Tagesarchiv für den 1. Dezember 2009

Labbadia will eine Festung

1. Dezember 2009

Nach dem Hinspiel-Sieg feierte ganz Wien den Gewinn der Europa League – so schien es. Eine Stadt spielte verrückt, die Wiener machten walzten die Hamburger nach den 90 Minuten gleich noch ein zweites Mal nieder, der HSV wurde voller Häme und Sarkasmus verabschiedet. Ob die Hamburger Profis das vergessen haben? Oder ist das genau die richtige Motivation, um Revanche zu nehmen? Bruno Labbadia scheint darauf zu hoffen, denn er sagt: „Meine Mannschaft hat nach dem Spiel in Wien die richtige Reaktion gezeigt, sie hat danach sieben Punkte geholt.“ Am Mittwoch würden drei langen . . .

Es wäre so wichtig, denn der HSV würde in die K.o.-Runde der Europa League einziehen. Allerdings ist die Voraussetzung für einen Hamburger Sieg nicht gerade günstig, denn der HSV geht immer noch am Krückstock. Sicher ist, dass David Rozehnal (Fieber) und wohl auch Tunay Torun (Knieprellung) ausfallen werden, natürlich neben allen anderen Spielern wie Ze Roberto, Collin Benjamin, Paolo Guerrero, Alex Silva, Romeo Castelen, Bastian Reinhardt und Tolgay Arslan. Letzterer ist zwar nicht verletzt, er wurde nur vom HSV zu Beginn dieser Saison nicht für die Europa League bei der Uefa gemeldet.

Um David Jarolim, den es mit einer Magen- und Darm-Grippe erwischt hatte, um Guy Demel, den es nun am Dienstag mit dieser Krankheit erwischt hat, und um Jonathan Pitroipa, der erstmalig wieder (ein bisschen) mit der Mannschaft trainieren konnte, wird noch bis zum Anpfiff um 21.05 Uhr (live auf SAT.1 und Sky) gebangt werden müssen. Falls sich bis dahin nicht noch ein weiterer Spieler auf die Krankenliste wird setzen lassen müssen.

Ob die Wiener die Gunst der Stunde nutzen, ob sie in Hamburg gegen diesen stark ersatzgeschwächten HSV mutig auf Sieg spielen werden? Ich habe eine sehr, sehr hohe Meinung von den Wienern, halte sie zurzeit für die beste Mannschaft Österreichs – und ich habe großen und größten Respekt vor der Aggressivität des Rapid-Trainers Peter Pacult, der in meinen Augen ein erstklassiger Motivator ist. Diese 90 Minuten werden dem HSV alles abverlangen, wenn es einen Heimsieg geben sollte, dann hätte der HSV wahrlich eine große Leistung vollbracht.

„Ich erwarte Rapid so, dass die Mannschaft aus einer sehr, sehr kompakten Defensive heraus arbeiten wird, darauf müssen wir uns einstellen. Wir müssen Geduld aufbringen, wir müssen uns viel bewegen und viel Fußball spielen“, sagt HSV-Trainer Labbadia. Er sagt es eher leise und verhaltend, von seinem einst so strahlenden Lächeln, von seinem sonst so auffälligen Optimismus ist – natürlich – nicht mehr viel zu erkennen. Es ist die ganz sicher schwerste Zeit, die er in diesen Tagen als Trainer durchleben muss. Alles was Beine hat beim HSV muss für dieses entscheidende Spiel mobilisiert werden, auch Spieler der Zweiten werden wohl dabei sein.

Es gibt aber noch Hoffnung, dass der eine oder andere angeschlagene Spieler doch noch ins Team zurückkehren wird. Jarolim ist am Dienstag (danke Ihr Alle!) gelaufen, sein Einsatz ist wohl wahrscheinlich. Pitroipa könnte erstmalig wieder auf die Bank, Demel könnte es ebenfalls noch schaffen, dürfte aber auch nur ein Kandidat für die Ersatzbank sein. Packt es der Ivorer nicht, bekäme sicherlich Tomas Rincon eine erneute Bewährungschance. Eljero Elia, zuletzt in Mainz von Noveski böse zusammengetreten, könnte die große Überraschung werden. Labbadia bescheinigt dem Niederländer zwar noch Schmerzen im Knöchel, aber der Nationalspieler selbst hofft, dass er bis zum Anpfiff noch fit wird – und strahlt Optimismus aus. Auch wird Mladen Petric erstmalig wieder im Kader sein, aber auch er kann nur über die Bank ins Spiel kommen, alles andere ist nicht vorstellbar und auch nicht machbar.

Zudem hofft Coach Labbadia ganz inständig auf den zwölften Mann: „Wir brauchen die Unterstützung unserer großartigen Fans diesmal ganz extrem, mit ihnen gemeinsam wollen wir eine tolle Einheit bilden, wir müssen mit ihnen eine richtige Festung aufbauen.“

Zu dieser Festung wird auch Jerome Boateng gehören. Trotz seines „Platzverweises“ beim Vormittags-Training. Dazu Bruno Labbadia: „Es steht für den Verein und für die Mannschaft ein sehr, sehr wichtiges Spiel an. Dazu gehört eine gute Vorbereitung, dazu gehört vor allem ein gutes Abschlusstraining, eine gute Haltung. Und das war bei Jerome Boateng heute nicht der Fall. Ich erwarte da Konzentration, die hatte er nicht, deswegen habe ich ihn in die Kabine geschickt. Da sollte er über seine Einstellung nachdenken, damit war der Fall für mich erledigt.“

Offenbar hatte sich die Lage an diesem Dienstag (danke!) zugespitzt, denn Bruno Labbadia gab zu: „Wir haben darüber schon mehrfach gesprochen, es ist nicht das erste Mal – mir hat diese Situation einfach nicht gefallen, deswegen habe ich reagiert.“ Kommentar von Boatengs Teamkollegen Mladen Petric: „Es gibt gewisse Richtlinien, die einzuhalten sind, und es ist auch eine Frage des Respekts. Verletzt man diese Dinge, dann muss man mit diesen Konsequenzen leben.“ Bleibt die Frage, wie Jerome Boateng mit diesem Zwischenfall umgehen kann und wird.

Der Trainer wartet – und ganz sicher nicht nur er – nun auf eine entsprechende Reaktion des Spielers. Und wenn die mitreißenden Charakter hätte, dann wäre dem HSV schon mal sehr geholfen.

17.21 Uhr

Boateng vom Platz geschickt

1. Dezember 2009

Es war 11.11 Uhr beim HSV-Training, eigentlich ja eine närrische Uhrzeit, aber zum Lachen war beim Training niemandem zumute. Im Gegenteil, und das lag nicht an den Temperaturen, die kurz vor dem Gefrierpunkt waren, Bruno Labbadia reklamierte etwas am Spiel von Jerome Boateng, dann folgte etwas, was den Trainer gereizt haben muss – er schickte den Nationalspieler kurzerhand in die Kabine. Keine gute Stimmung vor dem Europa-League-Spiel des HSV am Mittwoch gegen Rapid Wien. Zumal der HSV noch immer ein riesiges Lazarett sein eigen nennt. Hätten nicht Spieler der Zweiten an diesem Training teilgenommen, so wäre der personelle Notstand ganz offensichtlich gewesen, so aber wurde die schlimme Situation noch ein wenig kaschiert.

Ob das am Mittwoch aber besser aussehen wird? Der Reihe nach: David Jarolim lief nur einige Runden, dann ging er in die Kabine. David Rozehnal war gar nicht drau0en zu sehen. Jonathan Pitroipa stand zuerst mit auf dem Rasen, lief dann einige Runden und ging in die Kabine, Eljero Elia blieb gleich in den Katakomben, Guy Demel war auch nicht auf dem Platz. Und Tunay Torun, der in Mainz verletzt vom Platz gehumpelt war, der stand zu Beginn zwar auf dem Rasen, dehnte sein linkes Bein einige Male – und brach dann das Training vorzeitig ab. Sein Einsatz erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Wie ein Mitwirken von Elia, Torun und Pitroipa, bei allen anderen Spielern habe ich noch die Hoffnung auf ein gutes Ende.

Was auch vonnöten sein dürfte, denn Rapid Wien wird eine ganz, ganz harte Nuss. Ich kann nur schmunzeln, was für eine Quote die Herren von Oddset diesem Spiel gegeben haben. Für einen HSV-Sieg gäbe es nur 1,35. Das ist ein Witz, betrachten man die katastrophale Lage der Hamburger. Und dazu ist es ja auch so, dass die Wiener derzeit in einer Top-Verfassung sind. Nein, nein, das wird sehr, sehr schwer für den HSV. Was vielleicht für einen Heimsieg spräche wäre die Tatsache, dass Rapid ja eigentlich gewinnen muss. Also nur hinten reinstellen und kontern, das ist es wohl nicht in Hamburg.

In diesem Vormittags-Training deutete sich übrigens an, dass Jerome Boateng neben Joris Mathijsen in der Innenverteidigung spielen könnte – so der disziplinierte Profi denn zum Einsatz kommt (wovon ich natürlich ausgehe). Und sollten entweder Demel oder Jarolim ausfallen, so bestünde die Möglichkeit, dass Tomas Rincon von Beginn an auf dem Rasen steht, denn er mischte bei der Stammformation mit, sofern man dabei noch von einer Stammformation sprechen kann.
Bei Mladen Petric spricht alles für einen Einsatz gegen Wien, allerdings denke ich einmal, dass er nur über die Bank kommen dürfte. Für ein Spiel von Beginn an dürfte seine Kraft noch nicht reichen, aber auch das liegt natürlich auf der Hand, er hat zu lange pausieren müssen.

Apropos müssen: Gestern sprach ich mit Stadion-Chef Kurt Krägel über die leidige „Wildpinkler“-Affäre. Der HSV, das ist die gute Nachricht, hat das Dilemma erkannt. Obwohl Krägel auch sagt: „Es gibt ja Vorschriften für ein solches Stadion, da ist auch die Anzahl der Toiletten mit drin, und danach haben für sogar mehr als erforderlich, so um die zwölf mehr.“ Trotz allem ist der HSV gewillt, mehr in Sachen Toiletten zu tun. Zurzeit wird geprüft, ob es sich dabei nur um Urinalbecken handeln kann (und darf), oder ob es sich dabei auch immer um Sitzgelegenheiten handeln muss. Ferner werden derzeit Möglichkeiten des Umbaus der Toiletten geprüft, der vorhandenen und auch neuer Standorte. Diese Prüfung wird vom Bauamt und auch der Feuerwehr vorgenommen.

Mein Hinweis (der von Euch kam), dass es im Berliner Olympiastadion neben den ausreichend vorhandenen Toiletten auch noch viele transportable WC-Häuschen im Stadion-Vorbereich gebe, nahm Kurt Krägel zur Kenntnis, sagte aber auch: „Erstens sind diese Klos schnell gefüllt, zweitens, und das ist eine große Gefahr, brennen sie zu schnell.“ Da legt auch die Feuerwehr ihr Veto ein, denn in Hamburg fehlt der Platz für diese Dixi-Klos, Berlin hat da einen großzügigeren Bereich rund um das Stadion. Da spielt nämlich auch das Thema Fluchtwege eine nicht unwesentliche Rolle.

Quintessenz: Der HSV hat die Situation erkannt, der HSV will etwas machen, wird wohl auch etwas machen, aber vor Beginn der neuen Saison wird sich da wohl kaum etwas tun. Immerhin, es tut sich aber etwas.

11.55. Uhr

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