Tagesarchiv für den 10. Dezember 2009

Glückwünsche an alle

10. Dezember 2009

Herzlichen Glückwunsch! An diejenigen „Matz-abber“, die hier in den vergangenen Wochen für „ihren“ Tomas Rincon gekämpft haben. Ihr habt den Kampf gewonnen! Super! Toll! Ich glaube tatsächlich, dass auf Eure Meinungen geachtet wurde, da werde ich mich auch nicht von abbringen lassen. Ihr habt (auch) dafür gesorgt, dass der 21-Jährige nun seinen Vertrag bis zum Sommer 2014 (!) verlängert hat. Und noch eines wurde durch „Matz ab“ angestoßen und steht wohl kurz vor der Vollendung: Das Thema Frank Rost. Der „Master of Banane“ hat gerade gefragt, ob durch den Bericht über Frank Rost hier an dieser Stelle plötzlich doch Leben in diesen bislang ungeklärten Fall gekommen ist – und ich sage ganz klar: Ja! Auch Glückwunsch an alle, die „Fäustel“ hier behalten wollten: Frank Rost wird wohl, so sieht es im Moment aus, noch ein weiteres Jahr dranhängen.

Ja, fix was los an diesem Donnerstag beim HSV. Rincons Verlängerung kam irgendwie doch aus heiterem Himmel. Kompliment auch an den HSV, dass er es erstens geschafft hat, und dass er es zweitens bis zuletzt geheim halten konnte. Und ich gratuliere – in Eurem Namen – auch deshalb, weil es eine weise Entscheidung ist. So wie es aussieht, hat sich die Taktik von Bernd Hoffmann, so lange mit der Unterschrift zu warten, voll ausgezahlt. Durchgesickert ist nämlich, dass Tomas Rincon für bummelige 500 000 Euro nun ganz dem HSV gehört. Der Mann ist 21 Jahre alt und hat bereits 25 Länderspiele für Venezuela absolviert. Gratulation, HSV, zu diesem hervorragenden Schnäppchen.

„Ich bin sehr glücklich jetzt“, sagte Rincon auf Deutsch. Er kann es. Noch nicht viel (sorry, ich weiß es, glaube ich, aber das mit der Schnelligkeit ist nicht von der Hand zu weisen!!!), aber es geht voran. Und er will sein Deutsch noch verfeinern: „Ich werde alles dafür tun, um ein Teil der Mannschaft zu sein, ich werde so hart arbeiten, wie in den vergangenen Monaten.“ Der „Sechser“ zu seinen kleinen Sprachproblemen: „Ich kann schon etwas mehr Deutsch sprechen, aber ich werde versuchen, nun noch schneller zu lernen.“ Sein Stern ist erst spät, erst kurz vor Toresschluss aufgegangen. Am 31. Dezember lief sein Ausleihvertrag aus, vieles sprach während den letzten Monaten dafür, dass der HSV nicht verlängern oder kaufen will. Dann bekam Rincon seine Chance, und er nutzte sie, Teilweise sogar spektakulär.

So sieht es auch Bruno Labbadia: „Er hat Glück gehabt, keine Frage, Glück, weil wir in eine solche personelle Situation gekommen sind. Aber dann das Glück zu packen, die Chance zu nutzen, das ist auch Können, keine Frage. Er hat gut trainiert, und das ist ganz sicher kein Glück.“ Der Trainer fügt noch hinzu: „Er hat während der Spiele Dinge gezeigt, die er uns im Training nicht so gezeigt hatte. Jetzt sind wir gespannt, wie seine Entwicklung weitergehen wird, wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“

Bislang war es so, dass Tomas Rincon oft zu ungestüm war, im Spiel schnell einmal etwas zuviel des Guten tat, dass er Gegenspieler rustikal und nicht im Sinne der Fußballlehre abräumte. Und dass er oft alle taktische Disziplin über den Haufen warf, wenn die Gäule mit ihm durch gingen. Davon war aber gegen Rapid Wien und Hoffenheim nicht mehr so viel zu sehen. Hat Labbadia Rincon diesbezüglich entschärft? Der Trainer: „Ich habe ihn in diesen beiden Spielen Tipps gegeben, wie er gegen den jeweiligen Gegenspieler zu agieren hat. Er konnte sich darauf dann besser einstellen. Und ungestüm ist ja auch eine seiner Stärken, das zeigt uns, dass er Power hat.“

Ein Attribut, das auch auf Frank Rost zutrifft. Der Keeper hat in den letzten Monaten riesig gehalten, er hat sich aber mit seiner oftmals unbequemen Art, die Dinge beim Namen zu nennen, nicht immer nur Freunde beim HSV gemacht. Irgendwie hatten nicht wenige die Idee, dass nach dieser Saison dass Ende für den Torwart beim HSV gekommen sei, aber offenbar kommt es nun anders. Der HSV wird wohl mit Rost verlängern. Labbadia sprach vorsichtig über seinen eventuell härtesten „Fall“ als Sportchef: „Es gibt Dinge, die man bei jedem Spieler als Voraussetzungen stellen muss. Auch gerade bei erfahrenen Spielern. Man muss mit allen Spielern respektvoll umgehen, und ich bin ein Freund davon, vorher alles klar anzusprechen, damit es hinterher nicht heißen kann: Das haben wir so aber nicht abgesprochen. Und da gibt es gewisse Dinge, die ich mit Frank besprochen habe. Dinge nach dem Motto: Was will man, was erwartet man.“

Dinge, die sich Rost nun durch den Kopf gehen lassen kann, lassen wird, und Dinge, die sicher auch Bestandteil des neuen Vertrags seien werden. Dann kann der 36-jährige Keeper selbst entscheiden, ob er zu solchen Bedingungen bleiben will. Labbadia: „Wichtig ist nur, dass man sich auch an alles hält.“ Haben sich beide Seiten geeinigt, dann wird es der HSV auch an die Öffentlichkeit geben, Vorher aber wird in aller Stille gesprochen – wie nun im Fall Tomas Rincon.

Zu einem klaren Treuebekenntnis zu Frank Rost konnte und wollte sich Bruno Labbadia aber nicht durchringen. Als ihn meine Kollegen (und die Kollegin Britta Körber, DPA) dazu drängen wollten, sagte der Coach: „Es ist so, dass wir Typen haben wollen. Es ist aber auch so, dass man sich an Absprachen halten muss. Das gehört nun einmal auch dazu.“ Dann verließ Labbadia verbal die einmal eingeschlagene Spur und sagte weiter: „Und wir stehen in der Verantwortung, wir werden für Misserfolge in Verantwortung genommen, und wir bestimmen den Zeitpunkt, wann wir über eine Vertragssituation sprechen. Da lassen wir uns von keinem drängen, da lassen wir uns auch von niemandem das Tempo vorgeben – aber wir haben schon eine Entscheidung getroffen.“

Der HSV hat also schon seine Entscheidung getroffen. Jetzt ist es offenbar nur eine Frage von Stunden oder Tagen, wenn im „Fall Rost“ Vollzug gemeldet wird. Aber dazu gehört auch, dass der Torwart den vorgelegten Vertrag akzeptieren kann.

Zum Fußball: Am Sonnabend steht das letzte Bundesliga-Auswärtsspiel für 2009 auf dem Programmplan. Bruno Labbadia sagt nach zuletzt sieben sieglosen Bundesliga-Begegnungen deutlich: „Wir wollen in Nürnberg gewinnen, haben uns sehr konzentriert auf die 90 Minuten vorbereitet.“
Torwart Frank Rost zuversichtlich: „Wir sind stark genug, um in Nürnberg siegen zu können, und wir müssen siegen, um den Anschluss nach oben zu halten.“ Kapitän David Jarolim spricht sogar von einem „Pflichtsieg“ über seinen ehemaligen Arbeitgeber. Doch von einem „Pflichtsieg“ will Labbadia nichts wissen: „Ich kenne keine Mannschaft ist der Bundesliga, über die man sagen könnte, dass man da ganz einfach gewinnen kann. So etwas gibt es nicht mehr. Wir sind gefordert, weil wir zuletzt nicht mehr die gewünschten Ergebnisse eingefahren haben.“

Flügelflitzer Jonathan Pitroipa wird ausfallen, ansonsten ist der Kader der letzten Wochen beisammen. Die Frage wird sein, ob Mladen Petric schon von Beginn an zum Einsatz kommen kann. Er selbst sagt: „Ich bin dabei, es liegt jetzt am Trainer, ob er mich von Beginn an bringen will.“ Der „Magier“ sagt aber auch: „Ich habe zwar schon einige Joker-Tore gemacht, aber es ist auf jeden Fall so, dass ich lieber von Anfang an spiele.“

Kapitän David Jarolim gibt vor dem Gang an die Noris zu: „Wir wissen, dass endlich mal ein Sieg kommen muss, und dafür wollen wir unser Spiel machen, und zwar 90 Minuten. Ein Sieg wäre ein Schritt nach vorne, ein Sieg wäre auch für den Kopf ganz wichtig.“

Für viele Köpfe. Auch für Eure Köpfe, oder?

19.19 Uhr

Kleines Zwischengeplänkel

10. Dezember 2009

Bevor es zum Schwimmwettbewerb in den Volkspark geht, das heißt, es soll auch ein bisschen Wassertreten und Wasserball dabei sein, möchte ich schnell noch ein paar Zeilen auf die Umlaufbahn bringen. Sonst müsstet Ihr eventuell doch zu lange warten, denn das so genannte Training findet an diesem „Weltuntergangstag“ erst um 14 Uhr statt. Es soll aber ja vornehmlich um den Fußball gehen, und da denke ich immer noch an diesen herrlichen Champions-League-Abend. Was war das denn für ein Super-Tor, was der Torwart von Standrad Lüttich da in der 95. Minute (!) gegen AZ Alkmaar geköpft hat. Wahnsinn! Das war ein Gänsehaut-Treffer. Ein Tor, das mich an Horst Hrubesch erinnerte, der stand auch immer so lange und hoch in der Luft. Und dann noch dieser Sprint, diese Szene geht in die Geschichte des europäischen Fußballs ein. Und wer weiß, vielleicht kommt dieser Sinan Bolat ja mal mit Lüttich auch in den Volkspark. . .

Dann würde er auf einen Kollegen treffen, der auch schon mal ein Tor geschossen hat. Mit rechts, aus dem Gewühl heraus: Frank Rost traf am 31. März 2002 für Werder Bremen zum 3:3 gegen Hansa Rostock. Werder gewann sogar noch in der Nachspielzeit mit 4:3. Ein Husarenstreich. So ganz nebenbei: „Fäustel“ ist der einzige Torwart, der an der ZDF-Torwand vier Treffer für sich verbuchen konnte.

Und wo ich gerade bei Rost bin: Ich gebe zu, sein Thema mit der offenen Vertragsverlängerung hat mich gestern noch bis in die Nacht hinein beschäftigt. Bleibt er, oder bleibt er nicht, das ist hier die Frage. Ich habe aber immer an einen anderen Aspekt gedacht. Wenn es Bruno Labbadia nun zunächst richten soll, das heißt, er soll und will mit Rost die Gespräche über „Sein oder Nichtsein“ führen, dann möchte ich nicht unbedingt in der Haut des Trainers stecken, denn: Gesetz den Fall, dass sich Labbadia am Ende der Saison von Rost trennen möchte (was ich ja jetzt nur einmal durchspielen möchte, es ist nichts entschieden!), dann wird er es ihm – so oder so – demnächst sagen müssen. Und in der Rückrunde müsste der HSV dann mit einem Torwart zwischen den Pfosten spielen, der weiß, dass er seine letzten Spiele für den Klub bestreiten wird – und dann ist im Sommer 2010 Schluss mit ihm in Hamburg. Keine ganz einfache Situation.

Die ja auch noch eine weitere Seite hat. Labbadia könnte ja auch weiterhin schweigen, das heißt, er führt vorerst kein Gespräch mit Frank Rost. Das wäre dann wohl die Aufforderung zum Tanz für den Keeper, denn dann müsste er reagieren – und eventuell selbst einen Schlussstrich unter seine erfolgreiche HSV-Zeit ziehen. Wie gesagt, alles nur meine ureigene Spekulation, Aber leicht ist das für alle Beteiligten ganz sicher nicht.

Wobei ich gleich auch an Felix Magath denken muss. Der war in Wolfsburg der Alleinherrscher, das heißt, er trainierte die Mannschaft – und musste jenen Spielern den Abschied näher bringen, mit denen er nicht mehr plant, Der Felix hat diese Leistungen mit Bravour erbracht, denn er wurde mit dem VfL bekanntlich Meister. Und mit Schalke könnte es demnächst ähnlich gehen. Irgendwie scheint Magath einen Weg gefunden zu haben, mit derartigen Problemen bestens umzugehen.

Da der HSV zurzeit keinen Sportchef hat, da Bruno Labbadia gesagt hat, dass der Vorstand um Bernd Hoffmann auf das Ende der Gespräche zwischen Torwart und Trainer wartet, hängt nun alles an Labbadia. Ich bin gespannt, wohin der Ball in diesem Fall rollen wird, äußerst gespannt sogar.

Und da ich gerade bei Felix Magath bin: Viele von Euch wissen bestimmt, dass wir schon zu jenen Zeiten, als er Spieler beim HSV war, befreundet waren. Wir saßen auch Jahre an einem Norderstedter Stammtisch. Und nachdem er seine Karriere beendet hatte, wurde er bekanntlich HSV-Manager. In einer stillen Stunde – Ihr merkt, wir sind mitten in einem ganz kleinen Nähkästchen – hat er mir mal verraten: „Du kannst als Journalist jeden Spieler mit der Note kriegen . . .“ Sollte heißen: Jeder Spieler ist bemüht, eine gute Note zu erhalten, und dafür gibt er alles. Nicht nur auf dem Rasen und während der 90 Minuten. Magaths Satz hat mich nie los gelassen. Wir beim Abendblatt vergeben ja keine Noten, deshalb wurde dieses Thema nie so richtig relevant für uns (für mich). Allerdings: Ich war ja auch mal zwei Jahre bei der Bild (ja, ich bin ein Mann mit Vergangenheit!). Und da musste ich Noten geben.

Ich erinnere mich an einen ganz speziellen Fall: Ochsenzoll, HSV-Trainingsgelände, die Kabine, der lange Gang aus dem Keller zum Parkplatz der Spieler-Autos. Eines Tages kam der große Manfred Kaltz diesen langen Gang runter. Lässig, die eine Hand in der Hosentasche, trotz seiner O-Beine sah er wie ein männliches Model aus. Kaltz kam auf mich zu, hakte mich mit dem einen freien Arm und meinen Arm und ging mit mir des Weges.

Wie zwei Freunde sahen wir aus.
War aber nur äußerlich. Also sprach der gute Manni zu mir: „Du, Alter, wenn du mir nicht bald wieder bessere Noten gibt’s, dann muss ich mal mit deinem Chef reden. Dann warst du die längste Zeit bei Bild.“ Oha! Das war ein kleines Attentat auf mich. Ein Einschüchterungsversuch der etwas freundlicheren Art. Aber ich hielt dagegen: „Wenn du mit meinem Chef redest und er mich dann vor die Tür setzt, dann hat der Chef Pech gehabt. Ich für mich kann nur sagen, dass ich weiterhin Noten gebe, so wie ich sie sehe. Ohne Ansehen der Personen, nur die sportliche Leistung bewertend.“

Das half offenbar. Wir, der große Kaltz und der kleine Matz, haben nie wieder über dieses Thema reden müssen. Und mein damaliger Chef (von Bild) hat es auch niemals getan. Ging alles ganz normal weiter. Und der „Master of Grätsche“ (der sich lange nicht mehr gemeldet hat, fällt mir ein!) kann bezeugen, dass ich immer so geurteilt und beurteilt habe, wie ich es eben geschrieben habe: ohne Ansehen der Personen. Auch in der Zeit, in der Carsten Kober und ich nicht miteinander gesprochen haben, hat der „Klopper“ immer genau jene Note bekommen, die er sich nach meiner Meinung in den 90 Minuten erspielt hatte. Ärger nun hin, Ärger nun her.

Noch einmal kurz zum “Schwachsinn” der 4,5 Millionen Euro, die angeblich Paolo Guerrero haben will. Mag sein, dass auch wir das einmal geschrieben haben, ich erinnere es wirklich nicht mehr. Diese 4,5 Millionen waren auch nicht gemeint. Kann ja sein, dass Guerreros Berater die tatsächlich noch gefordert hatte, als Paolo noch voll im Saft stand und Tore knipste. Ich meinte aber jene 4,5 Millionen, die erst kürzlich noch einmal aufgerufen wurden, vor einigen Wochen, als schon beide Kreuzbänder gerissen waren. Und das weiß ich bestimmt, die hat das Abendblatt zu diesem Zeitpunkt ganz sicher nicht ins Feld geführt. Wobei ich es ja selbst beim Training erlebe, das über diese wahnwitzige Summe immer noch spekuliert und gesprochen wird. Das, nur das war mit “Schwachsinn” gemeint.

So, nun geht es gleich zum Schwimmen in den Volkspark. Ein kleiner Schwenk noch in eigener Sache: Einige von Euch haben die Sprechstunde vermisst, stimmt ja auch. Das kann ich aber schnell erklären. Die Sprechstunde gibt es meistens sonntags. Am vergangenen Sonntag aber habe ich für die Printausgabe des Abendblatts arbeiten dürfen, ich habe die Amateurseite betreut. Das ist Stress bis kurz vor dem Feierabend. Und dann muss die Sprechstunde eben leider mal ausfallen, denn das Blatt geht ja vor. Aber die Sprechstunde ist nur aufgeschoben – und nicht aufgehoben. Und ich melde mich dann zeitnah (frank und frei nach dem HSV-Thema Frank Rost) wieder nach dem Wasserball-Training. Lasst Euch den Regen-Tag nicht vermiesen, macht es Euch, wenn es geht, schön muckelig.

11.04 Uhr