Tagesarchiv für den 5. Dezember 2009

Ein gerechtes 0:0

5. Dezember 2009

Schade, HSV! Dem 2:0-Erfolg über Wien konnte diesmal kein weiterer „Dreier“ hinzugefügt werden. Hoffenheim war ein anderes Kaliber als Rapid, die TSG gehört zur Bundesliga-Spitze, und da die Labbadia-Truppe immer noch sehr geschwächt ins Spiel geht, war eigentlich schon vorher klar, dass es ein sehr enges Spiel geben würde. Das 0:0 war okay, der HSV war in Halbzeit eins leicht überlegen, Hoffenheim hatte im zweiten Durchgang eine ganz, ganz kleine Überlegenheit. Ich für mich hatte schnell ein Fazit gefunden: Hauptsache nicht verloren. Auch wenn dieses Remis keinem so richtig weiter hilft.

Das war Rasenschach. Kaum Torraumszenen, kaum Strafraumszenen, kaum Torschüsse, keine Torhüterparaden. Und dennoch war das Spiel nicht schlecht anzusehen. Der HSV ließ Hoffenheim in der ersten Halbzeit nur einmal zur Entfaltung kommen, als Luiz Gustavo den Ball quer durch den Fünfmeterraum vor Frank Rost passte, der Ball aber zum Glück von Freund und Feind verfehlt wurde. Eine solche gute Möglichkeit hatte der HSV nicht, aber annähernd war sie da: Marcus Berg, der stark begann und viele gute fußballerische Szenen hatte, bediente den in den Hoffenheim-Strafraum gelaufenen David Jarolim, doch der bekam den Ball nicht unter Kontrolle, die Kugel prallte ihm zu weit vom Fuß, Torwart Hildebrand war da – Chance vertan. Kurios: Am Tag zuvor hatte „Jaro“ genau eine solche Szene schon einmal durchlitten, im Training ließ er verbal seinem Frust freien Lauf.

Bruno Labbadia hatte jene Mannschaft auf den Rasen geschickt, die am Mittwoch Rapid Wien 2:0 besiegt hatte. Also wieder mit Tomas Rincon auf der „Sechs“. Und erneut bot der Nationalspieler Venezuelas eine sehr gute Partie. Das sind im Moment „Rincon-Festspielwochen im Volkspark“. Die Fans haben offenbar einen neuen Liebling für sich entdeckt. In der 28. Minute erhielt der HSV-Profi Beifall auf offener Szene, als er den Ball mit der Sohle unter seinem Körper und an Gegenspieler Eichner vorbei nach hinten zog und dann abspielte. Der kleine und giftige Rincon kann was, er blüht richtig auf, seinen ersten Fehlpass in dieser Partie spielte er elf Sekunden nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit. Ein Manko allerdings habe ich doch noch bei dem Südamerikaner ausgemacht. Zweimal wurde er böse getreten, aber er blieb auf den Beinen, er „schauspielerte“ nicht, sondern rieb sich hinterher nur das getroffene Bein – Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte nicht gepfiffen. Ich bin aber sicher, dass er diese Fouls geahndet hätte, wenn Rincon auf dem Rasen gelandet wäre. . .

Und noch einmal zum Rapid-Spiel zurück: Die Hoffenheimer Kurve sah nicht nur gähnend leer aus, sie war es auch. Von wegen der Tradition und der Fan-Unterstützung einer deutschen Spitzenmannschaft. Da standen höchsten 200 Anhänger aus dem Süden, und das ist schon irgendwie erbärmlich, denn immerhin fand dieses Spiel am reisefreudigen Sonnabend um 15.30 Uhr statt. Wann wollen denn TSG-Fans ihr Team unterstützen, wenn nicht zu dieser Zeit?

Zum Spiel: Überragend beim HSV Jerome Boateng, Der Nationalspieler war in jeder Szene souverän, verlor kaum einen Zweikampf (wenn überhaupt einen!?) und war zudem auch dann oft zur Stelle, wenn es bei einem Nebenmann brannte. Und, was ganz auffällig war: Boateng versuchte stets, seine Zweikämpfe mit fairen Mitteln zu gewinnen, auch das gelang ihm. Stark auch Frank Rost, der zu jeder Zeit auf der Höhe war und absolut souverän wirkte.

Was mir nicht so gut gefiel: Die vielen Rückpässe auf Frank Rost. Das hat in letzter Zeit zugenommen. Und diesmal waren zwei dabei, die höchste Gefahr herauf beschworen: Erst passte Joris Mathijsen den Ball „blind“ zurück (59.), dann auch Rincon (70.). Zum Glück für den HSV war Rost stets hellwach und bereinigte diese brenzligen Situationen.

Was auch meinen Unmut weckte: Schiedsrichter Wolfgang Stark. Das soll Deutschlands Bester sein? Erschütternd! Foulte ein Hoffenheimer, dann musste der betreffende Spieler nur lautstark und gestenreich, oft noch mit einem beschwörenden Blick zum Himmel reklamieren, und dann gab es nichts. Vielleicht gerade noch einen Freistoß für den HSV, aber das war es dann auch schon. Bitter, bitter. Und ganz schwach, Herr Stark! Und was Luiz Gustavo die ganze Zeit machte, hat der Herr aus Landshut auch nicht gesehen, oder besser, er hat es auf jeden Fall nicht geahndet.

Schwach diesmal auch Robert Tesche, nichts war von seiner Rapid-Form zu erkennen. Und bei Piotr Trochowski ging diesmal kaum etwas in der Vorwärtsbewegung, er hatte seine besten Szenen in der Balleroberung. Seine Freistöße verfehlten auch stets das Ziel, ob das daran lag, dass der HSV erstmalig mit dem neuen WM-Ball von Adidas spielte?

Es war natürlich auch nicht einfach zu spielen. Es hatte geregnet, der Rasen war seifig und rutschig, die Spieler hatten eine Menge Mühe, sich stets auf den Beinen zu halten.

Auch nicht so doll: In der 65. Minute zauderte David Jarolim, weil er keine Anspielmöglichkeit hatte, einfach keine. Er vertändelte den Ball – und alles schreit und stöhnt laut auf im Stadion. Warum? Hat das keiner gesehen, dass er zwar wollte, aber keinen Abnehmer fand? Er hätte nur weit nach hinten passen können, und dann hätten auch alle aufgeschrieen.

Noch ein Satz zu Jarolim: Mitunter kam es mir vor, als würde da unten ein Film gedreht: Jagdszenen auf „Jaro“. Wie oft wurde der HSV-Kapitän getreten? Und einmal sprang sogar TSG-Trainer Ralf Rangnick auf, um Jarolim wild gestikulierend und pöbelnd der Fallsucht anzuklagen – auch das war einfach unfassbar für mich. Denn diesmal wurde der Tscheche wirklich einige Male ganz böse getreten, und darunter hat ganz sicher auch sein Spiel gelitten.

Ich hatte vorher 1:1 getippt, denn Hoffenheim ist eine starke Mannschaft. Dennoch hat der HSV, der immer noch sehr geschwächte HSV, sehr viele gute Szenen gegen dieses Spitzenteam gehabt. Das Unentschieden geht schon in Ordnung. Obwohl es natürlich immer bitter ist, wenn keine Tore fallen.

17.44 Uhr