Tagesarchiv für den 3. Dezember 2009

Noch einmal mit Rincon und Tesche

3. Dezember 2009

Sie galten bei vielen ständigen Beobachtern der Mannschaft bereits als Auslaufmodelle. Als zukünftige Ex-HSVer. Sie waren Dauerreservisten. Und nun? Nach dem 2:0-Sieg gegen Rapid Wien in der Europa League erfreuen sich Robert Tesche und Tomas Rincon plötzlich einer neuen Wertschätzung. Sie haben auf internationalem Parkett ordentlich Eigenwerbung betrieben und sich damit für einen Startplatz in der Elf gegen Hoffenheim empfohlen. Mal ganz ehrlich: Wer hätte das gedacht?

Ich nicht. Aber ich habe mich für die beiden gefreut, denn sie gehören im Training immer mit zu den fleißigsten und haben sich in den vielen Wochen des Zuschauerdaseins auch nie beschwert oder hängen lassen.

Während Tesche in seiner neuen Rolle als zentraler Mann hinter der Spitze so etwas wie einen Neustart hingelegt hat, sich vielleicht in dieser Position sogar vorerst festspielen kann (alleine wegen der Personalsorgen), belastet Rincon ein echtes Handicap. Und das heißt: Vertragsende.

Das Leihgeschäft mit dem Venezolaner endet mit dieser Hinrunde, und bislang konnten die Verantwortlichen (sprich: Klubboss Bernd Hoffmann) keine „Verlängerung“ erzwingen. Ja, Ihr lest richtig: Verlängerung. Das heißt, dass die Entscheidung zu Rincon intern bereits gefallen ist. Trainer Bruno Labbadia möchte den Defensivallrounder gerne länger behalten. „Noch ist aber keine definitive Entscheidung gefallen, ob unser Wunsch auch umgesetzt werden kann“, sagte Labbadia heute bei der Pressekonferenz.

Im Klartext heißt das: Es geht um Kohle. Die geforderte Ablöse für den Nationalspieler Venezuelas ist den Hamburgern zu hoch. Nach meinen Informationen würden sie den Leihvertrag mit Rincon am liebsten verlängern. Mindestens bis zum Sommer 2010. Ob die nicht immer ganz einfachen Südamerikaner auf diesen Wunsch eingehen und auch der Spielerberater sich für das HSV-Interesse einsetzt, werden die nächsten Tage zeigen.

Ich bin für Sonnabend schon voller Vorfreude in Sachen Rincon. Ich bin gespannt, ob er Hoffenheims Carlos Eduardo auch zu bändigen weiß. Das Zeug dazu hat er jedenfalls, denn ich glaube nicht, dass der Auftritt gegen Rapid Wien nur ein Strohfeuer war. Aber man muss natürlich auch noch warten, ob Carlos Eduardo überhaupt spielt. Ich habe gerade gelesen, dass den Neunationalspieler Brasiliens muskuläre Probleme beschäftigen. Wer dann aus Hoffenheim den Begriff „Personalprobleme“ hört (und aus Hamburg kommt), der kann nur laut auflachen und den Kopf schütteln. Was hat dann bitte der HSV? Schwund? Ein Personaldebakel? Eine PersonalPlage…?

Bis zum nächsten Spiel wird sich an der Personallage der „Rothosen“ jedenfalls nicht viel ändern. Eljero Elia hat heute nicht trainiert, den nerven immer noch Schmerzen am lädierten Knöchel. Tunay Torun konnte nur Lauftraining absolvieren. Und Jonathan Pitroipa brach das Torschusstraining nach einem zugegebenermaßen spagat-ähnlichem Schritt mit muskulären Problemen ab. Das dürfte für Hoffenheim ganz eng werden. Am ehesten erwarte ich noch Torun zurück im Kader.

Und dann ist da ja noch Petric. Da gab es heute eine Szene mit kollektiver Atempause beim Training. Beim Abschlussspiel der Reservisten und Nachwuchsleute (drei gegen drei) kollidierten Tolgay Arslan und Petric unglücklich. Der am operierten Knöchel getroffene oder umgeknickte Kroate sank zu Boden und tippte immer wieder mit der Fußspitze auf den Rasen, als hämmerte der Schmerz durch seinen Fuß. Um ihn herum standen die Trainer und Spieler, alle blickten wie geschockt zu im HSV-Hoffnungsträger hinab. Physiotherapeut Uwe Eplinius eilte herbei und gab zeigleich mit Petric Entwarnung. Und siehe da: Nach dieser Szene war der Torjäger noch gefährlicher und zielsicherer als vorher. Drehung, Schuss – Tor. Annahme, Doppelpass, Tor. Das gefiel nicht nur dem Trainer. Vielleicht bekommt Petric gegen Hoffenheim ja erneut eine Kurzzeitchance. Dann müsste er nur mal ein präzises Zuspiel im Strafraum bekommen, am liebsten gegen Simunic, dann könnte es interessant werden.

Was wir Zuschauer beim Duell HSV – Hoffenheim grundsätzlich erwarten können, da bin ich mir noch nicht so sicher. Eigentlich könnte es ja ein Offensivspektakel geben, da beide Mannschaften derartige Spielphilosophien haben. Aber die Erfahrung hat mich gelehrt, dass gerade bei direkten Vergleichen solcher Teams nicht selten vorsichtigere und zaghaftere Bemühungen erkennbar waren, weil der gegenseitige Respekt erkennbar ist. Dabei muss ich gestehen, dass ich nichts gegen ein 4:3 oder ein 3:2 für den HSV hätte.

16:00 Uhr