Tagesarchiv für den 4. Dezember 2009

Elia zeigt sich angriffslustig

4. Dezember 2009

Selten war ich so erfreut
wie grad eben, liebe Leut,
so viel Reime – meistens gut,
machen mir nen Riesenmut.
Hoffenheim, ne große Nummer
Fährt bald heim mit sehr viel Kummer.
Steht die Null die ganze Zeit,
machen sich drei Punkte breit.

So, jetzt aber erstmal Schluss mit dem Reimen (denjenigen, die es noch nicht gesehen haben, empfehle ich den aktuellen Vierzeiler zum Spiel von Lotto King Karl als amüsante Unterhaltung). Das Abschlusstraining ist vorbei, und es gibt jede Menge Nachrichten.

Die besten vorweg: Das Lazarett des HSV lichtet sich. Auch wenn Jonathan Pitroipa noch nicht mitmachen konnte und ich ihn auch nicht im Kader für das Duell gegen Hoffenheim erwarte, weil ihn immer noch muskuläre Probleme nach der Zerrung plagen, so gibt es bei anderen wichtigen Profis erkennbare Fortschritte.

Allen voran Eljero Elia. Wer sein Gesicht am vergangenen Sonnabend nach der üblen Attacke des Mainzers Noveski noch vor dem geistigen Auge hat, der würde die heutigen Trainingsszenen vermutlich in das Reich der Fabeln verweisen. Wer nämlich so aufdribbelt wie „Eli“, der kann nahezu unmöglich noch vor ein paar Tagen mit einer schweren Bänderverletzung gerechnet haben. Es war echt eindrucksvoll, wie sich Elia präsentiert hat. Hier ein Haken, da ein Trick. Keine Scheu vor Zweikämpfen und gehörigen Zug zum Tor zeigte er zur Zufriedenheit seines Trainers Bruno Labbadia. Und auch wenn ich gestern noch fest mit dem Einsatz Robert Tesches in der Startelf für das Spiel gegen Hoffenheim gerechnet hatte, so muss ich mich heute leicht korrigieren. Es ist gut möglich, dass Tesche doch auf der Ersatzbank sitzen wird und Labbadia auf zwei Stürmer (Berg, Elia) gegen die zuletzt häufiger anfällige TSG-Abwehrreihe setzt.

Auch die Ersatzbank des HSV wird nun wieder hochkarätiger besetzt sein. David Rozehnal (nach überstandener Grippe) dürfte dort ebenso Platz nehmen wie Sturmjoker Mladen Petric. Dem Kroaten merkt man deutlich an, dass er nach der grandiosen Begrüßung gegen Rapid Wien auf weitere Einsätze brennt. Beim Torschusstraining setzte Petric Torwart Frank Rost (absolviert gegen Hoffenheim sein 100. HSV-Spiel) mehrere echte „Brandbomben“ ins Netz. Er geht auch heiklen Zweikämpfen nicht aus dem Weg. Sollte im Angriff die Durchschlagskraft fehlen, taugt der clevere Strafraumspieler für einen 30-Minuten-Einsatz – vielleicht sogar schon für ein bisschen mehr.

Beim Stichwort Strafraumspieler fällt mir eine intensive Diskussion meiner Kollegen Marcus Scholz und Christian Pletz ein, bei der es um Marcus Berg ging, der sich heute im Training übrigens auch mit sehr guten Abschlüssen hervor tat. Scholz betrachtet Berg als echten Strafraumstürmer, während Pletz ihn eher als eine Art „zweiten Stürmer mit Stärken im Abschluss aus 14 bis 18 Metern“ sieht.

Ich habe mir die Diskussion interessiert angehört, zumal beide Kollegen für ihre Thesen Befürworter fanden. Berg selbst betrachtet sich ja auch als Strafraumspieler, der sich im Strafraum am wohlsten fühlt. Allerdings sehe ich ihn nicht so stark, wenn er in der Gefahrenzone mit dem Rücken zum gegnerischen Tor steht und angespielt wird. Bei Pässen in seinen Lauf begeistert er mich jedoch (auch im Training) immer mal wieder mit unspektakulären und dennoch wirkungsvollen Torabschlüssen. Mich würde mal interessieren, wie Ihr Berg seht. Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Interpretationen von Stürmerbezeichnungen – von Keilstürmer (Typ: Horst Hrubesch) über spielender Angreifer (Typ: Paolo Guerrero), Abstauber (Typ: Bernardo Romeo) bis hin zum lauffreudigen Zweitstürmer (Typ: Mehdi Mahdavikia).

Unabhängig von seiner Spielweise, seinen Vorzügen und Nachteilen kommt Berg morgen gegen Hoffenheim eine enorme Bedeutung zu. Denn seine Durchsetzungsfähigkeit ist gefragt. Nach dem Sieg gegen Rapid Wien habe ich nicht wenige HSV-Fans und –Beobachter getroffen und gehört, die jetzt fest von einem weiteren Heimerfolg ausgehen, als sei ein Heimdeier selbstverständlich.

Nur eines ist mal klar: Hoffenheim wird eine andere Hausnummer als Rapid. Ich erwarte morgen um 15.30 Uhr eine Mannschaft als HSV-Gegner in der Nordbank-Arena, die spielerisch eindeutig zu den Top fünf der Liga zählt und über eine Vielzahl an Einzelspielern verfügt, die ein Bundesligaspiel ganz allein entscheiden können.

Ganz besonders muss man neben den bekannten Stürmern und Regisseur Carlos Eduardo auf Freistoßspezi Salihovic aufpassen. Dessen ruhende Bälle sind vergleichbar mit Piotr Trochowskis besten Standards. Und sie sind nicht nur präzise, sondern auch extrem scharf. Da darf sich Frank Rost schon einmal auf harte Arbeit gefasst machen.

Grund zu übertriebener Sorge oder gar Panik gibt es meines Erachtens aber nicht, schließlich ist auch der HSV-Kader mit einigen Spielern ausgestattet, die diesen kleinen Unterschied ausmachen können. Ich freue mich schon auf das Duell.

18:05 Uhr

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