Monatsarchiv für Dezember 2009

Die Bilanz der Trainer

31. Dezember 2009

Welch eine Aufregung! Der Text war weg. Bis nachts um 1.30 Uhr hatte ich an den Tops und Flops des Hamburger Fußballs 2009 geschrieben. Parallel dazu schrieb auch Christian Pletz, bei ihm sollten die Zeilen dann auch zusammenlaufen, aber es sollte eben nur. 50 Zeilen von meinen rund 300 kamen nur bei meinem Kollegen an. Und dann begann das große Suchen und Fahnden. Ohne Ergebnis. Ich musste alles noch einmal, im Grunde genommen sogar zum dritten Mal schreiben. Wahnsinn. Ich war echt kurz vor dem Explodieren, passend zum Tage.

Ja, und weil jetzt alles fertig ist (steht im Abendblatt Sport), und weil ich noch so aufgekratzt bin, und weil einige von Euch noch etwas über die Trainer lesen wollten (!), so hauen ich eben jetzt noch in die Tasten. Man gönnt sich ja sonst nichts, es ist kurz nach 15 Uhr – und ich reagiere mich so am besten ab.

Übrigens: Die Hinrunden-Bilanz ist ergänzt worden, weil, wie viele von Euch völlig berechtigt reklamiert hatten, ja Jonathan Pitroipa vergessen worden ist. Der Schaden ist inzwischen aber auch behoben worden, wir gehen also glatt ins neue Jahr – sorry!

Hier also die Halbjahres-Bilanz für die HSV-Trainer:

Bruno Labbadia: Es gab im Sommer ja viele, viele Skeptiker in Hamburg. Ich gebe es zu, und das spricht nicht für mich, ich weiß es wohl, auch ich gehörte zu jener Gruppe. Zu frisch waren die Erinnerungen an das kleine Fiasko, das sich rund um das Pokalfinale mit Bayer Leverkusen und Labbadia ereignet hatte. Der „schöne Bruno“ hatte unmittelbar vor dem Endspiel ein Aufsehen erregendes Interview gegeben, und diese Geschichte musste unweigerlich zu einem Bruch, wahrscheinlich zum endgültigen Bruch zwischen dem Trainer und Bayer führen. Weil das Interview am Pressechef Uli Dost vorbei in die Süddeutsche lanciert worden war, musste auch er seinen Hut nehmen, das einmal ganz nebenbei.

Es rankten sich um dieses Interview einige böse Gerüchte, die Bayer-Mannschaft soll gegen den Trainer abgestimmt haben, und der ganze Klamauk erinnerte ein wenig an „schmutzige Wäsche waschen“. Das Verhältnis zwischen Bayer-Team und Labbadia sollte danach schon seit Beginn des Jahres total zerrüttet gewesen sein. Und, und, und.

Sicher kein idealer Start für Bruno Labbadia in Hamburg. Deshalb die vielen Skeptiker. Doch diese Gruppe nahm praktisch von Tag zu Tag ab. Weil der Coach mit unglaublicher Akribie an seine Arbeit beim HSV ging, weil er hundertprozentigen Einsatz zeigte, weil er auch nicht nur über seine fußballerischen Vorstellungen sprach, sondern sie auch auf dem Platz in die Tat umsetzte. Das gefiel, das kam an.

Auch ich hatte schon bald die Wende vollzogen, gebe ich zu. Die Leistungen des HSV stimmten, sie waren zum Teil überragend. Und der HSV spielte nicht nur modern, sondern erfolgreich, schoss zu Beginn die meisten Tore in der Bundesliga. Sicher auch ein Verdienst von Bruno Labbadia.

Was mir auffiel, da ich fast jedes Training sah (und sehe): Der Trainer spricht unheimlich oft und viel mit seinen Mannen. Mir, sage ich auch ganz ehrlich, manchmal ein wenig zuviel sogar. Aber so ist er nun einmal. Andere Trainer vor ihm haben kaum einmal den Mund aufbekommen, haben viel zu selten mit den Spielern kommuniziert, haben auch nur gelegentlich korrigierend im Training eingegriffen – bei Labbadia gibt es alle diese Sachen fast schon im Überfluss. Ihr erinnert Euch sicher, weil es damals „HSV-Oliver“ tage- und wochenlang wiederholt hatte, nämlich den Satz, den mir Felix Magath als HSV-Trainer immer dann um die Ohren gegeben hat, wenn ich meinte, dass er zu wenig mit den Spielern gesprochen hatte: „Matz, du bist und bleibst ein Amateur. Ein Profi hat zu funktionieren, wenn er das nicht macht, sollte er kein Profi werden.“

Bei Bruno Labbadia gibt es, wie gesagt, keinerlei Mangel an der Kommunikation mit seinen Jungs. Ob sie ihm immer ganz genau zuhören, ob sie immer hundertprozentig seinen Worten lauschen und sie auch verinnerlichen, das vermag ich nicht zu sagen – es hat sich bei mir in dieser Hinsicht auch noch kein Spieler beklagt. Also muss alles gut sein.

Was zudem für den neuen HSV-Trainer spricht: Er geht während der Einheiten im Volkspark sofort auf jene Sachen ein, die ihm während der vorangegangenen Spiele negativ aufgefallen sind. Das habe ich, immerhin seit den Tagen von Branko Zebec beim HSV-Training, in dieser Form noch von keinem Trainer erlebt. Das ist fast perfekt. Labbadia lässt auch Standards üben, mehr als seine Vorgänger, aber mir ist das, auch das gebe ich ehrlich zu, immer noch zu wenig. Doch auch das ist ganz allein seine Sache, er wird wissen, wo er, was er und wie er üben lässt.

Positiv ist zudem, dass er während der großen Verletzungsmisere kaum (oder so gut wie nie) geklagt oder gar gejammert hat. Und er hat auch nicht sofort nach neuen Spielern gerufen. Viele von Euch hätten es sicher sehr gern gesehen (das erinnere ich noch), dass Ebby Smolarek, der hier ein Probetraining absolvierte, verpflichtet worden wäre. Labbadia aber verzichtete – trotz des gelegentlich großen Drucks der Öffentlichkeit. Weil Smolarek seit Monaten keine Wettkampfpraxis mehr hatte, und weil der Pole ganz sicher auch Woche benötigt hätte, um jene Form zu haben, in der er dem HSV hätte helfen können. Bruno Labbadia hatte das erkannt. Und dass Smolarek erst zum 1. Januar 2010 einen neuen Verein (AO Kavala in Griechenland, nicht in einer europäischen Top-Liga!) gefunden hat, spricht auch für Labbadia.

Die gute Arbeit des früheren HSV-Stürmers wird übrigens von vielen Experten und ehemaligen HSV-Profis anerkannt. Und auch bei Euch sind die Skeptiker nun deutlich in der Minderheit. Und wenn der HSV nun in den kommenden Wochen personell wieder in Richtung 100 Prozent geht, dann wird sich die gute Arbeit des Trainers auch gewiss noch Richtung Saisonende auszahlen. Mit einem Titelgewinn? Ehrgeizig ist Bruno Labbadia sicher genug, um gleich in seinem ersten HSV-Jahr nach den Sternen greifen zu wollen. Zumal es ihm durch Klub-Boss Bernd Hoffmann vorgelebt wird, dass man seine Ziele nur mit vollem Einsatz und mit großem Ehrgeiz, nicht nach rechts oder links blickend, erreichen kann.

Eddy Sözer: Labbadias Co-Trainer begann etwas verhaltend, wirkte am Anfang der Saison noch zurückhaltend und abwartend. Das hat sich in den letzten Wochen aber gelegt, Sözer, den ich mal als „Gentleman“ unter den Trainern beuzeichnen möchte, kommt mehr und mehr aus sich heraus, ergreift auch oft genug die Initiative im Training, hilft den Spielern, korrigiert sie, gibt Tipps, motiviert und sorgt dann, wenn es angebracht ist, durch einen flotten Spruch für gute Laune bei der Arbeit. Letzteres nicht oft, aber immerhin kommt es vor. Und vielleicht legt er ja auch in diesem Punkt noch zu.

Ganz sicher ist Sözer ein total loyaler „zweiter Mann“, der seinem Chef nie in den Rücken fallen, ihm auch niemals die Show stehlen würde. So gesehen halte ich den intelligenten Eddy Sözer, der sich stets sehr gewählt ausdrücken kann, für den idealen Assistenten.

Claus Reitmaier: Der Torwart-Trainer ist schon vor der Labbadia-Ära beim HSV gewesen. Der ehemalige KSC-Keeper ist ein harter Hund, und zwar gegen sich selbst, denn er läuft immer, bei Wind und Wetter, in kurzer Hose über den Platz. Und wenn ich einmal seine erste Zeit beim HSV mit der heutigen vergleiche, so ist auffällig, dass er inzwischen viele sehr gute Variationen im Torwart-Training parat hat. Für mich gibt es ja in diesem Metier nur einen, der es dabei auf 100 Prozent gebracht hat, und das ist Sepp Maier. Den guten Mann schätze ich nicht unbedingt als Menschen (weil er nicht längst so spaßig ist, wie er im Fernsehen immer tat!), aber als Torwart-Trainer war Maier der allerbeste Mann, er war einfach nur sensationell. Reitmaiers Vorgänger beim HSV hatten von Maier nicht mal einen Hauch, die brachten es gegenüber dem ehemaligen Bundestorwart-Trainer nur auf 15 Prozent – aber Claus Reitmaier tritt aus diesen Schatten heraus, und zwar deutlich.

Es ist gewiss nicht leicht, mitunter drei Torhüter auf einmal zu beschäftigen, aber auch das gelingt dem HSV-Torwart-Trainer recht gut. Mein Fazit: Claus Reitmaier, dem gelegentlich ein wenig mehr Temperament zu wünschen wäre, ist auf dieser Position seit über einem Jahrzehnt der beste Mann beim HSV.

Ricardo Moniz: Der Niederländer ist noch ein „Mitbringsel“ von Martin Jol. Wieso ihn der Chef nicht mit zu Ajax Amsterdam nahm, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben, aber es ist eben so. Moniz ist in seiner lauten Art sicher gewöhnungsbedürftig. Er schreit oft, er brüllt sogar sehr oft, und er bedient sich auch gelegentlich einer gewissen Fußballer-Sprache, die mit „sehr deftig, sehr rustikal“ noch human umschrieben ist. Für die jungen Talente, das schrieb ich schon einmal, mag Moniz ein exzellenter Mann sein, denn er kann ihnen Dinge beibringen, die einem Rastelli schon sehr nahe kommen. Bei den erfahrenen Spielern allerdings ist er klug beraten, sich ein wenig zurück zu halten, denn die meisten von ihnen sind Nationalspieler, haben ihre Karriere voll im Griff und lassen sich nur noch höchst selten etwas sagen. Und wenn, dann in netter Art, ohne große Lautstärke – die sicher ein kleines Manko für den Technik-Trainer ist.

Meines Wissens läuft der Vertrag von Ricardo Moniz nur noch bis zum Saisonende, und noch einmal meines Wissens: Über eine eventuelle Verlängerung ist noch nicht gesprochen worden – Stand Anfang Dezember. Mein Tipp: Das sieht eher nach einer Trennung zum Saisonende aus.

So, das waren nun auch noch die Trainer des HSV, es ist mittlerweile 16.28 Uhr, ich habe mich auch wieder „runtergefahren“ – das war es nun auch endgültig mit der Halbjahres-Bilanz. Ich werde mich jetzt erst am Sonnabend aus dem türkischen Trainingslager in Belek wieder melden. Bis dahin alles Gute für Euch, einen wunderschönen Rutsch ins neue Jahr – und viel Erfolg, Glück und beste Gesundheit in 2010. Wir lesen uns!

16.32 Uhr

Hinrunden-Bilanz – Teil drei

30. Dezember 2009

Der dritte und damit auch letzte Teil der Hinrunden-Bilanz beschäftigt sich mit den Angreifern des HSV. Selten einmal hat es eine Spielzeit gegeben, in der so viele Angreifer benötigt wurden.

Damit endet auch der Rückblick auf die bisherigen 17 Bundesliga-Spiele.

Paolo Guerrero: Der Peruaner war in der Form seines Lebens, er gefiel nicht nur als ballsicherer Anspielpunkt im Angriff, er hatte auch in den ersten vier Bundesliga-Spielen viermal getroffen – und dann verletzte er sich in einem total unwichtigen Länderspiel schwer. So schwer, dass er mit einem doppelt gerissenen Kreuzbandriss wohl bis zum Saisonende ausfallen wird. Und wie es im Sommer weitergeht, das steht noch in den Sternen, denn ob der auslaufende Vertrag verlängert wird, und wenn ja zu welchen Konditionen, das bedarf ganz sicher noch etlicher Verhandlungsrunden. Wie auch die Frage, ob Paolo Guerrero sich noch einmal in jene Form spielen kann, die ihn im Sommer 2009 ausgezeichnet hatte. Nie war er so wertvoll für den HSV, als zu jener Zeit.
Note 2.

Mladen Petric: Bildete gemeinsam mit Paolo Guerrero eines der torgefährlichsten Angriffs-Duo der Bundesliga – wenn nicht das gefährlichste. Auch Mladen Petric war zu Saisonbeginn, nach einer lediglich durchwachsenen Vorbereitung, in Bestform, verstand sich großartig mit seinem Sturmpartner. Petric blieb lange Zeit der Hoffnungsträger der Mannschaft, war der einzige gestandene Stürmer, der dem Gegner schon vor dem Anstoß ein wenig Angst oder Respekt einflößte, doch dann. . . Nach acht Bundesliga-Spielen war auch bei ihm Pause angesagt. Und erst zu den beiden letzten Begegnungen kehrte er zurück. Begeistert gefeiert von den Fans, die ihm einen überragenden Empfang bereiteten. Petric ist Hamburger, und er wird es vorerst auch bleiben, die Pläne mit (oder des) VfL Wolfsburg dürften sich vorerst erledigt haben.
Note 2,5.

Marcus Berg: Alter Schwede, mit ihm ging es auf und ab. Und auch hier bei „Matz ab“ scheiden sich immer noch die Geister. Wird Berg noch die Kurve bekommen? Die Aussagen die ich hier lese, deute ich mal auf ein 50:50. Aber vielleicht hat ja auch Lotto King Karl Recht, der kürzlich behauptete, dass Berg von vielen unterschätzt wird. Lotto nannte die gute Trefferquote des schwedischen Nationalspielers und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass Marcus Berg noch sehr wertvoll für den HSV werden dürfte. In seinen Einsätzen müsste Berg nach unserer Einschätzung mehr Einsatz zeigen, mehr Leben, mehr den Willen habe, unbedingt ein Tor machen zu wollen. Er bezeichnet sich selbst als „Strafraumstürmer“, aber gibt es einen solchen Spielertyp noch im heutigen Fußball? Der letzte dieser Art war beim HSV Bernardo Romeo, und den hat einst Thomas Doll vom Hof geschickt, weil der damalige HSV-Trainer auf schnellen Kombinationsfußball und auch auf Konter setzen wollte.
Note 4.

Tunay Torun: Da kommt einer! Und so wie es den Anschein hat, auch ganz gewaltig. Zu Beginn der Saison stand der untersetzte Türke bei keinem (Experten) so wirklich auf dem Zettel, aber die Trainingskiebitze konnte es in den letzten Monaten schon erahnen, dass es mit ihm bergauf gehen könnte. Von Tag zu Tag wurde er selbstbewusster. Torun mischt im Training und zuletzt auch in der Bundesliga prächtig mit, lässt sich nicht mehr so einfach beiseite schubsen, er hält dagegen, wehrt sich, und er zeigt dabei auch, was er fußballerisch drauf hat. Und das ist einiges. Das weiß längst auch Bruno Labbadia, denn Torun gehört inzwischen zu jenen Spielern, die Standards schießen dürfen und sollen. Wenn Lotto King Karl auf Marcus Berg setzt – ich setze genauso entschlossen auf  Torun. Da wächst einer heran.
Note 3+.

Tolgay Arslan: Kam im Sommer 2009 als Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund zum HSV, wird auch als immer noch Mittelfeldspieler in der Stadion-Zeitung „HSV live“ geführt, doch Bruno Labbadia brauchte und brachte ihn stets als Stürmer. Im Training blitzt sehr wohl das eine oder andere Mal Arslans Können auf, aber im Spiel kann er diesen Vorschusslorbeeren kaum gerecht werden, da zögert und zaudert er – da fällt er auch ab. Er hat zwar eine gute bis sehr gute Technik, muss aber lernen, schneller zu handeln, auch schneller reagieren. Oftmals scheint er (im Training) ein wenig phlegmatisch zu sein, er wirkt dann so, als sei er leicht „eingenickt“, er wirkt gedanklich abwesend – und zieht sich dadurch den Unmut einiger Kollegen zu. Fazit: Da muss noch wesentlich mehr kommen, damit er den Weg ins Profi-Geschäft auch als Stammspieler schaffen kann. Einige erfahrene und ältere Spieler werfen den jüngeren Kollegen ja oft genug vor, dass die Talente viel zu früh zufrieden sind, mit dem was sie haben: Nämlich einen Platz im Kader eines Bundesliga-Vereins. Tolgay Arslan muss gewaltig aufpassen, wenn er nicht als ein Spieler jenes Kreise abgestempelt werden will.
Note 4.

Jonathan Pitroipa (kommt jetzt etwas später und vervollständigt den Kader – mein Kollege Pletz und ich hatten ihn im Mittelfeld vorgesehen,  da tauchte er dann aber leider doch nicht auf, unser Fehler, wir bitten um Verzeihung):  Gehörte ebenfalls zu den umstrittensten Spielern der Hinserie. Er lieferte anfangs einige gruselige Partien ab, bei denen man an seiner Tauglichkeit für diesen HSV zweifeln musste, aber dann waren auch immer wieder brauchbare Ansätze und mitunter sogar beeindruckende Leistungen dabei. Insgesamt spielt er sicherlich zu wechselhaft, kann aufgrund seiner ungeheuren Geschwindigkeit aber auch in Zukunft sehr wertvoll für das Team sein. Nur an seiner Schusskraft und -Technik muss er weiter intensiv arbeiten, am besten täglich.
Note 4

Talent:

Maximilian Beister: Einen Kurz-Einsatz hat der Jugend-Nationalspieler in der Bundesliga, eine einzige Minute im total verkorksten Bundesliga-Spiel gegen Bochum (0:1). Auch er wird zulegen müssen, damit er diese Bilanz noch um viele, viele Spiele verbessern kann. Das Talent hat Beister zweifellos, er erinnert mich rein äußerlich an den ganz jungen Jürgen Klinsmann. Der „Flipper“ war in seiner Zeit immer ein wenig zappelig, aber er hatte den Zug zum Tor, ging auch dorthin, wo es wehtat. Das macht auch Beister, der nun lernen muss, sein Können in jedem Spiel abzurufen. Zudem muss er auch lernen, sich unter Kontrolle zu haben, denn mit Undiszipliniertheiten wird es ein junger Mann, der das Ziel hat, ganz nach oben zu kommen, nicht bis an die Spitze schaffen, dafür würden schon (Profi-)Trainer und auch Profi-Spieler quasi in einer Art Selbstreinigungsprozess sorgen. Genau in diesem Punkt könnte ihm Bruno Labbadia mit einer rechtzeitigen und auch nachhaltigen Ansprache auf die Sprünge helfen.

So, zum Abschluss des Jahres wünsche ich – auch im Namen von Christian Pletz – allen “Matz-abbern” einen guten Rutsch (macht es nicht so doll!) und ein wunderschönes neues Jahr, viel Glück, Erfolg und vor allem beste Gesundheit. Gleichzeitig danke ich allen, die hier so großartig mitgemacht haben, das war und ist echt überwältigend. Und wenn ich, wie jetzt auch bei der Hamburger Hallenmeisterschaft, von Usern angesprochen werde, dass ich ihnen mit dem HSV-Blog die Nachtruhe raube (freundlich gemeint!), so ist das in erster Linie wohl Euer Erfolg – auch dafür ganz herzlichen Dank. Und weiter so! Ich freue mich darauf, 2010 dann das erste ganze “Matz-ab-Jahr” durchzuziehen.

Bei der Gelegenheit: Im Internet-Auftritt des Hamburger Abendblattes wird am 31. Dezember eine Jahresbilanz des gesamten Hamburger Fußballs erscheinen, also mit dem HSV, dem FC St. Pauli und den Amateuren. Christian Pletz und ich haben die letzten zwölf Monate noch einmal im Geiste aufgearbeitet und bringen Euch, so wie es über Jahrzehnte im Abendblatt guter Brauch war, die Rangliste der “Tops und Flops” im hanseatischen Fußball. Es würde uns sehr freuen, wenn Ihr auch da einmal reinschauen würdet.

PS: Ich fliege am Sonnabend mit ins türkische Trainingslager nach Belek und werde von dort in alter Frische berichten.

Hinrunden-Bilanz – Teil zwei

29. Dezember 2009

Heute kommen wir zum zweiten Teil der Hinrundenbilanz. Und, so viel darf ich wohl schon verraten, auch im Mannschaftsteil Mittelfeld fallen die meisten Noten positiv aus. Bei kaum einem HSV-Spieler droht die Versetzung in Gefahr zu geraten. Und so soll es denn sein:

David Jarolim: Der Tscheche lag in dieser Hinrunde bislang eigentlich nur einmal richtig daneben – als er seinen Landsmann David Rozehnal übertrieben positiv bewertete, obwohl dieser seine Vorzüge selbst noch nicht entsprechend unter Beweis stellte. „Jaro“ foulte in der Hinserie seltener und produzierte auch weniger seiner von vielen Gegnern und sogar von einigen HSV-Fans gehassten „Jarolim-Stürze“. Insgesamt hinterließ er als einer der unverzichtbaren Führungsspieler einen guten Gesamteindruck. Auch die gescheiterte WM-Qualifikation mit Tschechien warf ihn nicht nachhaltig zurück. Im letzten Drittel der Hinserie wirkte der Kapitän zwar manchmal etwas matt (weil gesundheitlich angeschlagen), doch gerade im Abschlussspiel gegen Werder untermauerte er seine enorme Bedeutung mit niedriger Fehlerquote und großer Leidenschaft.
Note 2,5

Zé Roberto: Ich habe es ja schon einige Male erwähnt: Auch ich gehörte nach der Verpflichtung des Brasilianers im vergangenen Sommer zu den Skeptikern, habe mich von der Fußballkunst dieses begnadeten 35-Jährigen aber schnell aller, wirklich aller Zweifel berauben lassen. Für seine Spielweise gibt es nur ein Prädikat, nein, vielleicht zwei: wertvoll und unersetzbar. Wie der ehemalige Bayer, von dem ich nun restlos begeistert bin, geschmeidige Bewegungen, geniale Passwege und zugleich wertvolle Defensivarbeit miteinander vereint, ist ein Augenschmaus. Bis zu seiner Verletzung war er der spielerische Kopf des HSV, der sich perfekt mit seinen Nebenleuten ergänzte.
Note 1,5

Tomas Rincon: In diesem Blog hatte der Venezolaner offenbar über Monate mehr Fans als im Trainer- und Verantwortlichenteam. Trotz aller Verletzungsprobleme und Personalnot war der ehemalige Leihspieler nie eine ernsthafte Alternative für einen Posten im Mittelfeld. Bruno Labbadia sah ihn eher rechts hinten, wo er einige Einsätze hatte und auch immer wieder in Trainingsspielen aufgeboten wurde. Ihm wurde nachgesagt, er sei zu ungestüm, hole sich zu schnell Gelb ab. Rincons großes Plus: Er gab nie auf, ließ sich trotz der eigentlich aussichtslosen Lage beim HSV nie hängen, sondern gefiel im Training durch beherztes Auftreten. Er wartete auf seine Chance. Das wurde kurz vor Toresschluss, in seinem Fall: kurz vorm Abschied, belohnt. Der Nationalspieler übernahm Zé Robertos Position auf der „Sechs“ und erfüllte seine Aufgaben hervorragend. Dafür wurde er mit einem neuen Vertrag belohnt. Rincon spielt natürlich ganz anders als Zé Roberto, rustikaler, bissiger im Zweikampf und dafür nicht ganz so genial in der Vorwärtsbewegung, aber allemal effektiv. Kann man beispielsweise auch bei Bremens Mesut Özil nachfragen, der wüsste ein Lied von Rincons Qualitäten zu singen…
Note 2

Piotr Trochowski: Er ist und bleibt der meist diskutierte Spieler unter den Fans und auch in den Blog-Beiträger der „Matz-abber“. Zu Beginn der Saison absolvierte der Nationalspieler einige eindrucksvolle Partien unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia. Doch immer dann, wenn die Erwartungen an den schussgewaltigen Mann mit der Rückennummer 15 steigen, schwanken seine Leistungen zu stark. Viele erwarten von „Troche“ eine Art Taktgeber, Regisseur, Motivator, dabei ist er meines Erachtens eher ein überragender Mitspieler. Für einen der heißen WM-Anwärter erlaubte sich der vielseitig einsetzbare Trochowski dennoch gerade in jüngster Vergangenheit zu viele schwächere Partien, gelegentlich schien er sich (überspielt?) sogar ganze Auszeiten zu nehmen. Am Jahresende zeigte seine Formkurve deutlich nach unten, was eventuell auch daran liegen könnte, dass er enttäuscht ist. Doppelt enttäuscht: Einmal von sich, das wäre okay. Dann auch vielleicht vom Trainer, das aber wäre zweifellos der falsche Ansatz, um eine sofortige Wende zu schaffen.
Note 4

Marcell Jansen: Vom Dauerverletzten und –kranken zum ernsthaften Anwärter auf einen Platz im WM-Kader hat sich der Linksallrounder gemausert. Jansens Leistungskurve seit seiner schleppenden Rückkehr nach verschiedenen Blessuren und einer verschleppten Grippe im Spätsommer/Frühherbst zeigt senkrecht nach oben. Wirkte der Blondschopf im Aufbautraining nach seiner langen Auszeit manchmal etwas ungeduldig, so zahlte sich dieser zähe Weg der Rückkehr zuletzt doch nachhaltig aus. Er gehörte im letzten Drittel der Hinrunde zu den großen Stützen der Mannschaft, überzeugte durch laufstarkes Spiel und beherzte Vorstöße in die Gefahrenzone des gegnerischen Tores. Nun gilt es, die letzten Eindrücke zu bestätigen – und verletzungsfrei zu bleiben.
Note 3+

Eljero Elia: Einige betrachten ihn als Stürmer, andere als hängende Spitze, noch andere als Mittelfeldrenner. In einem sind sich alle einig: Der Niederländer ist DIE Entdeckung beim HSV und einer der Shootingstars in der Bundesliga, eine Bereicherung für die gesamte Liga. Mit wenigen Ausnahmen setzte der kaum berechenbare Sprint- und Dribbelkönig in fast allen Spielen Akzente, erzwang Fouls, Chancen und bereitete jede Menge Tormöglichkeiten und Treffer vor. Kein Wunder, dass die „Rakete“ gleich bei mehreren englischen Vereinen auf dem Wunschzettel steht. Uns so ganz nebenbei gesagt: Elia ist auch ein ganz, ganz feiner Mensch, ein Profi zum Anfassen, ein Typ „Schwiegermutters Liebling“.
Note 1,5

Mickael Tavares: Er ist die größte Enttäuschung dieser Hinserie. Obwohl er sich in der vergangenen Saison als passable Mittelfeldvariante präsentierte, blieb er im ersten Saisonhalbjahr 2009/2010 meilenweit hinter allen Erwartungen zurück. Im Training hatte man gelegentlich das Gefühl, als habe sich der technisch versierte Tavares aufgegeben, mitunter fiel er deutlich ab. Auch bei seinen Kurzeinsätzen konnte er sich nie empfehlen. Die Zeichen stehen auf Trennung – eher früher als später.
Note 5

Romeo Castelen: Der Niederländer ist angesichts seiner Rolle als Dauerpatient eigentlich nicht zu bewerten. Aber zu Beginn der Serie absolvierte er ja immerhin einige Wochen lang fast alle Trainingseinheiten, kam sogar zum Einsatz und traf zum 4:2-Sieg in Wolfsburg. Dennoch lief er nie richtig rund, musste sich ja auch wieder operieren lassen. Ob Hamburg ihn jemals in Topform erleben wird? Ich habe da meine Zweifel.
Note 4

Robert Tesche: Als er sich im Sommer den Medien in Hamburg vorstellte und nach seiner Lieblingsposition gefragt wurde, sagte er voller Selbstbewusstsein: „Die 10.“ Bekam der ehemalige Bielefelder dann eine (seiner wenigen) Chancen, konnte er dieses Selbstbewusstsein nicht mit auf den Rasen nehmen. Meistens versteckte sich Tesche im Niemandsland, Verantwortung übernahm er kaum, und er lief, das war auffällig, oft nur in einem Tempo. Da kam nichts Explosives, nichts Überraschendes, und auch von Willenskraft war nicht viel zu erkennen. Dabei hätte er (allein vom Körper her) beste Voraussetzungen, ein guter, vielleicht sogar überdurchschnittlicher HSV-Profi zu werden – er müsste nur mehr an sich glauben. Vor allem auf dem Rasen.
Note 4,5.

Die Talente:

Sören Bertram: Hinterließ in mehreren Trainingseinheiten einen guten Eindruck beim Trainerteam. Wirkte einsatzwillig und lernhungrig. Unterschrieb kürzlich einen Profivertrag. In der Rückserie könnte er noch ein paar Mal in der Bundesliga reinschnuppern.

Christian Groß: Die wenigsten kennen ihn. Aber einer hat ihn im Training kennen gelernt: Eljero Elia. Als Eins-gegen-eins-Übungen auf engstem Raum geprobt wurden, musste der Niederländer gegen Groß in dem 45-Sekunden-Duell antreten. Die Zuschauer wetteten schon auf einen hohen Ausgang zu Gunsten Elias. Als es nach 25 Sekunden 3:0 für Groß stand, staunten alle. Er ist hartnäckig, clever und muss in Rodolfo Cardosos Regionalligateam weiterhin Eigenwerbung betreiben.

Hanno Behrens: Im Amateurteam des HSV sammelte er mehrfach Bestnoten, im Training der Profis fiel er bislang allerdings kaum bis gar nicht auf. Hat gelegentlich vielleicht noch etwas zu viel Respekt.

Die Hinrunden-Bilanz wird am Mittwoch fortgesetzt.

16.29 Uhr

Hinrunden-Bilanz – Teil eins

28. Dezember 2009

Jetzt geht es auf die Schulbank. Bei „Matz ab“ werden Noten für das erste Halbjahr der Saison 2009/10 verteilt. Der Kollege Christian Pletz, der immer dann eingesprungen ist (und einspringen wird), wenn ich verhindert war (oder bin), und ich, wir haben uns Gedanken über eine Bewertung aller HSV-Spieler unter der Regie von Trainer Bruno Labbadia gemacht. Wir haben eifrig diskutiert und haben uns dann, gelegentlich nach einem kleinen Kampf, auf die Note geeinigt. Heute beginnt Teil eins mit der Defensivabteilung.

Frank Rost: Der Routinier hat bislang alle 17 Bundesliga-Spiele von der ersten bis zur letzten Minute bestritten. Und er war dabei stets ein großer und großartiger Rückhalt. Rost hat sich nicht einen einzigen großen Patzer erlaubt, hat aber seiner Mannschaft sehr wohl den einen oder anderen Punkt gerettet. Der 36-jährige Keeper spielt seine ganze Erfahrung besonders in den Duellen Mann gegen Mann aus, er zeichnet sich zunehmend durch seine große Ruhe aus, er motiviert und dirigiert aber immer dann, wenn er es für angebracht hält – Rost hat dafür das nötige Feeling.
Note zwei.

Wolfgang Hesl: Ganz klar, die Nummer zwei des HSV hat einen Sprung nach vorn gemacht, er hat sich in diesem Jahr weiterentwickelt. Das konnte er zwar nur in bislang vier Spielen der Europa League unter Beweis stellen, aber der HSV könnte sich – sollte Frank Rost einmal ausfallen – auf jeden Fall auf seinen Ersatzmann zwischen den Pfosten verlassen. Hesl beeindruckt zudem auch im Training mit hervorragenden Paraden, er fliegt teilweise meisterlich von Pfosten zu Pfosten, so dass auch die „Kiebitze“ ins Staunen kommen und ins Schwärmen geraten.
Note 2,5.

Collin Benjamin: Vier Einsätze in der Europa League, null in der Bundesliga – ein Kreuzbandriss stoppte den Allrounder. Der HSV hat mit seinem dienstältesten Profi bereits um ein Jahr verlängert, und das ist auch gut so. Auf Benjamin war und ist immer Verlass, der ehemalige Elmshorner kann auf jeder Position spielen, das hat ihm stets die Sympathien seiner Trainer eingebracht. Zudem ist „Collo“ ein Liebling der Fans, weil er nett, höflich und immer ein Mensch geblieben ist – ein Vorbild-Profi zum Anfassen.
Note 3.

Guy Demel: Er war, auch das muss festgehalten werden, schon einmal wesentlich besser als in dieser Saison. Der Ivorer hat (wahrscheinlich) hinten rechts seine Position gefunden, aber so richtig überzeugen konnte er bislang in keinem der 17 Erstliga-Spiele. Demel. Inzwischen auch ein Liebling der Nordtribünen-Fans (und nicht nur der), könnte ganz sicher noch viel, viel mehr. Wird er vom Gegner wütend gemacht, dann wiegt er „fünf Zentner“, dann ist er so richtig in Rage und fährt hart und eiskalt dazwischen. Dann, so hat es den Anschein, spielt er seinen bulligen Körper zu seinem Vorteil aus. Leider zu selten. Und: Auch im Offensivspiel verzettelt er sich zu oft, da müsste eindeutig viel mehr von ihm kommen, zumal er als technisch versierter Spieler gilt. Was auch auffällig war: Guy Demel war in einigen Szenen zu wehleidig.
Note 4.

David Rozehnal: Der Tscheche mit der „großen“ Vergangenheit. Der Innenverteidiger hat sich (bislang) in vielen Ländern und vielen, vielen Klub versucht, so auch beim FC Brügge, Paris St. Germain, Newcastle United und Lazio Rom, er hat zudem die stolze Zahl von 59 Länderspielen auf dem Buckel – aber (auch) in Hamburg scheint er immer noch nicht richtig angekommen zu sein. Viele Fans und einige Experten haben Rozehnal schon als Fehleinkauf eingestuft, allerdings sorgte er mit seiner Vorstellung gegen Werder Bremen (als Einwechselspieler) für etliche Grübeleien, denn da zeigte er erstmalig, was so richtig in ihm steckt. War das die Wende zum Guten?
Note 4,5.

Jerome Boateng: Deutschlands zurzeit bester Defensivspieler. Der ehemalige Herthaner hat sich innerhalb des vergangenen Jahres enorm verbessert, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken und dürfte auch in der Nationalmannschaft – bei der WM in Südafrika – seinen Platz sicher haben. Unter Martin Jol war Boateng in der vorangegangenen Spielzeit noch ein Wackelkandidat, weil der Trainer eine gewisse Lethargie an seinem Abwehrspieler erkannt hatte, dieses vermeintliche Manko hat Jerome Boateng aber zuletzt mehr und mehr abgelegt.
Note 2.

Joris Mathijsen: Der Dauerbrenner, denn er hat, gemeinsam mit Frank Rost und Dennis Aogo, alle 17 Bundesliga-Spiele von der ersten bis zur letzte Minute bestritten. In den meisten Fällen sehr souverän und routiniert, mit Ruhe und mit Übersicht, oft als Fels in der Brandung. Letzteres gilt vor allen Dingen für jene Spiele, in denen David Rozehnal sein Nebenmann war. Mit Jerome Boateng an seiner Seite wirkt Joris Mathijsen viel sicherer. Gelegentliche Schwächen in Sachen Schnelligkeit macht er durch gutes Stellungsspiel und durch kompromisslose Zweikampfführung wieder wett.
Note 2,5.

Dennis Aogo: Auch er ist aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Als Abwehrmann der linken Seite geht er mit einer fast schon überragenden Technik zur Sache, er hat sich in der Defensive stark verbessert und spielt seine große Stärke, die offensiven Vorstöße über die Linksaußenposition, immer häufiger aus. Viel Gefühl bei den Flanken, leicht verbesserungswürdig noch die Standards, obwohl er auch dort zuletzt zugelegt hat. Aogo dürfte der nächste Nationalspieler des HSV sein – die Fans drücken die Daumen, dass er für Deutschland spielen wird.
Note 2,5.

Bastian Reinhardt: Glänzt im Moment nur als Praktikant der HSV-Geschäftsstelle, aber das soll sich im Januar wieder ändern. Der eiserne Innenverteidiger sucht nach seinem zweiten Mittelfußbruch um Anschluss, der Start dazu soll im Trainingslager in Belek (Türkei) erfolgen. Der HSV dürfte, sollte Reinhardt wieder bei 100 Prozent landen, durch dieses Comeback eine weitere Verstärkung erfahren, denn auf den guten und routinierten „Basti“ war stets Verlass.
Ohne Note.

Alex Silva: Ähnlich wie bei Bastian Reinhardt, auch der Brasilianer kämpft nach seinem zweiten Kreuzbandriss immer noch um Anschluss, auch er dürfte in der Rückrunde wieder zur Mannschaft stoßen, wenn auch nicht gleich zu Beginn. Die Frage wird dann sein, wie sich Alex Silva wird in Szene setzen können, denn seine bisherigen Leistungen in Hamburg waren bislang keineswegs überzeugend. Er selbst träumte eins vom AC Mailand, aber bis dahin dürfte es noch ein langer und schwieriger Weg sein.
Ohne Note.

Die Talente:

Tom Mickel: Der 20-jährige Torwart trainiert ständig bei den Profis mit, und da, das wissen Insider, glänzt auch er teilweise mit großartigen und mitunter spektakulären Paraden. Ein Mann für die Zukunft des HSV.

Henrik Dettmann: Abwehrspieler der Zweiten, gefiel gelegentlich bei den Trainingsspielen zwischen den Profis und den Amateuren. Die Trainer werden den 19-Jährigen zu beachten haben.

Gerrit Pressel: Ebenfalls ein Mann der Zweiten, spielt in der Abwehr links und gefällt durch seine Schnelligkeit und seine gute Technik. Der 19-Jährige wird aber körperlich noch deutlich zulegen müssen, wenn er den Sprung zu den Profis schaffen will.

16.20 Uhr

Sprechstunde nach dem Fest

27. Dezember 2009

Mit einer Mischung aus Sprechstunde und Nähkästchen geht es in die letzten Tage von 2009. Es sind wieder einige Fragen aufgelaufen, und mit einer ganz besonderen, die „Bernhard“ gestellt hat, möchte ich beginnen. Gefragt wurde nach Cristian Ledesma, der einige Jahre für den HSV „spielte“, aber nur ganz kurz in Hamburg war, es auf lediglich neun Bundesliga-Einsätze brachte und dann nur noch ausgeliehen wurde. Der heute 31-jährige Argentinier wurde 2002 von Club Atletico River Plate vom damaligen HSV-Sportchef Holger Hieronymus verpflichtet, doch Ledesma wurde trotz der langen Laufzeit seines Vertrages in Hamburg (bis 2006) nur zum “Rohrkrepierer” für den HSV, in seinen neun Einsätzen wurde er zweimal ein- und zweimal ausgewechselt. Heute steht er bei Olympiakos Piräus unter Vertrag, hat in dieser Saison aber nur anfangs gespielt, bringt es bislang in dieser Spielzeit nur auf sieben Einsätze.

Das Thema Ledesma und der HSV ist aber ein ganz, ganz spezielles: Es ist nicht so, dass der Mittelfeldspieler nur aufgrund von DVD-Studien gekauft wurde. Der damalige Trainer Kurt Jara hatte seinen Assistenten Manfred Linzmaier mehrfach nach Argentinien geschickt, um Ledesma zu beobachten. Der ehemalige österreichische Nationalspieler Linzmaier, heute 47 Jahre alt, kam aber nach seinen Besuchen in Südamerika zum dem Fazit: Ledesma bitte nicht kaufen. Der HSV aber kaufte trotz allem.

Ich kann mich noch sehr genau an einen Gang in Ochsenzoll erinnern, den ich gemeinsam mit Kurt Jara und einigen Kollegen (Schreiberlinge wie ich) von ganz unten in Richtung Kabinentrakt antrat. Ich fragte den Trainer, und das Band meines Aufnahmegeräts lief, ich habe es heute noch (!), warum er denn Ledesma trotz der Aussage von Linzmaier verpflichtet hätte. Seine Antwort überraschte mich. Und zwar total.

„Was sollte ich machen? Ich wollte Ledesma auch nicht, aber der Sportchef wollte ihn. Er hat mir gesagt: Mit Cristian Ledesma kommen wir in den Uefa-Cup. Und was soll ich dazu dann sagen? Sage ich nicht ja zu Ledesma und wir geraten ins untere Drittel der Tabelle, so würde mir dann ewig vorgehalten werden, dass wir mit Ledesma in den Uefa-Cup gekommen wären. Und bei Misserfolg hätte ich dann gehen müssen. Also habe ich – wohl oder übel – dem Deal zugestimmt.“ Das sagte Jara damals. Und ich war entsetzt und verblüfft zugleich. So also sah das Verhältnis zwischen Sportchef und Trainer aus, so die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ zwischen zwei leitenden Angestellten des HSV. Ich erinnere mich auch noch genau an ein Vier-Augen-Gespräch mit dem damaligen HSV-Chef Werner Hackmann. Dieses Gespräch allerdings führte ich im Block-House am Gänsemarkt erst, als Hackmann schon DFL-Boss war. Und Hackmann gab seinerzeit zu, damals genauso entsetzt gewesen zu sein wie ich. Er bezeichnete es als seinen größten Fehler, diesem Transfer zugestimmt zu haben, seine Erklärung damals: „Ich kam aus dem Urlaub zurück, und eine meiner ersten Amtshandlungen war es, den Vertrag mit Ledesma zu unterschreiben. . .“

Ledesma hat dem HSV dann auch tatsächlich nicht geholfen. Vielleicht auch deshalb, weil Kurt Jara ihn nicht nur äußerlich (wie mir ja im Gespräch bestätigt), sondern auch innerlich abgelehnt hat. Und warum die Jara-Nachfolger danach alle darauf verzichteten, Ledesma in Hamburg nochmals vorspielen zu lassen? Das kann ich auch nicht genau beantworten, da kann ich nur Vermutungen anstellen: Ledesma war weit weg von Europa, er genoss innerhalb des Klubs keinen besonders guten Ruf, wobei sich das allerdings nur das Fußballerische bezog. Es hat niemals einen Vor- oder Zwischenfall der böseren Art mit ihm gegeben, er kann deshalb also nicht in Ungnade gefallen sein. Und auch innerhalb der Mannschaft war er nicht beliebter oder auch unbeliebter als andere Kollegen. Es hätte einer Bundesliga-Karriere von Cristian Ledesma also nichts im Wege gestanden, außer der Tatsache, dass schon sein Start in Hamburg grandios daneben gegangen war. Wer vom Trainer nicht gewollt ist, der hat es wahrscheinlich auf immer und ewig schwer, und zwar überall auf der Welt.

„HSVJonas“ fragte danach, warum Joris Mathijsen immer so viele lange Bälle spielen würde, die meistens ihr Ziel verfehlen? Das sehe ich inzwischen anders. Mathijsen überlegt sich inzwischen sehr genau, wann er einen langen Ball spielt, es ist, so sehe ich das, deutlich weniger geworden. Und meistens ist es so, dass er den Ball lieber noch zu seinem Nebenmann spielt (Jerome Boateng, David Rozehnal), damit der dann einen (besseren) Pass spielen kann, darf, soll oder muss. Achtet einmal darauf.

„Jan-Peter“ fragte danach, wie es der HSV mit den Hooligans hält, ob da ein härteres Vorgehen zu erwarten ist? Dieses Problem sehe ich gar nicht (mehr). Der letzte gravierende Zwischenfall, an den ich mich erinnere, war die Zwischenstation Bielefeld, bevor es weiter zum Auswärtsspiel nach Mainz ging. Aber waren das Hooligans? Das weiß man ja gar nicht. Das war, so sagte es mir ein einflussreicher HSVer, kein „Hooliganismus“, sondern purer „Vandalismus“. Auch das ist nicht natürlich als verwerflich zu bezeichnen, aber das gibt es immer wieder einmal – und damit wird im Laufe einer Saison auch fast jeder Bundesliga-Klub einmal konfrontiert. Oliver Scheel, Vorstandsmitglied für die Belange der Mitglieder, schreibt dazu in der neuesten Ausgabe der „Supporters News“. Mir gefällt besonders gut jene Passage, in der es um die Stadionverbote geht. Scheel: „Es ist mir wichtig zu betonen, dass wir beim HSV sehr umsichtig verfahren, was heißt, dass wir nicht mit Stadionverboten um uns werfen, sondern eher dem Gedanken des „Im Zweifel für den Angeklagten“ folgen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Ich sehe in der Tat nicht, warum der HSV härter gegen Hooligans vorgehen sollte, denn es gibt aktuell doch kein Problem, das wirklich unter den Nägeln brennt. Oder bin ich da zu weltfremd geworden?
„rautenträger“ fragte nach dem 19-jährigen Macauley Chrisantus: „Warum ist es mit ihm so gekommen, wie es gekommen ist?“ Auch da kann ich nur vermuten: Der Stürmer wurde ja mit großem Tam-tam in Hamburg begrüßt, welcher Klub war nicht hinter ihm her? Chelsea, Arsenal, ManU und, und, und. Und der HSV machte das Rennen. Ein Wahnsinn. Doch es folgte nichts.

Chrisantus fasste bei der Zweiten nie Tritt (nur zwölf Einsätze), und er konnte im Training bei den Profis kaum einmal mit einer positiven Aktion punkten – mir ist keine bekannt. Zudem war er zu ruhig, auf dem Platz, nach dem Duschen. Der brachte kaum einen Ton hervor. Sprach auch kein Wort Deutsch. Und dann sind aus solchem Holz Talente geschnitzt, die zum Scheitern verurteilt sind. Beim KSC spielt der bis zum Sommer 2010 ausgeliehene Chrisantus auch kaum eine Rolle, was allerdings auch an einer Roten Karte lag, nach der er für einige (vier?) Spiele gesperrt war. Es würde mich total überraschen, wenn Macauley Chrisantus (Vertrag mit dem HSV bis 2012) eines Tages doch noch einmal für den HSV in der Bundesliga stürmen würde – aber unmöglich ist auch oder vor allem im Fußball nichts. Ich hatte auch damals gedacht, dass ich Oliver Bierhoff nach seinem Abschied vom HSV nie wieder in der Bundesliga sehen würde, und dann legte er eine solche Weltkarriere hin. Bierhoff – mein größter Irrtum! Und vielleicht ist Chrisantus auch mal wieder einer.

Apropos „rautenträger“. Er erkundigte sich, ob Frau M. nicht schon sauer wäre – wegen der „Arbeitszeiten“ für „Matz ab“. Ich gebe zu, mein Laptop steht in unserer Stube ständig „unter Strom“, ist aus unserem Alltagsleben gar nicht mehr wegzudenken, aber noch erträgt sie es. Allerdings gab es Heiligabend auch schon den ersten Verweis von Frau M., weil ich in den Tagen zuvor ständig bis weit nach Mitternacht gearbeitet hatte. Da reimte ich mir mein HSV-Gedicht zusammen, und deshalb bin ich gleich auch bei „HSVboerni“: Ich habe diese beiden Teile allein gemacht, wie übrigens in der Jahren zuvor auch immer. Anders geht es auch gar nicht.

„DasProdukt“ fragt, ob und wie beim HSV auf die Ernährung der Spieler geachtet wird? Ja, es wird. Seit 2006 arbeitet Jana Dunkel für den Klub, sie ist Köchin. Und sie war auch zum Beispiel zuletzt, beim Europa-League-Spiel in Tel Aviv, mit auf Tour, um die Profis zu bekochen. Unter Martin Jol aßen die Spieler auch an gewissen Trainingstagen gemeinsam, dass ist, so wie ich weiß, nun nicht mehr der Fall, aber wer will, der kann sich in der Woche sportler-gerecht bekochen lassen. So soll es jetzt sein.
„Tante Käthe“ fragt, warum Deutschland sich eine Sommerpause gönnt, statt ein ganzes Jahr durchzuspielen? Erstens befinden sich die Länder, die eine Sommerpause einlegen, in der Mehrzahl, zweitens ist der deutsche Spielplan dem internationalen Rahmenterminkalender angepasst. Ausgeschert sind doch nur die skandinavischen Ländern sowie einige Nationen im einstmals so genannten Ostblock. Wenn ich aber so an die WM 2006 denke, so machten auch mir die sommerlichen Abendspiele durchaus großes Vergnügen, die hätten also durchaus etwas für sich. Aber es wird sich daran wohl auf lange Sicht nichts ändern.

„SingsangHSV“ und viele andere User fragten nach Matthias Sammer als Sportchef. Das kann ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen, ich halte es sogar für ausgeschlossen, denn Sammer ist ein ganz, ganz starker Mann, der will immer selbst das Rad drehen – und würde zum Beispiel nie zusehen wollen, wenn es Bernd Hoffmann für ihn drehen wollte. Und umgekehrt natürlich auch. Hoffmann könnte mit einem Sammer an seiner Seite niemals leben, denn unter einer solchen Konstellation wäre für das Umfeld unklar, wer denn nun den Verein führen würde. Nein, Sammer wird es auf keinen Fall, so sehr ich ihn auch schätze, denn er ist wirklich ein ganz hervorragender Fachmann, ganz sicher einer der besten Leute in Deutschland.

Generell wurden ja auch andere Namen bei Euch gehandelt, und zwar Spielernamen, die der HSV jetzt, in dieser Winterpause, holen könnte. Kerzhakov, Pandev, Cacau, Altintop, Diekmeier, Görlitz, Lell, Jelavic wurden genannt, andere auch, aber ich sehe die alle nicht in Hamburg. Und es sollte mich wundern, wenn doch auch nur einer an die Elbe käme. Sollte ein neuer Spieler kommen, müsste wohl vorher der eine oder andere gehen (Jonathan Pitroipa soll, so steht es beim DSF, ein Kandidat beim 1. FC Köln sein). Nur so würde und könnte es gehen. Immerhin: Bruno Labbadia hat keinen (Kurz-)Urlaub genommen, er sagte mir, dass er durcharbeiten würde, weil er noch so viel zu tun hätte. Ob diese Arbeit auch eine Neuverpflichtung beinhaltet, das hat er mir natürlich nicht auf die Nase gebunden.

Spaßig fand ich, das sei mir an dieser Stelle einmal gestattet zu schreiben, jene HSV-Mannschaft, die „Nordbert“ aufgestellt hat: Pralija, Zafirov, Simunic, Gravgaard, Ali II, Ledesma, Neves, Zarate, Schopp, Ordenwitz und Schmöller. Ich habe dabei Martin Dahlin und Niclas Kindvall vermisst. . . Und zur Bergedorfer Elf von „Billtal“ sei gesagt: Ich kenne sie alle, denn ich habe einst in Bergedorf, im Gojenbergsweg, gewohnt, und mein Onkel nahm mich damals auch mit ins Billtal-Stadion, als 85 in die Oberliga Nord aufgestiegen war und auf Grand um Punkte gegen den HSV spielte. Ein Erlebnis! „holag“ sei an dieser Stelle kurz gedankt für die Ergänzungen in Sachen „Ochsenzoll“.

„Digga“ schlug mir nach dem Brief an Florian Meyer das Thema Schiedsrichter für „Matz ab“ vor. Nehme ich auch dankbar auf, habe sogar versucht, den einen oder anderen Herren der Zunft zu erreichen – aber es ist ja Winterpause. Ich bleibe dran. Und am 11. Januar kommt – welch ein Zufall – Florian Meyer nach Hamburg, um vor Journalisten einen Vortrag zu halten, wie die Schiedsrichterei in der Bundesliga zu funktionieren hat. Ich werde, sofern nichts dazwischen kommt, Flagge zeigen. Und Euch berichten.

Dass mit Herbert Kühl hier inzwischen ein weitere „Alt-Internationaler“ schreibt, finde ich klasse. Er ergänzte zu meiner (und auch Eurer?) HSV-Mannschaft den Namen Jupp Posipal. Der fehlt bei mir, weil ich ihn leider nie habe spielen sehen. Von Herbert Kühl, heute Ehrenpräsident des SC Concordia, weiß ich aber noch eine wunderschöne Nähkästchen-Anekdote. Ich hoffe, lieber Herbert, dass ich sie einfach mal schreiben darf, ansonsten musst Du mir Deine Freundschaft kündigen (was schade wäre!). Der junge, ich glaube 18-jährige Herbert Kühl kickte mit dem SC Victoria in der Oberliga Nord, spielte an der Hoheluft gegen den HSV mit Posipal. Nach dem Spiel klönten einige Spieler beider Vereine noch eine gewisse Zeit in der Stadion-Gaststätte, dann fragte Posipal den jungen Kühl plötzlich: „Kommst du noch mit? Wir wollen noch ein bisschen weiterziehen.“ Kühl wollte. Und er setzte sich mit auf den Motorroller, den wer fuhr? Natürlich, Jupp Posipal. Und los ging es.

„Dylan1941“ (auch im gebührt mein Dank) erkundigte sich nach Ditmar Jakobs. Wäre das nicht auch ein geeigneter Sportchef-Kandidat? „Jako“ hat heute eine Versicherungs-Agentur, sein Büro ist in der Nähe des Hauptbahnhofes, ganz in der Nähe des Hotels „Atlantik“. Er betreut in dieser Eigenschaft auch HSV-Spieler. „Doerfels Eck“ fragte, ob Ditmar Jakobs seine damals im Bremen-Spiel erlittene Rückenverletzung vollständig auskuriert hat, aber das ist leider nicht der Fall, er hat immer noch seine gesundheitlichen Probleme damit. Hat sich und sein Leben aber darauf eingestellt, kann inzwischen damit umgehen und ganz gut leben.

„Sebert1974“ und ebenfalls viele, viele andere User erkundigten sich danach, warum die „Kicker“ dem Schiedsrichter Florian Meyer im Spiel gegen Bremen eine 1,5 als Note gegeben hat? Weiß ich auch nicht, ich weiß nur, dass das in meinem Freundes- und Bekanntenkreis einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Ihr werdet mir aber verzeihen, wenn ich mich da jeglichen Kommentars enthalte, denn Noten sind subjektiv. Ich maß mir nicht an, immer richtig zu liegen. Und seht es einmal so: Torsten Frings hat dem Unparteiischen auch eine katastrophale Leistung bescheinigt. Damit wären sich ja alle Seiten dann auch wieder einig – vom „Kicker“ einmal abgesehen.

„Nebraska63“, der uns hier mit dieser wunderschönen Weihnachtsgeschichte beglückte (auch ihm vielen Dank!), fragte nach Messi und Elia, ob die hier in Deutschland fußballerisch eher schlechter ausgebildet worden wären? Es ist zu vermuten, obwohl sich hierzulande schon sehr viel in Sachen Technik getan hat. Es gibt doch kaum noch einen richtigen „Klopper“, der nicht auch Fußball spielen könnte. Alle haben doch inzwischen ein gutes technisches Rüstzeug während ihrer Jugendzeit erhalten. Früher war das noch ganz anders, und das ist noch gar nicht so lange her.

Yordan Letschkov sagte mir einst zu seiner Hamburger Zeit, dass er nicht verstehen könne, dass Jugendtrainer ihren Spieler das Dribbeln verbieten. Er durfte in seiner Jugend spielen wie er wollte, er wurde nie ausgewechselt, angeschrieen oder eingeschränkt, und nur so lernte er auch das richtige Dribbeln. Ich dagegen habe hier noch Jugendspieler erlebt, die von wütenden Trainern, die völlig ihre Fassung verloren hatten, vom Platz geholt wurden, weil sie den Ball nicht abgaben. Ich hoffe (und glaube) aber, dass das heute anders geworden ist.

„devildino“ fragte, was ich von Nico Hoogma als HSV-Sportchef halte? Sehr viel. Nur der HSV, und der ist entscheidend, wohl nichts bis gar nichts. Sonst hätten sie mal bei ihm angefragt. Das aber ist nicht passiert. Ich denke bei Hoogma und dieser Frage spontan auch an Felix Magath. Als der 1986 seine Karriere als Spieler beendete, wurde er von einem Tag zum anderen Sportchef des HSV. Nun gut, er war es nicht lange, aber immerhin, der Klub hat ihm das zugetraut und ihm die Verantwortung übertragen. Damals ging das noch. . .

So, Sprechstunde und Nähkästchen wieder einmal beendet, in der kommenden Woche ziehen mein Kollege Christian Pletz und ich gemeinsam Bilanz der Hinrunde (was ja auch eine Bilanz von „Matz ab“ ist). Und sollte es doch – wieder Erwarten – einen neuen Spieler geben, dann melden wir es natürlich auch hier. Lasst die Weihnachtswoche gut ausklingen, und alles Gute für die letzten Tage des Jahres.

Weihnachtliches Nähkästchen

25. Dezember 2009

Frohes Fest! Wie versprochen ein ganz kleines Nähkästchen. Kurz deshalb, weil ja Weihnachten ist, da möchte ich Euch auch nicht überfrachten. Und erst noch ein kurzer „Abstecher über die Dörfer“. Wie Weihnachten muss es Marcell Jansen vorgekommen sein, dass der Bundestrainer einen Tag vor Heiligabend über den HSV-Profi und die WM in Südafrika gesprochen hat. Jogi Löw stellt Jansen die Teilnahme in Aussicht. Mir ist das, ehrlich gesagt, ein wenig zu wenig, denn wenn Marcell Jansen die Form beibehält, die er zuletzt an den Tag gelegt hatte, dann muss der Hamburger ganz einfach mit. Und Ende.

Dann möchte ich noch auf einen besonderen Termin hinweisen: Am 2. und 3. Januar findet in der Sporthalle Hamburg in Alsterdorf das große Turnier um den Schweinske-Cup statt. Seit einigen Jahren macht ja der HSV einen großen Bogen um diese Veranstaltung, doch das Team um Wolfgang Engelmann, Peter Sander und Horst Peterson fand nun eine Möglichkeit, einen Hauch von HSV in das Turnier zu bringen. „Nico and friends“ sind dabei: Nico Hoogma, Stig Töfting, Martin Groth, Roy Präger, Andreas Fischer und einige Altmeister mehr. Wer Lust auf Nostalgie hat, wer diese alte Recken noch einmal hautnah erleben will, der sollte sich in Alsterdorf einklinken, die Veranstaltung hat es verdient, denn es ist für mich immer das besondere „Turnier mit Herz“ gewesen. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe unzählige Hallen-Kicks mitgemacht, nirgendwo war es so herzlich wie in Alsterdorf.

Dann ist es mir ein Herzensbedürfnis, Euch für die vielen, vielen netten Weihnachtswünsche, Beiträge und Gedichte zu bedanken. Ihr seid einmalig, das ist sensationell! Wo soll das enden? Was geht hier ab? „Matz ab“ fördert ganz stark die deutsche Dicht-Kultur, wird hier ein neuer Goethe für die Abteilung Fußball geboren? Drohungen – zumal an den Festtagen – sind mir allerdings absolut zuwider, auch oder vor allem in Prosa, muss ich mal kurz und ganz nebenbei bemerken!

Vielen Dank auf jeden Fall denjenigen “Matz-abbern”, die sich dieser Sache positiv verschrieben haben, es macht riesigen Spaß, das alles zu lesen. Und auch Frau M. war gerührt, dass Ihr so oft an sie gedacht habt. Übrigens: Sie wird sich noch überlegen, ob sie am 19. Februar mit in die Raute kommt – ausgeschlossen ist das nicht mehr. Eventuell muss sie Lilo und Traute überreden, damit sie nicht so ganz allein ist – denn ich werde an diesem Abend ja ganz sicher „auf Wanderschaft“, hier ein Schnack, dort eine kleine Klönerei, um die Ecke auch ein tiefsinniges Gespräch (über Psychologie im Fußball?) usw., durch die Raute sein.

Apropos Gespräch. Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest traf ich im Herold-Center in Norderstedt den früheren HSV-Verteidiger Tobias Homp. Mit ihm beginnt nun dieses Nähkästchen, „Hompi“ war ein als Profi immer ein Mensch zum Anfassen, Arroganz war und ist ihm bis heute fremd, er ist einfach nur ein netter Kerl. Wir sprachen natürlich über alte Zeiten, was ich für fast unglaublich halte: Tobias Homp spielt mit seinen nun 46 Jahren immer noch Leistungsfußball, er kickt für den SV Henstedt-Rhen in der Oberliga Schleswig-Holstein.

Was mich immer mit Homp verband? Das war eine Begebenheit während seiner Zeit beim HSV. Er kam eines Tages aus der Kabine im Leistungszentrum Ochsenzoll und schimpfte still vor sich hin. Das war so ganz und gar nicht seine Art, Tobias Homp ist ansonsten still, ruhig, bescheiden, zurückhaltend. „Was hast du denn?“, fragte ich ihn, und es sprudelte aus ihm heraus: „Ich habe mich eben mit Manfred Kaltz angelegt. Der putzt sich immer bei laufendem Wasser die Zähne. Ich habe ihn schon oft darauf hingewiesen, dass das Wasser immer knapper wird, dass man es nicht einfach laufen lassen darf, denn Wasser ist kostbar geworden. Aber was macht Manni? Er putzt und lässt Wasser laufen. Das kann ich nicht begreifen.“

Ich gebe zu: In diesem Moment überkam auch mich das große Schweigen, zudem überfiel mich das schlechte Gewissen, denn: Ich hatte meine Zähne bis zu diesem Tag auf die Kaltz-Art geputzt: Wasser marsch. Ohne nachzudenken. Von diesem Tag an aber war das vorbei. Jeden Morgen, jeden Abend habe ich an Tobias Homp gedacht, ernsthaft. Und ich habe mich selbst erzogen. Seit diesem Tag lief nicht einmal mehr das Wasser beim Putzen, auch nicht im Hotel, auch nicht in fremden Ländern – denn Wasser ist in der tat ein kostbares Nass, das kein Mensch auf der Welt einfach so vergeuden sollte.

Übrigens: Tobias Homp verriet mir kürzlich auch, dass er im Trainingslager und auch vor den Spielen stets ein Hotelzimmer mit dem großen Manfred Kaltz teilte: Rechtsverteidiger und Linksverteidiger. Was niemand wusste, aber wohl viele ahnten: Beide sprachen ja auch im richtigen Leben nur das Notwendigste, doch auf dem Zimmer herrschte die totale Stille. Tobias Homp sagte zu meinem Erstaunen: „Manfred Kaltz hat erst nach zwei Jahren, die wir bis dahin auf einem Zimmer verbracht hatten, mit mir gesprochen. Vorher hatte immer Funkstille total geherrscht.“ Wer hätte das gedacht? Oder auch nur vermutet? Eigentlich eine unglaubliche Geschichte, aber wahr.

Um noch einmal auf Kaltz zurück zu kommen: Ich hatte ja vor einigen Tagen nach Eurer absoluten HSV-Mannschaft gefragt, also mit Spielern von heute, gestern und vorgestern. Es gab ja einige Namen, die da eingestreut wurden, aber eine richtige Mannschaft war das nicht. So mit „Butter bei die Fische“, konsequent nur elf Namen, und keinen mehr. Das ist schwer. Ganz sicher. Aber es geht. Hier nenne ich Euch einmal die HSV-Mannschaft meines Lebens:

Tor:
Horst Schnoor,

Abwehr:
Manfred Kaltz,
Ditmar Jakobs,
Willi Schulz,
Jürgen Kurbjuhn,

Mittelfeld:
Wolfgang Rolff,
Kevin Keegan,
Thomas Doll,
Felix Magath,

Angriff:
Uwe Seeler,
Gert Dörfel.

Und dann hätte ich da auch noch eine „B-Mannschaft“ anzubieten:

Tor: Uli Stein.

Abwehr:
Ivan Buljan,
Markus Babbel,
Peter Nogly,
Peter Hidien,

Mittelfeld:
David Jarolim,
Yordan Letchkov,
Sergej Barbarez,
Rafael van der Vaart,

Angriff:
Horst Hrubesch,
Ivica Olic.

So, das war das weihnachtliche „Matz ab“, genießt weiterhin die festliche Ruhe, die Stunden in der Familie, im Kreise Eurer Lieben.

Und zudem wünsche ich allen, die nun krank im Bett liegen, eventuell sogar im Krankenhaus (wie mein Freund Peter), eine gute und schnelle Besserung, dass es 2010 wieder steil bergauf geht – alles, alles Gute für Euch.

15.06 Uhr

Das Gedicht – Teil zwei

23. Dezember 2009

Liebe Matz-abber,

wie versprochen folgt hier nun Teil zwei des HSV-Weihnachtsgedichtes. Wie schon gestern bemerkt, es erhebt immer noch keinen Anspruch auf absolute Ernsthaftigkeit, es soll witzig, ironisch und spaßig sein. Und es soll den Weihnachtsmann unter Druck setzen, nun endlich alles für den HSV zu geben, denn ein Titel ist schon lange überfällig.

Nochmals an dieser Stelle Euch allen ein wunderschönes, stressfreies und friedfertiges Weihnachtsfest, auch Frau M. und ich werden die kommenden Stunden in Ruhe genießen, am ersten Feiertag geht es dann im Lauf des Tages weiter – mit einem Nähkästchen.

Gestern endete Teil eins des Gedichtes mit Mickael Tavares, heute geht es mit dem Ersatztorwart weiter:

Dem Wolfgang Hesl gib Geduld,
dass er nicht spielt? Nicht seine Schuld,
seine Stunde wird noch schlagen,
und dann werden viele fragen:
„Was habt ihr da nur ausgeheckt?
Wer hat denn den so lang’ versteckt?“
Ersatzmann ist dann echt vorbei,
Hesl ist drin – statt nur dabei,
er hält im Training wunderbar,
er ist dann auf dem Weg zum Star,
vom Schattenmann zur Nummer eins
– gelernt hat er das Einmaleins,
dann bei dem guten „Fäustel“ Rost
– na „Wolle“, wann geht ab die Post?

Ja, lieber guter Weihnachtsmann,

Du packst es besser ganz schnell an,

den Marcus Berg mach’ explosiv,
er wirkt mir manchmal zu passiv,
der alte Schwede riecht das Tor,
doch mir kommt das zu selten vor,
schenk’ ihm doch bitte noch mehr Biss,
denn das Talent hat er gewiss,
er muss nur mehr Leben zeigen,
und dem Gegner einen „geigen“,
noch ist es bei ihm Berg und Tal,
und ihm, so scheint’s, ist das egal,
darum mach’ ihn viel, viel heißer,
mach’ aus ihm ’nen echten Reißer,
das wär’ ein wunderbares Werk
– und Hamburg liebt dann seinen Berg.

Schlitzohr Petric, unser Mladen,
den bewahre nun vor Schaden.

Fehlt er – wird mir angst und bange,
er pausierte schon zu lange,
der Magier ist so abgezockt,
dass er damit die Gegner schockt,
halt ihn bei Laune und bei Lust.
Schenk ihm ’ne dicke, breite Brust,
lass’ ihn viele Tore schießen,
das ist es, was wir genießen,
halt ihn dazu von Wolfsburg fern,
dann haben ihn hier alle gern.

Für Elia möcht’ ich bitten,
schütze ihn vor üblen Tritten,
stell’ die Treter und die Hacker,
nach dem ersten Foul vom Acker,
halt’ ihn immer unbeschadet,
denn der Typ, der ist begnadet,
er spielt so schnell und so modern,
als käme er vom and’ren Stern,
ist er einmal losgegangen,
ist er gar nicht einzufangen,
deswegen halt’ ihn immer fit,
und sag’ bei Barca und Madrid,
bei Chelsea, ManU, Arsenal,
uns ist ihr Geld hier ganz egal,
Elia wird nie mehr verkauft,
selbst wenn manch’ Scheich vor Wut laut schnauft!

Torun, der ist echt im Kommen,
hat sich tüchtig freigeschwommen,
bau’ ihn auf, den Mini-Seeler,
alles and’re wär’ ein Fehler,
stärke ihm das Selbstvertrauen,
er soll weiter „Buden“ bauen,
Tunay, der ist mächtig rege,
und auch auf dem besten Wege,
Liebling vieler Fans zu werden
– halt’ ihn deshalb hier „auf Erden“,
bleibt er sich treu – und Realist,
und spielt elanvoll und mit List,
dann kann Hamburg sehr bald melden:
„Nun ha’m wir ’nen neuen Helden.“

Gib Piet, dem schnellen Jonathan,
vor jedem Spiel mal Baldrian,
damit er ruhig wird am Ball,
er ist ja schneller als der Schall,
vergisst dabei die Kugel oft,
zu oft als doch von uns erhofft,
manchmal spielt er sich alleine,
auch manch’ Knoten in die Beine,
ja, lieber guter Weihnachtsmann,
schau Dir den Piet genauer an,
er hat Talent, er könnte was,
er wär’ hier doch schon längst ein Ass,
wenn er nur etwas cooler wär’
– doch er macht sich das Leben schwer.
Stopp’ ihn doch bitte, fang’ ihn auf,
und kontrolliere jeden Lauf,
wenn er ab jetzt sich Ruhe nimmt,
und dann sein Timing wieder stimmt,
dann wird er noch zum Edelstein,
nun, alter Mann, dann hau’ mal rein.

Schenk Castelen ab jetzt mehr Glück,
blick’ ich bei ihm kurz mal zurück,
so lag er jahrelang auf Eis,
stand oft schon auf dem Abstellgleis,
auch jetzt ist er schon lange raus,
und steht schon wieder vor dem Aus
– was ist der Sinn, was ist der Zweck?
Schenk’ ihm doch bitte ein Comeback,
das kann’s noch nicht gewesen sein,
wenn Du ihm hilfst, das wär’ schon fein.

Und auch um Arslan kümm’re Dich,
lass’ das Talent jetzt nicht im Stich,
er kann schon was, ist ein Juwel,
ist auch im Training quietsch-fidel,
doch dann im Spiel, da ist es mau,
er wirkt nervös, und dazu flau,
es scheint, als wenn’s die Nerven sind,
gib ihm nun wieder Rückenwind,
dass er das zeigt, was er auch kann,
das wär’s doch, guter Weihnachtsmann.

Zudem möcht’ ich noch bestellen:
weiter Glück den Offiziellen,
Siege – wie der gegen Bremen,
würd’ ich jede Woche nehmen,
er bedeutet schon ’ne Masse
– und für Bruno war er klasse,
er schwimmt jetzt auf Wolke sieben,
weil ihn viele Fans nun lieben,
er hat schon vieles hier bewegt,
was auch der vierte Platz belegt,
Bruno hat viel angeschoben,

vielleicht endet’s ja ganz oben?

Nur bitte, guter Weihnachtsmann,
fang’ schnell noch einen Crash-Kurs an,
das Thema; „Wechsel – schnell gemacht“,
denn ich hab’ lang schon den Verdacht,
dass es da Defizite gibt,
weil Bruno Wechsel nicht so liebt,
er hängt an seiner ersten Elf,
sieht Wechsel nur als Notbehelf,
entscheidet sich dann meist zu spät,
nicht selten dann, wenn nichts mehr geht,
bei Jansen und auch bei Demel,
war Bruno ja nicht wirklich schnell,

wenn da ein Crash-Kurs etwas bringt,
und jeder Wechsel dann gelingt,
das wär’ ja echt wie Weihnachten
– ich werd’ jetzt mal darauf achten. . .

Mach’ den Aufsichtsrat auch helle,
und schenk’ ihm ‘ne Antriebswelle,
die Räte, Mensch, die haben Zeit,
ja ist das denn die Möglichkeit?
Fahnden, schnuppern und auch suchen,
und dann immer: Pustekuchen,
die finden nicht mal einen Mann,
die schleppen keinen Sportchef ran,
der Kreuzer sagte einfach nein,
bald sollte es ein Grill dann sein,
doch der war auch nicht so genehm,
vielleicht auch etwas unbequem,
eventuell auch arrogant
– der Posten blieb deshalb vakant,

außer Spesen nichts gewesen,
kann der Rat denn nicht mal lesen?

Ein kurzer Blick mal zu „Matz ab“,
war dazu denn die Zeit zu knapp?
Hier gab’s doch die besten Namen,
die auch stetig wiederkamen:
von Heesen, Bester und auch Golz,
die Herren Räte: „Ach, was soll’s. . ?“
Hoogma, „Fummel“ und der Sammer,
jeder davon wär’ der Hammer;
doch diesem Rat ist das zu dumm,
der eiert lieber weiter rum,
ich glaub’ die wollen Stuttgarts Heldt,
weil der den Herren sehr gefällt,

wieso, weshalb, ich weiß es nicht,
bring’ Du ins Dunkle nun bald Licht.

Schenk’ dem Herrn Hoffmann, das wär’ nett,
’nen Titel, den er zu gern hätt’,
ich denk ja auch, er hätt’s verdient,
ist hier ja schon fast altgedient,
er lechzt nach einer Meisterschaft,
das wär’ ja auch ganz meisterhaft,
er will es schnell, er will es bald,
wer dabei stört, den macht er kleiner,
so viel Ehrgeiz hat sonst keiner,
drum schenk dem guten Mann viel Geld,
damit er hier das Feld bestellt,
Stürmer und auch Abwehrspieler,

sind die Wünsche ja so vieler,

der HSV, der soll nun rauf,
Enttäuschungen gab es zuhauf,
Hoffmann würd’ man ewig loben,
ging’s mit ihm nun ganz nach oben,
und mit Herrn Hoffmann auch Frau Kraus,
auch sie bekäme viel Applaus,
wenn es endlich Titel gäbe –
mach es jetzt, dass ich’s erlebe,
hilf uns’rem guten HSV,
lang lebe es, das Schwarz-Weiß-Blau,
hilf uns allen, hilf der Raute,
gib der Konkurrenz die Flaute,
lass uns an die Spitze schießen,
lass’ die anderen verdrießen,
lass die Schalker und auch Bremen,
Plätze sechs und sieben nehmen,
bring’ Leverkusen aus dem Tritt,
und nimm die Bayern dabei mit,
lass’ Dortmund dort, wo die jetzt steh’n,
dann wär’ das Fest schon wunderschön,
Hoffenheim halt’ auch ganz flach,
den ganzen Rest, den lass’ man schwach,
gib alles für den HSV,
er hat’s verdient, das stimmt genau,

ja, lieber guter Weihnachtsmann,
am besten fängst Du jetzt gleich an,
und mach’ die Arbeit ganz genau

– es grüßt ein Fan vom HSV.

Ein Gedicht

23. Dezember 2009

 

Liebe Matz-abber,

Euch allen wünschen wir ein wunderschönes, stressfreies, ruhiges und friedliches Weihnachtsfest. Vielen Dank für Eure Treue seit dem 7. August, ich bin täglich total von den Socken, und ich freue mich schon diebisch auf den 19. Februar 2010, wenn es zum ersten Matz-ab-Treffen in der Raute, in unserer Raute kommen wird.

Bis dahin werden hier noch viele, viele Artikel erscheinen, an denen mein Kollege Christian Pletz, bei dem ich mich hier ausdrücklich für die großartige Unterstützung bedanken möchte, gelegentlich auch Frau M,. von der ich ganz herzlich grüßen soll (ebenfalls beste Wünsche an alle Matz-abber zum Fest – und vielen Dank für die vielen netten Grüße!), und auch ich herumwerkeln. Manchmal gelingt es besser, manchmal nicht, so dass immer einige murren, aber es ist ja hier wie im richtigen Leben – und wie bei den Herren Schiedsrichtern: Die Tagesform ist entscheidend.

Zum Weihnachtsfest gab es in den zurückliegenden Jahren oftmals ein Gedicht zum HSV, es ist eine einzige große Bitte an den lieben guten Weihnachtsmann. Im vergangenen Jahr fiel dieses Gedicht aus technischen Gründen aus, jetzt gibt es es wieder, und zwar nur hier, bei “Matz ab”. Das Gedicht erhebt, das gebe ich gleich mit auf den Weg in die Festtage, keinerlei Anspruch auf absolute Ernsthaftigkeit, es soll an manchen Stellen witzig und ironisch sein, etwaige Beschwerden lasst aufgrund der Festtage bitte stecken, denn sonst wird es ja kein friedliches Fest – und das habe ich ja Euch und auch uns gewünscht.

Übrigens: Es gibt Familien, in denen dieses Gedicht vor der Bescherung von den Knaben (oder auch Mädchen?) vorgelesen wird. Ich wünsche Euch ganz viel Spaß damit. Und morgen soll- und wird – es denn eine Fortsetzung geben. Das würde dann bestens passen, wenn es die Geschenke von Oma und Opa gibt – quasi als kleines sportliches Vorspiel.

Nur der HSV!

Lieber guter Weihnachtsmann,
nun fang’ doch bitte damit an,
diese Seuche zu beenden,
dann trag’ ich Dich auch auf Händen,
mach’ nun Schluss mit Kreuzbandrissen,
die ha’m uns zurück geschmissen,
stopp’ Verletzungen der Bänder,
die geh’n mir voll auf den Sender,
stopp’ die Viren und das Fieber,
so wär’ mir das auch viel lieber,
hauch’ uns’ren Jungs jetzt Kräfte ein,
lass’ alle restlos fit nun sein,
denn nur so kann man gewinnen,
lass’ die Aufholjagd beginnen,
streng’ Dich doch bitte ganz doll an,
denn wir sind doch mal wieder dran,
gib uns Titel – Meisterschaften,
die könnt’ ich nun gut verkraften,
auch für den HSV wär’s schön,
so könnt’s Jahrzehnte weitergehn,
dann fang’ gleich an, Du guter Mann,
und zwar sofort, nicht dann und wann.

Gib dem Fäustel tausend Hände,
dann wird er hier zur Legende,
lass’ mit Ruhm ihn sich bekleckern,
lass’ ihn schreien und auch meckern,
doch halt’ ihn von der Presse fern,
die Leute hat er nicht so gern,
da braust er auf, da wird er laut,
da fährt er zu gern aus der Haut.
Rost soll nur den Kopf bewahren,
lass’ ihn seine Kräfte sparen,
wenn er hier stets die Bälle hält,
wird er auch leis’ ein großer Held.

Gib Guy Demel nicht nur Geschick,
gib offensiv auch ihm den Blick,
denn rennt vor –  rennt er sich fest,
dabei wär’ flanken allerbest,
mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei,
sorgt er bei Fans für viel Geschrei,
gib ihm mehr Sachlichkeit ins Spiel,
denn spielt er so – gewinnt er viel.

Boateng, den mach’ schnell reifer,
schenke ihm auch Trainingseifer,
dann ist er der Liebling vieler,
Deutschlands bester Abwehrspieler,
dann musst Du nur noch schnell schalten,
und ihn hier in Hamburg halten,
gib ihm Vertrag für sieben Jahr’,
das fände ich ganz wunderbar.

Mathijsens Joris mach’ – ruckzuck,
mal ganz, ganz schnell zum „kleinen Muck“,
er soll spurten, sprinten, rasen,
sonst vernaschen ihn die Hasen,
wie zuletzt auch mal geschehen,
wenn wir mal auf Bochum sehen. . .

Gib David Rozehnal mehr Mumm,
dem nehmen sie die Fehler krumm,
und er macht davon ein’ Haufen,
ihm ist vieles schief gelaufen,
er hat sehr, sehr oft geschwommen,
ist hier noch nicht angekommen,
er schoss im Herbst so manchen Bock,
zerbröckelte im Abwehrblock,
doch gegen Bremen ging’s bergauf,
gib’ ihm nun bitte einen Lauf
– wenn er nicht zulegt, ist es aus,
dann schickt ihn Bruno schnell nach Haus.

Dennis Aogo – Fußballgott,
der ist an sich schon ganz schön flott,
doch neigt auch er zum Firlefanz,
gib ihm doch bitte mehr Konstanz,
bleibt er ein Spiel lang konzentriert,
hellwach und auch stets engagiert,
dann läuft er bald für Jogi ein,
das wäre doch nun wirklich fein.

Stell’ den Basti auf die Beine,
lass’ ihn wieder von der Leine,
ihn habe ich doch sehr vermisst,
die Abwehr ohne ihn ist Mist,
lass’ die Knochen wieder heilen
– könntest Du Dich leicht beeilen?

Und mach’ dem Mann vom Zuckerhut,
dem Alex Silva wieder Mut,
er soll hier mal richtig beißen,
lass’ sein Kreuzband nicht mehr reißen,
und mach’ ihn auch gleich souverän,
so ha’m wir ihn noch nie geseh’n,
und wenn er richtig Klasse hat,
dann lass’ ihn nicht zu lange platt.

Gib Marcell Jansen beste Form,
er braucht für die WM die Norm,
belohn’ ihn für die Schufterei,
lass’ ihn nun mal verletzungsfrei,
denk’ jetzt auch einmal aktuell,
und heile seine Kapsel schnell,
gib’ ihm Kraft – er hat die Klasse,
er kann wirklich eine Masse,
ein halbes Jahr nun jedes Spiel,
das wär’ doch mal ein schönes Ziel.

Denk’ auch an Collin Benjamin,
er soll noch nicht von dannen zieh’n,
ich schätze die Bescheidenheit,
und seine Zuverlässigkeit;
er kann es auf jedem Posten,
könnt’ es wohl auch zwischen Pfosten,
sein Einsatz hier ist ganz immens,
er ist ein Liebling aller Fans,
die woll’n ihn hier noch lange seh’n,
hilf ihm dabei – das wäre schön.

Stärk’ auch Rincons Selbstvertrauen,
auf den Kämpfer woll’n wir bauen,
er geht zur Sache wie ein Stier,
Typen wie ihn – die lieben wir,
er gibt Gas, kennt keine Flaute,
er gibt alles für die Raute,
schenk’ ihm viel Kraft und Energie,
dann bleibt er die De-Jong-Kopie.

Lass Trochowskis Flaute enden,
er muss doch Signale senden,
in Richtung Löw – Südafrika,
denn so wie jetzt, das ist wohl klar,
wird es für ihn noch ganz, ganz knapp,
da beißt die Maus kein’ Faden ab,
schenk’ „Troche“ wieder Spaß und Witz,
gib ihm auch manchen Geistesblitz,
er kann es doch, er ist doch stark,
doch im Moment spielt er nur Quark,
gib ihm auch seinen Mut zurück,
und schenk’ ihm bei den Schüssen Glück.

Halte Jarolim bei Laune,
bei ihm sehe ich – und staune,
wie er das ganz Spiel lang rennt,
als wenn er keine Pause kennt,
gib „Jaro“ weiterhin viel Kraft,
halt’ ihn auch weiter so im Saft,
damit er bald ’ne Schale hebt,
nach der der ganze Klub doch strebt.

„Schwalben-Tesche“ soll nicht fliegen,
hilf dabei – ihn hinzubiegen,
er hat ja einen guten Schuss,
dass er doch nicht zu Boden muss,
gib uns’rem Robert viel mehr Biss,
der wirkt oft so, als hätt’ er sch. . .iefe Beine,
lass’ ihn endlich von der Leine,
er hat ein’ Körper wie ein Bär,
und tut sich dennoch sehr, sehr schwer,
mach’ ihn schneller, mach’ ihn wendig,
mach’ ihn heiß und auch lebendig,
weck’ ihn aus seiner Lethargie,
fang nun gleich an – mit Akribie.

Mach’ Ze Roberto schnell gesund,
mit ihm lief’s doch so gut, so rund,
er ist ganz einfach ein Genie,
er führte so gekonnt Regie,
bitte stell’ ihn auf die Füße
– und auch an Guerrero Grüße,
er soll noch mal alles geben,
soll den Angriff neu beleben,
fünf Jahre schreib’ in den Vertrag,
das wär’ mal ein Befreiungsschlag,
gib ihm dazu auch etwas Geld,
damit’s Paolo hier gefällt,
und trifft er dann des Gegners Tor,
dann jubeln alle hier im Chor.

Tavares läuft hier stets nur mit,
wenn er mal spielt, dann spielt er Schnitt,
manchmal spielt er auch darunter
– mach’ ihn locker, mach’ ihn munter,
denn wenn der Knoten jetzt nicht platzt,
und wenn er weiterhin so patzt,
muss er kleine Brötchen backen,
oder auch die Koffer packen.

Ende des ersten Teils, Fortsetzungen folgen.

Ditmar Jakobs zieht Bilanz

21. Dezember 2009

So, nun haben wir ja fast schon Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens, und ich will eigentlich auch gar nichts mehr über Schiedsrichter Florian Meyer schreiben, aber, aber: Am Tag danach telefonierte ich mit Martin Jol, Trainer von Ajax Amsterdam. Weil dessen Spiel am Sonntag ausgefallen war, konnte er sich im Fernsehen live HSV gegen Werder Bremen ansehen. Und Martin Jol lobte erstens den HSV und sagte zweitens über den Platzverweis von Jerome Boateng: „Das war doch niemals eine Rote Karte. Was hat der Herr Meyer da gepfiffen? Dafür Rot zu geben – ich kann es nicht zu fassen, mir tat Jerome leid.“

Nun ja, der Deutsche Fußball-Bund schloss sich dieser Meinung ja offenbar auch an, Boateng wurde nur für ein Spiel gesperrt – weil dies nun einmal die Mindeststrafe für Rot ist. Und wo ich gerade bei guten Nachrichten bin: Der Vertrag mit Sören Bertram, dem vielleicht größten HSV-Talent, wurde nun verlängert, der HSV geht seinen Weg der jungen Nachwuchsspieler konsequent weiter. An Bertram waren auch andere Bundesliga-Klubs interessiert, ich glaube, wir werden in den nächsten Jahren noch sehr viel Gutes von dem Mittelfeldspieler hören.

Gutes, da sind wir uns ja wohl alle auch einig, gab es ja in dieser Hinrunde schon sehr, sehr viel. Platz vier trotz dieser unglaublichen Verletzungsmisere, das kann sich sehen lassen. Zumal es nun schon seit einem halben Jahr keinen Sportchef mehr gibt. Und wohl auch in den nächsten Wochen noch nicht. Aufsichtsrats-Chef Horst Becker befand nun erneut: „Ein Sportchef schießt ja keine Tore.“

Mein Tipp in Sachen Beiersdorfer-Nachfolge heißt beharrlich Horst Heldt. Der VfB-Manager eiert seit Tagen schon so konsequent um eine klare Aussage herum, so dass ihn niemand festnageln kann. Heldt kommt, so denke ich mir, in ein paar Wochen nach Hamburg. Dann, wenn sich Stuttgart sportlich wieder gefangen hat. Und wenn Heldt dann doch nicht kommen sollte, dann glaube ich ganz einfach, dass es Bruno Labbadia und Bernd Hoffmann im Duett machen. Das heißt, vielleicht noch mit einem Mann im Rücken, der das Vertrauen von Labbadia besitzt. Und: Vielleicht ist dieser Mann ja schon beim HSV? Ausgeschlossen ist das in meinen Augen nicht. Marinus Bester, Richard Golz, Bernd Wehmeyer? Das wären für mich die üblichen Verdächtigen, und mit dieser Nummer könnte ich sogar sehr gut leben. Sehr, sehr gut sogar. Vielleicht ja auch der HSV.

Ja, im Moment kann der Klub doch überhaupt nicht klagen. Sportlich läuft es, die Mannschaft hat die vielen Ausfälle bestens verkraftet, die K.o.-Runde in der Europa League ist erreicht worden, nachganz oben ist in der Bundesliga noch immer alles möglich, was ja auch der große Uli Hoeneß am Sonntag im Doppelpass bestätigte hat: „Wenn der HSV alle Spieler an Bord hat, dann spielt auch er sicher auch eine gewichtige Rolle in Sachen Meisterschaft.“

Wie ein „Ehemaliger“ des HSV über die nun abgelaufene Hinrunde denkt, erfahrt Ihr nun an dieser Stelle. Ich habe mit dem früheren Kapitän Ditmar Jakobs ein kleines Interview geführt, das nun beginnt:

Matz ab: Herr Jakobs, sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf des HSV?

Ditmar Jakobs: „Doch, eigentlich schon, wenn man mal davon absieht, dass die beiden Heimspiele gegen Mönchengladbach und Bochum verloren gegangen sind, obwohl das völlig unnötig war. Diese Niederlagen tun noch immer weh, denn wo würde der HSV wohl heute stehen?

Matz ab: Zumal es auch eine unheimliche Verletztenmisere zu überstehen gab. Haben Sie so etwas schon einmal mitgemacht?

Jakobs: Noch nie, wir hatten damals auch nie solche schweren Verletzungen. Und bei uns sind auch nie solche Schlüsselfiguren wie jetzt Ze Roberto so langfristig ausgefallen. Für mich ist der Brasilianer, das einmal schnell nebenbei, der Spieler der Hinrunde. Zurück zu den Ausfällen: Die vielen Verletzungen hatten, das sollte man nicht vergessen, auch etwas Gutes, denn es spielten sich einige Leute in den Vordergrund, die vorher keiner auf dem Zettel hatte. Ich nenne da mal Tunay Torun und Tomas Rincon.

Matz ab: Ich war, das gebe ich zu, im Sommer beim Kauf von Ze Roberto ja skeptisch. Hatten Sie auch Zweifel?

Jakobs: Nein, absolut nicht. Man wusste ja, dass er fit ist, und ich war davon überzeugt, dass er dem HSV spielerisch helfen könnte. Dass er allerdings eine so dominante Rolle spielen würde, das hat mich dann doch ein wenig überrascht. Er spielte zuletzt in der Form seines Lebens. Und ich denke auch, dass man einen Mann wie ihn einfach nicht ersetzen kann.

Matz ab: Hat der neue Trainer Bruno Labbadia den HSV fußballerisch schon weiter gebracht?

Jakobs: Von der Spielweise her ist es interessanter geworden. Und ich hoffe, dass es so weitergehen wird. Und das hoffe ich nicht nur, davon bin ich auch total überzeugt, denn in meinen Augen hat die Mannschaft in den Zeiten, als es die vielen Ausfälle gab, ein ganz starkes Wir-Gefühl entwickelt.

Matz ab: Dieses Wir-Gefühl zeichnete Ihre Mannschaft damals, die von 1983, doch auch aus Kann das heutige Labbadia-Team daran schon anknüpfen?

Jakobs: Wir hatten dieses Wir-Gefühl damals über sieben, acht Jahre, das war schon außergewöhnlich. Die jetzige Mannschaft wird noch wachsen, aber was ich sehe ist die Tatsache, dass sich die jungen Leute voll reinhängen, dass sie auch hervorragend integriert sind. Das ist schon fast optimal zu nennen.

Matz ab: Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass in diesem HSV-Team irgendwie mehr Zug ist als in den letzten Jahren?

Jakobs: Nein, das sehe ich nicht so. Disziplin war vorher auch drin. Ich sehe nur, dass sie unter Bruno Labbadia noch ein wenig enger zusammengerückt sind.

Matz ab: Wer ist für Sie, neben Ze Roberto, bislang die Entdeckung dieser Saison?

Jakobs: Jerome Boateng. Dass er als Innenverteidiger mit so viel Auge und so viel Klasse spielt, das ist überragend. Und dazu muss ich auch Tomas Rincon nennen, der gerade in den letzten Wochen einen enormen Sprung nach vorne gemacht hat.

Matz ab: Haben Sie es Rincon in dieser Form zugetraut, denn er hat vorher ja kaum gespielt?

Jakobs: Ja, ganz klar. Ich habe ihn einmal unter Martin Jol für 30 Minuten gesehen, da konnte man schon erkennen, dass er eine Stütze dieser Mannschaft werden kann. Er muss nur auf der Sechser-Position spielen, da ist er schon so gut wie einst Nigel de Jong. Rincon und de Jong sind vom Typ her ähnlich, sie sind beide unheimlich giftig, aber Rincon halte ich fußballerisch noch für etwas stärker – und er ist mit 22 Jahren ja auch noch ein ganz junger und entwicklungsfähiger Mann.

Matz ab: Wie beurteilen Sie die Vertragsverlängerung von Torwart Frank Rost? Kommt da Freude bei Ihnen auf, oder ist es aufgrund des Alters ein Risiko?

Jakobs: Das alles hat nichts mit Alter zu tun, sondern einzig und allein damit, ob ein Spieler gut ist und seine Leistungen bringt. Und das ist bei Frank Rost eindeutig der Fall, er hat Qualität, ist eine große Stütze des Teams – das ist ähnlich wie bei Ze Roberto.

Matz ab: Piotr Trochowski ist zuletzt ein wenig abgefallen. Muss von einem Nationalspieler nicht doch ein bisschen mehr kommen als das, was er zuletzt anbot?

Jakobs: Mir war klar, dass er zu kämpfen hat, wenn fast alle Spieler zur Verfügung stehen. Wen soll Bruno Labbadia denn sonst aus dem Team nehmen? Trochowski hat in der Defensive Schwierigkeiten, deswegen hat er seinen Platz in der Mannschaft verloren, und wenn erst Ze Roberto wieder dabei ist, dann dürfte es für Piotr Trochowski noch schwerer werden.

Matz ab: Wer wird der nächste deutsche Nationalspieler des HSV? Dennis Aogo, der ja auch für Nigeria spielen könnte?

Jakobs: Er muss es selbst wissen, zu welchem Land er sich hingezogen fühlt. Dennis hat ja für die deutsche U-21-Nationalmannschaft gespielt, deswegen denke ich, dass er sich im Grunde seines Herzens wohl doch für Deutschland und gegen Nigeria entschieden hat. Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass er A-Nationalspieler wird, auch wenn er sicher noch einiges lernen muss. Er ist aber ein großes Talent, und deutsche Verteidiger, die internationale Klasse haben, sind ja auch selten geworden. Was zudem für Dennis spricht: Er ist offensiv stark, schlägt gute Flanken, und er steht auch in der Defensive meistens sehr solide.

Matz ab: Sie waren einst HSV-Kapitän, wie sind Sie mit einem Ihrer Nachfolger zufrieden, mit David Jarolim?

Jakobs: Ob man seine Spielweise nun mag oder nicht, das sei mal dahingestellt, er ist auf jeden Fall ein vorbildlicher Kapitän, denn er gibt in jedem Spiel immer 100 Prozent.

Matz ab: Im Sommer verstärkte der HSV die Offensive, als Marcus Berg und Eljero Elia verpflichtet wurden – wie denken Sie über diese beiden Spieler?

Jakobs: Berg muss noch einiges lernen, aber ich plädiere dafür, dass man ihm diese Zeit gibt. Bei ihm muss man Geduld aufbringen, Marcus Berg hat sicher seine Qualitäten, aber er muss sein Talent noch weiter entwickeln. Und Elia? Was der spielt, das ist schon Extraklasse. Der ist kaum zu stoppen, weil er am Ball sehr stark ist, weil er schnell ist, und weil er dazu auch körperlich enorm robust ist.

Matz ab: Sollte der HSV Ihrer Meinung nach in der Winterpause noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen?

Jakobs: Wenn das Verletzungspech anhält, dann ja, aber nur dann. Eigentlich würde ich jetzt keine neuen Spieler mehr holen, denn: Spieler, die sofort helfen könnten, die sind rar und sind zudem sehr teuer. Schon deshalb würde ich darauf verzichten. Und beim HSV haben doch die Spieler aus der zweiten Reihe fast alle gezeigt, dass auf sie Verlass ist, wenn man sie braucht.

Matz ab: Eine Frage zum Werder-Spiel am Sonntag kann ich Ihnen einfach nicht ersparen: War das Foul von Jerome Boateng an Marin in Ihren Augen eine Rote Karte?

Jakobs: Wenn der Schiedsrichter pfeift, dann ist es Rot, so einfach ist das, so ist die Regel auszulegen. Boateng ist in dieser Szene der letzte Mann und vereitelt eine Torchance. Aber ich frage auch einmal ganz anders: Wenn Mertesacker oder auch Naldo das mit Elia gemacht hätten, was wäre dann gewesen? Dann hätten alle Hamburger doch auch Rot gefordert, oder? Dass Marin dann natürlich den Körperkontakt auch dankbar angenommen hat, das ist auch klar.

Matz ab: In der Europa League kommt es demnächst zum Duell mit dem PSV Eindhoven. Machbar? Oder nicht machbar?

Jakobs: Irgendwo habe ich gelesen, dass es jetzt keine schwachen Gegner mehr gibt. Das stimmt wohl. Umgekehrt ist es aber auch so, dass es kaum unschlagbare Gegner gibt, außer einem Klub, aber der spielt aber in der Champions League. Alle anderen Gegner sind machbar, ich glaube, dass in diesem Duell die Tagesform entscheidend sein wird.

Matz ab: Und was ist für den HSV in Sachen Bundesliga noch möglich?

Jakobs: Ich traue dem HSV eindeutig einen Platz unter den ersten drei Klubs zu, denn in dieser Mannschaft steckt wahnsinnig viel Potenzial. Die Mischung stimmt ganz einfach.

Matz ab: Also kann der HSV auch Meister werden?

Jakobs: Meister? Dann müsste es schon sensationell und optimal laufen, dann dürfte es keine weiteren Verletzte mehr geben, dann müsste man mit dieser Truppe auch das nächste halbe Jahr durchspielen können. Ist das der Fall, dann kann sie auch ganz große Ziele erreichen.

Soweit das Gespräch mit Ditmar Jakobs. Neben anderen hatte der frühere Nationalspieler ja auch von Tomas Rincon geschwärmt, der gegen Werder zu den besten Hamburgern gehörte. Der Südamerikaner stellte damit erneut seine erstaunliche Wandlung unter Beweis. Ihr erinnert Euch: Als hier bei „Matz ab“ im Herbst immer wieder gefragt wurde, warum Rincon keine Bewährungschance erhält, habe ich stets geantwortet, dass er dem Trainer wohl zu ungestüm und zu undiszipliniert sei. War er damals wahrscheinlich auch noch, aber das hat er längst abgestellt. Und dennoch gab es gegen Bremen einen ganz kleinen Rückfall: Gelb schon in der 12. Minute.

Bei jedem in der Arena gingen sofort die Antennen hoch: Wie soll der „Büffel“ Rincon die restlichen 78 Minuten ohne weitere Verwarnung überstehen? Er schaffte es. Grandios sogar. Geriet nicht einmal mehr in ernste Gefahr. Und verriet auch, warum: „Ich habe mich mit meinen Abwehrkollegen abgestimmt, und wir haben dann auch ein gutes Gleichgewicht gefunden.“ Dass er zum ersten Mal auf Schnee Fußball gespielt hat, bemerkte er quasi nebenbei. Und befand lachend: „Das war heiß, sehr heiß.“ Trotz der Minusgraden von sechs, sieben und acht Grad.

Immerhin gab Rincon zu: „Das war mein bislang schwerstes Spiel für den HSV. Was nicht so sehr an Gegenspieler Özil lag, sondern vielmehr daran, dass Jerome Boateng so schnell die Rote Karte gesehen hatte. Was für mich eindeutig keine Rote Karte war.“ Dass Mesut Özil nicht zu seinem Spiel fand und später ausgewechselt wurde, das empfand Rincon nicht als persönlichen Triumph: „Es war ein Erfolg der ganzen Mannschaft.“ Zurückhaltend und bescheiden ist er auch noch. Und ein wenig verträumt: „Irgendwie kommt es mir wie ein Weihnachtsmärchen vor, dass ich das Jahr so erfolgreich abschließen konnte.“

Dann wünschen wir ihm doch mal wunderschöne Festtage (in der Heimat), und dass er an diese ausgezeichnete Form im Januar auch wieder anknüpfen kann.

Kurz zum Abschluss noch ein Abstecher in eigener Sache, weil ich ja danach gefragt hatte: Auf dem Reim-Video für das Werder-Spiel sind tatsächlich die beiden ehemaligen HSV-Profis Nils Bahr und Tobias Homp zu sehen. Und noch ein kurzer Schwenk. Ihr habt Hermann Rieger am Rande des Werder-Spiels gesehen – ich auch. Und ich habe ihn bei der Gelegenheit gefragt, ob er am 19. Februar zum Matz-ab-Treffen in die Raute kommen möchte – und er will, er wird dabei sein. Seine Krankheit, so sagt er, hat er bis dahin abgehakt. Ich, und ich bin sicher auch Ihr alle, wir drücken ihm die Daumen.

22.55 Uhr

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