Tagesarchiv für den 12. Dezember 2009

Alles richtig gemacht, Herr Labbadia!

12. Dezember 2009

Es ist vollbracht! Endlich! Der erste Bundesliga-Sieg des HSV nach zuletzt sieben sieglosen Spielen. Herrlich! Und dann so klar, so souverän, so überzeugend mit 4:0. Ich behaupte ja, dass sich dieser Erfolg schon in der Woche angekündigt hatte, denn die Mannschaft von Bruno Labbadia hatte nicht nur gut trainiert (was sie eigentlich immer macht!), sondern die Spieler traten zunehmend selbstbewusster und optimistischer auf. Das roch in dieser Vorweihnachts-Woche schon stark nach Sieg, und es wurde ein Sieg. Ein Debakel für den 1. FC Nürnberg. „Der HSV ist wieder da“ sangen die mitgereisten Hamburger Fans, und in der Tat, dieser Erfolg müsste jedem Spieler nun noch mehr Selbstbewusstsein verliehen haben. Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten!?

Etwas überraschend war es schon, dass Bruno Labbadia seinen Dribbelkünstler Piotr Trochowski auf der Bank gelassen hatte. Sollte „Troche“ für das Europa-League-Spiel in Israel geschont werden? Oder hat der Coach einfach nur die Nase voll von jenem umständlichen Fußball des Nationalspielers? Oder will ihn der Trainer damit nur ein wenig „kitzeln“, damit Trochowski endlich einmal sein zweifellos vorhandenes Potenzial abruft? Ein Achtungszeichen war es allemal. Auch für die Teamkollegen.

Erneut bewies Labbadia auch mit der Entscheidung Mut, Tunay Torun zu bringen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass der junge Türke im Training zunehmend dominanter, kaltschnäuziger und selbstbewusster auftritt. Und: Torun hatte in Nürnberg einige ganz tolle Szenen, er bewies, dass er auf einem richtig guten Weg ist. Einmal bediente er Mladen Petric herrlich mit einem Rückpass, dann legte Torun das 1:0 von Eljero Elia super auf, und dann schoss er sein zweites Bundesliga-Tor. Ein toller Alleingang, ein herrlicher Abschluss, der Rest war Jubel.

Und der Trainer konnte sich auf der Bank beruhigt zurücklegen:
Alles richtig gemacht, Bruno Labbadia!

Und 1:0-Schütze Elia? Er bewies bei seinem Tor eine unglaubliche Kaltschnäuzigkeit. Sensationell, wie er den Ball über Torwart Stephan ins Netz hob, ich hatte in der Sekunde davor eigentlich auf einen Querpass zum mitgelaufenen Petric gehofft. Glück für Elia, dass Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (übrigens: beste Leistung eines Unparteiischen in einem HSV-Spiel seit Monaten!) in den Sekunden nach dem Führungstreffer ein Auge zudrückte. Der Niederländer lief an den Spielfeldrand, lief auch runter vom Rasen, aber er sprang nicht mehr über die Bande, sondern bremste noch ab. Sonst hätte er wohl noch einmal Gelb und damit Rot gesehen, so aber wurde seine „Fahnenflucht“ nicht geahndet. So hatte Elia dann später sogar die Gelegenheit, sein zweites Tor (zum 4:0) an diesem Nachmittag zu erzielen. Frau M. frohlockte nach diesem Treffer übrigens auf dem Sofa: „Hey, das geht ab . . .“
Ging es ja auch. Und wie! Erster Gratulant bei Elia war übrigens Petric. Der hatte in der Woche quasi darum „gebettelt“, von Beginn an spielen zu dürfen – und Bruno Labbadia hatte ihn erhört. Gut so. Sehr gut sogar. Petric spielte lange Zeit wie zu alten Zeiten auf, dass seine Treffsicherheit noch nicht wieder die alte ist, das war zu erwarten. Immerhin: Mit ihm gibt es endlich mal wieder einen Sieg, und allein durch seine Anwesenheit auf dem Rasen gibt er den jungen Mitspieler Selbstvertrauen – und sorgt beim Gegner wieder für Angst und Schrecken.

Das trifft übrigens auch auf Marcell Jansen zu. War der Mann in Fahrt! Herrlich! Großartig! Fast schon gigantisch! Ich hoffe nur für ihn, dass Jogi Löw diese Jansen-Gala gesehen hat (oder ein Assistent des Bundestrainers). Der schnelle und schussstarke Marcell war im Spiel nach vorn einfach überragend, schade nur, dass er keinen rechten Fuß „hat“, sonst hätte er wohl noch das eine oder andere Tor mehr geschossen. Sein 2:0 mit links war allerdings auch sehenswert und eminent wichtig. Hoffentlich macht Jansen so weiter, hoffentlich behält er seine Fitness, bleibt gesund und spielt diese Saison ohne Ausfall zu Ende. Dann hat er tatsächlich alle Chancen, mit zur WM zu kommen.

Stark übrigens auch ein weiterer Hamburger Kandidat für Löw: Jerome Boateng. Wie er da hinten abräumt, wie sicher, wie fehlerfrei, wie eiskalt, wie ruhig und souverän – ich behaupte, dass es zurzeit keinen besseren deutschen Abwehrspieler gibt. Jedes Boateng-Spiel ist schon mehr als eine Bewerbung für die WM 2010 in Südafrika.

Und wo ich gerade beim Verteilen der Lobeshymnen bin: Tomas Rincon gehörte erneut zu den besten Hamburgern. Nicht dass das untergeht. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich der 21-Jährige gemausert hat, Kompliment, Kompliment. Erstaunlich für mich, wie sehr sich der Nationalspieler Venezuelas auch in Sachen Foulspiel in den Griff bekommen hat. Er steht jetzt nicht mehr bei jedem Zweikampf vor einer Gelben Karte oder gar einem Platzverweis. Ja, in diesem Alter ist Mann eben noch lernfähig. Und hört auf den Trainer.

Neben dem Spiel bei den Clubberern war ja auch die Sonnabend-Schlagzeile der Bild interessant. Das Ding mit Klose soll so langsam anlaufen. Gefühlt vor eineinhalb Monaten hatte der „Master of Grätsche“ schon bei „Matz ab“ davon gesprochen. Und einige von Euch haben schon seit Wochen gefragt, was da denn dran sei, ob die Sache noch heiß sei, und, und, und. Sie ist es ganz offensichtlich, und genau das hat der „Master“ auch immer gesagt. Jetzt bin ich auch tatsächlich sehr gespannt, was draus wird. Zumal die Bayern ja mit dem guten Toni ja auch noch einen Stürmer abgeben werden. Ob van Gaal dann auch noch Klose laufen lassen wird? Oh, oh, da kommen mir dann doch leichte Zweifel. Aber wir werden es abwarten (müssen). Und wir werden dran bleiben.

Auch schnell noch einmal einen Blick auf das Freitagsspiel, Hertha gegen Leverkusen (2:2). Ich habe die Berliner ja schon vor dem ersten Kick am 8. August da unten erwartet, denn die haben nichts getan, um ihre Mannschaft zu verbessern, ganz das Gegenteil war der Fall. Und deswegen habe ich sie genau so schlecht eingeschätzt, wie sie jetzt stehen. Aber, und nun kommt es, gegen Leverkusen haben die Berliner erstmals gefallen. Nicht weil sie brillant Fußball gespielt haben, sondern weil die bravourös gekämpft haben. Die sind 90 Minuten gerannt wie die Hasen, haben gekämpft, gegrätscht, getreten. Dieses Motto hatte ein großes Plakat im Olympiastadion vorgegeben: „Hertha, beißen, kratzen, Gras fressen – für Berlin.“ Genau das wurde umgesetzt. Und es zeigt mir erneut, dass eine Mannschaft zwar schlecht spielen kann, aber sie kann auch immer kämpfen und alles geben. Bewegt sich ein Team 90 Minuten voller Leidenschaft, dann sind die Fans auch dann zufrieden, wenn es keinen Sieg gibt.
Ich ziehe den Hut vor Friedhelm Funkel, wie er seinen Mannen diesen Kampfgeist eingehämmert hat, das hat schon was. Otto Rehhagel hat das vor Jahrzehnten einmal „ehrlichen Fußball“ genannt. Und Hertha-Coach Funkel ist dabei auch immer der zwölfte Mann seines Teams, er tobt 90 Minuten am Rande herum, gilt schon seit Jahren als Schrecken aller Schiedsrichter. Funkel pöbelt mit allem, was eine Fahne in der Hand trägt, eine Pfeife in der Hand hat, oder was nach viertem Mann aussieht. Da ist er gnadenlos und kennt keine Schmerzen. Aber irgendwie scheinen seine „unmöglichen“ und unorthodoxen Methoden doch zu fruchten. Und auch da bin ich gespannt, wie sich die schwer angeschlagene Hertha noch entwickeln wird. Schafft Funkel noch die Rettung, dann hat er für mich ein kleines Fußball-Wunder vollbracht.

Kein ganz so großes Wunder wäre dagegen, wenn die Bayern wieder den Meistertitel holen würden. Und im Moment scheint es ja so, dass eine solche Entwicklung nicht ganz unmöglich ist, wie sie noch vor ein, zwei Monaten für viele Experten schien.

Aber, ganz klar, zum Schluss noch unser Motto (und das gilt auch und in erster Linie für diesen Blog):

Nur der HSV!

17.19 Uhr