Tagesarchiv für den 28. Dezember 2009

Hinrunden-Bilanz – Teil eins

28. Dezember 2009

Jetzt geht es auf die Schulbank. Bei „Matz ab“ werden Noten für das erste Halbjahr der Saison 2009/10 verteilt. Der Kollege Christian Pletz, der immer dann eingesprungen ist (und einspringen wird), wenn ich verhindert war (oder bin), und ich, wir haben uns Gedanken über eine Bewertung aller HSV-Spieler unter der Regie von Trainer Bruno Labbadia gemacht. Wir haben eifrig diskutiert und haben uns dann, gelegentlich nach einem kleinen Kampf, auf die Note geeinigt. Heute beginnt Teil eins mit der Defensivabteilung.

Frank Rost: Der Routinier hat bislang alle 17 Bundesliga-Spiele von der ersten bis zur letzten Minute bestritten. Und er war dabei stets ein großer und großartiger Rückhalt. Rost hat sich nicht einen einzigen großen Patzer erlaubt, hat aber seiner Mannschaft sehr wohl den einen oder anderen Punkt gerettet. Der 36-jährige Keeper spielt seine ganze Erfahrung besonders in den Duellen Mann gegen Mann aus, er zeichnet sich zunehmend durch seine große Ruhe aus, er motiviert und dirigiert aber immer dann, wenn er es für angebracht hält – Rost hat dafür das nötige Feeling.
Note zwei.

Wolfgang Hesl: Ganz klar, die Nummer zwei des HSV hat einen Sprung nach vorn gemacht, er hat sich in diesem Jahr weiterentwickelt. Das konnte er zwar nur in bislang vier Spielen der Europa League unter Beweis stellen, aber der HSV könnte sich – sollte Frank Rost einmal ausfallen – auf jeden Fall auf seinen Ersatzmann zwischen den Pfosten verlassen. Hesl beeindruckt zudem auch im Training mit hervorragenden Paraden, er fliegt teilweise meisterlich von Pfosten zu Pfosten, so dass auch die „Kiebitze“ ins Staunen kommen und ins Schwärmen geraten.
Note 2,5.

Collin Benjamin: Vier Einsätze in der Europa League, null in der Bundesliga – ein Kreuzbandriss stoppte den Allrounder. Der HSV hat mit seinem dienstältesten Profi bereits um ein Jahr verlängert, und das ist auch gut so. Auf Benjamin war und ist immer Verlass, der ehemalige Elmshorner kann auf jeder Position spielen, das hat ihm stets die Sympathien seiner Trainer eingebracht. Zudem ist „Collo“ ein Liebling der Fans, weil er nett, höflich und immer ein Mensch geblieben ist – ein Vorbild-Profi zum Anfassen.
Note 3.

Guy Demel: Er war, auch das muss festgehalten werden, schon einmal wesentlich besser als in dieser Saison. Der Ivorer hat (wahrscheinlich) hinten rechts seine Position gefunden, aber so richtig überzeugen konnte er bislang in keinem der 17 Erstliga-Spiele. Demel. Inzwischen auch ein Liebling der Nordtribünen-Fans (und nicht nur der), könnte ganz sicher noch viel, viel mehr. Wird er vom Gegner wütend gemacht, dann wiegt er „fünf Zentner“, dann ist er so richtig in Rage und fährt hart und eiskalt dazwischen. Dann, so hat es den Anschein, spielt er seinen bulligen Körper zu seinem Vorteil aus. Leider zu selten. Und: Auch im Offensivspiel verzettelt er sich zu oft, da müsste eindeutig viel mehr von ihm kommen, zumal er als technisch versierter Spieler gilt. Was auch auffällig war: Guy Demel war in einigen Szenen zu wehleidig.
Note 4.

David Rozehnal: Der Tscheche mit der „großen“ Vergangenheit. Der Innenverteidiger hat sich (bislang) in vielen Ländern und vielen, vielen Klub versucht, so auch beim FC Brügge, Paris St. Germain, Newcastle United und Lazio Rom, er hat zudem die stolze Zahl von 59 Länderspielen auf dem Buckel – aber (auch) in Hamburg scheint er immer noch nicht richtig angekommen zu sein. Viele Fans und einige Experten haben Rozehnal schon als Fehleinkauf eingestuft, allerdings sorgte er mit seiner Vorstellung gegen Werder Bremen (als Einwechselspieler) für etliche Grübeleien, denn da zeigte er erstmalig, was so richtig in ihm steckt. War das die Wende zum Guten?
Note 4,5.

Jerome Boateng: Deutschlands zurzeit bester Defensivspieler. Der ehemalige Herthaner hat sich innerhalb des vergangenen Jahres enorm verbessert, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken und dürfte auch in der Nationalmannschaft – bei der WM in Südafrika – seinen Platz sicher haben. Unter Martin Jol war Boateng in der vorangegangenen Spielzeit noch ein Wackelkandidat, weil der Trainer eine gewisse Lethargie an seinem Abwehrspieler erkannt hatte, dieses vermeintliche Manko hat Jerome Boateng aber zuletzt mehr und mehr abgelegt.
Note 2.

Joris Mathijsen: Der Dauerbrenner, denn er hat, gemeinsam mit Frank Rost und Dennis Aogo, alle 17 Bundesliga-Spiele von der ersten bis zur letzte Minute bestritten. In den meisten Fällen sehr souverän und routiniert, mit Ruhe und mit Übersicht, oft als Fels in der Brandung. Letzteres gilt vor allen Dingen für jene Spiele, in denen David Rozehnal sein Nebenmann war. Mit Jerome Boateng an seiner Seite wirkt Joris Mathijsen viel sicherer. Gelegentliche Schwächen in Sachen Schnelligkeit macht er durch gutes Stellungsspiel und durch kompromisslose Zweikampfführung wieder wett.
Note 2,5.

Dennis Aogo: Auch er ist aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Als Abwehrmann der linken Seite geht er mit einer fast schon überragenden Technik zur Sache, er hat sich in der Defensive stark verbessert und spielt seine große Stärke, die offensiven Vorstöße über die Linksaußenposition, immer häufiger aus. Viel Gefühl bei den Flanken, leicht verbesserungswürdig noch die Standards, obwohl er auch dort zuletzt zugelegt hat. Aogo dürfte der nächste Nationalspieler des HSV sein – die Fans drücken die Daumen, dass er für Deutschland spielen wird.
Note 2,5.

Bastian Reinhardt: Glänzt im Moment nur als Praktikant der HSV-Geschäftsstelle, aber das soll sich im Januar wieder ändern. Der eiserne Innenverteidiger sucht nach seinem zweiten Mittelfußbruch um Anschluss, der Start dazu soll im Trainingslager in Belek (Türkei) erfolgen. Der HSV dürfte, sollte Reinhardt wieder bei 100 Prozent landen, durch dieses Comeback eine weitere Verstärkung erfahren, denn auf den guten und routinierten „Basti“ war stets Verlass.
Ohne Note.

Alex Silva: Ähnlich wie bei Bastian Reinhardt, auch der Brasilianer kämpft nach seinem zweiten Kreuzbandriss immer noch um Anschluss, auch er dürfte in der Rückrunde wieder zur Mannschaft stoßen, wenn auch nicht gleich zu Beginn. Die Frage wird dann sein, wie sich Alex Silva wird in Szene setzen können, denn seine bisherigen Leistungen in Hamburg waren bislang keineswegs überzeugend. Er selbst träumte eins vom AC Mailand, aber bis dahin dürfte es noch ein langer und schwieriger Weg sein.
Ohne Note.

Die Talente:

Tom Mickel: Der 20-jährige Torwart trainiert ständig bei den Profis mit, und da, das wissen Insider, glänzt auch er teilweise mit großartigen und mitunter spektakulären Paraden. Ein Mann für die Zukunft des HSV.

Henrik Dettmann: Abwehrspieler der Zweiten, gefiel gelegentlich bei den Trainingsspielen zwischen den Profis und den Amateuren. Die Trainer werden den 19-Jährigen zu beachten haben.

Gerrit Pressel: Ebenfalls ein Mann der Zweiten, spielt in der Abwehr links und gefällt durch seine Schnelligkeit und seine gute Technik. Der 19-Jährige wird aber körperlich noch deutlich zulegen müssen, wenn er den Sprung zu den Profis schaffen will.

16.20 Uhr