Tagesarchiv für den 2. Dezember 2009

Ein großer Sieg!

2. Dezember 2009

Das war allererste Sahne, HSV! Das war super, großartig, klasse, hervorragend. Rapid Wien wurde im wichtigsten Spiel dieser Saison mit 2:0 besiegt, der HSV tanzt weiter auf der europäischen Ebene mit, dieser Tanz wird dem Klub viele Millionen in die Kasse spülen und auch wieder mehr Renommee einbringen. Nach der Zwei-Tore-Führung besaß die „B-Mannschaft“ des HSV, in der sich etliche angeschlagene und leicht erkrankte Spieler über die 90 Minuten quälen mussten, die nötige Ruhe und auch die Klasse, um die oft zu aggressiven Österreicher in die Schranken zu weisen. Beim HSV fehlten so viele Stammspieler, es ist fast ein kleines Fußballwunder, dass sich diese seit Monaten so stark ersatzgeschwächte Mannschaft so locker für die K.o.-Runde in der Europa League qualifiziert hat. Großartig! Und ganz wichtig: Der HSV kann nach sechs sieglosen Spielen wieder gewinnen.

„Hauts eich eine Burschen!“ Das Motto der Wiener prangte in Form eines riesigen Plakates quer über dem Block der Rapid-Fans. „Haut euch rein, Burschen“, wäre das passende Gegenstück auf Hamburger Seite gewesen, aber das gab es nicht. Bruno Labbadia wird es seinen Mannen wohl in der Kabine eindrucksvoll vermittelt haben. Beeindruckend aber trotz allem die Fans aus Österreich, die ihre Mannschaft beim Einmarsch in die Arena mit vielen tausenden grün-weißen Flaggen begrüßten. Diese Choreographie hatte schon was. Was, das sangen die HSV-Fans erwartungsfroh: „Europapokal, Europapokal.“

Schon vor dem Spiel ging es in den Blöcken der Gäste hoch her. Als sich deutsche Ordner zwischen die Österreicher mischten, gab es erste Handgreiflichkeiten, wobei eine Ordnungskraft plötzlich – und ohne sein Zutun – bis nach unten an den Rand des oberen Blockes „durchgereicht“ wurde. Es flogen Fäuste und volle Bierbecher. Nicht gerade die feine österreichische Art. Weil die Rapid-Fans auch solche Nettigkeiten in singender Form von sich gaben: „Hamburger Arschlöcher“ und „Schwuler HSV“. Es dauerte, bis die Hamburger Anhänger eine relative kurze und ebenso unfreundliche Antwort parat hatten: „Grün-Weiße Schweine . . .“ Aber die Stimmung war dennoch gut. Bruno Labbadia hatte sich am Tag vorher eine Festung gewünscht, die gab es. Großes Kompliment am die HSV-Fans – besonders im Norden.

Auf dem Platz tat sich dagegen in der Anfangsphase kaum etwas. Vorsicht heißt die Mutter der Porzellankiste, und Sicherheit zuerst ihr Bruder. Der HSV spielte mit einer Spitze, das war Marcus Berg. Er spielte es so, wie zuletzt immer: Oft ein wenig zu unsauber (unfair) und dazu mit einigen technischen Schwierigkeiten garniert, denn oftmals sprang ihm der Ball bei der Annahme einige Meter zu weit vom Fuß – und weg war die Kugel. Torgefahr strahlte er in Halbzeit eins nicht einmal aus, aber dann bewies er endlich einmal wieder das, was er immer über sich selbst sagt: „Ich bin ein Strafraumstürmer.“ In der 52. Minute drosch er eine Demel-Flanke aus der Drehung und aus zwölf Metern zum 2:0 ins Wiener Netz. Ein Traumtor.

Zuvor hatte schon Marcell Jansen nach einem dicken Patzer von Rapids Jovanovic (zu dünne Rückgabe) das Führungstor erzielt, der Hamburger Mittelfeldspieler traf mit seiner linken Klebe aus zwölf Metern zum erlösenden und viel umjubelten 1:0 (47.). Alles wird gut.

Gute bis beste Noten verdienten sich beim Sieger diesmal zwei Spieler, die sonst auf der Bank oder sogar auf der Tribüne Platz nehmen müssen: Tomas Rincon und Robert Tesche. Venezuelas Nationalspieler räumte lauf der „Sechs“ gut ab und übertrieb dabei auch seinen körperlichen Einsatz nicht. Mit zunehmender Spieldauer wurde er selbstbewusster und dabei gelegentlich sogar leicht dominierend. Das konnte sich – endlich einmal auf seiner Lieblingsposition – sehen lassen. Und Tesche machte ebenfalls viel, einiges ging ihm – natürlich – auch daneben, dennoch hatte er viele sehr gute und auch viel versprechende Szenen. Er wollte (diesmal), er hatte Ideen, und er wagte sich in die Zweikämpfe, holte dadurch den einen oder anderen Freistoß heraus.

Überzeugend auch Jansen, der immer besser in Form kommt. Ich schrieb es kürzlich schon einmal: So kommt Marcell Jansen noch mit zur WM nach Südafrika. Und, ich muss eins leider noch einmal anschneiden: Auf der Pressetribüne schieden sich wieder einmal die Geister, als es um Piotr Trochowski geht. Zu „ineffektiv“ solle er gewesen sein, zu wenig aus „seinen technischen Möglichkeiten gemacht“ haben. Ich habe diesmal ganz besonders auf ihn geachtet: „Troche“ lief viel, arbeitete enorm, bot sich immer wieder an, forderte die Bälle, wollte Verantwortung übernehmen. Ein solches Spiel kostet Kraft, es ist im Sinne der Mannschaft angelegt – da kann man auch als ein Piotr Trochowski nicht groß glänzen. Ich gebe zu, nach vorne ging diesmal wieder nichts bei ihm, aber er gab alles für das Team. Grundsätzlich ist festzuhalten: Es gab in dieser HSV-Mannschaft nicht einen Ausfall.

Und um noch einmal auf die „nur“ eine Spitze zurück zu kommen: Berg versuchte sein Glück in der Mitte, aber über die Außenpositionen stießen immer wieder Marcell Jansen und Piotr Trochowski nach, sogar Tesche und Rincon tummelten sich gelegentlich am Rapid-Strafraum herum. Stur defensive war dieses Konzept ganz sicher nicht, aber es wurde eben sehr auf Sicherheit und Disziplin geachtet. Wobei die Wiener in jener Zeit, als es 0:0 hieß, meistens wie die Angsthasen agierten. Mit Jelavic kurvte auch nur ein Wiener Offensivspieler seine Visitenkarte in der HSV-Hälfte abgab. Das war Wiener Beton, das war dürftig, das war ganz schlecht. Und viel weniger, als ich vorher gedacht und auch befürchtet hatte.

Als die Wiener dann ihre (totale) Defensive etwas lockerten, entwickelte sich ein rassiges Spiel. Immer mit Vorteilen für den HSV, der es souverän und mitunter recht locker zu Ende spielte. Kompliment, HSV, sogar ein ganz großes!

Und in der 76. Minute brodelte es mächtig in der Arena: Mladen Petric kam erstmals nach seiner schweren Verletzung am 3. Oktober (bei Hertha BSC) zu einem Einsatz, für ihn verließ Berg den Rasen. Immerhin dauerte es vier Minuten, bevor Petric zum ersten Mal an die Kugel gelangte. Aber mit seinem Einsatz keimt neue Hoffnung auf!

Gut zum Schluss: Sören Bertram aus der Zweiten erhielt noch für einige Minuten seine erste Chance in der „Ersten“. Der 18-Jährige hatte im Training bei den Profis mehrfach einen guten Eindruck hinterlassen und sich so seine Chance verdient.

Gut auch: Durch den Celtic-Sieg über Hapoel Tel-Aviv ist der HSV nun vor dem abschließenden Spiel in Israel Tabellenführer der Gruppe C. Unglaublich, bei diesen unheimlich vielen Ausfällen.

Schade (aber kein Drama!): Ich hätte auch Maximilian Beister noch gerne für einige Zeit gesehen, aber vielleicht passiert das ja nun in einem der nächsten Spiele. Wenn es wieder einmal so gut läuft, wie gegen Rapid Wien.

23.04 Uhr

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