ohren in Form einer Heimniederlage erspart bleibt. Es sah auf dem beheizten Trainingsrasen neben der Arena nicht wirklich nach einem schönen Fußballplatz aus. Schiet-Wetter, Schiet-Winter. Aber keimt daraus nicht auch ein wenig Hoffnung auf? Darauf, dass die langen Kerls von Werder auf einem solchen Geläuf nicht so richtig Fuß fassen können? Abwarten.

Rückschlüsse auf die morgige Aufstellung ließ das Abschlussspiel am Sonnabend nicht zu, und das lag nicht an der einbrechenden Dunkelheit. Labbadia hatte die Spieler bunt durcheinander gewürfelt. Neun gegen neun lautete das Spielchen, ein Team bestand aus Rost, Demel, Rozehnal, Mathijsen, Jansen, Trochowski, Jarolim, Tavares, Pitroipa. Diese Truppe versuchte sich gegen Hesl, Rincon, Boateng, Aogo, Tesche, Elia, Arslan, Berg, Torun. Und das Ergebnis? Wahrscheinlich gewann die Hesl-Truppe 3:1, wahrscheinlich deshalb, weil nicht genau zu klären war, welche Tore wegen einer Abseitsstellung nicht gezählt wurden. Übrigens: Ein Linienrichter war Torwart-Trainer Claus Reitmaier, und der stand wie immer eisern in kurzer Hose am Rande. Nur die Harten komm’ in Garten. . .

Apropos: Bei einem Ausflug aus seinem Tor senste Frank Rost den glücklosen Stürmer Marcus Berg um, es gab ein wildes Geschrei, aber Berg stand nach wenigen Sekunden wieder auf, und der Zwischenfall zog weder einen Freistoß noch sonst eine Konsequenz auf sich. Wobei ich mich bei „wildem Geschrei“ frage, wieso es beim Training (eigentlich) sehr laut, sehr lebhaft und sehr motivierend zugeht, aber während eines Spiels davon recht, recht wenig zu hören und zu sehen ist. Vielleicht ein Ansatz für Bruno Labbadia, darüber mal zu Beginn der Rückrunde mit seinen Mannen zu sprechen, denn wenn man sich verbal gegenseitig unterstützt, ist das auf jeden Fall immer besser – weil hilfreich.

Dazu ist ganz passend, was ich auf dem Weg an die Arena gehört habe. Da traf ich den ehemaligen HSV-Profi Borisa Djordjevic, der ja in der Netzer-Ära geholt wurde, Mitglied der Meistermannschaft von 1983 ist und seit dieser Zeit in Norderstedt lebt. „Bora“ trainiert im Sommer oft jugendliche Fußballer, und denen sagt er immer: „Ihr müsst nach jedem Training oder Spiel Kopfschmerzen haben. Nicht vom Köpfen, sondern vom Denken, denn nur wer beim Fußball auch denken kann, der ist auch erfolgreich.“ Djordjevic sagte es mir heute noch einmal, weil er kürzlich Bayern-Trainer van Gaal im Aktuellen Sportstudio gesehen hatte: „Jetzt schätze ich ihn wirklich sehr, denn van Gaal sagte: ’Die Deutschen denken, dass Fußball mit den Beinen gespielt wird, aber ich sage ihnen, Fußball wird im Kopf entschieden.’ Und genau ist es, was ich auch immer sage.“ Vielleicht erinnern sich daran ja, die HSV-Profis, wenn es am Sonntag gegen den Nachbarn von der Weser geht.

Übrigens: Standards wurden an diesem bitterkalten Tag nicht trainiert, da regiert einmal mehr das Prinzip Hoffnung. Irgendwann muss es doch einmal so richtig flutschen, so denke ich mir, so können doch alle Fußball spielen, wieso ist keiner in der Lage, einen vernünftigen Freistoß und Eckball vor das Tor des Gegners zu befördern. Auch da muss, ja, ganz eindeutig muss, Bruno Labbadia in der Rückrunde den Hebel ansetzen. Ich würde es ja eiskalt so machen: An jenen Tagen, an denen nur vormittags geübt wird, würde ich mir die Experten, die die Standards treten sollen, zum Sondertraining bestellen. Und immer und immer wieder üben lassen. Nicht nur fünf Minuten, sondern mindestens eine Stunde. Und das mehrfach in der Woche. Damit kann eigentlich kein Profi überfordert werden, aber es könnte der Mannschaft und dem Verein helfen.

Es wird nicht leicht sein, dieses gravierende Manko abzustellen, aber was ist schon leicht. Und da bin ich beim Thema Europa League. Ich bin schon sehr erstaunt, wie in Hamburg das Los PSV Eindhoven aufgenommen wurde. Leicht? Naja, ich wüsste etwas anderes, und das werden alle erleben. Der PSV eilt in den Niederlanden seit Wochen von Sieg zu Sieg, ist nach 17 Spielen noch immer ungeschlagen (45 Punkte, 43:13 Tore) – wenn auch nur auf Platz zwei, hinter Twente Enschede.

Apropos oben: Schalke 04 mischt oben mit (Herbstmeister ist aber Bayer Leverkusen, 3:2 über Gladbach!), also hat Felix Magath auch bei seiner neuesten Trainer-Station wieder riesigen Erfolg. Ich gratulierte an diesem Vormittag einem Schalke-Reporter zum Geburtstag, bei der Gelegenheit sprachen wir natürlich auch kurz über Magath – und der Kollege geriet ins Schwärmen: „Ich bin seit Jahrzehnten Schalke-Reporter, deswegen kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass 04 noch keinen Trainer hatte, wie Magath. Der hat alles im Griff, dem folgen sie alle bedingungslos, dem liegen sie hier fast zu Füßen.“ Ich habe nichts anderes erwartet. Übrigens: Am 23. Dezember zeigt das DSF den Audi-Talk, und in dieser Sendung dreht sich dann alles nur um Felix Magath, der vom DSF zum Mann des Jahres gewählt wurde – auch keine Überraschung.

Und wo ich gerade dabei bin: Schiedsrichter des Jahres ist für mich der Mann, der am Sonntag das Derby pfeifen wird: Florian Meyer. Für mich der beste Unparteiische, den wir in Deutschland haben, und dass dieser Mann nun im Volkspark pfeifen darf, ist für mich eine große Beruhigung. Auch wenn es bei Euch sicher den einen oder anderen gibt, der auch an Meyer etwas auszusetzen hat – auch hier gilt: abwarten.

So, ich komme zum Ende. Beim Training fiel mir ein, dass wir in den nächsten Tagen eigentlich mal über Eure beste HSV-Mannschaft aller Zeiten schreiben könnten. Eine Mannschaft, die es nie so gegeben hat, also bei mir würden zum Beispiel Uwe Seeler und Kevin Keegan in einem Team spielen.

Zwei Männer, aber die nur als Beispiel. Zwei andere Herren sind im aktuellen Vierzeiler für das Bremen-Spiel zu sehen, die Ihr beim genaueren Hinsehen eigentlich erkennen müsstet. Ob Ihr es auch tatsächlich schafft? Da bin ich mal gespannt. Und ein Mann ist bei diesem Vierzeiler dabei, den Ihr dann am 19. Februar wieder treffen werdet – so Ihr denn dabei seid, wenn es das große „Matz-ab“-Treffen in der Raute gibt. Übrigens, weil ich immer gefragt werde: Es kann jeder dabei sein, es muss sich keiner vorher anmelden. Und, zu diesem Treffen noch gesagt: In der nächsten Woche setzen wir, Carsten Kober und ich, uns einmal zusammen, ob wir ein Programm machen, was wir machen, wie was laufen könnte. Schon jetzt kann ich sagen, dass es so manchen (großen) Überraschungsgast geben wird. Aber verraten wird nichts, denn ich würde schon schön dämlich aussehen, wenn dann hinterher doch keiner erscheint. Also deswegen gilt auch hier: abwarten.

Bis zum Werder-Spiel.

1725 Uhr

Werder ist Favorit – na und?

18. Dezember 2009

„Wer ist Fred Rutten?“ Für mich war die Auslosung der nächsten Europa-League-Runden eben eine Art Déjà-vu-Erlebnis. Erinnert Ihr Euch noch? Es ist gar nicht so lange her, dass in Hamburg eine intensive Trainersuche stattfand, in deren Zusammenhang Namen von Arsene Wenger über José Mourinho bis hin zu Fred Rutten diskutiert wurden. Und als ich vom DSF zu Rutten befragt wurde, habe ich ein wenig flapsig gesagt: „Wer ist Fred Rutten?“ Das war aber gar nicht despektierlich gemeint, sondern sollte im Zusammenhang mit all den klangvollen Namen der Superstars nur Rutten als Nobody herausstellen. Beim DSF kam dieser Satz damals aber so gut an, dass er immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen ausgestrahlt wurde. Und jetzt kommt ausgerechnet dieser Fred Rutten mit dem PSV Eindhoven im Sechszehntelfinale der Europa League zum HSV. Wenn ich Bernd Wehmeyers Mimik bei der Auslosung richtig gedeutet habe, dann wusste er auch nicht so recht, ob er sich über dieses Los freuen sollte oder nicht. Aber Trainer Bruno Labbadia hat schon Recht: Man muss es nehmen, wie es kommt. Und wenn der HSV wirklich ganz weit in diesem Wettbewerb kommen will, muss er nach den Holländern auch noch Bilbao oder Anderlecht als Gegner im Achtelfinale ausschalten.

Das ist aber alles Zukunftsmusik, schließlich stehen die Spiele gegen Eindhoven erst im Februar 2010 an. Und bis dahin gibt es noch allerhand Wichtigeres zu erledigen. Ich sag nur: Nordderby, Nordderby, Nordderby und noch einmal Nordderby. Danach folgen die Entscheidung in Sachen Sportchef, die Wintervorbereitung und eventuell auch noch die eine oder andere Personalfrage.

Gestern war im Hause Springer übrigens Weihnachtsfeier. Meine Kollegen haben mir berichtet, dass es dort auch ein paar verbale Scharmützelchen in Sachen Nordderby gab. „Wenn die HSV-Fans ein paar Papierkugeln geschickt in den Werder-Strafraum werfen, könnte Hamburg sogar ein Tor treffen“ – so lautete der Gipfel aller übermütigen und natürlich nicht ganz ernst gemeinten Frotzeleien.

Wenn ich nun die beiden jüngsten Auftritte der Kontrahenten im Europapokal betrachte, vergleiche und meine Schlüsse daraus ziehe, dann stelle ich folgende Behauptungen auf. Erstens: Werder (das mit Twente Enschede auch ein Oranje-Team als Gegner in der Europa League gezogen hat) kommt als Favorit in die Nordbank-Arena. Zweitens: Claudio Pizarro ist trotz gerade erst überstandener Verletzung in Topverfassung und vom Papier her einen Schritt weiter als Mladen Petric auf HSV-Seite. Drittens: Die Standards der Bremer von Özil sorgen dank kopfballstarker Spieler wie Mertesacker, Bönisch und Naldo für Dauergefahr und sind mit den leider meist megaharmlosen Hereingaben des HSV nicht ansatzweise zu vergleichen.

Klingt nicht gerade zuversichtlich, oder? Stimmt. Aber trotzdem glaube ich aus HSV-Sicht an einen gelungenen Jahresabschluss am Sonntag. Denn Nordderbys gehorchen ja nicht irgendwelchen Trends, Statistiken oder Experteneinschätzungen (die meisten glauben an einen Werder-Erfolg), sondern entwickeln stets eine gewisse Eigendynamik. Und sie haben es in sich.

Ich hoffe, dass sich Bruno Labbadias Schachzug von Tel Aviv auszahlen wird. Der Großteil der Hamburger Mannschaft, allen voran so wichtige Spieler wie David Jarolim, Dennis Aogo oder auch Jerome Boateng, wird am Sonntag total ausgeruht in das Prestigeduell gehen. Gegen die spielerisch etwas reiferen und variabler agierenden Bremer lässt sich mit einer kämpferischen und läuferisch intensiveren Leistung einiges bewegen. Wie das geht, hat ja gerade erst Schalke 04 – und das sogar in Bremen – demonstriert.

Was die Aufstellung betrifft, erwarte ich im Vergleich zum Sieg in Nürnberg maximal eine Veränderung in der Startelf. Das heißt: Vor Frank Rost werden mit Guy Demel, Boateng, Joris Mathijsen und Dennis Aogo vier gestandene Größen stehen, davor mit Tomas Rincon und Jarolim die „Sechser“, links Marcell Jansen, rechts Tunay Torun oder Piotr Trochowski – und vorne drin Mladen Petric und Eljero Elia.

Dass „Troche“ nach seiner mehr als durchwachsenen Leistung in Israel überhaupt in Frage kommen könnte, liegt am Gegner. Ich habe fast den Eindruck, dass der Nationalspieler gegen fußballerisch starke Mannschaften besser zur Geltung kommt als im Liga-Alltag. Allerdings wäre es für Torun nach seinem guten Auftritt beim FCN ein mittelgroßer Schlag ins Kontor, wenn der Trainer ihn nun im Jahresabschlussspiel auf die Bank setzen würde. Mehr dazu morgen, nach dem Abschlusstraining.

Zum Schluss noch schnell zum Gewinnspiel, bei dem es eine Rekordbeteiligung gab. Allerdings haben auch viele daneben gelegen, weil sie dachten, dass Uwe Seeler beim 9:1 am Rothenbaum gegen Werder vierfacher Torschütze war. Das war aber Klaus Neisner. Und die tragische Derbyfigur war Ditmar Jakobs (ohne „ie“ und mit „k“ statt „c“). Das Trikot hat Petra Ehrhardt gewonnen. Gewinner der Karten ist Barne Warnken.

14:35 Uhr

Die B-Elf verliert 0:1

17. Dezember 2009

Als Frau M. um 18.58 Uhr Mickael Tavares, Wolfgang Hesl, Robert Tesche und David Rozehnal beim Auflaufen in Tel Aviv erblickte, legte sie sich zurück in das Sofa. Ich erkannte ein kurzes Fragen in ihren Augen, und einen leichten Hauch von Entsetzen. Deshalb fragte ich sie: „Was ist denn los? Gefällt dir an dieser Aufstellung irgendetwas nicht?“ Sie, immer noch mit ganz unnatürlich großen, fast ängstlichen Augen: „Der HSV wollte doch eigentlich Gruppenerster werden. So hat es der Trainer doch eben noch vor dem Anpfiff angekündigt. Aber wie soll das denn gehen? Da habe ich aber meine leichten Zweifel.“ Und dann kam es so, wie befürchtet, der HSV verlor in Tel Aviv 0:1 und ist nun am Ende doch nur Zweiter der Gruppe C der Europa League. Schade, da war deutlich mehr drin.

Wenn schon, denn schon: Ich hätte ja gerne noch Maximilian Beister gesehen, dazu noch Sören Bertram. Beide von Anfang an. Das hätte zu diesem vorweihnachtlichen Betriebsausflug doch noch ganz gut gepasst. So oder so, Bruno Labbadia wollte mit dieser Aufstellung ein Zeichen setzen. Richtung Werder. Getreu dem Motto: „Seht her, ihr lieben Bremer, wir können unsere besten Spieler auch schonen. Und zwar von Anfang an.“

Der Start der Hamburger B-Elf konnte sich auch durchaus noch sehen lassen. Alle Spieler waren viel in Bewegung, jeder wollte sich zeigen, so hatte es sich Bruno Labbadia offensichtlich auch erhofft. Das sah nicht nach Niederlage aus. Marcell Jansen legte nach seinen zuletzt überragenden Auftritten einen guten Start hin, der HSV stand eher vor dem 1:0, so hatte ich den Eindruck, als die Israelis. Bis Jansen nach zehn Minuten einen Elfmeter haben wollte, weil er im Hapoel-Strafraum zu Boden gegangen war. Danach ging es aber wirklich bergab. Mit Jansen und auch mit dem HSV. Fast logisch deshalb das Führungstor der Hausherren. Jansen beging den entscheidenden Fehler, als er einen langen Pass nicht abfangen konnte, Yeboah (ausgerechnet ein Stürmer namens Yeboah!) schob gegen Hesl ein; den HSV-Torwart traf keine Schuld, er wollte am Eck des Fünfmeterraumes den Winkel verkürzen.

Die einzig gute Tormöglichkeit vergab Marcus Berg, der prächtig von Mladen Petric frei gespielt worden war. Der Schwede zog aus elf Metern ab, aber viel zu unplatziert, Torwart Enyeama konnte problemlos halten. Aber da war deutlich mehr drin. Es fehlte dem Strafraum-Stürmer in dieser Szene der „Killer-Instinkt“.

Was auffiel: Im Hamburger Mittelfeld lief kaum etwas zusammen. Ein Wunder? Eigentlich nicht, denn in dieser Zusammensetzung haben die Herren ja kaum einmal zuvor gespielt. Von Tesche und Tavares konnte man keine Wunderdinge erwarten, Frau M. (inzwischen ja eine absolute Fachfrau) tat es auch nicht, ich ebenfalls nicht. Von Piotr Trochowski hatte ich mir mehr erhofft – Frau M. wahrscheinlich auch, obwohl ich sie noch nicht gefragt habe – aber da kam nichts. Der ein wenig aufs Abstellgleis geschobene Nationalspieler spielte mir zu körperlos, schoss auch nur zweimal auf das israelische Tor. Logische Konsequenz zur Pause: Labbadia ließ „Troche“ in der Kabine. Wie auch Tavares. Schonung für Bremen? Eher nicht.

Von Mladen Petric war auch nicht viel zu sehen, aber das kam für mich erwartungsgemäß. Er kann ganz einfach noch nicht so weit sein, obwohl er, das war schon überraschend, kämpferisch gegen Ende des Spiels noch zulegen konnte. Dennoch, ich lege mich da fest: Es war wichtig, dass der Kroate 90 Minuten lang dabei war, denn jede Spielminute bringt ihn seiner Bestform wieder näher. Was ich von Berg nicht behaupten kann. Nach vorne ging kaum etwas, bei Berg ging gar nichts. Ein solches Spiel wirft ihn eher zurück, als dass es ihn nach vorne bringt.

Apropos Berg: Er wurde in der 36. Minute böse von hinten von Ben Dayan umgegrätscht, aber der russische Schiedsrichter Nikolajew tat das mit einer lässigen Handbewegung ab – so wie es unsere Unparteiischen in der Bundesliga so oft zu tun pflegen. Es gab nicht einmal Freistoß, es gab lediglich Einwurf. Zu dieser Szene passend: Als Jansen in der 76. Minute Zehavi umsäbelte, hätte ein etwas strengerer Schiedsrichter auch leicht mal Rot ziehen können. Für mich ist s nach wie vor ein Phänomen, dass die Unparteiischen international mehr durch gehen lassen, als in der eigenen Liga, obwohl ich auch nicht weiß, wie dieser Herr in Russland pfeift. Das gebe ich natürlich zu.

Dass Labbadia zur zweiten Halbzeit mit Eljero Elia und Tunay Torun zwei offensive Kräfte brachte, das zeugte davon, dass er dieses Spiel doch nicht abschenken wollte. Und Frau M. lächelte auch schon wieder etwas mehr, denn: Der HSV schien wacher, williger, entschlossener. Und er übernahm eindeutig das Kommando. Torun hätte das 1:1 erzielen könne, fast müssen, als er in de 58. Minute aus elf Metern frei zum Schuss kam, den Ball aber mit seinem schwächeren linken Fuß in die Wolken beförderte. Und nur Sekunden später hatte Elia Torwart Enyeama bereits überwunden, aber Badir rettete auf der Torlinie. Das war Pech.
Der HSV drückte, aber der letzte Pass war oft zu ungenau, das erlösende Tor wollte einfach nicht fallen. Für Sonntag aufgespart?

Schiet-Wetter, Schiet-Ergebnis – abhaken, Werder wartet!

20.50 Uhr

“Didi” hat ihn – und die Sprechstunde

16. Dezember 2009

Erster! Damit kann sich nun Dietmar Beiersdorfer rühmen. Der ehemalige Sportchef des HSV ist bekanntlich in österreichischen RB-Diensten und seine erste Amtshandlung war, einen Sportchef zu finden. Und er hat schon einen! Für die Fußballer der New York Red Bulls. Es ist sogar ein Bekannter. Der Norweger Erik Soler, inzwischen 49 Jahre alt, kickte einst in der Saison 1984/85 für den HSV, brachte es im Mittelfeld auf 25 Erstliga-Einsätze. Der ehemalige Profi war zuletzt – gemeinsam mit einem Kumpel – Inhaber des norwegischen Klubs Start Kristiansand, zudem gehörte Soler eine Sport-Agentur. An ihn erinnerte sich „Didi“ Beiersdorfer nun, verhandelte mit ihm und erzielte Einigkeit. Der ehemalige Hamburger Soler ist nun bereits für die New Yorker tätig, denn die neue Saison in Amerika beginnt im März.

So, Ihr werdet es nicht gemerkt haben, aber wir sind nun am Anfang einer Sprechstunde. Es liegt viel an, wobei ich zugebe, dass ich ganz sicher noch nicht alles lückenlos aufgearbeitet habe. Verzeihung. Und wer sich mit einer Frage noch nicht wieder gefunden hat, sie aber unbedingt beantwortet haben möchte, der sollte sich nicht scheuen, sie (bitte, bitte) noch einmal zu stellen.

Und wo ich gerade bei Abbitte leisten bin: „Nebraska63“ hatte mir kürzlich den Unterschied zwischen „viel und fiel“ vor Augen gehalten – ein ganz bitterer Moment in der noch jungen „Matz-ab“-Geschichte. Ich gehe in mich, aber ich kenne nach 25 Jahren beim Abendblatt sehr wohl den Unterschied, erinnerte mich nur aus Zeitgründen nicht mehr rechtzeitig genug daran – auch weil es ja einige Drängler unter Euch gibt, denen die lange Warterei auf den Geist geht. Dafür habe ich durchaus Verständnis, mein Bestreben ist es deshalb, so schnell wie möglich mit dem nächsten Beitrag vom Hof zu kommen. Und dann bin ich eben fiel zu flusig – nein, im Ernst, ein wenig viel zu flusig.

So, zurück in die Sprechstunde, die erste Frage kommt von „illuminatus“: Warum heißt die HSV-Anlage Ochsenzoll und nicht Norderstedt. Das liegt eventuell daran (genau weiß ich es leider nicht), dass dort, wo das Gelände ist, eigentlich Niemandsland war. Flaches Land, keine oder kaum Häuser. Und Ochsenzoll hieß damals schon das untere Land Richtung Hamburg. Heute würde ich es dem Norderstedter Stadtteil Harksheide zuordnen, damals, das heißt 1965, als der ehemalige HSV-Präsident Paul Hauenschild seinem Klub das Gelände schenkte, lag die Fläche oberhalb von Ochsenzoll – also hieß es wohl auch Ochsenzoll. Bei Gelegenheit werde ich mich aber bei einem Alt-Norderstedter ganz genau erkundigen.

„Peter“ fragte, ob David Jarolim seine Lobeshmyne über David Rozehnal tatsächlich ernst meinen würde? Ich glaube ja, das hat auch nichts damit zu tun, dass die beiden Spieler Landsleute sind. Immerhin hat der Innenverteidiger einige Länderspiele mehr auf dem Buckel als der HSV-Kapitän, diese Tatsache wird von „Jaro“ offensichtlich anerkannt. Und: Er kennt Rozehnal sicher auch um einiges besser.

„Eiche Nogly“ erkundigte sich nach Lothar Matthäus, ob der eventuell Sportchef werden könne? Ich hoffe nicht. Sage ich ganz ehrlich. Auch wenn ich damit in die Gefahr gerate, dass mir der „Loddar“ mangelnden Respekt – ihm gegenüber – unterstellen dürfte. Der Herr Matthäus ist ein „Dampfplauderer“, er redet viel und sagt wenig, so stelle ich mir einen HSV-Sportchef nicht vor. Und wenn ich sehe, dass er bei jedem Fernseh-Interview stets und ständig eine Hand in der Hosentasche hat, fällt mir ohnehin nicht viel mehr zu ihm ein. Matthäus, nein danke!

„HSV Jonny“ hat einst eine Frage gestellt, die ich unbeantwortet ließ (sorry), aber das war auch nur flusig, hat nichts mit einem „Kassenpatienten-Dasein“ zu tun. Also, „Jonny“, bitte wiederhole Deine Frage. „Macke“ wollte wissen, was aus de ausgeliehenen Spielern am Ende dieser Saison wird? Sidney Sam, derzeit überragender Spieler des 1. FC Kaiserslautern, hat noch eine Saison lang einen Vertrag mit den Pfälzern (also bis Mitte 2011), Eric-Maxim Choupo-Moting kehrt (wohl), so ist es vereinbart, im Sommer 2010 aus Nürnberg zurück nach Hamburg, Änis Ben-Hatira aus Duisburg ebenfalls – wenn nicht noch über eine Änderung verhandelt wird.

„Dr Jimmy 69“ fragte, ob der Franzose Gerard Houllier noch in der Verlosung für den neuen HSV-Sportchef ist? Ich habe den Namen damals (2008) nur als HSV-Trainer gehört, nicht aber als Beiersdorfer-Nachfolger.

In diesem Zusammenhang wollte „Horst Schlau“ wissen, was mit Dieter Hoeneß (ehemals Hertha BSC und VfB Stuttgart) ist? Nichts, so denke ich, denn von Berliner Kollegen weiß ich, dass der „Bruder“ nicht halb so gut sein soll wie der Uli, und zudem hat Bernd Hoffmann nicht gerade das beste Verhältnis zu Hoeneß, weil der HSV ja in den vergangenen Jahren etliche Talent von Hertha „abgezogen“ hat, wenn ich da nur an Jerome Boateng denke. Ebenfalls zu diesem Thema passen die Fragen nach Thomas von Heesen und Uli Stein. Der HSV-Aufsichtsrat schweigt ja beharrlich, deswegen weiß niemand etwas Bestimmtes, aber: Stein stand meines Wissens nie auf der Liste, von Heesen auch nicht – was ich für fahrlässig halte, aber das ist ein anderes Thema.

„Volker Schindler“ verglich Piotr Trochowski und Marcell Jansen, was meiner Meinung nach nicht sein darf, denn beide Spieler haben eine total andere Spielweise. Trochowski ist dribbelstark, ist technisch super, ist aber auch nur halb so schnell wie Jansen, der wesentlich dynamischer ist. Beide allerdings haben einen unglaublich harten und präzisen Schuss. Und was Trochowski seinem Nationalmannschafts-Kollegen voraus hat ist die Tatsache, dass er mit links und mit rechts schießen kann – da kann Jansen (noch) nicht mithalten. Ich denke aber, dass sehr wohl beide Spieler gemeinsam in der HSV-Mannschaft zu Einsatz kommen könnten, der eine links, der andere rechts.

Angefügt sei die Frage von „Lupo“, der wissen wollte, was mit Piotr Trochowski los ist? Ja, das weiß keiner ganz genau. Ich persönlich glaube ja, dass er sich viele, viel zu viele Gedanken macht, und dadurch nicht (immer) zu seinem Spiel findet. Ich weiß ja, dass er bei Euch den einen oder anderen „Gegner“ hat, weil er einst ein wenig zu optimistisch von anderen Klubs im Ausland geplaudert hat, aber diese Phase ist längst vorbei. Ihr werdet hoffentlich festgestellt haben, dass „Troche“ zuletzt kaum noch ein Interview gegeben hat, auch nicht vor der Kamera – und das macht er mit Bedacht. Er schweigt seit Wochen beharrlich, wenn er um ein Interview gebeten wird, er macht um jedes Mikrofon einen großen Bogen, um so verlorenen Boden wieder gut zu machen. Ich hoffe, dass Ihr das honorieren werdet.

Nochmals „Eiche Nogly“ (wie immer fleißig!) erkundigte sich nach Ricardo Moniz. Ob der Technik-Trainer nicht eher etwas für junge Leute sei. Ist er (wohl) in meinen Augen in der Tat, ich sehe es jedenfalls so. Und nicht nur ich, denn ich unterhielt mich zu Jahresbeginn (also schon etwas her) mit einem etwas älteren Stammspieler über Moniz, und der sah es ganz genau so. Zumal die mitunter sehr laute und auch schroffe Art des Niederländers nicht immer bei jedem Spieler ein offenes Ohr findet. Übrigens: Der Vertrag von Ricardo Moniz, der ja 2008 von Martin Jol „mitgebracht“ wurde, läuft im Sommer 2010 aus, wie es dann weiter geht, steht in den Sternen, es gab noch keine Gespräche (jedenfalls bis vor einigen Tagen nicht).

„Tante Käthe“ (und einige andere „Matz-abber“) hatte Angst, dass Joris Mathijsen in der kommenden Winterpause zum VfL Wolfsburg wechseln könnte, aber diese Angst teile ich nicht, denn: Mathijsen will sich doch wohl nicht verschlechtern, oder? Also ich erkenne da keinerlei Gefahr, weiß aber natürlich, dass die Wolfsburger dringend den einen oder anderen Abwehrspieler benötigen, denn bislang spielen sie in dieser Saison noch total ohne.

„HSVboerni“ wollte wissen, warum Tolgay Arslan zu Saisonbeginn nicht für die Europa League gemeldet wurde. Ich hoffe nicht, dass ich jetzt etwas Falsches erzähle: Arslan kam zu Saisonbeginn aus Dortmund, spielte nicht so die Rolle, um ihn international zu melden (es dürfen 25 Spieler bei der Uefa gemeldet werden), denn niemand ging beim HSV von einer so langen Verletztenliste aus. Dass nun Maximilian Beister und Sören Bertram nachgemeldet wurden, liegt daran, dass sie nicht älter als 19 Jahre sind, und dass sie, so die Voraussetzung, mindestens schon zwei Jahre für den HSV spielen (in der Jugend also). Dieses Kriterium wurde von Arslan nicht erfüllt, andernfalls hätte auch er nachgemeldet werden können.

„Dylan 1941“ fragte mich, welche „Siegsserie“ ich bei Werder Bremen gesehen hätte. Tut mir Leid, für mich waren 23 Spiele, in denen der Klub von der Weser ungeschlagen war, eine ganz, ganz kleine Siegsserie – muss aber auch nicht sein. Ich lege auf dieses Wort keinen gesteigerten Wert.

„Benno Hafas“ und „HSV Jonny“ erkundigten sich nach dem nächsten Nähkästchen, „Jonny“ vermutete schon, ich hätte es bei „ebay“ versteigert, dem ist aber nicht so. Das nächste Nähkästchen folgt bestimmt, aber ich denke auch an die Weihnachtszeit, das wird ein wenig weniger Fußball gespielt, und trotz allem sollte es ja ein bisschen „Matz ab“ geben. Oder? Außerdem hatte ich, sensibel wie ich bin, den Verdacht, dass hier die Nähkästchen nicht immer auf wohlwollendes Verständnis stoßen. . .

„AndyCap“ fragte nach den Standards, die ja im Training stetig geübt werden, im Spiel aber noch lange nicht genug Gefahr einbringen. So ist es wohl. Dennoch sage ich: Es wird immerhin geübt, mehr, und das ist erfreulich. als in den vergangenen Jahren, aber gut Ding will auch in diesem Falle Weile haben. Es ist Geduld erforderlich, über Nacht ist da wirklich keine Wunderheilung zu erwarten. Leider.

„Martin“ wollte wissen, ob es Kollegen unter den Schreiberlingen gibt, die mit Bedacht Noten an Spieler vergeben, um damit einen gewissen Zweck zu erfüllen. Ohne näher ins Detail gehen zu wollen muss ich eindeutig antworten: ja! Das wollte mir Felix Magath damals gesagt haben, als er mir gegenüber zu gab: „Du kannst jeden Spieler mit den Noten kriegen.“ Weil, das berichtete er mir damals auch, die Spieler am Sonntag nach den Sonnabends-Spiele morgens in die Kabine kamen, dort lag die Bild am Sonntag – und alle stürzten sich wegen ihrer Noten darauf. Einige frohlockten, andere wiederum fluchten laut. . . So geht’s.

Bei der Gelegenheit: „Tante Käthe“ fragte auch danach, ob ich der Schreiberling sei, der kürzlich von Manfred Kaltz beschimpft wurde. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wenn die ewige Nummer zwei und ich uns getroffen haben, waren wir (auch kürzlich noch) eigentlich immer ein Herz und eine Seele. Damals, zu seiner Zeit, war ich einer von drei Schreiberlingen, die ihn auch privat anrufen durften. Also ich denke, dass ich damit nicht gemeint sein kann, kann mir aber auch nicht vorstellen, wen er damit gemeint haben könnte. Werde ihn mal ansprechen, wenn wir uns mal wieder treffen.

Die schon sehr alte Frage nach dem Verbleib von „Nando“ (sorry, geändert, die Redaktion – also Matz ab selbst) kann ich immer noch nicht beantworten, da ich den Spielerberater, der ihn damals nach Hamburg vermittelt hatte, nicht erreiche. Immer noch nicht. Oft versucht, nichts erreicht. Nur eine Frauen-Stimme aus Brasilien hörte ich immer wieder, und die sagte mir, dass ich diesen Herren zurzeit nicht sprechen kann. Wird aber dran geblieben, versprochen.

Die ebenso alte Frage, ob der HSV noch einen Psychologen beschäftigt, kann ich mit einem klaren „nein“ beantworten. Der letzte Trainer, der einen Mann dieser Art beschäftigte, war Thomas Doll, er brachte einen Psychologen namens Jürgen Lohr mit, nahm ihn später auch mit nach Dortmund. Aber auch dort, wie schon beim HSV, stieß seine Arbeit nicht oft (genügend) Gegenliebe. Bruno Labbadia verzichtet (noch) auf psychologischen Beistand, er ist selbst der Mann, der mit viel Einfühlungsvermögen mit seinen Leuten spricht.

„Digga“ wollte wissen, warum seine Kommentare nicht immer sofort erscheinen, sondern teilweise freigegeben werden müssen. Also: „Neulinge“, die erstmalig schreiben, müssen freigegeben werden. Und dann gibt es solche Fälle, dass manchmal ein „Alteingesessener“ hängen bleibt. Das ist vielleicht bei jedem 50. Beitrag der Fall, meiner Meinung nach wahllos – und wird dann von mir bereinigt. Nicht immer sofort, aber auch mir sollte der eine oder andere User zugestehen, dass ich nicht immer „auf Sendung“ bin, sondern gelegentlich etwas anderes zu tun habe – auch privat sogar. Quintessenz: Verzweifelt nicht, wenn es mal hakt, bewahrt die Ruhe, bringt Geduld auf und habt Verständnis für mich, dass ich eventuell auch etwas anderes zu tun habe.

So, das soll es erst einmal gewesen sein. Übrigens, die neue Bundesliga-Saison 2010/11 beginnt am 20. bis 23. August – für alle, die danach ihren Urlaub planen möchten.

Übrigens: Werders 3:0-Spaziergang gegen nur im Meckern großartige spanische Bubis in Bilbao gefällt mir gar nicht so sehr. Die Bremer wurden von den Basken gar nicht gefordert, das ist ja nicht einmal ein Trainingspielchen. Hoffentlich gibt es da keine ungleichen Voraussetzungen – obwohl ich es stark vermute. Allein schon wegen des um einen Tag späteren Spiels. Und wenn dann noch die Israelis ordentlich zur Sache gehen sollten, dann. . . Ich will es nicht beschreien.

Und nun eine allerletzte Anmerkung: In dieser Woche hat es noch keinen richtigen Zoff unter uns gegeben – toll! Und weiter so. Hat die Toleranz gesiegt? Oder ist es einfach nur die Ohnmacht? Die Kapitulation? Egal, ich freue mich darüber, auch deshalb, weil es zuletzt auch viele, viele sehr lesenswerte und inhaltsreiche Beiträge gegeben hat. Weiter so!

Ich melde mich, falls nicht etwas ganz Wichtiges, Eiliges oder Unvorhergesehenes passiert, nach dem Spiel in Tel Aviv wieder. Bis dahin wünsche ich allen einen schönen und erfolgreichen Tag, der mit einem HSV-Sieg enden sollte.

23,24 Uhr

Die Suche nach dem “dritten Mann”

16. Dezember 2009

Die Sache mit dem Sportchef. Irgendwie unheimlich für mich. Unheimlich langatmig. Wie damals die Suche nach einem neuen Trainer – bis nach Monaten Martin Jol denn schließlich gefunden wurde. Immerhin ein im europäischen Spitzenfußball klangvoller Name. Wenn es denn mit dem neuen Sportchef ähnlich läuft, könnte ich mich damit anfreunden – wenn. Aber das ist ja nicht garantiert. Mir schwebt ja immer noch vor, was mit ein HSV-Rat schon vor Monaten, als es noch warm war in Hamburg, über den neuen Sportchef sagte: „Wir werden keinen Anfänger nehmen, sondern einen Mann, der Erfahrung hat, der unseren HSV dann wieder zurück in die internationale Spitze führen soll.“ Klang damals gut, klingt heute auch noch gut – aber die Namen, die nun gehandelt wurden?

Sind das die Namen, die den HSV wieder ganz nach oben, auf Augenhöhe zu Manchester United, Real Madrid, FC Barcelona, FC Chelsea oder auch Arsenal London führen? Horst Heldt, Martin Bader Jörg Schmadtke? Ich habe da meine leisen Zweifel.

Die Suche (oder doch eher die Posse?) kann sich nun, so die Räte, noch bis in den Februar hinziehen. Und trotz aller Dementi ist Horst Heldt auch weiterhin ein heißer Kandidat für den HSV. Mir scheint es so, als wolle der frühere Mittelfeldstratege nur Ruhe beim zurzeit schwer angeschlagenen VfB Stuttgart einkehren lassen, denn würde er jetzt nach Hamburg wechseln, so bräuchte er sich im Ländle ganz sicher nie wieder sehen lassen.

Was für Heldt sprechen würde ist die Tatsache, dass ihn eins der große Felix Magath zum Sportchef beförderte, nachdem es auf dem Rasen nicht mehr so gut lief für den kleinen Dribbelkünstler. Und noch etwas spricht für Heldt: Magath wollte ihn auch damals mit zum VfL Wolfsburg nehmen, doch Heldt und Stuttgart verweigerten die Zusage – dann machte es Magath in Personalunion selbst. Aber dass Felix ihn haben wollte, dass ist der Beweis, dass Heldt nicht ganz so schlecht ist, denn ein Magath holt sich ganz sicher keine „Laus in seinen Pelz“.

Ob Heldt aber nach Hamburg passen würde? Und vor allem zu Bernd Hoffmann? Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ich frage mich allerdings auch, und das schon eine geraume Zeit, warum die Aufsichtsräte nicht mehr nach einer „internen Lösung“ Ausschau gehalten haben. Ihr habt Namen vorgeschlagen, ich habe vor Monaten meine persönlichen Favoriten genannt, aber die wurden allesamt ignoriert. Weil es ein „gestandener Sportchef“ mit Erfahrung sein sollte. Dieses Argument halte ich geradezu für absurd, für total lächerlich. Wir erinnern uns: Kürzlich trat der Vater aller Manager ab: Uli Hoeneß. War der vorher, bevor er den Job beim FC Bayern übernahm, auch schon ein „gestandener“ Manager mit unheimlich „großer Erfahrung“? Natürlich nicht. Und was war mit Heldt? Der war VfB-Spieler – bis Magath befand, dass es für die Leistung auf dem Rasen nicht mehr ausreichte – und dann wurde der nun so vom HSV umworbene Horst Heldt von einem Tag zum anderen VfB-Manager. So geht das in diesem Metier.

Und deshalb frage ich mich, warum es beim HSV nicht so geht? Ich hatte damals Richard Golz vorgeschlagen, noch immer in Lohn und Brot beim HSV. Und auch Thomas von Heesen, der zurzeit Trainer auf Zypern ist. Namen, die Stallgeruch haben. Aus Eurem Kreise kam der Vorschlag Nico Hoogma. Kurios: Der war zuletzt Spieler bei Heracles Almelo, dann – von einem Tag zum anderen – Manager von Heracles Almelo. Und? Habt Ihr Euch einmal angesehen, wo der einstige Abstiegskandidat, der über Jahre nur um den Klassenerhalt kämpfen und zittern musste, heute steht? Hoogma scheint keinen ganz so schlechten Job zu machen, oder? Obwohl er keine große Erfahrung in seinem neuen Job hatte.

Ich behaupte ja, dass Männer, die über Jahre Erfahrungen im Profi-Fußball-Bereich gesammelt haben, und die dazu viel „in der Birne“ haben (wie Golz, von Heesen und Hoogma), geradezu prädestiniert dafür sind, als Manager zu arbeiten. Wenn sie dazu auch noch den HSV wie ihre Westentasche kennen, kann das ja nur von Vorteil sein. Dann allerdings müssten die Herren Räte, die nach dem ganz großen Namen fahnden, eben noch kurz über ihre Schatten springen und sich zu einer solchen internen Lösung durchringen. Das wollen sie aber ganz offensichtlich nicht.

Wobei ich mich frage, nach welchen Kriterien die Suche bislang ging – und wie sie nun weitergehen soll? Denn wer hatte einst die Idee, Roman Grill, einen „gestandenen und erfahrenen Manager“ (???) beim HSV als Sportchef zu installieren? Grill, der schon unheimlich viele Erfahrungen im Profi-Fußball gesammelt hat (???), fiel zum Glück durch das Raster, aber wer garantiert, dass es nicht irgendwann einen neuen „Grill“ geben wird?

Eine weitere Frage ist übrigens auch die: Braucht der HSV überhaupt einen neuen Sportchef? Funktioniert es nicht auch mit der Doppelspitze Hoffmann/Labbadia? Bislang klappte das doch, warum müssen Millionen ausgegeben werden, um den „dritten Mann“ zu finden? Und: Hat der HSV nicht eventuell schon einen Kandidaten, ohne dass er bisher entdeckt wurde? Ich meine nicht nur Richard Golz, sondern auch einen weiteren ehemaligen Profi: Marinus Bester. Er wurde mir kürzlich von einem einst ranghohen HSVer zugeflüstert – und ich muss sagen, dass ich Gefallen an diesem Namen und an dieser Vorstellung gefunden habe. Bester war Stürmer bei etlichen Vereinen, hat also eine gewisse Erfahrung gesammelt, und er bekleidet seit Jahren schon den Posten des HSV-Teammanagers, leistet auf dieser Position gute bis ausgezeichnete Arbeit – weil auch er „etwas in der Birne“ hat.

Meine Herren Räte, nehmt doch bitte, bitte einmal die Scheuklappen ab, sucht nicht nur nach den „ganz großen (???) Namen wie Heldt, Bader, Schmadtke oder Grill (statt Hoeneß, Netzer und Co), sondern seht Euch auch einmal in den eigenen Reihen um. Vielleicht könntet Ihr Euch dann eines Tages mit dem Prädikat schmücken, den Nachfolger von Uli Hoeneß entdeckt zu haben. Ihr, Ihr ganz allein.

Kleine Anmerkung am Rande: Das “Matz-ab”-Treffen am 19. Februar findet, das wurde ja kürzlich hier und an dieser Stelle beschlossen, um 19 Uhr (in der Raute)  statt. Und: Selbstverständlich könnt Ihr noch immer dabei sein, es gibt dafür keinen Anmeldeschluss.

12.50 Uhr

Boateng ist zentral am stärksten

15. Dezember 2009

Die Spannung hält – und zwar bis Sonntagabend. Da bin ich mir seit der heutigen Trainingseinheit sicher. Nach dem grandiosen Erfolg in Nürnberg hat sich zwar eine Art Verkrampfung gelöst, die die Mannschaft irgendwie ein paar Wochen lang nervte, aber die Verbissenheit und die Zielstrebigkeit haben einen zusätzlichen Schub bekommen. Bei der Einheit neben der Nordbank-Arena ging es wirklich munter her. Sehr zum Leidwesen der Green Keeper. Hatte ich das Stadion für Sonntag zur papierfreien Zone ausgerufen (wegen der ominösen Kugelgefahr…), darf der Trainingsplatz im Bereich des ersten Intensivspiels (vier gegen vier) fast zur rasenfreien Zone erklärt werden. Hier eine Grätsche, da ein packender Zweikampf – so machte Trainer Bruno Labbadia das Zuschauen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt sichtlich Spaß. Allerdings stand er als Schiedsrichter auch selbst einige Male im Mittelpunkt und hatte bei seinen Entscheidungen nicht immer ein glückliches Händchen.

Vor der Abreise nach Tel Aviv am Mittwochmorgen muss ich einen Spieler des HSV-Kaders noch einmal ganz besonders hervorheben: Jerome Boateng. Was der Jung-Nationalspieler momentan zeigt, ist nur als absoluter Höhenflug zu bezeichnen. Im Abwehrverbund glänzt er durch konsequente Klärung von Gefahrensituationen, und gerade im Training zeichnet sich der Berliner immer wieder auch durch starkes Vorpreschen in die Offensive aus. Den knapp 50 Trainingszuschauern bot sich heute Vormittag gleich mehrfach ein Bild zum Staunen und Schmunzeln. Boatengs Team fing den Ball ab, der Abwehrmann sprintete nach vorne und vollstreckte zweimal spektakulär. Einmal tänzelte „Boa“ danach wie Fred Astaire in besten Zeiten, ein anderes Mal jubelte er mit „Hang Loose“, dem Surfergruß mit ausgestrecktem Daumen und kleinen Finger. Er hatte Spaß, das war nicht zu übersehen. Und seine Teamkollegen auch.

Ich hoffe nur, dass Bundestrainer Joachim Löw in den Monaten vor der WM (vorzugsweise vielleicht sogar am Sonntag gegen Werder Bremen) noch mal im Stadion sein wird, wenn Boateng im HSV-Trikot gegen Topvereine agiert. Und zwar als Innenverteidiger.

Warum ich das so betone? Ganz einfach: Ich glaube, vielen Bundesligaexperten ist gar nicht bewusst, welch’ Qualitätsmerkmale Boateng auf dieser Position aufweist. Ich vertrete sogar mittlerweile die Auffassung, dass er als Rechtsverteidiger „verschenkt“ ist. Nicht, dass Boateng auf dieser Position nicht auch starke Partien absolvieren könnte und dies auch schon getan hat. Aber sein immer besseres Stellungsspiel, seine gewonnene Routine und seine Handlungsgeschwindigkeit kommen im Zentrum neben Joris Mathijsen eben doch am besten zur Geltung.

Außerdem fällt mir da in Sachen Nationalmannschaft ein übles Beispiel ein: Arne Friedrich. Der Berliner war mal ein ganz passabler Innenverteidiger, der sich auf dieser Position auch für die DFB-Auswahl empfahl. In der Nationalelf rutschte er dann wie auch einige Male bei Hertha BSC auf die rechte Seite heraus. Und dort verlor er meines Erachtens über Wochen und Monate alles, was ihn einst mal auszeichnete. Er wurde rechts hinten aber nicht mehr als Notreserve betrachtet, sondern als Alternative. Und davon sollte Boateng möglichst verschont bleiben.

Viele von Euch erwarten nun wahrscheinlich noch spannende Infos zur Sportchef-Suche und den heiß gehandelten Namen Horst Heldt, Martin Bader oder auch den in der BILD genannten Jörg Schmadtke. Dazu kann ich Euch allerdings noch nichts sagen. Und ein wenig Geduld können wir nach den Sportchef-freien Monaten ja nun sicherlich auch noch aufbringen. Heute Abend trifft sich der Aufsichtsrat, und anschließend werden bestimmt ein paar News nach außen drängen.

Ein Thema, das mindestens so interessant ist, dürfte die Spieler-Personalplanung sein. Meine aktuellsten Informationen besagen, dass der HSV in der Winterpause auf jeden Fall noch eine Offensivkraft verpflichten will. Ja, ja, ich sehe einige von Euch schon lechzen. Schreibt er was von van der Vaart? Oder etwas von Klose? Oder von Kuranyi? Nein, ich tue es nicht. Ich habe gehört, dass sich der HSV europaweit nach potenziellen Kandidaten – auch auf Leihbasis (in England) – umschaut und/oder bereits erkundigt hat.

Dieser Schritt ist ja auch nachvollziehbar, zumal ein Comeback von Paolo Guerrero nach wie vor fraglich und schwer zu terminieren ist. Und mit dieser „Unbekannten“ wollen und können die Trainer und Verantwortlichen natürlich nicht in die Zukunft gehen.

13:10 Uhr

Das Vorbild Torun

14. Dezember 2009

Auf dem Rasen am Volkspark trainierten Wolfgang Hesl und Tom Mickel. Nebenan war Jonathan Pitroipa mit Reha-Trainer Markus Günther am Ball. Mehr war nicht los. Eine halbe Stunde lang jedenfalls. Dann kehrte die Mannschaft, angeführt von Bruno Labbadia, vom Waldlauf an die Nordbank-Arena zurück. Dort angekommen, trennte sich die Spreu vom Weizen: Der Stamm lief in die Kabine, die Ersatzleute trotteten auf den Rasen. Am Ende dieser Reihe: Piotr Trochowski. Glücklich sah der Nationalspieler nicht aus, und er war es ganz sicher auch nicht. Das sind zurzeit harte Tage für ihn, denn so hatte er sich den Jahresausklang ganz sicher nicht vorgestellt, aber offensichtlich ist es so, dass der Trainer keine Rücksicht auf große Namen nimmt.

Gut möglich allerdings, dass „Troche“ am Donnerstag, beim Europa-League-Spiel in Israel, wieder von Beginn an spielen wird. So paradox es sich auch anhört: Labbadia wird sicher den einen oder anderen „wichtigen“ Spieler schonen, um ihn für Sonntag bei 100 Prozent zu haben. Wobei, ich höre jetzt schon den Aufschrei von einigen von Euch, der Coach natürlich weiß, wie wichtig der erste Platz in der Gruppenphase ist, denn so umgeht man einem Tabellendritten der Champions League. Aber das eine was man will, das andere was man kann. Geht es gegen Bremen schief, sind die „Quarker“ ganz sicher in der Überzahl, die meinen, man hätte donnerstags in Israel doch besser rotieren müssen. . .

Aber, und das halte ich für ganz wichtig, Bruno Labbadia mit den Gedanken spielt, den einen oder anderen jungen Mann in Tel Aviv von der Leine zu lassen. Der Coach denkt an Maximilian Beister und eventuell Sören Bertram (so er sich schulisch aus Hamburg lösen kann). Und den Mut des Trainers halte ich für super-stark. Die jungen Knaben müssen sich dann in einem ganz wichtigen Spiel beweisen, sie müssen sich durchbeißen und können sich nicht lässig zurücklehnen, weil es sich nur um ein „Freundschaftsspiel“ handelt. Früh übt sich, was ein Meister werden will.

So wie es Tunay Torun jetzt schon (fast) ist. Auch hier ein dickes Kompliment, Herr Labbadia, der talentierte Stürmer spielt beinahe schon auf Augenhöhe mit den großen Stars dieser Mannschaft. Da wächst ein Angreifer heran, an dem der HSV (hoffentlich) noch viel Freude haben wird. Ich hatte es zum Glück schon Tage vor dem Nürnberg-Spiel geschrieben, dass Torun frisch, frech, frei und unbekümmert im Training aufdribbelt, dass er dagegen hält, dass er sich nichts „gefallen“ lässt – im Gegenteil, dass er mitmischt wie ein „Alter“. Und genau so hat er in Nürnberg gespielt – einfach nur toll.

Für mich waren nicht Eljero Elia und Marcell Jansen die Spieler dieser 90 Minuten, obwohl sie natürlich meisterlich und überragend aufgezogen haben, für mich war es Tunay Torun. Vor Wochen schon habe ich den jungen Türken von der Statur her mit dem jungen Uwe Seeler verglichen, beim 3:0 gegen den Club zog Torun nun schon so ab, wie einst „uns Uwe“ in seinen besten Zeiten. Es war wirklich herrlich anzusehen. Schade nur, dass der Sky-Reporter meinte, dass dieser Schuss haltbar gewesen sei, in meinen Augen war er es nicht.

Die Szenen danach waren herrlich, als Elia sich vor Freude auf den Rasen setzte. Viel schöner aber war anzusehen, wie sehr sich die Mitspieler über diesen Treffer gefreut haben, wie sie kamen, um dem jungen Torschützen zu gratulieren. Da merkte man, wie sehr Tunay Torun schon ein wichtiger Bestandteil dieser HSV-Mannschaft geworden ist.

Kurios – oder auch komisch – war für mich, dass ich nach dem 3:0 des HSV am Sonnabend sofort an Hamburgs Verbandstrainer Uwe Jahn denken musste. Der, seit 14 Jahren in unserer Stadt im Amt, war kürzlich mit einer chinesischen Delegation an der Arena, um dem HSV-Training beizuwohnen, und er schwärmte mir dabei von Tunay Torun war. Und zwar in den höchsten Tönen. Jahn hält die größten Stücke auf den HSV-Stürmer, der Verbandscoach hat ihn seit der frühesten Jugend begleitet und sagt über ihn: „Er hat alles, was ein Stürmer braucht, er ist schnell, kann etwas am Ball, er kann großartig schießen, und er hat den unbedingten Willen, sich durchzubeißen.“ Jahn zum Abschluss dieser Lobeshymne: „Ich würde mich allein deswegen für Tunay freuen, wenn er es packt, weil damit endlich mal ein eigenes HSV-Talent den Sprung zu den Profis geschafft hätte.“ So ganz nebenbei, ich weiß nicht, ob es allen von Euch aufgefallen ist; Torun ist bei Bruno Labbadia auch ein wichtiger Schütze für die Standards geworden. Auch das ist ein Zeichen, dass der Coach ihm schon viel Verantwortung überträgt, dass er bereit ist, ihm schon jetzt viel Verantwortung zu geben. Ein hervorragendes Zeichen.

Der 19-jährige Torun, der hoffentlich nicht abheben wird, sollte allen jungen Spielern des HSV, die sich mit dem Gedanken tragen, in Hamburg Karriere machen zu wollen, ein leuchtendes Vorbild sein. Und er sollte für Bruno Labbadia ein Anreiz sein, weiter so mit dem Talentschuppen zu verfahren. In jüngster Vergangenheit hat kein HSV-Trainer so viel Mut bewiesen, junge Kräfte in Feuer zu schicken – wie Labbadia. Okay, okay, Ihr werdet jetzt sagen, dass der Trainer ja auch gar keine andere Wahl hatte, denn die Verletztenliste war ja viel zu lang, aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Fest steht, dass kein Huub Stevens und kein Martin Jol so viel Mut bewiesen hat, auf auch nur ein Talent zu bauen. Immerhin hing auch zu Beginn des Jahres 2009 ein Tomas Rincon lange Zeit in der Luft, ohne Beachtung zu finden. Bei Labbadia hat er auch gebraucht, aber er hat es immerhin gewagt – und wurde belohnt. Und ein Beister und ein Bertram sind auch so dicht wie nie an der Profi-Truppe. Von Tolgay Arslan und Torun ganz zu schweigen.

Beim heutigen Training war „Benno Hafas“ eine zeitlang an meiner Seite, er bekam es mit, dass ich mit einem Bundesliga-Schiedsrichter (der zu den arrivierten Leuten gehört!) telefonierte. Ich erzähle es deswegen, weil es beweisen soll, dass es keine Luftblase ist: Dieser Unparteiische, den ich bewusst nicht mit seinem Namen nenne (wegen der Befangenheit), hat den HSV sehr gelobt und abschließend gesagt: „Wenn die Mannschaft wieder total komplett ist, dann ist sie großartig, dann kann sie um den Titel mitspielen.“ Dem ist von meiner Seite aus nichts hinzuzufügen.

Noch eine kleine Anmerkung am Rande: Der kleine Lukas, der sich kürzlich eine Homepage mit dem Namen Tunay Torun zugelegt hat (http://tunaytorunfanwebsite.de.tl), freut sich wie ein Schneekönig. Er hat auf den richtigen Namen gesetzt, hat ein Näschen bewiesen – und erfreut sich vieler neuer User. Glückwunsch.

Übrigens: Auch einen herzlichen Glückwunsch dem Sieger, der die Abendblatt-Sonderedition „Nur der HSV“ ersteigert hat. Das Exemplar mit der Nummer 003 (von 1000 limitierten Büchern) hatten die HSV-Profis (der Saison 2009/2010) mit ihren Original-Unterschriften versehen, es wechselte für 3333 Euro den Besitzer. Das Geld wird der Abendblatt-Aktion „von Mensch zu Mensch, Kinder helfen Kindern“ gespendet. Vielen Dank dafür.

So, und nun ganz zum Schluss: Danke für die vielen positiven Fußball-Beiträge der letzten Stunde (sehr erfreulich, waren viele sehr gute Sachen dabei!), danke für die Toleranz, die offensichtlich wieder Einzug gehalten hat, danke an „Dr. Jimmy 69“ (und nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!), Dank auch ausdrücklich an die spaßigen und witzigen Beiträge, die diesen Blog dann doch nicht ganz so bierernst machen, und: Lasst bitte am Sonntag jegliches Papier zu Hause, damit es auf keinen Fall eine Kugel auf dem Rasen der Arena geben kann. . .

Morgen ist um 10 Uhr Training, das letzte vor dem Tel-Aviv-Spiel in Hamburg.

17 Uhr

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