Tagesarchiv für den 9. Dezember 2009

Labbadia klärt auf

9. Dezember 2009

Jetzt sehen wir alle klarer. Jedenfalls im „Fall Frank Rost“. Bruno Labbadia brachte nach dem Mittwochs-Training Licht ins Dunkel: „Es gibt dabei absolut kein Fehlverhalten des Vorstandes. Ich habe eine Absprache mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus getroffen. Nach der werde ich erst mit Frank Rost sprechen, und dann gebe ich dem Vorstand Bescheid. So ist das vereinbart, so wird das auch umgesetzt.“ Es liegt also am Trainer, ob der Keeper noch bleibt. Bleibt nur die offene Frage, nach welchen Kriterien Labbadia dann „Grünes Licht“ für einen neuen Vertrag gibt, oder wenn er die Ampel auf „Rot“ stellt. Das ist nach wie vor offen.

Wird wohl auch noch eine Weile andauern. Wie auch die Frage, ob es nun Verstärkungen in der Winterpause geben wird, oder doch nicht. Bruno Labbadia hat ja von einem „neuen Stürmer“ gesprochen, den er noch gerne hätte. Er hat dabei aber auch wörtlich gesagt: „Eigentlich ist kein Geld da, jedenfalls nicht viel.“ So viel zu diesem Thema, weil ich ja auch danach gefragt wurde, woher ich denn wüsste, dass die Vereinskasse nicht ganz so prall gefüllt ist. Ich hoffe, dass Euch Bruno Labbadia reicht, denn meine Informanten werde ich natürlich nicht nennen – das ist so üblich im Journalismus (für den, der das noch nicht ganz so weiß).

Ein Stürmer ist übrigens schon wieder da. Es ist Paolo Guerrero. Er ist zurück aus seinem Heimatland Peru. Und er ist schon wieder schnell und schlitzohrig. Eigentlich wollten ihn alle meine Kollegen nach dem Training sprechen, aber Paolo hat nichts verlernt, er verschwand durch den Hinterausgang. Im Kollegenkreis wurde debattiert, ob wir Guerrero noch im Laufe dieser Saison auf dem Platz erleben werden. Keiner glaubt mehr daran. Die Prognose, die rund um das Trainingsgelände kursiert ist die, dass Guerrero eventuell im März wieder auf Torejagd gehen könnte. Aber März? Da ist die Saison schon fast vorbei denn die WM in Südafrika steht dann vor der Tür. . .

Wobei beim HSV inzwischen alle wissen, dass auch die Rückrunde kein Zuckerschlecken wird (einige von Euch schrieben es hier bereits). Ze Roberto wird noch bis in den Februar hinein fehlen, dann fahren Guy Demel und Jonathan Pitroipa erst noch zum Afrika-Cup, und ob bis dahin alle Langzeitverletzten tatsächlich wieder hinter dem Ball her rennen können, bleibt erst einmal abzuwarten. Deswegen kann ich die Gedanken von Bruno Labbadia auch verstehen, der von einem Stürmer träumt.
Träume, so heißt es ja allgemein, sind erlaubt. Eure Träume auch. Von Rafael van der Vaart. Ihr habt es gesehen, der spielte für Real Madrid in Marseille. Und zwar von Beginn an. Ist das ein Spieler von Real, der sich mit den Gedanken trägt, zurück in die Bundesliga zu gehen, zurück zum HSV zu kommen? Ich hatte ja bereits ein anderes Gerücht gehört, dass im Süden der Republik in die Welt gesetzt worden ist. Danach sollte van der Vaart in der Winterpause zum FC Bayern wechseln wollen. A’n Schmarrn – würden die Bayern sagen. Oder so ähnlich.

Ein Schmarren ist in diesem Zusammenhang auch die Mär, dass Paolo Geurrero immer noch 4,5 Millionen Euro pro Jahr fordern soll. Wer auch immer das in die Welt gesetzt hat, und wer auch immer einen solchen Unsinn glaubt, der sollte sich jenes Beispiel ganz genau einmal vor Augen führen: Dieter Matz schießt pro Saison 18 Tor für den HSV, er will, um es auf 19 Tore pro Jahr zu bringen, ab sofort ein besseres Gehalt haben. So um die 4,5 Millionen Euro Jahresverdienst wären für ihn okay. Er schießt fleißig Tore, spielt in der Form seines Lebens – und dann das: Kreuzband gerissen. Und zwar vorne und hinten. Der Super-Gau. Dieter Matz geht lange Zeit an Krücken, er kann das Knie auch heute noch nicht durchdrücken, er humpelt wie ein Kriegsveteran, aber er beharrt auf seine 4,5 Millionen Euro. Niemand weiß, auch Dieter Matz selbst weiß es nicht, ob er jemals wieder hinter einem Ball wird her rennen können, geschweige denn, ob er wieder Tore erzielen kann – aber die 4;5 Millionen Euro müssen es schon sein. Sonst wechselt er den Verein.

Wer glaubt denn eigentlich solchen Schwachsinn?

Wobei ich immer noch glaube, dass Paolo Guerrero keinesfalls 4,5 Millionen Euro verlangt hat, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Beim Training am Mittwoch ging es übrigens recht zügig zu. Nicht von den Windverhältnissen her. Es war Zug drin. Und gegen Ende gab es gleich zwei Spiele, in denen sich elf gegen elf Spieler gegenüber standen. Die A-Mannschaft spielte zweimal mit Marcus Berg und Eljero Elia im Angriff, Elia schoss im letzten Spiel auch das einzige Tor. Auffällig an diesem Tag: Tunay Torun mischte nicht nur fußballerisch sehr gut mit, er hält auch körperlich voll dagegen. Soll heißen: Er hält, er tritt, er zerrt – und er steckt nicht nur ein. So machen es alle Stammspieler, und Torun hat offenbar genügend Selbstvertrauen getankt, um sich nun besser und entschiedener zu behaupten. Kompliment!

Übrigens: Jonathan Pitroipa hat am Mittwoch wieder nicht auf dem Platz trainiert, deswegen dürfte er für das Spiel in Nürnberg (am Sonnabend) wohl keine Alternative darstellen.

Ein wunderschönes Tor schoss im ersten Spiel einmal wieder Piotr Trochowski. Er lief im höchsten Tempo (so kann nur er es – neben Ze Roberto) Slalom, ließ vier, fünf menschliche „Fahnenstangen“ stehen, umkurvte auch Torwart Tom Mickel und schob den Ball ins Tor. Alle Achtung, das sah nach Fußball aus. Und wo ich gerade beim Thema bin: Gestattet mir zwei Anmerkungen zur Champions League. Dass die D-Mannschaft von Manchester United beim Deutschen Meister VfL Wolfsburg 3:1 gewinnt, ist ein echtes Armutszeugnis für die Bundesliga. Das war grausam anzusehen. Einige von Euch werden jetzt sicher sagen, dass der VfL doch gar nicht so schlecht gespielt hat. Hat er auch nicht, stimmt. Aber gegen wen? Gegen die D-Mannschaft von Manchester United. Gegen die D-Truppe. Und wenn jetzt wieder einer sagt, dass es doch nur die B-Mannschaft gewesen sei – dann bitte. Soll er ruhig. So oder so ist es schlimm genug.

Und zum FC Bayern sei schnell gesagt: So schlecht habe ich Juventus Turin noch nie gesehen, wirklich noch nie. Das ist ja nur noch eine vom Namen her große Alt-Herren-Auswahl des europäischen Fußballs. Aber wie schrieb ich doch schon vorgestern? Namen sind Schall und Rauch. Okay, auch in diesem Falle werden einige von Euch sagen, dass man immer nur so gut spielt, wie der Gegner es zulässt – und die Bayern haben eben nichts zugelassen. Ist auch eine Erklärung. Wenn ich aber bedenke, dass Juve am letzten Wochenende Spitzenreiter Inter Mailand 2:1 besiegt hatte, dann spricht das (auch) keineswegs für den italienischen Fußball. Das schreibe ich, obwohl ich weiß, dass solche Quervergleiche leicht hinken können. Ich denke trotzdem so. Und ich glaube auch, dass die D-Mannschaft von Manchester United in Turin mit 5:1 gewonnen hätte – aber das ist ein kleiner Scherz. Wahrscheinlich hätte es nur zu einem 2:1 für ManU-D gelangt.

Irgendwie wird es nun auch mal wieder Zeit, fällt mir gerade ein, dass der HSV seine Visitenkarte in der Königsklasse abgibt. War nur so eine Eingebung, aber: Träume sind doch erlaubt. Oder?

18 Uhr (Eiche)