Tagesarchiv für den 15. Dezember 2009

Boateng ist zentral am stärksten

15. Dezember 2009

Die Spannung hält – und zwar bis Sonntagabend. Da bin ich mir seit der heutigen Trainingseinheit sicher. Nach dem grandiosen Erfolg in Nürnberg hat sich zwar eine Art Verkrampfung gelöst, die die Mannschaft irgendwie ein paar Wochen lang nervte, aber die Verbissenheit und die Zielstrebigkeit haben einen zusätzlichen Schub bekommen. Bei der Einheit neben der Nordbank-Arena ging es wirklich munter her. Sehr zum Leidwesen der Green Keeper. Hatte ich das Stadion für Sonntag zur papierfreien Zone ausgerufen (wegen der ominösen Kugelgefahr…), darf der Trainingsplatz im Bereich des ersten Intensivspiels (vier gegen vier) fast zur rasenfreien Zone erklärt werden. Hier eine Grätsche, da ein packender Zweikampf – so machte Trainer Bruno Labbadia das Zuschauen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt sichtlich Spaß. Allerdings stand er als Schiedsrichter auch selbst einige Male im Mittelpunkt und hatte bei seinen Entscheidungen nicht immer ein glückliches Händchen.

Vor der Abreise nach Tel Aviv am Mittwochmorgen muss ich einen Spieler des HSV-Kaders noch einmal ganz besonders hervorheben: Jerome Boateng. Was der Jung-Nationalspieler momentan zeigt, ist nur als absoluter Höhenflug zu bezeichnen. Im Abwehrverbund glänzt er durch konsequente Klärung von Gefahrensituationen, und gerade im Training zeichnet sich der Berliner immer wieder auch durch starkes Vorpreschen in die Offensive aus. Den knapp 50 Trainingszuschauern bot sich heute Vormittag gleich mehrfach ein Bild zum Staunen und Schmunzeln. Boatengs Team fing den Ball ab, der Abwehrmann sprintete nach vorne und vollstreckte zweimal spektakulär. Einmal tänzelte „Boa“ danach wie Fred Astaire in besten Zeiten, ein anderes Mal jubelte er mit „Hang Loose“, dem Surfergruß mit ausgestrecktem Daumen und kleinen Finger. Er hatte Spaß, das war nicht zu übersehen. Und seine Teamkollegen auch.

Ich hoffe nur, dass Bundestrainer Joachim Löw in den Monaten vor der WM (vorzugsweise vielleicht sogar am Sonntag gegen Werder Bremen) noch mal im Stadion sein wird, wenn Boateng im HSV-Trikot gegen Topvereine agiert. Und zwar als Innenverteidiger.

Warum ich das so betone? Ganz einfach: Ich glaube, vielen Bundesligaexperten ist gar nicht bewusst, welch’ Qualitätsmerkmale Boateng auf dieser Position aufweist. Ich vertrete sogar mittlerweile die Auffassung, dass er als Rechtsverteidiger „verschenkt“ ist. Nicht, dass Boateng auf dieser Position nicht auch starke Partien absolvieren könnte und dies auch schon getan hat. Aber sein immer besseres Stellungsspiel, seine gewonnene Routine und seine Handlungsgeschwindigkeit kommen im Zentrum neben Joris Mathijsen eben doch am besten zur Geltung.

Außerdem fällt mir da in Sachen Nationalmannschaft ein übles Beispiel ein: Arne Friedrich. Der Berliner war mal ein ganz passabler Innenverteidiger, der sich auf dieser Position auch für die DFB-Auswahl empfahl. In der Nationalelf rutschte er dann wie auch einige Male bei Hertha BSC auf die rechte Seite heraus. Und dort verlor er meines Erachtens über Wochen und Monate alles, was ihn einst mal auszeichnete. Er wurde rechts hinten aber nicht mehr als Notreserve betrachtet, sondern als Alternative. Und davon sollte Boateng möglichst verschont bleiben.

Viele von Euch erwarten nun wahrscheinlich noch spannende Infos zur Sportchef-Suche und den heiß gehandelten Namen Horst Heldt, Martin Bader oder auch den in der BILD genannten Jörg Schmadtke. Dazu kann ich Euch allerdings noch nichts sagen. Und ein wenig Geduld können wir nach den Sportchef-freien Monaten ja nun sicherlich auch noch aufbringen. Heute Abend trifft sich der Aufsichtsrat, und anschließend werden bestimmt ein paar News nach außen drängen.

Ein Thema, das mindestens so interessant ist, dürfte die Spieler-Personalplanung sein. Meine aktuellsten Informationen besagen, dass der HSV in der Winterpause auf jeden Fall noch eine Offensivkraft verpflichten will. Ja, ja, ich sehe einige von Euch schon lechzen. Schreibt er was von van der Vaart? Oder etwas von Klose? Oder von Kuranyi? Nein, ich tue es nicht. Ich habe gehört, dass sich der HSV europaweit nach potenziellen Kandidaten – auch auf Leihbasis (in England) – umschaut und/oder bereits erkundigt hat.

Dieser Schritt ist ja auch nachvollziehbar, zumal ein Comeback von Paolo Guerrero nach wie vor fraglich und schwer zu terminieren ist. Und mit dieser „Unbekannten“ wollen und können die Trainer und Verantwortlichen natürlich nicht in die Zukunft gehen.

13:10 Uhr