Tagesarchiv für den 20. Dezember 2009

Das war ein Super-Sieg!

20. Dezember 2009

Herrlich, super, unglaublich. Der HSV gewinnt das Nordderby mit zehn Mann gegen Werder Bremen, Was für ein Spiel! Das war hervorragend, so intensiv, so spannend, so klasse, so hoch dramatisch – einfach nur sensationell. Ich gebe zu, ich hätte nie gedacht, dass der HSV noch einmal so viel aus sich herausholen könnte. Wie ich schon schrieb: Fußball wird im Kopf entschieden. Ein riesiges Kompliment an diese Mannschaft und ihren Trainer.  Der HSV überwintert nach all diesem Verletzungspech auf Rang vier, ein fantastisches Ergebnis. 2:1, die Nummer eins im Norden ist der HSV!

Entschuldigung. Ich hatte hier geschrieben, dass ich ganz beruhigt in dieses Derby gehe, weil Florian Meyer das Ding pfeift. Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung. Die Rote Karte gegen Jerome Boateng war zumindest zweifelhaft, aber es gab schon in Halbzeit eins drei andere Szenen, die der „Unparteiische“ zu Gunsten der Bremer auslegte. Nach vier Minuten schlug Pizarro mit dem Ellenbogen gegen die Brust von Dennis Aogo. Eine klare Tätlichkeit. Aber was macht der sanftmütige Herr Meyer? Er gibt Freistoß für den HSV, ermahnt Pizarro. Gibt es keine Regel, die eine solche Szene eindeutig regelt? Natürlich! Rot! Unfassbar.

In der 23. Minute wäre Tunay Torun frei auf das Werder-Tor zugelaufen, aber der Herr an der Linie, Carsten Kadach, hebt die Fahne. Abseits. War es aber nicht. Eine klare Torchance wurde verhindert.

In der 42. Minute wäre Eljero Elia ebenfalls allein auf das Werder-Tor zugelaufen, oben, genau auf Höhe von Kadach, parkte noch ein Werder-Spieler, doch der Linienrichter hebt trotzdem mal auf Verdacht die Fahne. Falsch. Völlig falsch, leider wieder zu Ungunsten des HSV. Drei ganz wichtige Entscheidungen, immer gehen Hamburg, nein, ein Heim-Schiedsrichter war der Herr Meyer hier auf keinen Fall. Das sollte man auch mal dem Deutschen Fußball-Bund mitteilen, der wäre sicher stolz auf einen so mutigen Mann!

Kommen wir zum Positiven aus HSV-Sicht. Für mich war Schneefloh Elia der überragende Mann auf dem Platz. Der Niederländer kam super mit dem eisigen Geläuf zurecht und spielte den langen Kerlen in der Werder-Abwehr immer wieder Knoten in die Beine. Das war überragend! Wie auch die Vorbereitung zum 2:0. Nein, die war sogar Weltklasse! Elia tanzte sie alle an der Mittellinie aus und legte den Ball mustergültig in den Lauf zu Marcell Jansen – Tor.

Großartig, das sei an dieser Stelle gleich erwähnt, wie der bärenstarke Jansen auf links immer wieder wie Schmitz Katze abging. Und dazu das 2:0, das war wieder die reinste WM-Bewerbung in Richtung Jog Löw.
Nach dem Jansen-Tor fragte ich mich allerdings, warum die HSV-Fans denn noch immer gegen Tim Wiese pfiffen, denn dieses 2:0 hatte der Werder-Torwart doch maßgeblich begünstigt, denn was wollte er denn eigentlich an der Mittellinie? Die Antwort kann nur lauten: das 2:0 vorbereiten. Hat er geschafft. Deswegen waren die Pfiffe überflüssig.

Super auch der HSV-Kapitän. David Jarolim gab nicht nur wieder einmal alles, das macht er ja immer, ist eine Selbstverständlichkeit für ihn. Nein, „Jaro“ hielt dagegen, er attackierte, er grätschte, er „kloppte“, er war einfach nur vorbildlich.

Und, ich muss es zugeben, beim 1:0 habe ich gejubelt. Endlich einmal ein Eckstoß, wie ich ihn schon seit Monaten „fordere“. Aogo von links mit links, am ersten Pfosten verlängert Jansen per Kopf in die Mitte, wo Joris Mathijsen sich und allen HSV-Fans ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk bereitete: Kopfball, 1:0. Überhaupt: Die Standards, zuletzt (und nicht nur zuletzt) heftig kritisiert, waren diesmal annehmbar. Sie waren nicht alle gut, aber ich hatte das Gefühl, sie wurden viel konzentrierter ausgeführt.

Angst hatte ich um Tomas Rincon, der früh, viel zu früh für mein Empfinden, die Gelbe Karte sah, als er Jensen umgrätschte (13.). Es spricht für Rincon, der erneut ein bärenstarkes Spiel abgeliefert hat, dass er dieses Spiel überstand, er hat es inzwischen gelernt, disziplinierter zu spielen – Kompliment. Auch dem Trainer-Gespann, das sicherlich auch einen großen Anteil daran hat.

Pech hatte Tunay Torun, der in der 36. Minute vom Platz genommen werden musste, weil Boateng ja vom Platz gestellt worden war. Für Torun kam Rozehnal, es war für Bruno Labbadia sicher keine leichte Entscheidung, denn Torun hatte bis dahin sehr gut gespielt. Was mir gefiel: Der junge Türke hat auch einen Blick für die Defensive, arbeitete viel nach hinten, das konnte sich wahrlich sehen lassen, er setzte in dieser kurzen Spielzeit die Reihe seiner guten Vorstellungen fort.

Schwer war es für Labbadia auch deshalb, weil in Halbzeit eins absolut nichts von Mladen Petric, der vor dem Platzverweis von Boateng einen völlig überflüssigen Fehlpass gespielt hatte, durch den die Bremer in Ballbesitz gekommen waren, zu sehen gewesen war. Viele Kollegen sagten sogar, sie hätten den nicht ganz gesunden Kroaten eher vom Platz genommen, als Torun. Spricht für den Türken. Und es spricht für Petric, dass er im zweiten Durchgang doch noch zulegen konnte. So gesehen hatte Labbadia doch wieder alles richtig gemacht.

Übrigens: David Rozehnal war Gold wert, er hat wohl sein bislang bestes Spiel für den HSV gemacht. Was er da hinten alles rausköpfte, war einfach unglaublich. Note eins für den Tschechen.

Glück hatte der HSV trotz der Schiedsrichter-Entscheidungen auch noch. Naldo traf die Torlatte (27.), Frank Rost hätte nichts zu halten gehabt. Und in der zweiten Halbzeit hätte Meyer, als insgesamt eine Stunde gespielt war, durchaus einen Elfmeter pfeifen können, als Guy Demel den einschussbereiten Pizarro festhielt. Und Glück auch, als Hunt in der 64. Minute aus sechs Metern den Ball nicht richtig traf, sonst wäre das Anschlusstor wohl unvermeidlich gewesen. Wie auch in der Schlussphase: Hunt gegen die Latte, Marin auch noch. Der HSV wankte, aber er fiel nicht!

Es passte zur Schiedsrichter-Leistung, dass Hunt gegen Demel tätlich werden durfte, nur weil der HSV-Spieler die schnelle Ausführung eines Freistoßes verhindern wollte. Hunt stieß Demel vor die Brust, der Linienrichter stand sechs Meter daneben, aber Sekunden später gab es Gelb für die beiden Streithähne. Unfassbar auch, als Meyer ein klares Foul von Frings (wo war er eigentlich in diesen 90 Minuten?) an Rincon nicht pfiff, obwohl er drei Meter neben dem Tatort stand. Es war einfach unglaublich. Dass das 1:2 zum Schluss noch fiel – wen juckt es?

Ganz zum Schluss noch ein Satz in eigener Sache. Auch in der Arena wurde ich wieder oft darauf angesprochen, ob „Matz ab“ auch weiterhin kostenlos bleibt. Ich kann es sagen: es bleibt. Keine Angst also. Es geht weiter wie bisher. Und viele, viele freuen sich schon – ganz nebenbei – auf den 19. Februar, das Treffen der „Matz-abber“ wird ganz sicher ein wunderschöner Abend. So wunderschön, wie dieser letzte Spieltag in diesem Jahr 2009. Ende gut, alles gut. Und wenn es doch etwas Kritisches von Eurer Seite aus anzumerken gäbe – lasst sie stecken, jetzt wäre es der absolut falsche Zeitpunkt. Der HSV gewinnt mit zehn Mann gegen Werder Bremen, wer hätte das gedacht?

17.25 Uhr