Monatsarchiv für November 2009

Petric schürt neue Hoffnungen

24. November 2009

Und plötzlich schoss er mit. Er schoss aufs Tor. Gemeinsam mit seinen Kollegen „ballerte“ Mladen Petric auf das von Tom Mickel gehütete Gehäuse. Die Kiebitze trauten ihren Augen nicht. Zuvor hatte Petric seine Einheit mit Reha-Trainer Markus Günther absolviert, doch plötzlich gab es kein Halten mehr für den verletzten HSV-Stürmer. Der Wunsch, seiner Mannschaft helfen zu wollen, versetzt wohl Berge. Hoffentlich bereut er seinen Übermut nicht morgen schon wieder, wenn er zuviel riskiert hat. Hoffentlich. Aber es wäre schon schön, wenn Petric so schnell wie möglich wieder mitspielen könnte, denn er wird vermisst – ohne ihn hat der HSV nicht mehr gewonnen.

„Ich spiele am Wochenende“, sagte Mladen Petric beim Gang in die Kabine. Dann aber, als er die völlig überraschten Augen der Medienvertreter erblickte, führt er schelmisch lächelnd an: „Ich weiß nur noch nicht, an welchem.“ Mir hatte er gesagt, dass er sich zwar ein Datum gesetzt hat, er es aber nicht verraten wolle – um nicht einen unnötigen Druck aufzubauen. In der Bild hatte Petric vom 20. Dezember, dem Spiel gegen Werder, gesprochen. Ich glaube aber nach dem heutigen Tag ganz fest daran, dass er schon früher wieder den Weg zurück ins Team finden wird. Und vielleicht sogar nicht an einem Wochenende, sondern an einem Wochentag. Ich denke da an die Europa League . . .

Übrigens füllt es sich so langsam auf dem Trainingsplatz. Bastian Reinhardt lief erst, trainierte dann auch mit Markus Günther, wagte sich sogar schon an den Ball. Als „Basti“ schweißüberströmt vom Platz ging, strahlte er: „Keine Schmerzen, ich fühle mich wohl, auch jetzt nach dem Training, es hat Spaß gemacht, erstmalig wieder auf dem Rasen neben der Mannschaft zu sein.“ Als die Mitspieler dann alle wieder in der Kabine waren, betrat auch noch Alex Silva den Rasen. Es ist allmählich Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Weil ja auch Eljero Elia, Marcus Berg, Guy Demel und Jerome Boateng uneingeschränkt trainieren konnten. Nur bei Jonatha Pitroipa (Zerrung) sieht es noch schlecht aus, und noch schlechter bei Ze Roberto. Der Brasilianer glaubt nicht, dass er am Sonnabend gegen Mainz 05 spielen kann, Ze fliegt am Mittwoch nach München, um sich bei Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt behandeln zu lassen. Bitter genug.

Beim Mannschaftstraining übrigens wurde zuerst Handball gespielt – mit abschließenden Kopfballtoren. Die Profis waren mit Feuereifer bei der Sache, und vielleicht hilft Handball ja auch am Sonnabend in Mainz . . .

Nach Handball folgten die Standards. Von rechts flankte Dennis Aogo, von links Piotr Trochowski und Tunay Torun. Letzterer mischt im Training in Sachen Standards schon etwas länger mit (was einige überrascht), aber im Spiel habe ich es noch nie gesehen, dass er Frei- oder Eckstöße schießt. Nur bei der Zweiten, aber dafür wird wohl eher nicht trainiert – zurzeit jedenfalls. Was mich freute: Standards wurden intensiver als sonst geübt, das macht Hoffnung. Was mich ein wenig bei den Standards störte: Es standen dabei zu viele Spieler frierend in der Mitte herum. Das kritisierten auch einige Kiebitze. Ich hatte mal bei der Prüfung zur Trainer-B-Lizenz gelernt, dass man bei kaltem Wetter die Spieler nicht so lange unbeschäftigt herumstehen lassen soll, aber eventuell befand ja auch Bruno Labbadia, dass dieses Stehen gerade noch vertretbar war.

Worüber ich mir auch Gedanken machte: Nach einem solchen Auftritt wie gegen Bochum haben andere Trainer auch schon mal die Knute herausgeholt. Das hieß dann: Laufen bis zum Erbrechen. Felix Magath zum Beispiel hätte das nächste Training auch um 7.30 Uhr angesetzt, aber das nur mal am Rande. Bruno Labbadia scheint da anders zu ticken, und er hat das ja auch schon von sich gegeben, dass er anders als Felix Magath ist. Ich bin kein Bundesliga-Trainer, und jeder Mensch ist anders, ich verrate aber einmal, wie ich es gemacht hätte – und auch warum: Piotr Trochowski litt nach einer Stunde Spielzeit an Krämpfen. Er hatte am Mittwoch das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste absolviert. Aber leidet man vier Tage danach noch an Krämpfen? Was ist da los? Ich als Trainer hätte mich dann hinterfragt und wäre eventuell darauf gekommen, das ein anständiges Lauftraining vorbeugend helfen könnte. Und dann wären die Spieler bei mir gelaufen. Ob nun mit Ball oder auch ohne, sie wäre aber auf jeden Fall gelaufen. Das hilft.

Aber, wie bereits gesagt, ich bin kein Bundesliga-Trainer, und ich habe auch nichts mit dem HSV-Training zu tun. Zudem möchte ich noch einmal deutlich sagen, dass ich Bruno Labbadia eindeutig nicht mit dem derzeitigen Negativtrend seiner Mannschaft in Verbindung bringen möchte. Und werde. Dennoch, ich werde kritische Worte finden, wenn ich sie für angebracht halte. Selbst der kritikresistente Willi Reimann hatte einmal zu uns (Schreiberlingen) gesagt: „Ich habe nichts gegen Kritik, aber sie muss oberhalb der Gürtellinie sein.“ Bei Willi Reimann habe ich damals schon gesagt, dass er seinen Gürtel immer auf Halshöhe getragen hat, aber generell hat er Recht. Und unterhalb der Gürtellinie werde ich keinen Trainer kritisieren, im Gegenteil, ich hoffe, dass sich jeder Trainer (auch Bruno Labbadia) die Kritik durchliest, sie sich durch den Kopf gehen lässt – um dann Schlüsse daraus zu ziehen. Es kann nur von Vorteil für den HSV sein. Und auch für ihn.

Auch deswegen greife ich gern die von Euch immer wieder gehörte Kritik mit dem Auswechseln auf. Schon mein Freund Bert, der Meistertrainer des SC Victoria, klagte zu Beginn der Saison über die eine oder andere Schwäche Labbadias beim Auswechseln. Bert, der auch HSV-Mitglied ist, klagt bis heute. Wie so viele von Euch. Und sicher ist auch etwas dran an diesem Thema. Bruno Labbadia wird seine Strategie des Wechselns überdenken müssen, so glaube ich, denn allein der Bochum-Wechsel von Maximilian Beister, der in der 88. Minute kam, verlangt gerade danach, besprochen zu werden. Was sollte dieser viel zu späte Wechsel? Er sorgte bei (fast) allen, Zuschauern wie Medienvertreter, für Kopfschütteln. Ich gebe aber zu: Weder ich noch einer meiner Kollegen haben mit dem Trainer darüber gesprochen. Ich gebe auch zu, auch wenn es Euch nicht so richtig weiterbringt: Das ist ganz schwach, denn diese Nachfrage wäre zwingend nötig gewesen.

Vielleicht hätte es dafür sogar eine ganz einfache Erklärung (von Labbadia) gegeben. So wie diese fiktive: Da Guy Demel schon geraume Zeit humpelte, konnte Beister nicht eher kommen, denn hätte Demel nach eine früheren Einwechslung Beisters, dann ja bereits der dritte Wechsel, nicht durchhalten könne, dann hätte der HSV mit zehn Mann weiterspielen müssen.

Generell glaube ich aber auch, dass Bruno Labbadia mutiger, sicherer und schneller in Sachen Auswechslungen werden sollte. Ich denke dabei aber gerade jetzt an eine Szene, die ich vor Jahren in Ochsenzoll miterlebte. Da fragte der Kollege Jürgen Schnitgerhans (Bild) den HSV-Trainer Benno Möhlmann auch nach einer Auswechslung. Und Möhlmann entgegnete (ich hoffe Schnitte, dass ich das verraten darf?!) unglaublich offen: „Du setzt das immer voraus, dass ich unfehlbar bin, aber ich bin ja noch ein junger Trainer, ich bin relativ neu im Geschäft, ich muss doch auch erst mal meine Erfahrungen sammeln . . .“

Übrigens: Mir wurde vorgeworfen, dass ich Bruno Labbadia nach diesem Bochum-Kick (auf den ich immer noch sauer bin, ich gebe es zu) aus der Kritik genommen habe. Das stimmt so nicht. Ich habe den HSV-Coach erst verteidigt, weil er aus Euren Reihen scharf und meiner Meinung nach völlig zu Unrecht angegriffen wurde. Dazu stehe ich, denn nach wie vor kann der Trainer nichts dafür, dass ihm regelmäßig um die zehn Spieler fehlen – und dazu auch noch die besten Kräfte. Das sollte sich jeder Trainer-Kritiker einmal vor Augen führen. Egal, ob Bruno Labbadia nun von diversen europäischen Spitzenklubs gejagt wurde, oder nicht. Eine solche Argumentation ist in meinen Augen total verfehlt, denn: Welcher deutsche Trainer wird denn von Real Madrid, FC Liverpool oder dem AC Mailand gejagt? Nicht einmal Felix Magath. Und auch kein Fred Rutten. Oder ein Peter Neururer, oder, oder.

Okay, ich weiß schon seit dem 7. August (dem Start von „Matz ab“), dass ich es hier nicht jedem recht machen kann, ich halte mich auch schon zurück, mehr als sonst, aber irgendwie stößt es dann doch mal wieder auf. Ich verspreche aber, dass ich weiter emsig daran arbeiten werde, und ich werde Euch natürlich Eure Meinungen lassen – und dann kann sich jeder andere User einen Reim darauf machen. Selbstverständlich gilt das auch für meinen Mist, den ich hier (gelegentlich) verzapfe.

Trotz allem noch eine kleine Rechtfertigung von mir: Dass ich Tolgay Arslan „niedergeschrieben“ haben soll, das mag vielleicht in Eure Augen so gewesen sein, aber nach dieser dürftigen 61-Minuten-Vorstellung fand ich einfach keine anderen, keine milderen Worte. Tut mir Leid. Ich kann aber auch sagen, ernsthaft sagen, dass ich doch noch Rücksicht auf ein junges Talent genommen habe. Normalerweise nämlich wäre meine Kritik noch ein wenig heftiger ausgefallen – wobei ich heute wie am Sonntag auch bekennen muss: An Arslan lag es sicher nicht (allein), dass der HSV verloren hat, da gab es ja noch ganz andere Ausfälle.

Ein Schlusswort noch zu Tomas Rincon. Nochmals ganz ehrlich: Ich hätte, wäre ich HSV-Trainer, im Moment auch keine Traute, ihn zu bringen. Nach dem Elfmeter bei Hannover 96, der für mich trotz aller gegenteiligen Meinungen innerhalb des Forums und des HSV noch immer einer ist und bleibt, wäre Rincon ein Sicherheitsrisiko. Er ist einfach zu ungestüm, er schmeißt immer dann alle disziplinarischen und taktischen Maßnahmen über Bord, wenn es eng für ihn wird. Zudem ist er immer noch KEIN Rechtsverteidiger, sondern immer noch ein Mittelfeldspieler. Ob er beim HSV bleiben darf, das steht übrigens immer noch nicht fest. Bernd Hoffmann sagte zu diesem Thema: „Wir sind mit seinem aktuellen Berater in Gesprächen.“ Und inzwischen soll auch vom HSV geklärt sein, wer der „Besitzer“ von Tomas Rincon ist. Oder, wie es Bernd Hoffmann formulierte: „Wir sind in diesem Punkt auf einem guten Weg.“ Nämlich der Klärung der Besitzverhältnisse des Spielers.

Wäre aber trotz allem toll, wenn der HSV nicht nur in diesem Punkt auf einem guten Weg wäre, sondern auch sportlich, ganz generell. Aber vielleicht ist Mainz ja am Sonnabend die Wende zum Guten – die Hoffnung stirbt zuletzt.

16.27 Uhr

Der HSV hat eine Punkte-Krise

23. November 2009

Rost – Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Jarolim, Ze Roberto (sorry, hatte ich vergessen, Asche auf mein Haupt, ich war in Bochum-Form!), Jansen – Petric, Guererro. Was für eine Elf! Und glaubt mir, diese elf Spieler hätten den VfL Bochum aus der Arena gefegt. Gefegt! Aber wie! Doch leider, leider, es fehlen zurzeit einige Chorknaben, weil sie sich verletzt haben. Und dann gibt es eben auch mal ein 0:1 wie gegen Bochum. Nur, und das ist meine Frage an Euch: Was hat Bruno Labbadia damit zu tun? Hat er die HSV-Spieler zum Operateur getreten? Hat er Nachwuchsstürmer wie Tunay Torun, Tolgay Arslan oder Maximilian Beister zum HSV geholt? Steckt er in der Muskulatur von Guy Demel, Piotr Trochowski und Boateng? Ich fasse es nicht, dass in der jetzigen Phase einige von Euch tatsächlich an diesem Trainer herum mäkeln. Labbadia ist die ärmste Figur beim HSV, der kommt vor Kummer wahrscheinlich kaum noch in den Schlaf – aber die Schuld an allem, die trägt nur er? Wie billig ist das denn wohl? Und wie armselig dazu? Mich könnt Ihr damit nicht treffen, für mich ist das wirklich nur so ein Mist, wie jener Mist, der am Sonntag um 19.20 Uhr im Volkspark feststand.

Montag am Vormittag in der Arena. Guy Demel verlässt auf eigenen Füßen die Katakomben. Er geht normal, aufrecht, wie ein gesunder Spieler. Wer sich dran erinnert: Nur wenige Stunden zuvor bettelte er um seine Auswechslung. Er humpelte, sah beim entscheidenden Tor nur noch zu. Als er dann in der 88. Minute ausgewechselt wurde, humpelte er noch wie ein Schwerverletzter. Ich machte mir ernsthaft Sorgen: Fällt dieser Mann nun für die nächsten Wochen auch noch aus? Muss er eventuell nach dem Duschen im Rollstuhl Richtung Krankenhaus gefahren werden? Wird er eventuell Invalide?

Die Antwort auf diese Fragen erhielt ich am Monatg um 12.36 Uhr, als Guy Demel zu seinem Auto ging. Er ging. Und es also geht wieder mit ihm, im wahrsten Sinne des Wortes. Was für eine tolle Nachricht?! Schade für den HSV und für Demels Kollegen, dass es wenige Stunden zuvor nicht mehr so richtig gegangen war. Schade, einfach nur schade. Und das füge ich jetzt schnell hinzu: Ich unterstelle Demel nicht, ein Simulant zu sein, ich werfe ihm nur vor, nicht auf die Zähne zu beißen, nicht den “inneren Schweinehund” zu besiegen und auf dem Platz zu bleiben. Und solche Spiele gab es schon oft (eine solche Ergänzung hasse ich, aber ich wollte es klar stellen, dass ich Demel nicht als Simulanten hinstelle – er muss nur härter gegen sich selbst werden, oder sein).
Schade auch, dass Jerome Boateng nicht rechtzeitig fit geworden war. Am Montag konnte er wieder trainieren, aber gegen den VfL Bochum ging es noch nicht, dieses Spiel wäre für ihn zu früh gekommen – wahrscheinlich.

Oder das Thema Eljero Elia. In welchem Film sind wir da zurzeit? Er lässt sich aufstellen, sagt aber hinterher meinem Abendblatt-Kollegen Marcus Scholz: „Ich hätte nicht spielen dürfen.“ Ja, was denn nun? Zwingt ihn Bruno Labbadia – ohne jegliche Absprache so mir nichts dir nichts – auf den Rasen? Das wäre ja Freiheitsberaubung. Ihr könnt sicher sein, dass der Trainer vorher mit seinem grippekranken Spieler gesprochen hat, alles andere wäre doch auch grob fahrlässig. Letztlich muss der Spieler auch selbst davon überzeugt sein, dass er will, dass er es kann, dass es auch keine gesundheitlichen Nachteile für ihn bringt. Allerdings, und das kann ich denn auch wieder verstehen: Nach einem solchen Auftritt, wie ihn Elia hingelegt hat, hätte ich wahrscheinlich auch gesagt, dass „ich doch gar nicht hätte spielen dürfen“. Eine bessere Ausrede für diese (seine) Fahrkarten-Veranstaltung gibt es doch gar nicht.

Ich war am Vormittag, noch vor dem Training, beruflich bei Uwe Seeler. Es ging um das HSV-Buch des Hamburger Abendblattes, aber dazu mehr in den nächsten Stunden, Tagen. Natürlich haben wir uns über das Bochum-Spiel unterhalten, aber was wir über dieses Spiel sprachen, das war rein privat. Doch so richtig gut war es nicht, wenn ich mich richtig erinnere. Und „uns Uwe“ erinnerte mich noch einmal an seine Zeit: Mit dem Fahrrad fuhren er und Gerhard Krug aus Eimsbüttel zum Training in Norderstedt (Ochsenzoll). Und zwar immer. Bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter. Eltern, die ihre wohl behüteten Knaben mit dem Auto zum Training kutschierten und sie bei Regen mit dem Schirm in die Kabine brachten, gab es damals nicht. Weil es zwar Schirme gab, aber kaum Autos. Und mit dem Fahrrad ging es auch wieder gen Heimat. Uwe Seeler sagt heute: „Den Spielern wird vom Verein alles geboten, die werden auf Händen getragen, alles wird ihnen abgenommen. Da laufen fünf Physiotherapeuten herum und pflegen die Muskeln der Spieler, es gibt viele Trainer und Betreuer, es gibt nichts, was es nicht gibt – aber dafür kommt dann doch zu wenig raus dabei.“ Volltreffer, Herr Seeler, Volltreffer, Sie können es ja immer noch.

Drei Punkte aus den letzten fünf Spielen hat der HSV „gewonnen“, eine kümmerliche Bilanz, die auch den vielen Ausfällen geschuldet ist. Vereins-Boss Bernd Hoffmann gab dann auch zu: „Wir brauchen nicht drum herum zu reden, wir haben sicherlich eine Punkte-Krise.“ Er blickt aber dennoch positiv zurück: „Fakt ist doch, dass wir in diesen fünf Spielen viermal die bessere Mannschaft waren, wir hätten diese Partien auch gewinnen können, in meinen Augen sogar sollen.“ Natürlich weiß der Vorstandsvorsitzende auch, woran es hapert derzeit: „Wir können doch die erkrankten und verletzten Spieler nicht herreden, es hilft doch alles nichts, sie fehlen uns eben.“ Schlusswort Hoffmann: „Wir haben sicher im Moment auch etwas Pech, so auch mit Schiedsrichter-Entscheidungen, wie in Hannover der Elfmeter, das nicht gegebene Tor von Joris Mathijsen gegen Bochum – aber wir können das nicht zurück drehen. Die Art und Weise aber, wie wir Fußball gespielt haben, die war in Ordnung, das gibt mir Hoffnung.“

So sieht es auch Bruno Labbadia auch einen Tag danach noch. „Wir haben 60, 70 Minuten sehr guten Fußball gespielt, wir haben kaum Konter-Situationen zugelassen, obwohl wir sehr offensiv gespielt haben, wir waren sehr oft im VfL-Strafraum, obwohl die Bochumer mit zehn Mann hinten drin standen – das einzige was erneut nicht stimmte, war das Ergebnis“, sagt der Trainer und fügt noch hinzu: „Wir hatten unsere Chancen, in jedem Spiel, und wenn wir die genutzt hätten, würden wir nun viel besser stehen – und das trotz der Verletzungsmisere.“

Natürlich, hätte wenn und aber, das weiß ich auch, das zählt nicht, aber rechnet einmal kurz nach: Ein Sieg gegen Mönchengladbach, ein Sieg gegen Bochum – und der HSV wäre Spitzenreiter, und zwar locker. Und diese beiden Siege wären ja möglich gewesen, trotz aller personellen Ausfälle. Und genau das sollte doch allen Mut machen. Auch jenen HSV-Fans, die nun total durchhängen und voller Pessimismus in Richtung Mittelmaß blicken.

Kleiner Schwenk am Rande: Reiner Calmund hatte im Fernsehen – vollmundig wie er nun einmal ist – verkündet, dass er glaube, dass Paolo Guerrero nicht wieder auf den Fußballplatz zurückkehren wird. Dazu Bernd Hoffmann: „Er ist ja auch jeden Tag hier, um das beurteilen zu können . . .“ Und Bruno Labbadia zu diesem Thema: „Wir können nur sagen, dass alles im Moment im Soll ist, dass das Knie gut aussieht, dass bislang alles so läuft, wie es sich der Arzt vorgestellt hat. Aber ob er letztlich wieder so spielen kann, wie er zuletzt gespielt hat, das wird sich dann zeigen, wenn er wieder auf dem Platz steht. Ich bin kein Hellseher, aber ich weiß auch nicht, ob das Calmund aus der Ferne beurteilen kann.“ Guerrero hält sich zurzeit in Peru auf, lässt sich in der Heimat behandeln – und kommt in 14 Tagen wieder zurück nach Hamburg.

Und zum Schluss noch in eigener Sache: Endlich wird hier wieder – wenn auch nicht so sehr erfreulich – über den Fußball und den HSV geschrieben. Endlich! Sollte allen ein Anreiz geben, wieder vermehrt an den HSV zu denken, als über alle anderen Sachen. Danke!

16.38 Uhr

Was läuft falsch beim HSV?

23. November 2009

Wenn ich jetzt „schon“ ins Bett gehen würde, dann käme ich wohl so gegen 7.30 Uhr zum Schlafen, so hat mich dieses 0:1 gegen Bochum aufgewühlt. Kann das wahr sein? Mir kommen immer noch Zweifel, ob dieses Spiel tatsächlich stattgefunden hat. Und dann auch noch mit diesen zahlreichen Facetten. Ich kann es nicht glauben. Und dann die Krönung nach dem Schlusspfiff, die Erkenntnis des Bochumer Trainers Heiko Herrlich. Unglaublich, aber auch wahr. Der sprach, fast hätte ich gesagt, er faselte etwas von “einem verdienten Sieg für seinen VfL“. Verdient? Da frage ich mich, wo dieser Mensch, der ja direkt vom DFB zu einem Abstiegskandidaten gewechselt ist, seine Lizenz erworben hat? Verdient? Auch das kann doch nicht wahr sein, dass sich ein Bundesliga-Trainer so in die eigene Tasche lügt.

Grausam, aber das ist wohl doch auch nur zweit- oder drittrangig für alle Hamburger, denn an erster Stelle steht ja wohl das große HSV-Dilemma. Immerhin standen auch diesmal elf Profis auf dem Rassen, die ja alle mal deswegen einen Vertrag beim HSV erhalten haben, weil sie eigentlich etwas können sollten. Aber sie konnte es (diesmal) nicht. Wieso nicht? Reicht die Klasse, die man in ihnen vermutet hat, doch nicht ganz?

Die Frage, die sich nach diesem Grotten-Kick ergibt, ist die: Geht es noch schlimmer?

Wahrscheinlich ja, denn Piotr Trochowski hatte sich mit Krämpfen aus dem Spiel verabschiedet (die Nationalmannschaft lässt grüßen), und Guy Demel zog sich eine Prellung zu. Fein, fein. Und wahrscheinlich erkranken dann in dieser Woche noch einige Spieler an Grippe . . . Man gönnt sich ja sonst nichts (beim HSV).

Was läuft aber zurzeit falsch in der Truppe des neuen Tabellenfünften – mal abgesehen davon, dass es den einen oder anderen verletzten oder erkrankten Spieler zuviel gibt? „Wir haben vor dem Spiel nicht gejammert, und das werden wir jetzt nach dem Spiel auch nicht tun“, sagte Labbadia. Hätte er bei seiner Aufstellung nicht auch würfeln können, wenn es darum ging, halb fitte und nicht so ganz fitte Spieler aufzustellen?

Er wurde danach gefragt, warum der eigentlich an Grippe leidende Elia doch spielte, obwohl keiner mit ihm gerechnet hatte? Antwort Labbadia: „Wir mussten uns am Morgen des Spiel für einen von drei Grippekranken entscheiden. Und Eljero Elija hat bei unseren Trainingseinheiten am wenigsten von allen Grippekranken gefehlt.“

Die Frage, warum nicht Marcus Berg von Anfang an, sondern Tolgay Arslan, schwebte im Presseraum durch die Luft, aber niemand stellte sie. Dafür riefen mich auf der Heimfahrt gleich drei Amateurtrainer an und sagten unisono: „Berg hätte von Beginn an spielen müssen, ich hätte es jedenfalls so gemacht, denn er hat mehr Erfahrung als Torun oder Arslan. Berg hätte so lange spielen müssen, so lange er die Kraft dazu hat. Berg hätte aber die gute Phase der Mannschaft nutzen können, die in den ersten 60 Minuten ja enormen Druck gemacht hat.“

Hinterher ist man immer schlauer. Aber es ist wohl was dran. Und zu Elia: Er hätte dieses Spiel ganz allein entscheiden können, ja sogar müssen – aber er hat versagt. Ist das nun seiner Unbekümmertheit und seiner Jugend zuzuschreiben, oder seiner Grippe? Ich vermag es nicht zu sagen, aber seine Vorstellung war einfach nur grausam schlecht.

Damit allerdings war er nicht so ganz allein. In Zeiten wie diesen, in denen wir alle etwas netter, wohlwollender und menschlicher miteinander umgehen wollen und sollen, weil uns der Enke-Tod dazu aufgerufen hat, wollte ich eigentlich nichts über die Vorstellung von Tolgay Arslan schreiben. Irgendwie möchte ich auch dabei bleiben, ich möchte nur so viel sagen: Das war absolut nichts. Und diese 61 Minuten, in denen er mitwirkte, haben mich nicht mit einer Phase meines Herzens (und Fußball-Verstandes) hoffnungsfroher gemacht, dass es noch einmal etwas mit ihm werden könnte. Aber auch ich kann mich täuschen, wobei ich an den guten alten und große Kollegen Horst Freese denken muss, der eine, nein, der die Presse-Institution in Hamburg war (Bild-Zeitung) und mir einst sagte: „Karsten Bäron wird nie ein guter Fußballer, der hätte zum Basket- oder Volleyball gehen sollen.“ Da irrte Freese, und ich kann mich beim Thema Arslan natürlich auch irren.

Wobei ich Arslan auch nicht als denjenigen ausmachen möchte, der als Hauptschuldiger der Niederlage in die Geschichte eingeht. Da gab es andere Profis, gestandene Männer.

Mir geht die immer wiederkehrende Wehleidigkeit eines Bären von Mannes auf den Keks. Aber total auf den Keks. Guy Demel wird in diesem Punkt wohl bis zum Ende seiner Hamburger Zeit ein ganz besonderer Fall bleiben, ich komme damit aber nicht zurecht. Und ich glaube auch, dass Bruno Labbadia damit ebenfalls so seine Probleme hat, denn auf die Frage, was denn seinen Verteidiger diesmal (und ein weiteres Mal) zum Ausscheiden zwang, sagte der Coach nur angefressen sowei kurz und schmerzlos: „Prellung.“ Ohne dabei sein Gesicht zu verziehen.

Wobei ich dann bei Maximilian Beister wäre. Der kam für Demel – in der 88. Minute. Ich hätte mir diesen „frechen Hund“ aber durchaus schon die eine oder andere Viertelstunde früher gewünscht, da hätte er vielleicht noch einiges bewegen können. So verpufften die Sekunden in aller Eile, ohne dass Beister noch etwas bewegen konnte. Und wenn ich schon im Sturm bin, dann möchte ich sagen, dass Tunay Torun aggressiver und entschlossener in seinen 29 Minuten wirkte, als sein Vorgänger Arslan in zuvor 61 Minuten. Aber, und das ist entscheidend, bewegt hat Torun letztlich auch nichts.

Robert Tesche, der im Mittelfeld spielte, trat eine Stunde lang so gut wie nie in Erscheinung, er wirkte in einigen Szene wie ein Fremdkörper (und auch unbeweglich), dann aber fand er allmählich besser ins Spiel. Und hatte dann mit der Zahl sechs zumindest die meisten Torschüsse eines HSV-Spielers vorzuweisen. Und einen Kopfball von ihm beförderte ausgerechnet der ehemalige St.-Pauli-Spieler Roman Prokoph von der Torlinie. Das war auch noch Pech.

Wie schon das Kopfball-Tor von Joris Mathijsen, der das vermeintliche 1:0 erzielt hatte, aber dann trat Schiedsrichter Günter Perl in Aktion: kein Tor. So etwas von lächerlich, ich finde dafür keine Worte. Da steht der kleine Elia am, ich wiederhole, am Fünfmeterraum, und der Riese Heerwagen, der VfL-Torwart, kann nicht zum Ball gehen – wie tragisch. Aber was hat das mit einem Foul zu tun? Franz Beckenbauer hat bei Sky über diese skandalöse Entscheidung nur müde gelächelt. Und nach dem Spiel lief mir in der Arena ein Hamburger Schiedsrichter über den Weg, der auch mit der Bundesliga zu tun hatte. Er fragte mich, warum dieses Tor keine Anerkennung gefunden hatte, er fragte mich! Denn: Er hatte nichts erkennen können, was da ein Foul gewesen sein soll. Er verdrehte nur die Augen über die Entscheidung des Pullachers. Perl wurde von einer Hamburger Zeitung zuvor ja schon als Glücksbringer für den HSV bezeichnet, das war er nun aber tatsächlich – nicht. Wird er aber vielleicht noch einmal. Ob aber auch noch in diesem Leben?

Mit einem besseren Schiedsrichter, das sage ich ganz bewusst, hätte der HSV zumindest einen Punkt in Hamburg behalten, den Sieg aber vergaben die indisponierten HSV-Profis gleich reihenweise. Und das ist genau so schwach, wie dieser Pullacher Perl.

Apropos schwach: David Rozehnal war wieder in einigen Szene so katastrophal fahrig, dass ich mich jetzt und nun absolut festlegen werde: Er packt es in dieser Liga nicht mehr.

Und Joris Mathijsen, der neue Rekordler der Niederlande? Wer die Entstehung des 1:0 für den VfL Bochum gesehen hat, als ihm Sestak davonlief, der weiß, wo Mathijsen seine große Schwäche hat.

Grundsätzlich muss ich genau an diesem Punkt einmal anmerken, dass in dieser HSV-Mannschaft kein Spieler ist, der bei Misserfolgen die Schuld bei einem seiner Nebenleuten suchen sollte, sondern sich zunächst einmal selbst an die eigene Nase fassen. Damit wäre er klug beraten.

Gute Noten beim HSV hatten sich diesmal kaum Spieler verdient. Frank Rost war absolut okay, Marcell Jansen war lange Zeit der beste Hamburger, aber nach einer Stunde ließen seine Kräfte nach. Und Piotr Trochowski knüpfte in der ersten Halbzeit durchaus an die gute Leistung, die er am Mittwoch im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste gezeigt hatte, an. Als bei ihm aber die Krämpfe begannen, begann auch sein leistungsmäßiger Abstieg. Schade. Für den HSV in erster Linie. Über 90 Minuten gesehen war David Jarolim (96 Ballkontakte, die meisten aller Spieler) noch der konstanteste HSV-Feldspieler, aber auch er konnte so allein auf weiter Flur nichts mehr ausrichten.

Ein anderer Punkt noch: Vor dem Spiel haben einige Kollegen von mir noch gemutmaßt, was denn an dem Bericht der Sport Bild dran sei, die nur den guten Tabellenplatz dafür verantwortlich gemacht hat, dass es beim HSV bislang noch relativ ruhig zugehe. Ist da was dran? Ich würde es nach dieser Vorstellung nicht mehr strikt verneinen. Insgesamt fehlt mir in dieser Truppe ein wenig Leben, denn so richtig mitreißend spielt keiner. Wobei ich nicht nur das Spielerische meine, sondern vor allen Dingen das Verbale. Könnt Ihr es ausmachen, dass die Spieler sich untereinander anfeuern, motivieren, führen, unterstützen oder einfach nur durch und mit Worten helfen? Ich sehe das nur noch höchst selten. Allerdings muss ich auch feststellen, dass es im Training bislang immer ganz „normal“ zuging, da ist nichts von Aggressionen untereinander (oder auch offene Abneigung) zu spüren oder zu erkennen. Bislang jedenfalls.

Zum Schluss noch für alle Matz-ab-Leser der Original-Wortlaut der Erklärung von Bruno Labbadia bei der Pressekonferenz:

„Für uns ist es eine bittere Niederlage, wir haben in den ersten 60, 70 Minuten vieles richtig gemacht. Wir haben Fußball gespielt, wir haben den Gegner laufen lassen, haben mehrere Möglichkeiten gehabt, wo wir nach Pressbällen Möglichkeiten hatte, wo wir aber die falschen Entscheidungen getroffen haben, wo wir geschossen haben, statt den Ball quer zu legen. Ich denke einfach, dass wir schon sehr viele Dinge gut gemacht haben, außer dass wir nicht konsequent in der Chancenauswertung waren, und vor allem im Strafraum nicht konsequent genug waren, das hat uns ein bisschen gefehlt. In den letzten 20 Minuten haben wir denn ein Stück die Linie verloren, da hat man dann gemerkt, dass uns die Ruhe fehlt. Und leider sind wir dann in den Konter gelaufen, in den wir nicht laufen wollten.“

0.13 Uhr

Der Abwärtstrend hält an

22. November 2009

Es ist ja so bitter, oh wie ist das bitter! Was für ein Drama: Der HSV verliert gegen Bochum und setzt seine vor Wochen begonnene Talfahrt rasant fort. Es geht gar nichts mehr, die unfassbar schlimme Personal-Situation hat die einstige Spitzenmannschaft total aufgefressen. Da standen sich im Volkspark zwei Teams gegenüber, die eigentlich Welten trennen sollten, aber es waren zwei Mannschaften, die sich auf Augenhöhe gegenüber standen. So erschreckend das auch klingt. Diese 0:1-Niederlage, die eine ganze Stadt schockt, wird dafür sorgen, dass das Selbstvertrauen noch weiter schwindet, die nächsten Wochen dürften ungemütlich werden, höchst ungemütlich sogar. Quo vadis, HSV?

Was war erfreulich an diesem Spiel? Die Pfiffe hielten sich zur Pause in Grenzen, das war gut. Zu früheren Zeiten hätte es ein Pfeifkonzert größeren Ausmaßes gegeben, Und dann? Piotr Trochowski schlug einen sehr guten Eckstoß zur Mitte, den Joris Mathijsen sogar ins VfL-Tor köpfte, aber dann trat Schiedsrichter Günter Perl in Erscheinung. Jener Herr, der vor Wochen Hertha BSC gegen den HSV geleitet hatte. Da war nichts. Heerwagen protestierte nicht, kein Bochumer protestierte, aber Herr Perl pfiff: kein Tor. Noch Fragen?

Ich habe keine mehr. Zumal mir Minuten vor dem Anpfiff Mladen Petric über den Weg gelaufen war. „Alles gut, keine Komplikationen nach dem Training“, sagte er. Hätte sich Herr Perl, der es in meinen Augen einfach nicht kann (das Schiedsrichtern!), mal anhören sollen. Ich sehe die Szene immer noch vor mir: Petric wird umgenietet, und der Herr Perl kommt und fordert den HSV-Spieler unmissverständlich auf, aufzustehen. Diese Szene werde ich nicht so schnell abhaken.

Und dazu passt, ganz schnell noch eingefügt, die Szene in der 45. Minute: Da vertändelte David Rozehnal fast die Kugel gegen Epalle, der Bochumer wäre frei auf das HSV-Tor zugelaufen. In letzter Sekunde grätschte der Tscheche den Bochumer um und rettete seine fast schon missglückte Aktion. Perl winkte in Richtung Epalle, aufzustehen. Wie damals in Berlin bei Petric. Nach dem Halbzeitpfiff bemühten sich dann zwei VfL-Betreuer um den Verletzten, hoben ihn auf, führten ihn in die Kabine – und Epalle blieb während der gesamten zweiten Halbzeit auch genau dort.

Zurück zum Spiel. Gut am HSV war auch ein Freistoß von Dennis Aogo, der den Ball von rechts sehr stark und gefährlich an den Fünfmeterraum schlug. Endlich einmal einer!

Was nicht so gut war: Die Bochumer waren schon ganz auf Weihnachten eingestellt, verteilten einige wunderschöne Geschenke, aber die verschmähte der HSV. Geschenke annehmen, das ist offenbar keine hanseatische Gabe. Als Torwart Heerwagen eine Jansen-Flanke aus den Händen verlor, hätte Elejro Elia natürlich ein Tor erzielen müssen, aber er tat es einfach nicht. Zu einfach.

Trochowski hatte in der 9. Minute die große Möglichkeit zum 1:0 auf dem linken Fuß, schlenzte die Kugel aber genau in die Arme von Heerwagen. Noch ein Geschenk abgelehnt. Und als David Jarolim seinen jungen Kollegen Tolgay Arslan bediente, ließ der sich mit Ballannahme und Weiterverarbeitung so viel Zeit, wie er sie einst in der C-Jugend noch hatte. Das aber, was er jetzt spielen soll, ist Bundesliga. Erste Bundesliga. Und da geht es eben ein wenig schneller zu.

Wie in der 55. Minute. Noch so ein Geschenk. Arslan kommt von rechts durch, passt im VfL-Strafraum zurück – auf mindestens einen Bochumer. Der lässt den Ball passieren, Elia kommt an die Kugel, lässt sich aber auch alle Zeit der Welt und schießt dann den Ball in den Bochumer Beton – Chance dahin.
Nicht so schön die Szene in der 58. Minute. Flanke des VfL, Rozehnal will den Ball zurück auf Mathijsen köpfen – es gibt Eckstoß für Bochum. Und die beiden Innenverteidiger fetzen sich verbal, gestikulieren wie wild. Schließlich tritt Frank Rost als Schlichter auf, indem er ein Machtwort spricht. Spricht aber nicht unbedingt für die Nervenstärke dieses HSV-Teams. Oder ist das eine Sache des Klimas?

In der 61. Minute wurde Arslan ausgewechselt. Just zu einem Zeitpunkt, als sich Trochowski mit einem Präparat (gegen Adduktorenschmerzen?) stärkte. Für Arslan, dem schon während der ersten Spielminuten jegliches Selbstvertrauen irgendwo und irgendwie abhanden gekommen war, kam Torun, aber Sekunden danach zeigte erst einmal Elia, dass er wahrlich keine „Killerqualitäten“ besitzt: Der Niederländer köpfte den Ball aus zwei Metern über das VfL-Tor, was für eine Chance! Ich befürchte, dass Uwe Seeler eine solche Möglichkeit noch heute nutzen würde . . . Ohne zu springen.

Ohnehin muss festgehalten werden, dass Bruno Labbadia hohes, ja höchstes Risiko einging, als er Elia aufstellte. Die „frühere“ Rakete hatte nicht am Abschlusstraining teilgenommen, weil er Grippe hatte – ob sich das so negativ auf den HSV-Profi ausgewirkt hat?

Kurios die 71. Minute: Sowohl Guy Demel als auch Trochowski wollten vom Platz, weil sie angeschlagen waren. Trochowski wurde dann erhört. Und der für ihn eingewechselte Marcus Berg wurde überaus freundlich begrüßt.

Aber auch das half nicht. Solche Dinger kann man dann auch mal verlieren, denn irgendwie ist doch die ganze Fußball-Welt im Moment gegen den HSV eingestellt. Und so viele Ausfälle verkraftet wohl auch keine andere Mannschaft. Es ist erschütternd. Hoffentlich ist bald Pause. Und ohne dass bis dahin schon alles verspielt ist. Obwohl es ja doch zu befürchten ist.
Ach ja, gut war auch noch, dass zum Schluss Maximilian Beister eingewechselt wurde, denn den halte ich für den besten Nachwuchsstürmer des HSV. Und weiter gut? Das Pfeifkonzert hielt sich noch dieser Pleite in Grenzen. Die Fans scheinen ein Gespür dafür zu haben, wann sie aus Mitleid zu schweigen haben. . . Das ist das vorläufige Ende eines Meisterschaftskampfes.

19.34 Uhr

Die Optimisten sind unter uns

21. November 2009

Marcus Berg war auf dem Platz, machte beim Abschlusstraining mit. Kommt da Hoffnung auf? Eindeutig ja. Wie schon mein „Assistent“ Peacock sowie Matz-ab-Blogger “Harry” schrieb, dass sie trotz der personellen Misere durchaus optimistisch sind (wir standen einträchtig nebeneinander) – ich bin es irgendwie auch. Es war ein Abschlusstraining, das irgendwie doch wieder Mut machte. Das begann schon mittendrin, als der erneut am Rande übende Mladen Petrtic vorzeitig vom Rasen ging. Der Kroate wurde außerhalb des Platzes von einer 30-köpfigen kraotischen Fan-Gruppe empfangen, aber wie! Das war fast wie Karneval in Hamburg: Er wurde besungen, beklatscht und hofiert, Petric musste Rede und Antwort stehen, posierte für unzählige Fotos, schrieb fleißig Autogramme und wurde enthusiastisch gefeiert, es gab sogar Applaus für ihn, weil er den Fans offenbar genau die richtigen Antworten gab. Das war in dieser Art ein Novum, aber Mladen Petric gab zu: „Das habe ich schon einige Male erleben dürfen, auch in der Schweiz.“

Zuvor, auf dem Rasen, machte der verletzte Stürmer schon wieder einen hervorragenden Eindruck (beim Sonder-Training mit Reha-Coach Markus Günther). Petric wirkte kräftig, dynamisch, entschlossen, beinahe schon wieder so, als könne er gegen den VfL Bochum schon wieder in der Anfangsformation stehen. Okay, es wäre ein Wunsch von mir, ich weiß natürlich, dass so etwas völlig ausgeschlossen ist, aber träumen darf man doch mal für einige Sekunden. Immerhin: Mladen Petric gab zu, dass er sich schon wieder sehr gut fühlt: „Es ging schon besser als vor einigen Tagen, am Freitag aber habe ich ausgesetzt, weil ich die großen Anstrengungen doch gemerkt habe.“ Das ist normal. Dennoch keimt frischer Mut auf, wenn er schon wieder so voller Willenskraft trainiert. Wann aber ist er wieder so weit? Hat er sich selbst ein Datum gesetzt? Petric lächelnd: „Ja, das habe ich, aber das verrate ich nicht.“ Weil er sich wahrscheinlich nicht selbst unter Druck setzen will.

Inzwischen drückt er seiner Mannschaft die Daumen, auch er wirkt optimistisch. Den Grund verrät er auch: „Es wurde in dieser Woche super trainiert, und ich habe die Kollegen beobachtet, als es die Video-Analyse von den letzten Spielen gab. Die Fehler wurden angesprochen, die Spieler wirken total entschlossen, sie wollen es gegen Bochum besser machen – und ich denke, es wird ihnen auch gelingen.“

Also noch ein Optimist mehr. Obwohl es beim Training auch den einen oder anderen Skeptiker unter den Kiebitzen gab. Tenor: „Bochum hat uns schon so oft in die Suppe gespuckt, und diesmal hätte der VfL ja den Vorteil, gegen einen arg geschwächten HSV antreten zu können.“
Aber mal abwarten, wie dezimiert wird der HSV denn tatsächlich auflaufen. In der Kabine ließen sich an diesem Sonnabend Ze Roberto und Jerome Boateng pflegen – gibt es da noch ein kleines Wunder, das sie trotz allem mitspielen können? Und was ist mit Eljero Elia, der nicht am Abschlusstraining teilnahm? Kann er eventuell doch mitmischen? Es gibt ja auch für Trainer eine gewisse Schmerzgrenze. Ich denke da an die vergangene Saison, als dem HSV auch die Spieler ausgegangen waren: Martin Jol rief am späten Sonnabend bei Jerome Boateng an und „überredete“ ihn, am nächsten Tag ins Stadion zu kommen – und dann spielte der Abwehrspieler auch tatsächlich von Beginn an mit. So etwas gibt es also auch. Es geht, wenn es denn muss, auch einmal unkonventionell.

Und wenn es schon mal gewisse Probleme im Angriff gibt, warum soll nicht auch mal das Mittelfeld ein Spiel entscheiden? Robert Tesche schoss, so ganz nebenbei, das einzige Tor im abschließenden Spielchen acht gegen acht. Zudem traf David Jarolim zweimal den Pfosten. Am Sonntag macht er es dann eben besser und etwas genauer.

Zudem habe ich ja irgendwie auch die Hoffnung, dass bei Piotr Trochowski (in dieser Saison) mal wieder der Knoten platzt. Beim Training machte er einen sehr guten Eindruck auf mich, nun liegt es an ihm, seine gute Leistung, die er im Länderspiel gegen die Elfenbeinküste gezeigt hat, auch mal bei einem Bundesliga-Spiel (noch dazu in Hamburg) zu bestätigen. Er könnte es doch . . . Ganz sicher, Und diesmal wäre es dazu noch sehr hilfreich, wenn er nicht nur Verantwortung übernehmen würde, sondern wenn er auch etwas Zählbares beisteuern würde. Und wie gesagt, ich habe da so ein Gefühl.

Übrigens machte aus der Zweiten auch Stürmer Maximilian Beister mit, und der Jugend-Nationalspieler erhielt zwischendurch auch mal ein Lob von Bruno Labbadia. Wie schön wäre es, wenn einmal ein solches Talent wie „Kai aus der Kiste“ käme, ein Tor, nein das Siegtor machen würde – um dann fortan eine gute Rolle im Kreise der Profis spielen zu können. Wäre, und was für ein toller Nebeneffekt, auch endlich einmal eine tolle Bestätigung für die Talent-Arbeit des HSV, aber nun höre ich auch auf damit – zu viele Träumereien auf einmal sind nämlich eigentlich verboten.

Apropos Traum: Nachreichen möchte ich an dieser Stelle noch die Gewinner von „Matz ab“. Hannah Mönikes gewann die beiden Karten für das Bochum-Spiel, Thomas Gerkens aus Horneburg das von Bastian Reinhardt signierte Original-Trikot. Wie viele andere User hatten sie die richtigen Antworten gegeben: Im Tor stand beim ersten HSV-Spiel gegen Bochum der gute Arkoc Özcan, und vom VfL zum HSV kamen einst die Spieler Mehdi Mahdavikia und Mustafa Kucukovic. Lang ist es her, und schwer war es auch, das gebe ich zu. Lasst Euch nicht entmutigen.

17.57 Uhr

Es ist einfach katastrophal

20. November 2009

Es wird ja immer schlimmer. Marcus Berg, der am Freitag durch den Volkspark lief, fällt für das Bochum-Spiel aus, Ze Roberto auch. Und Elia ging zum Arzt, weil er die ersten Anzeichen einer Grippe verspürte, dazu hat sich auch noch Jerome Boateng, der es ja eigentlich an den Waden hat, mit einer Grippe flach gelegt – wer soll am Sonntag denn eigentlich auflaufen? NDR-Reporter Lars Pegelow fragte während des Trainings einige Kiebitze, die einen stabilen Eindruck auf ihn machten, auf welcher Position sie denn beim HSV aushelfen könnten. Klingt alles voll witzig, ist es aber nicht – es ist eine mittlere Katastrophe! Wenn Ihr mich fragt, dann behaupte ich: So schlimm war es noch nie. Wirklich noch nie!

Wer beim Training war und dann sah, mit welchem Sturm der HSV gegen den VfL angreifen könnte – und wahrscheinlich auch wird -, der bekommt schon jetzt das große Zittern. Von links flankte Marcell Jansen, von rechts Piotr Trochowski, und in der Mitte bemühten sich abwechselnd Tolgay Arslan und Tunay Torun, der von seiner Grippe wieder genesen ist, um die Bälle. Macht das Mut? Es muss Mut machen! Wahrscheinlich wird sich Bruno Labbadia auch noch aus der Zweiten bedienen müssen, um wenigstens einen vollen 18-Mann-Kader auf die Beine stellen zu können. Grausam!

Im Moment dürfte die HSV-Elf, die am Sonntag den VfL Bochum erschrecken (und besiegen) soll, wie folgt aussehen: Rost – Demel, Rozehnal, Mathijsen, Aogo – Trochowski, Tesche, Jarolim, Jansen – Arslan, Torun.

Zurzeit herrscht eben die Seuche beim HSV. Trotz aller Anzeichen, dass es auch wieder einmal bergauf gehen könnte (Silva, Petric). Da drängt sich quasi die Frage auf, ob der Klub in der Winterpause noch einmal zuschlagen wird – auf dem personellen Sektor? Interessant ist ja die Kunde des FC Bayern, für den Noch-Manager Uli Hoeneß erklärt hat, dass sich die Münchner in der Pause keinen einzigen neuen Spieler dazu holen werden. Das, so denke ich, könnte beim HSV ähnlich so sein. Die Offiziellen vertreten die Meinung, dass der Kader groß und gut genug ist, wenn erst alle Spieler wieder an Bord sind. Und das soll – bis auf Paolo Guerrero – tatsächlich so sein.

Und wenn ich mir die Situation des HSV so bedenke, dann haben die Herren ja auch irgendwie Recht. Zudem schwirrt mir bei diesem Thema stets der alter Schlager von Curd Jürgens durch den Kopf: “60 Jahre auf dem Weg zum Greise, aus gehabten Schaden nichts gelernt . . .” Der HSV hat offenbar gelernt, auf jeden Fall scheint mir das bei Bernd Hoffmann der Fall zu sein. Abgesehen von dem Thema Finanzen, dass ja auch Geld für nötige Verstärkungen in der Klub-Kasse vorhanden sein sollte (und ist es das? Ich habe meine leichten Zweifel!), was ist, wenn es etwas Geld geben sollte, damit zu bewirken? Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass Winter-Einkäufe so gut wie nichts mehr bewegen, bewegt haben.

Blicken wir einmal auf den Januar 2009 zurück. Da kam viel Masse, aber so gut wie keine Klasse: Michael Gravgaard – na ja. Marcel Ndjeng – ein Fehler. Tomas Rincon – na ja. Mikael Tavares – na ja. Khalid Sinouh – ein Fehler. Albert Streit – ein riesiger Fehler. Weiter gebracht wurde der HSV nicht durch einen Spieler. Und ich glaube, das hat keiner aus dem Vorstand so wirklich vergessen. Und im Aufsichtsrat die Herren wohl auch nicht, obwohl Neueinkäufe ja zunächst operatives Geschäft wären – und damit tabu für die Räte.

In der Saison kamen während der laufenden Spielzeit so Knaller wie Vadis Odjidja-Ofoe und Anton Putislo. Ein Jahr zuvor wurden Mathias Abel, Ivica Olic und Frank Rost geholt, nur Abel schlug nicht ein und wurde nach Gelsenkirchen zurück geschickt. In der Saison 2005/06 kamen Ailton, Nigel de Jong und Reto Ziegler. Sie alle hatten große Schwierigkeiten, sich einzuleben und Leistungen zu bringen, letztlich schaffte es nur de Jong. Er steigerte sogar seinen Marktwert so dramatisch, dass der HSV mit ihm einen riesigen Gewinn beim Weiterverkauf (Manchester City) machte.

Die letzten beiden wirklichen Verstärkungen gab, die der HSV im Winter verpflichtete, hießen Bernardo Romeo und Raphael Wicky – in der Saison 2001/02. Es hat sich also nicht immer gelohnt, Geld während der Winterpause in neue Hoffnungsträger zu investieren, meistens wurden (ganz gewaltige) Rohrkrepierer daraus.

„Aus gehabten Schaden doch gelernt.“ Trotz der momentanen Seuche behält Trainer Labbadia offensichtlich die Nerven und verlangt keine Neueinkäufe. Und das ist auch gut so! Und würde jetzt ein Spieler, den wir ruhig einmal Rafael van der Vaart nennen können, kommen, der zuletzt wenig bis gar keine Spielpraxis sammeln konnte, dann dürfte das in jedem Falle ein großes Risiko sein. Die Saison könnte zu Ende sein, bevor sich dieser Spieler in Form gedribbelt hätte. Ich blicke da nur einmal zum VfB Stuttgart, der sich im Sommer Hleb vom FC Barcelona geholt hat. Und? Hat es sich gelohnt? Ganz sicher (noch) nicht. Hleb sucht immer noch seine alte Verfassung, die ihn einmal bei Arsenal spielen ließ. Und jetzt haben wir schon bald Weihnachten. Wie lange wird es noch dauern, bis sich dieser Transfer für die Schwaben auszahlt? Und wird er sich überhaupt noch auszahlen?

Auch eine solche Frage muss von Bernd Hoffmann, Bruno Labbadia und Co natürlich beachtet werden. Und diese Herren werden sie ganz sicher nicht außer Acht lassen, das weiß ich genau.

Der HSV dürfte sich übrigens wahrscheinlich nur dann um einen (oder mehrere) Spieler bemühen, wenn ein Mann aus dem jetzigen Team Hamburg unbedingt verlassen will, oder wenn ein (etwas verrückter) Verein wie zuletzt Manchester City käme und „Millionenden“ für einen HSV-Spieler bieten würde. Aber ist damit zu rechnen? Auch eher nein.

Eine andere Personalie will ich ganz schnell nur am Rande erwähnen: Nach dem, was ich so hinter den Kulissen mitbekommen habe, wird für Tomas Rincon Ende Dezember Schluss beim HSV sein. Ich lege mich da absolut fest, mir sagt mein Gefühl, dass der Nationalspieler Venezuelas keinen neuen Vertrag mehr erhalten wird.

Zum Schluss noch ein blog-interner Abstecher: Der „Master of Grätsche“ hat, wie versprochen, heute mit mir telefoniert. Es ging um ein „Matz-ab-Treffen“. Wir haben beschlossen, dass es so etwas durchaus mal geben kann (sollte), aber wie, wann und wo werden wir in den nächsten Wochen ausloten. Carsten Kober und ich werden das Thema weiter verfolgen.

Und noch ein kleiner Schwenk: Unser Benno (Hafas) ist ja jetzt auf Teneriffa. Er sucht nun die Bank, auf der Frau M. und ich noch vor kurzem gestanden haben, um einen kleinen spanischen Provinz-Kick zu verfolgen. Ich habe Benno (und seiner Frau – liebe Grüße!) eine genaue Beschreibung gegeben, er hat schon gemeldet, dass er damit die Bank nicht verfehlen kann. Nun bin ich gespannt – was er sieht.

So, den nächsten Bericht gibt es nach dem Abschlusstraining am Sonnabend. Mir graut ein wenig davor. Hoffentlich erkranken in den nächsten Stunden nicht noch mehr HSV-Profis . . . Ihr solltet so langsam damit beginnen, die Daumen zu drücken.

18.50 Uhr

Benjamin, der Strahlemann

20. November 2009

Dass Collin Benjamin seinen Vertrag verlängert hat, darüber wurd an dieser Stelle ja schon geschrieben. Von mir und von Euch. Die Freude war auf beiden Seiten gleich. Und dennoch komme ich noch einmal darauf zurück, Nicht, weil ich nichts zu schreiben wüsste, nein, nein, das ist es nicht. Diesmal möchte ich darüber berichten, dass Collin nach seiner Unterschrift nun in der Pressekonferenz saß – und sich auch freute. Ich sage ja immer: „Die vom HSV sitzen da oben auf dem Balken.“ Und wir da unten. So auch diesmal. Und wir alle konnten von dort aus einen Strahlemann sehen, denn: Dass der Vertrag bis Sommer 2011 verlängert worden ist, das freute einen natürlich ganz besonders: Collin Benjamin.

So richtig viel zu lachen hatte der 31-jährige Profi zuletzt ja nicht, aber jetzt war die Freude ganz auf seiner Seite. „Ist doch klar, dass man sich freut, einen solchen Partner wie den HSV zu haben. Gerade in der heutigen Zeit, in der es heißt, dass es im Profi-Fußball wenig Herz und wenig Menschlichkeit gibt. Dann ist es ein Traum, dass es so gekommen ist, die Vertragsverlängerung ist eine Super-Sache“, sagte Collin Benjamin, und dabei wir ihm die Freude auch zu 100 Prozent anzusehen

Er arbeitet an seinem Comeback. Er arbeitet sogar hart daran, wie er sagt: „Ich freue mich schon darauf, dass ich im Januar wohl wieder anfangen kann, mit der Mannschaft zu trainieren, mit ins Trainingslager zu fahren.“ Collin Benjamin ist der dienstälteste HSV-Profi. Als ihn Medien-Chef Jörn Wolf bat, über diese seit Jahren gewachsene Verbindung Auskunft zu geben, sagte Benjamin spontan: „Hey, das ist eine so lange Geschichte, das würde viel zu lange dauern.“ Dann begann er aber doch – in kurzen Zügen: „Dass wir jetzt in einer Phase sind, in der alle denken: Mensch, der HSV ist super, die spielen vorne mit. So war es früher ja nicht. Wir haben früher ja nicht ganz oben mitspielen können, aber jetzt. Das ist schon toll.“ Dann fügte der Allrounder – immer noch strahlend – an: „Wenn ich in meiner Heimat Namibia bin, und die Leute sagen: Oh, Collin Benjamin spielt für Hamburg. Das ist eine Sache, die mich schon stolz macht. Dass ich mit dem HSV in einem Atemzug genannt werde, das ist schon super – da fehlen mir die Worte, ehrlich.“

Einfach nur sympathisch, dieser Profi. Und er wird, da könne sich alle sicher sein, alles geben, um 2010 sein 140. Bundesliga-Spiel für den HSV absolvieren zu können. Und das 141., das 142., das 143., und so weiter, und so weiter. Benjamins Kommentar: „Ich will einfach nur wieder fit werden, um richtig Gas geben zu können, um den Jungs wieder helfen zu können. Ich versichere jedem dass es schon brennt bei mir.“ Und wobei will er helfen? Benjamin: „Bei der Jagd nach einem Titel.“ Dann holt er tief Luft: „Das geht jedem hier so im Verein, wir wollen einen Titel. Das kann ich gar nicht in Worte fassen, das ist so ein Hunger danach – und wir sind auf dem richtigen Weg. Und diesen Weg gehen wir weiter, und wenn wir weiter hart arbeiten, dann führt der Weg auch zum Ziel.“ Hoffentlich wird er es als Spieler noch erleben, denn die Zeit der Hamburger Titelentbehrungen hält ja schon viel zu lange an. Glaubt Collin Benjamin daran, dass er noch eines Tages als HSV-Profi einen Pott in seinen Händen hält? „Sonst würde ich hier nicht sitzen, sonst würde ich mich nicht so quälen, um noch einmal zurück zu kommen“, sagt er entschlossen.
Und gibt auch sofort einen Einblick in die jetzige Mannschaft: „Früher, die alten Säcke in der Mannschaft, die haben immer gesagt: Wir wollen, wir wollen, wir wollen einen Titel. Heute haben wir aber eine ganz junge Mannschaft, und diese jungen Kerle, die haben alle einen unheimlichen Hunger, brennen alle. Und jetzt diese 18-Jährigen, die sind heiß, wirklich heiß.“ Er macht das dann auch an einem Talent fest: „Der Tunay Torun, der brennt, dem sieht man den Hunger nach Erfolg in seinen Augen an. Ich glaube wirklich, dass ein Titel nur noch eine Frage der Zeit ist.“

Wie schön wäre es. Und schön war es, mal mit Collin Benjamin darüber gesprochen zu haben. Er gab offen und ehrlich seine Antworten, genau das zeichnet ihn aus, das macht ihn in Hamburg so beliebt.

Das weiß auch natürlich der Trainer. Bruno Labbadia über diese Vertragsverlängerung: „Auch wir freuen uns natürlich sehr darüber. Weil Collin ein Mann ist, den jeder Trainer braucht, denn er ist ein Allrounder, kann auf vielen Positionen eingesetzt werden. Das ist oft ein Fluch für diesen Spieler-Typen, aber ich sehe das nicht so, ich sehe das als Segen.“ Weil „Collo“ in der Tat fast überall auf dem Rasen seinen Mann stehen kann. Darüber hinaus passt er natürlich bestens zu diesem HSV, weil er das Herz auf dem rechten Fleck hat. Egal wen man fragt, ob Mitspieler, Betreuer oder Funktionsträger, sie alle loben den Menschen Collin Benjamin. Und die Fans natürlich auch. Sie sogar ganz besonders.

Schon deswegen hat der HSV genau das Richtige getan, denn alle freuen sich, dass der Pechvogel, der nach dem Kreuzbandriss noch einige Wochen ausfallen wird, noch ein weiteres Jahr dran hängen wird. Labbadia reihte sich in die Benjamin-Fans mit ein, als er sagte: „Ich habe ihn in den vier Monaten, in denen ich hier beim HSV bin, als sehr angenehmen Menschen kennen gelernt. Und als sehr guten Profi. Wir sind froh, dass wir ihm als HSV nun ein Stück weit zurück geben konnten, für das, wie er sich in den letzten Jahren verhalten hat, für das, was er in den letzten Jahren für den HSV getan hat.“

Wobei Collin Benjamin kein „Gnadenbrot“ erhält. Bruno Labbadia stellte klar: „Er erhielt den neuen Vertrag nicht nur aufgrund seiner Verdienste, sondern weil wir ihm alle zutrauen, dass er noch viel für den HSV bewegen kann.“ Darüber hinaus gab Labbadia aber auch zu: „Wir haben uns beraten, wir haben diese Entscheidung getroffen, und letztlich ist es so, dass wir mehr als nur ein Verein sein wollen – wir wollen eine Verbundenheit zu unseren Spielern zeigen. Ich freue mich sehr.“

Ein Schwenk noch kurz auf einen anderen HSV-Profi, derzeit auch ein großer Pechvogel, aber ebenfalls einer aus der Kategorie „Mensch“, so wie Collin Benjamin: Bastian Reinhardt. Er hatte am Donnerstag Geburtstag, wurde 34 Jahre jung. Er wirkt auf mich schon absolut fit, aber es dauert nach seinem zweiten Mittelfußbruch wohl noch bis zum Jahreswechsel, bevor er wieder auf dem Rasen stehen kann. Aber auch er ist heiß, brennt. Als ich ihm, dem neuen „HSV-Praktikanten“, an seinem neuen (vorübergehenden) Arbeitsplatz gratulierte und ihm wünschte, dass er 2010 wieder in die Nordbank-Arena einlaufen könne, da entgegnete er optimistisch: „Das wird in jedem Fall klappen, dafür kämpfe ich.“ Ganz nebenbei hat „Basti“ Reinhardt sein Trikot, das ja an diesem Freitag einen neuen Inhaber (den Gewinner beim Matz-ab-Gewinnspiel) erhalten wird, mit seiner Unterschrift verschönt. Ihr könnt Euch drauf freuen, bei der nächsten Einblendung wird die oder der Gewinner verraten. Viel Glück – und kommt gut in dieses Wochenende.
Und noch einmal meine Bitte: Vertragt Euch. Es ist doch wirklich schade, wenn sich hier immer mal wieder einige Herren in die Wolle kriegen, wo es doch wirklich nur um die schönste Nebensache der Welt gehen sollte: HSV. Ihr würdet mir echt einen großen Gefallen tun, wenn sich hier jeder einmal darauf, und wirklich nur darauf, besinnen würde. Und: Was der gute „Peacock“ (mein neues Vorbild!), mit dem ich gemeinsam das Donnerstags-Training im wahrsten Sinne des Wortes durchgestanden habe, ja, was er kann, das müssten doch auch eigentlich alle anderen Vollblut-HSV-Fans können. Bitte geht in Euch, ich mag in diesem Blog keine Streitigkeiten und Boshaftigkeiten, die sind absolut überflüssig. Danke für Euer Verständnis.

Nur der HSV!

0.01 Uhr

Der HSV geht auf dem Zahnfleisch

19. November 2009

„Müssten wir heute schon gegen Bochum spielen, dann hätten wir tatsächlich arge personelle Probleme.“ Das sagt Bruno Labbadia, und er ist eigentlich kein Typ, der sich beklagt, der hadert oder gar weint. Zum Glück ist das Spiel gegen den VfL erst am Sonntag, denn: Jerome Boateng ist angeschlagen, Jonathan Pitroipa fällt ganz sicher aus, Ze Roberto muss am Donnerstag noch eine Kernspintomographie hinter sich bringen, Marcus Berg hat eine Magen- und Darm-Grippe und kann auch heute noch nicht trainieren, und Tunay Torun leidet unter einer Grippe. Noch Fragen? Wer soll da eigentlich gegen den VfL Bochum auflaufen?

Zu einem Sorgenkind entwickelt sich allmählich Boateng. „Er ist in den letzten Wochen ja regelmäßig ausgefallen, hat immer so um die 60. Minute herum Probleme mit seinen Waden bekommen“, sagt Labbadia über den Nationalspieler. An ein langwieriges Auskurieren ist im Moment nicht zu denken, Jerome Boateng muss aus den bekannten personellen Gründen die Zähne zusammen beißen und spielen, wenn es irgendwie geht. Ob es am Sonntag gehen wird, das konnte auch Bruno Labbadia nicht beantworten: „Er lässt sich pflegen, die medizinische Abteilung wird alles tun, um ihn wieder auf die Beine zu stellen.“ Das klingt nicht gut. Und allgemein gibt der HSV-Trainer zu: „Es ist im Moment schon so, dass wir an Länderspieltagen den Atem anhalten. Warum das so ist, wissen wir nicht, aber ich denke, dass wir in dieser Phase schon einen sehr hohen Preis für die Länderspiele bezahlen.“ Weil es immer wieder Hiobsbotschaften in Sachen Verletzungen gibt.

Trotz allem aber ist es ja noch immer so, dass der HSV oben mitmischt. Irgendwie wurden alle Widrigkeiten überwunden. Auch diesmal wieder? „Wir waren in den letzten Spielen zwar nicht sonderlich erfolgreich, aber wir waren immer in der Lage, einen Dreier zu holen, trotz der Personal-Probleme“, sagt Marcell Jansen und fügt optimistisch an: „Wir haben immer eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen können, ich hoffe und bin auch zuversichtlich, dass wir es auch diesmal schaffen.“ Übrigens: Wer mehr von Marcell Jansen wissen und sehen will: Am Sonntag ist er beim NDR-Fernsehen zu Gast bei der Sendung Sportclub live  (21.45 Uhr), Moderator ist Gerhard Delling. Das nur am Rande.

Zurück zum Bochum-Spiel: Auch der HSV-Kapitän ist ebenfalls verhalten optimistisch. David Jarolim sagt: „Wir müssen konzentriert und mit viel Geduld spielen, und dann müssen wir unsere Torchancen, die wir bekommen werden, auch nutzen.“ Wenn das so einfach wäre. Zuletzt in Hannover war es das jedenfalls nicht so ganz, und deshalb gab es „nur“ ein 2:2. Beim einstigen Angstgegner. Aber auch der VfL Bochum hat schon einige Male „ganz Hamburg“ in Angst und Schrecken versetzt. Und diesmal kommt der abstiegsgefährdete VfL mit einem neuen Trainer an die Elbe. Die ersten beiden Spiele hat Heiko Herrlich bereits mit seinem neuen Team VERLOREN (sorry, aber die Zeit zum Training wurde knapp, sorry!), es kommt also ein angeschlagener Boxer in die Arena – Vorsicht!

„Der Heiko Herrlich hat jetzt den Vorteil gehabt, dass er die Länderspielpause volle 14 Tage nutzen konnte, und dazu hat er wesentlich mehr Spieler bei sich gehabt, als wir beim HSV“, sagt Bruno Labbadia über seinen neuen Kollegen. Über den VfL befindet der HSV-Coach: „Ich erwarte einen sehr organisierten Gegner, ich erwarte den VfL nicht so, dass er uns in unserer Hälfte festschnüren wird, sondern dass er kontrolliert spielen wird, dass er gut organisiert spielen wird, das er die Räume eng machen wird – und dann Konter zu setzen.“

So traten die Bochumer eigentlich immer in Hamburg auf, aber sie haben den HSV dabei auch oft ärgern können. Da gab es schon einige herbe Niederlagen, und oft genug verließen die HSV-Fans den Volkspark mit hängenden Ohren. Da diesmal die Vorzeichen nicht besonders gut sind, könnten sich diesmal zwei Teams begegnen, die sich auf Augenhöhe befinden – warum soll da die Heimmannschaft ihren kleinen Vorteil nicht nutzen?

„Wir werden alles dafür tun, dass wir am Sonntag als Sieger vom Platz gehen, denn dieses Spiel ist wichtig. Enorm wichtig, denn wir wollen oben dran bleiben“, sagt Labbadia, Ohne Heimsieg über Bochum aber wäre das wohl kaum noch möglich.

Ein nicht unwichtige Rolle könnte bei dieser Partie Piotr Trochowski spielen, der in der Begegnung gegen die Elfenbeinküste zu den besten deutschen Nationalspielern gehörte. Ihm müsste seine Leistung beim 2:2 in Gelsenkirchen eigentlich großen Auftrieb gegeben haben. Generell aber sagt „Troche“ über das Sonntagsspiel: „Wir müssen mal wieder ein Erfolgserlebnis haben, wir müssen gegen Bochum befreiter aufspielen, offensiv spielen, uns breiter aufstellen.“ Er scheint gelöster als noch vor einer Woche, Da hatte ihn Bayern-Manager Uli Hoeneß öffentlich grob beleidigt. Die Sache aber scheint jetzt aus der Welt. Ihr werdet Euch erinnern, was ich nach diesem „Hoeneß-Klops“ spontan gefordert hatte: eine Entschuldigung.

Trochowski berichtete nun über den in meinen Augen unglaublichen Vorfall: „Ich hatte es nicht gedacht, dass Uli Hoeneß so etwas über mich sagen würde, aber es ist passiert, und das war schon enttäuschend für mich. Allerdings hat er sich einen Tag später bei mir entschuldigt, er hat mich angerufen – und ich habe die Entschuldigung angenommen. Damit ist das erledigt.“ Wie schön. „Troche“ könnte also gelöst aufdribbeln – und vielleicht zum entscheidenden Mann im Volkspark werden. Es wäre ihm und seinem HSV zu gönnen.

Fortsetzung folgt. Um 14.30 Uhr beginnt das Training, das werde ich mir wie immer ansehen.  Bis  dahin bitte ich Euch, die Ruhe zu bewahren. Wer die vielen Kommentare hier nicht mag (und ich mag sie!), der sollte sie nicht lesen – aber bitte nicht schimpfen oder alles verdammen. Um es mir leicht zu machen: Nehmt Euch bitte, bitte ein Beispiel an Peacock, der hat jetzt offenbar den Bogen raus. Un aber weg, es eilt, ich bin schon zu spät auf dem Acker, oder besser: am Acker.

14.31 Uhr

War das der Fußball von morgen?

18. November 2009

Poldi
Das war mal ein echtes Freundschaftsspiel, die Partie Deutschland gegen die Elfenbeinküste. Kaum einmal ein böses Foul, und wenn es doch einmal eines gab, dann wurde sich schnell und gelegentlich auch unheimlich nett entschuldigt. Dazu hätte natürlich bestens ein Unentschieden gepasst, und das gab es dann ja auch noch mit dem 2:2 in letzter Sekunde. Ich frage mich jetzt, bevor es zu Bett geht: War das der Fußball von morgen? Im ersten Länderspiel nach Robert Enke? Es war diesmal so fair, so anständig, so rücksichtsvoll. Geht es nun so weiter?

Den etwas anderen Fußball hatte der geneigte Fan ja schon vorher bei Ägypten gegen Algerien (0:1) gesehen. Da hagelte es Gelbe Karten, da gab es viele Provokationen und einige böse Tritte – war das vielleicht doch eher der Fußball von morgen?

Ich möchte schnell noch bei dieser Begegnung bleiben, denn die Bilder, die wir vom Wochenende gesehen haben, als der durchlöcherte Mannschaftsbus der Algerier durch Ägypten fuhr, als einige algerische Nationalspieler blutende Kopfwunden davon getragen haben, die haben (nicht nur) mich entsetzt. Was ist das bloß für eine Art von Fußball? Ganz sicher nicht der, den die Welt sehen will. Deswegen freue ich mich, dass Algerien jetzt bei der WM ist. Der Fifa aber muss man unterstellen, nur aus der Ferne zugeschaut – und geschwiegen zu haben. Erinnert ihr Euch noch an die Partie Türkei gegen die Schweiz, dieses Skandalspiel? Komisch, da stand die Fifa sofort auf der Matte. Weil es um die Schweiz ging? Und diesmal? Kein Kommentar. Auch keine Drohung von den Fifa-Herren, auch nichts von Herrn Blatter. Der kann offensichtlich nur, wenn es um Europa geht . . .
Und wenn da 15 000 Sicherheitskräfte bei einem so brisanten WM-Qualifikationsspiel eingesetzt werden müssen, dann spricht das Bände, Ich bin gespannt, ob da noch etwas von den Fifa-Herren kommen wird – in meinen Augen muss da dringend etwas kommen!

Kurios bei diesem Entscheidungsspiel: Da lag ein Ägypter plötzlich im eigenen Strafraum am Boden, unmittelbar bevor ein Eckstoß für Algerien ausgeführt werden sollte. Als das Spiel unterbrochen war, hielt sich der am Boden Liegenden den Mund, er deutete damit an, einen Schlag eines Gegners abbekommen zu haben. Als der Hüne dann stand, humpelte er. Er humpelte! Ich traute meinen Augen nicht. Als er es selbst bemerkte, fasste er sich wieder voller Selbstmitleid an den Mund – und ging ganz normal weiter. Mann kann sich ja mal vertun, oder? Der Fußball von morgen? Eher nicht.

Zurück zum deutschen Spiel, das ja drei Hamburger in Gelsenkirchen erlebte. Jerome Boateng begann souverän und fast schon so abgeklärt, als bestreite er sein 100. Länderspiel (und nicht sein zweites), aber in der zweiten Halbzeit beging er zwei Fouls, die böse (für die deutsche Mannschaft) hätten enden können. Da muss Boateng noch an sich arbeiten, das Timing stimmte nicht immer – „Jogi“ Löw wechselte ihn völlig berechtigt (und zum Schutz) aus. Dass für den Hamburger dann der Hoffenheimer Beck kam, sehe ich mal als verunglücktes Gedankenspiel des Bundestrainers, aber auch das kann ja mal passieren.

HSV-Dribbler Piotr Trochowski trat auf wie zu besten Zeiten, trickreich, selbstbewusst und einfach nur gut. Auf jeden Fall besser als der Bremer Mesut Özil. Trochowski, der sich auch schneller vom Ball trennte als sonst (oder täuschte das?), traf mit links sogar einmal den Pfosten, seine Vorstellung konnte sich wahrlich sehen lassen. Und: Habt Ihr mal drauf geachtet: „Troche“ schlug die erste deutsche Ecke vor das Tor der Ivorer, und was für ein Teil. Da konnte man wirklich Eckstoß zu sagen. Warum klappt das bei der Nationalmannschaft, warum nur so selten beim HSV? Eine Frage der Konzentration? Dass Piotr Trochowski noch ausgewechselt wurde, war Künstlerpech. Und irgendwie auch unverdient. Oder lag es doch daran, dass er im zweiten Durchgang nicht mehr ganz so dominant aufgetreten war?

Auf der Gegenseite, bei der Elfenbeinküste, verursachte Guy Demel gleich zu Beginn des Spiels einen Elfmeter gegen Stefan Kießling. Er hätte es wissen müssen, wie schnell der Bayer-Torjäger immer fällt. Kommentar des ehemaligen HSV-Managers Günter Netzer zur Pause: „Das war ein glücklicher Elfmeter für uns.“

Apropos reden: Manchmal scheint es doch zu helfen. Im Falle Philipp Lahm jedenfalls, denn er war erstmalig Kapitän der Nationalmannschaft. Leistungsmäßig hatte er dieses Amt nicht verdient, denn er glänzte zuletzt nur durch Interviews, spielt bei Bayern eher eine dürftige Saison, und er war auch gegen die Elfenbeinküste schwach. Erst die Kopfballrückgabe, die fast zu einem Gegentor führte, dann reihenweise Stellungsfehler und schlechtes Zweikampfverhalten. Da schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass der gute Lahm in den vergangenen Wochen vielleicht doch das eine oder andere Mal zuviel geredet hat. Bei dem Gegenwind, den er oft geerntet hat, kommen vielleicht Zweifel auf, und die beeinträchtigen dann eventuell doch das eigene Spiel.

Um noch kurz auf den HSV an diesem Tag zurück zu kommen: Erstmalig seit Wochen sah ich Paolo Guererro, als er aus der Kabine humpelte. So sehr ich über den ersten Trainingstag von Mladen Petric erfreut war, weil der Kroate offenbar viel weiter ist, als alle wussten, so sehr war ich über den Peruaner erschrocken. Guererro hat zwar keine Krücken mehr, aber er geht ganz, ganz schlecht. Das sah wirklich nicht gut aus. Und ich hoffe, dass da wirklich noch alles gut wird – selbst wenn es noch Monate dauern sollte. Egal, Hauptsache, Paolo kommt wieder auf die Füße. Aber da hatten, nach dem ihn einige Fans so gehen sahen, doch der eine oder andere Anhänger schon große Zweifel – einer äußerte sie dann auch spontan: „Ich glaube ernsthaft, dass wir Paolo nicht wieder auf dem Rasen in der Arena sehen werden . . .“ Ich hoffe für Paolo Guererro und für alle die, die mit dem HSV sind, dass es nicht so eintreten wird. Eine solche gute Karriere darf doch die tolle Karriere des Stürmers nicht enden.

22.49 Uhr

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