Tagesarchiv für den 25. Dezember 2009

Weihnachtliches Nähkästchen

25. Dezember 2009

Frohes Fest! Wie versprochen ein ganz kleines Nähkästchen. Kurz deshalb, weil ja Weihnachten ist, da möchte ich Euch auch nicht überfrachten. Und erst noch ein kurzer „Abstecher über die Dörfer“. Wie Weihnachten muss es Marcell Jansen vorgekommen sein, dass der Bundestrainer einen Tag vor Heiligabend über den HSV-Profi und die WM in Südafrika gesprochen hat. Jogi Löw stellt Jansen die Teilnahme in Aussicht. Mir ist das, ehrlich gesagt, ein wenig zu wenig, denn wenn Marcell Jansen die Form beibehält, die er zuletzt an den Tag gelegt hatte, dann muss der Hamburger ganz einfach mit. Und Ende.

Dann möchte ich noch auf einen besonderen Termin hinweisen: Am 2. und 3. Januar findet in der Sporthalle Hamburg in Alsterdorf das große Turnier um den Schweinske-Cup statt. Seit einigen Jahren macht ja der HSV einen großen Bogen um diese Veranstaltung, doch das Team um Wolfgang Engelmann, Peter Sander und Horst Peterson fand nun eine Möglichkeit, einen Hauch von HSV in das Turnier zu bringen. „Nico and friends“ sind dabei: Nico Hoogma, Stig Töfting, Martin Groth, Roy Präger, Andreas Fischer und einige Altmeister mehr. Wer Lust auf Nostalgie hat, wer diese alte Recken noch einmal hautnah erleben will, der sollte sich in Alsterdorf einklinken, die Veranstaltung hat es verdient, denn es ist für mich immer das besondere „Turnier mit Herz“ gewesen. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe unzählige Hallen-Kicks mitgemacht, nirgendwo war es so herzlich wie in Alsterdorf.

Dann ist es mir ein Herzensbedürfnis, Euch für die vielen, vielen netten Weihnachtswünsche, Beiträge und Gedichte zu bedanken. Ihr seid einmalig, das ist sensationell! Wo soll das enden? Was geht hier ab? „Matz ab“ fördert ganz stark die deutsche Dicht-Kultur, wird hier ein neuer Goethe für die Abteilung Fußball geboren? Drohungen – zumal an den Festtagen – sind mir allerdings absolut zuwider, auch oder vor allem in Prosa, muss ich mal kurz und ganz nebenbei bemerken!

Vielen Dank auf jeden Fall denjenigen “Matz-abbern”, die sich dieser Sache positiv verschrieben haben, es macht riesigen Spaß, das alles zu lesen. Und auch Frau M. war gerührt, dass Ihr so oft an sie gedacht habt. Übrigens: Sie wird sich noch überlegen, ob sie am 19. Februar mit in die Raute kommt – ausgeschlossen ist das nicht mehr. Eventuell muss sie Lilo und Traute überreden, damit sie nicht so ganz allein ist – denn ich werde an diesem Abend ja ganz sicher „auf Wanderschaft“, hier ein Schnack, dort eine kleine Klönerei, um die Ecke auch ein tiefsinniges Gespräch (über Psychologie im Fußball?) usw., durch die Raute sein.

Apropos Gespräch. Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest traf ich im Herold-Center in Norderstedt den früheren HSV-Verteidiger Tobias Homp. Mit ihm beginnt nun dieses Nähkästchen, „Hompi“ war ein als Profi immer ein Mensch zum Anfassen, Arroganz war und ist ihm bis heute fremd, er ist einfach nur ein netter Kerl. Wir sprachen natürlich über alte Zeiten, was ich für fast unglaublich halte: Tobias Homp spielt mit seinen nun 46 Jahren immer noch Leistungsfußball, er kickt für den SV Henstedt-Rhen in der Oberliga Schleswig-Holstein.

Was mich immer mit Homp verband? Das war eine Begebenheit während seiner Zeit beim HSV. Er kam eines Tages aus der Kabine im Leistungszentrum Ochsenzoll und schimpfte still vor sich hin. Das war so ganz und gar nicht seine Art, Tobias Homp ist ansonsten still, ruhig, bescheiden, zurückhaltend. „Was hast du denn?“, fragte ich ihn, und es sprudelte aus ihm heraus: „Ich habe mich eben mit Manfred Kaltz angelegt. Der putzt sich immer bei laufendem Wasser die Zähne. Ich habe ihn schon oft darauf hingewiesen, dass das Wasser immer knapper wird, dass man es nicht einfach laufen lassen darf, denn Wasser ist kostbar geworden. Aber was macht Manni? Er putzt und lässt Wasser laufen. Das kann ich nicht begreifen.“

Ich gebe zu: In diesem Moment überkam auch mich das große Schweigen, zudem überfiel mich das schlechte Gewissen, denn: Ich hatte meine Zähne bis zu diesem Tag auf die Kaltz-Art geputzt: Wasser marsch. Ohne nachzudenken. Von diesem Tag an aber war das vorbei. Jeden Morgen, jeden Abend habe ich an Tobias Homp gedacht, ernsthaft. Und ich habe mich selbst erzogen. Seit diesem Tag lief nicht einmal mehr das Wasser beim Putzen, auch nicht im Hotel, auch nicht in fremden Ländern – denn Wasser ist in der tat ein kostbares Nass, das kein Mensch auf der Welt einfach so vergeuden sollte.

Übrigens: Tobias Homp verriet mir kürzlich auch, dass er im Trainingslager und auch vor den Spielen stets ein Hotelzimmer mit dem großen Manfred Kaltz teilte: Rechtsverteidiger und Linksverteidiger. Was niemand wusste, aber wohl viele ahnten: Beide sprachen ja auch im richtigen Leben nur das Notwendigste, doch auf dem Zimmer herrschte die totale Stille. Tobias Homp sagte zu meinem Erstaunen: „Manfred Kaltz hat erst nach zwei Jahren, die wir bis dahin auf einem Zimmer verbracht hatten, mit mir gesprochen. Vorher hatte immer Funkstille total geherrscht.“ Wer hätte das gedacht? Oder auch nur vermutet? Eigentlich eine unglaubliche Geschichte, aber wahr.

Um noch einmal auf Kaltz zurück zu kommen: Ich hatte ja vor einigen Tagen nach Eurer absoluten HSV-Mannschaft gefragt, also mit Spielern von heute, gestern und vorgestern. Es gab ja einige Namen, die da eingestreut wurden, aber eine richtige Mannschaft war das nicht. So mit „Butter bei die Fische“, konsequent nur elf Namen, und keinen mehr. Das ist schwer. Ganz sicher. Aber es geht. Hier nenne ich Euch einmal die HSV-Mannschaft meines Lebens:

Tor:
Horst Schnoor,

Abwehr:
Manfred Kaltz,
Ditmar Jakobs,
Willi Schulz,
Jürgen Kurbjuhn,

Mittelfeld:
Wolfgang Rolff,
Kevin Keegan,
Thomas Doll,
Felix Magath,

Angriff:
Uwe Seeler,
Gert Dörfel.

Und dann hätte ich da auch noch eine „B-Mannschaft“ anzubieten:

Tor: Uli Stein.

Abwehr:
Ivan Buljan,
Markus Babbel,
Peter Nogly,
Peter Hidien,

Mittelfeld:
David Jarolim,
Yordan Letchkov,
Sergej Barbarez,
Rafael van der Vaart,

Angriff:
Horst Hrubesch,
Ivica Olic.

So, das war das weihnachtliche „Matz ab“, genießt weiterhin die festliche Ruhe, die Stunden in der Familie, im Kreise Eurer Lieben.

Und zudem wünsche ich allen, die nun krank im Bett liegen, eventuell sogar im Krankenhaus (wie mein Freund Peter), eine gute und schnelle Besserung, dass es 2010 wieder steil bergauf geht – alles, alles Gute für Euch.

15.06 Uhr