Tagesarchiv für den 13. Dezember 2009

Ein “Dreier” für Kopf und Herz

13. Dezember 2009

Mensch, endlich hat es mal wieder richtig Spaß gemacht, sich die Zusammenfassungen der Bundesliga anzuschauen. Kam es Euch auch wie eine Ewigkeit vor, die Zeit seit dem letzten Sieg? Ich habe nicht nur hier in vielen Blog-Kommentaren einen kollektiven Seufzer der Erleichterung ausgemacht. Ich muss gestehen, dass ich auch selbst mehr als einmal richtig tief durchgeatmet habe. Frau M. kann es bestätigen. Das meist genutzte Wort gestern beim Fernsehnachmittag war: „Jawoll“.

Jetzt bloß nicht übermütig werden. Es stehen zwar nur noch zwei Spiele in 2009 an, aber die Tage bis Weihnachten enthalten noch so manche heikle Angelegenheit. Ich sage nur: Sportcheffrage und Nordderby.

Das Duell gegen die „grün-weiße Vorstadt“, wie sie einer meiner Kollegen immer etwas despektierlich nennt, wird angesichts des gestrigen 0:2 gegen Schalke der Bremer noch um einiges interessanter. Vor zwei Wochen, das gebe ich zu, habe ich mich gedanklich bereits mit einer Pleite gegen Werder beschäftigt. Zu eindrucksvoll war die Bremer Erfolgsserie, zu zag- und krampfhaft mitunter das Auftreten des HSV. Seit gestern hat sich die Lage verändert. Fußball ist Tagesgeschäft. Und auch wenn ich die Bremer nach der Heimniederlage gegen Königsblau nicht in einer Mega-Krise sehe, so wird sie doch Spuren hinterlassen. Und auf der anderen Seite habe ich den HSV gestern nach dem ersten und zweiten Treffer auch deutlich beflügelt gesehen. Manchmal reicht ein solches Spiel aus, um den Glauben an die eigene Stärke und Torgefahr wieder herzustellen. Darum sage ich: Dieser deutliche „Dreier“ war ein Erfolg mit Kopf und Herz – und auch eben für Kopf und Herz.

Nachdem ich mir heute alle Kommentare von Euch durchgelesen habe – zwischenzeitlich dachte ich echt, wir müssten für unser Treffen im Februar Ordnungspersonal bestellen… -, möchte ich mich (mal wieder) Piotr Trochowski beziehungsweise der personellen Umstellung widmen, die Bruno Labbadia in Nürnberg vorgenommen hat.

Die meisten hatten ja mit der Sturmreihe Mladen Petric/Eljero Elia gerechnet und waren bannig erstaunt, dass der Trainer Petric gemeinsam mit Torun aufs Feld schickte, stattdessen den wieder erstarkten Elia für Trochowski ins rechte Mittelfeld beorderte. Viele von Euch haben das als Strafmaßnahme für „Troche“ bewertet und den zugegebenermaßen nach wie vor umstrittenen Nationalspieler erneut komplett „durchleuchtet“.

Ich glaube – auch und vor allem nach den Eindrücken des Abschlusstrainings am Freitag – eher, dass diese Maßnahme eine Entscheidung zu Gunsten des Duos Petric/Torun war und keine gegen Trochowski. Für Labbadia schien das Paar Petric/Elia vorne überhaupt nicht in Frage zu kommen, jedenfalls nicht von Beginn an. Als er in der Abschlusseinheit Marcus Berg das Hemd der A-Elf abnahm und es Petric gab, wechselte er auch sofort Trochowskis Leibchen gegen Toruns und zog Elia zurück. Labbadia hat ein ganz gutes Gespür dafür, welche Spielertypen auf dem Feld mit welchen am besten harmonieren und welche die geplante Taktik am besten umsetzen können. Und da sich Trochowski in den vergangenen Wochen nicht unentbehrlich gemacht hat, musste er eben passen. Und Torun hat sich, das hat der Trainer ja auch öffentlich bestätigt, durch eine herausragende Trainingsarbeit unentbehrlich gemacht.

In Sachen WM muss sich Trochowski nun sputen. Er weiß, dass er einen hohen Stellenwert bei Nationaltrainer Joachim Löw genießt – der übrigens gestern das Spiel Freiburg – Köln im Stadion verfolgt hat (was er da wollte, ist mir schleierhaft) -, aber um sich für die Stammformation der Nationalelf zu empfehlen, muss er jetzt irgendwann bald eine Serie von Eigenwerbungen starten. Da kann er sich an Jerome Boateng und auch an Marcell Jansen orientieren. Erster spielt sich mehr und mehr in die Notizblöcke der Champions-League-Klub-Spione aus England und wird in Südafrika auf jeden Fall dabei sein, und Jansens „Bewerbungstrend“ zeigt deutlich nach oben. Aber das möchte ich lieber nicht näher ausführen. Wenn Jansen bis Mitte März verletzungsfrei bleibt, dann wird Löw bestimmt noch über seinen Namen stolpern. Und dann widme ich der Nummer sieben des HSV auch einen ganz eigenen Blog-Tag, versprochen.

Wenn der HSV nun nach Tel Aviv reist, dann können die Fans ja eigentlich ganz entspannt zuschauen. Jaja, ich weiß, viele von Euch werden jetzt energisch den Kopf schütteln. Das Wort „Entspannung“ verbietet sich beim Anschauen von HSV-Spielen grundsätzlich. Das kenne ich. Und ich glaube auch, dass Trainer Bruno Labbadia seine Mannschaft erneut zu einer Höchstleistung treiben will. Zu einen, um Tabellenplatz eins der Europa-League-Gruppe C zu behaupten, zum anderen, um einen positiven Schwung mit ins Nordderby zu nehmen.

Schalkes Trainer Felix Magath hat nach dem Sieg in Bremen gesagt, dass er bei Werder eine typische Folge des vorherigen Erfolgslaufs gesehen habe: „Man wird dann ein bisschen zufrieden und genügsam.“ Das hat sein Team genutzt. Jetzt bleibt abzuwarten, ob das Ende der Serie Bremen als neue Motivationsspritze dient – oder ob es da möglicherweise nun ein wenig hakt.

Noch einmal zurück zum zweiten heißen Thema: Sportchefsuche. Die Findungskommission ist schon seit einiger Zeit hochgradig aktiv, so viel weiß ich. Aber Namen kommen nicht heraus. Aus journalistischer Sicht ist das natürlich ärgerlich, aber für die Geheimhaltung muss man den Verantwortlichen auch mal ein Lob aussprechen. Das hat selten geklappt. Nein, eigentlich sogar fast nie.

Ich gehe davon aus, dass die Bosse den neuen Mann noch vor Weihnachten präsentieren werden. Vielleicht sollten wir hier im Blog zum großen Sportchef-Bingo aufrufen. Jeder darf einen Namen nennen von einem potenziellen Kandidaten. Wer den richtigen trifft, erhält zur Belohnung Mitte Februar eine Urkunde als „Matz-abber des Jahres“. Nein, Spaß beiseite. Ich tappe im Dunkeln. Aber das wird sich ja hoffentlich demnächst ändern.

Eine letzte Anmerkung noch: Der schönste Jubel der Hinserie war für mich die Freude Elias nach Toruns Treffer. Ein kleiner Hüpfer, dann plumpste er wie ein kleines Kind auf den Hintern. Im Fernsehen konnte man es ganz am Rand sehen. Das war Freude pur. Ein Bild für die Götter.

14:50 Uhr