Monatsarchiv für November 2009

Etwas mehr defensive Leidenschaft

25. November 2009

Eigentlich wollte ich mich heute einem Reizthema widmen, doch das verschiebe ich mal auf morgen, weil ich mich sonst in der Länge dieses Beitrags verzetteln könnte. Stattdessen möchte ich Euch ein paar Eindrücke des heutigen Trainings schildern, das zu den sehenswertesten der vergangenen Wochen zählte.

Zunächst einmal konnte man Mladen Petric länger als eine Stunde mit dem Ball am Fuß bei Einzelübungen beobachten. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein weiteres Mal ziemlich überrascht war, wie weit der Stürmer schon zu sein scheint. Ohne in sein operiertes Gelenk schauen zu können, würde ich sagen, dass die Chancen sehr gut stehen, dass Petric noch vor der Winterpause zurück in den Kader kehren wird. Vielleicht ja auch schon ein Tickchen früher als Mitte Dezember. Der Mannschaft würde er als Alternative in jedem Fall gut tun. Und selbst wenn Petric anfangs nur für Mini-Einsätze in Frage käme, beispielsweise für die letzten zehn Minuten, dürfte er „für den Kopf“ des Teams eine viel gewichtigere Rolle spielen.

Das anschließende Trainingsprogramm von Bruno Labbadia hatte es in sich, vor allem, was den Spaß-, Zweikampf- und Teamcharakter betrifft. Nach dem Aufwärmprogramm bat Labbadia seine Mannschaft (erneut gespickt mit zahlreichen Talenten und Nachwuchskräften Christian Groß, Gerrit Pressel, Henrik Dettmann, Hanno Behrens, Maximilian Beister plus Tolgay Arslan und Tunay Torun) in eine Art Fußball-Käfig. Zwei Tore mit zwei Torhütern (Rost und Hesl) im abgesteckten Feld auf ungefähr 15 Metern Länge und acht Metern Breite – und dann ging es im direkten Eins-gegen-eins-Duell jeweils 30 Sekunden hoch her. Die Tore wurden den zwei gekennzeichneten Mannschaften (eine mit roten Leibchen, eine mit gelben) gutgeschrieben. Da war ordentlich Dampf drin. Jerome Boateng saß gegen Joris Mathijsen meistens auf dem Hosenboden. Marcell Jansen feierte gegen David Jarolim einen Hattrick in zehn Sekunden, und Christian Groß (der unheimlich positiv auffiel) landete gegen Eljero Elia einen beeindruckenden 2:1-Erfolg. Da kam Spaß auf, da war Begeisterung spürbar. Anschließend sah der Rasen danach an einigen Stellen aus wie nach einem Regenwurm-Massaker. Und leider gab es auch wieder einen „halben“ Verletzten: Dennis Aogo.

Der Linksverteidiger brach die Einheit wegen einer Verhärtung der hinteren Oberschenkelmuskulatur ab und begab sich in Behandlung. Mal sehen, ob die Physiotherapeuten ihn bis zum Spiel in Mainz wieder auf Vordermann bringen.

Apropos Aogo: Der deutsche U-21-Europameister hat ja eine Einladung aus Nigeria erhalten und steht dort offenbar für einen Platz in der A-Nationalmannschaft zur Disposition. Beim HSV dürfte diese Nachricht zunächst einmal die Alarmglocken schrillen lassen. Natürlich wissen Bruno Labbadia und Co., dass so eine Anfrage aus Afrika für einen Mann wie Aogo eine große Ehre ist. Und natürlich wissen sie auch, dass Aogo abwägen wird, wo er mehr Einsatzchancen hat: in der deutschen A-Nationalmannschaft oder in der nigerianischen. Andererseits würde eine Entscheidung Aogos für Nigeria einige negative Klubfolgen haben, denn neben anstrengenden Länderspielreisen steht ja auch ein Afrika-Cup mitten in der Bundesligasaison an. Und für so ein Turnier gibt es eine Abstellungspflicht.

Nun gut, den Teufel brauchen wir auch nicht gleich an die Wand zu malen. Aogo weiß ja, dass es auch in Deutschland nicht gerade ein Überangebot an gestandenen Linksverteidigern gibt. Und er weiß, dass Joachim Löw ihn bereits seit einiger Zeit beobachten lässt. An Aogos Stelle würde ich noch etwas länger warten als bis zur Winterpause, um diese weit reichende Entscheidung zu treffen. Ich hoffe (natürlich auch aus Hamburger Sicht), dass er sich für den DFB aussprechen wird.

Zurück zum Training heute. In Sachen Tempo, Spaß und Spektakel war das wirklich ordentlich, was Bruno Labbadias Männer da gezeigt haben. Da war Leben drin und keine gedämpfte Stimmung wie noch während des Bochum-Spiels. Manchmal fehlte mir persönlich allerdings der letzte Biss, die letzte Hartnäckigkeit im Verhindern von Toren. Gerade bei solchen Übungen auf engstem Raum kommt es immer wieder zu harten Duellen, auch zu ein paar erzwungenen Stürzen und Tritten, da waren mir die Profis und auch die Nachwuchsleute aber gerade in der Rückwärtsbewegung manchmal etwas zu brav.

Bitte nicht missverstehen: Ich will keine Tretmaschinen sehen, auch nicht zu üblen Fouls animieren (schon wegen der Personalsorgen!), aber wenn alle Spieler so leidenschaftlich und rigoros verteidigen würden wie heute beispielsweise Frank Rost, Marcell Jansen oder Joris Mathijsen, dann hätte der HSV manch Gegentreffer nicht kassiert. Das ist auch ein Aspekt, den Trainer Labbadia meines Erachtens noch mehr in den Mittelpunkt rücken sollte. In Sachen Offensivbegeisterung kann man der Mannschaft ja ohnehin nichts vorwerfen, und hierbei werden die Jungs ja auch immer wieder animiert zu spekulieren, nachzusetzen und Szenen gedanklich erst abzuhaken, wenn der Ball im Toraus oder im Netz gelandet ist. Diese Denkweise muss in der Defensivarbeit auch Einzug halten. Und dabei gilt die gleiche Regel wie im Angriff: Was im Training nicht umgesetzt wird, kann im Spiel auch nicht funktionieren.

PS: Prominente Trainingszuschauer gab es heute übrigens auch: Ex-Profi Stefan Böger (jetzt DFB-Juniorencoach), Hansi Müller und Marcus Marin schauten sich Bruno Labbadias Einheit interessiert an.

17:55 Uhr

Fast in eigener Sache

25. November 2009

„Ich sprenge alle Ketten.“ War 1967 ein Hit von Ricky Shayne. Wobei mir einfällt, der war für Frau M. der Vorgänger von Peter Maffay. Aber ich schweife schon wieder ab. Ich bin mit dem Lied ins Bett gegangen, denn da gab es um Mitternacht ja schon den neuen Rekord. Wahnsinn. Ich möchte diese Zahl nun schnell einmal stoppen, deswegen nun meine kurze Meldung quasi in eigener Sache.

Ich lese ja alles, und ich will, das habe ich schon mehrfach erklärt, niemanden hier bremsen. Ich freue mich über den „regen Verkehr“, denn hier haben sich doch HSV-Fans gefunden, die miteinander können. Das ist in der heutigen Zeit auch schon etwas Besonderes. Dass ich die Fußball-Kommentare von Euch ganz besonders schätze, liegt wohl für jeden User auf der Hand. Deswegen muss ich die Beitrag von „Wolfgang Funk“ um 0.03 Uhr (!) extra einmal loben – ich bin voll auf Deiner Seite, so wie Du es geschrieben hast, würde ich das voll unterstreichen.

Wobei ich jetzt „Du“ gesagt habe. Sorry, falls ich da jemanden von Euch zu sehr auf die Füße trete – aber ich biete hier jedem das „Du“ an, denn in der Redaktion bei uns ist es so Sitte. Geworden. Vor ungefähr zehn, elf Jahren. Als wir damals den Sportchef Jan Haarmeyer bekamen, waren alle per Du. Selbst der 13- oder 14-jährige Praktikant sagte zu allen Du. Wobei ich, als ich vor 25 Jahren beim Hamburger Abendblatt startete, einen Kollegen noch jahrelang gesiezt habe. Und andere Kollegen siezten sich auch noch über Jahre. Und dann kam Haarmeyer, und plötzlich war alles per Du. Und das war gut so. Also, wer will sagt Du, und wer nicht will, der macht es eben anders.

Bevor ich zu unserem Treffen komme, möchte ich einmal auf die Partie in Mainz am Sonnabend kommen. Neben „Ich sprenge alle Ketten“ bin ich heute Nacht auch mit der Sorge ins Bett gegangen (Frau M. schlief schon!), dass der HSV auch beim Aufsteiger Schiffbruch erleiden könnte. Grund für diese Annahme: Mainz 05 spielt immer noch mit dem Schwung eines Neulings. Dass dieser Zustand nun schon so lange anhält, ist ungewöhnlich, in den meisten Fällen verebbt so etwas nach zwei, drei Monaten. Mainz aber spielt mit Herz und Leidenschaft – und der HSV im Moment mit den Füßen. Wenn sich das nicht ändert, dann sehe ich Schwarz, da bin ich ehrlich. Jetzt ist der Psychologe in Trainer Bruno Labbadia gefragt, er muss es schaffen, seine Mannen wieder (und mit) voller Begeisterung auf den Rasen zu schicken. Zum Fußball gehören Herz und Leidenschaft, wenn sich die HSV-Profis darüber klar sind, dann wird es auch wieder erfolgreich.

So, nun schnell noch einmal zu „Matz ab“. Gleich geht es zum Training, erst danach gibt es einen neuen Eintrag. Der „Master of Grätsche“ hat ja – völlig richtig – Erwartungen bezüglich eines Treffens von uns allen geweckt. Ich wollte damit einmal mit dem Chefredakteur Claus Strunz sprechen, hatte eigentlich auch schon am Montag einen Termin, doch den mussten wir auf Donnerstag verschieben – Arbeit geht vor. Natürlich! Ich bleibe an diesem Thema, Ihr natürlich auch, deswegen bekommen wir das auch irgendwo und irgendwann hin. Und dann mit einer Dichterlesung von HSV Jonny?

Aber dennoch bleiben einige Fragen: Kommen zehn, 100 oder 1000 Leute? Wo soll das dann stattfinden? Ich wäre auch für die Raute, aber was ist, wenn die zu klein ist? Und braucht man dann eventuell einen Ordnungsdienst, denn Bier lockert den einen oder anderen doch ein wenig mehr – und auch die Zungen. Es ist nicht einfach so, einen Ort und eine Zeit zu finden, das muss schon sorgfältiger geplant werden. Ohne dass ich nun ein Pedant bin, ich würde sogar sagen, genau das Gegenteil ist der Fall. Aber grundsätzlich: Lasst mir (und uns) noch ein bisschen Zeit. Und dann ist die Frage: Vor Weihnachten, oder danach?

So, kurz noch zu meinen Flusigkeiten, dass ich Ze Roberto vergessen hatte – und Fred Rutten „eingedeutscht“ habe. Ze Roberto hatte ich in Gedanken schon abgehakt, das war ein Fehler. Rutten habe ich deswegen in voller Absicht erwähnt, weil er hier im Zusammenhang mit Bruno Labbadia auch schon erwähnt worden war. Motto: Fast hätten wir hier Fred Rutten gehabt. . . Und wer genau hingesehen hat, der wird auch erkannt haben, dass ich mit Peter Neururer ja auch einen Kandidaten erwähnte, der eher in die Kategorie Rutten passen würde.

Seid nicht so streng mit den Flusigkeiten, die letzten Artikel (nach dem Bochum-Spiel) hatten alle so um die 330 Zeilen (ja, ich gebe zu, das macht Spaß – weil ich gefragt worden bin), und ein Artikel in der Montags-Ausgabe des Hamburger Abendblattes über den HSV hat ungefähr 120 bis 130 Zeilen. Bei mir dürfte sich zwar auch kein Fehler einschleichen, tut es aber ab und zu mal – dafür bitte ich um Entschuldigung.

So, es geht nun fast schon zum Training. Zwei Sachen noch. Wer gerne einmal eine Zeile des HSV-Vierzeilers sprechen möchte und drei Kollegen oder Kolleginnen hat, der möge sich melden.

Apropos Reim: Wer genau hinschaut auf die bislang veröffentlichen Reime, der wird einen ehemaligen HSV-Spieler dabei entdecken. Der erste „Matz-abber“, der den Namen hier erwähnt, erhält ein Geschenk von mir. Versprochen.

Versprochen war ja auch die Sprechstunde, und die soll auch wieder eingeführt werden, ganz sicher. Aber Ihr werdet ja bemerkt haben, dass die Einträge im Moment „alle Ketten sprengen“. Wenn ich, durch meinen Urlaub aus dem „Sprechstunden-Tritt“ gekommen, nun alle Fragen der letzten Wochen nachlesen müsste, wäre ich damit hoffnungslos überfordert. Ich hoffe, wir können uns darauf einigen: Die Fragen dieser Woche werde ich am Wochenende bearbeiten, und wer sich dann bei diesen Antworten nicht entdeckt, der möge seine Frage bitte erneut stellen. Alles klar? Ich hoffe. In diesem Sinne, bis bald.

Nein, einen habe ich noch. „Eiche Nogly“ weiß, dass ich sensibel bin. Deswegen noch die Frage beantwortet, ob ich, wenn ich hier „Peacock“ erwähnen einen Freiflug erhalte – oder so ähnlich. Ja, ich gebe es zu, wenn ich „Peacock“ erwähne, dann erhalte ich einen Freiflug nach Blankenese – aber nur hin. Zurück geht es mit der S-Bahn. Auch mit Freikarte, selbstverständlich. Und wenn ich hier an dieser Stelle „Harry“ erwähne, der auch öfter mal zum Training kommt, denn erhalte ich kostenlos Fliesen nach Hause geliefert, ab und an auch mal Brötchen und Feinbrot. Nein, im Ernst, ich finde nichts dabei, wenn ich den einen oder anderen aus Eurem Kreise erwähne, mit dem ich plaudere. Und da sich „Peacock“ ja eigentlich aus diesem Kreise verabschieden wollte, wollte ich ihn so „überreden“, doch noch zu bleiben. Und? Hat geklappt.

Bis nachher.

9.38 Uhr

Petric schürt neue Hoffnungen

24. November 2009

Und plötzlich schoss er mit. Er schoss aufs Tor. Gemeinsam mit seinen Kollegen „ballerte“ Mladen Petric auf das von Tom Mickel gehütete Gehäuse. Die Kiebitze trauten ihren Augen nicht. Zuvor hatte Petric seine Einheit mit Reha-Trainer Markus Günther absolviert, doch plötzlich gab es kein Halten mehr für den verletzten HSV-Stürmer. Der Wunsch, seiner Mannschaft helfen zu wollen, versetzt wohl Berge. Hoffentlich bereut er seinen Übermut nicht morgen schon wieder, wenn er zuviel riskiert hat. Hoffentlich. Aber es wäre schon schön, wenn Petric so schnell wie möglich wieder mitspielen könnte, denn er wird vermisst – ohne ihn hat der HSV nicht mehr gewonnen.

„Ich spiele am Wochenende“, sagte Mladen Petric beim Gang in die Kabine. Dann aber, als er die völlig überraschten Augen der Medienvertreter erblickte, führt er schelmisch lächelnd an: „Ich weiß nur noch nicht, an welchem.“ Mir hatte er gesagt, dass er sich zwar ein Datum gesetzt hat, er es aber nicht verraten wolle – um nicht einen unnötigen Druck aufzubauen. In der Bild hatte Petric vom 20. Dezember, dem Spiel gegen Werder, gesprochen. Ich glaube aber nach dem heutigen Tag ganz fest daran, dass er schon früher wieder den Weg zurück ins Team finden wird. Und vielleicht sogar nicht an einem Wochenende, sondern an einem Wochentag. Ich denke da an die Europa League . . .

Übrigens füllt es sich so langsam auf dem Trainingsplatz. Bastian Reinhardt lief erst, trainierte dann auch mit Markus Günther, wagte sich sogar schon an den Ball. Als „Basti“ schweißüberströmt vom Platz ging, strahlte er: „Keine Schmerzen, ich fühle mich wohl, auch jetzt nach dem Training, es hat Spaß gemacht, erstmalig wieder auf dem Rasen neben der Mannschaft zu sein.“ Als die Mitspieler dann alle wieder in der Kabine waren, betrat auch noch Alex Silva den Rasen. Es ist allmählich Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Weil ja auch Eljero Elia, Marcus Berg, Guy Demel und Jerome Boateng uneingeschränkt trainieren konnten. Nur bei Jonatha Pitroipa (Zerrung) sieht es noch schlecht aus, und noch schlechter bei Ze Roberto. Der Brasilianer glaubt nicht, dass er am Sonnabend gegen Mainz 05 spielen kann, Ze fliegt am Mittwoch nach München, um sich bei Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt behandeln zu lassen. Bitter genug.

Beim Mannschaftstraining übrigens wurde zuerst Handball gespielt – mit abschließenden Kopfballtoren. Die Profis waren mit Feuereifer bei der Sache, und vielleicht hilft Handball ja auch am Sonnabend in Mainz . . .

Nach Handball folgten die Standards. Von rechts flankte Dennis Aogo, von links Piotr Trochowski und Tunay Torun. Letzterer mischt im Training in Sachen Standards schon etwas länger mit (was einige überrascht), aber im Spiel habe ich es noch nie gesehen, dass er Frei- oder Eckstöße schießt. Nur bei der Zweiten, aber dafür wird wohl eher nicht trainiert – zurzeit jedenfalls. Was mich freute: Standards wurden intensiver als sonst geübt, das macht Hoffnung. Was mich ein wenig bei den Standards störte: Es standen dabei zu viele Spieler frierend in der Mitte herum. Das kritisierten auch einige Kiebitze. Ich hatte mal bei der Prüfung zur Trainer-B-Lizenz gelernt, dass man bei kaltem Wetter die Spieler nicht so lange unbeschäftigt herumstehen lassen soll, aber eventuell befand ja auch Bruno Labbadia, dass dieses Stehen gerade noch vertretbar war.

Worüber ich mir auch Gedanken machte: Nach einem solchen Auftritt wie gegen Bochum haben andere Trainer auch schon mal die Knute herausgeholt. Das hieß dann: Laufen bis zum Erbrechen. Felix Magath zum Beispiel hätte das nächste Training auch um 7.30 Uhr angesetzt, aber das nur mal am Rande. Bruno Labbadia scheint da anders zu ticken, und er hat das ja auch schon von sich gegeben, dass er anders als Felix Magath ist. Ich bin kein Bundesliga-Trainer, und jeder Mensch ist anders, ich verrate aber einmal, wie ich es gemacht hätte – und auch warum: Piotr Trochowski litt nach einer Stunde Spielzeit an Krämpfen. Er hatte am Mittwoch das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste absolviert. Aber leidet man vier Tage danach noch an Krämpfen? Was ist da los? Ich als Trainer hätte mich dann hinterfragt und wäre eventuell darauf gekommen, das ein anständiges Lauftraining vorbeugend helfen könnte. Und dann wären die Spieler bei mir gelaufen. Ob nun mit Ball oder auch ohne, sie wäre aber auf jeden Fall gelaufen. Das hilft.

Aber, wie bereits gesagt, ich bin kein Bundesliga-Trainer, und ich habe auch nichts mit dem HSV-Training zu tun. Zudem möchte ich noch einmal deutlich sagen, dass ich Bruno Labbadia eindeutig nicht mit dem derzeitigen Negativtrend seiner Mannschaft in Verbindung bringen möchte. Und werde. Dennoch, ich werde kritische Worte finden, wenn ich sie für angebracht halte. Selbst der kritikresistente Willi Reimann hatte einmal zu uns (Schreiberlingen) gesagt: „Ich habe nichts gegen Kritik, aber sie muss oberhalb der Gürtellinie sein.“ Bei Willi Reimann habe ich damals schon gesagt, dass er seinen Gürtel immer auf Halshöhe getragen hat, aber generell hat er Recht. Und unterhalb der Gürtellinie werde ich keinen Trainer kritisieren, im Gegenteil, ich hoffe, dass sich jeder Trainer (auch Bruno Labbadia) die Kritik durchliest, sie sich durch den Kopf gehen lässt – um dann Schlüsse daraus zu ziehen. Es kann nur von Vorteil für den HSV sein. Und auch für ihn.

Auch deswegen greife ich gern die von Euch immer wieder gehörte Kritik mit dem Auswechseln auf. Schon mein Freund Bert, der Meistertrainer des SC Victoria, klagte zu Beginn der Saison über die eine oder andere Schwäche Labbadias beim Auswechseln. Bert, der auch HSV-Mitglied ist, klagt bis heute. Wie so viele von Euch. Und sicher ist auch etwas dran an diesem Thema. Bruno Labbadia wird seine Strategie des Wechselns überdenken müssen, so glaube ich, denn allein der Bochum-Wechsel von Maximilian Beister, der in der 88. Minute kam, verlangt gerade danach, besprochen zu werden. Was sollte dieser viel zu späte Wechsel? Er sorgte bei (fast) allen, Zuschauern wie Medienvertreter, für Kopfschütteln. Ich gebe aber zu: Weder ich noch einer meiner Kollegen haben mit dem Trainer darüber gesprochen. Ich gebe auch zu, auch wenn es Euch nicht so richtig weiterbringt: Das ist ganz schwach, denn diese Nachfrage wäre zwingend nötig gewesen.

Vielleicht hätte es dafür sogar eine ganz einfache Erklärung (von Labbadia) gegeben. So wie diese fiktive: Da Guy Demel schon geraume Zeit humpelte, konnte Beister nicht eher kommen, denn hätte Demel nach eine früheren Einwechslung Beisters, dann ja bereits der dritte Wechsel, nicht durchhalten könne, dann hätte der HSV mit zehn Mann weiterspielen müssen.

Generell glaube ich aber auch, dass Bruno Labbadia mutiger, sicherer und schneller in Sachen Auswechslungen werden sollte. Ich denke dabei aber gerade jetzt an eine Szene, die ich vor Jahren in Ochsenzoll miterlebte. Da fragte der Kollege Jürgen Schnitgerhans (Bild) den HSV-Trainer Benno Möhlmann auch nach einer Auswechslung. Und Möhlmann entgegnete (ich hoffe Schnitte, dass ich das verraten darf?!) unglaublich offen: „Du setzt das immer voraus, dass ich unfehlbar bin, aber ich bin ja noch ein junger Trainer, ich bin relativ neu im Geschäft, ich muss doch auch erst mal meine Erfahrungen sammeln . . .“

Übrigens: Mir wurde vorgeworfen, dass ich Bruno Labbadia nach diesem Bochum-Kick (auf den ich immer noch sauer bin, ich gebe es zu) aus der Kritik genommen habe. Das stimmt so nicht. Ich habe den HSV-Coach erst verteidigt, weil er aus Euren Reihen scharf und meiner Meinung nach völlig zu Unrecht angegriffen wurde. Dazu stehe ich, denn nach wie vor kann der Trainer nichts dafür, dass ihm regelmäßig um die zehn Spieler fehlen – und dazu auch noch die besten Kräfte. Das sollte sich jeder Trainer-Kritiker einmal vor Augen führen. Egal, ob Bruno Labbadia nun von diversen europäischen Spitzenklubs gejagt wurde, oder nicht. Eine solche Argumentation ist in meinen Augen total verfehlt, denn: Welcher deutsche Trainer wird denn von Real Madrid, FC Liverpool oder dem AC Mailand gejagt? Nicht einmal Felix Magath. Und auch kein Fred Rutten. Oder ein Peter Neururer, oder, oder.

Okay, ich weiß schon seit dem 7. August (dem Start von „Matz ab“), dass ich es hier nicht jedem recht machen kann, ich halte mich auch schon zurück, mehr als sonst, aber irgendwie stößt es dann doch mal wieder auf. Ich verspreche aber, dass ich weiter emsig daran arbeiten werde, und ich werde Euch natürlich Eure Meinungen lassen – und dann kann sich jeder andere User einen Reim darauf machen. Selbstverständlich gilt das auch für meinen Mist, den ich hier (gelegentlich) verzapfe.

Trotz allem noch eine kleine Rechtfertigung von mir: Dass ich Tolgay Arslan „niedergeschrieben“ haben soll, das mag vielleicht in Eure Augen so gewesen sein, aber nach dieser dürftigen 61-Minuten-Vorstellung fand ich einfach keine anderen, keine milderen Worte. Tut mir Leid. Ich kann aber auch sagen, ernsthaft sagen, dass ich doch noch Rücksicht auf ein junges Talent genommen habe. Normalerweise nämlich wäre meine Kritik noch ein wenig heftiger ausgefallen – wobei ich heute wie am Sonntag auch bekennen muss: An Arslan lag es sicher nicht (allein), dass der HSV verloren hat, da gab es ja noch ganz andere Ausfälle.

Ein Schlusswort noch zu Tomas Rincon. Nochmals ganz ehrlich: Ich hätte, wäre ich HSV-Trainer, im Moment auch keine Traute, ihn zu bringen. Nach dem Elfmeter bei Hannover 96, der für mich trotz aller gegenteiligen Meinungen innerhalb des Forums und des HSV noch immer einer ist und bleibt, wäre Rincon ein Sicherheitsrisiko. Er ist einfach zu ungestüm, er schmeißt immer dann alle disziplinarischen und taktischen Maßnahmen über Bord, wenn es eng für ihn wird. Zudem ist er immer noch KEIN Rechtsverteidiger, sondern immer noch ein Mittelfeldspieler. Ob er beim HSV bleiben darf, das steht übrigens immer noch nicht fest. Bernd Hoffmann sagte zu diesem Thema: „Wir sind mit seinem aktuellen Berater in Gesprächen.“ Und inzwischen soll auch vom HSV geklärt sein, wer der „Besitzer“ von Tomas Rincon ist. Oder, wie es Bernd Hoffmann formulierte: „Wir sind in diesem Punkt auf einem guten Weg.“ Nämlich der Klärung der Besitzverhältnisse des Spielers.

Wäre aber trotz allem toll, wenn der HSV nicht nur in diesem Punkt auf einem guten Weg wäre, sondern auch sportlich, ganz generell. Aber vielleicht ist Mainz ja am Sonnabend die Wende zum Guten – die Hoffnung stirbt zuletzt.

16.27 Uhr

Der HSV hat eine Punkte-Krise

23. November 2009

Rost – Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Jarolim, Ze Roberto (sorry, hatte ich vergessen, Asche auf mein Haupt, ich war in Bochum-Form!), Jansen – Petric, Guererro. Was für eine Elf! Und glaubt mir, diese elf Spieler hätten den VfL Bochum aus der Arena gefegt. Gefegt! Aber wie! Doch leider, leider, es fehlen zurzeit einige Chorknaben, weil sie sich verletzt haben. Und dann gibt es eben auch mal ein 0:1 wie gegen Bochum. Nur, und das ist meine Frage an Euch: Was hat Bruno Labbadia damit zu tun? Hat er die HSV-Spieler zum Operateur getreten? Hat er Nachwuchsstürmer wie Tunay Torun, Tolgay Arslan oder Maximilian Beister zum HSV geholt? Steckt er in der Muskulatur von Guy Demel, Piotr Trochowski und Boateng? Ich fasse es nicht, dass in der jetzigen Phase einige von Euch tatsächlich an diesem Trainer herum mäkeln. Labbadia ist die ärmste Figur beim HSV, der kommt vor Kummer wahrscheinlich kaum noch in den Schlaf – aber die Schuld an allem, die trägt nur er? Wie billig ist das denn wohl? Und wie armselig dazu? Mich könnt Ihr damit nicht treffen, für mich ist das wirklich nur so ein Mist, wie jener Mist, der am Sonntag um 19.20 Uhr im Volkspark feststand.

Montag am Vormittag in der Arena. Guy Demel verlässt auf eigenen Füßen die Katakomben. Er geht normal, aufrecht, wie ein gesunder Spieler. Wer sich dran erinnert: Nur wenige Stunden zuvor bettelte er um seine Auswechslung. Er humpelte, sah beim entscheidenden Tor nur noch zu. Als er dann in der 88. Minute ausgewechselt wurde, humpelte er noch wie ein Schwerverletzter. Ich machte mir ernsthaft Sorgen: Fällt dieser Mann nun für die nächsten Wochen auch noch aus? Muss er eventuell nach dem Duschen im Rollstuhl Richtung Krankenhaus gefahren werden? Wird er eventuell Invalide?

Die Antwort auf diese Fragen erhielt ich am Monatg um 12.36 Uhr, als Guy Demel zu seinem Auto ging. Er ging. Und es also geht wieder mit ihm, im wahrsten Sinne des Wortes. Was für eine tolle Nachricht?! Schade für den HSV und für Demels Kollegen, dass es wenige Stunden zuvor nicht mehr so richtig gegangen war. Schade, einfach nur schade. Und das füge ich jetzt schnell hinzu: Ich unterstelle Demel nicht, ein Simulant zu sein, ich werfe ihm nur vor, nicht auf die Zähne zu beißen, nicht den “inneren Schweinehund” zu besiegen und auf dem Platz zu bleiben. Und solche Spiele gab es schon oft (eine solche Ergänzung hasse ich, aber ich wollte es klar stellen, dass ich Demel nicht als Simulanten hinstelle – er muss nur härter gegen sich selbst werden, oder sein).
Schade auch, dass Jerome Boateng nicht rechtzeitig fit geworden war. Am Montag konnte er wieder trainieren, aber gegen den VfL Bochum ging es noch nicht, dieses Spiel wäre für ihn zu früh gekommen – wahrscheinlich.

Oder das Thema Eljero Elia. In welchem Film sind wir da zurzeit? Er lässt sich aufstellen, sagt aber hinterher meinem Abendblatt-Kollegen Marcus Scholz: „Ich hätte nicht spielen dürfen.“ Ja, was denn nun? Zwingt ihn Bruno Labbadia – ohne jegliche Absprache so mir nichts dir nichts – auf den Rasen? Das wäre ja Freiheitsberaubung. Ihr könnt sicher sein, dass der Trainer vorher mit seinem grippekranken Spieler gesprochen hat, alles andere wäre doch auch grob fahrlässig. Letztlich muss der Spieler auch selbst davon überzeugt sein, dass er will, dass er es kann, dass es auch keine gesundheitlichen Nachteile für ihn bringt. Allerdings, und das kann ich denn auch wieder verstehen: Nach einem solchen Auftritt, wie ihn Elia hingelegt hat, hätte ich wahrscheinlich auch gesagt, dass „ich doch gar nicht hätte spielen dürfen“. Eine bessere Ausrede für diese (seine) Fahrkarten-Veranstaltung gibt es doch gar nicht.

Ich war am Vormittag, noch vor dem Training, beruflich bei Uwe Seeler. Es ging um das HSV-Buch des Hamburger Abendblattes, aber dazu mehr in den nächsten Stunden, Tagen. Natürlich haben wir uns über das Bochum-Spiel unterhalten, aber was wir über dieses Spiel sprachen, das war rein privat. Doch so richtig gut war es nicht, wenn ich mich richtig erinnere. Und „uns Uwe“ erinnerte mich noch einmal an seine Zeit: Mit dem Fahrrad fuhren er und Gerhard Krug aus Eimsbüttel zum Training in Norderstedt (Ochsenzoll). Und zwar immer. Bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter. Eltern, die ihre wohl behüteten Knaben mit dem Auto zum Training kutschierten und sie bei Regen mit dem Schirm in die Kabine brachten, gab es damals nicht. Weil es zwar Schirme gab, aber kaum Autos. Und mit dem Fahrrad ging es auch wieder gen Heimat. Uwe Seeler sagt heute: „Den Spielern wird vom Verein alles geboten, die werden auf Händen getragen, alles wird ihnen abgenommen. Da laufen fünf Physiotherapeuten herum und pflegen die Muskeln der Spieler, es gibt viele Trainer und Betreuer, es gibt nichts, was es nicht gibt – aber dafür kommt dann doch zu wenig raus dabei.“ Volltreffer, Herr Seeler, Volltreffer, Sie können es ja immer noch.

Drei Punkte aus den letzten fünf Spielen hat der HSV „gewonnen“, eine kümmerliche Bilanz, die auch den vielen Ausfällen geschuldet ist. Vereins-Boss Bernd Hoffmann gab dann auch zu: „Wir brauchen nicht drum herum zu reden, wir haben sicherlich eine Punkte-Krise.“ Er blickt aber dennoch positiv zurück: „Fakt ist doch, dass wir in diesen fünf Spielen viermal die bessere Mannschaft waren, wir hätten diese Partien auch gewinnen können, in meinen Augen sogar sollen.“ Natürlich weiß der Vorstandsvorsitzende auch, woran es hapert derzeit: „Wir können doch die erkrankten und verletzten Spieler nicht herreden, es hilft doch alles nichts, sie fehlen uns eben.“ Schlusswort Hoffmann: „Wir haben sicher im Moment auch etwas Pech, so auch mit Schiedsrichter-Entscheidungen, wie in Hannover der Elfmeter, das nicht gegebene Tor von Joris Mathijsen gegen Bochum – aber wir können das nicht zurück drehen. Die Art und Weise aber, wie wir Fußball gespielt haben, die war in Ordnung, das gibt mir Hoffnung.“

So sieht es auch Bruno Labbadia auch einen Tag danach noch. „Wir haben 60, 70 Minuten sehr guten Fußball gespielt, wir haben kaum Konter-Situationen zugelassen, obwohl wir sehr offensiv gespielt haben, wir waren sehr oft im VfL-Strafraum, obwohl die Bochumer mit zehn Mann hinten drin standen – das einzige was erneut nicht stimmte, war das Ergebnis“, sagt der Trainer und fügt noch hinzu: „Wir hatten unsere Chancen, in jedem Spiel, und wenn wir die genutzt hätten, würden wir nun viel besser stehen – und das trotz der Verletzungsmisere.“

Natürlich, hätte wenn und aber, das weiß ich auch, das zählt nicht, aber rechnet einmal kurz nach: Ein Sieg gegen Mönchengladbach, ein Sieg gegen Bochum – und der HSV wäre Spitzenreiter, und zwar locker. Und diese beiden Siege wären ja möglich gewesen, trotz aller personellen Ausfälle. Und genau das sollte doch allen Mut machen. Auch jenen HSV-Fans, die nun total durchhängen und voller Pessimismus in Richtung Mittelmaß blicken.

Kleiner Schwenk am Rande: Reiner Calmund hatte im Fernsehen – vollmundig wie er nun einmal ist – verkündet, dass er glaube, dass Paolo Guerrero nicht wieder auf den Fußballplatz zurückkehren wird. Dazu Bernd Hoffmann: „Er ist ja auch jeden Tag hier, um das beurteilen zu können . . .“ Und Bruno Labbadia zu diesem Thema: „Wir können nur sagen, dass alles im Moment im Soll ist, dass das Knie gut aussieht, dass bislang alles so läuft, wie es sich der Arzt vorgestellt hat. Aber ob er letztlich wieder so spielen kann, wie er zuletzt gespielt hat, das wird sich dann zeigen, wenn er wieder auf dem Platz steht. Ich bin kein Hellseher, aber ich weiß auch nicht, ob das Calmund aus der Ferne beurteilen kann.“ Guerrero hält sich zurzeit in Peru auf, lässt sich in der Heimat behandeln – und kommt in 14 Tagen wieder zurück nach Hamburg.

Und zum Schluss noch in eigener Sache: Endlich wird hier wieder – wenn auch nicht so sehr erfreulich – über den Fußball und den HSV geschrieben. Endlich! Sollte allen ein Anreiz geben, wieder vermehrt an den HSV zu denken, als über alle anderen Sachen. Danke!

16.38 Uhr

Was läuft falsch beim HSV?

23. November 2009

Wenn ich jetzt „schon“ ins Bett gehen würde, dann käme ich wohl so gegen 7.30 Uhr zum Schlafen, so hat mich dieses 0:1 gegen Bochum aufgewühlt. Kann das wahr sein? Mir kommen immer noch Zweifel, ob dieses Spiel tatsächlich stattgefunden hat. Und dann auch noch mit diesen zahlreichen Facetten. Ich kann es nicht glauben. Und dann die Krönung nach dem Schlusspfiff, die Erkenntnis des Bochumer Trainers Heiko Herrlich. Unglaublich, aber auch wahr. Der sprach, fast hätte ich gesagt, er faselte etwas von “einem verdienten Sieg für seinen VfL“. Verdient? Da frage ich mich, wo dieser Mensch, der ja direkt vom DFB zu einem Abstiegskandidaten gewechselt ist, seine Lizenz erworben hat? Verdient? Auch das kann doch nicht wahr sein, dass sich ein Bundesliga-Trainer so in die eigene Tasche lügt.

Grausam, aber das ist wohl doch auch nur zweit- oder drittrangig für alle Hamburger, denn an erster Stelle steht ja wohl das große HSV-Dilemma. Immerhin standen auch diesmal elf Profis auf dem Rassen, die ja alle mal deswegen einen Vertrag beim HSV erhalten haben, weil sie eigentlich etwas können sollten. Aber sie konnte es (diesmal) nicht. Wieso nicht? Reicht die Klasse, die man in ihnen vermutet hat, doch nicht ganz?

Die Frage, die sich nach diesem Grotten-Kick ergibt, ist die: Geht es noch schlimmer?

Wahrscheinlich ja, denn Piotr Trochowski hatte sich mit Krämpfen aus dem Spiel verabschiedet (die Nationalmannschaft lässt grüßen), und Guy Demel zog sich eine Prellung zu. Fein, fein. Und wahrscheinlich erkranken dann in dieser Woche noch einige Spieler an Grippe . . . Man gönnt sich ja sonst nichts (beim HSV).

Was läuft aber zurzeit falsch in der Truppe des neuen Tabellenfünften – mal abgesehen davon, dass es den einen oder anderen verletzten oder erkrankten Spieler zuviel gibt? „Wir haben vor dem Spiel nicht gejammert, und das werden wir jetzt nach dem Spiel auch nicht tun“, sagte Labbadia. Hätte er bei seiner Aufstellung nicht auch würfeln können, wenn es darum ging, halb fitte und nicht so ganz fitte Spieler aufzustellen?

Er wurde danach gefragt, warum der eigentlich an Grippe leidende Elia doch spielte, obwohl keiner mit ihm gerechnet hatte? Antwort Labbadia: „Wir mussten uns am Morgen des Spiel für einen von drei Grippekranken entscheiden. Und Eljero Elija hat bei unseren Trainingseinheiten am wenigsten von allen Grippekranken gefehlt.“

Die Frage, warum nicht Marcus Berg von Anfang an, sondern Tolgay Arslan, schwebte im Presseraum durch die Luft, aber niemand stellte sie. Dafür riefen mich auf der Heimfahrt gleich drei Amateurtrainer an und sagten unisono: „Berg hätte von Beginn an spielen müssen, ich hätte es jedenfalls so gemacht, denn er hat mehr Erfahrung als Torun oder Arslan. Berg hätte so lange spielen müssen, so lange er die Kraft dazu hat. Berg hätte aber die gute Phase der Mannschaft nutzen können, die in den ersten 60 Minuten ja enormen Druck gemacht hat.“

Hinterher ist man immer schlauer. Aber es ist wohl was dran. Und zu Elia: Er hätte dieses Spiel ganz allein entscheiden können, ja sogar müssen – aber er hat versagt. Ist das nun seiner Unbekümmertheit und seiner Jugend zuzuschreiben, oder seiner Grippe? Ich vermag es nicht zu sagen, aber seine Vorstellung war einfach nur grausam schlecht.

Damit allerdings war er nicht so ganz allein. In Zeiten wie diesen, in denen wir alle etwas netter, wohlwollender und menschlicher miteinander umgehen wollen und sollen, weil uns der Enke-Tod dazu aufgerufen hat, wollte ich eigentlich nichts über die Vorstellung von Tolgay Arslan schreiben. Irgendwie möchte ich auch dabei bleiben, ich möchte nur so viel sagen: Das war absolut nichts. Und diese 61 Minuten, in denen er mitwirkte, haben mich nicht mit einer Phase meines Herzens (und Fußball-Verstandes) hoffnungsfroher gemacht, dass es noch einmal etwas mit ihm werden könnte. Aber auch ich kann mich täuschen, wobei ich an den guten alten und große Kollegen Horst Freese denken muss, der eine, nein, der die Presse-Institution in Hamburg war (Bild-Zeitung) und mir einst sagte: „Karsten Bäron wird nie ein guter Fußballer, der hätte zum Basket- oder Volleyball gehen sollen.“ Da irrte Freese, und ich kann mich beim Thema Arslan natürlich auch irren.

Wobei ich Arslan auch nicht als denjenigen ausmachen möchte, der als Hauptschuldiger der Niederlage in die Geschichte eingeht. Da gab es andere Profis, gestandene Männer.

Mir geht die immer wiederkehrende Wehleidigkeit eines Bären von Mannes auf den Keks. Aber total auf den Keks. Guy Demel wird in diesem Punkt wohl bis zum Ende seiner Hamburger Zeit ein ganz besonderer Fall bleiben, ich komme damit aber nicht zurecht. Und ich glaube auch, dass Bruno Labbadia damit ebenfalls so seine Probleme hat, denn auf die Frage, was denn seinen Verteidiger diesmal (und ein weiteres Mal) zum Ausscheiden zwang, sagte der Coach nur angefressen sowei kurz und schmerzlos: „Prellung.“ Ohne dabei sein Gesicht zu verziehen.

Wobei ich dann bei Maximilian Beister wäre. Der kam für Demel – in der 88. Minute. Ich hätte mir diesen „frechen Hund“ aber durchaus schon die eine oder andere Viertelstunde früher gewünscht, da hätte er vielleicht noch einiges bewegen können. So verpufften die Sekunden in aller Eile, ohne dass Beister noch etwas bewegen konnte. Und wenn ich schon im Sturm bin, dann möchte ich sagen, dass Tunay Torun aggressiver und entschlossener in seinen 29 Minuten wirkte, als sein Vorgänger Arslan in zuvor 61 Minuten. Aber, und das ist entscheidend, bewegt hat Torun letztlich auch nichts.

Robert Tesche, der im Mittelfeld spielte, trat eine Stunde lang so gut wie nie in Erscheinung, er wirkte in einigen Szene wie ein Fremdkörper (und auch unbeweglich), dann aber fand er allmählich besser ins Spiel. Und hatte dann mit der Zahl sechs zumindest die meisten Torschüsse eines HSV-Spielers vorzuweisen. Und einen Kopfball von ihm beförderte ausgerechnet der ehemalige St.-Pauli-Spieler Roman Prokoph von der Torlinie. Das war auch noch Pech.

Wie schon das Kopfball-Tor von Joris Mathijsen, der das vermeintliche 1:0 erzielt hatte, aber dann trat Schiedsrichter Günter Perl in Aktion: kein Tor. So etwas von lächerlich, ich finde dafür keine Worte. Da steht der kleine Elia am, ich wiederhole, am Fünfmeterraum, und der Riese Heerwagen, der VfL-Torwart, kann nicht zum Ball gehen – wie tragisch. Aber was hat das mit einem Foul zu tun? Franz Beckenbauer hat bei Sky über diese skandalöse Entscheidung nur müde gelächelt. Und nach dem Spiel lief mir in der Arena ein Hamburger Schiedsrichter über den Weg, der auch mit der Bundesliga zu tun hatte. Er fragte mich, warum dieses Tor keine Anerkennung gefunden hatte, er fragte mich! Denn: Er hatte nichts erkennen können, was da ein Foul gewesen sein soll. Er verdrehte nur die Augen über die Entscheidung des Pullachers. Perl wurde von einer Hamburger Zeitung zuvor ja schon als Glücksbringer für den HSV bezeichnet, das war er nun aber tatsächlich – nicht. Wird er aber vielleicht noch einmal. Ob aber auch noch in diesem Leben?

Mit einem besseren Schiedsrichter, das sage ich ganz bewusst, hätte der HSV zumindest einen Punkt in Hamburg behalten, den Sieg aber vergaben die indisponierten HSV-Profis gleich reihenweise. Und das ist genau so schwach, wie dieser Pullacher Perl.

Apropos schwach: David Rozehnal war wieder in einigen Szene so katastrophal fahrig, dass ich mich jetzt und nun absolut festlegen werde: Er packt es in dieser Liga nicht mehr.

Und Joris Mathijsen, der neue Rekordler der Niederlande? Wer die Entstehung des 1:0 für den VfL Bochum gesehen hat, als ihm Sestak davonlief, der weiß, wo Mathijsen seine große Schwäche hat.

Grundsätzlich muss ich genau an diesem Punkt einmal anmerken, dass in dieser HSV-Mannschaft kein Spieler ist, der bei Misserfolgen die Schuld bei einem seiner Nebenleuten suchen sollte, sondern sich zunächst einmal selbst an die eigene Nase fassen. Damit wäre er klug beraten.

Gute Noten beim HSV hatten sich diesmal kaum Spieler verdient. Frank Rost war absolut okay, Marcell Jansen war lange Zeit der beste Hamburger, aber nach einer Stunde ließen seine Kräfte nach. Und Piotr Trochowski knüpfte in der ersten Halbzeit durchaus an die gute Leistung, die er am Mittwoch im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste gezeigt hatte, an. Als bei ihm aber die Krämpfe begannen, begann auch sein leistungsmäßiger Abstieg. Schade. Für den HSV in erster Linie. Über 90 Minuten gesehen war David Jarolim (96 Ballkontakte, die meisten aller Spieler) noch der konstanteste HSV-Feldspieler, aber auch er konnte so allein auf weiter Flur nichts mehr ausrichten.

Ein anderer Punkt noch: Vor dem Spiel haben einige Kollegen von mir noch gemutmaßt, was denn an dem Bericht der Sport Bild dran sei, die nur den guten Tabellenplatz dafür verantwortlich gemacht hat, dass es beim HSV bislang noch relativ ruhig zugehe. Ist da was dran? Ich würde es nach dieser Vorstellung nicht mehr strikt verneinen. Insgesamt fehlt mir in dieser Truppe ein wenig Leben, denn so richtig mitreißend spielt keiner. Wobei ich nicht nur das Spielerische meine, sondern vor allen Dingen das Verbale. Könnt Ihr es ausmachen, dass die Spieler sich untereinander anfeuern, motivieren, führen, unterstützen oder einfach nur durch und mit Worten helfen? Ich sehe das nur noch höchst selten. Allerdings muss ich auch feststellen, dass es im Training bislang immer ganz „normal“ zuging, da ist nichts von Aggressionen untereinander (oder auch offene Abneigung) zu spüren oder zu erkennen. Bislang jedenfalls.

Zum Schluss noch für alle Matz-ab-Leser der Original-Wortlaut der Erklärung von Bruno Labbadia bei der Pressekonferenz:

„Für uns ist es eine bittere Niederlage, wir haben in den ersten 60, 70 Minuten vieles richtig gemacht. Wir haben Fußball gespielt, wir haben den Gegner laufen lassen, haben mehrere Möglichkeiten gehabt, wo wir nach Pressbällen Möglichkeiten hatte, wo wir aber die falschen Entscheidungen getroffen haben, wo wir geschossen haben, statt den Ball quer zu legen. Ich denke einfach, dass wir schon sehr viele Dinge gut gemacht haben, außer dass wir nicht konsequent in der Chancenauswertung waren, und vor allem im Strafraum nicht konsequent genug waren, das hat uns ein bisschen gefehlt. In den letzten 20 Minuten haben wir denn ein Stück die Linie verloren, da hat man dann gemerkt, dass uns die Ruhe fehlt. Und leider sind wir dann in den Konter gelaufen, in den wir nicht laufen wollten.“

0.13 Uhr

Der Abwärtstrend hält an

22. November 2009

Es ist ja so bitter, oh wie ist das bitter! Was für ein Drama: Der HSV verliert gegen Bochum und setzt seine vor Wochen begonnene Talfahrt rasant fort. Es geht gar nichts mehr, die unfassbar schlimme Personal-Situation hat die einstige Spitzenmannschaft total aufgefressen. Da standen sich im Volkspark zwei Teams gegenüber, die eigentlich Welten trennen sollten, aber es waren zwei Mannschaften, die sich auf Augenhöhe gegenüber standen. So erschreckend das auch klingt. Diese 0:1-Niederlage, die eine ganze Stadt schockt, wird dafür sorgen, dass das Selbstvertrauen noch weiter schwindet, die nächsten Wochen dürften ungemütlich werden, höchst ungemütlich sogar. Quo vadis, HSV?

Was war erfreulich an diesem Spiel? Die Pfiffe hielten sich zur Pause in Grenzen, das war gut. Zu früheren Zeiten hätte es ein Pfeifkonzert größeren Ausmaßes gegeben, Und dann? Piotr Trochowski schlug einen sehr guten Eckstoß zur Mitte, den Joris Mathijsen sogar ins VfL-Tor köpfte, aber dann trat Schiedsrichter Günter Perl in Erscheinung. Jener Herr, der vor Wochen Hertha BSC gegen den HSV geleitet hatte. Da war nichts. Heerwagen protestierte nicht, kein Bochumer protestierte, aber Herr Perl pfiff: kein Tor. Noch Fragen?

Ich habe keine mehr. Zumal mir Minuten vor dem Anpfiff Mladen Petric über den Weg gelaufen war. „Alles gut, keine Komplikationen nach dem Training“, sagte er. Hätte sich Herr Perl, der es in meinen Augen einfach nicht kann (das Schiedsrichtern!), mal anhören sollen. Ich sehe die Szene immer noch vor mir: Petric wird umgenietet, und der Herr Perl kommt und fordert den HSV-Spieler unmissverständlich auf, aufzustehen. Diese Szene werde ich nicht so schnell abhaken.

Und dazu passt, ganz schnell noch eingefügt, die Szene in der 45. Minute: Da vertändelte David Rozehnal fast die Kugel gegen Epalle, der Bochumer wäre frei auf das HSV-Tor zugelaufen. In letzter Sekunde grätschte der Tscheche den Bochumer um und rettete seine fast schon missglückte Aktion. Perl winkte in Richtung Epalle, aufzustehen. Wie damals in Berlin bei Petric. Nach dem Halbzeitpfiff bemühten sich dann zwei VfL-Betreuer um den Verletzten, hoben ihn auf, führten ihn in die Kabine – und Epalle blieb während der gesamten zweiten Halbzeit auch genau dort.

Zurück zum Spiel. Gut am HSV war auch ein Freistoß von Dennis Aogo, der den Ball von rechts sehr stark und gefährlich an den Fünfmeterraum schlug. Endlich einmal einer!

Was nicht so gut war: Die Bochumer waren schon ganz auf Weihnachten eingestellt, verteilten einige wunderschöne Geschenke, aber die verschmähte der HSV. Geschenke annehmen, das ist offenbar keine hanseatische Gabe. Als Torwart Heerwagen eine Jansen-Flanke aus den Händen verlor, hätte Elejro Elia natürlich ein Tor erzielen müssen, aber er tat es einfach nicht. Zu einfach.

Trochowski hatte in der 9. Minute die große Möglichkeit zum 1:0 auf dem linken Fuß, schlenzte die Kugel aber genau in die Arme von Heerwagen. Noch ein Geschenk abgelehnt. Und als David Jarolim seinen jungen Kollegen Tolgay Arslan bediente, ließ der sich mit Ballannahme und Weiterverarbeitung so viel Zeit, wie er sie einst in der C-Jugend noch hatte. Das aber, was er jetzt spielen soll, ist Bundesliga. Erste Bundesliga. Und da geht es eben ein wenig schneller zu.

Wie in der 55. Minute. Noch so ein Geschenk. Arslan kommt von rechts durch, passt im VfL-Strafraum zurück – auf mindestens einen Bochumer. Der lässt den Ball passieren, Elia kommt an die Kugel, lässt sich aber auch alle Zeit der Welt und schießt dann den Ball in den Bochumer Beton – Chance dahin.
Nicht so schön die Szene in der 58. Minute. Flanke des VfL, Rozehnal will den Ball zurück auf Mathijsen köpfen – es gibt Eckstoß für Bochum. Und die beiden Innenverteidiger fetzen sich verbal, gestikulieren wie wild. Schließlich tritt Frank Rost als Schlichter auf, indem er ein Machtwort spricht. Spricht aber nicht unbedingt für die Nervenstärke dieses HSV-Teams. Oder ist das eine Sache des Klimas?

In der 61. Minute wurde Arslan ausgewechselt. Just zu einem Zeitpunkt, als sich Trochowski mit einem Präparat (gegen Adduktorenschmerzen?) stärkte. Für Arslan, dem schon während der ersten Spielminuten jegliches Selbstvertrauen irgendwo und irgendwie abhanden gekommen war, kam Torun, aber Sekunden danach zeigte erst einmal Elia, dass er wahrlich keine „Killerqualitäten“ besitzt: Der Niederländer köpfte den Ball aus zwei Metern über das VfL-Tor, was für eine Chance! Ich befürchte, dass Uwe Seeler eine solche Möglichkeit noch heute nutzen würde . . . Ohne zu springen.

Ohnehin muss festgehalten werden, dass Bruno Labbadia hohes, ja höchstes Risiko einging, als er Elia aufstellte. Die „frühere“ Rakete hatte nicht am Abschlusstraining teilgenommen, weil er Grippe hatte – ob sich das so negativ auf den HSV-Profi ausgewirkt hat?

Kurios die 71. Minute: Sowohl Guy Demel als auch Trochowski wollten vom Platz, weil sie angeschlagen waren. Trochowski wurde dann erhört. Und der für ihn eingewechselte Marcus Berg wurde überaus freundlich begrüßt.

Aber auch das half nicht. Solche Dinger kann man dann auch mal verlieren, denn irgendwie ist doch die ganze Fußball-Welt im Moment gegen den HSV eingestellt. Und so viele Ausfälle verkraftet wohl auch keine andere Mannschaft. Es ist erschütternd. Hoffentlich ist bald Pause. Und ohne dass bis dahin schon alles verspielt ist. Obwohl es ja doch zu befürchten ist.
Ach ja, gut war auch noch, dass zum Schluss Maximilian Beister eingewechselt wurde, denn den halte ich für den besten Nachwuchsstürmer des HSV. Und weiter gut? Das Pfeifkonzert hielt sich noch dieser Pleite in Grenzen. Die Fans scheinen ein Gespür dafür zu haben, wann sie aus Mitleid zu schweigen haben. . . Das ist das vorläufige Ende eines Meisterschaftskampfes.

19.34 Uhr

Die Optimisten sind unter uns

21. November 2009

Marcus Berg war auf dem Platz, machte beim Abschlusstraining mit. Kommt da Hoffnung auf? Eindeutig ja. Wie schon mein „Assistent“ Peacock sowie Matz-ab-Blogger “Harry” schrieb, dass sie trotz der personellen Misere durchaus optimistisch sind (wir standen einträchtig nebeneinander) – ich bin es irgendwie auch. Es war ein Abschlusstraining, das irgendwie doch wieder Mut machte. Das begann schon mittendrin, als der erneut am Rande übende Mladen Petrtic vorzeitig vom Rasen ging. Der Kroate wurde außerhalb des Platzes von einer 30-köpfigen kraotischen Fan-Gruppe empfangen, aber wie! Das war fast wie Karneval in Hamburg: Er wurde besungen, beklatscht und hofiert, Petric musste Rede und Antwort stehen, posierte für unzählige Fotos, schrieb fleißig Autogramme und wurde enthusiastisch gefeiert, es gab sogar Applaus für ihn, weil er den Fans offenbar genau die richtigen Antworten gab. Das war in dieser Art ein Novum, aber Mladen Petric gab zu: „Das habe ich schon einige Male erleben dürfen, auch in der Schweiz.“

Zuvor, auf dem Rasen, machte der verletzte Stürmer schon wieder einen hervorragenden Eindruck (beim Sonder-Training mit Reha-Coach Markus Günther). Petric wirkte kräftig, dynamisch, entschlossen, beinahe schon wieder so, als könne er gegen den VfL Bochum schon wieder in der Anfangsformation stehen. Okay, es wäre ein Wunsch von mir, ich weiß natürlich, dass so etwas völlig ausgeschlossen ist, aber träumen darf man doch mal für einige Sekunden. Immerhin: Mladen Petric gab zu, dass er sich schon wieder sehr gut fühlt: „Es ging schon besser als vor einigen Tagen, am Freitag aber habe ich ausgesetzt, weil ich die großen Anstrengungen doch gemerkt habe.“ Das ist normal. Dennoch keimt frischer Mut auf, wenn er schon wieder so voller Willenskraft trainiert. Wann aber ist er wieder so weit? Hat er sich selbst ein Datum gesetzt? Petric lächelnd: „Ja, das habe ich, aber das verrate ich nicht.“ Weil er sich wahrscheinlich nicht selbst unter Druck setzen will.

Inzwischen drückt er seiner Mannschaft die Daumen, auch er wirkt optimistisch. Den Grund verrät er auch: „Es wurde in dieser Woche super trainiert, und ich habe die Kollegen beobachtet, als es die Video-Analyse von den letzten Spielen gab. Die Fehler wurden angesprochen, die Spieler wirken total entschlossen, sie wollen es gegen Bochum besser machen – und ich denke, es wird ihnen auch gelingen.“

Also noch ein Optimist mehr. Obwohl es beim Training auch den einen oder anderen Skeptiker unter den Kiebitzen gab. Tenor: „Bochum hat uns schon so oft in die Suppe gespuckt, und diesmal hätte der VfL ja den Vorteil, gegen einen arg geschwächten HSV antreten zu können.“
Aber mal abwarten, wie dezimiert wird der HSV denn tatsächlich auflaufen. In der Kabine ließen sich an diesem Sonnabend Ze Roberto und Jerome Boateng pflegen – gibt es da noch ein kleines Wunder, das sie trotz allem mitspielen können? Und was ist mit Eljero Elia, der nicht am Abschlusstraining teilnahm? Kann er eventuell doch mitmischen? Es gibt ja auch für Trainer eine gewisse Schmerzgrenze. Ich denke da an die vergangene Saison, als dem HSV auch die Spieler ausgegangen waren: Martin Jol rief am späten Sonnabend bei Jerome Boateng an und „überredete“ ihn, am nächsten Tag ins Stadion zu kommen – und dann spielte der Abwehrspieler auch tatsächlich von Beginn an mit. So etwas gibt es also auch. Es geht, wenn es denn muss, auch einmal unkonventionell.

Und wenn es schon mal gewisse Probleme im Angriff gibt, warum soll nicht auch mal das Mittelfeld ein Spiel entscheiden? Robert Tesche schoss, so ganz nebenbei, das einzige Tor im abschließenden Spielchen acht gegen acht. Zudem traf David Jarolim zweimal den Pfosten. Am Sonntag macht er es dann eben besser und etwas genauer.

Zudem habe ich ja irgendwie auch die Hoffnung, dass bei Piotr Trochowski (in dieser Saison) mal wieder der Knoten platzt. Beim Training machte er einen sehr guten Eindruck auf mich, nun liegt es an ihm, seine gute Leistung, die er im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste gezeigt hat, auch mal bei einem Bundesliga-Spiel (noch dazu in Hamburg) zu bestätigen. Er könnte es doch . . . Ganz sicher, Und diesmal wäre es dazu noch sehr hilfreich, wenn er nicht nur Verantwortung übernehmen würde, sondern wenn er auch etwas Zählbares beisteuern würde. Und wie gesagt, ich habe da so ein Gefühl.

Übrigens machte aus der Zweiten auch Stürmer Maximilian Beister mit, und der Jugend-Nationalspieler erhielt zwischendurch auch mal ein Lob von Bruno Labbadia. Wie schön wäre es, wenn einmal ein solches Talent wie „Kai aus der Kiste“ käme, ein Tor, nein das Siegtor machen würde – um dann fortan eine gute Rolle im Kreise der Profis spielen zu können. Wäre, und was für ein toller Nebeneffekt, auch endlich einmal eine tolle Bestätigung für die Talent-Arbeit des HSV, aber nun höre ich auch auf damit – zu viele Träumereien auf einmal sind nämlich eigentlich verboten.

Apropos Traum: Nachreichen möchte ich an dieser Stelle noch die Gewinner von „Matz ab“. Hannah Mönikes gewann die beiden Karten für das Bochum-Spiel, Thomas Gerkens aus Horneburg das von Bastian Reinhardt signierte Original-Trikot. Wie viele andere User hatten sie die richtigen Antworten gegeben: Im Tor stand beim ersten HSV-Spiel gegen Bochum der gute Arkoc Özcan, und vom VfL zum HSV kamen einst die Spieler Mehdi Mahdavikia und Mustafa Kucukovic. Lang ist es her, und schwer war es auch, das gebe ich zu. Lasst Euch nicht entmutigen.

17.57 Uhr

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