Tagesarchiv für den 7. Dezember 2009

Hart aber herzlich

7. Dezember 2009

Das Hoffenheim-Spiel bestimmt immer noch meinen Tagesrhythmus. Gebe ich ja zu. Um die Gemüter (und vielleicht auch meines) zu beruhigen, starte ich aber zunächst mit einer anderen Geschichte: Das Matz-ab-Treffen. Wir haben uns nun einmal einen Termin ausgeguckt, und dann hoffe ich, dass er Euch auch passen wird. Wir wollen uns am 19. Februar 2010, einem Freitag (vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt) in der Raute treffen. Es wäre nett, wenn Ihr Euch diesen Termin freihalten könntet, und es wäre auch nett, wenn Ihr Euer Kommen so ganz nebenbei einmal hier einfließen lassen könntet – damit wir vernünftig planen können. Wie bereits einmal geschrieben, die erste Runde geht auf das Hamburger Abendblatt, diese Zusage erhielt ich von Chefredakteur Claus Strunz.

Nach wie vor, um noch einmal auf den vergangenen Spieltag zu kommen, bass erstaunt darüber, wie viele HSV-Fans doch sehr hart mit ihrem Verein umgehen, wie harsch und teilweise auch unsachlich kritisiert wird. Tausende Fans werfen ja eigentlich immer den Journalisten vor, zu übertreiben, zu böse zu sein, zu unfair zu kritisieren – und dann das hier. Alle Achtung! Das ist eine Liebe nach dem Motto: „Hart aber herzlich“. Oder? Und genau das macht mich an manchem Punkt immer noch fassungslos. Hier wird jetzt, was heißt jetzt, hier wird schon seit Wochen damit begonnen, den Trainer zu demontieren, obwohl der HSV in der Spitzengruppe der Bundesliga steht. Und die K.o.-Runde der Europa League erreicht hat. Das ist aber wohl nicht genug.

Was mich an diesen vielen kritischen Stimmen vor allem stört: Es sind hier keine VIP-Fans, die ihren HSV in die Mangel nehmen, es sind hier jene Anhänger, die sich Fußballsachverstand attestieren. Wo aber endet dieser Verstand? Da wird ein David Jarolim runter geputzt, als sei er ein Anfänger. Dabei hat der Kapitän vor allem eines im Sinn gehabt: Seine Mannschaft nicht im Stich zu lassen. Zur Erinnerung: Jarolim hatte zwei, drei Tage vor dem Wien-Spiel eine Magen-und-Darm-Grippe, lag flach, konnte nicht trainieren. Andere Spieler, auch schon in der Vergangenheit, hätten sich mit dieser Erkrankung abgemeldet: „Trainer, es geht nichts mehr, ich mache eine Pause bis nach dem Hoffenheim-Spiel.“ Was aber macht „Jaro“? Der lässt sich nicht hängen, der beißt die Zähne zusammen, der rafft sich auf, der gibt alles, der „schrubbt“ gegen Wien von der ersten Minute an wie ein Berserker – und wird dafür kritisiert. Jarolim soll schlecht gespielt haben.

Und wenn? Warum denn? Ganz einfach: Er war KRANK. Und er legte sich auch nach dem Wien-Spiel sofort wieder ins Bett. Und spielte gegen Hoffenheim. Und wurde wieder kritisiert. Was heißt kritisiert? Zerrissen! So schlecht war Jarolim noch nie. Warum denn? Er war KRANK. Und hat dennoch gespielt. Er hat gespielt, andere Kollegen wären mit „Aua“ im Bett geblieben. Undank ist der Welten Lohn. Ich würde Jarolim beim nächsten Mal empfehlen, ebenfalls zu pausieren. Dann kann er nicht zerrissen werden. Besser ist es. Und es ist doch schließlich egal, wer da für den HSV aufläuft. Der HSV, das habe ich in den letzten Tagen gelernt, ist der HSV. Egal, mit welcher Truppe er spielt.

Wo ich gerade dabei bin: Natürlich waren klangvolle Namen des HSV gegen Hoffenheim mit von der Partie. Aber Namen, das wissen wir doch alle, sind Schall und Rauch. Es muss doch auch etwas hinter diesen Namen stecken. Zum Beispiel: Kraft, Kondition, Explosivität, Ausdauer und Härte. Kann ein Bundesliga-Spieler das alles haben, wenn er zuvor lange krank oder noch länger verletzt war? Das haben noch nicht einmal alle diejenigen Spieler, die regelmäßig am Training teilnehmen – wenn ich Euren Beobachtungen Glauben schenken darf. Es wird hier jedenfalls immer wieder behauptet, denn es ab ja zu oft späte Gegentore. Zudem hatte der HSV am Mittwoch schwere 90 Minuten auf tiefem Rasen zu absolvieren. Und: Hoffenheim konnte sich dieses Spiel ganz genüsslich im Fernsehen anschauen, die Füße ein bisschen hoch legen und sich die Hände reiben, dass diese blöden Hamburger alles geben mussten, um Rapid Wien zu bezwingen.

Um noch einmal auf erkrankte und verletzte Spieler zurück zu kommen. Die Regel im Profi-Sport besagt, dass ein Sportler so lange Zeit zur hundertprozentigen Fitness benötigt, so lange die Erkrankung oder Verletzung gedauert hat. Da Jarolim aber fortwährend krank war, kann vielleicht die Kluge von Euch einmal ermessen, wie sich „Jaro“ nach zweimal 90 Minuten gefühlt haben muss. Er hat Unmenschliches vollbracht. Und wurde dabei noch so oft umgetreten. Wenn ich dann höre, dass da eine Schwalbe dabei gewesen sein soll, dann lache ich mich tot. Jarolim wurde ungefähr fünfzehn Mal zu Boden getreten, aber einmal war eine Schwalbe dabei.

Ich fasse es nicht. In anderen Stadien werden die eigenen Spieler vor solchen Tritten geschützt, in Hamburg aber wird penibel darauf geachtet, wie oft eine Schwalbe (des eigenen Spielers, der HSV-Kapitäns) dabei war. Kompliment für so viel Fairness, aber da fehlt mir das Verständnis. Zumal jeder im Stadion beobachten konnte, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark nicht allzu viel Lust hatte, ein Foul gegen Jarolim zu pfeifen, und dass zudem alle Hoffenheimer immer dann mit dem Tschechen pöbelten, wenn er am Boden lag. Das war eine Hetzjagd. Und da wünschte ich mir schon, wenn da die Fans einmal (oder mehrmals) zu ihrem Mann stehen würden. Aber hier wird nach einer Schwalbe gesucht . . .

Ein anderes Thema. Der Trainer. Ich hatte kürzlich das Vergnügen, mit Horst Eberstein eine kleine Weihnachtsfeier absolvieren zu dürfen. Der Mann ist für mich der personifizierte HSV. Und er ist wohl bei jedem zweiten Training im Volkspark anwesend. Mit ihm sprachen wir über den HSV, auch über Bruno Labbadia. Auch ich wurde zum Trainer befragt. Wie er ist, was er macht, wie er es macht, was er anders als seine Vorgänger macht. Hier, bei „Matz ab“, wurde ja schon mehrfach geschrieben, dass Ze Roberto seinen neuen Trainer lobt. Ich kann mich da nur anschließen. Kein Trainer (seit Ernst Happel) hat, das betone ich ausdrücklich, so schnell auf gewisse Mängel im Spiel seiner Mannschaft reagiert, wie Labbadia. Läuft am Wochenende etwas falsch, wird in der kommenden Woche garantiert daran gearbeitet. Und das hat vor Labbadia keiner in dieser Form gemacht. Keiner! Und genau das, was ich während der Woche beobachten kann, hat mir Horst Eberstein in dieser vertrauten Runde, in der viele arrivierte Hamburger Amateurtrainer (z. B. Eugen Igel, Horst Kracht, Bert Ehm, Bernd Kleingarn, Manfred Lorenz,) saßen, bestätigt.

Bei der Gelegenheit kann ich auch schreiben, dass sehr wohl auch Spielzüge während der Trainingseinheiten geübt und einstudiert werden. Auch wenn es während der Bundesliga-Spiele dann nicht immer den Anschein hat, als sei so etwas geprobt worden – es wird.

Noch zwei kurze Personalien: Labbadia nach der Rincon-Vorstellung gegen Hoffenheim: “Tomas hat die zwei Spiele gegen Wien und Hoffenheim sehr gut gemacht, das muss man klar sagen. Zweikampfstark, darüber hinaus auch das Fußballerische gut umgesetzt.” Der Trainer weiter: “Wir hatten bezüglich der Vertragsverlängerung schon Gespräche, die werden fortgesetzt. Er ist charakterlich sehr gut, hat eine Top-Einstellung.” Dann aber sagte Labbadia auch noch: “Im Moment passt es von der Position her, weil wir ein anderes System spielen, die Frage wird sein, ob er dann auch passt, wenn wir wieder anders spielen, unser altes System. Er macht das jetzt sehr, sehr gut, hat sich was erarbeitet, er hilft sich und uns.” Der Coach bemerkte zudem: “Er hatte ja mit Jarolim und Ze Roberto zwei arrivierte Spieler vor sich, da war es nicht einfach für ihn, in die Mannschaft zu kommen. Aber Tomas hat nicht einmal nachgelasen in der Trainingsleistung, und das ist positiv.”

Positiv  war zuletzt auch der Auftritt von Jung-Stürmer Maximilian Beister. Bei den Profis hatte er einige gute Szenen im Training, bei der Zweiten schoss er am Wochenende zwei Tore und holte zudem zwei Elfmeter heraus. Der junge Wilde, der in der Vergangenheit schon einige Probleme mit der Disziplin hatte, scheint momentan auf einem guten Weg zu sein. Auch das ist ein Stück HSV-Hoffnung für 2010.

17.45 Uhr